Splendor Solis

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2. Platte

Hernach folgt zu reden vom Ursprung des steins der alten Weisen und wie er mit Hilfe der Kunst vollbracht wird.

Der erste Traktat

Dieser Stein der Weisen wird vollbracht durch den Weg der grünenden Natur. Darüber sagt Hali, der Philosoph: Dieser Stein gebe auf sein Wachsen und Grünen, denn das Grünen ist hinderlich für seine Natur, denn dadurch sproßt ein Ding und kommt her und  grünt in seiner vorbestimmten Zeit. Aber da muß man es durch den Weg  und der  Heimlichkeit der Kunst kochen und faulen.

Durch den Weg und dem Geheimnis der Kunst muß hier der Natur zu Hilfe gekommen werden.Die Kunst kocht und fault dann für sich selber solange, bis sie ihrer  Zeit die  rechte Form gibt. Und die Kunst ist dann nichts anderes als eine Schickerin und Bereiterin der  Materie, die in der Natur in einem solchen Werk geziemt. Dazu dienen auch die himmlischen  Gefäße  und was der Wirkung mit vorbedachter  Klugheit hilft,  wenn man sich von Anfang vornimmt Gold oder Silber zu machen.

So sie die ersten anfangenden Dinge nicht geben mag, ist notwendig, dass man in der Kunst die natürlichen Reihenfolge suche  und die Gruft der Mineralien baue die ihren ersten Anfang in der Erde haben.

Die Kunst hat einen anderen Weg und Deutung, unterschiedlich vom Wege der Natur und darum hat sie auch unterschiedliche Werkzeuge und demnach  bringt auch die Kunst  aus den natürlichen und wurzelnden  Anfängen der Natur sonderliche Dinge hervor, welche die Natur durch sich selbst nimmermehr gebären möchte.

Denn die Natur kann durch sich selbst nicht Dinge gebären, welche die Metalle schnell  vollkommen machen möchten. Aber durch das Geheimnis der Kunst, die auch aus der  Materie geboren wird,  dient die Natur der Kunst und wiederum die Kunst der Natur  mit dem richtigen Werkzeug. Und mit Maß solcher Wirkung weiß sie, was der Natur bequem ist, so dass eine solche Form gemacht wird. Und obwohl es mit der Kunst gemacht werden muß, dass der Stein zu seiner Form durch die Kunst kommt, sogar dann kommt die Form von der Natur. Die wesentliche Form eines jeden Dinges, sei es zierlich, wachsend oder metallisch, entsteht aus der inneren Macht der Materie, nicht allein aus der menschlichen Seele.

Aber es ist zu merken, dass die wesentliche Form nicht in der Materie entstehen mag, es geschehe denn mit der Auswirkung einer zufälligen Form, nicht aus der Kraft derselben, sondern aus der Kraft einer anderen wirkenden Substanz, welche ist das Feuer oder eine andere zufällige Wärme, die wirkt.

Dies  nennen wir das Gleichnis von einem Ei der Henne: In dem Ei entsteht nicht die wesentliche Form, die da ist eine Vermischung des Roten und des Weißen, nicht durch die Kraft der Wärme, die auf das Ei einwirkt, die von der brütenden Henne kommt. Und wiewohl das Ei die Materie der Henne ist, entsteht nicht dadurch die Form, nicht wesentlich oder zufällig, sondern durch die Fäulnis mit Hilfe der Wärme.

Also auch in der Materie des bearbeiteten Steins entstehen die zufälligen oder wesentlichen Formen nicht ohne Fäulnis oder Kochung, wie aber diese Fäulung zu geschehen hat, folgt danach.

Die Fäulung oder Putrefactio        
Geschieht etwa mit auswendiger Hitze in einem Ding, so die Naturhitze eines Dings, das feucht ist, heraus gezogen wird.Es geschieht auch die Fäulung gleichermaßen von übriger Kälte, so die natürliche Hitze von Kälte zerstört wird: Das ist eigentlich eine Tötung.

Dann ein jegliches Ding  erhält sich von natürlicher Wärme.Und geschieht endlich solche Fäulung in feuchten  Dingen, auf derlei Fäulung, reden die Philisophen nicht davon, sondern  Ihre Fäulung  ist eine Feuchtung oder Eintränkung, dadurch die trockenen Dinge zu ihrm vorigen Stand kommen, auf das sie grünen und wachsen mögen.In der Fäulung  wird die Feuchtigkeit  mit der Trockenheit vereinigt und nicht zerstört, so daß die Feuchte die Trockenheit oder den trockenen Teil zusammenhält, das ist eigentlich eine Zerreibung.

So aber die Feuchte ganz von dem Trockenen geschieden ist, so werden notwendigerweise die  trockenen Teile abgesondert und in Asche verwandelt. Die Incineration wollen die Philosophen aber auch nicht haben, sondern sie wollen , dass ihre Fäulung in Austrocknung, Zerreibung  und Calzinierung so geschehe, dass die natüürliche Feuchte und das Trockene sich miteinander  vereinigt, überschüssige Feuchtigkeit entfernt unf Trockenheiten, die zerströrend sind, ausgezogen werden, gleich wie die Speise, die einem Tier in den Bauch kommt, gekocht und zerstört wird und daraus gezogen wird die nährende Kraft und die Feuchtigkeit, daraus die nährende Kraft und Feuchtigkeit gezogen wird, davon die Natur erhalten  und gemehrt wird und ihre überflüssigen Teile abgesondert werden.

Aber jedoch so will ein jegliches Ding  nach der Eigenschaft seiner Natur gespeist werden. Das soll hier im Voraus  für den  abgemehlten Stein der Philosophen angemerkt sein.

Nun folgt der Meldung zu tun
Von der Materie der verborgenen Natur
Des gesegneten Steins der Philosophen

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