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09 Das große Meisterwerk der Alchemie, das Universalelixier, der Stein der Weisen

Das große Meisterwerk der Alchemie, das Universalelixier, der Stein der Weisen

Max Retschlag (1934)

Das Meisterwerk der Alchemie ist die Verwirklichung des hermetischen Evolutionsgedankens, die Wandlung des Unreinen zum Reinen, des Niederen zum Hohen, des Unvollkommenen zum Vollkommenen, des Relativen zum Absoluten. Das große Werk ist universal, es umfasst den materiellen, den astralen und den geistigen Plan, auf der materiellen Ebene ist es in allen drei Reichen wirksam, im Stein-, Pflanzen- und Tierreich, und in ganz besonderem Maße im Menschen. Es bildet den Kern der hermetischen Philosophie und damit auch der Esoterik aller großen Religionen, es ist das Geschenk des Höchsten für den Menschen.

Die Verwirklichung dieses Werkes im Stofflichen ist es, um die sich dann die Alchemie auskristallisierte, es ist das älteste und bestgehütete Geheimnis der Menschheit, „Das Geheimnis der goldenen Blüte des Höchsten Einen“, „T’ai-I Kinn – Hoa-Tscheu“.

Viele sind der Meinung, dass die Angaben der Adepten über die Bereitung des Meisterwerkes, über die Darstellung im Stoff nur im übertragenen Sinne zu verstehen seien, dass sie einen Reinigungsvorgang im inneren Menschen bedeuten, seine Befreiung von allen ihn herabziehenden sinnlich-materiellen Trieben unter dem Bilde eines chemischen Arbeitsvorganges.

Die ansteigende Ordnung der drei Prinzipien im Menschen zeigt den Aufstieg vom Leiblichen, Triebhaft-Sinnlichen über eine höhere Sinnlichkeit zum Geistigen, des sterblichen Menschen zum unsterblichen. Aufgabe des großen Werkes sei es, das wahre Ich aufzuzeigen, und dies durch Arbeit an sich zu vervollkommnen. Der Mensch lebt als eine Person, das heißt nach dem lateinischen persona, die Maske, die Rolle des Schauspielers, dass der Mensch während seines irdischen Lebens nach seiner sozialen Stellung eine Rolle spielt in der dazugehörigen Maske. Es ist dabei von geringer Bedeutung, ob dies die Rolle eines Königs ist oder die eines Bettlers, jede Rolle bietet ihm die geeignete Gelegenheit zu seiner weiteren Vervollkommnung. Ist das Leben beendet, so hat er die gegenwärtige Rolle ausgespielt, er legt seine irdische Maske ab, und übrig bleibt das eigentliche Ich, das wahre Selbst.

Wie die Schlange des Paradieses dem ersten Menschen, so raunte bei den ägyptischen Mysterien eine verhüllte Gestalt aus dem Dunkel dem Neophyten ins Ohr. „Du kannst Gott sein, wenn Du willst!“ Wenn Du willst, die Mehrzahl der Menschen will nicht, befangen in ihren Leidenschaften, verblendet von der Illusion der Materialität, von der Vortäuschung einer irdischen Wirklichkeit erkennen sie nicht den Zweck ihres Lebens.

Doch das Geheimnis des Meisterwerkes liegt nicht in der Erkenntnis und in der Verwirklichung des seelisch-geistigen Aufstieges, sondern in seiner Ausarbeitung auf materiellem Plan. Wäre die Läuterung des Menschen der alleinige Sinn, so könnte es nicht universal genannt werden, auch wäre die Furcht der Adepten, in ihren Schriften von Unberufenen verstanden zu werden, überflüssig, denn der Weg zur Erkenntnis, zur inneren Vervollkommnung ist niemals verheimlicht worden.

Aus den Schriften aller Adepten geht unzweifelhaft hervor, dass es sich bei dem großen Werk neben der geistigen Entwicklung um einen physischen Arbeitsvorgang handelt, dass es diese Arbeit an einer besonderen Materie ist, die mit einem dichten Schleier des Geheimnisses bedeckt bleiben soll. „Die Weisen kennen genugsam das Übel und Unfug, das im menschlichen Leben und Gesellschaft daraus entstehen könnte, wenn die Erkenntnis dieses großen Geheimnisses den Gottlosen eröffnet würde. Darum handeln sie nicht anders davon, als mit Furcht, und reden und schreiben davon in Rätseln, damit es nur von denen erkannt werde, deren Fleiß und Arbeit Gott segnen will.“ (Auslegung des Ritterkrieges)

So heißt es im Flos Florum des Arnald de Villanova: „Si ad perfecturn magistenum pervenire volumus, aportet primo ut lapidem philosophorurn (materiam ejus note Libavius) purum et mundum habearnus acceptum, sicut est in sua minera: sublimare ipsum, ut ex eo trahamus quod purum est et darum. Postea oportet nos ipsum facere descendere, postea destillare, calcinare, solvere, coagulare, fixare, incerare (hoc est tota practica et reductio ad prirnam materiam note Libavius).“

Aus einem anderen, von ihm als sehr alt bezeichneten Dokument führt Libavius noch diese Stelle an: „Homo noster antiquus est draco noster. Hie comedit caput suum cum cauda sua. Et caput et cauda est anima et spiritus. Et anima et spiritus sunt creati de luto. Et hoc ex oriente et occidente per expellentem nocumenta.“ Bei Zosimos heißt es in der Übersetzung: „Indem man Merkur nimmt, macht man ihn fest mit dem metallischen Körper der Magnesia.“ Merkur nennt er das göttliche Wasser, worüber er sagt: „Dieses Wasser hat zweierlei Farben, weiß und gelb. Man nennt göttlich das Wasser des Schwefels, man nennt göttlich den aufschwebenden Dampf, der von unten nach oben steigt. Ohne das göttliche Wasser kann nichts geschehen, mit diesem wird das Werk unternommen, gewärmt, gebrannt, figiert.‘

Ein anderer alter Text sagt: „Um den wahren Sinn zu verbergen, haben die Verfasser das Objekt der Wissenschaft durch die gebräuchlichen Bezeichnungen zu erkennen gegeben, aber sie haben stets umschreibende Namen gebraucht für die Substanzen, die zum Werke nötig sind.“

Arnaldus de Villanova, Ros. I,6: „Denn es ist nur ein einziger Stein, eine einzige Medizin, welchem nichts Fremdes zugesetzt, auch nichts daran vermindert wird ohne allein, dass man das Überflüssige davon absondert.“

Derselbe Ros. II,17: „So erscheint es ganz erklärlich, dass demnach die Philosophen in dem die Wahrheit gesagt haben, ob es schon den Toren und Narren unmöglich zu sein bedünket, dass nämlich nur ein einiger Stein sei, eine einige Medizin, eine Anordnung, ein Werk, ein Gefäß, beides den weißen und roten Schwefel zugleich und auf einmal zu machen.“

Nach hermetischer Überlieferung ist das älteste Dokument über das große Werk die Tabula smaragdina. Dieses Dokument wird von Albertus Magnus erwähnt, die Forschung führt es auf die griechischen Hermetiker von Alexandria zurück, da es sich bei diesen zuerst nachweisen lässt. Sicher ist diese Inschrift aber auf ägyptische Eingebung zurückzuführen, auch wenn sie von den Griechen zuerst aufgezeichnet wurde. Der Text der Smaragdtafel lautet aus dem Lateinischen übersetzt. „Wahrhaftig und ohne Unwahrheit, gewiss und auf das Allerwahrhaftigste ist es, dass das, was unten, ist gleich dem Oberen, und das, was oben, ist gleich dem Unteren, wodurch man Wunderzeichen eines einzigen Dinges erlangen kann. Und gleichwie alles von einem allein erschaffen wurde durch den Willen eines Einzigen, der es zuvor bedachte, also entsprießen und kommen alle Dinge von diesem Einen durch Anpassung. Die Sonne ist sein Vater, der Mond seine Mutter, der Wind hat ihn in seinem Bauche getragen, seine Ernährerin ist die Erde. Dieser ist der Vater aller Vollkommenheit der ganzen Welt, seine Kraft ist ganz, wenn er in Erde verwandelt ist. Du sollst das Erdreich vom Feuer scheiden, das Feine vom Groben, ganz lieblich mit großem Verstand. Es steigt von der Erde zum Himmel und vom Himmel wieder auf die Erde, und empfängt die Kraft des Oberen und Unteren. Wenn Du dieses vollbracht hast, wirst Du die Herrlichkeit der Welt besitzen, und alle Finsternis wird von Dir weichen. Dieses ist von aller Stärke die allerstärkste Stärke, denn es überwindet alle subtilen und flüchtigen Dinge, und durchdringt alles, was fest ist. Also wurde die Welt erschaffen, und durch den Gebrauch dieses einen Dinges werden die wunderwürdigsten Sachen verrichtet. Deswegen werde ich genannt Hermes, der Dreifachgroße, weil ich die drei Teile der Weisheit besitze. Es ist alles erfüllt, was ich zu sagen habe vom Werk der Sonne.“

Eliphas Lévi (Abbé Constant), der große französische Kenner hermetischer Wissenschaft, sagte von der Tabula smaragdina: „Nichts übertrifft und nichts kommt als kurze Übersicht über alle Doktrinen der alten Welt jenen wenigen Sprüchen gleich, die von Hermes auf einen Edelstein graviert wurden und unter dem Namen Smaragdtafel bekannt sind.“

Die Smaragdtafel ist nach der Überlieferung der Adepten ein Ausdruck jener Kenntnisse, welche die Weisen eines in großen Kataklysmen untergegangenen Erdteils besaßen. Sie wurde von einem Überlebenden, genannt Hermes, einigen Auserwählten des nicht betroffenen Erdteils übermittelt und kam auf die Ägypter. Ob diese Tradition begründet ist, lässt sich mit Sicherheit nicht mehr nachweisen, doch sprechen verschiedene Tatsachen für die Möglichkeit.

Danach erscheinen die auf der Tafel des Hermes niedergelegten Gedanken ebenso, wie diejenigen, die der Sphinx mit ihrer tiefen Symbolik und den Pyramiden zugrunde liegen, als übriggebliebene Zeugen für die hohe geistige Entwicklung einer Menschheit, deren Existenz derjenigen der bisher für die Ursprungszivilisationen gehaltenen weit voranging.

Diese alten Zivilisationen, die assyrische, ägyptische, indische, diejenigen Perus, Mexikos waren keine vollständigen, schlossen nicht alle Zweige des Wissens gleichwertig in sich ein. Sie zeigen sich auf einigen Gebieten vorgeschritten, auf anderen dagegen auffallend primitiv. Ihre Philosophie, Mathematik, Astronomie, oder ihre Bau- und Bildhauerkunst nötigen uns noch heute Bewunderung ab, andere Gebiete des Wissens und seiner Anwendung in der Technik standen aber dazu in keinem Verhältnis durch ihre Rückständigkeit, oder sie fehlten auch völlig. Dabei können diese Zivilisationen nicht als Errungenschaft einer sich fortschreitend entwickelnden Kultur angesehen werden, sondern sie erscheinen als wenig zusammenhängende Überreste einer hohen, umfassenden Kultur, die vor ihrer Zeit vorhanden gewesen sein muss, und die plötzlich und so gut wie vollständig vernichtet wurde.

Jener Teil, der durch den sagenhaften Thot oder Hermes auf die koptischen Priester-Weisen Ägyptens gekommen war, fand bei diesen verständnisvolle Pflege und Ergänzung, er befähigte sie, Lehrer aller der noch heute berühmten Gelehrten des Altertums zu sein, die ihnen das Wissen verdankten, das ihre Namen für alle Zeiten unsterblich gemacht hat.

Alle Adepten der verschiedenen Zeiten stimmen in ihren Angaben darin überein, dass das Geheimnis des großen Werkes das Geheimnis Gottes sei, über das er eifrig wacht, dass der Verrat an Unberufene seinen höchsten Zorn hervorrufen würde. Es sei die Gabe Gottes, nicht die eines Menschen, niemand sei daher berechtigt, die ihm gewährte Kenntnis weiterzugeben, Gott allein habe es sich vorbehalten, sie dem zu verleihen, den er erwählte, der ihn darum bittet. Wer sich daher berufen fühle, dieses Mysterium zu erlangen, der suche das Oratorium auf vor dem Laboratorium, das ist aller Adepten aufrichtiger Rat: ORA-AUDI-LABORA-TORIUM.

Den Wert der Kenntnis des großen Meisterwerkes beschreibt Morienus mit folgenden Worten: „Wer Gott und diesen Stein hat, der hat alles, und bedarf keines anderen Hilfe: denn in ihm ist alle zeitliche Glückseligkeit, Gesundheit und Wohlsein. Sein Geist und Kraft, so in ihm verborgen, ist der Geist des fünften Wesens, der unter dem Kreis des Mondes schwebt: er beschließt die ganze Welt in sich, und überwindet die Elemente. Die höchste über alle Arzneien, das rechte Aurum potabile. Wem Gott dazu geholfen, denn ohne die eigene Schmelzung und neue Geburt geschieht es gewiss nicht, der achtet äußere Ehren, Reichtum, Lust und Eitelkeit der Welt wie Kot auf der Gasse, sein Sehnen ist allein nach Gott in Christo zum ewigen Leben, alle Zeugnisse der echten Weisen, der heiligen Schrift und der Erfahrung derer, die dazu gelangten aus besonderem Erbarmen stimmen völlig überein.“

Im „Traktat vom Philosophischen Salz“ des Josaphat Friedrich Hautnorton Sueci, Band 1: „Von der Wunderkraft unseres Salzwassersteins“ heißt es vom großen Werk und seiner Bereitung: „Der Nutz ist erstens die Erkenntnis Gottes und seines eigenen künftig herrlichen Zustandes, zweitens vertreibt er alle Krankheiten bis zum Lebensziel, da der Mensch durch sanfte Auflösung hindurch in die Hand Gottes geht, drittens die Veredelung der Metalle“. Dann heißt es weiter: „Die Weisen haben einstimmig einen Grund des Werkes gelegt, welches nur ein einziges Ding, der Weisen Salz, Schwefel und Merkur ist, oder ein Ding, das hat Leib, Seele und Geist, so sie Salz, Schwefel, Merkur nennen, die alle drei in einem Subjekto sind, und dieses ist ihr Salz: darin ist das Gold und Silber der Weisen, die lebendig, ja das Leben selbst sind, und umsonst zu bekommen; welche daraus durch die Solution zu erlangen sind. Die Solution geschieht in sich selbst, durch sich selbst ohne alle fremde Dinge, denn die Auflösung des Körpers geschieht in seinem eigenen Blut. Das vom Körper abgezogene Wasser ist kein Wolken- oder Brunnenquellwasser, sondern ein salziges Wasser und weißes Gummi, das bei seinem Körper bleibt und mit ihm sich vereinigt durch langsame, linde Kochung; es ist die wesentliche Lebenskraft der Natur, welche unseres Goldes Magnet an sich gezogen, und nun vom Künstler in ein lauter Wasser wieder aufgelöst wird, welches kein anders Wasser tun kann.

In der Vorarbeit musst du Leib, Seele und Geist vonsammen scheiden, reinigen und wieder vereinigen. Bekümmere dich nur um unser Wasser und die geblätterte Erde, der Geist ist nicht zu sehen, er schwebt allezeit auf dem Wasser. Die geblätterte Erde ist die kleine Insel im philosophischen Meere; diese Erde musst du zermalmen und verschließen, so wird sie sich vor Durst im Gefängnis selbst zerbrechen und werden wie ein dickes Wasser mit Öl vermengt, die musst du als die Terra foliata im rechten Gewicht wissen mit dem Wasser zu vereinigen. Pondus aquae esto plurale, terrae vero singulare.“

Nach den Angaben der Adepten ist das große Meisterwerk der Alchemie, trocken als Stein der Weisen, in Lösung als das Universalelixier, das Heilmittel bei allen Krankheiten des Menschen, soweit sie überhaupt heilbar sind, soweit nicht durch Zerstörung größerer Zellgruppen und ganzer Organe eine Wiederherstellung unmöglich gemacht wurde. So wachsen Glieder und Organe, die durch Verletzung oder operativ vom Körper getrennt wurden, eingeschmolzene Lungenflügel und andere schwere Zerstörungen durch Eiterprozesse auch durch den Gebrauch des großen Elixiers nicht wieder, doch kommt auch hier der Krankheitsprozess auf jeden Fall zum Stillstand. In einem jeden Menschen entfaltet das Elixier eine den ganzen Körper und seine Säfte erneuernde und damit eine allgemein verjüngende Wirkung.

Die Universalpanazee ist eine in die kleinste Menge des Stofflichen konzentrierte Kraft, die in geringer, je nach der Schwere der Erkrankung mehr oder weniger oft wiederholter Dosis eine ideal ausgleichende und fördernde Einwirkung auf die Lebensvorgänge im menschlichen Organismus zu entfalten vermag. Als universale erstreckt sich ihre Wirkung ebenso auch auf das Tier- und Pflanzenreich, und reicht bis in das Mineralreich. In diesem bewirkt sie unter anderen in den Metallen starke, einem Katalysator zu vergleichende Energieumsetzungen.

In „Aurelia Occulta“ aber heißt es von dieser Universalpanazee: „Nec enim hic thesaurus in scholis medicornm traditur, sed absconditus prae oculis illorum remanet.“

Allerhöchsten, Allmächtigsten Gott, der diese Kunst erschaffen, von dem es auch gefallen hat, mir elenden, sündigen Menschen durch ein versprochenes und teures Gelübde, diese Erkenntnis zu offenbaren, dem sei ewig Lob, Preis, Ehre und Dank gesagt, mit ganz demütiger und inbrünstiger Bitte, er wolle mein Herz, Sinn und Gemüte durch seinen heiligen Geist also regieren, dass ich von diesem Geheimnis vor niemandem rede, viel weniger von Gottesfürchtigen mitteile, noch einer einigen Kreatur offenbare, damit ich nicht an meinem Gelübde und Eide brüchig, ein Zerreißer des himmlischen Siegels, und ein mein äidiger Bruder Aureae Crucis werde, die Göttliche Majestät auf das allerhöchste beleidige, und dadurch eine mächtige unfehlbare Sünde committire und begehe, dafür wolle mich Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, die hochgelobte Dreieinigkeit, gnädig behüten, und beständig bewahren. Amen.“