6. Tag

      Am Morgends nach, nachdem einer den andern erwecket, saßen wir ein weil zusammen, uns zu ersprachen, was doch darauß werden wurde: Dann etliche hielten dafür, sie wurden alle miteinander wider lebendig.

Etliche widersprachens: Denn es musten der Alten undergang den Jungen nit allein das Leben, sonder auch die Vermehrung widergeben.

Etliche meineten, sie weren nit ertödtet, sondern andere an ihr Stat enthauptet worden.

Wie wir nuhn uns zimlich lang mit einander besprachet: Kompt der alte Mann daher, grüst uns und besihet, ob alle sachen ferttig und den Processen gnug geschehen: da wir uns dann dermaßen verhalten, daß er unsern fleiß hatt müssen passieren lassen, rüstet deßwegen alle Gläser zusammen und stellet sie in ein Futter.

Bald kommen etliche Jungen, die bringen mit sich etliche Leitern, Seyler und grosse Flügel, die legten sie vor uns nider, und giengen darvon: Der Alte fieng an: Ihr liebe Söhn, dieser dreyen stuck eines muß jeder diesen Tag bey sich stettigs tragen, so steht es euch nun frey, wolt ihr eins erwälen, oder soll man darumb losen: wir sprachen, wir wolten wälen.

Nein antwortet der Alte, es muß durchs Loß sein.

Hiemit machet er drey Brieflin, auff daß ein schrieb er Leyter, auff das ander Seyl, auff das dritt Flügel.

Die legt er in ein Hut, und muste jeder ziehen, was ihm wurde, daß blieb ihm.

Die Seyl uberkamen, meineten sie wären am besten daran, mir aber wurde ein Leyter, welches mich hefftig betrübet, dann sie war zwölff Shuch lang und zimlich schwer, die muste ich auff mich nemen, die andern kundten ihre Seyl geschmeidig umb sich wicklen, so machte der Alte den dritten die Flügel so artlich hinan, als ob sie ihnen da gewachsen wären.

Hiemit zog er einen Hahnen für, da lieff der Brunn nimmer, und musten wir ihn auß den mitteln hinweg raumen.

Nach dem auch alles außgetragen worden, nam er daß Kästlein mit den Gläsern mit sich, nam Urlaub und beschloß die Thür hinder ihm starck zu, daß wir also nit anderst meineten, dann wir wären in diesem Thurn gefangen.

Aber es stundt kein viertel stundt an, da wurde zu obrist ein rund Loch auffgedeckt, da ersahen wir unsere Jungfraw, die rieff uns zu, gab uns ein guten Tag, mit begehren, wir wolten hinauff kommen.

Die mit den Flügeln waren geschwind durch das Loch hinauff, so sahen wir andere auch wozu unser Leytern gut wären.

Allein die mit ihren Seylen waren ubel daran.

Dann so bald unser einer heroben war, wurd ihm befohlen, die Leyter an sich zu ziehen.

Entlich wurde jedem sein Seyl an einen eysenen Hacken gehencket, da muste jeder am Seyl selbsten herauffkletern, so gut er kundt, welches warlich ohne Blattern nit zugieng.

Wie wir nuhn also alle heroben, wurde das Loch wider zugedeckt, und wir von der Jungfrawen freündtlich empfangen.

Dieser Saal war so groß als der Thurn, hatte Sechs schöner Zellen, ein wenig höher als der Saal, dahin muste man durch drey Staflen hinauff steigen.

In diese Zellen wurden wir außgetheilt. daselbsten für das Leben der König und Königin zu bitten.

Dieweil gieng die Jungfraw in dem Thürlein a auß und ein, biß wir fertig wurden.

Dann so bald wir unsere Proceß absolvieret, wurde durch das kleine Thürlein von zwölff Personen (so zuvor unsere Musicanten waren) ein wunderlich langlecht ding in die mitten gestelt. welches meine gesellen nur für einen Brunnen hielten: Ich aber mercket wol, daß die Leichnam darinnen lagen.

Dann es war der under Kast ein Oval figur, groß das sechs Personen auff einander wol ligen kundten.

Hierauff giengen sie wider hinauß, holeten ihre Instrumenta, und begleiteten unser Jungfraw, samt ihren Dienerin mit lieblicher Music herein.

Die Jungfraw trug ein klein Kästlin, die andere aber lauter Zweig, und kleine Ampelen, etliche auch angezündt Facklen: Alsbald wurden uns die Facklen in die Händ gegeben, und musten wir dero gestalt umb den Brunnen herumb stehen.

Erstlich stund die Jungfraw A mit ihren Dirnen im ring herumb mit den Amplen, und Zweigen c. Darnach stunden wir mit den Facklen b. Darnach die Musicanten a. auch in der lenge hinab, entlich die andere Jungfrawen d. auch in der lenge.

Wa nuhn solche Jungfrawen herkamen, oder ob sie im Thurn gewohnet, oder ob sie bey Nacht dahin geführet worden, weiß ich nit, dann ihre Angesichter waren alle mit weissem zartem Tuch bedeckt, daß ich keine kante.

Hiemit öffnet die Jungfraw das Trüchlin, da war es ein rund ding, in ein grün Doppeltaffet eingewicklet, diß leget sie in das obere Kesselin und decket es wider mit einem Deckel zu, so voller löchlin war, und doch einen Ranfft hatte, darauff goß sie etliche der Wasser hinein, so wir gestern praepariert hatten, davon der Brunn alsbald anfieng zu lauffen, und doch vier Röhrlein wider in das Kesselin trieben, unter dem unteren Kessel aber hatte es viel spitz, dahin steckten die Jungfrawen ihre Ampeln, daß also die hitz an den Kessel kam und das Wasser siedent macht.

So nuhn daß Wasser wallet, hatte es bey a viel Löchlin, davon es hinein auff die Leichnam fiele, und war es so hitzig, daß es allen Leichnam solvieret, und zum liquor machet.

Was aber das obere runde eingewickelte ding sey gewesen, wissen meine Gesellen noch nit.

Ich aber verstund, daß es deß Mohren Kopff were, von dem die Wasser solche grosse hitz empfiengen.

Bey b umb den grossen Kessel herumb hatte es abermal viel löcher, darein steckten sie ihre Zweigen, ob nun solches vonnöten, oder nur zur Ceremoni geschehen, weiß ich nit, gleichwol sein solche Zweig immer von dem Brunnen besprützt worden, von dannen es hernach etwas gelblicher in den Kessel getropffnet: Diß weret nun fast uff zwo stund, daß der Brunn von ihm selber noch immerdar lieff, jedoch wurde er je lenger je schwecher: Hiezwischen tratten die Musicanten ab, und spatzierten wir in dem Saal hin und wider, und zwar war der Saal dermassen beschaffen, daß wir gelegenheit genug hatten, uns dieweil zuvertreiben, da war an Bildern, Gemählen, Urwercken, Orgeln, Springende Brünnlein und dergleichen nichts vergessen: Nun war es auch an dem, daß der Brunn sein end nam und wolt nimmer lauffen: Deßwegen hieß die Jungfraw ein runde Guldine Kugel bringen.

Zu underst aber deß Brunnens war ein Zapff: Durch den ließ sie alle Materi, so sich durch solch hitzig tropffen solviert, inn die Kugel, dessen dann etlich maß waren, sehr Roht: Daß ander Wasser, so obrist noch in dem Kessel blieb, schüttet man auß.

Und wurde also dieser Brunn (der nun umb viel leichter worden) wider hinauß getragen.

Ob nun solcher draußen eröffnet worden, oder ob etwas weiters von Leichnamen nutzlichs geblieben, darff ich nit eigentlich sagen, daß weiß ich aber, daß das Wasser, so in die Kugel empfangen worden, viel schwerer gewesen, dann das sie unser Sechs oder noch mehr hätten können ertragen: Wiewol sie der grösse nach einem Mann nit hätte sollen zu schwer sein.

Wie nuhn auch diese Kugel mit Mühe zur Thüren hinauß kommen: Sassen wir abermal alleine.

Weil ich aber nuhn mercket, daß man ob uns gienge, sahe ich mich nach meiner Leyter umb, hie hätte einer wunderliche opinionen meiner Gesellen uber diesen Brunnen gesehen.

Dann weil sie nit anderst meineten, dann die Leichnam legen im Schloßgarten, wusten sie sich in solch laborieren nicht zu richten.

Ich aber dancket Gott, daß ich zu so gelegener zeit gewachet und gesehen, welches mir in allem der Jungfrawen thun besser zuhalffe.

Nach einer viertel stund ward aber der Deckel oben abgehebt, und uns befohlen hinauff zukommen, daß geschah wie zuvor mit Flügeln, Leytern und Seylen.

Und verdroß mich nit wenig, da die Jungfrawen einen andern Weg kondten hinauff kommen, wir uns so bemühen musten, kondte doch wol erachten, es wäre hiemit etwas besonders, und musten wir dem alten Mann auch etwas zuthun lassen.

Dann auch jenen ihre Flügel nichts nutzten: dann wann sie solten durchs Loch hinauff kommen.

Wie wir nun auch das uberstanden und das Loch beschlossen worden, sahe ich die Kugel mitten in dem Saal an einer starcken Kettin hangen: In diesem Saal war nichts dann lauter Fenster und allweg zwischen zweyen Fenstern eine Türe.

Diese bedeckt anders nichts dann ein grossen polierten Spiegel.

Und waren diese Fenster und Spiegel so opticè gegen einander gericht, daß ob wol die Sonne (so dazumal uber die maß hell schiene) nur ein Thüre traff.

War doch (nach dem die Fenster gegen der Sonnen geöffnet, und die Thüren vor den Spiegeln auffgezogen worden) in dem gantzen Saal an allen ortten nichts dann Sonnen, die traffen durch künstliche Refraction alle die Guldene Kugel, so in der mitten hieng, und weil dieselbe ohne das hell poliert war, gab sie ein solchen glantz, daß unser keiner die Augen kundt auffthun.

Musten deßwegen zum Fenstern außschawen, biß die Kugel wol erhitzet und zu begertem effect gebracht würde.

Hie darf ich wol sagen, ich hab an diesen spiegeln das wunderbarlichst auß sehen gesehen, so jemaln die Natur ans Liecht gebracht, dann es waren in allen Ortten Sonnen, so schein die Kugel in der mitten noch heller, daß wir sie so wol als die Sonn selbsten kein augenblick erleiden kundten.

Entlich hieß die Jungfraw die Spiegel wieder zubeschliessen, die Fenster fürzumachen, und also die Kugel wider ein wenig erküelen zulassen, und diß geschah umb sieben Uhr.

Dauchte uns deßwegen gut, weil wir jetzmals Vacantz haben konten, uns mit dem Frühstuck ein wenig zuerlaben.

Diese Tractation war abermal recht philosophisch, und hatten wir uns keiner nötigung zur unmessigkeit zubefahren, doch hatten wir keinen mangel.

So machte uns die Hoffnung künfftiger Frewd (deren uns die Jungfraw stettigs vertröstet) so lustig, daß wir keiner arbeit oder ungelegenheit achteten.

So kan ich auch meinen Gesellen so hohes stands diß mit Warheit nach sagen, daß sie sich nach ihrer Kuchin oder Tafel niemahlen gesinneten, sondern ihr wolgef allen war allein solcher Abentheürlichen Physic bey zuwohnen, und hier ausser deß Schöpffers Weißheit und Allmacht zu bedencken.

Nach eingenommenem Imbiß rüsteten wir uns wider zur arbeit, dann die Kugel war gnugsam erkület.

Die musten wir mit mühe und arbeit von der Kettin auff den Boden heben.

Nun war die disputation, wie wir die Kugel möchten von einander bringen, dann uns war befohlen, selbige mitten von einander zuscheiden.

Entlich muste ein spitziger Demant das best thun.

Wie wir nun die Kugel also eröffnet, war nichts rohts mehr vorhanden, sondern ein schön grosses schneeweises Ey: Daß frewet uns zum höchsten, daß es so wol gerahten.

Dann die Jungfraw besorget immer, die Schalen wurde villeicht noch zu weich sein.

Wir stunden umb diß Ey herumber mit frewden, als ob wirs selbst gelegt hetten.

Aber die Jungfraw ließ es bald hinauß tragen, wich auch selbsten wider von uns und beschloß die Thür, wie allwegen, zu.

Was sie aber darauß mit dem Ey gemacht, oder ob etwas heimlichs mit ihm fürgenommen worden, weiß ich nit, glaub es auch nit.

Doch musten wir abermal ein viertel stund bey einander Pausieren, biß das dritte loch eröffnet wurde, und wir auff den vierdten Stock oder Boden durch unsere Adjumenten kamen.

In diesem Saal funden wir einen grossen kupfferin Kessel, mit gelbem Sand gefüllet, der wurde mit einem schlechten Fewrlin erwärmet, nachmalen daß Ey darein verscharret, daß es darinnen vollends maturierte: Dieser Kessel war viereckend, Auff der einen seiten stunden diese zween verß mit grossen Buchstaben geschrieben:

O. BLI. TO. BIT. MI. LI.
KANT. 1. VOLT. BIT. TO. GOLT.

Auff der andern Seiten wahren diese drey Wörtter.

SANITAS. NIX. HASTA.

Die Dritte hatt mehr nit alß diß einig Wort.

F.I.A.T.

Aber zu hinderst stund ein gantze Inscription, Also lauttendt:

QUOD
Ignis : Aer : Aqua : Terra
SANCTIS REGUM ET REGINARUM NOSTR:
Cineribus.
Eripere non potuerunt.
Fidelis Chymicorum Turba
IN HANC URNAM
Contulit,
Anno.

Ob nun hierdurch der Sand oder das Ey gemeinet, gib ich Gelehrten Leuten zu disputieren.

Ich thue das meinig, und lasse nichts unangezeigt.

Nuhn unser Ey war fertig, und wurde außgenommen.

Es bedorfft aber keines auffbickens, dann der Vogel so darinnen war, macht sich selbsten bald ledig, und erzeigt sich gantz frewdig, doch sahe er sehr blutig und ungestalt: Wir setzten ihn erstlich auff den warmen Sand, so befahle die Jungfraw, daß ehe im zuessen geben wurde, wir ihn zuvor wol anlegten, dann sonst wurde er uns allen gnug zu schaffen geben.

Diß geschahe nun auch.

Alsbald bracht man ihm zu essen, daß war gewiß anders nichts, dann der enthaupten Blut, mit praeparierten Wasser wieder diluiert.

Darvon wuchß der Vogel uns unter den Augen so sehr, daß wir wol sahen, warumb uns die Jungfraw vor ihm gewarnet.

Er bis und kratzet so feindtlich umb sich, daß da er hätte können einen seines gefallens haben, wurde er bald mit ihm fertig gewesen sein.

Nun war er gantz schwartz und wild, deßwegen wurde ihme andere Speise gebracht: villeicht eines anderen Königlichen Personen Blut, darvon fielen ihme alle seine schwartze Federn wider auß und wuchsen an stat andere schneeweisse Federn, so war er auch etwas zamers und ließ besser mit sich umbgehen, doch traweten wir ihm noch nit.

Von der dritten speise fiengen ihm an seine Federn gefarbet zu werden so schön, dz ich mein Lebtag von farben dergleichen nichts so schönes gesehen, so war er auch uber die Maß zam, und thet sich so freündtlich bey uns zu, daß wir auß bewilligung der Jungfrawen ihn der Gefencknuß erledigten.

Nuhn ists billich, fieng die Jungfraw an, daß weil durch ewern fleiß und unsers alten bewilligung dem Vogel sein Leben und höchste perfection gegeben, daß er von uns auch in frewden eyngeweyhet werde: Hiemit befahl sie, daß Mittagmal auffzutragen und uns wider zu erholen, weil nunmehr das sorglichst werck vorüber, und sich auch gebürte, unserer gehabten arbeit anfangen zu geniessen.

Wir fiengen uns an, unter einander selbsten lustig zumachen: Hatten doch noch alle unsere Trawrkleider an, welches uns zur Frewd etwas spöttlich bedauchte.

Nun fragt die Jungfraw immer und immer, villeicht zu erforschen, welchem unter uns ihr zukünfftig vorhaben möchte dienstlich sein: Am meisten aber wars ihr umbs schmeltzen zuthun, und gefiel ihr wol, wo einer in feinen Handgriffen versiert, welche einem Künstler sonderlich wol anstehen.

Diß Mittagessen wert lenger nit als drey viertel stund, daß wir doch mehrertheil mit unserm Vogel zubrachten, dem musten wir stettigs von seiner Speiß zu essen geben.

Er blieb aber jetzmals als bey seiner grösse.

Nach dem essen ließ man uns die Speiß nit lang concoquieren, sondern nach dem die Jungfraw sampt dem Vogel von uns geschieden, wurde uns der fünffte Saal eröffnet, dahin wir offt besagter weiß auch kommen und unsere dienst angebotten.

In diesem Saal war unserem Vogel ein Bad zubereitet, diß wurde mit einem weissen Pulverlin also geferbet, daß es ein ansehen hatte, als were es lauter Milch.

Nuhn ward es erstlich kühl, da man den Vogel hinein setzet, dessen er wol zu frieden war, tranck darauß und spielet kurtzweilig.

Nach dem es aber von Ampeln so darunter gesetzt wurden, anfieng zu erwarmen, hatten wir zuschaffen, ihn im Bad zu erhalten, decketen deßwegen ein Deckel uber den Kessel.

Und liessen ihm den Kopff durch ein Loch herauß ragen, biß er also in solchem Bad alle seine Federn verlohr, und so glat wurde als ein Mensch, noch schadet ihm die hitz weiter nichts: Welches mich schier wundert, dann es wurden auch in solchem Bad die Federn gantz verzehret, und von ihnen das Bad blaw geferbet.

Entlich liessen wir dem Vogel lufft, der sprang selbsten auß dem Kessel und war so glantzent glat, daß es ein lust zusehen war.

Weil er aber etwas wilds, musten wir ihm ein Band sampt einer Kettin umb den Halß legen und also in dem Saal auff und ab führen.

Hiezwischen wurde ein starck Fewr unter den Kessel gemacht, und daß Bad eingesotten, biß es gantz zu einem blawen Stein wurde, den namen wir herauß, stießen ihn erstlich, darnach musten wir ihn auff einem Stein anreiben, und entlich mit solcher Farb dem Vogel sein gantze Haut ubermahlen.

Da war er noch wunderlicher anzusehen, denn er war gantz blaw biß an den Kopff, der blieb weiß.

Hiemit war auch unser arbeit auff diesem Stock verrichtet, und wurden wir (nach dem die Jungfraw mit ihrem blawen Vogel von uns geschieden) auff den sechsten Stock durchs Loch gefordert: welches auch beschehen.

Da wurden wir höchlich bekümmert: Denn in die mitten wurde ein Altärlin gestellet, allerdings wie ich es oben in deß Königs Saal beschrieben.

Darauff stunden sechs ermelte stuck, und er selbs der Vogel war der Siebendt: Erstlich wurde ihm das kleine Brünnlein fürgestelt, darauß tranck er ein guten trunck.

Darnach bicket er in die weiße Schlange, biß sie hefftig blutet.

Diß Blut musten wir in ein Gudin Schalen empfangen und dem Vogel, der sich hefftig wegert, in den Halß hinab schütten, darauff steckten wir der Schlangen den Kopff in das Brünnlin, darvon wurde sie wider Lebendig, und kroch in ihren todten Kopff hinein, daß ich sie lang nimmer sahe.

Under deß beweget sich die Sphaera immer fort, biß sie die begerte Conjunction machet.

Alsbald schlug das Uhrlin eins: Hierauff geschahe aber ein Coniunction, da schlug das Glöcklin zwey.

Entlich wie die dritte conjunction von uns observiert, und vom Glöddin gemeldet wurde: Leget der arme Vogel seinen Kragen selbst Demütig auff das Buch dar, und last ihm den Kopff von unsern einem, so hierzu durchs Loß erwälet worden, gutwillig abschlagen: Doch gab er keinen tropffen Bluts, biß er an der Brust geöffnet wurde, da sprang das Blut so frisch und hell daher, als ob es ein Rubinen Brünnlin wer: Sein Todt gieng uns zu Hertzen, und kondten doch wol gedencken.

Es wurde uns mit einem blossen Vogel nit geholffen sein, liessens deßwegen geschehen: raumeten das Altärlein ab und halffen der Jungfrawen den Leib auff dem Altärlein mit Fewr (daß wurde von dem Liechtlein genommen) sampt dem beygehenckten Täfelin zu Aschen verbrennen.

Dieselbige nachmalen zu etlich malen reinigen und in ein hültzerin Cypreßin Lädlein fleißig auffbehalten.

Hie kan ich nit verschweigen, was mir sampt noch dreyen für ein Poß widerfahren, nach dem wir also die Aschen fleißig auffgehebt, fengt die Jungfraw also an zu reden.

Liebe Herren, wir seind hie in dem sechsten Saal und haben nit mehr als noch einen vor uns, damit sich unser mühe endet, und wir wider nach unserm Schloß zuerwecken unserer aller Gnädigste Herren und Frawen heimfahren werden.

Nuhn möchte ich gleichwol wünschen, daß ihr alle zumal, wie ihr hie bey einander seidt, euch hetten dermassen verhalten, daß ich euch könte bey höchstgedachten unseren König und Königin rum nachsagen und gebürende vergeltung erlangen hette mügen: weil aber ich unter euch diese vier (hiemit deütet sie auff mich und noch drey) als faule und träge laboranten wider meinen Willen erfunden.

Und sie doch nach meiner liebe gegen allen und jeden nit begere, zu wol verdienter Straf anzugeben: wolte ich doch, damit solcher Unfleiß nit gar ungestraft bleibe, diß gegen ihnen fürnemen, daß sie allein von künfftiger siebender und allerherrlichster Action außgeschlossen wurden, und es doch nachmalen bey Königlicher Majest. weiters nichts zu entgelten hätten.

Wie mir nun auff solche red zu mut gewesen, gib ich andern zubedencken, dann die Jungfraw kondte sich so ernstlich stellen, daß uns bald das Wasser uber die Körb lieff, und wir uns für die unseligste unter allen Menschen schetzeten.

Hierauf ließ die Jungfraw durch der Dirnen eine (deren dann immerdar viel zugegen warn) die Musicanten holen, die musten uns mit solchem Spott und hon für die Thür mit Zincken hinauß blasen, daß sie selbsten vor lachen kaum blasen konten, sonderlich aber verdroß uns sehr, daß die Jungfraw so sehr unsers weinens, Zorns und Ungedult lachete, so mügen auch wol unter unsern Gesellen gewesen sein, die uns solch unglück gönneten.

Aber es gieng anderst auß.

Dann so bald wir für die Thür hinauß kamen, hiessen uns die Musicanten frölich sein und ihnen den Schnecken hinauff nachfolgen, die führeten uns uber den siebenden Boden unter das Dach, da funden wir den alten Mann, den wir bißher nit gesehen, ob einem kleinen runden Oeffelein stehen.

Dieser empfieng uns freündtlich, gratuliert uns auch von Hertzen, daß wir hierzu von der Jungfraw erwält worden.

Nach dem er aber von uns unsern eingenommenen schrecken vernomen, wolt ihm vor lachen schier der bauch zuknellen, das wir uns ab solchem glück so ubel gehebt.

So lernet nun hierauß, sprach er, ihr liebe Söhn: Daß der Mensch nimmer weist, wie gut es Gott mit ihm meinet.

Unter solchem Gespräch kam auch die Jungfraw mit ihrem Schächtelein daher geloffen, welche nach dem sie unser gnug gelachet, leret sie ihr Aschen in ein ander Geschirr auß, füllet das ihrig mit anderer Materi wider, mit vermelden, sie muste jetzmals den andern Künstlern etwas blawes für die Augen machen, wir solten dieweil dem alten Herren folgen, was er uns befehlen wurde und an vorigem unsern fleiß nit nachlassen.

Hiemit scheidet sie von uns in den siebenden Saal, dahin sie unsere Gesellen erfordert, was sie nun da mit ihnen erstlich gemacht, kan ich nit wissen, dann es war ihnen nit allein zum höchsten auß zusagen verbotten, sondern auch wir dörfften geschäfften halben ihnen nit durch die Büne zusehen: Unser ar beit aber war diese: Die Aschen musten wir durch unser zuvor praepariert Wasser anfeüchten, daß sie gantz wie ein dünner Teig wurde.

Darnach setzten wir die Materi uber das Fewr, biß sie wol heiß wurde.

Von dannen gossen wir sie also heiß in zwey kleine Förmlin und Mödelin, und liessens also ein wenig erkülen.

(Hie hatten wir unsern Gesellen ein weil durch etliche gemachte Spält zuzusehen, die waren nun auch ob einem Offen geflissen, und muste jeder mit einem Rohr selbsten das Fewr auffblasen, stunden also herumb blasend, daß ihnen der Athem möchte außgangen sein, noch meineten sie wunder, wiewol sie für uns daran wären: Und diß blasen wäret so lang, biß uns unser Alter wieder zur Arbeit auffmahnet, daß ich also nit sagen kan, was hernacher beschehen.)

Wir eröffneten die Förmlin, da waren es zwey schöne helle und schier durch scheinende Bildlin, dergleichen Menschen Augen niemalen gesehen, ein Knäblin und Meydlin: Jedes nur vier zol lang und daß mich am höchsten wundert, waren sie nit hart, sondern weich und Fleischin, wie ein anderer Mensch, doch hatten sie kein Leben, daß ich also gäntzlich glaube, Fraw Venus Bilde werde auch auff solche Art gemachet worden sein.

Diese Engelschöne Kindlein legeten wir erstlich auff zwey Atlasin Küßelein und besahens ein gute weil, daß wir schier uber solchem zierlichen spectacul zu Lappen wurden.

Der Alte Herr wehret uns ab und befahl immer ein Tröpfflein nach dem andern, von deß Vogels Blut, so in das Guldin Schälein auffgefangen worden in der Bildlin Mund fallen zulassen, davon namen sie augenscheinlich zu, und da sie zuvor schon klein gewesen waren, sie jetzt der Proportz nach noch schöner, das billich alle Mahler hie hätten sollen sein, und sich ihrer Kunst gegen diesem Geschöpff der Natur geschämbt haben.

Nuhn fiengen sie an so groß zu werden, daß wir sie ab dem Küßelein heben, und auff einen langen Tisch, welcher mit weissem Samet bedecket worden, legen musten, so befahl uns auch der Alte, einen weissen zarten Doppeldaffet uber sie biß an die Brust zudecken, welches uns umb unaußsprechlicher schöne willen schier zu wider war, damit ichs aber kürtze, ehe wir daß Blut gar also verbraucht, waren sie schon in rechter erwachsener größe, hatten Goldgelbe krause Haar.

Und war das obgemeldte Venus Bild nichts gegen ihnen: Aber da war noch kein natürliche Wärmin oder Empfindligkeit, sonder Todte Bilder, doch Leblicher und Natürlicher Farb: und weil zubesorgen, sie wurden zu groß, wolte ihnen der Alte nichts mehr geben lassen, sonder decket ihnen mit dem Tuch vollends das Gesicht und ließ den Tisch rings umbher mit Fackeln bestecken.

(Hie muß ich den Leser warnen, daß er diese Liechter nit für notwendig achte, dann es war deß Alten Intent allein dahin, daß wir nit mercken solten, wann die Seel in sie fuhre, wie wirs dann auch nit gemerckt hetten, wa ich die Flammen nit zuvor zweymalen gesehen hätte, doch ließ ich die andere Drey auff dem Glauben bleiben, so wuste der Alte auch nit, daß ich etwas mehrers gesehen.) Hiemit hieß er uns auff einen Banck gegen dem Tisch uber niedersitzen.

Bald kommet auch die Jungfraw mit Music und allem Apparat.

Und trug zwey schöne weiße Kleyder, dergleichen ich im Schloß niemalen gesehen, auch nit beschreiben kan, dann ich meinet nit anders, denn es were lauter Christall.

Aber es war weich und nit durchscheinig.

Daß ich also darvon nir reden kan.

Die leget sie auff einen Tisch nider, und nach dem sie ihre Jungf. auff den Bäncken herumb geordnet, fangen sie und der Alte umb den Tisch herumb viel gauckelwercks an, welches uns nur zur blendung geschehen, diß geschahe wie gesagt, unter dem Dach, daß war so wunderlich formieret.

Dann gab es inwendig sieben halber gewölbter Kuglen, deren die mitten etwas höhers war, und hatte zu obrist ein klein rund loch, welches doch beschlossen gewesen, und von der anderen keinem observiert worden.

Nach vielen Ceremonien tretten sechs Jungfrawen hinein, deren jede trug ein große Posaun, die war mit grüner Liechtbrennender Materi als ein Krantz umbwicklet.

Deren eine empfieng der Alte, und nach dem er zu obrist etliche Liechter weg geraumbt, ihnen auch die Gesichter auffgedeckt, setzet er der Posaunen eine dem einen Leichnam an den Mund, also daß das uber und weite theil gerad uber das erstgemelte Loch kam.

Hie sahen meine Gesellen immer auff die Bilder.

Ich aber hätt andere gedancken.

Dann so bald daß Laubwerck oder Krantz, am Rohr angezündet wurde, sahe ich zu obrist das Loch eröffnen und ein hellen Fewrstriemen durch das Rohr hinab schiessen und in den Leichnam fahren: Darauff wurde das Loch wider verdecket, und die Posaun weggeraumbt (durch solchen bossen wurden meine Gesellen betrogen, daß sie meineten, daß Leben wer dem Bilde durch das Fewr deß Laubwercks herkommen) dann so bald er die Seel empfangen, that er die Augen auff und zu, doch beweget er sich nit fast: deß andern mals stellet er ein ander Rohr auff ihren Mund, zündet es aber an, und wurde die Seel durchs Rohr herab gelassen, diß geschah bey jedem drey mal, darauff wurden alle Liechter außgelescht und hinweggenommen.

Die Sametin Decken deß Tischs uber ihnen zusammen geschlagen, auch alsbald ein Reyßbettlein auffgeschloßen und zugerüst, darinn also eingewicklet getragen, und also nach dem die auß der Decken genommen worden, fein neben einander geleget.

Da sie mit fürgezogenen Umbhängen eine gute weil geschlaffen.

(Nuhn war es auch zeit, daß die Jungfraw sehe, wie sich unsere andere Künstler hielten: Die waren wolzumuht, dann wie mich die Jungfraw nachmahlen berichtet, musten sie in Gold laborieren: Welches wol auch ein stuck dieser Kunst, aber nit das fürnembst, nöttigst und beste ist.

Zwar hatten sie auch ein theil dieser Aschen, daß sie also anderst nit meineten, dann der gantze Vogel wäre umbs Goldes willen angesehen, und muste also den entleibten daß Leben hierdurch wider gebracht werden.) Daß belangend, sassen wir also in stillem da zu erwarten, wenn unser Eheleüte wurden erwachen, diß verzog sich etwann ein halbe stund.

Dann jetztmals stellet sich der mutwillige Cupido wider ein, und nach dem er uns nach einander salutiert, flog er zu ihnen unter den Umbhang, vexiert sie auch so lang, biß sie erwachen.

Diß beschah bey ihnen mit grosser Verwunderung, meineten auch anderst nit, alß ob sie von der stund an, da sie Enthauptet worden, biß anhero geschlaffen hätten.

Cupido nach dem er sie erwecket, und sie beyde einander wider zuerkennen geben, machet sich ein wenig beseits, und ließ sie bede sich noch ein wenig besser erholen, trib hiezwischen sein fatzwerck mit uns, und muste man ihm entlich die Music holen und etwas frölichers sein.

Nit lang hernach kommet die Jungfraw selber.

Und nach dem sie den Jungen König und Königin (so sich etwas mats befunden) underthänig salutiert und die Hand geküst, bracht sie die bemelte zwey schöne Kleyder herbey, welche sie angezogen und also herfür getretten.

Nun waren schon allbereit zwen schöner sessel zubereitet: Darein setzten sie sich und wurden also von uns mit underthänigster Reverentz gegrüst, dessen sich der König in eygener Person auff das aller gnädigst bedancket, und hinwiderumb alle Gnad anerbotten: Nun war es allbereit umb fünff Uhren, konten sich deßwegen nit lenger saumen, sonder so bald immer die fürnembste Sachen haben auffgeladen werden können: musten wir den Jungen Königlichen Personen den Schnecken hinab durch alle Thor und Wacht hinauß biß zu dem Schiff gegleiten.

Darein setzten sie sich sampt etlichen Jungfrawen und der Cupidine, und fuhren so schnell darvon, daß wir sie bald auß dem Gesicht verlohren, doch war man ihnen, wie ich berichtet worden, mit etlichen stattlichen Schiff entgegen gezogen, daß sie also in vier stunden, etlich viel Meil Meers uberfahren: Nach fünff Uhren wurde den Musicanten befohlen, alle sachen wider hinab auff die Schiff zutragen, und sich zur wegfart fertig machen.

Weil aber solches langsamer zugieng: Ließ der Alte Herr erst seine verborgene Soldaten ein theil auß, die waren bisher im Wahl versteckt gewesen, daß wir keines wargenommen, dabey ich vermerckt, daß solcher Thurn zum widerstandt wol versehen wäre.

Nun diese Soldaten waren mit unserm plunder bald fertig, daß also weiter nichts mehr zu thun war, als zu nacht essen.

Wie nun die Tisch allerdings zubereittet worden: Bringet uns die Jungfraw wider zu unsern Gesellen, da musten wir uns Warlich kläglich stellen, und das lachen verheben.

Sie aber schmolleten immer zusammen, wiewol auch etliche mit uns mitleyden hätten, uber solchem Nachtessen war der alte Herr auch bey uns, der war uns ein scharpffer Inspector.

Dann keiner kundte nichts so weißlich fürbringen, er wuste es ihm entweder umbzustossen, oder zu verbessern oder auffs wenigst ein gute Lehr hierüber zugeben.

Bey diesem Herren hab ich am meisten gelernet, und wäre wol gut, daß sich jederman bey ihm zuthet, und seiner sachen war nemme, so würde es manchmal nit so ungleich außschlagen.

Nach eingenommenem nacht Imbiß führet uns der Alte Herr erst in seine Kunstkammern, so hin und wider auff den Pasteyen waren herumb, da sahen wir solch wunderbarliche Geschöpff der Natur auch andere sachen, so Menschliche Vernunft der Natur nach gethan, daß wir wol noch ein Jahr hätten gnug zusehen gehabt.

Diß trieben wir dennoch beim Liecht lang in die Nacht hinein.

Entlich weil wir auch schier mehr zuschlaffen dann viel frembds zusehen geneigt waren, wurden wir in Kammern eingelosiert, und hatten da in dem wal nit allein köstliche gute Bett, sondern noch darzu uber die maß zierliche Kammern.

Welches uns desto mehr wundert, warumb wir uns gestern hätten so leiden müssen.

In solcher Kammer hätte ich gute ruh.

Und weil ich mehrertheils sorgen ab war, wie auch von stettigem Arbeiten mich mühd befand, halff mir deß Meers stilles rauschen zu einem starcken und sanfften Schlaff, denn ich an einem Traum von eylf Uhren an biß Morgens umb acht Uhren Continuiert.

 

(7. Tag)