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05 Die Rosenkreuzer

Die Rosenkreuzer

Max Retschlag (1934)

Als eigentliche Hüter der hermetisch-alchemistischen Überlieferung haben die Rosenkreuzer zu gelten. Der Name Rosenkreuzer ist von dem hermetischen Symbol, einer Rose inmitten eines Kreuzes abgeleitet. Er wird zuerst Ende des vierzehnten Jahrhunderts erwähnt, nachdem der Ritterorden der Templer in Frankreich, die im Abendland die geheime Überlieferung pflegten, durch Mord und Brand völlig vernichtet worden war.

Die Rosenkreuzer waren deutsche Adepten, bei denen eine Beziehung zu geflüchteten Tempelrittern nicht feststeht, aber wohl möglich gewesen ist. Viel ist über diese Rosenkreuzer fabuliert worden, wozu allerlei mystische Gerüchte, die wahrscheinlich von einer später entstandenen Bruderschaft des Rosenkreuzes ausgesprengt worden waren, das meiste beigetragen haben mögen.

Die ersten, wahren Rosenkreuzer gehörten nicht einem Orden oder einer geheimen Gesellschaft an, sondern es waren Adepten, jene, die zur höchsten Kenntnis gelangt waren und sich durch ihre Schriften erkannten, ohne sich jemals im Leben zu begegnen. Sie konnten von sich sagen, dass sie unsichtbar seien, was dann aus Unkenntnis zu der Fabel Anlass gab, dass sie sich hätten unsichtbar machen können. Unsichtbar sein heißt so viel, wie unerkannt unter den Zeitgenossen leben, wie es ebenso die Adepten des Fernen Ostens, die Weisen des Tao im „Geheimnis der goldenen Blüte des Höchsten Einen“ von sich sagen konnten: „So lebt man unter den Menschen, verborgen und sichtbar, anders wie sie, und doch wie sie, niemand kann unsere verborgene Weise erkennen und niemand versteht sie.“

Das Symbol des Rosenkreuzes gebrauchten die Adepten als Kennzeichen für die Übereinstimmung der hermetischen mit der christlichen Erkenntnis, es findet sich aber auch in der Esoterik des Islam. Die Rose inmitten eines Kreuzes ist der symbolische Ausdruck dessen, was die arabische Esoterik mit dem göttlichen Zustand bezeichnet, die Vereinigung der Gegensätze. Die Rose hat die gleiche Bedeutung, wie der Becher des Tarot, sie stellt ein Gefäß dar, einen Pokal, den Gral oder das Herz, und ihr Platz inmitten der vier Kreuzesbalken bedeutet das geistige Zentrum im Menschen, in seinem aus den vier Prinzipien bestehenden materiellen Körper. Diesen Sinn erweitert, bedeutet sie das Heilige Land (im Menschen), die heilige Erde, die Erde der Philosophen, den Mittelpunkt der Welt, die Quelle, aus der die geistigen Ströme in die vier Himmelsgegenden fließen. Alchemistisch bedeutet die Rose im Kreuz die Quintessenz, das fünfte Wesen, von dem die vier Elemente ausgehen.

Das Symbol des Rosenkreuzes drückt aus, dass der alte Mensch auf dem kosmischen Kreuz seines gegenwärtigen Lebens absterben muss, ehe er als ein neuer, reinerer wiedergeboren werden kann. Er muss sich von seinen Leidenschaften abwenden, sich aus den Banden des Egoismus, der Sinnestriebe lösen als dem einzigen Weg zur wahren Erkenntnis.

In ihren Schriften verbanden die Rosenkreuzer die hermetische Überlieferung mit der christlichen Lehre, sie waren wahrscheinlich auch die Urheber einer Gesellschaft, die später unter dem Namen Fraternitas Rosae + Crucis gegründet wurde. Zu dieser Vereinigung sind zu zählen: Heinrich Kunrath, der „Philosph von Leipzig“, Verfasser des „Amphitheater der ewigen Weisheit“, Michael Mayer, Leibarzt Kaiser Rudolph des Zweiten, die Engländer Thomas Vaughan, genannt Philalethes, und als ihr bekanntester Robert Fludd, dessen Hauptwerk „Utriusque Cosmi Majoris scilicet Minoris Metaphysica, Physica atque Technica Historia“ betitelt ist.

Verschiedenen von diesen Brüdern des Rosenkreuzes war das große Meisterwerk der Alchemie bekannt, Robert Fludd und seine Anhänger verwarfen aber alle Medikamente, und betrachteten die Alchemie als psychische Heilweise. Von den Rosenkreuzern wird berichtet, dass sie bald nach dem westfälischen Frieden Europa verlassen hätten und nach Indien oder Tibet ausgewandert seien.

Eine später gegründete „Bruderschaft der Gold- und Rosenkreuzer“ mit Ordensgraden, Regeln, Abzeichen befasste sich eingehend mit alchemistischen Studien, ohne jedoch das Magisterium Magnum erlangen zu können. Von ihnen ist Anton Joseph Kirchweger zu erwähnen, dessen Werk: „Annulus Platonis oder Aurea Catena Homeri“ auf den Schriften Agrippas fußt.

Außer den angeführten Heilern haben zu allen Zeiten Adepten gelebt, die in der Stille ihren Mitmenschen Hilfe zuteilwerden ließen; sie sind nur soweit bekannt, als sie Schriften unter ihrem wahren Namen hinterlassen haben.