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12 Das große Meisterwerk der Alchemie in der Mythologie

Das große Meisterwerk der Alchemie in der Mythologie

Max Retschlag (1934)

Die Mythologie der Völker verhüllt unter der Form fesselnder Erzählungen ein umfassendes Wissen, tiefe Wahrheiten. Die Weisen der urfernen Vorzeit haben es verstanden, auf Grund des ersten hermetischen Gesetzes von den Entsprechungen, von der Analogie, das im gesamten Kosmos herrscht, in diese Göttergeschichten das Wesentliche ihrer fabelhaften Kenntnisse einzuschließen und der Nachwelt zu hinterlassen. Wer den verborgenen Sinn erschließen kann, dem enthüllen diese Mythen je nach dem Schlüssel, den er gebraucht, die Geschichte unserer Erde von Anbeginn an, die Geschichte der ersten Menschheit mit ihrer hohen Kultur, die in großen Erdumwälzungen unterging, er findet ebenso auch die Geschichte der zweiten Menschenwelle, der wir angehören, schwächliche und vergängliche Zwerge im Vergleich zu jenen ersten Menschen, Riesen an Geist und Körper, die fast unsterblich waren.

Eine vollständige Biologie ist in den Göttergeschichten enthalten, auch eine Anatomie des Menschen, die von höherer Warte aus einen Überblick zu geben vermag, welches Kräftespiel diese Agglomeration lebendiger Einheiten, unseren Körper, entstehen ließ, welches Netz von unsichtbaren Fäden alle Organe verbindet, jedes kleinste Teilchen von allen den anderen abhängig macht.

Die Grundgesetze der Physik findet man, diejenigen der Chemie und die der Alchemie, der Wissenschaft aller Wissenschaften, die allein es vermag, den Menschen auf den höchsten der erreichbaren Gipfel der Erkenntnis zu führen, zum Verständnis des großen Lebensprinzips.

All die Mythen und ebenso die großen poetischen Meisterwerke, Ilias, Odyssee, Apokalypse, die göttliche Komödie, Shakespeares Dramen und andere mehr, auch die alten Sagen und Volksmärchen lassen verschiedene Deutungen zu. „Wenn ich ein Wort ausspreche, so denke ich an die siebenundsiebzig Bedeutungen, die es enthält“, sagte Mohammed. Siebenundsiebzig, das konnte wohl der große Prophet sagen, gewöhnliche Sterbliche müssen sich damit begnügen, drei und wenn es hoch kommt, wohl auch einmal vier und fünf Deutungen auffinden zu können.

Ein solcher Schlüssel, der den Sinn erschließen kann, liegt in der Astronomie, ein anderer in der Astrologie, die weit mehr ist, wie eine Wahrsagekunst, die sie in der heutigen Zeit allein zu sein scheint.

Die Astrologie ist ein Schlüssel, der das große kosmische Kräftespiel erkennbar werden lässt, von dem die Mythen berichten, Kräfte, die ebenso im Weltall herrschen, wie im Menschen und im Atom. Dem Adepten erschließt dieser Schlüssel die Erkenntnis derjenigen Kräfte, die in ihm wirken, die er bewusst leiten soll, um das große Werk auf geistiger Ebene zu vollbringen.

Sieben Planeten sind es nach der alten Astrologie, deren ungehinderter Strahlungseinfluss auf den Menschen ein unheilvoller ist, der seine Aufwärtsentwicklung hemmt, denn er weckt seine irdisch sinnlichen Leidenschaften und Triebe. Alle Planeten senden nach Jakob Böhme ihre unheilvollen Strahlen herab, von denen die besten für den Menschen noch Gift und Mord sind im Hinblick auf seine Bestimmung. Doch haben sie ihre besondere Aufgabe, denn sie führen den Menschen durch die Leiden, die sie ihm bringen, auf den rechten Pfad, der ihn aufwärts führen kann, den er dereinst verließ. Es sind jene Strahlen, die in der Aura auftreten zur Zeit der Prüfung durch seelische und körperliche Leiden.

Diese sieben planetaren Einflüsse werden die sieben Hauptsünden genannt, sie erscheinen bei den Chaldäern als die sieben Türme, es sind die sieben Stockwerke, die erstiegen werden müssen, um zum wahren Ich zu gelangen. In der Kabbalah sind es bei den drei Müttern Aleph, Mem, Schin, bei den zwölf einfachen die sieben doppelten Buchstaben des Alphabets, die den Planetenkräften entsprechen, Beth, Gimel, Daleth, Kaph, Peh, Resch und Tav. Es sind sieben Buchstaben, sieben Kräfte der Wahrheit und des Segens, die sich aber im materiellen Menschen als sieben Kräfte der Lüge und des Fluches auswirken. Über diese Planetenkräfte soll der Mensch herrschen, er soll nicht von ihnen beherrscht werden. Darum werden sie unter den Füßen der göttlichen Jungfrau Maria liegend dargestellt, der Sophia, der Gattin des Adam in seinen ersten Zeiten nach Jakob Böhme. Zwölf Sterne umkränzen dagegen ihr Haupt, die zwölf großen Kraftzentren aus den Feldern des Tierkreises. Es sind die zwölf primären Kräfte, die großen Gesetze, die die Welt regieren, immer sich gleich bleibend, unabänderlich in ihrem Wirken, während die Planetenstrahlung veränderlich ist je nach dem Durchgang eines Planeten durch einen der primären Ströme. Jupiter im Widder wirkt anders, wie Jupiter im Skorpion, doch der Einfluss aus Widder und Skorpion bleibt stets der gleiche.

Auf diese Zwölfzahl der Kräfte weist das Alte Testament durch die Einteilung in zwölf Stämme, die christliche Lehre durch die zwölf Apostel Christi, des Sohnes der Jungfrau, des neuen Adam. Es sind die zwölf Pforten in der Offenbarung Johannis, die zwölf Perlen in der Stadtmauer des neuen Jerusalem, wo sich das Buch mit den sieben Siegeln geöffnet befindet.

Von den Mythologien ist die griechisch-römische am vollständigsten erhalten geblieben. Die deutsche Mythologie weist gewisse Übereinstimmungen auf, doch ist sie nicht lückenlos überliefert worden, der Bekehrungseifer christlicher Glaubensfanatiker hat vieles vernichtet.

Die zwölf großen Kraftströme aus dem Tierkreis werden in der griechischen Mythologie durch die zwölf Hauptgötter dargestellt, Minerva-Pallas, Aphrodite-Venus, Hermes-Merkur, Zeus-Jupiter, Apollo, Demeter-Ceres, Hephäst-Vulkan, Ares-Mars, Artemis-Diana, Hestia-Vesta, Hera-Juno und Triton-Neptun, die den zwölf Tierkreisfeldern Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische entsprechen.

Je drei dieser Tierkreisstrahlungen weisen Übereinstimmungen auf, und man teilte sie danach in vier Dreiecke, Trigone, in ein irdisches, ein wässriges, ein luftiges und ein feuriges Trigon. Jedes der in einem Trigon vereinigten Zeichen wirkt in dreifach unterschiedener Weise und diese verschiedene Wirkung drückt die Astrologie durch Einteilung der Zeichen in Kardinalzeichen, in feste, und in bewegliche aus. Die Dreiteilung erscheint in der Alchemie als Schwefel, Merkur und Salz.

Das irdische und das wässrige Dreieck greift ineinander, aber ihre Spitzen sind entgegengesetzt, und das gleiche ist auch bei den feurigen und luftigen Dreiecken der Fall. Die Spitze des wässrigen, des lebengebenden, vitalen Dreiecks bildet Skorpion-Mars, die Winkel der Grundlinie bilden Krebs-Jupiter und Fische-Neptun. Mars ist entgegengesetzt zu Venus, Jupiter zu Vesta und Neptun zu Ceres.

Venus, Ceres und Vesta, die drei großen Muttergöttinnen, sind die drei Säulen des körperlichen Menschen. Die Kraft der Erde beginnt mit Stier-Venus, sie hat ihre größte Wirkung unter Jungfrau-Ceres, und erlischt in Steinbock-Vesta. Nach diesen drei Muttergöttinnen sind es drei Stellen im Körper, an denen die kosmischen und irdischen Kräfte sich sammeln, Kehle, Unterleib und Knie, und vier Stellen sind es, an denen nach den vier gemeinschaftlichen Zeichen die Kräfte aus dem Weltall und die unseres Planeten in den Menschen eindringen, Lunge, Sonnengeflecht, Gesäß und Füße. Von diesen Stellen aus wirken sie in langsamer, stetiger Arbeit.

Die Göttin des Zeichens Stier, Venus, erstand als Aphrodite Anadyomene aus dem Schaum der Meereswogen, nach orientalischer Mythologie aus dem durch die ständige Bewegung zu Butter geronnenem Milchmeer, und ihr ist unter anderem die Milchbrust zugeteilt, der Quell der ersten und ausschließlichen Nahrung des jungen Menschen. Venus ist die Göttin der Schönheit, wohin sie ihre Schritte lenkt, lacht die Sonne, blühen die Blumen, ist alles mit Freude erfüllt, in Harmonie getaucht. Gesang ertönt, der in der Kehle (Stier) entsteht, an dem Ort des Durchganges der regulierenden und harmonisierenden Kräfte der Atmosphäre, in der Kehle, in der das Lied, aber auch das Gebet lebendig wird als Macht höheren Planes. Darum hat Venus nach der Mythologie so vielerlei Liebschaften, die alle fruchtbar sind.

Auch Ceres, die Göttin der Eleusinischen Mysterien, ist vielumworben. In ihr ist das Kraftfeld Jungfrau symbolisiert, sie bedeutet die befruchtete Erde, in deren Schoß sich das Samenkorn zum lebendigen Wesen entwickelt. Sie ist ebenso der Mutterschoß, in dem der Fötus zum Leben erwacht, das Sonnengeflecht, in dem der neue Mensch zur Wiedergeburt entsteht, der Schoß der Maria, in dem sich Jesus entwickelt. Nach der materiellen Seite hin bedeutet sie das Gekröse, in dem die mit der Nahrung aufgenommenen Stoffe für die Erhaltung des Lebens assimiliert werden.

Von den drei Muttergöttinnen blieb Vesta allein jungfräulich. Über sie wird am wenigsten gesagt, ihr Kult war der verborgenste. Sechs Vestalinnen mussten stets das ihr zu Ehren brennende Feuer unterhalten, und kein Mann außer dem Hohepriester durfte ihren Tempel betreten. Von Plato wird Vesta als die Seele der Welt bezeichnet, Plotin nennt sie die Intelligenz der Erde, Proklus das besondere Ichprinzip der Wesen. Nach anderen ist sie eine Personifikation der Erde oder des im Erdinneren brennenden Feuers; sie ist beides, Erde oder Gefäß und Feuer, das darin brennt. Sie versinnbildlicht das häusliche Feuer, das Herdfeuer, und ebenso ein Feuer des Menschen, das in seinem Gefäß gefährlich werden kann, wenn es unbehütet gelassen wird. Der Göttin Vesta entspricht das Zeichen Steinbock, und diesem Zeichen sind unter anderem die Knie des Menschen zugeeignet. Auch andere Zeichen herrschen nach der Überlieferung über scheinbar unwichtige Körperteile, während andere, wichtigere Organe verschiedener Funktion sich dagegen mit einem gemeinsamen Zeichen begnügen müssen. Diese Zuteilung erscheint nicht recht verständlich, doch hat sie ihren Grund.

Der menschliche Körper bildet gewissermaßen zwei Hufeisenmagnete, einen oberen, bei dem die beiden erhobenen Arme die Schenkel bilden, die Hände die Pole, und einen unteren mit den Beinen als Schenkel und den Füßen als Pole. Bei dem oberen Magneten bildet die Brust den neutralen Mittelteil, und bei dem unteren der Unterleib bis zum Zwerchfell. Der Strom, der den oberen Magneten durchfließt, ist ein atmosphärisch-elektrischer, der des unteren ein erdmagnetischer, bei dem gewöhnlichen Menschen mit einem positiven Pol links und mit einem negativen rechts. Die Organe des Unterleibes stehen durch diesen Strom mit bestimmten Stellen der Beine und Füße in Verbindung. So zeigt sich diese oder jene Darmstörung, eine Erkrankung der Ovarien, der Hoden, des Uterus oft an den unteren Gliedern. Der Sitz einer venösen Stauung, der Ort einer Krampfaderbildung, einer Flechte, eines Geschwürs an den Beinen zeigt, weIches Unterleibsorgan erkrankte und den Krampfaderdruck, das Geschwür bedingte. Eine Ausschlagstelle an Schenkel, Knie, Wade, Fuß zeigt an, ob Darm, Leber, Milz, Galle, Bauchspeicheldrüse, Blase zu behandeln sind. Bei der gegenseitigen Einwirkung der beiden Ströme in den Magneten kann aber auch eine schlechte Bildung der Knie, der Fessel Aufschluss geben über den Grad der Säfteverderbnis, der durch Vererbung übertragen wurde.

Die gesunde Funktion des Unterleibes, der ungehinderte Durchfluss des erdmagnetischen Stromes ist für das Wohlbefinden des ganzen Menschen, für die geregelte Funktion des Körpers als Werkzeug für die Arbeit am Ich von größter Wichtigkeit. Vom Unterleib und seinen Organen nehmen die meisten Krankheiten ihren Ausgang, auch wenn sie an anderen, scheinbar nicht damit in Zusammenhang stehenden Orten zum Ausbruch kommen. Darum begannen alle Adepten die Kur mit Vomitus und Sedes, mit einer gründlichen Reinigung der Leib- und Unterleibsorgane und damit der Körpersäfte.

Die aus dem Kosmos auf den Menschen einwirkenden großen vitalen, lebenspendenden Ströme werden im Trigon Wasser dargestellt, Jupiter-Krebs, Mars-Skorpion und Neptun-Fische. Jupiter, der Vater aller Wesen, der Götter und Menschen, ist ein Gott, der alle möglichen Gestalten annimmt, um zu befruchten. Er ist der Herr des Lebens, der mit dem Blitz bewaffnet Ungeheuer und Titanen vernichtet, alle Übel und Krankheiten, er ist das kosmische Leben selbst. Krebs, das Zeichen Jupiters, beeinflusst Brust und Lungen des Menschen, den Ort, an dem er mit Hilfe seines Boten Merkur eindringt in den Körper als der lebenspendende Strom aus dem Weltenraum, als Lebenskraft sowohl des Menschen wie aller anderen Geschöpfe des Pflanzen-, Tier- und Steinreiches. Es ist ein Fluss, daher ist das Zodiakalzeichen ein wässriges. Es ist ein feinstofflicher Fluss, dessen Art durch die Waffen Jupiters angezeigt wird, Donner und Blitz, es ist die Elektrizität.

Die Wirkung dieses elektrischen Lebensstromes im Menschen ist eine doppelte, daher ist die Hieroglyphe des Krebses ein Doppelzeichen. Er dringt in das Blut des Menschen ein und macht dieses lebendig, er vereint sich aber auch mit dem Nervenfluss, und übt seinen Einfluss aus über das Sonnengeflecht nach dem Rückenmark bis zum Gehirn. Krebs-Jupiter steht im Tierkreis gegenüber Steinbock-Vesta. Das kosmische Leben, das überall eindringen will, um die vielen Leben zu erzeugen, gegenüber der Erde, die sich abzuschließen sucht, die steril ist, Jungfrau aus egoistischen Gründen bleiben will, die aus sich selbst erzeugen möchte.

Mars entspricht dem Zeichen Skorpion, das zweite im wässrigen Trigon. Mars ist ein lebhafter Gott gleich Jupiter, und als Gott des Krieges bekannt. Sein erstes Sinnbild war das in die Erde gestoßene Schwert und die Lanze, die aber nicht allein Kriegswaffen bedeuten, sondern mehr noch Pflug und Egge, die den Schoß der Erde öffnen und ihn der Befruchtung zugängig machen. Daher ist Mars ein befruchtendes, schöpferisches Prinzip, als Sohn Jupiters, des kosmischen Lebensstromes bedeutet er das irdisch Lebengebende. Das Zeichen Skorpion herrscht über die Geschlechtsorgane und zwar hauptsächlich über die männlichen, und dies zeigt die Art der Kraft. Wie Mars Jupiters Sohn ist, so ist die Samenflüssigkeit Tochter des Blutes, doch besonders geartet, und verwandt mit der Nervenkraft; Venus erzeugte mit Mars den Eros, und nicht mit Jupiter.

Der dritte Gott des wässrigen Trigons ist Neptun, Tierkreiszeichen Fische. Neptun ist der Gott der Gewässer, er ist Bruder Jupiters und Onkel des Mars, der irdischste der vitalen Ströme. Als ein furchterregender Gott versetzt er selbst die Göttinnen, die er mit seiner Liebe verfolgt, in Angst und Schrecken, und nur unter anderen angenommenen Gestalten ist es ihm möglich, sich ihnen zu nähern. Mit seinem Bruder Jupiter gerät er öfter in Streit und Kampf, Jupiter schleudert dann auf ihn seine Blitze und Neptun kämpft mit seinem gefährlichen Dreizack. Für Mensch und Tier ist es ein Glück, dass diese Kämpfe nie allzu lange währen, denn sie befinden sich stets mitten im Kampffeld, zwischen Jupiters starken elektrischen Entladungen von oben und den nicht weniger kräftigen erdmagnetischen Schlägen Neptuns. Mit dieser Kraft ebnet Neptun ganze Gebirge ein, kann alles mit Eis bedecken und Erdteile versenken. Beide Brüder bewarben sich um Ceres, die durch Jupiter Mutter der Proserpina, und durch Neptun, der sich in ein Pferd verwandelt hatte, gewaltsam zur Mutter der Hora und des Pferdes Arion gemacht wurde.

Das Zeichen Neptuns, Fische, ist auch ein Doppelzeichen, es herrscht über die Füße. Mit den Füßen berührt der Mensch die Erde und nimmt den erdmagnetischen Kraftstrom in sich auf. Wie der von oben kommende Strom, so teilt sich auch dieser Strom von unten, ein Teil geht in die Körperflüssigkeit über, in die Humores, der andere Teil geht in die Nervenbahnen. Nach der Beschaffenheit der Füße, nach ihrer Stellung ist der aufgenommene Strom verändert, sein Dynamismus wechselt, je nachdem Zehen, ganze Sohle oder Hacken den Erdboden berühren. Im inbrünstigen Gebet kniet der Mensch, er bringt die Vesta seines inneren in direkte Berührung mit dem Strom Neptuns.

Verbindet man die Spitzen des irdischen und wässrigen Trigons, so erhält man eine waagrechte Linie, das Zeichen der Passivität. Die Spitzen der Trigone Luft und Feuer ergeben ein senkreche Linie, das Zeichen für die Aktivität. Beide Linien formen das kosmische Kreuz. Alchemistisch bedeutet das Eindringen des Trigons Luft in die beiden Trigone Wasser und Erde, dass die bisher leblos scheinende Materie des großen Werkes sich zu verändern beginnt, dass das in ihr schlafende Feuer sich entzündete. Auf psychischem Plan bedeutet es, dass die vitalen Kräfte des Trigons Wasser, die an den drei durch das Trigon Erde angezeigten Körperstellen untätig ruhten, vom Trigon Luft erweckt lebendig wurden, um im Trigon Feuer zu Feuern des Geistes aufzuflammen.

Das Trigon Luft wurde mythologisch durch die Gottheiten Juno, Vulkan und Merkur dargestellt, es sind die Zeichen Wassermann, Waage und Zwillinge. Alle drei Hieroglyphen sind doppelte, das bedeutet, dass die damit bezeichneten Kräfte nach zwei Seiten hin sich auswirken. Im Trigon Wasser waren zwei Zeichen ebenfalls doppelte, Jupiter-Krebs und Neptun-Fische, ihre Kräfte wirkten auf die Humores, die Körperflüssigkeiten und auf die Nervenbahnen. Die Kraftströme des Trigon Luft sind von höherer Art, in ihm sind drei psychische Prinzipien gekennzeichnet, die dann im Trigon Feuer zur helllodernden Geistesflamme aufleuchten sollen.

Die durch das Trigon Luft dargestellten Kräfte verbinden sich einmal mit den vitalen des Trigons Wasser, zum anderen regen sie den Intellekt an und wecken die feurig-intuitiven Prinzipien.

Die Spitze des luftigen Trigons bildet das Zeichen Wassermann, dessen Emanationen in der Göttin Juno dargestellt werden. Diese Göttin ist Zwillingsschwester und zugleich Gattin des Jupiter, des kosmischen Lebensstromes. Ihr Sitz im Körper sind die Kniekehlen, daher zeigt sich die Störung dieser Kraft in Spannung und Schwäche der Kniekehlen. Juno wurde die heimliche Göttin genannt, die den Menschen Schlaf und Vergessen bringt, aber ein Vergessen seiner eigentlichen, höheren Bestimmung. Sie ist eine rachsüchtige Göttin, deren nachtragender Groll sich niemals legt. Eifersüchtig will sie Jupiter, den allgemeinen Lebensstrom, für sich allein besitzen, der wider ihren Willen ihr Gatte wurde, als er sie während eines Gewittersturmes überwältigte. Ohne Unterlass verfolgt sie die Kinder, die Jupiter in der Welt mit Göttinnen und sterblichen Frauen zeugte. Eine Ausnahme macht allein Merkur, der, von Maja geboren, von ihr adoptiert und an ihrer Brust genährt wurde. Sie war selbst nicht immer treu, vom Titanen Eurimedon hatte sie einen Sohn, Prometheus, der das Feuer vom Himmel raubte und es den Menschen brachte, um bei ihnen als Schöpfer gelten zu können.

Juno ist Mutter des Mars und auch des Vulkan, sie herrscht über die Fruchtbarkeit, über die Geschlechtsvereinigung, Empfängnis, über den Monatsfluss, und zeigt damit, welche Abart der Lebenskraft es ist, die durch sie gekennzeichnet wurde. Es ist eine lüsterne Kraft, die von Herkules an der Brust verletzt werden musste, die aber Merkur an ihrer Brust nährt, und auf Fürbitte von Pallas einwilligte, dass der ebengeborene Herkules etwas von ihrer Milch erhielt. Ihre Tochter Hebe, die glänzende mit ewiger Jugend, wird Gattin des für seine Taten in den Himmel aufgenommenen Herkules, des wiedergeborenen, reinen, unsterblichen Menschen in dem glänzenden fluidisch-astralen Körper.

Das zweite Tierkreisfeld im luftigen Dreieck ist Waage, die aus ihm wirkenden Strahlungen werden durch den Gott Vulkan dargestellt. Vulkan ist der Gott der Schmiede, der Gold- wie auch der Grobschmiede. Nach der einen Darstellung wurde er, durch den Einfluss der Luft gezeugt, von Juno geboren, nach anderer sind Jupiter und Juno seine Eltern. Als Sohn des kosmischen Lebensfeuers ist er der Gott des elementischen Feuers, jenes Feuers, das aus astralen Regionen zu uns Menschen kommt. Gleich nach seiner Geburt wurde er aus dem Himmel gestürzt, dem Sitz der Götter, und zwar soll ihn entweder seine Mutter Juno selbst wegen seiner Hässlichkeit herab geworfen haben, oder Jupiter stürzte ihn herab, weil er seiner Mutter beistand, als sie aufgehängt wurde mit zwei Ambossen. Nach seinem Sturz schwebte er lange Zeit zwischen Himmel und Erde, stürzte aber doch herab, und wurde durch diesen Sturz für immer lahm und gebrechlich. Von zwei Titaniden, Thetis und Eurynome (Feuchter Schlamm und nährende Feuchtigkeit) wurde er aufgefunden, in ein Versteck gebracht, in eine Grotte unter Gewässern, und dort gepflegt und aufgezogen. An diesem Ort verblieb er neun, nach anderen zwölf oder fünfzehn Jahre, die Zeit bis zur Geschlechtsreife des Menschen, verschieden nach Klima und Rasse, zu der der Mensch die Kraft Vulkans zu fühlen beginnt.

Vulkan ist das Sinnbild des Fleißes, der unermüdlichen Tätigkeit. Deshalb ist er es, der Pallas aus dem Haupte Jupiters frei machen musste, der im Menschen aus dem Lebensfeuer den Intellekt, die Verstandesgelehrsamkeit durch den Fleiß entstehen lässt. Das Versteck Vulkans wurde durch die Meereswogen so gut verborgen, dass ihn selbst die Götter lange Zeit nicht entdeckten. Auch während dieser Zeit war er nicht untätig, er fertigte Waffen und Schmuck in seiner Grotte. Die Kraft Vulkans nimmt der Mensch mit dem belebend-feurigen Element durch die Atemluft auf, denn Vulkan ist der Sohn Jupiters. Sie ist unsichtbar, verborgen unter dem Fließen des Blutes, doch ist sie keinen Augenblick untätig, sie lässt die Waffen entstehen, den Schmuck, die der Mensch im Lebenskampf braucht, Waffen des Wollens und Strebens, der Mannhaftigkeit, den Schmuck weiblicher Anmut, weiblichen Reizes, der Sehnsucht und der Wünsche. Meist ist aber Wollen und Wünschen des Menschen selbstsüchtig. Vulkan wurde lahm und gebrechlich durch seinen Sturz auf die Erde.

In seiner Schmiede schuf er dann später für Jupiter das Zepter, für Mars Schwert, Schild und Lanze, für Venus das Diadem, den Halsschmuck und den Schönheitsgürtel, für seine Mutter Juno die diamantenen Pantoffel, für den Menschen aber auch die Büchse der Pandora, die alle Übel enthält.

Waage, Vulkan, ist entgegengesetzt zu Widder, Pallas. Vulkan und Pallas, beides Kardinalzeichen, feurig-elektrisch, getrennt durch die ganze Weite des Weltenraumes, sind die beiden entgegengesetzten Pole einer ungeheuren Hochspannung, von denen unsichtbar Ströme ausgehen und das Weltall durchdringen. Diese Ströme fließen in hohen Regionen, und man bemüht sich in neuer Zeit, sie durch Stratosphärenflug und Registrierballon zu erforschen.

Die Spannung des einen Pols sucht ständig den Ausgleich mit dem anderen, wie Vulkan unaufhörlich nach der Vereinigung mit Pallas strebt, der unerbittlich spröden. Seine Brunst, die Pallas nicht erreichen kann, trifft die Erde, und zeugt ihr den Erichtonios, das Doppelwesen mit dem Körper eines Menschen und zwei Schlangen an Stelle der Beine. Dieses doppeltpolarisierte Wesen wird von Pallas aufgenommen und in einem Korb der Obhut dreier Schwestern anvertraut, den Töchtern des Kekrops, Aglauros, Herse und Pandrosos, deren Namen drei verschiedene Witterungszustände bezeichnen. Erichtonios bedeutet den in der Atmosphäre vorhandenen Induktionsstrom, jenes starken primären Stromes der Stratosphäre. Wie oben, so unten, wie im Weltall, so im Menschen, so aber auch im Atom, überall fließen die beiden Ströme, der primäre und der sekundäre.

Das Zeichen Waage steht in Beziehung zu den Weichen, zu den Geschlechtsdrüsen, das Zeichen Widder zum Gehirn. Zwischen diesen beiden Polen fließt dauernd ein Strom, aus der Region des sinnlichen Geschlechtstriebes nach oben strebend in die Region des Geistes. Durch gewisse Yogapraktiken, die heute sehr verbreitet sind, durch bestimmte Atemübungen glaubt man, diesen Strom leiten zu können. Diese Übungen können höchstens das Sonnengeflecht kräftigen, die Kraft Vulkans stärken, die im Mythos verborgene Weisheit aber lehrt, dass allein Pallas es vermag, die aus der Kraft Vulkans gezeugte Missgestalt des Erichtonios einzuschließen. Die asoziale, geschlechtliche Libido soll aufsublimieren, zu einer sozial wertvollen Triebkraft des Geistes werden.

Der dritte der Götter im luftigen Dreieck ist Merkur mit dem Zodiakzeichen Zwillinge. Merkur ist ein Sohn Jupiters und der Maja, genährt von Junos Brust. Er ist der am meisten beschäftigte der Götter, reinigt ihren Versammlungssaal, ist stets beim Erheben Jupiters zugegen, um dessen Befehle zu empfangen und sie den Menschen zu überbringen, und findet sogar des Nachts keine Ruhe, denn er muss die Toten in die Unterwelt geleiten und bei der Verkündung des Urteils über sie zugegen sein. Alle Aufträge der Götter werden ihm übertragen, auch die weniger einwandfreien, und er führt alle getreulich aus. Er ist der Gott der Beredsamkeit, der Worte, und ist überall geschäftig tätig, im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt. Er begleitet Jupiter, den großen allgemeinen Lebensstrom, auf den Flügeln des Hauches, er ist es, der dem Menschen aus diesem Hauche die Ideen erweckt im Sitze der Intelligenz.

Dieser vielseitige Gott erfand auch die Zahlen, die Maße, die Gewichte, lehrte die Künste und schönen Wissenschaften, die Gesetze, aber ebenso die Lüge. Er ist es, der die Kriege leitet und den Frieden bringt, die Heiterkeit, die Ruhe mit seinem geflügelten Schlangenstab, dem Caduceus, der nach der Auffassung des Ostens die menschliche Wirbelsäule bedeutet mit den beiderseitigen fluidischen Strahlungen als den zwei Schlangen. Durch eine Vereinigung Merkurs mit Venus wurde Eros gezeugt, der Gott der Liebe.

Das Trigon Feuer, dessen Einfluss das luftige Trigon entflammt, besteht aus den Zeichen Widder, Schütze und Löwe, symbolisiert durch die beiden jungfraulichen Göttinnen Pallas-Minerva und Diana, sowie durch den jugendschönen, fruchtbaren Gott Apollo. Alle drei sind Kinder Jupiters und daher Geschwister, doch während die Zwillinge Diana und Apollo eine gemeinsame Mutter haben, Latona, entsprang Pallas ohne Mutter, erwachsen und in voller Rüstung dem Haupte Jupiters.

Das Zeichen Widder, Pallas, herrscht über den Kopf des Menschen, das der Diana, Schütze, über die Weichen, das Gesäß, den Plexus sacralis, dasjenige Apollos, Löwe, über das Herz.

Das Zeichen Schütze wurde in alten Zeiten vielfach als bogenschießender Zentaur dargestellt, als ein Doppelzeichen, das nach zwei Richtungen hin wirksam ist, nach der menschlichen und nach der tierischen Seite hin.

Diana ist gleich Vesta eine geheimnisvolle Göttin, die unter drei Gestalten erscheint. Am Himmel ist sie Luna, auf Erden Diana, und in der Unterwelt Hekate. Die Mythe über ihre Geburt berichtet, dass Juno Latona mit ihrer Eifersucht verfolgte, und die Erde schwören ließ, ihr keinen Zufluchtsort für die bevorstehende Niederkunft zu gewähren. Jupiter verwandelte seine Geliebte in eine Wachtel, Neptun ließ aus dem Meere eine Insel auftauchen, und hier wurde als erste Diana geboren, die sofort ihrer Mutter behilflich war bei der schweren Geburt ihres Zwillingsbruders Apollo. Daher unterstehen Geburten sowohl der Diana, wie der Juno. Diejenigen Geburten aber, über die Diana herrscht, sind von einer anderen, höheren Art, geistig, denn ihre erste Hilfeleistung bei einer Geburt galt dem Gotte des Lichts.

Diana bat ihren Vater Jupiter, für immer Jungfrau bleiben zu dürfen, und Jupiter gewährte ihr diese erste Bitte, auch ebenso die zweite um Waffen. Er ernannte sie zur Herrscherin über die Quellen und Wälder und als Hekate über das Schicksal der Erde und des Menschen, über das innere Feuer, das von Vesta und den sechs Vestalinnen gehütet wird, jenes Feuer, das ein Zwillingsbruder des Sonnenfeuers, der Intuition ist. Dieses Feuer soll im Menschen bis zum Thron Apollos aufsteigen, so, wie Hekate, nachdem sie alle Verbrechen, alle Falschheit beseitigte, oder wie Diana, nachdem sie die wilden Tiere jagte und erlegte, in das Haus ihres Bruders Apollo einkehrt, um dort zu ruhen. Es ist jenes Feuer, das im Plexus sarrajis brennt, das sich vom Vater auf den Sohn vererbt, bis es einem der Nachkommen gelingt, es aufsteigen zu lassen zum Herzen, zum Thron Apollos.

Doch dieses Feuer der Diana kann auch herabsinken je nach dem Willen, der es leitet. Diana ist am Himmel Luna, der Mond, der dem Hexensabbat leuchtet, der in schwarzmagischen Handlungen eine wichtige Rolle spielt. Der Mensch empfindet dies Feuer zuerst im Sonnengeflecht, am Ort der Ceres.

Verschiedene der alten Mythen stellten Diana der Proserpina gleich, Tochter der Ceres und Königin der Unterwelt. In ihr ist ein Feuer symbolisiert, das die unterirdische Höhle erhellt, die Höhle der Vesta, von der die Legenden und Märchen erzählen. In diese Höhle am Fuße eines Gebirges, deren Eingang unter dornigem Gestrüpp verborgen liegt, muss derjenige eindringen, der nach Weisheit strebt, der das große Werk unternehmen will. Hier wird er die Materie finden, einen gewaltigen Schatz, doch bewacht von Geistern, Feen und Zwergen. Sein Anblick mag ihn in das höchste Entzücken versetzen, doch wehe ihm, wenn er es wagen würde, von diesem magischen Schatz etwas zu erraffen, um es mitzunehmen und sich in der Welt damit irdische Vorteile zu verschaffen, es wäre sein Untergang.

Die zweite der Gottheiten des Feuertrigons ist Pallas. Sie ist die Göttin der Intelligenz, das Lebensfeuer des Gottes Jupiter in höherer Schwingung. Darum hat Pallas keine Mutter, sondern entspringt erwachsen in voller Rüstung dem Haupte ihres Vaters. Aber dies konnte nicht ohne die Hilfe Vulkans geschehen, er musste sie durch einen Beilhieb aus dem Haupte Jupiters lösen. Die Kraft Vulkans im Blute befähigt erst das Gehirn, Ideen zu erzeugen. Pallas ist auch Minerva, die Göttin der Gelehrsamkeit, sie ist ebenso Göttin des Kampfes, des Lebenskampfes, ihr Rat führt stets zum Sieg. Als Pallas lehrte sie alle Wissenschaften, führte den Menschen zu allen Entdeckungen, verschaffte ihm alle technischen Errungenschaften, lehrte die Kunst des Städtebaues, des Schiffbaues, des Webens und Stickens. Sie bedeutet die Gelehrsamkeit, die alles fand, den Geist des Menschen in seiner rastlosen Tätigkeit. Als Minerva ist sie die Vernunft, die in der exakten Wissenschaft herrscht, die sich selbst hoch einschätzt, die sich selbst so gern bewundert in dem goldenen Spiegel, den ihr Vulkan schenkte.

Nach einem Mythos kämpften Pallas und Minerva im Scherz miteinander, und bei einem solchen Kampf wurde Pallas von Minerva tödlich verwundet. Aufs tiefste betrübt durch diesen unglücklichen Ausgang des Kampfes formte Minerva ein Bild von Pallas aus Wachs, ein Idol, dem sie Leben gab. Die exakte Wissenschaft tötet die Intuition, und glaubt, sie durch ein selbstgefertigtes Bildnis ersetzen zu können, dem sie ein künstliches Leben gibt. Alle Wissenschaft, alle menschliche Gelehrsamkeit aber ist nur ein Trugbild, eine belebte Puppe.

Die Emanationen aus dem Tierkreiszeichen Löwe wurden von den alten Weisen durch den Sonnengott Apollo gekennzeichnet, er bezeichnet die höchste Form des Geistes, die Weisheit, das geistige Licht in seinem hellsten Glanz. Im Gegensatz zu seinen beiden Schwestern Pallas und Diana, den reinen Jungfrauen, ist Apollo ein fruchtbarer und schöpferischer Gott, er ist der Gott des Lichts in seiner höchsten Reinheit, das Licht der wahren Erkenntnis, das im Herzen leuchtet. Durch die harmonischen Töne seiner Harfe wandelt und leitet er die Menschen, durch das Geschenk Merkurs, mit dem er die Möglichkeit erhielt, die aus der Atmosphäre kommenden Kräfte im Menschen zu harmonisieren.

Während sich die anderen Götter dem Menschen nicht immer wohlgesinnt zeigen, ist Apollo allen stets wohlwollend und hilfreich; hat ihn sein Temperament zu einer unüberlegten Tat verleitet, so legt er sich selbst eine Buße auf.

Löwe, das Zeichen Apollos, ist ein festes, dasjenige Dianas, Schütze, ein gemeinschaftliches, und das Pallas, Widder, ein bewegliches. In seiner ersten Art ist Apollo ein sinnliches Feuer, ein Feuer des Gefühls, des Wunsches. Es vermittelt Diana die nötige Kraft, die sie befähigt, sich jene Fähigkeiten anzueignen, die den geistigen Aufstieg kennzeichnen, die aber nach der anderen Seite in den Abgrund führen können, denn das Trigon des Feuers enthält die Klippe, die viele der nach geistigem Aufstieg Strebenden scheitern lässt.

Die Inversion gelangt an eine Stelle, wo sich die Wege trennen, aufwärts oder abwärts. Aufwärts führt der Weg zur wahren inneren Sammlung, abwärts in die dunklen Gefilde der Zauberei, das Sich-verlieren an die Leidenschaften. Ihnen sucht man durch Machenschaften der schwarzen Magie Befriedigung zu schaffen, indem man glaubt, sich von den Gesetzen der Natur befreien zu können. Hier gähnt der finstere Abgrund, die Schizophrenie, der geistige Tod.

Minerva, die von ihrer Schwester Diana die Kraft Apollos entgegennahm und weiter verfeinerte, sollte sich nicht zu lange im Spiegel Vulkans beschauen und bewundern, denn das führt sie in die sterilen Gefilde des Hochmuts, der unangebrachten Überheblichkeit. Blieb die der Diana übermittelte Kraft Apolls nur ein sinnliches Feuer, so entwickelt es sich nicht aufwärts, sondern abwärts, und das ist der Weg in die Hölle, der geistige Absturz, der Untergang in die Sexualmagie.

Minerva muss den Spiegel weglegen, sie muss sich bewusst werden, dass sie nicht das Ziel ist, sondern nur der Weg dahin, dass Widder ein bewegliches Zeichen ist, ein Zeichen des Übergangs, und dass nur im Domizil Apolls die Sicherheit erlangt wird, dass nur hier im festen Zeichen die sinnlichen Bestrebungen über den Weg der Vernunft zur wahren, Weisheit erhöht werden, zur umfassenden geistigen Liebe.

Dies sind in Kürze die Beziehungen der zwölf großen kosmischen Kräfte untereinander, ihr Einfluss auf den Menschen, der dann deutlich in Erscheinung tritt, wenn der Mensch den herabziehenden Einfluss der sieben planetaren Kräfte überwinden konnte.

Die Befreiung von den Planetenkräften ist die erste Bedingung, der einzige Weg, der den Menschen seiner wahren Bestimmung zuführt, der es ihm ermöglicht, das große Werk auf geistiger Ebene zu vollbringen. Er muss sich von seinen Leidenschaften freimachen, denn ihre gemeinsame Wurzel ist Selbstliebe und Selbstsucht. Die christliche Mystik stellt den Weg, dem der Adept zur Erreichung des höchsten Zieles zu folgen hat, die Abtötung des alten, im Irdischen gefesselten Menschen, damit er als ein neuer, reiner wiedergeboren werden kann, im Leiden und Sterben Christi dar.

Der Leidensweg beginnt mit dem Haupte, dem Ort der Pallas, durch das Aufsetzen der Dornenkrone. Es folgt die Geißelung, das Schlagen der Wirbelsäule, der Nieren, und der lange, schwere Aufstieg auf den Kalvarienberg. Hier wird der Mensch aller Kleider entledigt, alle Gedanken, alle Gefühle, die ihn noch mit dem materiellen Dasein verbinden, werden abgelegt mit Ausnahme des Lendentuches, das bis zuletzt die geheimen, niederen Zentren verhüllt. Er wird an das Kreuz geschlagen, die Hände, die Füße werden durchbohrt, die Plätze Merkurs und Neptuns geöffnet, und nach der Aufrichtung des Kreuzes folgt die Öffnung der linken Seite, die Öffnung Apolls, des Herzens, dem die letzten Tropfen Blut und Wasser, die letzten Bindungen an die materielle Wert entweichen. Und weil das Herz schon fast leer ist, so ist es nicht mehr notwendig, dem Gott-Menschen ebenso, wie den Schächern die Knie zu brechen, der Vesta das Feuer zu entreißen, das sie bereits darbrachte.

Wie in den alten Mythen und Sagen die Erringung des großen Meisterwerkes der Alchemie auf geistigem Plan verborgen ist, so auch die Verwirklichung auf stofflicher Ebene. Das Herkulesepos zeigt in den zwölf Arbeiten, und von diesen besonders im Raub der goldenen Äpfel der Hesperiden, deutlich erkennbare Beziehungen zur Herstellung des großen Werkes im Stofflichen, und ebenso sind in den Werken Homers, des großen Eingeweihten, viele Stellen zu finden, die darauf Bezug haben. Die Sage berichtet vom Argonautenzug, der von Jason unternommen wurde, um das goldene Vlies, das fließende Gold der Adepten, zu erobern. Auf dem Schiff, der Argo (identisch mit der Arche des Noah und mit der Theba, dem Gefäß der Isis) befand sich als einer der Teilnehmer an dem Zuge, Orpheus. Er war Sohn des Gottes Apoll und der Muse Kalliope, deren Name das schöne, das große Werk bedeutet. Der Name Orpheus ist die griechische Form des phönizischen Arpha, zusammengesetzt aus den Worten Aor, Licht und Rophae, Heilung. Er bedeutet den, der durch Licht heilt, durch das trinkbare Licht, Aor, Aur oder Aurum potabile. Wie dieser Name, so haben auch alle anderen mythologischen Namen ihren verborgenen Sinn, und die Kenntnis des Namens klärt innere Zusammenhänge auf, sie vermag nach der Wissenschaft von den Buchstaben und Namen die darin eingeschlossenen Kräfte frei zu machen, verborgene Geheimnisse zu enthüllen.

Orpheus bezauberte durch Musik, er brachte damit die das Schiff bedrohenden Felsen zum Zurückweichen und zähmte die wilden Tiere. Durch sein Harfenspiel bewegte der göttliche Apoll die Steine und errichtete so die Mauern von Troja, und auch Amphion, ein Sohn Jupiters und der Antiope, vermochte durch sein Saitenspiel Steine zum Leben zu erwecken. Diese Fabeln über die Macht der Musik werden damit erklärt, dass der philosophische Merkur alles im großen Werk vollbringe, dass die durch das Saitenspiel bewegten Steine, die sich zu Mauern zusammenschließen, jene anfangs flüchtigen Substanzen der Materie zum großen Werk bedeuten, die sich bei der Gerinnung aneinanderschließen und eine feste Form bilden.

Die Fabeln weisen aber auch auf die engen Beziehungen hin, die zwischen der Alchemie und der Musik bestehen. Es sind zwei Schwestern, die beide den Menschen aufwärts führen, die beide allen Menschen, ob arm, ob reich, dienstbar sind, und die beide missbraucht werden, von den Alchemisten und von den Kakophonisten der Moderne.

Über die alchemistische Bedeutung der Sage von den Beziehungen der Göttin Venus zu dem Gott Mars, sagte Michael Maier in den „Arcana Arcanissima“: Wenn man die Venus der Philosophen in ein Bett oder geeignetes Gefäß legt, und sie mit dem Mars durch unsichtbare Bande vereint, so wird sie eine sehr schöne Tochter gebären, genannt Harmonia, weil sie harmonisch gebildet ist, das heißt, vollkommen nach philosophischem Maß und Gewicht.

Diese Jungfrau Harmonia wurde Gemahlin des Kadmos, Sohnes des Agenor, des Königs von Phönizien. In Böotien tötete dieser Kadmos den Drachen, von dem in den Schriften der Adepten oft die Rede ist, in Griechenland führte er nach der von Plinius und Strabon aufgezeichneten Sage den Bergbau ein, die Kunst des Metallgießens und die phönizische Schrift. In diesen Sagen sind zahlreiche Zusammenhänge mit dem großen Werk zu finden, die einzeln aufführen zu weit führen würde.

Das jüdische Volk erhielt über die Israeliten die diesen angeblich durch Moses ausgelieferte Esoterik der ägyptischen Priesterschaft unter dem Namen Kabbalah, das heißt: Das, was übermittelt, von anderswoher empfangen wurde. Als ägyptische Weisheit ist die Kabbalah von allen Adepten geschätzt worden.

In der Schöpfungsgeschichte des Moses heißt es: „Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockne sehe. Und es geschah also.“ Von der erdig-wässrigen Masse, dem Chaos, wurde das Wasser abgeschieden, aus dem Chaos, aus Eden ging ein Strom hervor, Pison, der das Land Chavilah umfließt, wo man Gold, Bedellion und den Edelstein Onyx findet. Es ist ein schnellfließender Strom, ein Wasser des Wachstums, das sich selbst reinigt, das in sich das kostbare Gold mitführt, den roten Schwefel der Weisen, aus dem der wunderbare Stein Onychel entsteht. Der zweite Strom sondert sich vom Pison ab, umfließt das Mohrenland und vereinigt sich dann wieder mit ihm. Der dritte Fluss ist Chiddekel, dunkel, wie Blut, der Adepten schwarzes Wasser, und der vierte ist der Phrat. Wer die drei anderen kennt, wird auch diesen sehen, er ist der letzte und größte, und erquickt das verbrannte Chus. Er ist die Vermischung Himmels und Erden, des Feuchten und Trockenen, des Unteren und Oberen, oder, wie die Adepten sagten, des Flüssigen und Festen, Kalten und Warmen, Männlichen und Weiblichen, des Adam und der aus ihm genommenen Eva, des Königs und der Königin, des Adlers und des Löwen, Merkurs und Sulfurs. Es ist die Vereinigung der zwei aus einer hervorgegangenen Substanz zur Prima Materia, symbolisiert durch die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, das Ende, das in den Anfang aufging.

Weiter heißt es in der Schöpfungsgeschichte, dass ein Dampf Ed von Arez, der Erde ausging und die ganze Oberfläche der Adamah, der Erde oder des Landes befeuchtete. Es ist also ein Unterschied zwischen Erde und Land oder Erde, denn vom Feinsten, vom feinen Staub der Erde Adamah wurde der Mensch geschaffen, vorn Staube Aphar der roten, schwefligen Erde Adamah, aus dem weißen und roten Sulfur der feurigen Wasser, Akkor mit Adamah. Akkor, der Acker, wurde nach dem Sündenfall von Gott verflucht, doch ließ seine erbarmende Güte dennoch einen Segen darin. Diesen Acker soll der Mensch im Schweiße seines Angesichts bebauen, um den Stein Onychel zu finden, das Kleinod der Weisen vom Tau des Himmels und der Fettigkeit der Erden. Es ist der rote Acker des altdeutschen Spruches, in dem die drei Würmer gefunden werden, ein schwarzer, ein weißer und ein roter.

„Gott wird euch seinen Segen geben“, heißt es in der Schrift des Abraham Eleazar, „vom Mark des Landes und vom Tau des Himmels, dessen Vater die Sonne und der Mond die Mutter, den der Wind in seinem Bauche getragen, unser Nitersalz, so im Meere der Welt sich wendet, den unsichtbaren, gefrorenen Geist der Luft, unseren Himmel, ein Wasser, das die Hände nicht nass macht, denn es ist der unergründliche Geist des Herrn. Er schwebt in der Luft, die geflügelte Schlange, der allgemeine Geist der Welt, der alles unter dem Himmel, Menschen und alle Geschöpfe durchdringt dieser ist unsere Materie, die wir aus der geronnenen Luft wiederbringen und bereiten, der Geist aus unserem Tau.“

„Die untere Schlange bedeutet unsere Materie, die irdisch und auch himmlisch ist, die rechte jungfrauliche, adamische Erde, die überall gefunden wird. In ihr ist der allgemeine Geist, weder animalisch, vegetabilisch noch mineralisch, ein Magnet, der den allgemeinen Geistdampf an sich zieht und dadurch zum Chaos, zum vermischten Klumpen der weisen Meister wird. Aus der jungfraulichen Erde scheidet das reine, kristallinische Salz, ohne das nichts erzeugt werden kann, die Prima Materia der alten Weisen, das fruchtbringende Salz, das aus der primaterialischen Erde bereitet wird. Dieses Salz sättiget mit seinem eigenen abgezogenen reinen Geist. Dann scheidet das Flüssige vom Festen, reiniget jedes auf das Höchste und Vorsichtigste, das Flüchtige durch sieben und mehr Rectificationen per se, und vereiniget es destillando mit seinem flüchtigen Salz, welches zuletzt durch vermehrte Hitze in weißen Blumen aufsteigt. Das rückständige feste Salz reinigt so oft, bis es wie ein Diamant geworden ist, dann reibt es fein, schüttet es in eine Phiole, gießt den mit dem flüchtigen Salz vermischten Geist darauf, schließt das Gefäß sorgfältig, damit nichts ausdünste, und setzt es in eine linde Wärme. So solviert das Flüchtige das Fixe, und aus beiden wird ein feuriger Saft. Dieses ist die Quintessenz, und der Segen, den Gott in die Erde gelegt hat, vom Tau des Himmels und der Fettigkeit der Erden, das Leben aller erschaffenen Dinge.“

Eden, das Land, von dem die vier Ströme ausgehen, ist „das Heilige Land“, die Erde der Philosophen. Es wird symbolisch durch das Tau dargestellt, es ist der Ausgangsort Ta oder Tau, das Hochland Tab oder Tav, das Bett Tel, Tal oder Tute, Dhema als Ausgangsort der Menschen Demos, der Gipfel Tbobut oder Thibet, die Hochfläche Tabor oder Tabula, der Garten Adon oder Eden, die Erde der Sonne, die Prima Materia. Im Sanskrit heißt diese heilige Erde Paradesha, chaldäisch Pardes, das Paradies, wo die Quelle der Erkenntnis am Fuße des Lebensbaumes, der Brunnen der Urd, der Frau Holle, gelegen ist, aus dem der Trank der Unsterblichkeit, das Elixier des Reichtums und langen Lebens fließt, an der Weltesche, unter der die drei Nornen den Schicksalsfaden spinnen.

Jesus, Gottes Sohn, das Licht der Welt, wurde von der Jungfrau Maria geboren. Mare, Maha, Meru, Mirjam, Mara oder Maria ist nach der einen Deutung der Himmel, der himmlische Ozean, der in seinem Schoße die Sonne trägt, nach einer anderen ist sie das Meer der Weisen, das in seinem Schoße den Erlöser von irdischen Leiden, die Prima Materia, trägt. Diese Mutterjungfrau wurde öfter schwarz dargestellt, die schwarze Materia secunda, aus der Merkurius Philosophorum, die Materia prima hervorgeht, die zum großen Elixier erhöht wird.

In der Mystik wird oft der Gegensatz der Aktivität zur Passivität durch die schwarze und weiße Farbe symbolisch ausgedrückt. Archelaos, der Lehrer des Sokrates, lehrte, dass vor der Schöpfung Himmels und Erden das Erste, Absolute eine allgemeine, unbestimmte, gleichmäßige Helligkeit war gleich einer Dämmerung. In dieser allgemeinen, unbestimmten Helle ruhten zwei Möglichkeiten, die Kraft und Aktivität, symbolisiert durch das Licht, und der Raum, die Ausdehnung, die Passivität als absolute Finsternis, als undurchdringliche Schwärze. Solange diese zwei Wirkungsmöglichkeiten ungeschieden in der ersten Einheit ruhten, war das Entstehen der Welt unmöglich, sie mussten sich dazu erst voneinander scheiden.

Über dieses tiefe Mysterium heißt es in dem Zohar genannten Teil der Kabbalah: „Bedenkt man, dass der Heilige (gesegnet sei Er) unendlich ist und alles ausfüllt, so lässt sich verstehen, dass jede Idee einer Schöpfung unmöglich gewesen wäre ohne den Zim-Zum (Sammlung, Konzentration). Wie kann man Wasser in einen Becher schütten, der bis zum Rand gefüllt ist? Der Heilige (gesegnet sei Er) hat deshalb das heilige Licht, das seine Essenz bildet, zusammengezogen (bis es auf einen Punkt konzentriert wurde).“

Die Idee des ursprünglichen, absoluten Einen kann man sich unter einem Meer von gleichmäßiger, unbestimmter Helle vorstellen, das alles ausfüllt, ein dämmriges Nebelmeer. In diesem Meer zog sich die Helle allmählich zusammen, wodurch das Leuchtende mehr und mehr konzentriert wurde, bis es ein blendend strahlender Punkt in einer nunmehr jeder Helligkeit baren, leeren Finsternis wurde. Diese in einen Punkt konzentrierte Helligkeit ist die Kraft und die Herrlichkeit Gottes, und der unendliche, leere, finstere Raum ist die Passivität im Prinzip, symbolisiert in der Päpstin des Tarot, im Buchstaben Beth. Es ist Elisabeth, die schwarze, unfruchtbare, die in allen religiösen Kulten mehr oder weniger deutlich erkennbar wird. Es ist das Chaos, die erste, noch unbestimmte Materie, Materia secunda, die Nacht. Deshalb sagten die Dichter, alles sei aus der Nacht entstanden: griechisch,

„O Nacht, du schwarze Säugamme der silbernen Sterne“, singt Ödipus.

Nach der israelitischen Überlieferung wird die Passivität im Prinzip und in der Tätigkeit durch die beiden Frauen Abrahams symbolisch dargestellt, die schwarze Sklavin Hagar, und die weiße, freie Sarah. Im Sanskrit wird Hagar zu Sagara, „schlafendes Wasser“, das wellenlose, tote Meer, und Sarah wird zu Saras-Vati, „lebendiges Wasser“, der lebhaft strömende Fluss. Jede der beiden Frauen gebiert einen Sohn, die beide durch das Sternbild Zwillinge symbolisiert werden und die gegensätzlichen Pole des Absoluten bedeuten.

Isaak, der Sohn der Sarah, heißt in Pehlvi Y-Zohak, im Sanskrit Ya-Dancaka: der geopfert, gepeinigt werden will. Ismael, der Sohn der Hagar, bedeutet Herr (Ica) der Passivität (Ma). Der gleiche Sinn liegt in den beiden Namen Jesus und Johannes. Yaj-Van im Sanskrit bedeutet: der seine Opferung wünscht, und dieser Name wird im Zend zu Yasuan, im hebräischen zu Yesuah. Der hebräische Name Yohannan ist im Sanskrit Jahanna, das heißt: Ich habe getötet.

Nach dem Evangelisten Lukas gebar die schon alte und bis dahin unfruchtbar gebliebene Elisabeth durch ein Wunder den Sohn Johannes den Täufer, „Das Wort in der Wüste“, und die jungfräuliche Maria gebar ebenfalls durch ein Wunder Jesus, „das Wort der göttlichen Macht“. Durch die Taufe im Jordan tötete Johannes den alten Jesus, er ließ einen neuen, reinen entstehen, das heißt, er vergeistigte ihn, und erhob ihn damit zur höchsten Reinheit, zum großen Elixier.

„Kein Geist ist in der Gewalt des Menschen. Sollte der große, allgemeine Weltgeist ein Erlöser der Menschen werden, so musste er eine irdische Gestalt annehmen, von einer reinen Jungfrau geboren werden“, wie Graf Franciscus Onuphrius dc Marciano schrieb (Wiener Ausgabe 1751).

Im Buche eines Adepten, betitelt „Amor Proximi, geflossen aus dem Öle der göttlichen Barmherzigkeit, geschärft mit dem Weine der Weisheit, bekräftigt mit dem Salze der göttlichen und natürlichen Wahrheit; den armen zwischen Jericho und Jerusalem verwundeten Nächsten zum besten ans Licht gegeben. Haag, Ao. 1686“, heißt es: „Wie das große Universal für die Seelen im Leiden und Sterben Christi erkannt werden kann, so auch für die körperlichen Leiden.

Sollte das Blut des Löwen vom Stamme Juda vergossen werden, so mussten solche sein, die ihn als das einige Subjectum des Heils geißelten, mit Dornen krönten, verwundeten. Damit des Adlers Gluten hervorkommen konnte, musste ein Speer die Seite öffnen, aus der Blut, Wasser und Geist ausfloss. Er musste von Herodes in Weiß, und von Pilatus in Rot gekleidet werden, die Sünden des männlichen und weiblichen Geschlechts zu büßen, und wurde dann nackt ans Kreuz geschlagen. Ohne allen Zusatz wurde er in ein neues Grab gelegt, von wo er nach der Auferstehung am dritten Tage, dem Zeichen der Dreieinigkeit, gen Himmel fuhr.

Also geht es auch in der Kunst; wenn erstens durch die philosophische Taufe der Quellbrunn zur neuen Geburt eröffnet, sodann werden im Subjecto alle Signaturen zufälligerweise heraus gewandt; endlich wird er im Kreuz, also im Wasser des Lebens, in die Luft erhoben, so dann der weiße und rote Liliensaft, durch künstliche Öffnung seiner Seiten auch herausgezogen; und wenn es dann ein reiner Leib, und von allen Zufälligen als neugeboren wieder befreiet, so wird es ohne allen fremden Zusatz ins reine, neue Geschirr gelegt, da es dann nach seinem Tode verherrlicht wird.“

„Wenn du aber zur höchsten Weisheit gelangest, so missbrauche sie nicht, sondern wisse und bedenke, dass du einen Schatz und hohes Geheimnis zu bewahren hast, davon du dereinst schwere Rechenschaft geben, und verantworten müssen, wie du damit umgegangen, und wie du dieses Geheimnis angewendet hast, der du dadurch aus dem Staube erhoben, und zu Ehren gesetzest wirst. Siehe auf den Anfang, betrachte das Mittel und den Fortgang, und bedenke wohl dein und aller Dinge Ende. Überschreite nicht die Grenzen der Not und der Liebe, und tue, was dir gebührt.“