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DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI – Teil 2

DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI – Teil 2

Jakob Boehme

Jakob Böhme – DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI – Teil 1
Jakob Böhme – DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI – Teil 3

Zweiter Teil der Menschwerdung Jesu Christi

von Christi Leiden, Sterben, Tod und Auferstehung, wie wir müssen in Christi Leiden, Sterben und Tod eingehen und aus seinem Tode mit ihm und durch ihn auferstehen und seinem Bilde ähnlich werden und ewig in ihm leben.

1. Kapitel – Von des Lebens Urstand aus dem Feuer; item: von dem ewigen Geiste in der ewigen Jungfrau der Weisheit Gottes

Die äußere Vernunft spricht: Wäre es denn nicht genug gewesen, dass Gott in uns Mensch ward, warum musste Christus leiden und sterben? Vermochte denn Gott nicht den Menschen also im Himmel mit der neuen Geburt einführen? Ist denn Gott nicht genug allmächtig, dass er tue, was er will? Was hat doch Gott für einen Gefallen am Tode und Sterben, dass er nicht alleine seinen Sohn am Kreuz hat sterben lassen, sondern wir müssen auch alle sterben? So uns denn Gott hat mit dem Sterben seines Sohnes erlöset und er für uns bezahlet, warum müssen wir dann auch sterben und verwesen? Also laufet die Vernunft.

Vor diesem Spiegel wollen wir den Antichrist, der sich Christi Diener und Hirten nennet, zu Gaste geladen haben und alle hohe Schulen dieser Welt mit ihren Disputationen und Gesetzen, sowohl alle Kinder Christi, welche Christi Kreuz tragen. Sie sollen alle den wahren Grund sehen, nicht der Meinung, jemand in seiner Unwissenheit zu schmähen, sondern zur wahren Lehre, dass sich ein jeder suchen und finden soll. Denn es wird gar ein ernstlicher Handel sein und trifft den Menschen. Es kostet seinen Leib und Seele. Er darf damit gar nicht scherzen, denn der diese Erkenntnis hat gegeben, der hat seine Posaune gerichtet. Es gilt dem menschlichen Geschlechte, ein jeder mag seine Lampe schmücken. Es wird ein großer, zweifacher König kommen, aus zweien Türen. Er ist einer und doch zwei. Er hat Feuer und Licht. Er zeucht auf Erden und auch im Himmel ein. Das lasse man ein Wunder sein.

Lieben Kinder Christi, wenn wir den Tod betrachten, wie wir durch den Tod müssen ins Leben gehen, so finden wir gar viel einander Leben, das aus dem Tode kommt; und finden bald, warum Christus hat müssen sterben, warum wir in Christi Tod auch müssen sterben, in ihm auferstehen und mit und durch ihn in Gottes Reich eingehen.

Wenn wir nun dieses finden wollen, müssen wir die Ewigkeit im Grund und Ungrund betrachten, sonst ist kein Finden. Wir müssen nur finden, da es ist. Denn aus dem ewigen Grunde haben wir mit Gottes Bildnis unsern Urstand als mit der Seelen und ihrem Bildnis, sind aber ins Zeitliche und Zerbrechliche eingeführt worden, als in die Qual. Nun ist aber die Ewigkeit als der Ungrund eine Freiheit außer der Qual. Darum müssen wir wieder in die Freiheit durchs Sterben eingehen, und können doch auch nicht sagen, dass kein Leben darinnen sei. Es ist das rechte Leben, das da ewig ohne Qual bestehet. Und geben euch das in einem wahrhaftigen Gleichnis zu entsinnen, welches zwar ein Gleichnis ist nach dem Reiche dieser Welt, aber so wir die göttliche Welt dazu nehmen, so ist’s das Wesen selbst.

Ihr wisset, dass unser Leben im Feuer stehet, denn ohne Wärme leben wir nicht. Nun hat das Feuer sein eigen Centrum, seinen eigenen Macher in seinem Zirkel als die sieben Gestalten oder Geister der Natur, und werden doch nur die ersten vier Gestalten für die Natur als für das Quellen erkannt, in welchen das Feuer erwecket und aufgeschlagen wird, dass ein Principium oder Lebenszirkel oder Centrum da sei, da die Materia des Brennens sich in den Geistern oder Gestalten selber machet, und wird auch immer im Feuer verzehret. Und das Feuer gibt aus der Verzehrlichkeit ein anders, das besser ist als das erste, das das Feuer machet. Denn das Feuer ertötet und verschlinget das Wesen, das das Feuer selber machet, verstehe: das essentialische Feuer in den Gestalten zum Feuer. Es verzehret es und gibt aus dem Tode ein viel Edlers und Bessers, das es nicht verzehren kann. Das beweiset sich am Feuer und Lichte, welches nicht allein das wahre Gleichnis ist, sondern es ist das Wesen selber, nur dass man die Principia unterscheide. Es ist wohl alles ein Feuer, aber es unterscheidet sich selber nach der Qual.

So wir nun dies wollen zum Verstand geben, so tut not, dass wir des Feuers Urstand anmelden. Weil wir es aber sonst als im Buche “De tribus principiis” und in andern mehr nach der Länge mit allen Umständen beschrieben, so geben wir nur all hier einen kurzen Begriff zum Verstande und weisen den Leser auf die andern Schriften, so er will die sieben Gestalten der Natur forschen.

Das Feuer hat vornehmlich drei Gestalten in sich zum Centro. Die vierte Gestalt ist das Feuer selbst und gibt das Principium als das Leben mit dem Geiste, denn in den ersten drei Gestalten ist kein rechter Geist. Es sind nur Essentien als

1. die Herbe, das ist der begehrende Wille, die erste und vornehmste Gestalt;‬‬

2. Bitter, stachelig ist die andre Gestalt, eine Ursache der Essentien;‬‬

3. die Angst als der Zirkel oder das Centrum des Lebens, das drehende Rad, das die Sinnen als die bitteren Essentien in sich fasset und gleich als im Tode verschlinget; und gibt‬‬

4. aus der Angstkammer als aus dem Tode das Gemüte als ein andre Centrum. Das verstehet nun also:‬‬

In der Ewigkeit als im Ungrunde außer der Natur ist nichts als eine Stille ohne Wesen. Es hat nichts, das etwas gebe. Es ist eine ewige Ruhe und keine Gleiche, ein Ungrund ohne Anfang und Ende. Es ist auch kein Ziel noch Stätte, auch kein Suchen oder Finden oder etwas, da eine Möglichkeit wäre. Derselbe Ungrund ist gleich einem Auge, denn er ist sein eigener Spiegel. Er hat kein Wesen, auch weder Licht noch Finsternis, und ist vornehmlich eine Magia, und hat einen Willen, nach welchem wir nicht trachten noch forschen sollen, denn es turbieret uns. Mit demselben Willen verstehen wir den Grund der Gottheit, welcher keines Ursprungs ist, denn er fasset sich selber in sich, daran wir billig stumm sind, denn er ist außer der Natur.

So wir denn in der Natur sind, so erkennen wir den in Ewigkeit nicht, denn in dem Willen ist die Gottheit selber alles und der ewige Urstand seines eigenen Geistes und aller Wesen. In dem Willen ist er allmächtig und allwissend, und wird doch in diesem Willen nicht Gott genannt oder erkannt, denn es ist darinnen weder Gutes noch Böses. Es ist ein begehrender Wille, der der Anfang und auch das Ende ist. Denn das Ende machet auch den Anfang dieses Willens, und der Anfang das Ende wieder. Und wir finden also, dass alle Wesen sind in ein Auge geschlossen. Das ist gleich einem Spiegel, da sich der Wille selber beschauet, was er doch sei. Und in dem Schauen wird er begehrend des Wesens, das er selber ist. Und das Begehren ist ein Einziehen, und ist doch nichts, das da könnte gezogen werden, sondern der Wille zeucht sich im Begehren selber und modelt sich in seinem Begehren für, was er ist. Und dasselbe Model ist der Spiegel, da der Wille sieht, was er ist. Denn es ist ein Gleichnis nach dem Willen. Und wir erkennen denselben Spiegel, da sich der Wille selber immer schauet und besieht für die ewige Weisheit Gottes, denn sie ist eine ewige Jungfrau ohne Wesen. Und ist doch der Spiegel aller Wesen, in dem alle Dinge sind von Ewigkeit ersehen worden, was da werden könnte oder sollte.

Nun ist dieser Spiegel auch nicht das Sehen selber, sondern der Wille, der begehrend ist, das ist des Willens ausgehende Lust, die aus dem Willen ausgehet. Die ist ein Geist und machet in der Lust des Begehrens den Spiegel. Der Geist ist das Leben. Und der Spiegel ist die Offenbarung des Lebens, sonst erkennt sich der Geist selber nicht. Denn der Spiegel als die Weisheit ist sein Grund und Behälter. Es ist das Gefundene des Geistes, da sich der Geist in der Weisheit selber findet. Die Weisheit ist ohne den Geist kein Wesen, und der Geist ist ohne die Weisheit ihm selber nicht offenbar, und wäre auch eines ohne das andre ein Ungrund.

Also ist die Weisheit als der Spiegel des Geistes der Gottheit für sich selber stumm, und ist der Gottheit als des Geistes Leib, darin der Geist wohnet. Er ist eine jungfräuliche Matrix, darinnen sich der Geist eröffnet, und ist Gottes Wesenheit als ein heiliger göttlicher Sulphur, gefasst in der Imagination des Geistes, des Ungrundes der Ewigkeit. Und ist dieser Spiegel oder Sulphur der ewige erste Anfang und das ewige erste Ende, und gleichet sich allenthalben einem Auge, da der Geist mit sieht, was er darinnen sei und was er wolle eröffnen.

Dieser Spiegel oder Auge ist ohne Grund und Ziel, wie denn auch der Geist keinen Grund hat als nur in diesem Auge. Er ist allenthalben ganz, unzerteilet, als wir erkennen, dass der Ungrund nicht mag zerteilet werden, denn es ist nichts, das da scheide; es ist kein Bewegen außer dem Geiste. Also ist uns erkenntlich, was der ewige Geist in der Weisheit sei und was der ewige Anfang und das ewige Ende sei.

2. Kapitel – Die wahre hochteure Porte der Hl. Dreifaltigkeit, das Auge des ewigen Lebensscheins

Als wir denn erkennen, dass der ewige Anfang im Ungrunde ein ewiger Wille in sich selber sei, dessen Urstand in sich keine Kreatur wissen soll, so ist uns aber doch zu wissen und im Geiste zu erkennen gegeben worden sein Grund, den er in ihm selber machet, darin er ruhet. Denn ein Wille ist dünne (Materiefrei, subtil) als ein Nichts. Darum ist er begehrend, er will etwas sein, dass er in sich offenbar sei. Denn das Nichts ursachet den Willen, dass er begehrend ist. Und das Begehren ist eine Imagination, da sich der Wille im Spiegel der Weisheit erblicket, so imaginieret er aus dem Ungrunde in sich selber und machet ihm in der Imagination einen Grund in sich selber, und schwängert sich in der Imagination aus der Weisheit als aus dem jungfräulichen Spiegel, der da ist eine Mutter ohne Gebären, ohne Willen.

Nicht geschieht die Schwängerung im Spiegel, sondern im Willen in des Willens Imagination. Der Spiegel bleibet ewig eine Jungfrau ohne Gebären, aber der Wille wird geschwängert mit dem Anblick des Spiegels. Denn der Wille ist Vater und die Schwängerung im Vater als im Willen, ist Herz oder Sohn, denn es ist des Willens als des Vaters Grund, da der Geist des Willens im Grunde stehet und aus dem Willen im Grunde stehet und aus dem Willen im Grunde ausgehet in die jungfräuliche Weisheit. Also zeucht des Willens Imagination als der Vater des Spiegels Vision oder Gestalt als die Wunder der Kraft, Farben und Tugend in sich, und wird also des Glanzes der Weisheit mit der Kraft und Tugend schwanger. Das ist des Willens als des Vaters sein Herz, da der ungründliche Wille einen Grund in sich selbst bekommt durch und in die ewige ungründliche Imagination.

Also erkennen wir die Schwängerung des Vaters für das Centrum des Geistes der Ewigkeit, da sich der ewige Geist immer fasset. Denn der Wille ist der Anfang und das Bewegen oder Einziehen in die Imagination als zum Spiegel der Weisheit, ist der ewige ungründliche Geist. Der urständet im Willen und fasset sich im Centro des Herzens in der Kraft der eingezogenen Weisheit, und ist des Herzens Leben und Geist. So denn der ewige ungründliche Wille in ihm selber stumm wäre, so ist das gefasste aus der Weisheit, welches Herz oder Centrum heißet, des Willens Wort. Denn es ist der Schall oder die Kraft; und ist des Willens Mund, der den Willen offenbaret. Denn der Wille als der Vater, der spricht mit Bewegung des Geistes die Kraft aus in den Spiegel der Weisheit. Und mit dem Aussprechen gehet der Geist aus dem Willen, aus dem Worte des Mundes Gottes als aus dem Centro des Herzens aus in das Ausgesprochene als in den jungfräulichen Spiegel, und eröffnet das Wort des Lebens im Spiegel der Weisheit, dass das dreifaltige Wesen der Gottheit in der Weisheit offenbar wird.

Also erkennen wir ein ewig ungründlich göttlich Wesen, und darin drei Personen, da keine die andere ist, als der ewige Wille, welcher eine Ursache alles Wesens ist; der ist die erste Person. Er ist aber nicht das Wesen selber, sondern die Ursache des Wesens und ist frei vom Wesen, denn er ist der Ungrund. Nichts ist vor ihm, das ihn gebe, sondern er gibt sich selber, davon wir kein Wissen haben. Er ist alles, doch auch also einig in sich ohne das Wesen ein Nichts und in diesem einigen Willen urständet der ewige Anfang durch Imagination oder Begehren. Und im Begehren schwängert sich der Wille selber aus dem Auge der Weisheit, welches mit dem Willen in gleicher Ewigkeit ohne Grund und Anfang ist, wie oben gemeldet. Dieselbe Schwängerung ist der Grund des Willens und Wesens aller Wesen, und ist des Willens Sohn, denn der Wille gebiert diesen Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, denn er ist sein Herz oder sein Wort als ein Schall oder Offenbarung des Ungrundes der stillen Ewigkeit, und ist des Willens Mund oder Verstand, und ist billig eine andere Person als der Vater, denn er ist des Vaters Offenbarung, sein Grund und Wesen. Denn ein Wille ist kein Wesen, aber des Willens Imagination machet Wesen.

Also ist die andere Person das Wesen der Gottheit, verstehe: das Wesen der Hl. Dreifaltigkeit, der Mund oder Offenbarung des Wesens aller Wesen und die Kraft des Lebens aller Leben.

Die dritte Person ist der Geist, welcher mit der Fassung des Willens durch die Imagination aus der Kraft des Sprechens ausgehet aus dem Munde des Vaters in das Auge als in Spiegel der Weisheit. Der ist ja vom Willen und auch vom Worte frei. Und ob ihn gleich der Wille aus dem Worte gibt, noch ist er frei wie die Luft vom Feuer. Wie man denn sieht, dass die Luft des Feuers Geist und Leben ist, und ist doch ein anders als das Feuer, wird doch auch vom Feuer gegeben. Und wie man sieht, dass die Luft einen lebendigen und webenden Himmel gibt, der da scheinbar und beweglich ist, also ist auch der Hl. Geist das Leben der Gottheit und eine andere Person als der Vater und Sohn. Er führet auch ein andre Amt. Er eröffnet die Weisheit Gottes, dass die Wunder erscheinen, wie die Luft alles Lebens dieser Welt eröffnet, dass alles lebet und wachset.

Dieses ist also eine kurze Andeutung der Gottheit im Ungrunde, wie Gott in sich selber wohne und selber sein Centrum der Gebärerin sei. Nun ruhet aber also das menschliche Gemüte mit diesem nicht. Es fraget nach der Natur, nach dem, daraus diese Welt ist erboren und alles geschaffen worden. So folget nun ferner der Text des Principii, dahin wir die Vernunft zu Gaste geladen haben.

3. Kapitel – Die gar ernstliche Porte. Wie Gott außer dem Principio des Feuers nicht offenbar sei

Wir haben mit dieser Beschreibung gezeigt, was die Gottheit außer der Natur sei, darinnen zu vernehmen ist, dass die Gottheit, was die drei Personen antrifft, mit der ewigen Weisheit von der Natur frei sei und dass die Gottheit noch tieferen Grund habe als das Principium im Feuer. Nun wäre aber die Gottheit ohne das Principium nicht offenbar; und verstehen die Gottheit außer dem Principio gleich einem Anblick großer Wunder, da niemand weiß oder erkennen kann, was da sei, da alle Farben, Kraft und Tugend in einem ganz schrecklichen Wesen erscheinen, das doch keinem Wesen gleich sähe, sondern einem schrecklichen Wunderauge, da weder Feuer, Licht noch Finsternis ersehen würde, sondern ein Anblick eines solchen Geistes in hochtiefer, blauer, grüner und gemengter Farbe, da alle Farben inne liegen, und würde doch keine vor der andern erkannt, sondern gleich sich einem Blitze, der schrecklich wäre, dessen Anblick alles turbierte und verzehrte.

Also ist nun zu erkennen das ewige Wesen als der ewige Geist außer dem Feuer und Lichte, denn er ist ein begehrender Wille, der sich selber also zu einem Geist machet. Und dieser Geist ist die ewige Vermögenheit des Ungrundes, da sich der Ungrund im Grund führet, davon alles Wesen urständet. Denn eine jede Gestalt im Geiste ist eine Imagination, ein begehrender Wille und begehret sich zu offenbaren. Es schwängert eine jede Gestalt ihre Imagination und begehret sich auch jede Gestalt zu offenbaren. Darum ist der Spiegel des Anblicks ein Wunder des Wesens aller Wesen. Und der Wunder sind keine Zahl, Grund noch Ende. Es ist eitel Wunder, welchen Begriff man nicht schreiben kann. Denn der seelische Geist, der aus diesem Wunder urständet, verstehet das alleine.

Und dann verstehen wir, wie dieser ungründliche Wille von Ewigkeit in Ewigkeit immer begehrend sei, nämlich sich zu offenbaren, sich zu ergründen, was er sei, die Wunder in ein Wesen zu führen und sich in Wundern zu offenbaren. Und das Begehren ist eine Imagination, da der Wille in sich zeucht und sich schwängert und mit der Imagination sich selber beschattet, dass aus dem freien Willen ein Widerwille entstehet, von der Beschattung als von der Finsternis frei zu sein. Denn das Eingezogene ist des freien Willens Finsternis, da er sonst außer der Imagination frei war, und doch auch in sich selber außer der Imagination ein Nichts wäre, und also urständet mit im ersten Willen im Begehren ein Widerwillen. Denn das Begehren ist anziehend, und der erste Wille ist stille und in sich selber ohne Wesen, schwängert sich aber mit dem Begehren, dass er voll Wesen ist, nämlich der Wunder und Kraft, welche ihn überschattet und auch ihm eine Finsternis machet, da sich dann in den eingezogenen Kräften ein anderer Wille fasset, von der finstern Kraft auszugehen in die Freiheit. Derselbe andere Wille ist des Herzens oder Wortes Wille, denn er ist eine Ursache des Principii, dass das Angstrad das Feuer anzündet. So gehet er alsdann durch die Angst als durchs Feuer aus dem Schein des Lichts als die Majestät, darin dann das Wesen der Hl. Dreifaltigkeit offenbar wird, und empfängt allhier den teuren Namen Gott. Das verstehet nun weiter so:

Der erste Wille als Gott der Vater, der ist und bleibet ewig frei von der Angstqual, was der Wille in sich selber ist. Aber sein Begehren wird geschwängert, und im Begehren urständet die Natur mit den Gestalten. Und die Natur wohnet im Willen in Gott, und der Wille in der Natur, und ist doch keine Vermischung. Denn der Wille ist also dünne als ein Nichts, darum ist er nicht fasslich. Er wird von der Natur nicht ergriffen, denn so er möchte ergriffen werden, so wäre in der Gottheit nur eine Person. Er ist wohl die Ursache der Natur, aber er ist und bleibet in Ewigkeit doch eine andere Welt in sich, und die Natur bleibet auch eine andere Welt in sich. Denn sie stehet in Kraft der Essenz, aus welcher das Principium urständet. Denn die in der Majestät stehet nicht in der Essenz oder im Principio, sondern in der Freiheit außer der Natur. Aber das scheinende Licht aus dem Principio machet die unfassliche und ungründliche Gottheit offenbar. Es gibt den Schein der Majestät, und hält ihn doch auch nicht in sich selber, sondern es fasset ihn aus dem Spiegel der jungfräulichen Weisheit aus der Freiheit Gottes. Denn wäre nicht der Spiegel der Weisheit, so möchte kein Feuer oder Licht erboren werden. Alles nimmt seinen Urstand von dem Spiegel der Gottheit. Das ist nun in dem Wege zu verstehen:

Gott ist in sich der Ungrund als die erste Welt, davon keine Kreatur nichts weiß, denn sie stehet alleine mit Geist und Leibe im Grunde. Es wäre auch Gott also im Ungrunde ihm selber nicht offenbar. Aber seine Weisheit ist von Ewigkeit sein Grund geworden, wonach dann den ewigen Willen des Ungrundes der Gottheit gelüstert, davon die göttliche Imagination entstanden, dass sich der ungründliche Wille der Gottheit hat also von Ewigkeit in der Imagination mit der Kraft der Vision oder Gestalt des Spiegels der Wunder geschwängert. Nun ist in dieser Schwängerung der ewige Urstand zweier Prinzipien zu verstehen, als (1) die ewige Finsternis, daraus die feuernde Welt sich urständet, (2) die Wesenheit des Grimmes in der Finsternis, darin wir Gottes Zorn und den Abgrund der Natur verstehen, und erkennen also die feuernde Welt für das große Leben.

Zum andern verstehen wir, wie aus dem Feuer das Licht erboren werde und wie zwischen der feuernden und Lichtwelt der Tod sei, wie das Licht aus dem Tode scheine und wie die lichtflammende Welt ein andre Principium und Qual in sich sei als die Feuerwelt, und sei doch keines vom andern getrennt, und kann auch keines das andere ergreifen. Und (3) verstehen wir, wie die Lichtwelt die ewige Freiheit als den ersten Willen, der Vater heißet, erfülle; (4) verstehen auch in diesem ernstlich und gründlich, wie das natürliche Leben, das in der lichtflammenden Welt wohnen will, müsse durch den Tod gehen und aus dem Tode ausgeboren werden, verstehen aber, welches Leben aus der Finsternis als aus der Essenz der finstern Wesenheit urständet als des Menschen Seele, die sich aus der Feuerwelt in die finstere Wesenheit in Adam hatte eingewandt. Darum wir dann (5) gründlich und eigentlich verstehen, warum Gott als das Herz Gottes ist Mensch worden, warum er hat sterben müssen, in Tod eingehen und sein Leben im Tode zerbrechen und hernach durch die feuernde Welt in die lichtflammende Welt einführen, und warum wir ihm also müssen nachfolgen; (6) warum viel Seelen in der feuernden Welt bleiben und nicht durch den Tod gehen mögen in die Lichtwelt, und was der Tod sei, auch was die Seele sei. Dieses folget nun also:

Wenn wir betrachten, was das Leben sei, befinden wir, dass es vornehmlich in dreien Stücken stehe: als im Begehren, Gemüte und Sinnen. Forschen wir dann weiter, was das sei, dass das gebe, so finden wir das Centrum als das essentialische Rad, welches den Feuerschmied selbst in sich hat. So wir dann weiter sinnen, wovon das essentialische Feuer entstehet, so befinden wir, dass es urstände im Begehren des ewigen ungründlichen Willens, der ihm mit dem Begehren einen Grund machet. Denn ein jedes Begehren ist herbe oder anziehend dessen, so der Wille begehret, und ist doch auch nichts vor ihm, was er begehren mag als nur sich selber.

Das ist das große Wunderauge ohne Ziel und Grund, da alles inne lieget, und ist doch auch ein Nichts, es werde denn im begehrenden Willen zu einem Etwas gemacht, das durch Imagination geschieht, da es zu einer Substanz wird, da es doch noch ein Nichts ist, denn es ist nur eine Beschattung des freien Willens, welches Wesen die Freiheit als den dünnen unerforschlichen Willen beschattet, dass also zwei Welten werden: die erste, welche in sich selber unfasslich oder ungreiflich ist, ein Ungrund und ewige Freiheit, die andre, die sich selber fasset und zu einer Finsternis machet. Und ist doch keine von der andern getrennt, allein mit diesem Unterschied, dass die Finsternis nicht mag die Freiheit ergreifen, denn sie ist zu dünne und wohnet auch in sich selber, wie denn die Finsternis auch in sich selber wohnet.

Die gar ernste Porte

Allhier verstehen wir nun (1) wie des Vaters anderer Wille, den er im Spiegel der Weisheit schöpfet zu seines Herzens Centro mit der Wesenheit in des Vaters Imagination geschwängert werde und dass dieselbe Schwängerung gegen die Freiheit des ersten Willens, der Vater heißet, eine Finsternis sei und in dieser Finsternis oder Wesenheit alle Kraft, Farben und Tugenden in der Imagination liegen, dazu alle Wunder. Und verstehen (2) wie die Kraft, Wunder und Tugend müssen durchs Feuer offenbar werden als im Principio, da alles in seine Essenz tritt, denn im Principio urständet die Essenz. Und verstehen (3) gar ernstlich, dass im Principio, ehe sich das Feuer urständet, ein Sterben sei, als das große Angstleben, das zwar kein Sterben ist, sondern eine herbe, strenge, sterbende Qual, aus welcher das große und starke Leben urständet als das Feuerleben, und dann aus dem gestorbenen das Lichtleben mit der Kraft der Liebe, welches Lichtleben mit der Liebe in der ewigen Freiheit als im ersten Willen, der Vater heißet, wohnet; denn dessen begehret der Vater in seinem eigenen Willen, der er selber ist, und nichts mehr. Das verstehet nun also:

Ihr sehet und wisset, dass kein Licht ohne Feuer ist, und kein Feuer ohne ernste Qual, welche Qual einem Sterben verglichen wird. Und die Wesenheit, aus welcher das Feuer brennet, muss auch also ersterben und verzehret werden. Aus dem Verzehren entstehen zwei Principia zweier großer Leben: das erste in der Qual, das Feuer heißet, das andere aus der Überwundenheit als aus dem Tode, welches Licht heißet, das unmaterialisch und ohne Qual ist, hat doch alle Qual in sich, aber nicht des Grimmes, denn der Grimm ist im Tode blieben. Und das Lichtleben grünet aus dem Sterben und wird vom Sterben nicht mehr ergriffen, als ihr denn sehet, wie das Licht im Feuer wohnet. Und das Feuer kann das nicht bewegen, ist auch sonst nichts, das das Licht bewegen mag, denn es ist gleich der ewigen Freiheit und wohnet in der Freiheit.

Allhier verstehet man, wie der Sohn eine andere Person sei als der Vater, denn er ist die Lichtwelt, wohnet doch im Vater, und der Vater gebiert ihn in seinem Willen. Er ist recht des Vaters Liebe, auch Wunder, Rat und Kraft, denn der Vater gebiert ihn in seiner Imagination in sich selber, und führet ihn durch sein eigen Feuer als durchs Principium durch den Tod aus, dass also der Sohn eine andere Welt oder ein andre Principium im Vater machet und ist als die Feuerwelt in der Finsternis ist.

Also verstehet ihr auch, wie des Vaters ewiger Geist sich in drei Welten scheide, als: (1) ist er der Ausgang aus der Imagination des ersten Willen des Ungrundes, der da Vater heißet, in dem er mit dem Ausgehen die Weisheit eröffnet und in der Weisheit wohnet und die an sich trägt als sein Kleid der großen Wunder.

Und dann zum andern ist er die Ursache zum Einziehen zur Wesenheit der Finsternis als zur andern Welt, und ist die Ursache und der Geist zum Urstande des essentialischen Feuers. Er ist selber die Qual in der Angst des Principii und auch die feuernde Welt als das große Leben.

Und dann zum dritten ist er auch selber der, der die Kraft im Sterben des Principii aus dem Feuer ausführet, da sich die Kraft aus der Angst aus dem Sterben vom Sterben scheidet, und gehet in die Freiheit und wohnet in der Freiheit und machet die Lichtwelt. So ist er die Flamme der Liebe in der Lichtwelt. Und allhier an diesem Orte urständet der teure Name Gottes des Vaters, Sohns und Hl. Geistes. Denn in der feuernden Welt wird er nicht der Hl. Geist oder Gott genannt, sondern Gottes Zorn, Gottes Grimm, da sich Gott hiermit ein verzehrend Feuer nennet. Aber in der Lichtwelt als im Sohne Gottes ist er die Flamme der Liebe und die Kraft des heiligen göttlichen Lebens selbst, da heißet er Gott Hl. Geist. Und die Lichtwelt heißet Wunder, Rat und Kraft der Gottheit. Die eröffnet der Hl. Geist, denn er ist das Leben darin, und ist alles zusammen, wo unser Herz und Sinn hinreichen mag, nichts als nur diese drei Welten, es stehet alles darinnen. Als erstlich ist die ewige Freiheit und darinnen das Licht mit der Kraft im Spiegel der Weisheit. Die heißet Gott Vater, Sohn und Hl. Geist. Und die andere ist die finstere Wesenheit in der Imagination, im herben, begehrenden Willen, die Schwängerung des Begehrens, da alles in der Finsternis stehet als im steten furchtsamen und ängstlichen Tode. Und die dritte ist die feuernde Welt als das erste Principium, welches in der Angst entstehet als das große, starke, allmächtige Leben, da die Lichtquelle inne wohnet, aber dem Feuer unbegriffen.

4. Kapitel – Vom Principio und Urstand der feuernden Welt und vom Centro der Natur

Wir wollen nicht stumm schreiben, sondern beweislich. Wir erkennen und wissen, dass ein jedes Leben sich in der Angst urständet als in einem Gift, das ein Sterben ist, und ist doch auch das Leben selber, wie solches am Menschen und aller Kreatur zu erkennen ist. Denn ohne die Angst oder Gift ist kein Leben, wie das gar wohl in aller Kreatur zu sehen ist, sonderlich im Menschen, welcher in drei Principien stehet, als eines im Feuer, darin das große Feuerleben stehet, zu welchem ein sterbendes Gift als die Galle gehöret, welches Gift die Angstkammer machet, darin das Feuerleben urständet. Und aus dem Feuerleben das andre Principium als das Lichtleben, daraus das edle Gemüte mit den Sinnen entstehet, darin wir unser edles Bildnis tragen, und verstehen, wie das Feuer leben im Herzen urständet vom Tode der Galle. Und das dritte Principium verstehen wir in der andern Angstkammer als im Magen, da wir die vier Elemente mit dem Gestirn einsacken, da denn die andern Angstkammer als das dritte Centrum ist als das Reich dieser Welt, ein Stank und elementisches Leben inne erboren wird und durch den äußeren Leib regieret mit der Vernunft des dritten Principii.

Nun verstehen wir aber gar wohl, dass im Herzen im Feuer-Centro eine andere Welt verborgen stehet, welche dem Sternen- und Elementen-Qual-Hause unbegreiflich ist, denn das Herz sehnet sich nach derselben Welt. Und der Geist, der aus dem Tode des Herzens Gift erboren ist und wird, besitzet dieselbe andere Welt, denn er ist frei vom Gift, welches das Feuer entzündet, und wohnet doch im Feuer des Herzens. Aber mit seiner Imagination fähet er die andere Welt der Freiheit in die Imagination und wohnet in der Freiheit außer des Feuers Qual, sofern er aber auch eine Lust in Gott führet.

So nun ein solch dreifach Regiment im Menschen ist, so ist es ja vielmehr außer dem Menschen, denn so das nicht wäre, so hätte es in Menschen nicht mögen kommen. Denn wo nichts ist, da wird auch nichts. So aber etwas wird, so wird es aus dem, das da ist. Eine jede Imagination modelt nur ihresgleichen in sich und offenbaret sich im Gleichnis. So nun das Wesen aller Wesen ein ewig Wunder ist in dreien Prinzipien, so bringt’s auch nur Wunder herfür, ein jedes Principium nach seiner Eigenschaft, und eine jede Eigenschaft wieder aus ihrer Imagination, daran wir erkennen, dass das ewige ein eitel Wunder ist. So ist nun demselben Wunder nachzusinnen und zu betrachten die Art und Eigenschaft der ewigen Gebärerin, denn es mag keine Eigenschaft sein, sie habe denn eine Mutter, die da gibt.

So verstehen wir nun in dem großen Wunder aller Wunder, welches ist Gott und die Ewigkeit mit der Natur, sonderlich sieben Mütter, daraus das Wesen aller Wesen urständet; sind doch alle sieben nur ein einig Wesen und ist keine die erste oder die letzte. Sie sind alle sieben gleich ewig, ohne Anfang. Ihr Anfang ist die Eröffnung der Wunder des einigen, ewigen Willens, der Gott der Vater heißet. Und die sieben Mütter möchten nicht offenbar sein, so der einige ewige Wille, der Vater heißet, nicht begehrend wäre. So er aber begehrend ist, so ist er eine Imaginierung in sich selber. Er ist eine Lust, sich selber zu finden. Er findet sich auch in der Imagination, und findet vornehmlich sieben Gestalten in sich selber, da keine die andere ist, und ist auch keine ohne die andre, sondern eine jede gebiert die andre. Wäre eine nicht, so wäre die andere auch nicht, sondern der Wille bliebe ein ewig Nichts ohne Wesen, Schein und Glanz.

So denn nun der Wille begehrend ist, so ist er einziehend dessen, das in der Imagination ist. Und da aber nichts ist, so zeucht er sich selber und schwängert sich in der Imagination und nicht im Willen, denn der Wille ist so dünne als ein Nichts.

So ist nun jedes Begehren herbe, denn es ist seine Eigenschaft. Das ist die erste Mutter, und des Willens Einziehen ins Begehren ist die andere Mutter, denn es sind zwei Gestalten, die einander widerwärtig sind. Denn der Wille ist stille als ein nichts und ist herbe als ein stiller Tod. Und das Einziehen ist seine Regung. Das mag der stille Wille in der Herbigkeit nicht leiden, und zeucht viel heftiger in sich, und schärfet seinen eigenen Willen doch nur im Ziehen, und will das Einziehen mit seinem strengen Einziehen einschließen und halten, und erwecket es nur auf solche Art. Je härter sich die Herbigkeit zusammenraffet, den Stachel zu halten, je größer wird nur der Stachel, das Wüten und Brechen, denn der Stachel will sich nicht lassen bändigen, und wird doch von seiner Mutter also streng gehalten, dass er nicht weichen mag. Er will über sich, und seine Mutter unter sich, denn Herbe zeuchet in sich und machet sich schwer, und ist ein Sinken unter sich. Denn es machet Sulphur das Sulphur und im Mercurio das Sal. Und der Stachel machte im Sulphur die bittere Gestalt als das Wehe, eine Feindschaft in der Herbigkeit und will immer aus der Herbigkeit ausreißen, und kann doch auch nicht. Also steiget eines über sich, das andre unter sich. Und so es dann auch nicht kann, so wird es drehend als ein Rad und drehet sich immer in sich hinein. Das ist nun die dritte Gestalt, da von die Essenz urständet, und das Wunder der Vielheit ohne Zahl und Grund. Und in diesem Rade verstehet die Wunder oder Kraft, welche der Wille, nämlich der erste ungründliche Wille, aus dem Spiegel des Ungrundes zu seinem Centro oder Herzen in sich zeucht. Das ist allhier der Wille der Kraft und Wunder. Und in diesem Rade der großen Angst urständet der andere Wille als des Sohnes Wille, aus der Angst auszugehen in die stille Freiheit des ersten ungründlichen Willens. Denn das Rad machet die Natur. Denn also urständet die Natur, es ist das Centrum und ein Brechen der stillen Ewigkeit. Nichts tötet das und machet aber das große Leben.

Und dass wir aber vom Töten reden, das verstehet in dem Wege: Es ist kein Töten, sondern die Empfindlichkeit, denn das Leben vor dem Feuer ist stumm ohne Fühlen. Es ist nur ein Hunger nach dem Leben, gleichwie die materialische Welt nur ein Hunger nach dem Leben ist und in seinem Hunger also streng arbeitet bis ans Principium, dass sie das Feuer erreichet, da sich dann das äußere Leben dieser Welt urständet, und kann anders nicht sein, es zerbreche denn die erste Matrix als das herbe Begehren, das ist das Rad der ersten drei Gestalten als Herbe. Und das Ziehen der Herbigkeit machet das Angst- und Qualwesen. Denn es ist ein Schrecken in sich selber, in dem das Nichts soll in die Empfindlichkeit kommen. Denn das ist die Giftqual, davon der Grimm und alles Böse urständet, und ist doch auch der rechte Ursprung des empfindlichen Lebens. Denn also findet sich das Leben, nämlich in der Angstqual, wie dies an allen Kreaturen zu sehen, dass das Leben in dem erstickten Blute, in der Angst seinen Urstand nimmt, beides: das kreatürliche und essentialische Leben als in einem stinkenden Miste in der Fäule, da im Sterben des Korns das größte Leben entspringet und doch in der Essenz kein Sterben verstanden wird, sondern eine Angstqual, da die Mutter muss zerspringen, welche eine stumme Wesenheit ist, wie am Korn zu ersinnen, da das essentialische Leben aus dem Zerbrechen ausgrünet.

Gleicher Gestalt verhält sich’s auch mit dem Centro der Natur: Die Angstqual ist das rechte Centrum und machet den Triangel in der Natur. Und der Feuerblitz als die vierte Gestalt der Natur machet aus dem Triangel ein Kreuz, denn allda ist das Principium und wird geschieden in zwei Welten zweier Prinzipien als in zweierlei Qual und Leben, als eine Qual bleibet und ist das Feuer oder Angstleben, und die andre Qual entstehet in dem Zerbrechen der Angst. Das verstehet also: Die erste Gestalt der Wesenheit als Herbe im begehrenden, unbegreiflichen Willen muss sich der Angstqual im Rade der Natur ganz heimgeben, denn der Stachel wird zu stark. Also ersinket die Herbigkeit wie ein Tod, und ist doch kein Tod, sondern eine sterbende Qual. Denn der Stachel wird Herr und verwandelt die Herbigkeit in seine Eigenschaft als in einen wütenden Blitz in eine Angstqual, welche vom Stachel und der Herbigkeit bitter ist, als des Giftes Art ist. Denn das Gift oder das Sterben hat vornehmlich drei Gestalten: als herbe, bitter und Feuerangst. Die machet sich also in sich selber, und hat keinen Macher als nur den starken Willen zum großen Leben im Feuer.

Also verstehet uns recht: Der Ungrund hat kein Leben, aber also in solcher Eigenschaft wird das große ewige Leben erboren. Der Ungrund hat keine Beweglichkeit oder Fühlen. Und also erbiert sich die Beweglichkeit und Fühlung und also findet sich das Nichts im ewigen Willen, dessen Grund wir nicht wissen, auch nicht forschen sollen, denn es turbieret uns (vgl.2-1,8). Und ist dieses doch nur ein essentialisch Leben ohne Verstand gleich der Erden und dem Tode oder Sterben, da zwar eine Qual in sich ist, aber in der Finsternis ohne Verstande, denn die herbe Angst zeucht in sich. Und das Eingezogene machet die Finsternis, dass also das Angstleben in der Finsternis stehet, denn ein jedes Wesen ist in sich selber finster, es habe denn des Lichtes Tinktur in sich. So ist die Tinktur eine Freiheit von der Finsternis, und wird von der Angstqual nicht ergriffen, denn sie ist in der Lichtwelt. Und ob sie gleich in der Wesenheit stecket als in einem finsteren Leibe, ist sie doch aus dem Wesen der Lichtwelt, da kein Begriff ist.

Oben ist gemeldet erstlich vom Spiegel der Weisheit der Wunder alles Wesens. Und dann von der Dreizahl des Wesens aller Wesen, wie dieselbe aus einem einigen ewigen Willen urstände, der der Vater aller Wesen heißet, und wie er in sich einen andern Willen schöpfe, sich in sich zu offenbaren oder zu finden, oder wie man sagen möchte: zu empfinden, was und wie er sei. Und dann wie derselbe andere wiedergeschöpfte magische Wille sich zu empfinden, sein Herz oder eigener Sitz sei, und wie sich der erste ungründliche Wille mit der Imagination selbst schwängert aus dem Spiegel der Wunder, welcher in der Lichtwelt die Weisheit heißet. Und dann haben wir gemeldet, wie dass derselbe ungründliche Wille samt der Schwängerung und auch dem Spiegel der Wunder oder Weisheit auf solche Eigenschaft vor dem Feuer-Principio kein göttlich Wesen recht genannt werde, sondern vielmehr ein Mysterium der Wunder aller Wesen, welches Mysterium im Feuer seine Scheidung nimmt in unendliche Teile oder Wesen, und bleibet doch nur ein Wesen.

So geben wir euch nun ferner zu verstehen von dem andern Willen, denn der erste Wille in seiner Imagination oder Schwängerung schöpfet, welcher das große Mysterium ist, darin sich der erste Wille, der Vater heißet, suchet, findet und empfindet als ein Leben im Herzen, wie dass derselbe andere Wille sei die Mutter der Gebärerin in der eingezogenen oder in der Imagination eingefassten Schwängerung. Er ist’s, der die sieben Gestalte zur Natur ursachet. Er ist es auch, der das Angstrad als das Sterben ursachet. Er ist es auch, der in der Angst durch den Tod ausgehet in die Freiheit und den Tod zerbricht und das Leben gibt, der das Feuer anzündet und im Feuer den Glanz der Majestät in sich nimmt und im Lichte der Majestät im Feuer wohnet, dem Feuer unergriffen als einer, der nichts fühlet, der der Qual abgestorben ist und in sich eine andere Qual führet, welche die erste nicht fühlet, deren er abgestorben ist.

Und dass wir euch kurz, dazu gründlich und eigentlich unterrichten über des Feuers Urstand, so erkennen wir in der uns eröffneten Tiefe aus Gottes Gnaden, dass das Feuer in seinem Ursprung in zweien Ursachen stehe: als eine Ursache ist der Willengeist des Herzens, verstehe: des Vaters andern Willen als des Sohns Eigenschaft; die andre Ursache ist des Willens Materia als des Wunders des Rades des essentialischen Lebens als die Angstkammer. Die Angst sehnet sich nach dem Willen der Freiheit, und der Wille sehnet sich nach der Offenbarung. Denn der Wille kann sich in der stillen Freiheit in sich selber nicht offenbaren ohne das essentialische Leben, welches in der Angst als im Sterben zur Offenbarung als zum großen Leben kommt.

Also ist der Wille in der finstern Angst, und die Angst ist die Finsternis selber. Und so sich dann die Angst also heftig sehnet nach dem Willen der Freiheit, so empfängt sie der Wille der Freiheit in sich als einen Blitz als ein großer Schreck, als gösse man Wasser ins Feuer. Und allhier geschieht das rechte Sterben, denn die gar grimmige finstere Angst erschrickt vor dem Blitze wie die Finsternis vor dem Lichte. Denn die Finsternis wird getötet und überwunden; und der Schreck ist ein Schreck großer Freuden. Allda sinket das grimmige, herbe Gift sich in Tod und wird ohnmächtig, denn es verlieret den Stachel, und ist doch kein Tod, sondern also wird das rechte Leben der Fühlung und Sehnung angezündet. Denn dies ist eben, als schlüge man Stahl und Stein aneinander, denn es sind zwei große Hunger des Willens nach der Wesenheit und der Wesenheit nach dem Leben. Der Wille gibt Leben und die Wesenheit gibt Offenbarung des Lebens. Gleichwie ein Feuer aus einer Kerzen brennet, also brennet der Wille aus der essentialischen Wesenheit. Der Wille ist nicht das Licht selber, sondern der Geist des Lichts oder Feuers. Das Licht urständet aus der Essenz und die Essenz wieder aus dem Willen. Das ängstliche essentialische Feuer ist die Materia zum scheinenden Feuer. Und der Wille entzündet sich in dem essentialischen Feuer und gibt das weiße, liebliche Feuer, das in dem hitzigen Feuer wohnet ohne Fühlung. Der Wille nimmt seine Fühlung vom Grimm des essentialischen Feuers in der vierten Gestalt, dass er in sich offenbar ist, und bleibet doch frei vom Grimm, denn die Qual wird in der Anzündung verändert in einen sanften Liebe-Qual.

Allhier empfängt der andere Wille seinen Namen >Geist< . Denn aus dem essentialischen Feuer bekommt er die Eigenschaft aller Wunder und auch das rechte Leben der Kraft und Macht über das essentialische Feuerleben. Denn er nimmt von der Natur in sich die Kraft und führet auch in sich die Freiheit, so ist die Freiheit eine Stille ohne Wesen. Also gibt sich die stille Freiheit in das Wesen der Angst, und die Angst empfängt dieselbe Freiheit ohne Qual. Davon wird sie also freudenreich, dass aus der Angst Liebe wird, die fünfte Gestalt der Natur. Denn der Wille, der sich in die Angst hatte eingegeben, wird also erlöset vom Tode der Angst. Darum findet er sich in der Freiheit und gehet von der grimmen Angst aus. Denn all hier wird der Tod zerbrochen, und bleibet doch ein Tod in sich selber. Aber der Willengeist als das rechte heilige Leben gehet mit der Zersprengung aus der Angst aus, und ist nun auch ein Feuer, aber ein Feuer in der Freiheit, und brennet in der Liebequal, wie man dies am Feuer und Lichte sieht, wie das essentialische Feuer ein brennend Wehe ist und das Licht eine freudenreiche Wonne ohne empfindliche Qual, hat doch alle Qual und Eigenschaft des Feuers in sich, aber in einer andern Essenz als eine freudenreiche, wohltuende Essenz, ein rechter Anblick der Freudenreich, und das Feuer ein Anblick des Schreckens und der Angst, und wohnet doch eines im andern, und findet auch eines ohne das andre nicht in der Essenzqual. Also sind die zwei Welten ineinander, da keine die andere begreift, und mag nichts in die Lichtwelt eingehen als nur durchs Sterben. Und vor dem Sterben muss die Imagination vorhergehen. Der ängstliche Wille muss sich nach der Freiheit der Kraft des Lichtes sehnen und ganz einergeben und mit der begehrenden Imagination die Kraft der Freiheit empfangen. Alsdann gehet der starke Wille durch den Tod der Finsternis durch das essentialische Feuer durch und zerbricht die Finsternis, und fällt in die Lichtwelt und wohnet im Feuer ohne Qual in der Freudenreich. Und das ist die Porte in Ternarium Sanctum und Glauben in den Hl. Geist, lieben Menschenkinder. Allhier verstehet ihr den Fall des Teufels, welcher seinen Willengeist nur in das essentialische Feuer gewandt hatte und hat wollen damit über das Licht herrschen. Und verstehet auch allhier den Fall des Menschen, welcher seine Imagination hat in die materialische essentialische Wesenheit gewandt und ist aus dem Lichte ausgegangen, um welches willen der Wille der Liebe aus der Lichtwelt wieder ist in die materialische Wesenheit in die Menschheit eingegangen, und hat sich wieder dem essentialischen Feuergeiste im Menschen als der Seelen einvermählet und einergeben, und hat dieselbe durch den Tod und das Feuer durchgeführt in die Lichtwelt in Ternarium Sanctum als in den Willen der heiligen Dreifaltigkeit. Lasset euch das ein Finden und Wissen sein und verachtet es nicht um der großen Tiefe willen, welche nicht jedermanns Begriff sein wird. Ursache ist die Finsternis, darein sich der Mensch verteufelt. Sonst mag es ein jeder wohl finden, wenn der irdische Weg zerbrochen würde und das adamische böse Fleisch nicht zu lieb wäre, welches die Hinderung ist. 5. Kapitel - Vom Principio in sich selber, was es sei Wir haben ferner zu betrachten die ersten vier Gestalten der Natur, so werden wir finden, was ein Principium sei. Denn das ist eigentlich ein Principium, da ein Ding wird, das es nie gewesen ist, da aus dem Nichts eine Qual wird, und aus der Qual ein recht Leben mit Verstand und Sinnen. Und er kennen aber das rechte Principium in Feuers Urstand, in der Feuerqual, welche die Wesenheit und auch die Finsternis zerbricht. So erkennen wir des Feuers Essenz und Eigenschaft für ein Principium, denn es macht und gibt den Urstand des Lebens und aller Beweglichkeit und auch die starke Macht des Grimmes. Und zum zweiten erkennen wir das auch für ein Principium, das im Feuer wohnen kann, dem Feuer unergriffen, das dem Feuer seine Macht nehmen kann und des Feuers Qual in eine sanfte Liebe verwandeln, das da allmächtig über alles ist, das den Verstand hat, dem Feuer seine Wurzel zu zerbrechen und aus dem Feuer eine Finsternis zu machen und einen dürren Hunger und Durst, ohne Empfindung einiger Labung, als der Hölle Qual ist. Das ist der Abgrund, da das Wesen ver schmachtet ist, da der Tod seinen Stachel führet als ein verschmachtetes Gift, da zwar ein essentialisch Leben innen ist, aber es feindet sich selber an, da des rechten Feuers Anzündung nicht erreichet wird, sondern nur als ein Blitz ohne Brennen erscheinet. Und geben euch also zu verstehen, dass in dem Ewigen nicht mehr denn zwei Principia sind: das brennende Feuer, das wird mit dem Lichte erfüllet. Das Licht gibt ihm seine Eigenschaft, dass aus der brennenden Qual eine hohe Freudenreich wird, denn die Angst erreichet die Freiheit und bleibet also das brennende Feuer nur eine Ursache des Findens des Lebens und des Lichtes der Majestät. Das Feuer nimmt in sich des Lichtes Eigenschaft als Sanftmut als Leben und sich Finden. - Und das andre Principium wird im Lichte verstanden. Aber die essentialische Wesenheit, daraus das Feuer brennet, bleibet ewig eine Finsternis und eine Qual des Grimmes, darin der Teufel wohnet, als man sieht, dass das Feuer ein andre Ding ist als dasjenige, daraus das Feuer brennet. Also stehet das Principium im Feuer und nicht in der essentialischen Qual der Wesenheit. Die essentialische Qual ist das Centrum der Natur, die Ursache des Principii. Aber es ist finster und das Feuer scheinend, und wird all hier recht gezeigt, wie die Zerbrechung des Grimmes als des Todes und dann die ewige Freiheit außer der Natur, beide zusammen die Ursache des Scheines sind. Denn darum ist der Wundergeist des Ungrundes begehrend, nämlich dass er scheinend werde. Und darum führet er sich in Qual, dass er sich finde und empfinde, dass er möge seine Wunder in der Qual offenbaren, denn ohne Qual kann keine Offenbarung sein. Also verstehet uns ferner: Die Qual als der Grimm hat keine rechte Wesenheit, sondern der herbe Grimm ist des Stachels Wesenheit, darinnen er sticht. Und die Angst mit samt dem Feuer sind oder machen auch keine rechte Wesenheit, sondern es ist nur ein solcher Geist. Jedoch muss einer dicker (dichter, materieller) sein als der andre, sonst wäre kein Finden, als die Herbigkeit machet dicke und finster. Also findet der bittere Stachel die Angst in der herben, finsteren Eigenschaft als in einer Materia. Denn wäre keine Materia, so wäre auch kein Geist oder Finden. Der Ungrund findet sich in der herben Finsternis. Der zersprenget aber die Finsternis und gehet aus der herben Finsternis aus als ein Geist, der sich in der Angstqual gefunden hat, lässt aber dieselbe herbe Materiam der Finsternis, darinnen er sich fand, und gehet in sich selber ein wieder in die Freiheit als in Ungrund und wohnet in sich selber. Also muss die Qual seine Schärfe und Findung sein, und ist ihm auch eine Anzündung seiner Freiheit als des Lichts, darin er sich sieht, was er ist. Also begehret er für sich nun nicht mehr der Qual, denn er ist nun selber eine Qual, sondern er modelt sich selber und sieht sich selber nach allen Gestalten. Und eine jede Gestalt ist begehrend, sich zu finden und zu offenbaren. Und es findet sich also auch eine jede Gestalt in sich selber, gehet aber mit dem Begehren aus sich selber und stellet sich dar als eine Figur oder Geist. Das ist die ewige Weisheit in den Farben, Wundern und Tugenden, und ist doch nicht partikular sondern alles ganz, aber in unendlicher Gestalt. Diese Gestalten haben sich mit der Bewegung des ersten Willens, der Vater heißet, in Geister korporieret als in Engel, also dass sich das verborgene Wesen in Kreaturen sehe, empfinde und dass ein ewig Spiel in den Wundern der Weisheit Gottes sei. Weiter verstehen wir die Wesenheit der Lichtwelt, dass sie wahrhaftig eine rechte Wesenheit ist, denn im Feuer mag kein recht Wesen bestehen, sondern nur der Geist des Wesens. Das Feuer ursachet aber das Wesen, denn es ist ein Hunger, ein ernstlich Begehren. Es muss Wesen haben oder es erlischt. Das verstehet nun in dem Weg: Die Sanftmut gibt und das Feuer nimmt. Die Sanftmut ist ausgehend aus sich selber und gibt ein Wesen seinesgleichen, eine jede Gestalt aus sich selber. Und das Feuer verschlinget dasselbe, gibt aber das Licht aus demselben. Es gibt ein Edleres als es verschlungen hat, gibt Geist für Wesen. Denn es verschlinget das sanfte Wohltun, das ist das Wasser des ewigen Lebens, und gibt aber den Geist des ewigen Lebens, als ihr sehet, wie der Wind aus dem Feuer gehet, also auch die Luft als der rechte Geist aus dem Leben. Also verstehet unsern Sinn recht: Gott der Vater ist in sich die Freiheit außer der Natur, machet sich aber in der Natur durchs Feuer offenbar. Die feuernde Natur ist seine Eigenschaft, aber er ist in sich selber der Ungrund, da kein Fühlen einigerlei Qual ist, führet aber seinen begehrenden Willen in Qual und schöpfet ihm in der Qual einen andern Willen, aus der Qual auszugehen wieder in die Freiheit außer der Qual. Derselbe andere Wille ist sein Sohn, den er aus seinem ewigen einigen Willen von Ewigkeit gebiert. Den führet er durch das Zerbrechen des Todes Qual als aus seinem Ernste des Grimmes durchs Feuer aus. Derselbe andere Wille als der Sohn Gottes des Vaters, der ist es, der den Tod als die strenge finstere Qual zerbricht, der das Feuer anzündet und gehet durchs Feuer aus als ein Schein oder Glanz des Feuers und erfüllet den ersten Willen, der Vater heißet. Denn der Glanz ist auch also dünne als ein Nichts oder als der Wille, der Vater heißet. Darum kann er in der Freiheit wohnen als in des Vaters Willen, und machet den Vater licht, helle, lieblich und freundlich, denn er ist des Vaters Herz oder Barmherzigkeit. Er ist des Vaters Wesenheit. Er erfüllet den Vater an allen Orten, wiewohl kein Ort in ihm ist, kein Anfang noch Ende. Also verstehet nun weiter: Des Vaters Feuer verschlingt das sanfte Wesen als den Wasserquell des ewigen Lebens in sich in des Feuers eigener Essenz und sänftiget sich damit. Da muss die Wesenheit im Feuer gleich ersterben, denn des Feuer verschlinget die in sich und verzehret die und gibt aus der Verzehrlichkeit einen lebendigen, freudenreichen Geist. Das ist der Heilige Geist, der gehet vom Vater und Sohn aus in die großen Wunder der hl. Wesenheit und eröffnet dieselben immer und ewiglich. Also ist die Gottheit ein ewig Band, das nicht zergehen kann. Also gebiert sie sich selber von Ewigkeit in Ewigkeit, und ist das erste auch immer das letzte und dieses wieder das erste. Und verstehet also den Vater für die feuernde Welt, den Sohn für die Licht- und Kraftwelt, den Hl. Geist für das Leben der Gottheit als für die ausgehende führende Kraft; und ist doch alles nur ein Gott, wie das Feuer und das Licht mit der Luft; nur ein einig Wesen ist. Aber es scheidet sich selber in drei Teile und kann keines ohne das andre bestehen. Denn das Feuer ist nicht das Licht, auch nicht der Wind, der aus dem Feuer gehet. Es hat ein jedes sein Amt und ist ein jedes ein eigen Wesen in sich, ist doch ein jedes des andern Leben und eine Ursache des andern Lebens. Denn der Wind bläst das Feuer auf, sonst erstickte das in seinem Grimm, dass es in finstern Tod fiele, wie denn das Ersticken der wahrhaftige Tod ist, da das Feuer der Natur erlischt und nicht mehr Wesen in sich zeucht. Solches alles habt ihr ein gut Gleichnis an der äußern Welt, an allen Kreaturen, wie alles Leben als das essentialische Feuerleben Wesen an sich zeucht, das ist sein Essen. Und das Feuer seines Lebens verzehret das Wesen und gibt den Geist der Kraft aus dem Verzehrten, das ist der Kreatur Leben. Und sehet ihr ja gar recht, wie das Leben aus dem Tode urstände. Es wird kein Leben, es zerbreche denn dasjenige, daraus das Leben gehen soll. Es muss alles in die Angst ins Centrum eingehen und muss den Feuerblitz in der Angst erreichen, sonst ist keine Anzündung, wiewohl das Feuer mancherlei ist, also auch das Leben. Aber aus der größten Angst urständet auch das größte Leben als aus einem rechten Feuer. Also, lieben Kinder Gottes in Christo, geben wir euch zu erwägen unser Erkenntnis und Vorhaben: Anfangs haben wir gemeldet, wir wollen euch den Tod Christi zeigen, warum Christus hat sollen sterben und warum wir auch müssen sterben und in Christo auferstehen. Das sehet ihr ja nun in dieser Beschreibung klar und verstehet unser großes Elende, dass es uns not gewesen ist, dass das Wort oder Leben der hl. Lichtwelt ist wieder ein Mensch worden und hat uns in sich neu geboren. Wer all hier nichts verstehet, der ist nicht aus Gott geboren. So sehet doch, in was für eine Herberge uns Adam hat eingeführt. Er war ein Auszug aller drei Principien, ein ganzes Gleichnis nach allen dreien Welten und hatte in seinem Gemüte und Geiste engelische Eigenschaft in sich. Er war in die hl. Kraft und Wesenheit eingeführt als ins Paradies, das ist: göttliche Wesenheit. Er sollte von göttlicher Wesenheit essen und Wasser des ewigen Lebens trinken auf engelische Art, wie im Buche des “dreifachen Lebens” nach der Länge gemeldet worden. Aber er verließ die göttliche Wesenheit und die engelische Eigenschaft und imaginierte die Ausgeburt (äußere Welt) als ins Reich der irdischen Qual, welches der Teufel entzündet hatte in seinem Fall. Er wandte seine Augen aus Gott in den Spiritum mundi oder irdischen Gott aus dem göttlichen Lichte ins Licht dieser Welt. Also ward er gefangen und blieb in der irdischen Qual. Also fiel er in die irdische, zerbrechliche Qual, die herrschet in ihm und füllet ihn. Sie zeucht ihm einen Leib auf, zerbricht den wieder und verschlinget den in seine eigene Essenz in sein essentialisch Feuer. Weil aber die Seele aus dem Geiste Gottes als aus dem Ewigen ist in den Menschen geblasen worden, also dass die Seele ein Engel ist, so hat sich Gott derselben wieder angenommen, und ist die Kraft der hl. Lichtwelt als Gottes Herz in die menschliche Essenz, die im Tode verschlossen lag, eingegangen in die Angstkammer unsers Elendes, hat aus unserer Essenz eine Seele in sich gezogen, hat unser sterblich Leben an sich genommen, die Seele durch den Tod durchs ernste Feuer Gottes des Vaters in die Lichtwelt eingeführt, den Tod, der uns gefangen hielt, zerbrochen und das Leben aufgeschlossen. Nun mag und kann’s nicht anders sein: Wer die Lichtwelt besitzen will, der muss durch dieselbe Bahn, die er (Christus) gemacht hat, eingehen. Er muss in den Tod Christi eingehen, und in Christi Auferstehung gehet er in die Lichtwelt ein. Gleich als wir erkennen, dass das ewige Wort des Vaters, welches des Vaters Herz ist, von Ewigkeit zu Ewigkeit aus dem Grimm des Todes der Finsternis durch des Vaters Feuer ausgeboren wird und sich selber das rechte Centrum der Hl. Dreifaltigkeit ist und aus sich selber mit dem ausgehenden Geiste die lichtflammende Majestät oder Lichtwelt ist. Also auch in gleicher Weise und Eigenschaft müssen wir mit unserm Herzen, Sinn und Gemüte aus der herben, strengen und bösen Irdigkeit aus uns selber aus dem verderbten adamischen Menschen ausgehen, denselben mit unserm ernsten Willen und Tun zerbrechen und töten. Wir müssen des alten Adams Kreuz, welcher uns anhanget, solange wir leben, auf uns nehmen, und müssen auf- und ins Kreuz, ins Centrum naturae, in den Triangel eingehen und wieder aus dem Angstrade neugeboren werden, wollen wir anders Engel sein und in Gott ewig leben. Weil wir aber solches nicht vermochten, hat sich Christus in dasselbe Centrum des Grimmes eingegeben, den Grimm zerbrochen und mit seiner Liebe gelöscht, denn er brachte himmlische, göttliche Wesenheit in denselben Grimm ins Centrum der Angstkammer und löschte der Seelen Angstfeuer als den Grimm des Vaters der feuernden Welt in der Seelen, dass wir also ab jetzt nicht mehr dem Grimm heimfallen, sondern wenn wir uns in den Tod Christi einergeben und aus dem bösen Adam ausgehen, so fallen wir in Christi Tod in die Bahn, die er uns gemacht hat. Wir fallen in den Schoß Abrahams das ist: in Christi Arme. Der empfängt uns in sich. Denn der Schoß Abrahams ist die aufgeschlossene Lichtwelt im Tode Christi, es ist das Paradies, darein uns Gott schuf, und lieget jetzt an dem, nicht dass wir Mundchristen sein, uns Christi Tod vormalen und Sünder im Herzen, Geist und Seele bleiben, sondern dass wir ganz ernstlich mit Sinn und Gemüt, mit Willen und Tun aus der Neigung zum Bösen ausgehen und wider dieselbe streiten. Ob sie uns schon anhanget, müssen wir doch täglich und stündlich dem selben bösen Adam seinen Willen und Tun töten. Wir müssen tun, was wir nicht gern tun. Wir müssen unser irdisch, bös Leben selber verleugnen und Christi Leben in uns ziehen. Alsdann leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, ziehen solches zu sich, wie Christus saget. (Matth.11,12.) Also werden wir des Himmelreichs schwanger und gehen also in Christi Tod bei lebendem Leibe ein, und empfahen den Leib Christi als die göttliche Wesenheit. Wir tragen das Himmelreich in uns. Also sind wir Christi Kinder, Glieder und Erben in Gottes Reich, und das Ebenbild der Hl. göttlichen Welt, welche ist Gott Vater, Sohn, Hl. Geist und derselben Hl. Dreifaltigkeit Wesenheit. Alles, was aus der Weisheit geboren und eröffnet wird, ist unser Paradies, und stirbt an uns nichts, als nur der tote Adam, der irdische, böse, dem wir all hier ohne dies haben seinen Willen gebrochen, dem wir sind Feind worden. Es weichet unser Feind nur von uns, wenn er muss ins Feuer gehen, verstehe: ins essentialische Feuer als in die vier Elemente und ins Mysterium, und muss am Ende dieser Zeit durchs Feuer Gottes bewähret werden, und muss uns unsere Wunder und Werke wieder darstellen. Was das irdische Mysterium hat in sich geschlungen, das muss es im Feuer Gottes wieder geben und nicht ein solch Übel, sondern das Feuer Gottes verschlingt das Übel und gibt uns ein solches dafür, als wir all hier in unserm ängstlichen Suchen gesucht haben. Wie das Feuer die Wesenheit verschlinget, gibt aber Geist für Wesen, also werden uns unsere Werke im Geiste und himmlischer Freuden aus dem Feuer Gottes dargestellt als ein heller Spiegel gleich dem Wunder der Weisheit Gottes. Dieses lasset euch, lieben Kinder, geoffenbart sein, denn es ist hochteuer erkannt worden. Und lasset euch nicht also mit Christi Tod kitzeln und denselben vormalen als ein Werk, das uns genug sei, wenn wir es nur wissen und glauben, dass es für uns geschehen sei. Was hilft mir, dass ich einen Schatz liegen weiß und grabe den nicht aus. Es gilt nicht trösten, heucheln und ein gut Geschwätz mit dem Munde geben, aber den Schalk in der Seele behalten. Christus spricht: Ihr müsset neugeboren werden oder werdet nicht das Reich Gottes sehen. Wir müssen umkehren und werden als ein Kind im Mutterleibe und aus göttlicher Wesenheit geboren werden. Wir müssen unseren Seelen ein neu Kleid anziehen als den Rock Christi, die Menschheit Christi, sonst hilft kein Heucheln, es ist alles erlogen, was das Mundgeschrei saget, das Christum vor die Augen malet, als habe er es für uns getan, dass wir uns nur dessen trösten sollen und dabei im alten Adam wandeln, in Geiz, Hochmut und Falschheit, in Gelüsten und Bosheit. Es ist der antichristische Betrug der falschen Geistlichen, vor denen uns die Offenbarung warnet. Es tuts alles nicht, dass wir uns heucheln und mit Christi Leiden und Tod kitzeln. Wir müssen darein eingehen und seinem Bilde ähnlich werden, alsdann ist uns Christi Leiden und Tod nütze. Wir müssen sein Kreuz auf uns nehmen, ihm nachfolgen, die bösen Lüste dämpfen und töten und immer gern wohl wollen. Alsdann werden wir wohl sehen, was Christi Fußstapfen sind, wenn wir wider den Teufel, den alten Adam und die böse Welt werden streiten, wider die irdische Vernunft, die nur zeitlicher Wollust begehret. Da wird uns Christi Kreuz recht aufgelegt, denn der Teufel ist es, die Welt ist es und unser böser Adam ist es. Alle diese sind unsere Feinde. Allda muss der neue Mensch stehen als ein Ritter und in Christi Fußstapfen kämpfen. O wie viel unzählige Feinde wird er allda erwecken, die alle auf ihn schlagen werden. Allda heißt’s: um das dörnere Ritterkränzlein (Dornenkrone) Christi fechten ab ein Ritter, und doch nur stets verachtet sein als einer, der der Erde nicht wert sei. Da heißt’s: stehen im Krieg und Glauben, da die äußere Vernunft spricht lauter Nein. Da ist Christi Leiden und Tod an die Spitze gut stellen und dem Teufel, der Welt und dem Tode mit der irdischen Vernunft vorstellen und nicht verzagen. Denn all hier gilt eine Engelskrone, entweder ein Engel oder Teufel zu sein. Wir müssen in Trübsal neugeboren werden, und kostet viel mit Gottes Zorn ringen und dem Teufel obsiegen. Hätten wir nicht allda Christum bei uns, ja in uns, wir verlören den Streit. Es tuts nicht eine Hand voll Wissenschaft, dass wir’s wissen und uns mit Gottes Gnade kitzeln und Gott zu unserm Sündendeckel machen, dass wir also den Schalk und Teufelslarven unters Leiden Christi verstecken und fein zudecken. O nein, der Schalk (der alte Mensch) muss in Christi Leiden und Tod zerbrochen werden. Er muss nicht ein Schalk sein, will er ein Kind sein. Er muss ein gehorsamer Sohn werden. Er muss arbeiten im Leiden Christi, in die Fußstapfen der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe treten. Er muss tun, nicht allein wissen. Der Teufel weiß es auch wohl, was hilft’s ihm? Die Practica muss folgen oder es ist ein Falsch und Trug. Die gleißnerische Vernunft spricht: Christus hat’s getan, wir können’s nicht tun. - Ja, recht, er hat’s getan, was wir nicht tun konnten. Er hat den Tod zerbrochen und das Leben wiederbracht. Was hilft mir’s, so ich nicht zu ihm eingehe? Er ist im Himmel, und ich in dieser Welt. Ich muss zu ihm auf seiner uns gemachten Bahn eingehen, sonst bleibe ich draußen. Denn er spricht: Kommt zu mir her, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe für eure Seele finden. - Auf seiner Bahn müssen wir zu ihm eingehen. Wir müssen Gutes für Böses tun und uns lieben untereinander, als er uns tat und gab sein Leben in Tod für uns. So wir solches tun, so löschen wir Gottes Zorn auch in unserm Nächsten. Wir müssen gute Exempel geben, nicht in Listen und Ränken, sondern in Einfältigkeit, mit gutem Willen und Herzen, nicht als eine gleißende Hure, die da spricht: Ich bin Jungfrau - und gleißet in äußerlicher Zucht, ist aber eine Hure im Herzen. Es heißet alles lauter Ernst. Lieber kein Geld noch Gut haben, auch zeitliche Ehre und Macht verlieren als Gottes Reich. Wer Gott findet, der hat alles gefunden. Und wer ihn verlieret, hat alles verloren, er hat sich selbst verloren. O wie so gar schwer geht's zu, den irdischen Willen zu zerbrechen. Komm nur am Reihen (zum Tanz), du wirst hernach nicht mehr nach Christi Fußstapfen dürfen fragen. Du wirst sie wohl sehen. Das Kreuz Christi wirst du wohl fühlen, auch Gottes Zorn, welcher sonst in dem alten Adam fein ruhet und schläft, bis du ihn fein feist mästet. Alsdann gibt er dir dein Himmelreich, das du all hier gesucht hast, darin du ewig schwitzen musst. 6. Kapitel - Von unserem Tode, warum wir sterben müssen Citatio prima: Allhier, du liebe gleißende Vernunft, komm zu Gaste. Allhier haben wir euch alle geladen, ihr Wissenden und Unwissenden, alle die ihr Gott schauen wollet. Es ist ein ernstes Siegel und hartes Schloss aufzumachen. Dem denket nach, es gilt euch allen. Die Vernunft spricht: War denn Gott nicht allmächtig genug, dem Adam seine Sünde zu vergeben, dass erst Gott musste Mensch werden, leiden und sich töten lassen? Was hat Gott für einen Gefallen am Tode? Oder, so er uns dann also erlösen wollte, warum - so Christus uns erlöset hat - müssen wir denn auch sterben? - Ja, tanze, liebe Vernunft, rate, bis du es triffst, all hier bist Doktor und weißt nichts, bist gelehrt und auch stumme. Willst du nicht, so musst du wohl, du kommst denn auf diese Schule, verstehe: des Hl. Geistes Schule. Wer ist all hier, der aufschließen mag? Ist das nicht das verschlossene Buch, dessen der auf dem Stuhl sitzet, in der Offenbarung Jesu Christi? So spricht der Gleißner: Wir Wissens wohl. - So sage ich: Ich hab es von ihnen nie gehöret noch in ihren Schriften gelesen. Sie haben mir auch dieses Suchen verboten und ein Sündenschloss davorgelegt und dem für Sünde gerechnet, der solches suche oder zu wissen begehre. Hiermit ist die schöne Frau fein zugedeckt blieben. Ei, wie hat der Antichrist können unter diesem Deckel spielen. Aber es soll offen stehen wider des Teufels und der Höllen Willen. Denn die Zeit ist geboren, der Tag der Wiederbringung bricht an, dass gefunden werde, was Adam verloren hat. Die Schrift saget: Wir sind ein Staub und Asche (Gen.18,27). Das ist recht, wir sind ein Staub und Erde. Nun fraget sich’s aber, ob Gott den Menschen habe aus Erden gemacht. Das will die Vernunft erhalten, und bewähret (versucht den Beweis) das aus Mose, den sie doch nicht verstehet, und es auch die Proba nicht gibt, sondern gibt vielmehr, dass der Mensch ein Limus, das ist: ein Auszug aus allen dreien Prinzipien sei. Soll er ein Gleichnis nach Gottes Wesen sein, so muss er ja aus Gottes Wesen sein herkommen, den was nicht aus dem Ewigen ist, das hat kein Bestand. Alles was sich anfängt, gehöret in das, daraus es gegangen ist. So wir aber bloß aus der Erden sind herkommen, so sind wir der Erden. Was wollte uns denn anklagen, dass wir also täten, als der Erden Eigenschaft treibet und will? So aber dann ein Gesetze in uns ist, das uns anklaget, dass wir irdisch leben, so ist dasselbe nicht irdisch, sondern es ist aus dem, dahin es uns weiset und zeucht, als aus dem Ewigen, dahin zeucht es uns auch und verklaget uns unser eigen Gewissen vor dem Ewigen, dass wir machen und tun, was dem Ewigen zuwider ist. So wir uns aber demselben heimgeben, das uns in das Ewige zeucht, so muss das andre, das uns in das Irdische zeucht, zerbrechen und in das eingehen, dahin es will, als in die Erden, dahin es uns zeucht. Und der Willen, den wir dem Ewigen geben, der nimmt das Ewige ein. So denn Gott den Menschen in ein Wesen geschaffen hat, darin ewig zu sein als in Fleisch und Blut, so muss ja dem Willen, der sich in das Ewige einergibt, solch Fleisch und Blut angezogen werden, wie es war, da es Gott ins Paradies ins Ewige hatte geschaffen. Daran wir ja klar erkennen, dass uns Gott nicht in solch Fleisch und Blut, als wir jetzt an uns tragen, hat geschaffen, sondern in ein solches Fleisch, als dem Willen in der neuen Wiedergeburt angezogen wird, sonst wär es ja bald vor dem Fall irdisch und zerbrechlich gewesen. Was wollte mich dann mein Gewissen um das anklagen, darein mich Gott hätte geschaffen? Oder was wollte es anders begehren, als es in seinem eigenen Wesen wäre? So finden wir ja klar, dass noch ein andre Wesen in unserm Fleische ist, das sich nach dem sehnet, das es jetzt nicht ist, soll sich’s aber sehnen nach dem, das es jetzt nicht ist, so muss es ja im Anfang seines Wesens sein gewesen, sonst wäre kein Sehnen noch Lust nach einem andern in ihm. Denn wir wissen, dass sich ein jedes Wesen sehnet nach dem, daraus es seinen ersten Urstand hat. Also sehnet sich unser Wille nach einem solchen Fleische, als Gott schuf, das in Gott bestehen mag, nicht nach einem irdischen vergänglichen in Qual, sondern nach einem bleiblichen ohne Qual. Daran wir klar verstehen, dass wir aus dem Ewigen sind ausgegangen in das Zerbrechliche, dass wir haben die Materiam an den Limum gezogen und sind Erde worden, daraus uns doch Gott hat ausgezogen als eine Massam und seinen Geist darein geführt mit dem Ewigen. Denn Adams Imagination hat die irdische Qual der Sternen und vier Elementen in den Limum (vgl. 2-6,3) gezogen. Und die Sternen und Elemente haben der Erden Sucht eingezogen. Also ist die himmlische Materia des himmlischen Fleisches irdisch worden. Denn der Geist Gottes, der vom Verbo Fiat in den Limum ward eingeblasen aus Gottes Herze, der hat himmlische Wesenheit, himmlisch Fleisch und Blut an sich. Der sollte Adam regieren nach himmlischer, göttlicher Eigenschaft. Weil aber der Teufel hatte den Limum, als er im Himmel saß, infizieret, so tat er ihm jetzt auch die Schalkheit (Bosheit) und infizierte den mit seiner Imagination, dass er anhob, nach der verderbten Sucht der irdischen Qual zu imaginieren, davon er vom Reiche dieser verderbten Welt gefangen ward, welche in den Limum einzog als ein Herr. Jetzt war das Bild Gottes verderbet und fiel in irdische Qual. So aber dann der himmlische Geist in dem verderbten irdischen Sulphur (Körper) war, so mochte der himmlische Glanz und das göttliche Feuer also im Brennen nicht bestehen, denn des ewigen Feuers Licht bestehet in der Freiheit außer der Qual. So war aber das Wasser der Freiheit, welches des ewigen Feuers Speise war, irdisch worden, das ist: mit Irdigkeit erfüllet. Und die sanfte Liebe ward mit der irdischen bösen Sucht infizieret. Also vermochte das ewige Feuer nicht zu brennen noch zu Licht zu gehen, sondern quoll also in dem verderbten Fleische als ein verdampft Feuer, das vor Nässe nicht brennen kann. Dasselbe Feuer naget uns nun und klaget uns immer an. Es wollte gerne wieder brennen und himmlischer Wesenheit fähig sein. So muss es irdische Qual in sich fressen als irdische Imagination, darein sich des Teufels Sucht mischet. Also wird’s auch böse und zeigt uns immer dem Abgrunde zu ins Centrum der Natur, in die Angstkammer, daraus es im Anfange ist gegangen. Also siehst du, Mensch, was du bist. Und was du ferner aus dir machest, das wirst du in Ewigkeit sein, und siehst, warum du zerbrechen und sterben musst, denn das Reich dieser Welt vergehet. So bist du in deinem äußern Wesen doch nicht des Reichs mächtig zu bleiben, bis in sein Aeternum sondern du bist darin ohnmächtig und liegest bloß darinnen in einer Konstellation, welche das Gestirne hatte, da du in Fleisch und Blut des irdischen Wesens im Mutterleibe gerannst. Du bist nach dem äußern Leben also ohnmächtig, dass du dich nicht kannst deiner Konstellation erwehren. Du musst in die Zerbrechung deines Leibes eingehen, wenn dich die Konstellation verlässt. Da siehst du ja, was du bist, nämlich ein irdischer Staub, eine Erde voll Stanks, weil du noch lebest, ein toter Kadaver. Du lebest dem Gestirn und Elementen. Die regieren und treiben dich nach ihrer Eigenschaft. Sie geben dir Sitten und Kunst. Und wenn ihr Saeculum um ist, dass ihre Konstellation, darunter du empfangen und zu dieser Welt geboren bist, vollendet ist, lassen sie dich hinfallen. Da fället dein Leib den vier Elementen heim. Und dein Geist, der dich leitete, dem Mysterium, daraus das Gestirne ist erboren worden, und wird behalten zum Gerichte Gottes, da Gott will alles durchs Feuer seiner Macht bewähren. Also musst du verfaulen und eine Erde und ein Nichts werden, bis auf den Geist, der aus dem Ewigen ist ausgegangen, den Gott in den Limum einführte. Da besinne dich, was du bist, eine Hand voll Erden und ein Qualhaus der Sternen und Elementen. Wirst du deine Seele und ewigen Geist, der dir ist vom ewigen höchsten Guten gegeben worden, nicht all hier in dieser Zeit haben wieder in Gottes Licht entzündet, dass er im Lichte aus der göttlichen Wesenheit ist wiedergeboren worden, so fället sie im Mysterium dem Centro Naturae als der ersten Mutter wieder heim in die Angstkammer der ersten vier Gestalten der Natur. Da muss sie ein Geist in der finstern Angstqual bei allen Teufeln sein und das fressen, das sie in dieser Zeit in sich hat eingeführt. Dasselbe wird ihre Speise und Leben sein. So aber Gott ein solches mit dem Menschen, seinem Gleichnis und Bild nicht hat gewollt, so ist er selber das worden, das der arme Mensch ward, nachdem er aus der göttlichen Wesenheit aus dem Paradies gefallen war, dass er ihm doch wieder hülfe, dass der Mensch also in ihm selber habe die Porte zur Wiedergeburt, dass er könne in dem Seelenfeuer wieder in Gott geboren werden und dass dasselbe Seelenfeuer wieder göttliche Wesenheit in sich zöge und erfüllte sich mit göttlicher Liebequal, davon die göttliche Freudenreich wieder erboren würde und das Seelenfeuer wieder den Hl. Geist gebäre, wie vorne gemeldet, der aus dem Seelenfeuer ausginge und dem adamischen Fleische den ungöttlichen Willen entrisse, dass also die arme Seele nicht wieder mit der irdischen und teuflischen Sucht erfüllet würde. Die Porte des neuen Menschen Dies ist nun also zu verstehen: Gott ist Mensch worden und hat unsere menschliche Seele in die göttliche Wesenheit als von der Liebe und Sanftmut, und trinket vom Wassergeist des ewigen Lebens aus der ewigen Weisheit, welche ist der Brunn der göttlichen Wesenheit. Dieselbe, Christi Seele, hat göttlich-himmlisch Fleisch und Blut an sich bekommen mit dem Worte, das das Centrum der Lichtwelt ist, das da imaginierte nach der armen gefangenen Seelen. Dasselbe Wort wohnte in der göttlichen Wesenheit und in der Jungfrau der Weisheit, kam aber in Maria und nahm unser eigen Fleisch und Blut in die göttliche Wesenheit und zerbrach die Kraft, die uns im Zorne des Todes und Grimmes gefangen hielt am Kreuz als im Centro der Natur des Urstandes ins Vaters ewigen Willen zur Natur, daraus unsere Seele war genommen worden, und zündete in derselben Essenz als in der Seelen finsterem Feuer wider das brennende Lichtfeuer an, und führte den andern Willen der Seelen durchs Feuer Gottes als aus dem Urstande aus ins brennende, weiße, helle Licht. Als solches die Natur in der Seelen empfand, ward sie freudenreich, zersprengte den Tod und gründete mit Gottes Kraft in der Lichtwelt aus und machte aus dem Feuer ein Liebebegehren, dass also in Ewigkeit kein Feuer mehr erkannt wird, sondern ein großer und starker Wille in der Liebe nach ihren Zweigen und Ästen als nach unserer Seelen. Und das ist es, dass wir sagen: Gott dürstete nach unserer Seelen. Er ist unser Stamm worden. Wir sind seine Zweige und Äste. Wie ein Stamm immer seinen Saft den Ästen gibt, dass sie leben und Frucht tragen dem ganzen Baum zur Herrlichkeit, also tut auch uns unser Stamm. Der Baum Jesus Christus in der Lichtwelt, welcher sich in unserer Seelen hat offenbaret, der will unsere Seelen als seine Äste haben. Er ist in Adams Seele eingegangen, der uns verderbte. Er ist Adam worden in der Wiedergeburt. Adam führte unsere Seele in diese Welt in Tod der Grimmigkeit und er führte unsere Seele aus dem Tode durchs Feuer Gottes und zündete sie im Feuer wieder an, dass sie wieder das scheinende Licht bekam, da sie sonst hätte müssen im finstern Tode in der Angstqual bleiben. Nun liegt’s jetzt nur an unserem Selbsteingehen, dass wir nur demselben Wege nachgehen, den er gemacht hat. Wir dürfen nur unsere Imagination und gänzlichen Willen in ihn einführen, welcher >Glaube< heißet, und dem alten irdischen Willen Widerstand tun, so empfahen wir den Geist Christi aus der neuen Wiedergeburt. Der zeugt himmlisch Wesen in unsere Seele als Christi himmlisch Fleisch und Blut. Und wenn die Seele das kostet, so zersprenget sie den finstern Tod in ihr und zündet das Feuer der Ewigkeit in ihr an, daraus das scheinende Licht der Sanftmut brennet. Dieselbe Sanftmut zeugt die Seele wieder in sich als das Seelenfeuer und verschlinget dieselbe in sich, und gibt aus dem Tode das Leben und den Geist Christi. Also wohnet derselbe Geist, der aus dem ewigen Feuer ausgehet in der Lichtwelt bei Gott, und ist das rechte Bild der Hl. Dreifaltigkeit. Er wohnet nicht in dieser Welt. Der Leib begreift ihn nicht, sondern das edle Gemüte, darin die Seele ein Feuer ist, das begreift ihn, doch nicht fasslich. Wohl wohnet das edle Bildnis im Seelenfeuer des Gemütes, aber sie schwebet darin wie das Licht im Feuer. Denn solange der irdische Mensch lebet, ist die Seele immer in Gefahr, denn der Teufel hat Feindschaft mit ihr. Der schießt immer seine Strahlen mit falscher Imagination in den Sternen- und Elementengeist, greift damit nach dem Seelenfeuer, will dasselbe immerdar infizieren mit irdischer teuflischer Sucht. Da muss sich das edle Bildnis gegen das Seelenfeuer wehren. Da kostet’s Streiten um das Engelskränzlein. Da gehet oft im alten Adam auf Angst, Zweifel und Unglaube, wenn der Teufel der Seelen zusetzet. Ach, Kreuz Christi, wie schwer bist du öfters! Wie verbirgt sich der Himmel! Aber also wird das edle Korn gesät. Wenn das aufgeht, so bringt’s viel schöne Früchte in Geduld. Also wächst ein jedes Zweiglein in der Seelen aus göttlicher Weisheit. Es muss alles aus der Angstkammer ausdringen und als ein Zweig aus der Wurzel des Baumes wachsen. Es wird alles in der Angst geboren. Will ein Mensch göttliche Erkenntnis haben, so muss er gar vielmal in die Angstkammer in das Centrum, denn ein jeder Funke der göttlichen Witze aus Gottes Weisheit muss aus dem Centro der Natur erboren werden, sonst ist er nicht bleiblich noch ewig. Er muss auf dem ewigen Grunde, auf der ewigen Wurzel stehen. Also ist er ein Zweig in Gottes Reich aus Christi Baume. Also verstehen wir das Sterben, was es sei und warum Christus hat müssen sterben und wir alle in Christi Tode sterben müssen, wollen wir anders seine Herrlichkeit besitzen. Der alte Adam kann das nicht tun. Er muss wieder in das, daraus er gegangen ist. Er soll durchs Feuer Gottes bewähret werden und die Wunder wiedergeben, die er verschlungen hat. Sie müssen wieder zum Menschen kommen und dem Menschen nach seinem Willen erscheinen, sofern er sie all hier hat in Gottes Willen gemacht. Wo aber zu Gottes Unehren, so gehören sie dem Teufel im Abgrunde. Darum sehe ein jeder zu, was er all hier tue und mache, mit was Gemüte und Gewissen er rede, tue und wandele, es soll alles durchs Feuer bewähret werden. Und was dieses Feuers wird fähig sein, das wird’s verschlingen und dem Abgrunde in die Angst geben. Dessen wird der Mensch Schaden haben und in jener Welt entbehren, daran er könnte und sollte Freude haben, dass er wäre ein Arbeiter in Gottes Weinberge gewesen. So aber wird er erfunden werden als ein fauler Knecht. Darum wird auch die Kraft, Macht und Klarheit in den Wundern der göttlichen Weisheit in jener Welt ungleich sein. Es ist all hier mancher ein König, und wird ihm in jener Welt ein Sauhirte in der Klarheit und Weisheit vorgezogen werden. Ursache: seine Wunder werden dem Abgrunde gegeben werden, weil sie böse waren. Sehet, ihr lieben Menschen, ich weise euch ein Gleichnis der engelischen Welt: Sehet den blühenden Erdboden an oder das Gestirn, wie ein Stern, auch ein Kraut das andre übertrifft in Kraft, Schönheit und Zierheit seiner Gestalt! Also ist auch die engelische Welt, denn sie werden in einem geistlichen Fleisch und Blute dargestellt werden, nicht in solcher Gestalt als hier. Der geistliche Leib kann durch irdische Steine gehen, so subtil ist er, sonst wäre er der Gottheit nicht fähig, denn Gott wohnet außer der greiflichen Qual in der stillen Freiheit. Sein eigen Wesen ist Licht und Kraft der Majestät. Also müssen wir auch einen Kraftleib haben, aber wahrhaftig in Fleisch und Blute, darin ist aber ein Glanz der Tinktur. Denn der Geist ist also dünne, dass er vom Leibe unbegreiflich ist, ist doch in der Freiheit greiflich, sonst wäre er nichts. Und der Leib ist viel dicker (dichter) als der Geist, also dass ihn der Geist greifen und essen mag, davon er das Geistleben im Feuer erhält und gibt aus dem Geiste das Licht der Majestät und aus dem Lichte wieder die Sanftmut im Fleisch und Blut, dass also ein ewig Wesen ist. So wir uns nun also finden und erkennen, so sehen und erkennen wir, was Gott ist und vermag und was das Wesen aller Wesen ist, und befinden, wie wir also ganz irrig und blind geführt werden, da man uns viel von Gottes Willen saget und bildet die Gottheit immer als ein fremd Wesen für, das ferne von uns sei, als ob Gott ein fremd Ding sei und nur also einen niedlichen Willen zu uns trüge, der Sünde vergebe aus Gunst, als ein König einem sein Leben schenket, der es verbrochen hat. Aber nein, höre, es heißet nicht heucheln und ein Schalk bleiben. Es heißet: aus Gott geboren werden oder ewig von Gott verloren sein. Denn der rechte Glaube und Wille muss es tun. Er muss ernstlich in Gott eingehen und ein Geist mit Gott werden. Er muss himmlisch Wesen erlangen, sonst hilft weder singen, klingen, heucheln oder wie das heiße. Gott bedarf keines Dienstes. Wir sollen uns untereinander dienen und uns lieben und dem großen Gott danken, das ist: in einem Sinne in Gott erheben und seine Wunder verkündigen, seinen Namen anrufen und ihn loben. Das ist die Freude in Ternario Sancto, da die ewige Weisheit aus dem Lobe gibt Wunder, Kraft und Gewächse. Und also wird dem Teufel sein Reich zerstöret, und kommt Gottes Reich zu uns und geschieht sein Wille, sonst ist’s alles Menschengedichte und Werk vor Gott, ein unnütz Wesen, eine Heuchelei und machet keine Versöhnung, sondern führet den Menschen nur von Gott ab. Gottes Reich muss in uns kommen und sein Wille in uns geschehen, so dienen wir ihm recht. Wenn wir ihn lieben von ganzem Herzen, Seele und allen Kräften und unsern Nächsten als uns selber, das ist der ganze Gottesdienst, den er von uns aufnimmt. Was dürfen wir uns heucheln? Sind wir gerecht, so sind wir selbst Götter in dem großen Gott, was wir dann tun, das tut Gott in uns und durch uns. So sein Geist in uns ist, was sorgen wir viel lange um Gottes Dienst? Will er was tun, so sollen wir Knechte und willig sein. Er muss der Werkmeister sein, soll ein Werk Gott gefallen. Was außer dem ist, das ist irdisch gebaut in dem Geist dieser Welt. Das bauen wir dem äußern Himmel, den Sternen und Elementen. Die haben ihr Verbringen und Wunder in uns. Und der finstere Teufel, dem dienen wir mit Werken außer Gottes Geist. Das lasset euch gesagt sein, es ist hoch erkannt: Kein Werk gefällt Gott, es gehe denn aus Glauben in Gott. Heuchele, wie du willst, so arbeitest du nur in dieser Welt, du säest in einen irdischen Acker. Willst du aber himmlische Frucht ernten, so musst du himmlischen Samen säen. Wird er nicht im fremden Acker wollen Wurzel schlagen, so kommt dein Same wieder zu dir und wächst in deinem Acker, und du wirst die Frucht selber genießen. 7. Kapitel - Vom geistlichen Sehen, wie ein Mensch in dieser Welt könne göttliche und himmlische Wissenschaft haben Die andere Citation oder Ladung der äußern Vernunft dieser Welt in Fleisch und Blut. Die äußere Vernunft spricht: Wie mag der Mensch in dieser Welt in Gott sehen als in eine andere Welt und sagen, was Gott ist; das kann nicht sein; es muss eine Einbildung sein, da sich der Mensch mit kitzelt und selber betrügt. Antwort: Also weit kommt die äußere Vernunft. Mehr kann sie nicht erforschen, da sie ruhte. Und wenn ich noch in derselben Kunst steckte, so würde ich eben auch also sagen. Denn der nichts sieht, der spricht: es ist nichts da. Was er sieht, das erkennet er. Mehr weiß er von nichts, als das vor Augen ist. Ich will aber den Spötter und ganz irdischen Menschen gefragt haben, ob der Himmel blind sei, sowohl die Hölle und Gott selber. Ob in der göttlichen Welt auch ein Sehen sei, ob der Geist Gottes auch sehe, beides in der Liebe- Licht-Welt und auch im Grimm in der Zornwelt im Centro. Saget er: Es sei ein Sehen darinnen als es dann wahr ist, so mag er wohl zusehen, dass er nicht öfter mit des Teufels Augen sehe in seiner fortgesetzten Bosheit, da er ihm ein Ding in seiner Imagination in falscher Bosheit zu verbringen, lange zuvor einmodelt, und sieht zuvor, wie er seine Falschheit verbringen kann und will. Und kann er allda die Bosheit zuvor sehen, warum sieht er auch nicht zuvor seine Belohnung? O nein, der Teufel sieht mit seinen Augen und decket die Strafe zu, dass er die Bosheit verbringe. Triebe er den Teufel aus, so sähe er seine große Narrheit, die ihm der Teufel gewiesen hatte. Das Böse läßt er ihn sehen und leihet ihm Augen dazu, dass er das Ferne, das noch geschehen soll, sieht; und er ist also verblendet, und weiß nicht, dass er mit des Teufels Augen sieht. Also auch in gleicher Weise sieht der Heilige mit Gottes Augen, was Gott vorhat. Und das sieht der Geist Gottes in der neuen Wiedergeburt aus den rechten menschlichen Augen aus dem Bilde Gottes. Er ist dem Weisen ein Sehen und auch ein Tun, nicht dem alten Adam. Dieser muss Knecht dazu sein, er muss das ins Werk richten, was der neue Mensch in Gott sieht. Sagte doch Christus: Des Menschen Sohn tut nichts, als was er sieht den Vater tun, das tut er auch. - So ist doch des Menschen Sohn unser Haus worden, in das wir sind eingegangen. Er ist unser Leib worden und sein Geist ist unser Geist. Sollen wir in Christo denn in Gott blind sein? Der Geist Christi sieht durch und in uns, was er will; und was er will, das sehen und wissen wir in ihm, und außer ihm wissen wir nichts von Gott. Er tut göttliche Werke und sieht, was und wann er will, nicht wenn Adam will. Wenn Adam gerne wollte seine Bosheit - mit Hochmut sich sehen zu lassen - ausschütten. O nein, da verbirgt er sich und sieht nicht in uns ins Freudenlicht in Gott, sondern ins Kreuz, in Trübsal, in Christi Leiden und Sterben, Verfolgung und Schmach, in große Traurigkeit, dahinein sieht er und lässt den alten Esel zappeln und Christi Kreuz tragen, das ist sein Amt. Aber auf dem Wege durch den Tod Christi sieht der neue Mensch in die engelische Welt. Sie ist ihm leichter und heller zu begreifen als die irdische Welt. Es geschieht natürlich nicht mit Einbildung, sondern mit sehenden Augen, mit denen Augen, welche die engelische Welt sollen besitzen als mit der Seelen-Bildnis-Augen, mit dem Geiste, der aus der Seelen Feuer ausgehet. Derselbe Geist sieht in den Himmel. Der schauet Gott und die Ewigkeit, und kein anderer, und der ist auch das edle Bild nach Gottes Gleichnis. Aus solchem Sehen hat diese Feder geschrieben, nicht aus andern Meistern oder aus Wähnen, ob es wahr sei. Ob nun wohl eine Kreatur ein Stück und nicht ein Ganzes ist, dass wir nur im Stückwerk sehen, so ist’s doch gründlich. Aber die Weisheit Gottes lässt sich nicht schreiben, denn sie ist unendlich, ohne Zahl und Begriff. Wir erkennen es nur im Stückwerk. Ob wir gleich viel mehr erkennen, so kann’s die irdische Zunge nicht erheben und sagen. So redet nur Worte von dieser Welt, und den Sinn behält sie im verborgenen Menschen. Darum verstehet auch immer einer anders als der andre, als nachdem ein jeder ist mit der Weisheit begabet, also ergreift er's auch und also leget er's aus. Meine Schriften wird nicht ein jeder nach meinem Sinn verstehen, ja auch wohl nicht einer. Aber ein jeder empfängt nach seiner Gabe zu seiner Besserung, einer mehr als der andere, nachdem der Geist seine Eigenschaft in ihm hat. Denn der Geist Gottes ist auch den Menschengeistern, so sie wohl wollen, öfters untertan, und sieht, was der Mensch will, dass sein Gutes nicht verhindert werde, sondern dass allenthalben Gottes Wollen und Willen geschehe. Denn der Geist, der aus dem Seelenfeuer aus Gottes Sanftmut und Wesen ausgeboren wird, der ist auch der Hl. Geist. Er wohnet in der göttlichen Eigenschaft und nimmt sein Sehen aus göttlicher Eigenschaft. Was ist es nun, das an uns fremd ist, dass wir nicht können Gott sehen? Diese Welt und der Teufel in Gottes Zorn ist es, dass wir nicht mit Gottes Auge sehen, sonst ist keine Hinderung. Spricht nun einer: ich sehe nichts Göttliches, - der mag denken, dass ihm Fleisch und Blut mit des Teufels List eine Hinderung und Deckel ist, oft dass er will Gott in seinem Hochmut sehen zu seinen eigenen Ehren und oft, dass er mit irdischer Bosheit erfüllet und geblendet ist. Sähe er in Christi Fußstapfen und ginge in ein neu Leben, gäbe sich unter das Kreuz Christi und begehrte nur den Eingang Christi, durch Christi Tod und Himmelfahrt zum Vater, was sollte es gelten, er sähe den Vater und seinen Heiland Christum mit dem Hl. Geiste. Sollte denn der Hl. Geist blind sein, so er im Menschen wohnet? Oder schreibe ich's mir zum Ruhm? - Nicht also, sondern dem Leser zur Richtschnur, dass er von seinem Irrtum abstehe und gehe vom Wege der Lästerung aus in ein heiliges göttliches Wesen, dass er auch mit göttlichen Augen sehe die Wunder Gottes, auf dass Gottes Wille geschehe, zu welchem Ende diese Feder also viel geschrieben hat, und nicht um eigener Ehre und Wollust dieses Lebens willen, wie uns der Treiber immer schilt, und bleibt doch nur der Treiber im Zorn Gottes, dem wir das Himmelreich gerne gönnten, möchte er vom Teufel und der irdischen Hoffartssucht los werden, welche ihn blind macht. Also, ihr lieben Kinder Gottes, die ihr mit viel Tränen suchet, lasset es euch nur Ernst sein! Unser Sehen und Wissen ist in Gott. Er offenbaret einem jeden in dieser Welt, so viel er (Gott) will, als er weiß, dass ihm nützlich und gut ist. Denn der aus Gott sieht, der hat Gottes Werk zu treiben. Er soll und muss das treiben, lehren, reden und tun, das er sieht, sonst wird ihm das Sehen genommen. Denn diese Welt ist Gottes Sehen nicht wert, aber um der Wunder und Offenbarung Gottes willen wird manchem gegeben zu sehen, dass der Name Gottes der Welt offenbar werde, welches auch ein Zeugnis über alles gottlose Wesen sein wird, welche die Wahrheit in Lügen verkehren und verachten den Hl. Geist. Denn wir sind nicht unser selber, sondern dem wir dienen in seinem Licht. Wir wissen nichts von Gott, er selber, Gott, ist unser Wissen und Sehen. Wir sind ein Nichts, dass er alles in uns sei. Wir sollen blind, taub und stumm sein und kein Leben in uns wissen, dass er unser Leben und Seele sei und unser Werk sein sei. Unsere Zunge soll nicht sagen, so wir was Guts getan haben: Das haben wir getan, - sondern: Das hat der Herr in uns getan, sein Name sei hochgelobet. Aber was tut diese böse Welt jetzt? So einer sagte: Das hat Gott in mir getan, - so es gleich gut ist, so spricht die Welt: Du Narr, du hast es getan, Gott ist nicht in dir, du lügst! - Also muss der Geist Gottes ihr Narr und Lügner sein. Was ist es denn oder wer redet aus dem Lästermunde? Der Teufel, der ein Feind Gottes ist, dass er Gottes Werk zudecke, auf dass Gottes Geist nicht erkannt werde und er Fürst dieser Welt bleibe bis ins Gericht. Also, so ihr sehet, dass die Welt wider euch streitet, euch verfolget, schmähet, lästert um Gottes Erkenntnis und Namens willen, so denket, dass ihr den schwarzen Teufel vor euch habet, so segnet ihr, dass Gottes Reich zu uns komme und dem Teufel seinen Stachel zerbreche, dass der Mensch durch euren Segen und Gebet vom Teufel erlöset werde, so arbeitet ihr recht in Gottes Weinberge und hindert dem Teufel sein Reich und gebäret Früchte auf Gottes Tische, denn in Liebe und Sanftmut aus dem Zorne Gottes werden wir wieder neugeboren. In Liebe und Sanftmut müssen wir in des Teufels Dornen baden, in dieser Welt wider ihn streiten, denn die Liebe ist sein Gift. Sie ist ihm ein Feuer des Schreckens, da er nicht bleiben kann. Wüsste er ein Fünklein Liebe in ihm, er würfe die weg oder zerberste darum, dass er los würde. Darum ist die Liebe und Sanftmut unser Schwert. Damit können wir um das edle Kränzle in unter Christi Dornenkrone mit dem Teufel und der Welt streiten, denn die Liebe ist das Feuer des andern Principii. Sie ist Gottes Feuer, dem ist der Teufel und die Welt feind. Die Liebe hat Gottes Augen und sieht in Gott, und der Zorn hat des Grimmes Auge im Zorne Gottes. Der sieht in die Hölle, in die Qual und in Tod. Die Welt vermeinet schlechtes, man müsse Gott mit den irdischen und Sternenaugen sehen. Sie weiß nicht, dass Gott nicht im Äußern wohnet, sondern im Innern. Und so sie dann nichts Wunderliches an Gottes Kindern sieht, spricht sie: O, er ist ein Narr, er ist närrisch geboren, er ist melancholisch! - Soviel weiß sie. O, höre Meister Hans, ich weiß wohl was Melancholie ist, weiß auch wohl, was von Gott ist, ich kenne sie beide und auch dich in deiner Blindheit. Aber solch Wissen kostet nicht eine Melancholie, sondern ein ritterlich Ringen. Denn keinem wird’s gegeben ohne Ringen, er sei denn im Ziel von Gott erkoren, er ringe denn um das Kränzle in. Es wird wohl mancher im Mutterleibe dazu erkoren, wie Johannes der Täufer (Luk.1,15) und andere mehr im Bunde Gottes der Verheißung ergriffen, welcher allezeit ein Ziel eines Saeculi ist, der mit der Zeit des großen Jahrs geboren und von Gott erkoren wird, die Wunder, die Gott vor hat, zu eröffnen. Aber nicht alle aus dem Ziel, sondern ihrer viel aus eifrigem Suchen, denn Christus sprach: Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan (Matth. 7,7). Item: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh. 6,37). Item: Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, seien wo ich bin (Joh. 17,24); das ist: mit dem neuen Menschen aus Christo geboren in Gott, seinem Vater. Item: Vater, ich will, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die ich hatte vor der Welt Grunde. - All hier lieget das Sehen aus Christi Geiste, aus Gottes Reiche in Kraft des Wortes, des Wesens der Gottheit mit Gottes Augen und nicht mit dieser Welt und des äußern Fleisches Augen. Also, du blinde Welt, wisse womit wir sehen, wenn wir von Gott reden und schreiben, und lass dein falsches Richten bleiben. Siehe du mit deinen Augen und lass Gottes Kinder mit ihren Augen sehen. Siehe du aus deinen Gaben und lass Gottes Kinder oder einen andern aus seinen Gaben sehen. Ein jeder, wie er berufen wird, also sehe er und also wandele er, denn wir treiben nicht alle einerlei Wandel, jeder aber nach seiner Gabe und Beruf zu Gottes Ehre und Wunder. Es läßt sich der Geist Gottes nicht also binden wie die äußere Vernunft mit ihren Gesetzen und Consiliis (Ratschlüssen) vermeinet, da man allemal eine Kette des Antichrists mit schließt, dass die Menschen wollen über Gottes Geist richten und ihren Dünkel und Schluss für Gottes Bund halten, gleich als wäre Gott nicht in dieser Welt daheim oder als wären sie Götter auf Erden, bestätigen es nicht mit Eiden, was sie glauben wollen. Ist das nicht ein Narrenwerk, den Hl. Geist in seinen Wundergaben an einen Eid binden? Er soll glauben, was sie wollen, und sie kennen ihn doch nicht, sind auch nicht aus ihm geboren, machen ihm doch Gesetze, was er tun soll. Ich sage, dass alle solchen Bünde der Antichrist und Unglaube sind, es gleiße, wie es wolle. So ist Gottes Geist ungebunden. Er gehet nicht im Bunde, sondern frei erscheinet er dem suchenden, demütigen Gemüte nach seiner Gabe, wie er genaturt ist. Er ist ihm auch noch wohl untertan, so er ihn nur mit Ernst begehret. Was soll denn der Bund in menschlichem Witze von dieser Welt, so es Gottes Ehre betrifft? Sind doch alle Bünde aus eigener Hoffart geboren. Freundliche Unterredung ist wohl gut und nötig, dass einer dem andern seine Gabe dartue, aber die Bünde sind eine falsche Kette wider Gott. Gott hat einmal einen Bund mit uns in Christo gemacht. Das ist genug in Ewigkeit. Er machet keinen mehr. Er hat das menschliche Geschlecht einmal in Bund genommen und ein festes Testament gemacht mit Tod und Blut. Es ist genug an dem. Wir lassen uns billig an dem genügen und hangen diesem Bunde an. Wir dürfen nicht also kühn um Christi Kelch tanzen, als jetzt geschieht, oder er wird weggenommen werden, wie den Türken (Mohamedaner) geschah. Es ist ein sehr großer Ernst vorhanden, als von der Welt her nie geschehen. Lasst es euch wohl sagen. Es ist erkannt worden. Der Antichrist soll bloß stehen. Sehet aber zu, dass ihr dabei nicht ärger werdet. Denn die Axt ist an dem Baum gesetzt, der böse Baum soll abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Die Zeit ist nahe! Verstecke sich niemand in Fleischeslust, denn das tuts nicht, dass einer wisse, wie er könne neugeboren werden. Bleibet aber in der alten Haut, in Wollust des alten Menschen, in Geiz, Hochmut und Ungerechtigkeit, in Unzucht und ärgerlichem Leben, der ist lebendig tot und stecket im Rachen des Zorns Gottes. Denselben wird seine Wissenschaft anklagen und verurteilen zum Gerichte. So er das Wort der Erkenntnis empfängt und annimmt, das ihm Gott zu erkennen gibt, dass er der rechte Weg zum Leben sei, so muss er alsbald ein Täter des Worts werden und aus der Bosheit ausgehen. Oder er hat ein schwer Urteil über sich. Was ist der besser denn der Teufel? Der weiß auch Gottes Willen, tut aber seinen bösen Willen. Es ist einer als der andre, keiner gut, solange bis er des Worts Täter wird. Alsdann wandelt er auf Gottes Wege und ist im Weinberge in Gottes Arbeit. Die gleissnerische Babel lehret jetzt: Unsere Werke verdienen nicht, Christus habe uns vom Tode und der Höllen erlöset, wir müssen es nur glauben, so werden wir gerecht. - Höre, Babel, der Knecht, der seines Herrn Willen weiß und den nicht tut, soll viel Streiche leiden. Es wissen ohne tun ist eben als ein Feuer, das da glimmet und kann vor Nässe nicht brennen. Willst du, dass dein göttlich Glaubensfeuer brennen soll, so musst du dasselbe aufblasen und aus des Teufels und der Welt Nässe ausziehen. Du musst ins Leben Christi eingehen. Willst du sein Kind werden, so musst du in sein Haus eingehen und sein Werk treiben, oder du bist draußen und ein Heuchler, der den Namen Gottes unnützlich führet. Anders lehrest du und anders tust du, und bezeugest also, dass Gottes Urteil recht über dich sei. Oder was hat Gott für Gefallen an deinem Wissen, da du ein Schalk bleibest? Meinest du, er nehme deine Heuchelei an, dass du zu ihm schreiest: Herr, gib mir einen starken Glauben an das Verdienst deines Sohnes Christi, dass ich es von ganzem Herzen glaube, dass er für meine Sünde hat genug getan! - Meinest du, das sei genug? O höre, nein! Du musst in Christi Leiden und Sterben eingehen und aus seinem Tode anders geboren werden. Du musst ein Glied mit und in ihm werden. Du musst den alten Adam stets kreuzigen und immer an Christi Kreuz hängen und musst ein gehorsam Kind werden, das immer höret, was der Vater saget, und immer dasselbe wollen gerne tun. Ins Tun musst du eingehen, sonst bist du eine Larve ohne Leben. Du musst mit Gott gute Werke der Liebe gegen deinen Nächsten wirken, deinen Glauben stets üben und immer bereit sein zur Stimme des Herrn, wenn er dich heißet aus dem alten Pelze heimgehen in das reine Kleid. Siehe, ob du gleich auf diesen Weg trittst, so wirst du dennoch Schwachheit genug haben und viel zu viel an dir fühlen. Du wirst noch zu viel Böses wirken, denn wir haben einen bösen Gast in uns zur Herberge. Es gilt nicht nur trösten, sondern wider denselben kämpfen, streiten, ihn stets töten und überwinden. Er ist ohnedies zu stark und will das Oberregiment haben. Christus hat wohl für uns und in uns den Tod zerbrochen und die Bahn in Gott gemacht, was hilft mir’s aber, dass ich mich dessen tröste und solches lerne wissen, bleibe aber im finstern Zorn verschlossen liegen, an der Ketten des Teufels gefangen? Ich muss in dieselbe Bahn eingehen und in derselben Straße wandeln als ein Pilgrim, der aus dem Tode ins Leben wandelt. 8. Kapitel - Die Pilgrim-Straße aus dem Tode ins Leben Lieben Kinder, lasset uns doch herzlich miteinander vom Grunde reden: Unser rechtes Leben, damit wir sollen Gott schauen, ist als ein gedämpft Feuer, manchem auch wohl als das Feuer im Steine verschlossen. Wir müssen aufschlagen mit rechter ernster Einwendung zu Gott. Sehe doch Gottes Fürsorge an! Er hat uns in Christo aus dem Wasser des ewigen Lebens wiedergeboren und hat uns dasselbe im Bunde der Taufe zu einem Schlüssel zur Letzte gelassen, dass wir damit aufschließen und unser Seelenfeuer damit besprengen, dass es des göttlichen Feuers fähig wird. Und hat uns seinen Leib zur Speise gegeben und sein Blut zum Trank, dass wir und dessen sollen annehmen, in seinen Bund treten und unsere Seele mit speisen, dass sie erquicket werde und vom Tode aufwache, dass sie das göttliche Feuer anzünde. Lieben Kinder, es muss brennen und nicht im Steine verschlossen liegen bleiben oder als ein Moder oder Zunder, der da wollte gerne glimmen, und kann vor des Teufels Nässe nicht. Der historische Glaube ist ein Moder, der da als ein Fünklein glimmet. Er muss angezündet werden. Wir müssen ihm Materiam geben, darin sich das Funkerin anzünde. Die Seele muss aus der Vernunft dieser Welt ausdringen ins Leben Christi, in Christi Fleisch und Blut, so empfängt sie Materiam zu ihrem Anzünden. Es muss Ernst sein, denn die Historia erreichet nicht Christi Fleisch und Blut. Es muss der Tod zersprenget werden, wiewohl ihn Christus zersprenget hat. So muss aber nun die ernste Begierde folgen, das gerne wollen tun und immer dahin arbeiten als ein Pilgrim oder Bote, der einen gefährlichen weiten Weg ziehen will. Der laufet immer nach dem Ziel. Er ist unverdrossen, ob ihm gleich wehe geschieht. Noch hoffet er des Ziels und kommt immer näher, da er dann seines Lohns und Ergötzung in Hoffnung gewärtig ist. Und freuet sich, dass sein sauer Wandern wird ein Ende nehmen. Also muss ein Mensch, der da will zu Gott wandern, sich auf die Pilgrimstraße machen. Er muss immer mehr aus der irdischen Vernunft, aus des Fleisches, des Teufels und der Welt Willen auswandern. Oft geschieht ihm wehe, wenn er das verlassen soll, das er wohl haben könnte und könnte da mit in zeitlichen Ehren schweben. Will er aber auf der rechten engen Straße wandern, so muss er nur den Rock der Gerechtigkeit anziehen und den Rock des Geizes und gleißenden Lebens ausziehen. Er muss den Hungrigen sein Brot mitteilen und sein Kleid zur Decke geben, nicht ein Dränger des Elenden sein, nur seinen Sack wollen füllen, dem Elenden und Albern seinen Schweiß abdringen und ihm Gesetze geben nur zu seiner Hoffart und Wollust. Der ist kein Christ, der solches tut, sondern er wandert auf der Straßen dieser Welt, wie ihn das Gestirne und die Elemente mit des Teufels Infizieren und Lust treiben. Und ob er gleich den Glauben weiß von Gottes Barmherzigkeit, von der Genugtuung Christi, wird’s ihm doch nicht helfen. Denn nicht alle, die da sagen: Herr, Herr werden ins Himmelreich eingehen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Und der Wille ist: Liebe deinen Nächsten als dich selber. Was du willst, das man dir tue, das tue du auch. Sprich nicht in deinem Herzen: Ich sitze in diesem Amt und Herrschaft mit Recht; ich hab's erkaufet und ererbet, das was mir meine Untertanen tun, sind sie mir schuldig. - Siehe und forsche, wo dasselbe Recht urständet, ob's von Gott also geordnet sei oder ob’s aus Trug und eigener Hoffart und aus Geiz urstände? Findest du, dass es Gottes Ordnung sei, so schaue und wandele darin nach dem Befehl der Liebe und Gerechtigkeit. Denke, dass du darin ein Diener und nicht ein Herr über Christi Kinder bist, und nicht allein dasitzest, ihren Schweiß an dich zu ziehen, sondern dass du ihr Richter und Hirte bist, dass du sollst von deinem Amt Rechenschaft geben. Dir sind fünf Pfund gegeben: du sollst sie deinem Herrn mit Wucher überantworten. Du sollst deinen Untern auf den rechten Weg führen, ihm gute Exempel geben in Lehr und Strafe über den Boshaftigen. Denn es soll von dir gefordert werden, so du den Gottlosen nicht strafest und schützest den Bedrängten. Du bist nicht nur darum ein Regent, dass du ihr Herr seiest. Nicht du, sondern Gott ist ihr Herr. Du sollst ihr Richter sein und sie scheiden. Nicht um den Geizes willen bist du ihr Richter, sondern um ihrer Gewissen willen. Und dass du den Einfältigen lehrest, führest und weisest nicht allein mit Drangsal seines Schweißes, sondern mit Sanftmütigkeit. Du hast ein Schweres auf dir. Du musst darum ernste Rechenschaft geben. Wenn der Elende über dich seufzet in seiner Drangsal, so klaget er dich vor seinem und deinem Herrn an. Da sollst du und musst du mit ihm vor Gerichte stehen, denn das Urteil gehet über die Seelen. Es hilft dir keine Heuchelei. Alles, was mit Tränen gesät wird, mit rechtem Ernste, das wird zur Substanz und gehöret vor Gottes Gerichte, es sei denn, dass der Mensch umkehre und versöhne sich mit Wohltat gegen den Bedrängten, dass er ihn segne, so zerbricht die Substanz. Darum habt ihr Oberen ein Schweres auf euch. Ihr möget wohl auf euren Stand sehen, wo er urstände. Die Wurzel wird nahe gesucht werden. Es soll ein jeder von seinem Stande Rechenschaft geben. Sehet aber zu, dass ihr nicht da mit im höllischen Feuer reitet, als der grimmige Teufel selber tut, und ihr desselben Diener erfunden werdet, wie uns der Geist der Wunder zeiget, dass ihr die Erfüllung des ewigen Zornes und Grimmes seid worden. Sprich nicht in deinem Herzen: Also haben meine Eltern und Vorfahren auch gewandelt, ich hab’s ererbet. - Du weißt nicht, in was Herberge sie sind eingegangen. Willst du ein Christ und Kind Gottes sein, so musst du nicht auf den Weg der Vorgänger, wie sie in Wollust geritten sind, sondern auf Gottes Wort. Das muss deiner Füße Leuchte sein. Denn viele, so übel gefahren sind, die sind in Abgrund gefahren. Denen wirst du auch nachfahren, so du in ihren Fußstapfen wandelst. Lass dir nur nicht den Teufel den gleißnerischen Weg malen. Seine Farbe glänzet von außen, und in der Essenz ist sie Gift. Ach, wie haben wir doch einen so gargefährlichen Weg durch diese Welt zu wandern, und wäre zu wünschen, dass in dem Gottlosen kein Ewiges wäre. So dürfte er nicht ewige Qual leiden und im ewigen Spotte sein. Wie sie allhier in diesem Leben Feinde der Kinder Gottes sind, also auch bleiben sie ewige Feinde Gottes und seiner Kinder. Darum müssen die Kinder Gottes das Kreuz auf sich nehmen und allhier im Distel- und Dornenbad schwitzen und in Angst neugeboren werden. Sie müssen einen schmalen Steg wandern, da die Vernunft immer spricht: Du bist ein Narr, du könntest in Freuden leben und gleichwohl selig werden. - O wie schlägt die äußere Vernunft oft das edle Bild, das aus dem Dornenbade aus der Trübsal auswächst! Wie gar mancher Zweig wird von dem Perlenbaum abgerissen durch Zweifel und Unglauben, welcher den Menschen in den falschen Weg einführet. Der Elende seufzet nach der zeitlichen Nahrung und fluchet dem Zwinger, der ihm seinen Schweiß abdringet, und denket, er tue recht daran. Aber er verderbet sich nur selber daran. Er handelt ebenso gottlos als sein Treiber. Nähme er Geduld in sich und gedächte, dass er auf der Pilgrimstraße wandelt, und setzte seine Hoffnung in sein Ziel und dächte, dass er also in Kreuz und Elende, in Drangsal in Christi Weinberg arbeitete, - o wie selig führe er. Er hätte doch also Ursache, ein andre und besser Leben zu suchen, weil er all hier muss in Angst und Elend schweben. Wenn ers nur recht verstünde, wie es Gott so gut mit ihm meinte, dass er ihn also damit locke und suche, dass er nicht soll in das irdische Leben bauen. Dieweil er sieht, dass es nur ein Jammertal und Drangsal ist, und muss all hier nur im harten Zwang im Elende in eitel Mühe seine Tage verzehren, soll er doch ja denken, dass es Gott nicht vergebens also gehen lasse, sondern dass er ihm gleich also Ursache gebe, eine rechte Ruhe zu suchen, welche nicht in dieser Welt ist. Dazu muss er alle Stunde des Todes warten und sein Werk andern lassen. Was ist es denn, dass ein Mensch seine Hoffnung in diese Welt bauet, darin er doch nur ein Gast und Pilgrim ist, der da muss durch die Straßen seiner Konstellation wandeln? Nähme er die innere Konstellation an, o wie selig arbeitete er in Gottes Werke und ließe das äußere gehen, wie es kann sein. Ein Mensch in dieser Welt, der da gedenket Gottes Reich zu besitzen, hat keinen bessern Weg und mag ihm nicht besser geraten werden, als dass er stets gedenke und ihm vornehme, dass er im Weinberge Gottes ist mit all seinem Tun und Wesen, dass ers Gott tue. Sein Gemüt soll in steter Hoffnung zu Gott gerichtet sein, dass er werde seinen Lohn für seine Arbeit von Gott erlangen und dass er in Gottes Wundertat arbeite. Darum soll er in seiner Arbeit, die er tut, fleißig sein, und wenn er gleich seinem Treiber in Mühe ohne Lohn oft dienen muss, so denke er nur, er arbeite nur Gotte und sei geduldig auf Hoffnung, Gott werde ihm seinen Lohn wohl geben zu seiner Zeit. Denn nicht am Tage zahlet der Herr des Weinberges seine Arbeiter aus, sondern am Abend, wenn das Tagewerk gemacht ist. Wenn wir heimgehen zu unserm Herrn aus dieser Hütten Tal, alsdann empfängt ein jeder seinen Lohn. Welcher alsdann viel gearbeitet hat in langer Zeit, der hat viel Lohn zu erwarten. Welcher aber nur ein Schnarcher, Grunzer, Faulenzer und böser Arbeiter in Ungeduld gewesen ist, der hat wenig verdienet und wird noch wohl Strafe von seinem Herrn zu erwarten haben. Denn er hat andere Arbeiter nur verführet und ist ein unnützer Arbeiter gewesen, hat eitel falsche Werke gemacht, seinen Herrn um seinen Lohn zu betrügen, der empfängt billig Strafe für Lohn. Die Porte im Centro der Natur / Die dritte Citation: Die Vernunft spricht also: Warum lässt Gott also gehen, dass all hier eitel Mühseligkeit ist, dazu nur ein Zwängen und Drängen, dass je einer den andern plaget und dränget? Und ob mancher viel hat und nicht darf, noch hat er keine Ruhe. Er trachtet nur nach Treiben und Unruhe und sein Herz ist nimmer stille. Siehe, du verschlossene Erkenntnis, der Welt Grund ist also. Der Urstand des Lebens ist auch also. Es mag in dieser Welt nicht anders sein, es sei denn, dass ein Mensch neugeboren werde, der ist im neuen Menschen anders, und hänget ihm doch dieser Trieb im alten Menschen immer an. Das ist der Streit des Geistes wider das Fleisch, da das Fleisch wider den Geist lüstert und den Geist wider das Fleisch. Nun spricht die Vernunft: Wo urständets denn also? Antwort: Siehe, im Centro naturae ist solch ein Wesen. Besinne dich nur. Der ewige Wille, so Gott heißet, der ist frei, denn er hat in sich nichts als das Licht der Majestät und wohnet in dem ewigen Nichts. Darum mag ihn auch nichts rühren. Aber sein Begehren, das das Centrum naturae machet, dasselbe hat nur eine solche Eigenschaft, denn da ist die Herbigkeit als die erste Gestalt der Natur. Die zeugt immer an sich und nimmt, da nichts ist. Das sie nicht gemacht hat, das nimmt sie und raffet es zusammen, und mag’s doch nicht essen, ist ihr auch nichts nütze. Sie machet ihr selber also Angst, Marter und Unruhe damit, wie auch der Geiz im Menschen. Die andere Gestalt ist sein Ziehen oder Stachel. Das ist sein Knecht, der da zusammenraffet, was das Begehren will. Der ist der Arbeiter, bedeutet: den untern Menschen. Der ist bös, zornig, wütend, sticht und tobet in der Herbigkeit. Das mag die Herbigkeit vom Knecht nicht leiden, zeugt ihn nur heftiger; also wird der Knecht nur böser und toller und stürmet dem Herrn das Haus. Also will der Herr den Knecht binden und halten. Und der Knecht reißet mit Bosheit überaus. Und so ihn dann sein Herr als die Herbigkeit nicht mag bewältigen, geraten sie miteinander in eine große Angst, Feindschaft und Widerwärtigkeit, fangen ein drehend Rad an zu machen, sich zu würgen, morden und töten. Und das ist die dritte Gestalt der Natur, davon urständet Krieg, Streit, Zerbrechung Land und Städte, Neid und ängstliche Bosheit, da je einer den andern will tot haben, will alles fressen und in sich ziehen. Er will’s alleine haben, ist ihm doch allein nichts nütze, sondern schädlich. Er tut wie der Grimm der Natur tut. Derselbe frisst sich auch also in sich selber, verzehret und zerbricht sich, gebiert sich doch auch also. Davon kommt alles Böse, der Teufel mit allem bösen Wesen kommt daher, also hat’s seinen Urstand. Wie die Natur um Centro tut, verstehet: außer dem Lichte, also tut auch der Teufel, welcher das Licht nicht hat, auch der böse Mensch und Tier, auch Kraut, Gras und alles, was Feindselig ist, denn es ist das Giftrad, davon das Leben urständet. Das drehet sich also in großer Angst im Stechen, Wüten und Brechen, bis es ihm einen andern Willen schöpfe, aus der Angst auszugehen, und versenkt sich in Tod und gibt sich frei dahin in die Freiheit. So zerbricht das Stechen und Brechen im Tode und fället in die Freiheit des ersten Willens, welcher die Angst des Todes anzündet mit der stillen Freiheit, davon die Angst erschrickt, den Tod zerbricht und aus der Angst auffährt als ein Leben der Freude. Also gehst auch zu mit dem Menschen. Wenn er in der Angst der Feindschaft ist, dass der Stachel des Todes und Zornes in ihm wütet, dass er also ängstlich, geizig, neidig, zornig und feindselig ist, so soll er nicht in dem bösen Wesen bleiben, sonst ist er in den Gestalten des Todes, Zornes, Grimmes und höllischen Feuers. So nicht der Wasserquell in ihm wäre mit Fleisch und Blut, so wäre er also schon ein angezündeter Teufel und nichts anders, sondern er muss sich besinnen und in seiner bösen Angst einen andern Willen schöpfen, von der geizigen Bosheit auszugehen in die Freiheit Gottes, da immer Ruhe und Friede genug ist. Er muss nur in Tod in die Geduld versinken, in das Angstrad sich willig einergeben und einen Durst nach Erquickung Gottes, welche die Freiheit ist, schöpfen. So ersinket er durch den Angsttod und fällt in die Freiheit. So dann seine Angst die Freiheit kostet, dass sie eine solche stille, sanfte Qual ist, so erschrickt die Angstqual. Und im Schrecken zerbricht der feindliche herbe Tod. Denn es ist ein Schreck großer Freuden und eine Anzündung des Lebens Gottes. Und also wird der Perlenzweig geboren. Der stehet nun in zitternder Freude, aber in großer Gefahr, denn der Tod und die Angstqual ist seine Wurzel und ist damit umgeben als ein schöner grüner Zweig, der aus einem stinkenden Miste auswächst aus der Stankqual, und bekommt eine andere Essenz, Geruch, Wesen und Qual als seine Mutter hat, aus welcher er geboren ward, wie denn auch die Qual in der Natur solche Eigenschaft hat, dass aus dem Bösen als aus der Angst das große Leben erboren wird. Und wie wir weiter erkennen, dass sich die Natur im Schreck in zwei Reiche scheidet: (1) in das Freudenreich und (2) in ein Ersinken des Todes in eine Finsternis. Also auch der Mensch, wenn der Lilienzweig zum Freudenreich also erboren wird, so scheidet sich seine Natur in zwei Willen. Der erste gehet auf in der Lilien und wächst in Gottes Reich, der andre ersinket in den finstern Tod und sehnet sich nach der Erden, nach seiner Mutter. Der streitet immer wider die Lilien, und die Lilie flieht vor der Rauigkeit, wie ein Zweig aus der Erden wächst und die Essenz vor der Erden flieht und von der Sonnen aufgezogen wird, bis es ein Haim oder Baum wird. Also zeugt Gottes Sonne des Menschen Lilie als den neuen Menschen immer in seine Kraft von der bösen Essenz aus und zeugt endlich einen Baum in Gottes Reich daraus. Alsdann läßt er den alten bösen Baum oder Schale, darunter der neue wuchs, hinfallen in die Erde, in seine Mutter, darnach er sich je sehnet und aus der Erden wieder in Centrum Naturae am Ende des Scheidetags da alles wieder muss in seinen Äther gehen. Also gehet auch die Lilie in ihren Äther als in den freien Willen, in das Licht der Majestät ein. Also versteht's weiter: Wenn sich im Schreck der Natur also zwei Reiche scheiden, so ist der Schreck ihm selber ein Blitz Lind Ursache des Feuers als des Lebens Anzündung. So scheidet sich Prima Materia als die erste Materie, welche die Herbigkeit machte mit seinem Einziehen, darin die Feindschaft entstand, in zwei Teile: als eines unter sich in Tod, das ist das essentialische Leben mit der Wesenheit dieser Welt, als da sind Erde und Steine. Und dann das andre Teil scheidet sich aus dem Schreck des Feuers ins Licht der Freiheit, denn der Feuerschreck zündet die Freiheit an, dass sie auch begehrend wird. Die zeugt nun in ihrem Begehren die Freudenreich in sich als das sanfte Wohltun, und macht es auch zu Materia. Das ist nun die himmlische göttliche Wesenheit. Die zeugt das Feuer wieder in sich und schlingt’s in seinem Schrecke, welcher des Feuers Qual ist. Allda verzehret die Qual die sanfte Wesenheit und führet sich in die hohe Preudenreich, dass aus Angst Liebe wird, dass aus Feuer ein Liebe-Brennen wird, und gibt aus dem Brennen den freudenreichen Geist des ewigen Lebens, der Gottes Geist heißet, welcher im ersten Willen, der Vater heißet, urständet. Denn er ist das Begehren der Natur. Und ist im Feuer ein Feuerquall und in der Angst des Todes ein Stachel des Todes, des Grimmes und der Feindschaft im Wesen der Natur als im Centro. Und im Lichte ist er die göttliche Freudenreich, der da in der göttlichen Wesenheit als in der Weisheit - das sind die Farben der Tugend - die edle Tinktur eröffnet, welche der Glanz der himmlischen Wesenheit ist. Und ursachet in der Wesenheit das Element der engelischen Welt, daraus diese Welt eine Ausgeburt ist, aber im Zorne vom Teufel entzündet, der eine Ursache ist, dass sich der Grimm der Natur hat entzündet, davon in der Wesenheit sind Erde und Steine worden, wie vor Augen, welches der mächtigste Quall hat im Verbo Fiat in ein Principium geschieden, wie im Buch “Vom dreifachen Leben” ausgeführt worden. Also verstehet den Feuerblitz für die vierte Gestalt der Natur und die Liebegeburt der Freudenreich für die fünfte Gestalt und das Einschlingen der Wesenheit aus der Sanftmut in Feuersqual da das Feuer auch die Freudenreich erreichet, als den Schall oder Offenbarung der Farben, Wunder und Tugenden, davon die fünf Sinne als Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen entstehen, für die sechste Gestalt der Natur; und die Wesenheit des Lichts, darin das göttliche Element begriffen, aus welchem das Grünen oder Paradies entstehet, für die siebente Gestalt als wieder für die Mutter aller Gestalten, die allen Gestalten Wesen, Kraft und Sanftmut gibt, dass ein ewig Leben und Wonne des Lebens ist. Denn die siebente Gestalt hält in sich selber inne die engelische Welt, sowohl das Paradies oder rechte Himmelreich, darin das Wesen der Gottheit offenbar ist, und alles, was die Lichtwelt beschließt, wie wir solches an anderen Orten ausgeführt haben. 9. Kapitel - Weitere und mehrere Umstände dieser dritten Citation Also, ihr Menschenkinder, seid all hier sehend und nicht blind. Merkts doch, was euch geoffenbart ist. Es geschieht nicht vergebens. Es ist was dahinter, schlafet nicht, es ist Zeit. Sehet doch, was das Wesen aller Wesen ist. Diese Welt ist aus dem Ewigen ausgeboren. Das Centrum der Natur ist von Ewigkeit je gewesen. Es ist aber nicht offenbar gewesen. Mit dieser Welt und mit des Teufels Grimm ist’s ins Wesen kommen. Verstehst doch nur, was der Teufel ist. Er ist ein Geist seiner Legionen aus dem Centro der Natur, als er in göttliche Wesenheit geschaffen ward, sollte aber im Feuer probieret werden und seine Imagination in die Liebe setzen. So setzte er sie ins Centrum der Grimmigkeit zurück in die vierte Gestalt der Angst, und wollte im Feuer über Gottes Sanftmut herrschen als ein Feind der Freudenreich, und verachtete die Liebe, weil er sah, dass das Feuer Stärke und Macht gab. Darum ward er aus dem Feuer Gottes in die Angst und Finsternis gestoßen, ins Centrum der vier Gestalten. Er hat nicht mehr vom Feuer als den erschrecklichen Blitz. Das ist sein recht Leben. Aber der Wille Gottes, der sich sonst in Engeln und Menschen nach dem Leben sehnet, der dem Leben zu Hilfe kommt mit der Freiheit als der Sanftmut, hat ihn verlassen. Also mag er das Licht in Ewigkeit nicht erreichen. Er kann auch keine Imagination danach schöpfen, denn Gottes Willengeist quälet ihn in der Angstkammer in den ersten vier Gestalten der Natur. Die fünfte kann er nicht erreichen. Und ob er wohl alle Gestalten der Natur hat, ist es doch alles feindlich und widerwärtig, denn der Hl. Geist hat ihn verlassen, und ist nun der Zorn oder Grimmenqual in ihm. Gott, der alles ist, hat seinen Grimm oder das Centrum des Urstandes in ihm eröffnet, dass es auch kreatürlich ist, denn es hat sich auch gesehen zu offenbaren. Und als sich Gott einmal zur Schöpfung der Engel beweget hat, so ist alles offenbar worden, was von Ewigkeit in den Wundern der Weisheit im Centro verborgen gestanden, beides in Liebe und Zorn. Weil wir nun solches wissen, was wir sind und dass es uns Gott lässt wissen, so mögen wir nur zusehen und was Gutes aus uns gebären, denn wir haben das Centrum naturae in uns. Machen wir einen Engel aus uns, so sind wir das. Machen wir einen Teufel aus uns, so sind wir das auch. Wir sind all hier im Machen in der Schöpfung, wir stehen im Acker. Gottes Wille in der Liebe stehet im Centro des Lebens gegen uns. Gott ist Mensch worden und will uns haben. So will uns sein Zorn ins Reich des Grimmes auch haben. Der Teufel will uns auch in seine Gesellschaft haben, und Gottes Engel auch in ihre. Wo wir nun hinwerben, da hinein gehen wir. Setzen wir unsere Imagination ins Licht Gottes und gehen mit Ernst hinein, so kommen wir hinein und werden noch mit Ernst hineingezogen. Wollen wir dann unsern Willen in dieser Welt Herrlichkeit setzen und das Ewige lassen fahren, so haben wir auch zu hoffen, dass wir mit dieser Welt Grimm werden müssen ins erste Mysterium eingehen. Werden wir alsdann nicht göttliche Imagination als Glauben in uns haben, so wird uns die göttliche Liebe verlassen und uns nicht zu ihrer Tür einlassen. Fürwahr zersprenget nicht Gott, wir kommen in Not. Bringest du nicht Gottes Geist mit, du erlangest den nimmermehr. Darum ist es gut, all hier in diesem Leben auswachsen. Christus ist unser Acker worden. Wir können's ohne gar ängstliche Not erreichen. Es ist nur um das zutun, dass wir den Willen zerbrechen. Das tut wehe, denn Adam will nicht, so will der Zorn und der Teufel auch nicht. Siehe, Mensch, du bist dein Selbstfeind. Was du für Freund hältst, das ist dein Feind. Und willst du selig werden und Gott schauen, so musst du deines besten Freundes ärgster Feind werden, als des äußern Lebens. Nicht dass du es zerbrechest, sondern seinen Willen. Du musst tun, was du nicht willst. Du musst dein Feind werden oder du kannst nicht Gott schauen. Denn den du jetzt für deinen Freund hältst, der ist aus der Angstkammer ausgegangen und hat noch das Angst in sich. Er hat des Zorns Qualls und des Teufels Sucht in sich. Du musst einen Willen in Gott schöpfen und mit demselben in Gott aus der Bosheit eingehen, so wirst du ins Feuer Gottes eingeführt werden. Verstehe: der Willengeist, der wird deine Seele anzünden. Alsdann greif nach dem Leben und Geist Christi, so wirst du ihn empfahen. Der wird dich neugebären mit einem neuen Willen, der dir bleiben wird. Derselbe ist die Blume deiner Seelen, darinnen das neue Kind stehet im Bildnis Gottes. Demselben gibt Gott Christi Fleisch und Blut zu genießen, und nicht dem Adamsesel, wie Babel wunderlich rumpelt, als sollte der Gottlose Christi Leib teilhaftig werden. O nein, der empfängt die vier Elemente, und darinnen den Zorn Gottes, darum dass er nicht unterscheidet den Leib des Herrn, der im Himmel gegenwärtig ist und von der Seele genossen wird, welche den Himmel erreichet. Nicht als ein Zeichen, als die andere Phantasie rumpelt, nicht Geist ohne Wesen, sondern das Wesen des Geistes mit, mit Gottes Weisheit umschlossen, Christi Fleisch, das die Lichtwelt an allen Enden erfüllet, das das Wort, das Mensch ward, mit in Maria brachte. Dieselbe Wesenheit, ob sie gleich in Maria eröffnet ward in ihrem Fleisch und Blute und menschliche Essenz in sich nahm, war gleichwohl dieselbe Zeit, weil Christus in Marien Leibe lag, im Himmel, im Element, an allen Orten. Sie fuhr nicht über viel Meilen irgend von einem Orte in Mariam, nein, sondern das eingeschlossene Centrum, das Adam hatte im Zorn Gottes in Tod geschlossen, das Schloss das Wort der Gottheit auf und führte göttliche Wesenheit in das jungfräuliche in Tod geschlossene Centrum ein. In dem Leibe Marias geschah das, im Ziel des Bundes, nicht abwesend, auch nicht einfahrend, sondern aufschließend, hineingebärend und in diese Welt ausgebärend, Gott und Mensch, eine Person, himmlische und in Tod eingeschlossene Wesenheit und Jungfrauschaft, eine Wesenheit, ein Mensch im Himmel und in dieser Welt. Und solche müssen wir auch sein, denn das Wort das Mensch ward, ist in der Seelen rege geworden und stehet im Lebensschall in allen Seelen. Er zeugt alle Seelen, und der Zorn zeugt auch alle Seelen. Nun gehe, wo du hin willst, du hast nun das Centrum der Gottheit in dir im Schalle und rege, und auch das Centrum des Grimmes, in welches du gehest und das erweckest, darinnen stehet dein Leben. Tue, was dir liebet, du bist frei und Gott läßt dich es wissen. Er rufet dir, kommst du, so wirst du sein Kind. Gehest du dann in Zorn, so wirst du auch aufgenommen. 10. Kapitel - Vom Ebenbilde Gottes des Menschen als von der Gleichheit Gottes und des Menschen Unsere Wesenheit oder neuen Leib können wir in dieser Welt nicht schauen, solange wir in dem irdischen Leben sind. Der äußere Mensch kennet den nicht, allein der Geist, so aus dem neuen Menschen erboren wird und ausgehet, der kennet seinen Leib. Weil wir aber gleichwohl dessen Erkenntnis haben und wissen wollen, ob wir in der neuen Geburt sind, so ist keine bessere Probe als am Gleichnis Gottes, das wir verstehen als das Begehren, Sinn und das Gemüte. Diese drei Dinge halten inne des Geistes Centrum, aus welchem der starke Wille aus-geboren wird, in welchem das rechte wahre Gleichnis und das Bild Gottes mit Fleisch und Blut stehet, welches der äußere Mensch nicht kennet. Denn dasselbe Bild ist nicht in dieser Welt, es hat ein andre Principium als in der engelischen Welt, und stehet diese Zeit dieses Leben im Mysterium in der Verborgenheit als das Gold im Steine, da das Gold eine andere Tinktur hat, andere Essenz, andern Glanz und Schein, und es mag die Grobheit des Steines nicht ergreifen. Das Gold begreift auch nicht die Grobheit. Und die Grobheit als Angst Centrum ist doch eine Ursache des Goldes, denn sie ist Mutter und die Sonne Vater. Also ist auch unser alter Adam und Leib eine Ursache des neuen Leibes, denn er ist die Mutter. Aus der alten Wesenheit urständet der neue Leib, und Gottes Geist in Christo ist Vater, wie die Sonne des Goldes, also auch Gottes Herz des neuen Menschen. Nun aber kennen wir den neuen Menschen nicht besser als im Centro, nämlich im Begehren, Sinn und Gemüte. Wenn wir uns befinden, dass unser Begehren gänzlich nach und zu Gott stehet, unsere Sinnen stets in Gottes Willen laufen und das Gemüte sich gänzlich in Gehorsam Gottes Willen einer gibt, dass die Imagination von Gottes Kraft fängt, so mögen wir gewiss wissen, dass der edle Lilienzweig in der Gleichheit ist Mensch worden. Da ist es hoch not zu verwahren das edle Bild und dem alten Adam mit seinen Lüsten nicht Raum zu lassen, sondern immer zu töten, dass der neue Mensch wachse, groß und mit den Wundern der Weisheit geziert werde. Nun fraget aber die Vernunft: Wie ist denn Gottes Gleichheit? - Siehe, Gott ist ein Geist, und das Gemüte mit den Sinnen und Begierden ist auch Geist. Das Gemüt ist das Rad der Natur. Die Begierde ist das Centrum als das erste Wesen zur Natur. Und die Sinnen sind die Essentien, denn aus den Essentien gehen die Sinnen. Sie sind und haben ihren Urstand aus dem Stachel der Begierlichkeit als aus der Herbigkeit, denn sie sind die Bitterkeit und laufen immer ins Gemüte als ins Angstrad, und suchen Ruhe, ob sie möchten die Freiheit Gottes erlangen. Sie sind’s, die in dem Angstrade als im Gemüte das Feuer aufschlagen und in der Entzündung im Schrecke sich willig in den Tod einergeben, und versinken also durch Feuersqual in die Freiheit als in Gottes Arm. Sie gehen in der Freiheit aus als ein Leben aus dem Tode. Sie sind die Wurzel des neuen Geschmacks, welche in Gottes Weisheit und Wunder eindringen. Sie bringen die Begierde aus der Angst des Todes. Sie erfüllen ihre Mutter das Gemüte und geben ihre Kraft von Gottes Essenz. Also ist das Gemüte das Rad oder die rechte Kammer des Lebens als der Seelen eigen Haus, welches sie ein Teil selbst ist, so die Wesenheit - verstehe: der Tinktur Wesenheit - dazu gerechnet ist als das Feuerleben. Denn aus dem Feuerleben entstehet das Gemüte. Und das Feuerleben wohnet im Gemüte, aber das Gemüte ist edler als das Feuer, denn es ist die Beweglichkeit des Feuerlebens. Es machet den Verstand. Die Sinnen sind des Gemütes Knechte und sind die subtilsten Boten. Sie gehen in Gott und wieder aus Gott oder in Not als in Falschheit. Das bringen sie dem Gemüte heim. So muss das edle Gemüte oft über der Bosheit her sein. Und die ersticken in ihrer Angst, wenn die Sinnen haben falsche Imagination in die Begierde eingeladen. Also verstehet endlich in dem Wege: Gott ist selber alles in allem. Aber er gehet aus dem Grimme aus und findet die Licht- und Kraftwelt in sich selber. Er machet sie selber, dass also der Grimm mit allen Gestalten nur eine Ursache des Lebens und sich selber in großen Wundern zu finden sei. Er ist der Grund und Ungrund, die Freiheit und auch die Natur in Licht und Finsternis. Und der Mensch ist’s auch alles, so er sich nur also selber suchet und findet als Gott. Unser ganzes Schreiben und Lehren langet nur dahin, wie wir uns müssen selber suchen, machen und endlich finden, wie wir müssen gebären, dass wir ein Geist mit Gott sind, dass Gott in uns sei und wir in Gott, dass Gottes Liebegeist in uns sei das Wollen und auch das Tun, und dass wir der Angstqual entrinnen, dass wir uns in das wahre Gleichnis in drei Welten einführen, da eine jede in ihrer Ordnung steht, und dass die Lichtwelt in uns der Herr sei, als die das Regiment führe, dass also die Angstwelt in der Lichtwelt verborgen bleibe als in Gott auch und nur also eine Ursache des Lebens und der Wunder Gottes sei. Sonst wo wir die Lichtwelt nicht erreichen, so ist die Angstwelt in uns das Oberregiment. So leben wir ewig in feindlicher Qual. Dieser Streit währet, solange das irdische Leben währet. Hernach gehet es ins ewige Äther im Licht oder Finsternis ein. Davon ist kein Erretten mehr, und davor warnet uns Gottes Geist und lehret uns den rechten Weg. Amen. Beschluss Also, gottliebender Leser, wisse, dass ein Mensch das wahre Gleichnis Gottes ist, welches Gott hoch liebet und sich in diesem Gleichnis offenbaret als in seinem eigenen Wesen. Gott ist im Menschen das Mittel, das Mittlerste, aber er wohnet nur in sich selber, es sei denn, dass des Menschen Geist ein Geist mit ihm werde, so offenbaret er sich in der Menschheit als im Gemüte, Sinnen und Begehren, dass ihn das Gemüte fühlet, sonst ist er uns in dieser Welt viel zu subtil zu schauen. Allein die Sinnen schauen Gott im Geiste, verstehe: im Willengeiste, denn der Wille schicket die Sinnen in Gott, und Gott ergibt sich den Sinnen ein und wird ein Wesen mit den Sinnen. Alsdann bringen die Sinnen die Kraft Gottes dem Willen, und der Wille nimmt sie mit Freuden an, aber mit Zittern, denn er erkennet sich unwürdig, dieweil er aus einer rauen Herberge herkommt als aus dem wankelhaftigen Gemüte. Darum nimmt er die Kraft im Niedersinken vor Gott an. Also wird aus seinem Triumpf eine sanfte Demut. Das ist Gottes wahres Wesen, und fasset dasselbe Wesen. Und dasselbe gefasste Wesen ist im Willen der himmlische Leib und heißet der wahre und rechte Glaube, den der Wille in Gottes Kraft genommen hat. Der senket sich ins Gemüt und wohnet im Feuer der Seelen. Also ist das Bild Gottes ganz, und sieht oder findet sich Gott in einem solchen Gleichnis. Und wir sollen gar nicht von Gott denken, dass er ein fremdes Wesen sei. Den Gottlosen ist er ein fremdes Wesen, denn der Gottlose ergreift ihn nicht. Gott ist wohl in ihm, aber nach seinem Liebe-Licht nicht offenbar in des Gottlosen Willen und Gemüte. Es ist nur sein Grimm in ihm offenbar. Das Licht mag er nicht erreichen. Es ist in ihm, aber es ist ihm nichts nütze. Seine Essenz fähet das nicht. Er scheut sich davor, und ist nur seine Marter und Qual. Er feindet das nur an, wie der Teufel die Sonne anfeindet und auch das Licht Gottes. Er wäre noch, besser zufrieden, wenn er in der Finsternis ewig sein könnte und wüsste, dass Gott ferne von ihm wäre. So empfände er keine Schande und Spott in sich. So er aber weiß, dass ihm Gott also nahe ist und er kann ihn doch nicht ergreifen, so ist das seine große Plage, dass er sich selber feindet und machet ihm einen ewigen Widerwillen, Angst und Verzweiflung, dass er weiß, dass er Gottes Huld und Antlitz nicht ergreifen mag. Seine eigene Falschheit plaget ihn. Er kann aber keinen Trost schöpfen, dass er möchte zu Gnaden kommen. Denn er berühret Gott nicht, sondern nur das Centrum in der Angst im Grimme. Er bleibet im Tode und in der sterbenden Qual. Er mag nicht durchbrechen, denn es kommt ihm nichts zu Hilfe, daran er sich könnte halten, das er könnte in Gottes Reich gründen. Wenn er gleich tausend Jahr in den Abgrund in die Tiefe führe, so ist er doch in der Finsternis außer Gott, und Gott ist doch in ihm und hilft ihm doch nichts. Er kennet ihn auch nicht, allein er weiß ihn und fühlet nur seinen Grimm. Das verstehet also: Wie ein Feuer in einem Steine ist und der Stein kennet das nicht, er fühlet es nicht, alleine die grimmige Ursache zum Feuer, das den herben Stein in einem Körper gefangen hält, fühlet er. Also fühlet auch der Teufel nur die Ursache des Lichtes. Dieselbe Ursache ist das grimme Centrum und hält ihn gefangen, und dem ist er gram, hat auch sonst nichts, das besser wäre. Also ist er nichts als eine giftige grimmige Bosheit, eine sterbliche Qual, ist doch kein Sterben, sondern ein verschmachtetes Gift, ein Hunger und Durst, aber keine Labung. Alles was böse, neidig, herbe und bitter ist, was von der Demut ausfleucht, wie er getan hat, das ist seine Stärke und seine feindselige Begierde, was Gott anfeindet und vor Gott fleucht oder fluchet, das ist ihm dienstlich. Was die Wahrheit in Lügen kehret, das ist sein Wille, darauf er reitet und darinnen er gerne wohnet. Also ist auch der gottlose Mensch; wenn er Gott verlieret, so ist er in der Angst und hat des Teufels Willen. Aber das wisset: Gott hat in der menschlichen Seele des Todes Herbigkeit zerbrochen und ist ins Ziel eingegangen, da der Tod zersprenget wird. Er hat das Ziel im Centro der Seelen zersprenget und sein Licht gegen des Menschen Lebenslicht gesetzt. Will er umkehren und in Gottes Licht eingehen, er wird angenommen. Es ist keine Wahl über ihn geschlossen. Aber wenn er das Sonnenleben verlieret und hat auch nichts von Gottes Leben, so ist es aus mit ihm, so ist und bleibet er ein Teufel. Aber Gott kennet die Seinen. Er weiß, welche sich werden zu ihm wenden. Über dieselben gehet die Wahl, davon die Schrift saget. Und über dieselben, die nicht wollen, gehet die Verstockung oder Entziehung des Lichtes. Hat doch der Mensch beide Centra in sich. So er denn also nur will ein Teufel sein, soll denn Gott die Perlen auf den Weg des Teufels werfen, soll er seinen in den gottlosen Willen gießen? Ja, aus des Menschen Willen muss Gottes Geist geboren werden. Er muss selber Gott werden im Willengeiste oder er erlanget nicht göttliche Wesenheit als die Weisheit. Darum besinnet euch, lieben Kinder, und gehet zur rechten Tür ein: Es heißet nicht allein vergeben, sondern geboren werden. Alsdann ist es vergeben, das ist: die Sünde ist alsdann eine Hülse. Der neue Mensch wächst heraus und wirft die Hülse weg, das heißet Gottes Vergebung. Gott vergibt das Böse vom neuen Menschen weg. Er gibt’s von ihm weg. Nicht wird’s aus dem Körper weggeführt, sondern die Sünde wird ins Centrum geben als zum Feuerholze und muss also eine Ursache des Feuer-Principii sein, daraus das Licht scheinet. Es muss dem heiligen Menschen zum besten dienen, wie Paulus saget: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum besten dienen, auch die Sünden (Röm. 8,28). Was sagen wir dann: Sollen wir sündigen, auf dass unser Heil erboren werden? Das sei ferne! Wie sollte ich in das wieder wollen eingehen, dem ich abgestorben bin? Sollte ich aus dem Lichte wieder in die Finsternis gehen? Aber also muss es sein, dass die Heiligen Gottes nichts verlieren, so muss es ihnen alles dienen. Was den Sündern ein Stachel zum Tode ist, das ist den Heiligen eine Macht zum Leben. So spricht die äußere Vernunft: So muss ich ja sündigen, dass mein Heil groß werde. - Wir wissen aber, wer aus dem Lichte ausgehet, der gehet in die Finsternis. Der sehe eben zu, dass er nicht in der Finsternis bleibe, denn er sündiget vorsätzlich wider den Hl. Geist. Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Aus seiner Liebe sind wir nach unserm Fall wieder gerecht worden durch seine Eingehung in unser Fleisch. Wer aber vorsätzlich in die Sünde eingehet, der verachtet und schmähet die Menschwerdung Christi und nimmt ein Schweres in sich. Er mag wohl zusehen, er wird schwerer wieder können aus der vorsätzlichen Sünde ausgehen als einer, dem der Weg Gottes noch nicht ist offenbaret worden. Darum ist es gut, meiden und vor dem Übel fliehen, seine Augen vom Falschen abwenden, dass die Sinnen nicht in das Falsche eingehen, und bringen solches hernach dem Herzen, davon die Lust entstehet, dass die Begierde imaginieret, und führet es ins Gemüte, davon das edle Bildnis zerstöret und vor Gott ein Gräuel wird. Wollen wir den gottliebenden Leser und Hörer treulich aus unserer Gabe und tiefen Erkenntnis gewarnt haben, und haben euch den Weg der Wahrheit und des Lichtes ganz ernstlich und treulich dargestellt, und vermahnen euch alle christlich, dem nachzusinnen und fleißig zu lesen. Es hat seine Frucht in sich. Halleluja, Amen!