Die Sakralen Kulte der Loge

Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche) (1930)

Gregor_A_Gregorius_Eugen_GroscheGregor A. Gregorius beschreibt in diesem Text seine Sichtweise über die Arbeiten der Loge. Er vertritt die Auffassung, dass diese Arbeit eine traditionelle sakramentale Form des Rituals sei und eine Umpolung des Wesens des Aspiranten erzielen würde. Gregor A. Gregorius ist der Ansicht, dass sich dies äußert in Gemessenheit, Besonnenheit sowie Überlegenheit des Eingeweihten. Abschließend vertritt er sein Verständnis über die Bedeutung von Sakramenten sowie die Entwicklung des Heiligen Grals.

 

Es mag uneingeweihten Mitgliedern der Loge sonderbar erscheinen, wenn ich immer wieder betone, dass unsere Logen-Idee im religiös-philosophischen Standpunkt auf der absoluten Anerkennung und Verehrung des Sonnen-Logos fußt und aufgebaut ist, trotzdem wir doch offensichtlich ein Saturn-Ritual haben. Manches deutet in dem Ritual darauf hin. Wir sprechen zum Beispiel von: „Saturn, dem mystischen Bruder der Sonne“ oder von: „Saturn, Du mystisches Geheimnis der Sonne“.

So ist also der Sonnen-Logos für uns das große heilige Urfeuer, dessen spirituelle Gegenwart von uns angenommen wird zu allen Zeiten, solange unser Planeten-System in der jetzigen Entwicklungsrunde in dem Zustand der Jetztzeit sich befindet, kosmosophisch gesagt, in der spiralischen Einwicklung des Sonnenkörpers. Diese spirituelle Gegenwart des Sonnen-Logos bezeichnen wir als das Chrestos-Prinzip.

Nebenbei bemerkt, Jesus Christus war ein eingeweihter Mahatma, der in sich dieses Chrestos-Prinzip als Meister seines Zeitalters am reinsten verkörperte, um Menschheitsführer seiner Epoche zu sein. Seine Worte enthalten so häufig die höchste esoterische Weisheit. Wenn er sagt: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende“ so ist das ganz in unserem Sinne zu verstehen, denn er ist ja der Sohn des Vaters, die menschliche Verkörperung des Logos. Wenn unsere Welt zu Ende geht, die Einkörperung der Erde in die Sonne erfolgt, dann hat sich der esoterische Sinn dieses Ausspruches erfüllt.

Oder wenn Jesus Christus sagt: „Ehe Abraham ward, war ich!“ so kann man wieder einen esoterischen Sinn herauslesen. Ehe Abraham, der Erdgeist wurde, war ich, der Sonnenlogos. Dass Jesus Christus als Magus seiner Zeit intensiv mit dem Erdgeist durch Kenntnis magischer Praktiken verbunden war, ist selbstverständlich. So treiben wir also in unserer Loge Sonnenkult im Verborgenen. Nicht in rein arischem Sinne, um hier von vornherein einen Trennungsstrich zu ziehen. Aber bestimmtes Arbeiten höherer Grade ist im weiteren Logen-Ausbau in dieser Hinsicht vorgesehen. So versuchen wir also intuitiv durch begnadete Inspiration den Geist der Sonne zu erfassen.

Durch diese Erfassung ist unser Geist der Mittler zum spirituellen Verständnis dieser hohen Esoterik. Er basiert in der Vollendung und auch schon im Studium, wie immer in dieser Anschauungsweise symbolisch dargestellt, in einem Dreieck:

philosophische Esoterik
wissenschaftliches Arbeiten
intuitives Denken

So geben wir durch diese Einstellung dem einzelnen Menschen vollständige intellektuelle Freiheit. Wir bewahren auch die Achtung vor dem Wesen und dem Wert des Individuums. Wir schaffen in unserer Loge keinen dogmatischen Glauben, aber festigen und fundieren uns durch ein dogmatisches Ritual.

Über die traditionelle sakramentale Form dieses Rituals und unseres Gottesdienstes soll hier einiges gesagt werden. Wir wissen, dass ein Ritual auf einer esoterischen und stark magischen Grundlage ruht. Es sind also die gesamten sakramentalen Handlungen und Kulte durchaus hochgeistig, rein esoterisch verankert. Wir müssen uns über den Begriff Sakrament zunächst klar werden. Sakramental handeln – Sakramental denken heißt den gesamten Lebens-Inhalt vergeistigen und heiligen. Das Denken heiligen – das Denken reiner gestalten! Die Handlungen heiligen heißt:

Den Alltag in Reinheit erleben – Den Alltag vergeistigen. Es ist also unsere Aufgabe, durch Intuition und Meditation unmittelbar mit höheren Welten, mit höheren Wesenheiten in Verbindung zu kommen. Erreichbar durch sakrale Akte. Ein derartiger sakraler Kult hat also den Sinn, zuerst eine spirituelle Ausstrahlung zu erzeugen, sowie eine spirituelle Einstrahlung zu erreichen. – Innenwelt und Außenwelt sind zu vereinen. – Erreichbar durch harmonische Schwingungen in einer absolut geistigen Willensfreiheit.

Wer sich so einstellt, der erzielt eine eigenartige Umpolung seines Wesens. Diese dreiteilige Wesens-Ausstrahlung kann man bezeichnen als:

Gemessenheit = heiliges Maß
Besonnenheit = heiliges Sinnen
Überlegenheit = heiliges Denken.

Die verschiedenen Religionen haben verschiedene Sakramente, aber die Wesensart dieser Sakramente, der Inhalt, ist stets der Gleiche. Wichtig ist für alle sakralen Handlungen die Grundidee, wichtig ist die Basis, die geistige Basis der Kulte. Darin einen sich alle Kulte, ganz gleich, ob sie zu klassifizieren sind unter Mondkulte, Sonnenkulte, Sternenkulte, Tierkulte! Zeremonien ohne okkultes Urwissen sind sinnlos. Wenn sie nicht kosmisch verankert sind, sind es Scharlatanerien. Jede Religion ist primär in der geistigen Welt der Ideen verankert, und dieser Urideen, diese okkulten Wahrheiten, liegen allen Religionen zu Grunde.

Das Wissen um diesen Ursprung nennt man: Mysterien-Weisheit – Mysterien-Wissen – Eingeweiht-sein! So können wir sagen, ein Sakrament stellt in seiner Handlung ohne Äußeres sichtbares Zeichen eine innere geistige Gnade dar. Ein sakraler Kult von einem eingeweihten Priester inszeniert, ist ein Zeichen seiner Begnadung durch die Inspiration mit den Ideen seines Kultes. Demnach ist eine Kult-Handlung gleichzeitig eine symbolische Handlung; ein Sakrament ist also ein sakrales Symbol. Wir können uns das klarer gestalten:

Wort = Ton Schwingung
Form Gebärde Materie Kraft

Mental
Physisch Astral

Hier haben wir also die drei Welten-Zustände oder die drei
Geist-Zustände:

1. Die Form vereint mit der Gebärde und dem Wort. Der physische Plan.

2. Die Form ist Materie, die Gebärde liegt in der Kraft, das Wort liegt im Ton, in der Schwingung. Hier haben wir den astralen Zustand oder den Astral-Plan.

3. Drei Zustände einen sich in Harmonie. Gestaltung, Handlung und Tatimpuls oder der Mentalplan.

Bei dem dritten Dreieck klassifizieren wir:

philosophische Esoterik
wissenschaftliches Arbeiten
intuitives Denken

Hochgepolte Materie im geistigen Zustand, ist wissenschaftliches Arbeiten, ist der Geist des Saturn in der hohen Oktave; hochgepolte Kraft im geistigen Zustand ist intuitives Denken, ist der Geist des Jupiters in der hohen Oktave; esoterische Philosophie im geistigen Zustand, ist der Geist der Sonne in der hohen Oktave. Sakramentale Magie heißt also, aus dem Gegenstand der Kraft die Magie des Dinges zu entwickeln. Aus dem Wort der Kraft, die Magie des Wortes zu gestalten. Aus der Gebärde der Kraft, die Magie der Handlung zu formen. Geistiges Ziel ist also: Bewusstsein dieser Dreiheit der Magie in sich zu haben, um damit die drei Welten oder Zustände zu beherrschen.

Es wäre falsch, nur ein Denker zu sein! Es wäre falsch, nur ein Wissenschaftler zu sein! Es wäre falsch, nur ein Medium zu sein! Vergeistigung des Gesamt-Menschen ist erforderlich. Also: Spirituell intuitives Denken! Spirituell intuitives Studium! Spirituell intuitive Philosophie! Nur so ist das Problem einer jeden Religion zu lösen. Man kann auch vom Standpunkt einer kosmischen Physik eine sakramentale Kult-Handlung betrachten.

1. Es erfolgt zunächst erstens eine Konzentration der energetischen Kräfte in der geeigneten und gewählten Materie, also zumeist in den benutzten Metallen der Kultgeräte: Blei – Kupfer – Silber – Gold -, welche die hauptsächlichsten magischen Metalle darstellen.

2. Durch Wort oder Tonschwingungen wird die atomistische Struktur dieses Metalls in Schwingungen gesetzt.

3. Durch die magnetische Gebärde wird die ätherische Ausstrahlung der entsprechenden Kraftschwingungen zentralisiert, in bestimmte Richtung gelenkt, um dadurch eine Bindung an die astrale Materie zu erreichen.

So ist bei der Taufe das Wasser die Materie. Das Ritual ist die Heiligung des Wassers. Die vom Priester gemachte Gebärde des Kreuzes ist die magnetische Bindung. Dadurch wird, wie bereits gesagt, der physische Zustand zunächst in einen astralen Zustand verwandelt, um eine mentale Schwingung und Anziehung zu erzielen. Erreicht wird dadurch: Zunächst eine Bindung des Zwischen-Wesens, sodann eine Überbrückung der Zwischen-Stufen zwischen dem Menschen und dem Logos. Der Protestantismus hat diese Bindung und Überbrückung nicht in der Gesamtheit seines Kultes, während der Katholizismus sie sich vollständig bewahrt und dadurch seine magische Bedeutung noch nicht verloren hat.

So kann man sagen: Durch eine sakramentale Handlung wird eine physische, feinstoffliche Veränderung erzeugt, die von längerer oder geringerer Dauer ist, zum mindesten während der Handlung besteht. Für mediale Menschen ist diese Veränderung sogar sichtbar durch eine leuchtende Ausstrahlung des Geistes, durch leuchtenden Inhalt des Kelches, durch ausstrahlende Form der Geräte. Interessant ist nun, dass eine sakrale Übertragung dieser Kräfte auf einen anderen Menschen durchaus möglich ist. Hier liegt die Basis und Begründung der Priesterweihe und hier liegt auch die fundamentale Verankerung einer berechtigten Priester-Hierarchie, die bewusst von eingeweihten Kreisen gepflegt wird. Hier verbindet das Geheime Wort, der Geheime Ritus Jahrhunderte hindurch.

Interessant ist es, dass im eigentlichen Sinne die seelische oder geistige Würdigkeit eines Priesters keine Rolle spielt. Das Sakrament oder der sakrale Kult wirkt ohnehin durch seine richtig gehandhabte Inszenierung und seine kosmische Verankerung. Dadurch ist die Wirkung eines schwarz-magischen Priestertums ohne weiteres erklärt, erzeugt durch bewusste Umkehrung der Rituale, um eine disharmonische Wirkung kosmischer Gegenströme zu erreichen und dadurch das Losreißen vom Urgrund zu bewerkstelligen. Dieses ist dann bewusste Erzeugung von Disharmonien, dadurch erreichte Dezentralisation von Kräften, die eine absolute Deformierung bewirken. Aber mehr darüber darf hier nicht gesagt werden. So erklärt sich die gewaltige Wirkung magischer Kulte, wenn sie auf hierarchischer Grundlage ruhen und an dementsprechende kosmische Wesenheiten gebunden sind.

Nachhaltige und stärkste Wirkung vom Sakrament wird natürlich erzeugt von einem in der Idee und im harmonischen Rhythmus schwingenden eingeweihten Priester. Nicht jeder eingeweihte Priester ist eingeweiht, aber die Priesterweihe an sich ist schon ein Sakrament und damit eine sakrale Basis. Die echte magische Zeremonie nun besteht aus zusammengesetzten Sakramenten; darüber wird später mehr zu sagen sein durch weitere Publikationen.

Der Protestantismus hat mit dem Katholizismus gemeinsame das Sakrament des „Altars“ – das Sakrament der „Taufe“. Rein katholisch ist das Sakrament der „Priesterweihe“ – das Sakrament der „Letzten Ölung“. Mehr oder weniger gemeinsam, wenn auch im Protestantismus durch Kürzungen minderwertig, ist das Sakrament der „Ehe“, das Sakrament der „Konfirmation“ und das Sakrament des „Abendmahles“. Rein okkult und nur in wenigen Logen in vollster Erhaltung verankert ist das Sakrament der „Anrufung“, das Sakrament des „Symboles“, das Sakrament der „Geburt“, das Sakrament des „Sonnenaufgangs und Untergangs“, das Sakrament der „Waschung“ und „Reinigung“. Das letztere ist in den indischen, jüdischen und mohammedanischen Kulten stärker erhalten als in Europa.

Unseren Hochgraden der Loge aber ist vorbehalten und wird von uns später gelehrt werden: Das Sakrament des Kelches – Das Sakrament des Heiligen Grals. Im Sakrament des „Kelches“ ist sehr hohes Wissen verborgen und wir können sagen: Die Sage vom heiligen Gral ist absichtlich von Eingeweihten der Menschheit gegeben, um auf einen durchaus gangbaren Wege zu den Heiligtümern hoher Esoterik hinzuführen. So ist das Symbol des „Leuchtenden Kelches“ die Erkenntnis der sakralen Form, und die als Symbol häufig gebrauchte Taube, die über dem Kelch schwebt, das Symbol der Inspiration.

So soll jeder suchende Mensch bestrebt sein, „Diener des Kelches“ zu werden, das heißt, befugt zu sein, Wissen auszuschenken, um den anderen Suchenden den oft so bitteren Kelch der Erkenntnis zu kredenzen. So geht denn der Erkennende weiter zum Grade des „Ritters vom Kelche“. „Ritter des Heiligen Grals“ zu sein heißt, Hüter des Wissens werden, welches absichtlich dem profanen Volke vorenthalten werden muss. Dann liegt vor ihnen das Ziel alles Wissens „Meister des Kelches“, „Meister des Heiligen Grals“ zu werden, als höchste erreichbare Stufe einer esoterischen Schulung. Der Meister des Grals ist „Erkennender des Ursprungs“ und dadurch „Erzeuger des Lichtes!“ – Schöpfer im Sinne des Chrestos-Prinzipes.