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03 Die geheime Bedeutung der Zahlen und Buchstaben

Die geheime Bedeutung der Zahlen und Buchstaben

Max Retschlag (1934)

In den Schriften der Adepten wird bei der Beschreibung des großen Werkes öfter auf die verborgene Bedeutung der Zahlen und Buchstaben Bezug genommen. Diese Buchstaben- und Zahlensymbolik wird in der Gematria der Kabbala behandelt, sie ist in der islamitischen Esoterik als Djebr zu finden, auch in der indischen Geheimlehre und im chinesischen Tschen-pey enthalten.

Die zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets heißen die zweiundzwanzig großen Arkanen, sie sind der Schlüssel zur geheimen Weisheit, die Quelle des Lichts oder das Licht des Lebens, Al-pha-vita oder Al-eph-beth.

Von den zehn ersten Zahlen, die alles enthalten, bedeutet eins den Anfang alles Seins, die vom Schöpfer ausgehende Schöpfungsidee, das schöpferische Prinzip, die aktive, positive, männliche Kraft. Es ist dieselbe Einheit, aus der die Zahl zwei entsteht, dieselbe, die ebenso in der Triade, wie in der Dekade enthalten ist, denn zehn ist nicht nur die Summe der zehn Einheiten, sondern auch die Einheit dieser Summe.

Zwei bedeutet die Linie, das feste, negative, weibliche, empfangende Prinzip.

Drei ist als Zahl des Dreiecks die Fläche, die Essenz aller physischen Dinge, sie ist die vollkommene Zahl als erste ungerade, denn sie hat Anfang, Mitte und Ende, das Abbild des Alls. Sie ist die feste Zahl, denn alle materiellen Dinge sind durch sie begrenzt, sind dreidimensional. Als Produkt von 1 + 2 bedeutet sie die ausführende schöpferische Tätigkeit.

Vier galt als heilige Zahl, mit ihr endet die Progression der ersten Zahlen, deren Summe die vollkommene Dekade ergibt. Vier schließt alle Kräfte der erzeugenden und erzeugten Zahlen in sich ein, sie wurde als einzige Zahl der Dekade von einer Zahl gezeugt, und zeugt selbst eine andere. Vier ist als 2 x 2 oder 2 + 2 die Vollendung in der materiellen Welt, des kosmischen Aufbaues. In der Gleichung 3 + 1, bei der die molekulare Bildung Aktivität und Fortschritt anzeigt, gilt sie nach Pythagoras als Symbol der Göttlichkeit.

Fünf ist als Summe der ersten Geraden und der ersten Ungeraden der Dekade das Abbild des Naturkörpers, und gibt den Dingen die äußere, wahrnehmbare Form, Eigenschaft und Farbe. Alle materiellen Wesenheiten bestehen aus vier Elementen und einem fünften Wesen, der Quintessenz, Aura oder Äther. Für die hermetische Auffassung ist die Zahl nicht eine Ziffer, deren Bedeutung sich immer gleich bleibt, sondern deren Eigenschaften, deren Wertigkeiten oder Valenzen nach der Chemie, sich ändern je nach ihrer Struktur. So enthält die Fünf zwei Aufbaumöglichkeiten, 2 + 3 und 4 + 1, von denen die erste passiven Widerstand, Leblosigkeit anzeigt, Hemmung der Evolution, die zweite dagegen die Bereitschaft des Quaternär, die Impulsion einer neuen Einheit aufzunehmen. Hier ist es die vollendete Materie, 4 als 3 + 1, die zur Fruchtbarkeit fähig wird, zur Entwicklung der Sinne, und daher ist fünf das Symbol für die Sinnesempfindungen, für die empfindende Seele.

Sechs ist die Zahl des lebenden menschlichen Körpers, sie fügt zu den fünf Elementareigenschaften die menschliche Seele mit deren höheren Funktionen hinzu. Sechs enthält vier isomorphe Formen, 1 + 5, 2 + 4, 3 + 3, 2 x 3. Von diesen Formen zeigt die erste, dritte und vierte das Vorherrschen des ungeraden, aktiven Elements, bereit, die Einwirkung einer neuen Einheit anzunehmen. Die zweite Form zeigt eine sterile Sechs, die sich der Einwirkung der neuen Einheit widersetzt.

Sieben gilt als Ausdruck für die Gesundheit, für das Lichte, für die Vernunft, sie ist die jungfräuliche Zahl, denn sie wurde von keiner Zahl der Dekade gezeugt, und zeugt auch keine andere. Sieben ist die Zahl des großen Werkes der Alchemie, wie auch der Weltschöpfung, denn in der Zahl der sieben Tage ist die ganze Schöpfung eingeschlossen. Doch sind auch die Eigenschaften der Sieben verschieden je nach ihrer Struktur, denn sie enthält drei Gleichungen, 1 + 6, 2 + 5, 3 + 4, von denen nur die erste einen Fortschritt anzeigt. 1 + 6 ist das Gleichgewicht, das von der hinzutretenden Einheit von neuem Bewegung und Leben erhält, 3 + 4 dagegen ist die Involution der unbereiteten Materie, und 2 + 5 ist die rückwärtsführende Empfindung, die Sinnlichkeit.

Acht ist die kubische Zahl und deshalb das Abbild der Erde. Sie enthält fünf Gleichungen, 1 + 7, 2 + 6, 3 + 5, 4 + 4, 23, von denen die erste, 1 + 7, die fortschrittliche ist. Diese zeigt ein unbeständiges, schnellen Änderungen geneigtes Gleichgewicht als die Grundlage des materiellen Lebens, günstig für die Einwirkung einer neuen, höheren aktiven Kraft. sie deutet auf den sich vorbereitenden geistigen Fortschritt, sie ist das Gefäß, die Gebärmutter, in der sich der Keim des neuen Menschen entwickeln wird. 2 + 6 zeigt das im Materiellen harmonische Gleichgewicht, 3 + 5 ist ein unbeständiges Gleichgewicht, die Entwicklung der Empfindungen nach unten, nach der niederen Sinnlichkeit. 4 + 4 ist Stillstand, und 23 ist das für eine aufwärtsführende Verwirklichung völlig unfähige Gleichgewicht. Wenn Acht das Gefäß ist, in dem sich der Embryo des neuen, geistig höheren Menschen entwickelt, so ist Neun die Entwicklung selbst, die Schwangerschaft, wie auch der physische Mensch innerhalb von neun Monaten entsteht.

Neun enthält fünf Gleichungen, 1 + 8, 2 + 7, 3 + 6, 4 + 5, 32, von denen allein 1 + 8 die Entwicklungsfähigkeit anzeigt. Bei dieser Gleichung belebt die neue, aktive Einheit den Keim und führt ihn zur Reife bis zur Geburt. 2 + 7 ist die im Materiellen befangene Intelligenz, die Wissenschaft, 3 + 6 zeigt das Ästhetische im Materiellen an, 4 + 5 ist das Vorherrschen der niederen Sinnlichkeit, und 32 bedeutet wohl einen Fortschritt des geistigen Menschen, es ist aber ein Fortschritt im Irrtum.

Zehn ist eine gerade Zahl, aber ungerade, aktiv in ihrer Wurzel 9 + 1. Hier wirkt die neue Einheit, und so ist Zehn die zweite, geistige Geburt des Menschen als eines „Zweimalgeborenen“, mit der er ein neues, geistig höheres Leben beginnt, ohne die Art und Weise seiner gegenwärtigen Existenz zu ändern. Zehn enthält die Natur aller Dinge, das Gerade und das Ungerade, das Bewegliche und das Feste, das Gute und das Böse. Zehn ist die Zahl der Attribute Gottes, der Sephiroth nach der Kabbala, als der Entwicklung der ersten drei Prinzipien in allen ihren Eigenschaften. Zehn Namen des Höchsten nennt die Kabbala, deren erste Dreiheit der Geist Gottes ist, Cochmah, Kether und Binah.

Im Sepher Jezirah der Kabbala heißt es mit Hinweis auf die Weltschöpfung und auf das große Werk der Alchemie: „Schließe deine Lippen, halte ein mit Nachdenken, und wenn dein Herz schwach wird, so kehre zum Anfang zurück. Darum steht es geschrieben: Weggehen und Wiederkommen, deswegen der Bund gemacht wurde: zehn Sephiroth außer der Unaussprechlichen.

Die erste Sephiroth, eins, ist der Geist des lebendigen Gottes, sie ist der gesegnete und abermals gesegnete Name des ewig lebendigen Gottes, Stimme, Geist und Wort ist der Heilige Geist.

Zwei ist der Hauch des Geistes, mit ihm sind eingeprägt und eingegraben die zweiundzwanzig Buchstaben, die drei Mütter, die sieben doppelten und die zwölf einfachen, und in jedem von ihnen ist Geist.

Drei ist das Wasser, das aus dem Hauche entsteht, mit ihm grub Er ein und prägte die erste leere, unbelebte Materie, Tohu, die Linie, die um die Welt gezogen ist, und Bohu, die verborgenen Steine, vergraben in der Tiefe, von wo die Wasser ausgehen.

Vier ist das Feuer, das aus dem Wasser kommt, mit ihm schuf Er den Ehrenthron, die himmlischen Räder, die Ophanim, die Seraphim, die heiligen Tiere und die dienenden Engel, aus ihrer Oberherrschaft machte Er seine Wohnung, wie der Text sagt: Er ist es, der seine Engel machte und seine dienenden Geister durch Bewegen des Feuers, usw.

Jeder der zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets hat seine besondere esoterische Bedeutung, seinen Zahlenwert, und stellt für den Wissenden eine geheime Kraft dar. Auch der esoterische Islam kennt die geheime Bedeutung der Buchstaben, weiß von der in ihnen verborgenen Macht, von ihrer Beziehung zum großen Werk. Seyidi Mohy-iddin erwähnt in seinem El-Futu-hattul-Mekkiyah die esoterische Bedeutung der achtundzwanzig Buchstaben des arabischen Alphabets, er vergleicht das Weltall mit einem Buch, in dem jeder der Buchstaben eine göttliche Idee darstellt und zugleich eine Zahl. Es ist das gleiche Buch, wie das Liber mundi der Rosenkreuzer oder das Buch des Lebens in der Offenbarung Johannis, es ist verwandt mit dem Lebensbaum, mit dem Baum der Erkenntnis im Paradies und mit der germanischen Weltesche Ygdrasill.

Bei der Analogie zwischen dem Makrokosmos, arabisch el-Kawnul-Kebir und dem Mikrokosmos, el-Kawnul-seghir, entspricht jeder der achtundzwanzig Buchstaben einem bestimmten Teil des Organismus. Diese Entsprechungen ermöglichen es, die geheime Wissenschaft von den in den Buchstaben verborgenen Kräften therapeutisch anzuwenden.

Den drei Daseinsebenen oder Welten entsprechend ist die geheime Wissenschaft von den Buchstaben eine dreifache. Im höchsten Sinne ist sie die Erkenntnis der Ur-Prinzipien, im mittleren Sinne ist sie die Kenntnis der Kosmogenie, das Wissen vom Entstehen der wahrnehmbaren Welt und im unteren Sinne ist sie die Kenntnis der Eigenschaften der aus Buchstaben gebildeten Wörter und Namen, sowie der Zahlen. In den Buchstaben eines Namens verrät sich die Natur jedes geschaffenen Wesens, daher vermag die Kenntnis eines Namens über das betreffende Wesen eine gewisse Macht zu verleihen. Die Anwendung der arabischen Geheimwissenschaft von den Buchstaben ist der untere Grad dieser esoterischen Kenntnis. Der höchste Grad, der nur von wenigen erklommen wird, verleiht die Macht, auf allen drei Daseinsebenen wirken zu können. Wer diese Erkenntnistiefe erreichte, der kennt das große Magisterium, das Meisterwerk der Alchemie, den Stein der Weisen oder den „roten Schwefel der Weisen“, arabisch el-Kebritul-ahmar, denn die Wissenschaft von der geheimen Kraft der Buchstaben und vom großen Werk ist die gleiche. Seyidi Mohy-iddin erhielt deshalb als Adept den Beinamen Es-Sheikul-akbar wa el-Kebritul-ahmar.

Die Geheimwissenschaft von den Buchstaben ist dem Devanagari oder Sanskrit ebenfalls bekannt. Nach dieser tantrischen Geheimlehre ist jeder Buchstabe eine individuelle astrale Macht, die ihn befähigt, an der Formung der Materie teilzunehmen, und diese im gesprochenen Wort wirkende Kraft heißt Mantra. Jeder Buchstabe, varna, des Sanskritalphabets, der durch die Vereinigung mit anderen Buchstaben einen Mantra bildet, ist eine Offenbarung der übersinnlichen Ebene. Auch nach tantrischer Lehre wird der menschliche Organismus durch den Mantra stark beeinflusst, denn jedes Organ hat eine besondere Grundschwingung, eine Farbtönung, die derjenigen eines bestimmten Buchstaben entspricht. Die anderen Buchstaben eines Mantra bilden Nebenschwingungen gleich der Dominante und den Nebentönen eines Akkords. In der Zeremonie des Kushandika homa vermag der dabei gesprochene Mantra Feuer anzuzünden ohne irgendwelche physischen Mittel.

Die hermetische Philosophie, die Überlieferung dessen, was als das Verborgenste nur durch Intuition meditativ zu erfahren ist, umschließt eine Theosophie, das Wissen über Gott, eine Mystik, das Wissen über das Geistige, und eine Metaphysik, das Wissen über das sinnlich Nicht-Wahrnehmbare in der Natur; Gott, Geist, Seele und Stoff umfasst das weite Gebiet der Erkenntnis. Dieser Philosophie entsprechend ist das Arbeitsgebiet der Alchemie ein Dreifaches. Es ist Theologie, wenn sie die unermessliche Größe des Schöpfers erkennen lehrt, es ist geistig, wenn sie von der Selbsterkenntnis ausgehend zur psychischen Läuterung führt, die Herrschaft des Körpers, der sinnlichen Triebe durch diejenige der geistigen Prinzipien ersetzt, es ist materiell, wenn sie den von der Natur eingeschlagenen Wegen folgend es unternimmt, den armen und leidenden Mitmenschen zu helfen.

Alchemie ist die Wissenschaft vom Leben, und als solche ist sie Heilkunst.