DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI

Jakob Böhme

Jakob_Boehme

Die Menschwerdung Christi beschäftigt den aus Görlitz stammenden Mystiker, Pansoph und Theosoph Jakob Böhme außerordentlich. Das Werk hat drei Teile. Während der erste Teil die Geburt und Menschwerdung aus der Sicht Jakob Böhmes behandelt, thematisiert er im zweiten Teil, Christi Leiden, Sterben und Tod. Der dritte Teil beschreibt den „Baum des Glaubens“. Jakob Böhme ist überzeugt, dass dieser in der Sternenregion gründet, ins Paradies wächst, und dadurch die finstere Welt verdrängt.

Jakob Böhme – DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI – Teil 2
Jakob Böhme – DE INCARNATIONE VERBI – VON DER MENSCHWERDUNG JESU CHRISTI – Teil 3

Erster Teil – Wie das ewige Wort sei Mensch worden

1. Kapitel – Dass die Person Christi wie auch seine Menschwerdung aus natürlicher Klugheit oder dem Buchstaben der Hl. Schrift ohne göttliche Erleuchtung nicht könne erkannt werden. – Item: Vom Urstande des ewigen göttlichen Wesens.

Als Christus seine Jünger fragte: Wer sagen die Leute, dass des Menschensohn sei? – antworteten sie ihm: Etliche sagen, du seiest Elias, etliche du seiest Johannes der Täufer oder der Propheten einer. – Er fragte sie und sprach: Wer saget denn ihr, dass ich sei? – Da antwortete Petrus ihm: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. – Und er antwortete ihm und sprach: Wahrlich, Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbaret, sondern mein Vater im Himmel, – und verkündigte ihnen auf dieses sein Leiden, Sterben, Tod und Auferstehen (Matth. 16,21), anzuzeigen, dass die eigene Vernunft in dieser Welt-Witze und Weisheit die Person, welche Gott und Mensch war, nicht könnte in ihrer Vernunft erkennen noch begreifen, sondern er würde meistenteils nur von denen recht erkannt werden, welche sich würden ihm gänzlich einergeben und um seines Namens willen Kreuz, Trübsal und Verfolgung leiden, welche ihm mit Ernst anhängen würden. Als denn solches auch geschehen ist, dass er auch, weil er noch sichtlich bei uns in dieser Welt wandelte, von den Vernunftwitzigen wenigstenteils erkannt ward. Und obgleich er in göttlichen Wundern einherging, so war doch die äußerliche Vernunft also blind und unverständig, dass solche großen göttlichen Wunder von den Klügsten der Vernunftkunst dem Teufel zugeschrieben worden. Und wie er zu der Zeit, als er in dieser Welt sichtbarlich wandelte, ist von eigener Vernunft und Witz unerkannt blieben, also ist und bleibet er nochmals der äußeren Vernunft unbekannt und unerkannt.

Aus diesem ist so viel Zank und Streit um seine Person worden, dass je die äußerliche Vernunft vermeinte zu ergründen, was Gott und Mensch sei, wie Gott und Mensch können eine Person sein, welcher Streit den Erdkreis erfüllet hat, da die eigene Vernunft je gemeint, sie habe das Perllein (das Wesentliche) ergriffen, und nicht dabei bedacht, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt sei und dass es Fleisch und Blut nicht könne erkennen oder begreifen, viel weniger ergründen.

So stehet nun einem jeden zu, der von göttlichen Geheimnissen will reden oder lehren, dass er auch Gottes Geist habe, und sein Ding, das er für wahr will ausgeben, in göttlichem Licht erkenne und nicht aus eigner Vernunft sauge; sich ohne göttliche Erkenntnis also auf den bloßen Buchstaben in seiner Meinung steuere und die Schrift bei den Haaren herzuziehe Bibel willkürlich zitieren), wie von der Vernunft geschieht, aus welchem also trefflich viel Irrtum entstanden ist, dass man die göttliche Erkenntnis in eigenem Witz und Kunst gesucht hat, und ist also von der Wahrheit Gottes in eigene Vernunft geraten, und hat die Menschwerdung Christi für ein fremdes und fernes Ding gehalten. Da wir doch alle müssen in derselben Menschwerdung wieder aus Gott geboren werden, wollen wir aber dem Grimm der ewigen Natur entweichen.

Weil es denn den Kindern Gottes ein nahes und vertrautes Werk ist, damit sie täglich und stündlich sollen umgehen und immer in die Menschwerdung Christi eingehen, aus der irdischen Vernunft ausgehen und also in diesem Jammerleben in der Geburt und Menschwerdung Christi müssen geboren werden, wollen sie anders Gottes Kinder in Christo sein, so habe ich mir vorgenommen, dieses hohe Geheimnis nach meiner Erkenntnis und Gaben zu einem Memorial zu schreiben, auf dass ich also Ursache habe, mich auch herzlich mit meinem Immanuel (Christus) zu ergötzen und zu erquicken, weil ich auch neben anderen Kindern Christi in dieser Geburt stehe, auf dass ich ein Denkmal und Aufrichtung hätte, so mich ja das finstere und irdische Fleisch und Blut mit des Teufels Gift wollte überziehen und mir mein Bildnis verdunkeln. So habe ich mir’s für eine Übung des Glaubens vorgenommen, damit sich meine Seele möge also als ein Ästlein an ihrem Baume Jesu Christo seines Saftes und Kraftes erquicken, und solches nicht mit klugen und hohen Reden der Kunst oder aus der Vernunft dieser Welt, sondern nach der Erkenntnis, so ich von meinem Baume Christo habe, auf dass mein Zweiglein auch neben anderen im Baume und Leben Gottes grüne und wachse. Und ob ich zwar hoch und tief gründe und es ganz helle werde darstellen, so soll doch dem Leser dieses gesagt sein, dass es ihm ohne Gottes Geist wird ein Mysterium und unergriffen sein. Darum sehe ein jeder zu, was er richte, dass er nicht in Gottes Gericht falle und von seiner eigenen Turba (Verwirrung) gefangen werde und ihn seine eigene Vernunft stürze, sage ich wohlmeinend und gebe es dem Leser zu erwägen.

Wenn wir wollen von der Menschwerdung und Geburt Jesu Christi, des Sohns Gottes, schreiben und davon recht reden, so müssen wir die Ursachen erwägen, was Gott bewogen habe, dass er sei Mensch worden. Zumal er solches zu seinem Wesen nicht ist bedürfend gewesen, und können auch mitnichten sagen, dass sich sein eigen Wesen habe in der Menschwerdung verändert, denn Gott ist unveränderlich, und ist doch worden, was er nicht war. Aber seine Eigenschaft ist dabei unveränderlich geblieben. Es war nur um des gefallenen Menschen Heil zu tun, dass er den wieder ins Paradies brächte, und ist uns all hier der erste Mensch zu betrachten, wie der vor seinem Falle sei gewesen, um welches willen sich die Gottheit beweget hat, welches uns Menschen hoch zu betrachten ist.

Wir wissen, was Moses saget, dass Gott habe den Menschen nach seinem Gleichnis in ein Bildnis nach ihm geschaffen (Gen. 1,27). Verstehe also, dass sich Gott, der ein Geist ist, in einem Bildnis sähe als in einem Gleichnis. Nicht weniger hat er auch diese Welt geschaffen, dass er also die ewige Natur in Wesenheit offenbare, auch in lebendigen Kreaturen und Figuren, dass dieses alles sei ein Gleichnis und Ausgeburt aus der ewigen Natur des ersten Principii, welches Gleichnis vor den Zeiten der Welt ist in Gottes Weisheit als eine verborgene Magia (Urbild) gestanden und vom Geiste Gottes in der Weisheit ist ersehen worden, der in Zeit des Anfangs dieser Welt die ewige Natur beweget und der verborgenen göttlichen Welt Gleichnis hervorgebracht und eröffnet hat. Denn die feurige Welt ist im Licht Gottes gleich als verschlungen und verborgen gestanden, indem alleine das Licht der Majestät in sich selber regieret hat. Und ist und doch nicht zu denken, dass die feurige Welt nicht gewesen sei. Sie ist gewesen, aber sie hat sich in ihr eigen Principium geschieden und ist im Lichte der Majestät Gottes nicht offenbar gewesen, als uns solches am Feuer und Licht zu ersinnen ist, dass das Feuer zwar eine Ursache des Lichts ist und wohnet doch das Licht im Feuer, dem Feuer unergriffen, und führet eine andere Qual (Qualität) als das Feuer. Denn das Feuer ist Grimmigkeit und verzehrend, und das Licht ist Sanftmut, und aus seiner Kraft wird Wesenheit als Wasser oder Sulphur (Stoff) eines Dinges, welches das Feuer in sich zieht und zu seiner Stärke und Leben braucht, und ist also ein ewig Band.

Dieses Feuer und göttliche Licht ist zwar von Ewigkeit in sich selber stillegestanden, da ein jedes in seiner Ordnung in seinem Principio ist gestanden, und hat weder Grund noch Anfang, denn das Feuer hat in sich seine eigene Gestalt zu seiner Qual als das Begehren, aus welchem und in welchem alle Gestalten der Natur erboren werden, da je eine Ursache der anderen ist, wie in den anderen Schriften ausführlich gemeldet worden. Und finden wir im Lichte der Natur, wie das Feuer in seiner eigenen Essenz sei, gleichwie im herben begehrenden Qual in sich selber eine Finsternis gewesen, welches in der Sanftmut Gottes gleich als verschlungen gestanden, da es nicht qualitätisch, sondern essentialisch in sich selber gewesen, nicht anzündlich. Und ob es gleich gebrannt hat, so ist es doch als ein eigen Principium in sich selber nur empfindlich gewesen; denn es sind von Ewigkeit nur zwei Principia gewesen, als eines in sich selber die feuernde Welt und das andere auch in sich selber die Licht-flammende Welt, da sie doch auch nicht getrennt waren, als das Feuer und Licht nicht getrennt sind und das Licht im Feuer wohnet, dem Feuer unergriffen.

Und ist uns also zweierlei Geist ineinander zu verstehen, ein feuriger nach der Essenz der herben und strengen Natur, aus dem hitzigen und auch kalten, strengen, essentialischen Feuer, welcher für Gottes Zorn-Geist und Qual erkannt wird, und gehöret zu des Vaters Eigenschaft, nach welchem er sich einen zornigen eifrigen Gott und ein verzehrend Feuer nennet, in welchem das erste Principium verstanden wird. Und dann ein sanfter Licht-flammender Geist, welcher von Ewigkeit im Centro des Lichts seine Verwandelung empfängt, denn er ist im ersten Principio in des Vaters Eigenschaft ein feuernder Geist und im anderen Principio im Licht ein Lichtflammender Geist, welcher von Ewigkeit sich so gebiert, und ist nur der eine und nicht zwei, wird aber in zweierlei Qual verstanden als in Feuer und Licht nach jeder Qual Eigenschaft, wie uns solches an jedem äußerlichen Feuer genug zu verstehen ist, da des Feuers Qual einen grimmigen Geist gibt, der verzehrend ist, und des Lichtes Qual einen sanften lieblichen Luft-Geist, und ist urständlich doch nur Geist.

Also im gleichen ist uns nachzusinnen dem Wesen der Ewigkeit als der Hl. Dreifaltigkeit, welche wir im Lichte der Majestät für die Gottheit erkennen und im Feuer für die ewige Natur, wie solches in den anderen Schriften genug erkläret worden. Denn der allmächtige Geist Gottes mit beiden Prinzipien ist von Ewigkeit selber alles gewesen. Es ist nichts von ihm. Er ist selber der Grund und Ungrund, und wird doch das hl. göttliche Wesen vornehmlich als ein einiges Wesen in sich selber erkannt, und wohnet außer der feuernden Natur und Eigenschaft in des Lichtes Eigenschaft und wird Gott genannt. Nicht von des Feuers Eigenschaft, sondern von des Lichts Eigenschaft, wiewohl die beiden Eigenschaften ungetrennt sind. Als wir solches an dieser Welt verstehen, da ein verborgen Feuer in der Tiefe der Natur und in allem Wesen verborgen lieget, sonst möchte kein äußerlich Feuer hervorgebracht werden, und sehen, wie die Sanftmut des Wassers dasselbe verborgene Feuer in sich gefangen hält, dass es sich nicht könne eröffnen, denn es ist gleichwie verschlungen im Wasser, und ist doch, aber nicht substantialisch, sondern essentialisch, und wird im Erwecken erkannt und qualifizierend gemacht; und wäre alles Nichts und Ungrund ohne Feuer.

Also verstehen wir auch, dass das dritte Principium als die Qual und der Geist dieser Welt sei von Ewigkeit in der ewigen Natur des Vaters Eigenschaft verborgen gestanden und vom Licht Geist in der heiligen Magia als in Gottes Weisheit in der göttlichen Tinktur erkannt worden; um welches willen sich die Gottheit nach der Natur der Gebärerin beweget und das große Mysterium erboren, darinnen dann alles gelegen, was die ewige Natur vermag. Und ist nur ein Mysterium gewesen und hat keinem Geschöpf gleich gesehen, sondern ist als ein Gestübe untereinander gewesen, da die grimmige Natur hat ein finster Gestübe (Sturm, Wirbel) geboren und die Licht-flammende Natur in seiner Eigenschaft Flammen in der Majestät und Sanftmut, welches der Wasserquell und Ursache der göttlichen Wesenheit ist von Ewigkeit gewesen. Und ist nur Kraft und Geist, welches keinem gleich gewesen ist, und ist auch darinnen nichts gespürt worden als der Geist Gottes in zweierlei Qual und Gestalt, als hitzige und kalte strenge Feuersqual und dann der sanften Liebesqual nach der Art des Feuers und Lichtes.

Dieses ist als ein Mysterium ineinander gegangen und hat doch eines das andere nicht ergriffen, sondern ist gleich wohl in zwei Prinzipien gestanden, da dann die Herbigkeit als der Vater der Natur immer die Wesenheit im Mysterio ergriffen, da sich es denn gleich als in einem Bildnis hat formieret, und ist doch kein Bildnis gewesen, sondern gleich einem Schatten eines Bildes. Solches als im Mysterio hat zwar wohl also einen ewigen Anfang immer gehabt, da man nicht sagen kann, es sei etwas geworden, das nicht seine Figur als einen Schatten in der großen ewigen Magia gehabt hätte. Aber es ist kein Wesen gewesen, sondern ein geistlich Spiel ineinander, und ist die Magia der großen Wunder Gottes, da immer geworden ist, da nichts war als nur ein Ungrund. Das ist in des Feuers und Lichtes Natur in Grund kommen, und ist doch aus nichts als aus dem Geiste der Qual, welcher auch kein Wesen ist, sondern eine Qual, welches sich in sich selber in zweien Eigenschaften gebiert, auch selber in zwei Principia scheidet.

Sie hat keinen Scheider noch Macher, auch keine Ursache zu seinem Selbstmachen, sondern ist selbst die Ursache, als solches ausführlich in anderen Schriften gemeldet worden, wie der Ungrund sich selber in Grund führe und gebäre.

Also ist uns nun erkenntlich die Schöpfung dieser Welt, sowohl die Schöpfung der Engel und auch des Menschen und aller Kreaturen. Es ist alles aus dem großen Mysterio geschaffen worden, denn das dritte Principium ist vor Gott als eine Magia gestanden und ist nicht ganz offenbar gewesen. So hat Gott auch kein Gleichnis gehabt, da er hätte mögen sein eigen Wesen erblicken als nur die Weisheit. Das ist seine Lust gewesen und ist in seinem Willen mit seinem Geiste als ein groß Wunder in der Licht-flammenden göttlichen Magia vom Geiste Gottes dagestanden. Denn es ist des Geistes Gottes Wohnhaus gewesen und sie ist keine Gebärerin gewesen, sondern die Offenbarung Gottes, eine Jungfrau und eine Ursache der göttlichen Wesenheit, denn in ihr ist die Licht-flammende göttliche Tinktur zum Herzen Gottes gestanden als zum Worte des Lebens der Gottheit, und ist die Offenbarung der hl. Dreifaltigkeit gewesen. Nicht dass sie aus ihrem Vermögen und Gebären Gott offenbarte, sondern das göttliche Centrum als Gottes Herz oder Wesen offenbaret sich in ihr. Sie ist als ein Spiegel der Gottheit, denn ein jeder hält stille, und gebiert kein Bildnis, sondern er empfängt das Bildnis. Also ist diese Jungfrau der Weisheit ein Spiegel der Gottheit, darin der Geist Gottes sich selber sieht, sowohl alle Wunder der Magie, welche mit der Schöpfung des dritten Principii sind ins Wesen kommen und ist alles aus dem großen Mysterium geschaffen worden. Und diese Jungfrau der Weisheit Gottes ist im Mysterium gestanden und in ihr hat der Geist Gottes die Formungen der Kreaturen erblicket. Denn sie ist das Ausgesprochene, was Gott der Vater aus seinem Centro der Licht-flammenden göttlichen Eigenschaft aus seines Herzens Centro, aus dem Worte der Gottheit, mit dem Hl. Geiste ausspricht. Sie stehet vor der Gottheit als ein Glanz oder Spiegel der Gottheit, da sich die Gottheit inne sieht, und in ihr stehen die göttlichen Freudenreiche des göttlichen Willens als die großen Wunder der Ewigkeit, welche weder Anfang noch Ende noch Zahl haben. Sondern es ist alles ein ewiger Anfang und ein ewiges Ende, und gleichet zusammen einem Auge, das da sieht, da doch im Sehen nichts ist und das Sehen doch aus des Feuers und Lichts Essenz urständet.

Also versteht in des Feuers Essenz des Vaters Eigenschaft und das erste Principium und in des Lichts Qual und Eigenschaft des Sohns Natur als das andre Principium, und den führenden Geist aus beiden Eigenschaften verstehet für den Geist Gottes, welcher im ersten Principium grimmig, streng, herbe, bitter, kalt und feurig ist, und ist der treibende Geist im Zorne. Und darum suchet er nicht im Zorne und im Grimme, sondern ist ausgehend und das essentialische Feuer aufblasend, indem er sich in die Essenz des Feuers wieder aneignet. Denn die grimmigen Essentien ziehen ihn wieder in sich, denn er ist ihre Qual und Leben und gehet aber im angezündeten Feuer im Lichte vom Vater und Sohne aus, und eröffnet die feurigen Essentien in des Lichtes Qual, da denn die feurigen Essentien in großer Begierde der Liebe brennen und die ernste strenge Qual in des Lichts Qual nicht erkannt wird, sondern die Feuers-Strengheit ist nur also eine Ursache der Licht-flammenden Majestät und der begehrenden Liebe.

Und also ist uns zu verstehen das Wesen der Gottheit und dann der ewigen Natur, und verstehen alle Wege das göttliche Wesen im Lichte der Majestät. Denn das sanfte Licht machet des Vaters strenge Natur sanft, lieblich und barmherzig, und wird ein Vater der Barmherzigkeit nach seinem Herzen oder Sohne genannt. Denn des Vaters Eigenschaft steht im Feuer und im Lichte und ist selber das Wesen aller Wesen. Er ist der Ungrund und Grund und teilet sich in der ewigen Geburt in drei Eigenschaften als in drei Personen, auch in drei Principia, da ihr doch in der Ewigkeit nur zwei im Wesen sind und das dritte als ein Spiegel der ersten beiden ist, aus welchem diese Welt als ein greiflich Wesen in Anfang und Ende geschaffen ist.

2. Kapitel – Offenbarung der Gottheit durch die Schöpfung der Engel und Menschen aus göttlicher Essenz

So denn also ein Mysterium ist von Ewigkeit gewesen, so ist uns jetzt seine Offenbarung zu betrachten; denn wir können von der Ewigkeit anders nicht reden als von einem Geist, denn es ist alles nur Geist gewesen und hat sich doch von Ewigkeit im Wesen geboren, und solches durch Begehren und Lust; und können durchaus nicht sagen, dass in der Ewigkeit nicht sei Wesen gewesen, denn kein Feuer bestehet ohne Wesen. So ist keine Sanftmut ohne Gebären des Wesens, denn die Sänfte gebiert Wasser und das Feuer schlinget das in sich und macht in sich seines teils zum Himmel und Firmament und das andere Teil zu Sulphur (hier: feuertragende Substanz), in welchem der Feuergeist mit seinem essentialischen Rade einen Mercurium machet und dort den Vulkanum erwecket – das ist: das Feuer aufschlägt – dass der dritte Spiritus als Luft geboren wird, da dann die edle Tinktur im Gleichgewicht stehet als ein Glanz mit den Farben, und urständet von der Weisheit Gottes, denn die Farben urständen von der Qual. Eine jede Farbe stehet mit ihrer Wesenheit in der Sanftmut des Wasserquelles, ausgenommen die Schwarze nicht; die hat ihren Urstand aus der herben Grimmigkeit. Sie empfahen alle ihre Farben von der Qual.

So lüstert (tendiert) nun je eine Gestalt nach der anderen. Und von der begehrenden Lust wird eine Gestalt von der anderen schwanger und bringet eine die andere zum Wesen, dass also die Ewigkeit in einer immerwährenden Magia stehet, da die Natur im Wachsen und Ringen stehet, und das Feuer verzehret das und gibt’s auch. Und ist also ein ewig Band, allein das Licht der Majestät und Dreiheit Gottes ist unwandelbar, denn das Feuer mag das nicht ergreifen, und wohnet frei in sich.

Und ist uns doch erkenntlich und findlich, dass das Licht der Liebe begehrend sei, als nämlich der Wunder und Figuren in der Weisheit, in welchem Begehren diese Welt als sein Model (Form) ist von Ewigkeit in der Weisheit in der tiefen verborgenen Magia (Geheimniszustand) Gottes erkannt worden, denn das Begehren der Liebe forscht im Grund und Ungrund. Allda hat sich auch von Ewigkeit mit eingemischt das Begehren des Grimmes und herben strengen Qual in des Vaters Natur und Eigenschaft und ist also das Bildnis der Engel und Menschen von Ewigkeit in der göttlichen Eigenschaft in Gottes Weisheit erblicket worden, sowohl auch in des Grimmes Eigenschaft die Teufel – aber nicht in der heiligen lichtflammenden Eigenschaft – aber in keinem Bilde noch Wesen, sondern nach Art, als sich im tiefen Sinn ein Gedanke entspinnet und vor seinen eigenen Spiegel des Gemüts führet, da in das Gemüt oft ein Ding scheinet, das nicht im Wesen ist.

Also haben die zwei Gebärerinnen als des Grimmes im Feuer und dann die Liebe im Licht ihr Model in die Weisheit gestellt, da dann das Herze Gottes in der Liebe gelüstet, dieses Model in ein engelisches Bildnis zu schaffen aus göttlicher Wesenheit, dass sie wären ein Gleichnis und Bild der Gottheit und wohnten in der Weisheit Gottes, zu erfüllen die Lust der Gottheit und zur ewigen Freude der göttlichen Freudenreich.

Und ist uns jetzt also zu vernehmen und zu entsinnen das Verbum Fiat (das Wort „Es werde“) das sie gefasst und eine Substanz und körperlich Wesen gebracht hat, denn der Wille zu diesem Bildnis ist aus dem Vater, aus des Vaters Eigenschaft im Worte oder Herzen Gottes von Ewigkeit entstanden als ein begehrender Wille zur Kreatur und zur Offenbarung der Gottheit. Weil er sich aber von Ewigkeit nicht beweget hat bis auf die Schöpfung der Engel, so ist auch keine Schöpfung geschehen bis zur Engel-Schöpfung; dazu wir dann den Grund und Ursachen nicht sollen wissen und es Gott seiner Macht vorbehalten hat, wie es gewesen sei, dass sich Gott einst beweget hat, zumal er doch ein unwandelbarer Gott ist, sollen auch all hier weiter nicht gründen, denn dies verwirrt uns.

Allein von der Schöpfung haben wir Macht zu reden, denn sie ist ein Werk im Wesen Gottes, und verstehen, dass des Worts oder Herzens Gottes Wille habe das herbe Fiat im Centro des Vaters Natur mit seinen sieben Geistern und Gestalten der ewigen Natur ergriffen und solches in des Thrones Gestalt; da denn das herbe Fiat nicht als ein Macher, sondern als ein Schaffer in jeder Essentien Eigenschaft gestanden als in den großen Wundern der Weisheit. Wie die Figuren waren von Ewigkeit in der Weisheit erblicket worden, also wurden sie auch jetzt mit dem Fiat im Willen-Geiste Gottes ergriffen, nicht aus fremder Materia, sondern aus Gottes Essenz, aus des Vaters Natur. Und wurden mit Gottes Willen-Geist ins Licht der Majestät Gottes eingeführt, da sie denn Kinder Gottes und nicht fremde Gäste waren, erboren und erschaffen aus der Vaters Natur und Eigenschaft. Und ihr Willen-Geist ward gerichtet in des Sohnes Natur und Eigenschaft. Sie sollten und konnten essen von Gottes Liebe-Wesenheit im Lichte der Majestät, da dann ihre grimme Eigenschaft aus des Vaters Natur in Liebe und Freude verwandelt war. Welches sie auch alle taten, bis auf einen Thron und Königreich, das wandte sich vom Lichte der Liebe und wollte in der strengen Feuers-Natur über Gottes Sanftmut und Liebe herrschen; und ward darum aus des Vaters Eigenschaft aus seinem kreatürlichen eigenen Loco (Ort) getrieben in die ewige Finsternis, in den Abgrund des strengen Fiat. Da muss es in seiner Ewigkeit stehen, und ist also der Grimm der ewigen Natur auch all hier erfüllet worden.

Ist uns aber nicht also zu gedenken, dass König Luzifer nicht hätte können bestehen, er hätte das Licht der Majestät sowohl vor sich als die anderen Thronengel. So er hätte darein imaginieret, wäre er ein Engel blieben, aber er zog sich selber aus Gottes Liebe in Zorn. Also ist er nun ein Feind der Liebe Gottes und aller heiligen Engel.

Weiter ist uns all hier zu betrachten die feindliche Anzündung der verstoßenen Geister, als sie noch in des Vaters Eigenschaft waren, wie sie in ihrer Imagination (Bestreben) haben die Natur der Wesenheit entzündet, dass aus der himmlischen Wesenheit sind Erde und Steine geworden und des Wassers sanfter Geist im Feuers-Qual zum brennenden Firmament, darauf dann die Schöpfung dieser Welt als des dritten Principii ist erfolget. Und ward dem Loco dieser Welt ein andere Licht erwecket, nämlich die Sonne, dass also dem Teufel seine Pracht entzogen ward. Und er ward als ein Gefangener zwischen Gottes und dieser Welt Reich in die Finsternis eingeschlossen, da er dann in dieser Welt nicht weiter zu herrschen hat, als nur in der Turba, im Grimm und Zorn Gottes, wo er erwecket wird. Da ist er Scharfrichter und ist ein steter Lügner, Verleumder und Betrüger der Kreaturen. Er wendet alles Gute in Böses, soweit ihm nur Raum gelassen wird. Was schrecklich und prächtig ist, da erzeiget er seine Macht und will stets über Gott sein. Aber der Himmel, der aus dem Mittel des Wassers ist erschaffen als ein sanftes Firmament, leget ihm die Pracht, dass er nicht Großfürst in dieser Welt ist, sondern Zornfürst.

Weil dann der Teufel aus seinem Loco ausgestoßen ward, so stand dieser Locus oder Thron ohne sein Engelsheer in großem Begehren nach seinem Fürsten, aber er war ausgestoßen. Jetzt schuf ihm Gott einen anderen Fürsten, den Adam und ersten Menschen, welcher auch ein Thronfürst vor Gott war, und ist uns all hier seine Schöpfung recht zu betrachten, sowohl auch sein Fall, um welches willen sich das Herze Gottes (Christus) bewegte und Mensch ward.

Es ist nicht also ein schlecht Ding oder Wesen mit der Schöpfung des Menschen, um welches Falls willen Gott Mensch ward, dass er ihm wieder hülfe. So ist sein Fall auch nicht ein bloßer Apfelbiss. Auch ist seine Schöpfung nicht dermaßen getan, wie die äußere Vernunft meinet, dass sie den ersten Adam in seiner Schöpfung nur für einen bloßen Erdenkloß verstehet. Nein, mein liebes Gemüte, Gott ist nicht um eines Erdenkloßes willen Mensch geworden. Auch so war es nicht bloß um einen Ungehorsam zu tun, darüber Gott also zürne, dass sein Zorn nicht hätte mögen versöhnet werden, er rächte sich denn an Gottes Sohne und mordete den.

Uns Menschen nach Verlierung unserer paradiesischen Bildnis ist dieses zwar ein Mysterium und verborgen blieben, ausgenommen etlichen, welche das himmlische Mysterium wieder erreichet haben, denen ist etwa nach dem inneren Menschen davon eröffnet worden. Denn wir sind dem Paradies in Adam abgestorben und müssen durch den Tod und Verwesung des Leibes im Paradies als in einer anderen Welt, im Leben Gottes in der himmlischen Wesenheit und Leiblichkeit wieder ausgrünen (erneuert werden). Und ob es gleich etlichen ist, dass sie haben Gottes Wesenheit als Christi Leib wieder an die Seele bekommen, so hat doch der verderbte irdische Adam das heilige und reine Mysterium verdecket, dass also die große Heimlichkeit ist der Vernunft verborgen blieben. Denn Gott wohnet nicht in dieser Welt im äußeren Principio, sondern im inneren. Wohl wohnet er im Loco dieser Welt, aber diese Welt ergreifet ihn nicht. Wie wollte denn der irdische Mensch Gottes Geheimnisse ergreifen? Und ob es ein Mensch ergriffe, so ergreift erst nach dem inneren Menschen, welcher wieder aus Gott geboren ist.

Weil aber das göttliche Mysterium sich auch nunmehr will also gar entblößen und dem Menschen also ganz begreiflich gegeben wird, dass er die Verborgenheit ganz helle begreift, so ist dem wohl nachzusinnen, was das bedeute, – anders nichts als die Einernte dieser Welt. Denn der Anfang hat das Ende gefunden und das Mittel wird in die Scheidung gestellt. Lasst euch gesagt sein, ihr Kinder, die ihr wollet Gottes Reich erben. Es ist eine Zeit großen Ernsts vorhanden. Die Tenne soll gefegt werden. Bös und Gut soll voneinander geschieden werden; der Tag bricht an, es wird hoch erkannt!

Wenn wir wollen vom Menschen reden und den recht verstehen, woraus er gemacht ist worden, so müssen wir ja die Gottheit mit dem Wesen aller Wesen betrachten, denn der Mensch ward nach Gottes Gleichnis aus allen drei Prinzipien erschaffen, ein ganzes Bild und Gleichnis nach allem Wesen. Nicht sollte er allein ein Bildnis dieser Welt sein, denn dieser Welt Bildnis ist tierisch, und um keiner tierischen Bildnis willen ist Gott Mensch. Denn Gott schuf auch den Menschen nicht also in tierischer Eigenschaft zu leben als wir jetzt nach dem Fall leben, sondern ins Paradies, ins ewige Leben. Der Mensch hatte kein solch tierisch Fleisch, sondern himmlisch Fleisch. Aber im Fall ward es irdisch und tierisch, und auch nicht in der Meinung zu verstehen, dass er nichts von dieser Welt hätte an sich gehabt. Er hat dieser Welt Reich und Regiment an sich gehabt, aber in ihm regierten nicht die vier Elemente, sondern die vier Elemente waren in einem, und lag das irdische Regiment in ihm verborgen. Er sollte in himmlischer Qual leben. Und ob gleich alles rege in ihm war, sollte er doch mit der himmlischen Qual des anderen Principii über die irdische herrschen und das Reich und die Qual der Sternen und Elementen sollte unter der paradiesischen Qual sein. Keine Hitze noch Frost, keine Krankheit noch Unfall, auch keine Furcht sollte ihn rühren noch schrecken. Sein Leib konnte durch Erden und Steine gehen, ohne eines zu zerbrechen; denn das wäre kein ewiger Mensch, den die Irdigkeit könnte bändigen, der zerbrechlich wäre.

Darum sollen wir den Menschen recht betrachten; es heißet nicht sophistizieren oder wähnen, sondern im Geiste Gottes erkennen und wissen. Es heißet: Ihr müsset wieder neugeboren werden, wollt ihr wieder das Reich Gottes schauen, daraus ihr gegangen seid. Nicht tut es Kunst, sondern Gottes Geist, der dem Menschenbilde die Himmelstür aufschließt, dass er mit dreien Augen sehe. Denn der Mensch stehet in einem dreifachen Leben, ist er doch Gottes Kind; wo nicht, so stehet er nur in einem zweifachen. Und ist uns genug erkenntlich, dass Adam ist mit dem rechten hl. Bildnis, welches das Gleichnis nach der Hl. Dreifaltigkeit war, aus dem göttlichen Wesen ausgegangen und in die Irdigkeit imaginieret und das irdische Reich in das göttliche Bildnis eingeführt, die verderbet und finster gemacht hat. Darum wir denn auch unser paradiesisches Sehen verloren. Auch hat uns Gott das Paradies entzogen, da wir dann matt, schwach und ohnmächtig geworden und uns gleichzeitig die vier Elemente mit dem Gestirne in uns mächtig worden, also dass wir denselben sind mit Adam heimgefallen. Welches auch die Ursache des Weibs ist, dass Gott den Adam zerteilte, als er nicht bestehen konnte und in zwei Tinkturen (Prinzipien, Geschlechter) stellte, als nach dem Feuer und Wasser, wie hernach soll gemeldet werden, das eine gibt Seele und die andere Geist. Und ist nach dem Fall ein tierisch Wesen mit dem Menschen geworden, der sich nach tierischer Eigenschaft fortpflanzen muss, da ihm der Himmel und Paradies wohl die Gottheit ein Mysterium ward, und da doch das Ewige im Menschen blieb als die edle Seele, aber mit einem irdischen Kleide verdecket, verfinstert und mit irdischer Qual infizieret, durch falsche Imagination vergiftet, dass sie nicht mehr für Gottes Kind erkannt ward, um welcher willen Gott Mensch ward, dass er sie von der finstern Irdigkeit wieder erlöste und wieder in himmlische Wesenheit in Christi Fleisch und Blut, welches den Himmel erfüllet, einführte.

3. Kapitel – Die Pforte der Schöpfung des Menschen

Wiewohl wir dieses in den anderen Büchern fast genug erkläret, so hat sie doch nicht ein jeder in der Hand. So tut not eine kurze, runde Beschreibung von der Schöpfung des Menschen, damit die Menschwerdung Christi hernach möchte besser verstanden werden, auch um der Person willen, die dem Menschen in seinem Suchen noch immer mehr zufallen, gegeben und eröffnet werden, welches mir denn eine besondere Freude gibt, mich also mit Gott zu ergötzen.

Die Schöpfung des Menschen ist in allen dreien Prinzipien geschehen als in des Vaters ewiger Natur und Eigenschaft und in des Sohnes ewiger Natur und Eigenschaft und in dieser Welt Natur und Eigenschaft. Und ist dem Menschen, welchen das Verbum Fiat schuf, der dreifache Geist zu seinem Leben aus dreien Prinzipien und Quellen eingeblasen worden als von einem dreifachen Fiat ist er geschaffen, versteht: die Leiblichkeit und Wesenheit. Und der Wille des Herzens Gottes hat ihm den Geist nach allen dreien Prinzipien eingeführt. Das verstehet also:

Der Mensch war ganz zu Gottes Gleichnis geschaffen. Gott offenbarte sich in der Menschheit in einem Bilde, das sollte sein wie er selber. Denn Gott ist alles und von ihm ist alles herkommen, und wird darum nicht alles Gott genannt, wegen des, dass nicht alles gut ist. Denn was die pure Gottheit antrifft, so ist Gott ein Licht-flammender Geist und wohnet in nichts als nur in sich selber; sein ist nichts gleich. Was aber antrifft des Feuers Eigenschaft, daraus das Licht erboren wird, erkennen wir des Feuers Eigenschaft für Natur, welche eine Ursache des Lebens, Bewegens und Geistes ist, sonst wäre kein Geist, kein Licht, auch kein Wesen, sondern eine ewige Stille, weder Farben noch Tugend, sondern wäre ein Ungrund ohne Wesen.

Und wiewohl das Licht der Majestät im Ungrunde wohnet und von der feuernden Natur und Eigenschaft nicht ergriffen ist, denn es ist uns mit dem Feuer und Lichte also zu ersinnen: Das Feuer hat und machet erschreckliche und verzehrende Qual. Nun ist in der Qual ein Ersinken gleich einem Sterben und sich Frei-Ergeben, und dasselbe Frei-Ergeben fället in die Freiheit außer der Qual als in Tod, und ist doch kein Tod, sondern es gehet also einen Grad tiefer in sich hinein und wird von der Qual des Feuers angstfrei, und hat doch die Schärfe des Feuers, aber nicht in der Angst, sondern in der Freiheit.

Jetzt ist die Freiheit und der Ungrund ein Leben, und wird in sich ein Licht, denn sie kriegt den Blitz der Angstqual und wird begehrend, nämlich der Wesenheit. Und das Begehren schwängert sich selber mit Wesenheit aus der Freiheit und Sanftmut. Denn was der Angstqual ersinket oder entwirrt, das freuet sich, dass es von der Angst frei ist, und zeigt die Freude in sich und gehet mit seinem Willen aus sich, welches der Freuden Geist und Leben ist, dazu wir all hier eine engelische Zunge bedürften, aber dem Gott-liebenden Leser hier mit eine kurze Andeutung nachzusinnen geben wollen, die himmlische Wesenheit zu verstehen.

Denn in Gott ist alles Kraft, Geist und Leben. Was aber Wesen ist, das ist nicht Geist, sondern was vom Feuer ersinket als in Ohnmacht, das ist Wesen. Denn der Geist urständet im Feuer, und scheidet sich aber in zwei Qualen, nämlich eine im Ersinken in die Freiheit, im Lichte. Diese heißt Gott, denn sie ist sanft und lieblich und hat in sich das Freudenreich, und wird die engelische Welt in der ersunkenen Freiheit der Wesenheit verstanden.

Darum, da wir waren aus der Freiheit der engelischen Welt ausgegangen in die finstere Qual, welcher Abgrund das Feuer war, so war uns kein Rat, es würde denn des Lichts Kraft und Wort als ein Wort des göttlichen Lebens ein Mensch und führte uns aus der Finsternis durch des Feuers Qual durch den Tod im Feuer in die Freiheit des göttlichen Lebens in die göttliche Wesenheit wieder ein. Darum musste Christus sterben und mit dem Seelen-Geiste durchs Feuer der ewigen Natur als durch die Hölle und Grimm der ewigen Natur in die göttliche Wesenheit eingehen und unserer Seelen eine Bahn durch den Tod und Zorn brechen, darauf wir mit und in ihm könnten durch den Tod ins ewige göttliche Leben eingehen.

Aber von der göttlichen Wesenheit als von der göttlichen Leiblichkeit ist uns also zu verstehen: Das Licht gibt Sanftmut als eine Liebe. Nun begehret des Feuers Angst Sanftmut, dass es seinen großen Durst möge stillen, denn das Feuer ist begehrend und die Sanftmut ist gebend, denn sie gibt sich selber. Also wird im Begehren der Sanftmut Wesen als eine substantialische Wesenheit, welche dem Grimm entsunken (entflohen) ist, die ihr eigen Leben freigibt; das ist Leiblichkeit. Denn sie wird aus der Kraft in der Sanftmut substantialisch und wird von der Herbigkeit als vom ewigen Fiat angezogen und gehalten; und wird darum Wesenheit oder Leiblichkeit genannt, dass es dem Feuer-Qual und Geiste ersunken ist, und ist gegen den Geist als stumm, tot und ohnmächtig, da sie doch ein essentialisch Leben ist.

Also sollet ihr uns recht verstehen: Als Gott die Engel schuf, waren nur zwei Principia offenbar und im Wesen, als das im Feuer und Licht als mit grimmiger Wesenheit im strengen, herben Fiat mit den Gestalten der Feuers-Natur und dann mit himmlischer Wesenheit aus heiliger Kraft mit dem Wasser-Quall der Sanftmut des Freudenlebens, in welchem göttlicher Sulphur (göttliche Wesenhaftigkeit) als in der Liebe und Sanftmut erboren war. Sein Fiat war Gottes begehrender Wille.

Aus dieser göttlichen Wesenheit als aus Gottes Natur wurden die Engel als Kreaturen erschaffen; und ihr Geist oder Lebens-Qual urständet im Feuer, denn ohne Feuer bestehet kein Geist. Er ging aber aus dem Feuer ins Licht. Allda kriegte er der Liebe Qual und war das Feuer nur eine Ursache seines Lebens, aber des Feuers Grimm ward mit der Liebe im Lichte gelöscht.

Dieses verachtete Luzifer und blieb ein Feuergeist. Also erhob er sich auch und zündete in seinem Loco (Ort) die Wesenheit an, daraus ist Erde und Steine worden, und ward ausgestoßen, und ging also jetzt die dritte Leiblichkeit und das dritte Principium an mit dem Reiche dieser Welt.

So dann der Teufel daraus in die Finsternis gestoßen ward, so schuf Gott ein andere Bild nach seinem Gleichnis in diesen Loco. Sollte es aber Gottes Gleichnis nach allen dreien Prinzipien sein, so musste es auch aus allen dreien genommen sein. Und aus allem Wesen dieses Orts oder dieser Tiefe, also weit sich das Fiat mit Luzifers Fürstenthron hatte in den Äther zur Schöpfung eingegeben. Denn der Mensch kam an Luzifers Stelle, und daher urständet auch der große Neid der Teufel, dass sie dem Menschen nicht die Ehre gönnen, sondern führen ihn immer den bösen verderbten Weg, damit sie nur ihr Reich mehren, und tun solches der Sanftmut als Gottes Liebe zum Trotze, vermeinen noch, während sie im Grimm der starken Macht leben, sie sind höher als Gottes Geist in der Liebe und Sanftmut.

Also, verstehet, hat Gottes Willen-Geist als der Hl. Geist das zweifache Fiat gefasst in zweien Principiis als in der engelischen Welt das Innere und dann in dieser äußeren Welt das Äußere und den Mensch oder Menschen geschaffen als eine vermischte Person, denn er sollte sein ein Bild nach der inneren und äußeren Welt, sollte aber mit der inneren Qual über die äußere herrschen, also wäre er Gottes Gleichnis gewesen. Denn die äußere Wesenheit hing an der inneren und gründete das Paradies durch die Erde und war der Mensch in dieser Welt auf dem Erdboden im Paradies. Denn es wuchs ihm auch paradiesische Frucht bis auf den Fall, da der Herr die Erde verfluchte, so trat das Paradies ins Mysterium und ward dem Menschen ein Mysterium oder Geheimnis, da er zwar, so er aus Gott wiedergeboren wird nach dem inneren Menschen, im Paradies wohnet, aber nach dem äußeren in dieser Welt.

Also ist uns ferner zu betrachten des Menschen Ankunft und Urstand: Gott hat seinen Leib geschaffen aus der Erden Matrice (Mutterschoß), daraus die Erde geschaffen ward. Es war alles untereinander und teilte sich doch in drei Principia dreierlei Wesenheit, und ward doch die im Grimme nicht erkannt. Wäre nur Adam in der Unschuld blieben, er hätte die ganze Zeit dieser Welt in zweien Prinzipien nur gelebt und hätte mit einem geherrscht über alles, und wäre das grimme Reich an ihm nie erkannt noch offenbar worden, ob er das gleich an sich hatte.

Und ist uns weiter zu verstehen, dass Adams Leib ist aus dem inneren Element, da das innere Firmament und Himmel mit den himmlischen Essentien inne lieget, auf einem Teil mit dem inneren Fiat geschaffen worden. Denn in der Erden Matrice stand das untereinander. Das Paradies war darinnen und der Leib war auch ins Paradies geschaffen. Verstehet recht, er hatte göttliche und auch irdische Wesenheit an sich. Aber die irdische war in der göttlichen gleich als verschlungen oder ohnmächtig. Das Wesen oder Materia, daraus der Leib gemacht oder geschaffen ward, war eine Massa, ein Wasser und Feuer mit der Essenz beider Prinzipien, wiewohl das erste auch darinnen lag, aber nicht rege (nicht aktiv). Es sollte ein jedes Principium in seinem Sitze bleiben, und sollten sich nicht mischen, als in Gott geschieht, so wäre der Mensch ein ganzes Gleichnis nach Gottes Wesen gewest.

Vom Einblasen der Seelen und des Geistes

Der Leib ist ein Gleichnis nach Gottes Wesenheit, und die Seele und Geist ein Gleichnis nach der Hl. Dreifaltigkeit. Gott gab dem Körper seine Wesenheit aus dreien Prinzipien und den Geist mit der Seelen aus dem Quellbrunn des dreifachen Geists der allwesenden Gottheit. Und ist uns auch also zu verstehen, dass die Seele mit ihrem Bildnis und mit ihrem äußern Geiste aus dreien Prinzipien ist herkommen und dem Leibe eingeblasen und eingeführt worden, wie solches auch Moses bezeuget: Gott blies dem Menschen ein den lebendigen Odem in seine Nasen; da ward der Mensch eine lebendige Seele, Gen. 2,7.

Nun ist aber der Odem und Geist Gottes dreierlei Qual: Im ersten Principio ist er ein Feuerodem oder Geist, welcher die rechte Ursache des Lebens ist und stehet in des Vaters Qual als im Centro der grimmigen Natur. Im anderen Principio ist Gottes Odem oder Geist der Licht-flammende Liebe-Geist als der rechte Geist der wahren Gottheit, der Gott Hl. Geist heißet. Und im dritten Principio als im Gleichnis Gottes ist Gottes Odem der Luft-Geist, auf welchem der Hl. Geist fähret, wie David saget: Der Herr fähret auf den Fittigen des Windes (Psalm 104,3). Und Moses saget: Der Geist Gottes schwebet auf dem Wasser, auf der Capsula (Behälter), da die Luft urständet, Gen. 1,2.

Nun diesen dreifachen Geist hat der ganze Gott aus allen dreien Prinzipien in das geschaffene Bildnis eingeblasen und eingeführt, als erstlich den Feuer-Geist. Den hat er ihm von innen eingeführt und nicht zur Nase, sondern ins Herze, in die zweifache Tinktur des inneren und äußeren Bluts, wiewohl das äußere nicht erkannt war, sondern war Mysterium. Aber das innere war rege und hatte zwei Tinkturen, die erste aus dem Feuer, die andere aus dem Lichte. Dieser Feuer-Geist ist die rechte essentialische Seele, denn sie hat Centrum naturae mit seinen vier Gestalten zur Feuersmacht. Sie schlägt ihr selber das Feuer auf und machet selbst das Rad der Essentien, wie im anderen und dritten Buche nach der Länge gemeldet worden.

Und sollt wissen, dass das essentialische Seelenfeuer nicht das rechte Bildnis nach der Gottheit ist. Es ist kein Bildnis, sondern ein magisch ewigwährend Feuer. Es hat nie einen Anfang gehabt, wird auch kein Ende haben. Und verstehet, dass Gott das ewige unanfängliche Feuer, welches von Ewigkeit in sich selber in der ewigen Magia als in Gottes Willen im Begehren der ewigen Natur als ein ewig Centrum der Gebärerin ist gewesen, eingeführt hat. Denn dies Bildnis sollte ein Gleichnis nach ihm sein.

Zum anderen hat ihm zugleich mit dem essentialischen Seelenfeuer der Hl. Geist den Licht-flammenden Liebe-Geist aus sich selber eingeführt, auch eben nur im anderen Principio, darinnen die Gottheit verstanden wird, nicht zur Nase ein, sondern wie Feuer und Licht aneinanderhänget und eines ist, aber in zwei Quellen, also ward ihm der gute Liebe-Geist mit dem essentialischen Feuer-Geiste eingeführt in sein Herz, und brachte jede Qual seine eigene Tinktur mit als ein eigen Leben; und wird in der Liebe-Tinktur der rechte Geist verstanden, der das Bildnis Gottes ist, der ein Gleichnis ist nach der klaren, wahren Gottheit und dem ganzen Menschen ähnlich sieht, auch den ganzen Menschen erfüllet, aber in seinem Principio.

Die Seele, was sie pur alleine antrifft, ist ein Feuerauge oder ein Feuerspiegel, darin sich die Gottheit hat geoffenbart nach dem ersten Principio als nach der Natur. Denn sie ist eine Kreatur, doch in kein Bildnis geschaffen. Aber ihr Bildnis, welches sie aus ihrem Feuerauge im Licht erbiert, das ist die rechte Kreatur, um welcher willen Gott Mensch ward und sie wieder aus dem Grimm der ewigen Natur in Ternarium Sanctum einführte.

Und ist uns ferner also zu verstehen mit der Seelen und ihrem Bildnis: Es ist wohl ein Geist zusammen, aber die Seele ist ein hungrig Feuer und muss Wesenheit haben, sonst wird sie ein hungrig finster Tal, als die Teufel solche worden sind. So machet die Seele Feuer und Leben, und die Sanftmut des Bildnisses machet Liebe und himmlische Wesenheit. Also wird das Seelen-Feuer gesänftigt und mit Liebe erfüllet, denn das Bildnis hat Wasser aus Gottes Brunn, der da quillt ins ewige Leben. Dasselbe ist Liebe und Sanftmut und nimmt es aus Gottes Majestät, als dies im angezündeten Feuer zu sehen, wie das Feuer in sich einen grimmigen Quell hat und das Licht einen sanften lieblichen Quell, und wie in dieser Tiefe dieser Welt aus Licht und Luft Wasser wird, also ist dies im gleichen auch.

Zum dritten hat Gott den Geist dieser Welt mit der Sternen- und Elementen-Qual als die Luft und auch zugleich auf einmal dem Menschen in seine Nase eingeblasen. Der sollte ein Regent im äußeren Reiche sein und die Wunder der äußeren Welt eröffnen, zu welchem Ende Gott den Menschen auch ins äußere Leben schuf. Aber der äußere Geist sollte nicht in das Bildnis Gottes greifen. Auch sollte das Bildnis Gottes nicht den äußeren Geist in sich zur Herberge einführen und über sich herrschen lassen, denn ihre Speise war von Gottes Wort und Kraft. Und der äußere Leib hatte paradiesische Speise, nicht im Madensack (vergänglicher physischer Leib) denn er hatte den nicht. Auch hatte er weder männliche noch weibliche Gestalt oder Form, denn er war beide und hatte beide Tinkturen als der Seelen und des Seelen-Geists, des Feuers und Lichts, und sollte einen anderen Menschen aus sich gebären nach seinem Gleichnis. Er war eine züchtige Jungfrau in reiner Liebe. Er liebte und schwängerte sich selber mit Imagination. Also war auch seine Fortpflanzung. Er war ein Herr über Sternen und Elementen, ein Gleichnis nach Gott, wie Gott in Sternen und Elementen wohnet, und ihn ergreifet nichts, er herrschet über alles. Also war auch der Mensch geschaffen; die irdische Qual war nicht ganz rege in ihm. Er hatte wohl den Geist-Luft, aber die Hitze und Kälte sollte ihn nicht rühren, denn Gottes Wesenheit drang durch alles. Gleichwie das Paradies durch die Erde drang und gründete, also gründete die himmlische Wesenheit im äußeren Wesen seines Leibes und äußeren Geistes. In Gott ist’s wohl möglich, was uns im irdischen Leben fremd ansieht.

Zum vierten hatte Adam mit der Einführung seines schönen Himmelsbündnisses in dem Geiste Gottes das lebendige Wort Gottes mit empfangen; das war seiner Seelen und Bildnis Speise. Dasselbe lebendige Wort war umgeben mit der göttlichen Jungfrau, der Weisheit. Und sollet wissen, dass der Seelen Bildnis ist in dem jungfräulichen Bilde gestanden, welches in der Gottheit von Ewigkeit erblicket war worden. Und des Adams reines Bildnis war aus Gottes Weisheit. Denn Gott wollte sich also in einem Bilde sehen und offenbaren, und das war das Gleichnis nach Gott, verstehe: nach Gottes Geist, nach der Dreizahl, ein ganz züchtig Bild gleich den Engeln Gottes. In demselben Bildnis war Adam Gottes Kind, nicht allein ein Gleichnis, sondern ein Kind, sage ich, geboren aus Gott, aus dem Wesen aller Wesen.

Also ist kurz gemeldet worden, was Adam für ein Bild war vor seinem Fall und wie ihn Gott hat geschaffen zu besseren Verstande, warum Gottes Wort sei ein Mensch worden, wie das sei zugegangen und was das habe geursachet.

4. Kapitel – Von dem paradiesischen Wesen und Regiment, wie es hätte mögen sein, so der Mensch wäre in der Unschuld geblieben

Viel Einwürfe hat der Teufel, damit er sich will entschuldigen, Gott habe ihn also geschaffen, da ihn doch seine gehabte engelische Gestalt, Qual und Bildnis immer überzeuget, dass er ein Lügner ist. Also tut er auch dem armen gefallenen Menschen, führet ihm immer das irdische Reich mit seiner Kraft und Vermögenheit ein, dass er also einen steten Spiegel vor sich habe, dass er also auch Gott schuldige, als habe er ihn irdisch und bös geschaffen. Er lässt aber das Beste außen als das Paradies, in welches der Mensch geschaffen war und dann Gottes Allmacht, dass der Mensch nicht alleine vom Brot lebe, sondern auch von Gottes Kraft und Wort, und dass das Paradies mit seiner Qual habe über die Irdigkeit regiert. Er zeiget dem Menschen nur seine harte, elende, fleischerne, nackende Gestalt. Aber die Gestalt in der Unschuld, da Adam nicht wusste, dass er nackend war, decket er zu, den Menschen zu betrügen.

Und so uns armen Evas-Kindern dieses dann ja so sehr verdecket sein will und es auch wohl der irdische Balg nicht wert ist zu wissen, aber unserem Gemüte sehr nötig, so tut uns hoch not, dass wir zu dem rechten Türhüter, der den Schlüssel hat aufzuschließen, fliehen und ihn bitten und uns ihm ganz einergeben, dass er uns doch wolle die paradiesische Pforte im inneren Centro unseres Bildnisses aufschließen, dass uns doch möchte das paradiesische Licht in unserm Gemüte anblicken und wir doch also möchten lüstern werden, mit unserem Immanuel wieder nach dem inneren und neuen Menschen im Paradies zu wohnen. Denn ohne dieselbe Aufschließung verstehen wir nichts vom Paradies und unserem gehabten Bildnis in der Unschuld.

Weil uns aber Christus, Gottes Sohn, hat wieder zum Paradies-Bildnis erboren, sollen wir ja nicht so lässig sein, uns auf Kunst und irdische Vernunft zu verlassen. Wir finden das Paradies und Christus, der in uns muss Mensch geboren werden, wollen wir anders Gott schauen, nicht in unserer Vernunft. Es ist alles tot und blind. Wir müssen aus der Vernunft ausgehen und in die Menschwerdung Christi eingehen, so werden wir von Gott gelehrt. Alsdann haben wir Macht, von Gott, Paradies und Himmelreich zu reden. Und in der irdischen Vernunft, die nur vom Gestirne herrühret, sind wir vor Gott Narren, so wir wollen vom Mysterium himmlisch reden, denn wir reden von einem Dinge, das wir nie erkannt noch gesehen haben. Aber ein Kind kennet ja die Mutter. Als auch ein jeder, der aus Gott wiedergeboren wird, kennet ja seine Mutter, wohl nicht mit irdischen Augen, aber mit göttlichen und der Mutter Augen, von der er geboren ist. Geben wir dem Leser treuherzig nachzusinnen, was ihm zu tun sei und aus welchem Sinn und Begriff wir schreiben wollen.

Die Vernunft der äußeren Welt will weismachen, Gott habe den Menschen ins äußere Regiment geschaffen, in die Qual der Sterne und vier Elemente. So das wäre, so wäre er ja in die Angst und Tod geschaffen, denn der gestirnte Himmel hat sein Ziel. Wenn er das erreichet, so verlässt er die Kreatur, derer er ein Führer war. Alsdann zergehet ja das Regiment und Wesen der Kreatur, welche dem äußeren Himmel unterworfen ist; und sehen wir ja wohl, wie wir hinfallen und sterben, wenn uns der äußere Himmel mit den Elementen verlässt, dass auch ein Kind im Mutterleibe schon alt genug ist zum Sterben, auch oft verdirbt, weil es noch ohne Leben und im Fiat des äußeren Regiments ist, in der Leibwerdung, ehe das Centrum Naturae das Seelenfeuer aufschlägt. Und erkennen wir freilich den Tod und das Sterben mit Adams Fall, dass Adam sei, alsbald er ist irdisch worden, dem Paradies abgestorben, und sei an Gottes Reich tot worden, darum uns dann die Wiedergeburt not war. Anders können wir nicht wieder lebendig werden.

Dieweil aber Gott dem Adam die irdische Frucht, so vermischet war, verbot, die nicht anzurühren, und auch nur einen Menschen schuf mit männlicher und weiblicher Eigenschaft mit beiden Tinkturen als des Feuers und des Lichts in der Lieb, ihn auch alsbald ins Paradies brachte. Ja im Paradies ward er geschaffen, so können wir der Vernunft nicht stattgeben, welche mit des Teufels Infizieren saget, der Mensch sei irdisch geschaffen. Denn alles was vom irdischen Leben oder von irdischer Qual einig und allein geschaffen ist, das ist tierisch und hat Anfang und Ende und erreichet nicht die Ewigkeit, denn es ist nicht aus der Ewigkeit. Was nun nicht aus dem Ewigen ist, das ist vergänglich und nur ein Spiegel, darin sich die ewige Weisheit als in einer Figur und Gleichnis geschaut hat. Es bleibet von ihm nichts mehr als ein Wind, der sich erhoben hat und dann wieder leget. Um einer solchen Kreatur willen ist Gottes Wort nicht Mensch worden. Das Ewige ist nicht um der Vergänglichkeit willen in die vergängliche Wesenheit eingegangen. So ist es auch nicht darum in das Irdische eingegangen, dass es will das Irdische, Vergängliche in die Kraft der Majestät erheben und einführen, sondern um des Willen, das aus der Kraft der Majestät war herkommen, war aber bös und irdisch worden und gleich als im Tode verblichen, dass es das wollte wieder lebendig machen, auferwecken und in die Kraft der Majestät erhöhen, in den Sitz, als es war, ehe es eine Kreatur war.

Und sollen den Menschen anders erkennen als wir bisher getan haben, indem wir ihn tierisch geschätzt. Er ist ja tierisch worden nach der Eigenschaft dieser Welt, indem er in Adam starb, so lebet er hernach dieser Welt und nicht Gotte. So er aber mit seinem Willen-Geist in Gott einging, so erlangte er den Willen-Geist das edle Bildnis wieder und lebte nach dem Bildnis in Gott und nach der tierischen Eigenschaft in dieser Welt. Also war er im Tode und war doch lebendig. Und darum ward Gottes Wort ein Mensch, dass er ihn wieder in Gott einigte, dass er wieder ganz in Gott geboren würde und das Paradies in ihm empfindlich wäre.

Also ist uns das paradiesische Bild zu betrachten: Wir sagen und erkennen, dass Adam gut, rein und ohne Makel war geschaffen sowohl als Luzifer mit seinem Heer. Er hatte reine Augen, und das doppelt oder zweifach, denn er hatte beide Reiche an sich, als Gottes und dieser Welt Reich. Aber gleichwie Gott ein Herr über alles ist, also sollte auch der Mensch in Gottes Kraft ein Herr über diese Welt sein. Gleichwie Gott in allem herrschet und alles durchgehet, dem Dinge unempfindlich, also konnte der verborgene göttliche Mensch in alles gehen und schauen. Zwar der äußere Mensch war im Äußern, aber ein Herr über das Äußere und war unter ihm, es zähmte ihn nicht. Er hätte können Felsen zerbrechen ohne Mühe. Die Tinktur der Erden war ihm ganz erkenntlich, er hätte alle Wunder der Erden erfunden. Denn zu dem Ende war er auch ins Äußere geschaffen, dass er sollte in Figuren offenbaren und ins Werk führen, was in der ewigen Weisheit war ersehen worden; denn er hatte die jungfräuliche Weisheit in sich.

Gold, Silber und das köstliche Metall ist wohl auch aus der himmlischen Magia mit der Entzündung also eingeschlossen worden. Es ist ein anders als die Erde. Der Mensch liebt es wohl und braucht’s zu seiner Nahrung, aber er kennet nicht seinen Grund und Urstand. Es wird nicht vergebens vom Gemüte geliebt. Es hat einen hohen Urstand, so wir dem nachsinnen. Aber wir geschweigen des billig all hier, weil es der Mensch ohne das zu viel liebt und sich damit vom Geiste Gottes entzeucht. Es soll einer den Leib nicht mehr lieben als den Geist, denn der Geist ist das Leben. Also geben wir euch ein Gleichnis zu verstehen und geschweigen dieser Materie mit ihrem Grund und Urstande.

Aber das wisset: Es war dem Menschen zu seinem Spiel und Zierde gegeben. Er hatte es aus Naturrecht (gemäß der Schöpfungsordnung). Es war sein, verstehe dem äußeren Leibe nach, denn der äußere Leib mit seiner Tinktur und die metallische Tinktur sind einander nahe verwandt. Als des äußeren Leibes Tinktur verderbet war mit des Teufels böser Sucht, so verbarg sich auch die metallische Tinktur vor der menschlichen und feindet den an, denn sie ist reiner als die verderbte im äußeren Menschen.

Und lasset euch das, ihr Sucher der metallischen Tinktur offenbar sein: Wollt ihr den Lapidem Philosophorum (Stein der Weisen) finden, so schicket euch zur neuen Wiedergeburt in Christo, sonst wird sie euch schwer sein zu erkennen; denn sie hat eine große Gemeinschaft mit der himmlischen Wesenheit, welche, so sie vom Grimm aufgelöst würde, man wohl sehen würde. Sein Glanz bedeutet etwas, dass, so wir paradiesische Augen hätten, wohl erkennen würden. Das Gemüte zeiget uns das wohl an, aber der Verstand und volle Erkenntnis ist am Paradies tot. Und darum, weil wir das Edle zu Gottes Unehre und zu unser eigene Verderbnis brauchen und nicht dadurch Gott ehren und mit unserm Geiste in Gottes Geist eingehen, sondern lassen den Geist und hangen an der Wesenheit (Vergänglichkeit), so ist uns die metallische Tinktur Mysterium worden, denn wir sind ihr fremd worden.

Der Mensch war geschaffen, dass er sollte ein Herr der Tinktur sein, und sie war ihm untertan; er aber ward ihr Knecht, dazu fremd. Also suchet er nur Gold und findet Erde; darum dass er den Geist verließ und ging mit seinem Geist in die Wesenheit, hat ihn die Wesenheit gefangen und in Tod geschlossen, dass, wie die Tinktur der Erden im Grimm verschlossen lieget, bis ins Gerichte Gottes. Also auch lieget des Menschen Geist mit im Zorne verschlossen, er gehe denn aus und werde in Gott geboren. Denn der Teufel wollte Großfürst mit seinem Grimm in der himmlischen Wesenheit sein, darum ward sie ihm verschlossen und ward zu Erden und Steinen, dass er also nicht Fürst, sondern ein Gefangener im Zorne ist, und nutzet ihm die Wesenheit nichts; denn er ist Geist und verachtete die himmlische Wesenheit und entzündete die Mutter der Natur, welche alsbald hat alles begreiflich und körperlich gemacht, welches Gottes Geist zusammen schuf; und war aber dem Menschen gut kenntlich, er konnte die Tinktur wohl auflösen und das edel Perllein hervorbringen zu seinem Spiel und Freuden, auch zu Gottes Ehre und Wundertat, so er in der Unschuld blieben wäre.

Anlangend des Menschen Essen und Trinken, damit er seinem Feuer Nahrung und Wesenheit sollte geben, war also getan. Er hatte zweierlei Feuer in sich, als das Seelenfeuer und das äußere Feuer von der Sonnen und Gestirnen. Nun muss ein jedes Feuer Sulphur (hier: Stofflichkeit) oder Wesen haben, oder es bestehet nicht, das ist: es brennet nicht. So haben wir dessen genug zum Verstande am göttlichen Wesen, welches des Menschen Nahrung wäre gewesen, denn – wie oben gemeldet – so wir das Seelenfeuer mit Gottes Liebe, Sanftmut und Wesenheit gespeiste mit allem dem, was das Wort als das göttliche Zentrum hervorbringt. Denn die Seele ist aus dem ewigen magischen (übernatürlichen) Feuer; die muss auch magische Speise haben, als mit Imagination. So sie Gottes Bildnis hat, so imaginieret sie in göttliche Liebe in die göttliche Wesenheit und isst von Gottes Speise, von der Engel Speise. Wo aber nicht, so isst sie von dem, darein ihre Imagination (ihr Streben) gehet, als von irdischer oder höllischer Qual. Und in dieselbe Matricem (Mutterschoß) fället sie auch, wohl nicht mit ihrer Substanz, aber sie wird mit derselben erfüllet und dieselbe hebet in ihr an zu qualifizieren als ein Gift im Fleische tut.

Also ist uns auch des äußeren Leibes Speisung genug erkenntlich. Der äußere Mensch war ja, aber er war gleich wie halb verschlungen von dem Inneren. Der innere herrschte durch und durch, wie das Feuer im glühenden Eisen, und nahm also ein jedes Leben von dem Seinen Speise. Also: das Bildnis Gottes oder der Seelen Geist und Bildnis aß von himmlischer göttlicher Wesenheit; und der äußere Leib aß Paradiesfrucht im Munde und nicht in Leib; denn wie der äußere Leib im Innern als halb verschlungen stand, also war auch die Frucht des Paradieses. Die göttliche Wesenheit gründete durch die irdische und hatte die irdische in der Paradiesfrucht wie halb verschlungen, also dass die Frucht nicht irdisch erkannt ward. Und darum hieß es Paradies als ein Gründen durch den Zorn, da die Liebe Gottes im Zorne gründete und Frucht trug, wie es die Natursprache klar verstehet, ohne einige Deutelei oder Meinung.

Und ist uns ferner also zu verstehen, wie Gott in dieser Welt wohnet, und die Welt ist in ihm wie verschlungen. Sie ist in ihm ohnmächtig und er allmächtig. Also war auch der Mensch und also aß er auch. Sein irdisch Essen war himmlisch. Als wir wissen, dass wir müssen wiedergeboren werden, also war die Paradiesfrucht aus dem Zorne wieder in himmlische Wesenheit geboren. Oder wie wir sehen, dass ein gut, süß Kraut aus der bitteren Erde wächst, welches die Sonne anders qualifizieret als es die Erde hat qualifizieret, also qualifizierte der hl. Mensch die Paradiesfrucht in seinem Munde, dass also die Irdigkeit verschlungen ward als ein Nichts und den Menschen nicht regte. Oder als wir erkennen, dass die Erde wird am Ende verschlungen werden und nicht mehr ein greiflich Corpus sein.

Also war auch das äußerliche Essen des Menschen. Er aß die Frucht im Mund und bedurfte dazu keiner Zähne, denn allda war die Scheidung der Macht. Es waren zwei Centra der Kraft in Adams Munde. Ein jedes nahm das Seine; das Irdische war in himmlische Qual verwandelt, als wir erkennen, dass wir nach unserem Leibe sollen verwandelt und in einen himmlischen Kraftleib gesetzt werden. Also auch war die Verwandlung im Mund, und der Leib empfing die Kraft, denn das Reich Gottes stehet in Kraft. So stand ja der Mensch im Reiche Gottes, denn er war unsterblich und ein Kind Gottes. Hätte er aber sollen also in die Därme essen und einen solchen Stank im Leibe haben, als wir jetzt haben, so will ich die Vernunft fragen, ob dies Paradies sei und ob Gottes Geist in dem wohne? Da doch Gottes Geist in Adam sollte wohnen als in Gottes Kreatur.

Seine Arbeit im Paradies auf Erden war kindhaft aber mit himmlischem Witze. Er mochte Bäume pflanzen, auch andere Kräuter, alles nach seiner Lust. Es wuchs ihm in allem paradiesische Frucht und war ihm alles reine. Er tat, was er wollte, so tat er recht. Er hatte kein Gesetze als nur das Gesetz von der Imagination oder Lust. Die sollte er mit seinem Geiste in Gott setzen, so wäre er ewig blieben. Und obgleich Gott hätte die Erde verändert, so wäre er doch blieben ohne Not und Tod. Es wäre ihm nur alles in himmlische Wesenheit verwandelt worden.

Also verstehet auch von seinem Trinken. Der innere Mensch trank das Wasser des ewigen Lebens aus Gottes Wesen, und der äußere trank Wasser auf Erden. Aber wie die Sonne und Luft das Wasser in sich schlinget und wird dessen doch nicht voll, also war es auch in des Menschen Munde. Es schied sich ins Mysterium, als wir denken und gewiss erkennen. Auch die ganze Wahrheit ist, dass Gott hat alles aus Nichts gemacht, nur aus seiner Kraft. Aber sollte alles, was irdisch war, in des Menschen Mund wieder in das gehen, als es war vor der Welt Schöpfung. Dem Menschen gehöret der Geist und die Kraft davon und nicht ein irdischer Leib, denn Gott hatte ihm einmal einen Leib geschaffen, der da ewig war. Er bedurfte keines Schaffens mehr, er war ein fürstlicher Thron – verstehe: der Adam -, gemacht aus Himmel, Erde, Sternen und Elementen, sowohl aus Gottes Wesen, ein Herr der Welt und ein Kind Gottes.

Merkts, ihr Philosophen, es ist der wahre Grund und hocherkannt: Mischet keinen Schultand (äußere Gelehrsamkeit) darein, es ist helle genug. Meinung tut es nicht, aber der wahre Geist aus Gott geboren erkennet das recht. Alle Meinung ohne Erkenntnis ist ein irdischer Narr und verstehet Erde und vier Elemente, aber Gottes Geist verstehet nur ein Element, da ihrer vier darinnen verborgen liegen. Nicht vier sollten in Adam regieren, sondern eines über vier, das himmlische Element über die vier Elemente dieser Welt. Und also müssen wir wieder werden, wollen wir das Paradies besitzen, um welches Willen Gott ist Mensch worden.

Lasset euch gesagt sein, ihr Schulzänker: Ihr gehet um den Zirkel und gehet nicht hinein, als eine Katze um den heißen Brei, welche der Hitze fürchtet. Also fürchtet und schämet ihr euch vor Gottes Feuer. Und sowenig die Katze des heißen Breis genießt indem sie nur um den Rand gehet riechen, so wenig genießt auch der Mensch der Paradiesfrucht, er gehe denn aus Adams Pelze, den der Teufel besudelt hat, aus und trete in Christi Wiedergeburt ein. Er muss in den Zirkel eingehen und den Vernunftpelz wegwerfen, so krieget er menschlichen Witz und göttliche Erkenntnis; es tut es kein Lernen sondern Geborenwerden.

5. Kapitel – Vom kläglichen, elenden Fall des Menschen

So wir wollen die Menschwerdung Jesu Christi recht beschreiben, so tut not, dass wir euch die Ursachen darstellen, warum Gott ist Mensch worden. Es ist nicht ein Geringes oder ein Nichts, als es die Juden und Türken (Moslems) ansehen und auch wohl bei den Christen. Es muss ja eine große Ursache sein, darum sich der unwandelbare Gott hat beweget. So merket nun dies; wir wollen euch die Ursachen darstellen:

Adam war ein Mensch und ein Bilde Gottes, ein ganz Gleichnis nach Gott. Wiewohl Gott kein Bild ist; er ist das Reich und die Kraft und auch die Herrlichkeit und Ewigkeit, alles in allem. Aber die Tiefe ohne Grund lüsterte, sich in Gleichnissen zu offenbaren, als denn von Ewigkeit solche Offenbarung in der Weisheit Gottes ist geschehen als in einer jungfräulichen Figur, welche doch keine Gebärerin war, sondern ein Spiegel der Gottheit und Ewigkeit in Grund und Ungrund, ein Auge der Herrlichkeit Gottes. Und nach demselben Auge und in demselben Auge wurden die Throne der Fürsten geschaffen, als der Engel, und endlich der Mensch. Der hatte wieder den Thron in sich, gleichwie er war aus der ewigen Magia aus Gottes Wesen erschaffen worden, aus dem Nichts in Etwas, aus dem Geiste in Leib. Und wie ihn die ewige Magia aus sich gebar im Auge der Wunder und Weisheit Gottes, also auch sollte und konnte er einen anderen Menschen auf magische Art aus sich gebären, ohne Zerreißung seines Leibes, denn er war in Gottes Lust empfangen und das Begehren Gottes hatte ihn geboren und dargestellt. Also hatte er auch dieselbe Lust in sich zu seiner selbst-eignen Schwängerung, denn Veneris Tinktur ist die Matrix, die da schwanger wird der Wesenheit als des Sulphuris im Feuer, welcher doch in Veneris Wasser zum Wesen kommt. Des Feuers Tinktur gibt Seele und des Lichts Tinktur gibt Geist. Und das Wasser als die Wesenheit Leib, und Mercurius als das Centrum naturae gibt das Rad der Essentien und das große Leben im Feuer und Wasser, himmlisch und irdisch, und Sal himmlich und irdisch erhält es im Wesen, denn es ist das Fiat.

Denn gleichwie der Mensch das äußere Gestirn in sich hat, welches ist sein Rad der äußern Welt, Essentien und Ursache des Gemüts, also auch das innere Gestirne des Centri der feurigen Essentien, sowohl im anderen Principio der licht-flammenden göttlichen Essentien. Er hatte die ganze Magiam des Wesens aller Wesen in sich. Es war die Möglichkeit in ihm, er konnte magisch gebären, denn er liebte sich selber und begehrte aus seinem Centro wieder das Gleichnis als er von Gottes Begehren war empfangen und mit der Gebärerin im Fiat dargestellt worden, also sollte er auch sein engelisch oder menschlich Heer darstellen.

Ob sie aber sollten alle aus einem als aus dem fürstlichen Thron erboren werden oder an allen, je einer aus dem andern, ist nicht not zu wissen, denn das Ziel ist zerbrochen. Wir haben genug an der Erkenntnis, dass wir wissen, was wir sind und was unser Reich ist. Ich befinde zwar in der Tiefe im Centro, dass je einer sollte aus dem anderen gehen, denn das himmlische Centrum hat seine Minuten sowohl als das irdische, welche immer schlagen, da das Rad mit den Essentien in allen dreien Prinzipien immer gehet und immer ein Wunder nach dem anderen eröffnet. So war doch des Menschen Bild in Gottes Weisheit erfunden und erdacht, da die Wunder ohne Zahl inne liegen. Die sollten mit dem menschlichen Heer eröffnet werden, und würde freilich in der Zeit je ein größer Wunder in einem als im anderen sein eröffnet worden, alles nach der himmlischen und irdischen Geburt wunderlichen Änderungen, als es denn noch heute also geschieht, dass in einem mehr Kunst und Verstand der Wunder lieget als im anderen ist. Darum schließe ich, dass je ein Mensch habe sollen aus dem anderen gehen und geboren werden, um der großen Wunder und um des Menschen Lust und Freude willen, da ja ein Mensch würde haben seinesgleichen hervorbracht. Also wäre das menschliche Geschlecht gestanden in der Gebärung bis Gott das dritte Principium dieser Welt hätte wieder in sein Äther gesetzt, denn es ist eine Kugel mit Anfang und Ende. Wenn der Anfang das Ende erreichet, dass das Letzte in das Erste tritt, so ist es alles vollendet und ganz. Alsdann wird das Mittel wieder geläutert werden und gehet wieder in das, als es vorhin vor den Zeiten dieser Welt war, bis auf die Wunder. Die bleiben in Gottes Weisheit in der großen Magia als ein Schatten von dieser Welt stehen.

So denn Adam ein solch herrlich Bild war und dazu an des verstoßenen Luzifer Stelle, so mochte ihm solches der Teufel nicht gönnen, neidete den heftig und stellte seine Larvam und Imagination immer vor Adam, und schlich mit seiner Imagination in die Irdigkeit der Früchte und bildete dem Adam für, als wenn große Herrlichkeit in seiner entzündeten Irdigkeit steckte, wiewohl ihn Adam nicht kannte, denn er kam auch nicht in seiner eigenen Gestalt, sondern in der Schlange als in einem künstlichen Tier. Er trieb das Affenspiel als ein Vogelsteller, der die Vögel betrügt und fängt, also tat er auch. Auch hatte er das irdische Reich mit seiner Hoffartsucht infizieret und halb ermordet, wie an Erde und Steinen zu sehen ist, welches auch so ganz süchtig und eitel war, und wären doch gerne der Eitelkeit (Vergänglichkeit) los gewesen. Und so es dann empfand, dass Adam ein Kind Gottes war und hatte die Herrlichkeit und Kraft, so imaginierte es auch heftig nach Adam; sowohl der entzündete Zorn Gottes imaginierte auch nach Adam, sich in diesem lebendigen Bilde zu ergötzen.

Also zog alles an Adam und wollte ihn haben. Das Himmelreich wollte ihn haben, denn er war dazu geschaffen. So wollte ihn auch das irdische Reich haben, denn es hatte einen Teil an ihm, es wollte sein Herr sein, dieweil es nur eine Kreatur war. So sperrte der Grimm auch seinen Rachen auf und wollte kreatürlich und wesentlich sein, seinen großen grimmigen Hunger zu ersättigen. Und stand Adam also in der Probe wohl 40 Tage, also lang Christus in der Wüsten versuchet war, und Israel am Berge Sinai, als ihnen Gott das Gesetz gab, ob’s möglich wäre, dass dies Volk könnte in des Vaters Qual im Gesetze vor Gott bestehen, ob der Mensch könnte im Gehorsam bleiben, dass er seine Imagination in Gott stellte, dass Gott nicht bedürfte Mensch werden, um welches willen Gott solche Wunder in Ägypten tat, dass doch der Mensch sollte sehen, dass ein Gott sei, und ihn lieben und fürchten. Aber der Teufel war ein Lügner und Schalk. Er verführte Israel, dass sie ein Kalb machten und für Gott ehrten. Also war es jetzt nicht möglich zu bestehen. Darum kam Moses mit der Tafel vom Berge, darauf das Gesetze geschrieben war, und zerbrach die und tötete die Kälberdiener. Also musste Moses nicht dies Volk ins gelobte Land führen. Es konnte nicht sein, es musste es Josua und endlich Jesus tun, der in der Versuchung vorm Teufel und Zorn Gottes bestand, der den Zorn überwand und den Tod zerbrach wie Moses die Tafel des Gesetzes. Der erste Adam konnte nun nicht bestehen, ob ihm gleich Gottes Reich unter Augen und er im Paradies stand, so war doch Gottes Zorn also sehr entbrannt und zog Adam, denn er war in der Erden so sehr entzündet, durch des Teufels Imagination und starken Willen.

So spricht die Vernunft: Hatte denn der Teufel solche Macht? – Ja, lieber Mensch, hat sie doch der Mensch auch. Er kann Berge umstürzen, so er mit seiner Imagination eingehet. Der Teufel war aus der großen Magia Gottes und ein Fürst oder König dieses Thrones; und ging in die stärkste Feuersmacht ein, in willens ein Herr über alles Himmelsheer zu sein. Also ward die Magia entzündet und die große Turba (Verwirrung) geboren. Die hat mit Adam gerungen, ob er wollte stark genug sein, dem Teufel sein Reich zu besitzen und in anderer Qual darin zu herrschen. Dieses verstand Adams Vernunftgeist wohl nicht, aber die magischen Essentien stritten widereinander, davon die ganze Lust und der Willen entstehet, bis Adam anhob und imaginierte nach der Irdigkeit und wollte irdische Frucht haben. So war es geschehen, denn sein edles Bildnis, welches alleine vom Verbo Domini sollte essen, ward infizieret und verdunkelt. Alsbald Zuhanden wuchs der irdische Versuchbaum, denn Adams Lust hatte das begehret und zugelassen. Da musste Adam versuchet werden, ob er könnte bestehen, denn es kam das strenge Gebot von Gott, und Gott sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Paradies, aber von dem Baume des Erkenntnisses des Guten und Bösen sollst du nicht essen. Denn welches Tages du davon isst, sollst du des Todes sterben, das ist: am Himmelreich sterben und irdisch werden (Gen. 2,16.17). Und Adam wusste das Gebot wohl, aß auch nicht davon. Aber er imaginierte darein und ward in seiner Imagination gefangen, ganz kraftlos, dazu matt und schwach, bis er überwunden ward; da fiel er nieder und schlief.

Also fiel er der Magie heim, und es war geschehen um seine Herrlichkeit, denn der Schlaf deutet an den Tod und eine Überwindung (Niederlage). Das irdische Reich hatte ihn überwunden. Es wollte über ihn herrschen. Das Sternenreich wollte Adam haben und seine Wunder mit ihm verbringen, denn es war sonst keine Kreatur, die so hoch wär gradieret gewesen als der Mensch, welcher das Sternenreich konnte erreichen. Darum ward Adam gezogen und recht versuchet, ob er könnte ein Herr und König über Sternen und Elementen sein. Der Teufel war geschäftig. Er vermeinte, den Menschen auch zu stürzen und in seine Gewalt zu bringen, damit dieser Thron doch endlich sein Königreich bliebe. Denn er wusste wohl, wenn der Mensch aus Gottes Willen würde ausgehen, dass er irdisch sein würde. So wusste er auch wohl, dass der Höllen Abgrund im irdischen Reiche stünde. Darum war er jetzt geschäftig, denn so Adam hätte magisch geboren, so wäre das Paradies auf Erden geblieben. Das war dem Teufel nicht eben. Er mochte das nicht. Es schmeckte nicht in seinem Reiche, denn es roch nicht nach Schwefel und Feuer, sondern nach Liebe und Süßigkeit. Da dachte der Teufel: Das Kraut isst du nicht, du bleibest sonst nicht ein Feuer-Herr.

Also steckte der Fall Adams ganz in der irdischen Essenz. Er verlor die himmlische Essenz, aus welcher göttliche Liebe quillt, und kriegte irdische Essenz, aus welcher Zorn, Bosheit, Gift, Krankheit und Elend quillt, und verlor die himmlischen Augen. Auch konnte er nicht mehr auf paradiesische Art essen, sondern imaginierte nach der verbotenen Frucht, da Bös und Gut vermischet war, als noch heut alle Frucht auf Erden ist. Und also wurden die vier Elemente in ihm rege und qualifizierend (wirksam) denn sein Wille mit der Imagination nahm das irdische Reich in das Seelenfeuer zur Herberge ein. Also ging er von Gottes Geist aus in den Sternen- und Elementen-Geist. Die nahmen ihn an und freuten sich in ihm. Denn sie wurden jetzt in ihm lebendig und mächtig; zuvor mussten sie untertänig und im Zwange sein. Jetzt kriegten sie das Regiment.

Da wird der Teufel gelacht und Gottes gespottet haben. Aber er wusste noch nicht, was dahinten war; er wusste noch nichts vom Schlangentreter (Christus; vgl. Gen.3,15), welcher ihm sollte seinen Stuhl nehmen und sein Reich zerbrechen. Also ist Adam in den Schlaf niedergesunken in die Magiam, denn Gott sah, dass er nicht bestehen konnte. Darum sprach er: Es ist nicht gut, dass dieser Mensch allein sei; wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei (Gen. 2,18), durch welche er sich könne bauen und fortpflanzen. Denn er sah den Fall und kam ihm auf einem anderen Weg zu Hilfe, denn er wollte nicht, dass sein Bildnis sollte verderben.

Die Vernunft spricht: Warum ließ Gott den Baum wachsen, daran Adam versuchet war? Es muss ja sein Wille sein gewest, dass Adam versuchet ward. Also will sie auch den Fall in Gottes Willen schieben, und denket, Gott habe gewollt, dass Adam sollte fallen. Gott wollte etliche Menschen in Himmel und etliche in der Hölle haben, sonst hätte er ja dem Übel gewehrt und Adam können erhalten, dass er wäre gut und im Paradies blieben. Also urteilt auch die jetzige Welt, denn, saget sie, hätte Gott nichts Böses gemacht, so wäre nichts Böses, zumal es alles von ihm herrühret und er alleine der Schöpfer ist, der alles gemacht hat, so hat er ja Böses und Gutes gemacht, sonst wäre es nicht also. Und das will sie schlechtes erhalten; auch denket sie, wäre je nichts gewesen, daran sich der Teufel und auch der Mensch vergaffet hätten und sind böse worden, so wäre der Teufel ein Engel blieben und der Mensch im Paradies.

Antwort: Ja, liebe Vernunft, jetzt hast du das Ziel und den Zweck getroffen. Es mag dir also nicht fehlen, wo du nicht blind bist. Höre, warum sagst du auch nicht zum Lichte, warum leidest du das Feuer, wie gar wonnevoll wärest du, so du nicht im Feuer wohnest? Ich wollte meine Hütte zu dir bauen, aber du wohnest im Feuer, ich kann nicht. Sage nur zum Lichte: Gehe aus dem Feuer, so bist du gut und wundersam. Und so dir das Licht folget, so findest du einen großen Schatz. Wie wirst du dich freuen, so du kannst im Lichte wohnen, dass dich das Feuer nicht brennet. – Also weit gehet die Vernunft.

Aber siehe recht mit magischen Augen, verstehe mit göttlichen und auch mit natürlichen, so soll dir’s gezeigt werden. Bist du aber nicht gar blind und tot; – siehe, ich gebe dir im Gleichnis zu verstehen, weil sonst die Vernunft eine Närrin ist und nichts vom Geiste Gottes verstehet. Ich will also setzen, als hätte ich die Gewalt, dass ich könnte das Licht vom Feuer nehmen, welches doch nicht sein kann, und sehen, was doch danach sein würde. Siehe, wenn ich das Licht vom Feuer nehme, so verlieret (1.) das Licht seine Essenz, daraus es scheinet; (2.) es verlieret sein Leben und wird eine Ohnmacht; es wird (3.) von der Finsternis gefangen und bewältigt und erlischt in sich selber und wird ein Nichts. Denn es ist die ewige Freiheit und ein Ungrund. Weil es scheinet, so ist es gut, und wenn’s erlischt, so ist es nichts.

Nun siehe weiter: Was bleibet mir aber am Feuer, wenn ich das Licht und Glanz vom Feuer nehme? Nichts, als nur ein dürrer Hunger und eine Finsternis. Es verlieret Essenz und Qual, verhungert und wird ein Nichts. Sein gewesener Sulphur ist ein Tod, verzehret sich, weil die Essenz da ist. So sie nun nimmer ist, so ist’s ein Nichts, ein Ungrund, da keine Spur ist.

Also, liebes suchendes Gemüte, denke ihm doch also nach: Gott ist das ewige Licht, und seine Kraft und Qual wohnet im Lichte. Das Licht verursacht Sanftmut, und aus der Sanftmut wird Wesen. Dasselbe Wesen ist Gottes Wesen, und des Lichtes Qual ist Gottes Geist, der der Urstand ist. Es ist sonst kein anderer Ort als dieser. Im Lichte ist die Kraft, und die Kraft ist das Reich. Nun hat aber das Licht und die Kraft nur einen Liebewillen. Es begehret nichts Böses. Es begehret wohl Wesen, aber aus seiner eigenen Essenz, verstehe: aus der Liebe und Süßigkeit, denn dasselbe ist dem Lichte ähnlich. Nun urständet aber das Licht vom Feuer, und ohne das Feuer wäre es nichts. Es hätte keine Essenz ohne das Feuer. Das Feuer machet Leben und Beweglichkeit und ist die Natur, hat aber einen anderen Willen als das Licht, denn es ist ein Geiz und will nur zehren. Es nimmt nur und steiget in Hoffart auf. Und das Licht nimmt nicht, sondern es gibt, dass das Feuer erhalten wird. Des Feuers Qual ist Grimm. Seine Essentien sind bitter. Sein Stachel ist feindselig und unwonnesam. Es ist eine Feindschaft in sich selber. Es verzehret sich selber. Und so ihm das Licht nicht zu Hilfe kommt, so frisst sich’s, dass ein Nichts aus ihm wird.

Also, mein liebes suchendes Gemüte, betrachte dies, so wirst du bald zur Ruhe und ans Ziel kommen: Gott ist von Ewigkeit die Kraft und das Licht, und wird Gott genannt nach dem Lichte und nach der Kraft des Lichtes, nach dem Geiste des Lichts, nicht nach dem Feuergeiste. Denn der Feuergeist heißet sein Grimm, Zorn, und wird nicht Gott genannt, sondern ein verzehrend Feuer der Macht Gottes. Das Feuer heißet Natur, und das Licht heißet nicht Natur. Es hat wohl des Feuers Eigenschaft, aber verwandelt aus Grimm in Liebe, aus Fressen und Verzehren ein Gebären, aus Feinden und bitter Wehe ein sanftes Wohltun und lieblich Begehren und ein Immer-Erfüllen. Denn das Liebe-Begehren zeugt die Sanftmut des Lichts in sich und ist eine schwangere Jungfrau, nämlich der Witze und Weisheit der Kraft der Gottheit.

Also ist uns hoch erkenntlich, was Gott und Natur ist, dazu auch der Grund und Ungrund, auch die Tiefe der Ewigkeit. Und erkennen also, dass das ewige Feuer magisch sei und werde im begehrenden Willen erboren, wie solche im anderen und dritten Teil der Bücher erkläret worden, ist nun das ewige Unergründliche magisch, so ist auch das magisch, das aus dem Ewigen erboren ist. Denn aus Begehren sind alle Dinge worden. Himmel und Erden sind magisch, auch das Gemüte mit den Sinnen, so wir doch dies wollten kennen.

Was mag nun dies das Licht, so das Feuer etwas ergreift und verschlinget, so doch das Ding, so vom Feuer ergriffen wird, auch magisch ist? So es dann ein Leben und des Lichts Kraft und Verstand hat, warum läuft es dann ins Feuer? Ist doch der Teufel ein Engel gewesen und Adam ein Bild Gottes; sie hatten beide das Feuer und das Licht, dazu göttliche Weisheit in sich. Warum imaginierte der Teufel nach dem Feuer und Adam nach der Erden, waren sie doch frei? Das Licht und Kraft Gottes zog den Teufel nicht ins Feuer, sondern der Grimm der Natur. Warum willigte der Geist? Was die Magia machte, das hatte sie. Der Teufel machte sich die Hölle, die hatte er. Adam machte sich irdisch, das ist er. Ist doch Gott keine Kreatur, auch kein Macher, sondern ein Geist und Eröffner. Als die Schöpfung geschah, so ist uns also davon zu ersinnen und zu erkennen. Es hat sich das Feuer und Licht zugleich in Lust erwecket und einen Spiegel oder Bildnis nach der Ewigkeit begehret. So ist uns doch in wahrer Erkenntnis, dass der Grimm als des Feuers Natur kein Macher ist. Er hat aus sich nicht gemacht, das wesentlich wäre, denn das kann auch nicht sein, sondern er hat Geist und Qual gemacht. So stehet aber keine Kreatur nur bloß in der Essenz. Soll eine Kreatur sein, so muss sie aus Wesen sein als aus Kraft oder Sulphur. Sie muss im geistlichen Sal bestehen, so wird alsdann aus dem Feuer-Qual ein Mercurius und ein recht essentialisch Leben. Dazu muss sie Glanz haben, soll aber ein Verstand und Erkenntnis innen sein.

Also wissen wir, dass alle Kreatur im geistlichen Sulphur, Mercurio und Sale stehet, und tut es doch nicht allein der Geist. Es muss Sulphur sein, in dem das Fiat steht als die herbe Matrix zum Centro Naturae, darin der Geist erhalten wird; das ist: es muss Wesen sein. Denn wo kein Wesen ist, da ist kein Schaffen, da doch ein kreatürlicher Geist kein begreiflich Wesen ist. Aber er muss ihm Wesen in sich einziehen durch seine Imagination, sonst bestünde er nicht.

So ihm denn der Teufel Grimmigkeit in Geist zog und der Mensch Irdigkeit in Geist zog, was mochte das die Liebe der Wesenheit Gottes, ward doch dem Teufel die Liebe und Sanftmut Gottes mit dem göttlichen Wesen vorgestellt und dargeboten, sowohl auch dem Menschen. Wer will Gott beschuldigen? Ist aber die grimmige Essenz im Teufel zu stark gewesen, dass sie die Liebe-Essenz hat überwunden, was kann Gott dafür? So ein guter Zweig gesetzt wird, verdirbt aber, was mag dessen die Erde, gibt sie ihm doch Saft und Kraft. Warum zeugt der Zweig nicht an sich? Sprichst du: Seine Essentien sind zu schwach; – was mag aber dessen die Erde und auch der, so den Zweig gesetzt hat. Sein Wille ist doch nur, dass er will einen guten Baum aufziehen zu seiner Lust, und will seiner Frucht genießen. Wüsste er aber, dass der Zweig sollte verderben, er setzte den nimmer.

Also ist uns zu erkennen: Nicht als einer, der einen Baum setzet, sind die Engel geschaffen, sondern mit der Bewegung Gottes mit beiden Prinzipien, als Licht und Finsternis, in welcher das Feuer verborgen lag. Brannte doch das Feuer nicht in der Schöpfung und in der Bewegung als es noch heute nicht brennet, denn es hat sein eigen Principium. Warum erweckte das Luzifer? Der Wille entstand aus seiner Kreatur und nicht außer ihm. Er wollte ein Herr über Feuer und Licht sein. Er wollte das Licht verlöschen und verachtete die Sanftmut und wollte ein Feuer-Herr sein. So er dann das Licht verachtete und seine Geburt in Sanftmut, so ward er billig ausgestoßen. Also verlor er Feuer und Licht und muss im Abgrunde in der Finsternis wohnen. Will er Feuer haben, so muss er ihm das aufschlagen und mit seiner Bosheit in der Imagination anzünden, welches ihm doch nicht recht brennet, sondern nur in essentialischer grimmiger Qual, als die vier Gestalten im Centro naturae in sich selber geben. Als herb, hart, rau und kalt ist eine Gestalt, bitter, stachlig, feindselig ist die andere Gestalt am Centro und dann Angst, Wehe und Qual ist die dritte Gestalt. Und mit der Angst, als im Bewegen und Leben schlägt er das Feuer in der harten Herbigkeit zwischen der Härte und bitteren Stachel, auf dass es als ein Blitz erscheinet. Das ist die vierte Gestalt. Und so nun nicht Sanftmut oder Wesen der Sanftmut ist, so gibt es kein Licht, sondern nur einen Blitz, denn die Angst will die Freiheit haben, ist aber zu scharf und erlanget sie nur einen Blitz. Das ist Feuer und hat doch keinen Bestand oder Grund. Also muss der Teufel in der Finsternis wohnen, und hat nur den grimmen Blitz in sich, ist auch die ganze Gestalt in der Wohnung nur als ein grimmiger Blitz, als ob’s Donnerschläge täte. Also stellet sich die höllische Eigenschaft in der Qual.

Also ist uns auch im gleichen zu verstehen von dem Versuchbaum welchen Adam durch seine Imagination erweckt. Er begehrte, so stellte ihm die Matrix naturae das für, das er begehrte. Aber Gott verbot ihm das. Er sollte es nicht anrühren, Gott wollte es nicht haben. Aber die irdische Matrix wollte Adam haben, denn sie erkannte in Adam die göttliche Kraft. Weil sie war mit der Entzündung des Teufels irdisch worden, doch nicht gar erstorben, so sehnte sie sich nach dem, als sie zuvor war, als nach der Freiheit, der Eitelkeit los zu sein; und in Adam war die Freiheit.

Also zog sie Adam, dass Adam imaginiert; und also lüsterte Adam wider Gottes Gebot und Willen. Das ist’s, das Paulus saget: Das Fleisch lüstert wider den Geist und den Geist wider das Fleisch (Gal. 5,17). Adams Fleisch war halb himmlisch und halb irdisch. Also hatte auch Adams Geist eine Macht mit der Imagination in die Erde gebracht, und also gab ihm die Matrix naturae dasjenige, was er wollte. Er musste versuchet werden, ob er auch an Luzifers Stelle ein Engel wollte bestehen. Darum schuf ihn Gott auch nicht bloß roh als einen Engel, dass – so er ja fiele und nicht bestünde – er ihm möchte helfen, dass er doch nicht also im Grimme verdürbe wie Luzifer. Darum ward er aus der Materia erschaffen und war ihm sein Geist in die Materiam eingeführt als in Sulphur vom Wasser und Feuer, dass ihm doch Gott könnte also ein neues Leben wieder ausgebären. Gleichwie eine schöne wohlriechende Blume aus der Erden wächst, also war auch Gottes Vorsatz, weil er erkannte, dass er nicht bestehen würde. Darum saget auch Paulus: Wir sind in Christo Jesu vorbestimmt, ehe der Welt Grund gelegt ward, das ist: als Luzifer fiel. Da war der Welt Grund noch nicht gelegt, und war aber der Mensch schon in Gottes Weisheit ersehen. So er aber sollte aus dreien Prinzipien gemacht werden, so war schon Gefahr wegen des entzündeten Sulphuris der Materien. Und ob er wohl über der Erden geschaffen war, so ward doch der Sulphur aus der Erden Matrice ausgezogen als eine schöne Blume aus der Erden, und war schon Gefahr. Und allda hat sich der holdselige Name Jesus mit eingebildet als ein Heiland und Wiedergebärer. Denn der Mensch ist das größte Geheimnis, das Gott gewirkt hat. Er hat die Figur, wie sich die Gottheit hat von Ewigkeit aus dem Grimm, aus dem Feuer durch das Ersinken, durch den Tod in ein anderes Principium anderer Qual und Kraft, da er der Irdigkeit ganz los wird.

Und ist uns sehr gut, dass wir der Erden mit dem irdischen Teil sind heimgefallen, sofern wir aber auch das göttliche Teil erhalten, denn wir werden also ganz rein und kommen ganz vollkommen, ohne einige Sucht des Teufels, wieder in Gottes Reich, und sind viel ein größer Geheimnis als die Engel. Wir werden auch nach der himmlischen Wesenheit sie übertreffen, denn sie sind Feuerflammen, mit dem Lichte durchleuchtet. Wir aber erlangen den großen Quell der Sanftmut und Liebe, so in Gottes heiliger Wesenheit quillt.

Darum tun die ganz falsch und unrecht, die da sagen, Gott wolle nicht alle Menschen im Himmel haben. Er will, dass allen geholfen werde. Es fehlet am Menschen selber, dass er sich nicht will helfen lassen. Und ob mancher böser Neigung ist, das ist nicht von Gott, sondern von der Mutter der Natur. Willst du Gott beschuldigen? Du lügst, Gottes Geist entzeucht sich niemandem. Wirf deine Bosheit weg und gehe in die Sanftmut ein. Tritt in die Wahrheit, in die Liebe und ergib dich Gott, so wird dir geholfen, denn darum ist Jesus geboren, dass er helfen will. Sagst du, ich werde gehalten, dass ich nicht kann. – Ja recht, du willst haben, der Teufel wollt es auch haben. Bist du ein Ritter, warum streitest du nicht wider das Böse? Streitest du aber wider das Gute, so bist du ein Feind Gottes. Meinest du, Gott werde dem Teufel eine engelische Krone aufsetzen? Bist du Feind, so bist du nicht Freund. Willst du Freund sein, so verlasse die Feindschaft und gehe zum Vater, so bist du Sohn. Darum, wer Gott beschuldiget, der ist ein Lügner und Mörder als der Teufel auch. Bist du doch dein selbst eigener Macher, warum machst du dich böse? Und ob du eine böse Materia bist, so hat dir Gott sein Herz und Geist geschenkt. Nimm das zu deinem Machen, so machst du dich gut. Nimmst du aber Geiz und Hochmut, dazu Wollust des irdischen Lebens, was kann Gott dafür? Soll dir auch noch Gott in deinem verächtlichen Hochmut sitzen? Nein, das ist nicht seine Qual. Sprichst du aber: Ich bin ein böser Qual und kann nicht, ich werde gehalten, – wohlan, lass die böse Qual sein! Gehe du aber mit deinem Willen-Geist in Gottes Liebe-Geist ein und ergib dich seiner Barmherzigkeit, du wirst der bösen Qual wohl einst los werden. Die böse Qual ist aus der Erden. So die Erde den Leib krieget, so mag sie ihre Bosheit hinnehmen; du aber bist und bleibst ein Geist in Gottes Willen, in seiner Liebe. Lass hin fahren den bösen Adam, es wird dir ein neuer und guter aus dem alten ausgrünen, als eine schöne Blume aus dem stinkenden Mist auswächst. Nur schaue zu, dass du den Geist in Gott erhältst; um den bösen Leib, der voll böser Affekte stecket, ist’s nicht viel zutun. Ist er bös geneigt, so tue ihm desto weniger Gutes. Gib ihm nicht Ursache zur Geilheit. Im Zwang zu halten ist ein gut Remedium (Heilmittel), aber toll und voll sein, ist: den bösen Esel vollends in den Mistpfuhl werfen, da er sich doch genug im Kot sudelt als eine Sau. Nüchtern sein, ein mäßig Leben führen, ist eine gute Purganz (Reinigung) für den bösen Esel. Nicht geben, wonach ihm gelüstet, oft lassen fasten, dass er das Gebet nicht hindert, ist ihm gut. Er will wohl nicht, aber der Verstand soll Herr sein, denn er trägt Gottes Bildnis.

Dieses Latein schmeckt zwar der Vernunft-Welt in Fleischeslust nicht. Weil ihr aber dieses nicht schmecket, und ziehet für dieses eitel böse irdische Wollust ein und saufet die in sich, so ist der Zorn in ihr rege. Der zeugt sie immer mit Adam aus dem Paradies und mit Luzifer in Abgrund. Da wirst du doch satt saufen und fressen, was du all hier hast willig in dich gezogen. Aber Gott sollst du nicht schuldigen, sonst bist du ein Lügner und Feind der Wahrheit. Gott will kein Böses, ist auch kein böser Gedanke in ihm. Er hat nur eine Qual, das ist Liebe und Freude. Aber sein Grimm als die Natur hat viele Qualen (Eigenschaften) darum sehe ein jeder zu, was er tut. Es ist ein jeder Mensch sein eigener Gott und auch sein eigener Teufel; zu welcher Qual er sich neiget und einer gibt, die treibet und führet ihn, derselben Werkmeister wird er.

Ein groß Elend ist das, dass der Mensch so blind wird, dass er doch nicht mag erkennen, was Gott ist, da er doch in Gott lebet; und sind noch Menschen, die solches verbieten, man solle nicht forschen, was Gott sei, und wollen auch Lehrer Gottes sein; jawohl, Lehrer des Teufels sind solche, dass der mit seinem falschgleissnerischem Reiche nicht offenbar und erkannt werde.

6. Kapitel – Von Adams Schlafe, wie Gott ein Weib habe aus ihm gemacht und wie er vollends sei irdisch worden

Wenn der Mensch matt und müde wird, so fället er in einen Schlaf als in die Magiam (Geheimniszustand des Unbewussten). Ihm ist, als wäre er nicht in dieser Welt, denn alle seine Sinne hören auf. Das Rad der Essenden tritt in eine Ruhe. Er ist, als wäre er essentialisch und nicht substantialisch. Er gleichet sich bloß der Magie, denn er weiß nichts von seinem Leibe. Er lieget als tot und ist doch nicht tot, sondern der Geist steht stille. So haben alsdann die Essentien ihr Verbringen (sie sind passiv) und sieht alleine der Seelen-Geist. Da wird alles in dem siderischen (gestirnten) Geist gemalt, was der gestirnte Himmel verbringet, und stehet magisch als ein Spiegel im Gemüte, in welchem sich der Geist der großen Welt vergaffet, und führet das, was er im Spiegel sieht, in die Essentien. Und die Essentien quellen darinnen, als verbrächten sie das Werk in dem Geiste, malen das auch im Geist, welches Träume und Vorbildungen sind.

Also ist uns zu erkennen: Als die Irdigkeit mit Adam rang und er in dieselbe imaginierte, so ward er sobald davon infizieret, ward in seinem Gemüte finster und strenge, denn die Irdigkeit hub an zu qualifizieren als ein Wasser, welches vom Feuer anhebet zu sieden. Der Sternen Qual ward rege und war jetzt des Leibes Herr. So saget nun Moses gar recht:

Gott ließ ihn in einen tiefen Schlaf fallen, das ist: weil sein Willen-Geist nach Irdigkeit imaginierte, so ließ ihn Gott hinfallen, denn er führte mit der Imagination Irdigkeit in die himmlische Wesenheit. Und das wollte der Geist Gottes, welcher ein Geist des Lichts ist, nicht haben, denn Adams Geist war eine Kreatur und ging aus Gottes Liebe-Geist aus. Also ließ er ihn wohl nicht gerne, aber die Irdigkeit hatte ihn schon gefangen. Und da er ihn ließ, da sank er nieder in eine Ohnmacht und fiel dem dritten Principio anheim als dem Gestirne und den vier Elementen. Also lag er in der irdischen Magia und ward doch auch nicht ganz irdisch. Er lag im Mysterium zwischen Gottes und dieser Welt Reich verborgen, da beide Fiat (beide Aspekte des Schöpferischen) als das göttliche und irdische, in ihm rege waren. Und waren die zwei Reiche, als Gottes und der Höllen Reich, jetzt zum ersten Mal im Streite um den Menschen. So nun jetzt nicht der teure Name Jesus in Adam eingebildet wäre gewesen, auch noch vor der Schöpfung als in die Wesenheit Gottes, darin die Jungfrau der Weisheit Gottes stand, daraus Adam geschaffen ward, so sollte er wohl noch schlafen und im irdischen Tode sein.

Und dieses ist, dass der andere Adam, Christus, musste bis an den dritten Tag in der Erden in des ersten Adams Schlafe ruhen und den ersten Adam wieder aus der Irdigkeit auferwecken. Denn Christus hatte auch eine Seele und Geist aus Adam. Und das teure Wort der Gottheit mit Gottes Geist weckte die erstorbene Wesenheit des Sulpfuris als den Leib, welcher in Adam war erstorben, in Christi Fleisch wieder auf und setzte das wieder in die Kraft der Majestät Gottes ein, und damit uns alle.

Alle diejenigen, welche mit ihrem Glauben und Imagination in Christi Fleisch und Blut in seinen Tod und Ruhe in der Erden eingehen, die grünen alle mit ihrem Geiste und Willen in der göttlichen Wesenheit aus und sind eine schöne Blume in der Majestät Gottes. Und Gott, das ewige Wort und Kraft, will am Jüngsten Tage den erstorbenen Leib, welcher der Erden ist, mit Adam heimgefallen (im Sündenfall) in sich mit seinem Geiste aufwecken. Denn Christi Seele und Fleisch welches auch unsere Seele ist – verstehe es recht: das Teil, welches Adam aus der göttlichen Wesenheit empfing – hat Gott geschieden durch und in dem Tode Christi von der irdischen Qual, und hat’s auferwecket und wieder in die göttliche Wesenheit eingeführt, als es war vor den Zeiten der Welt, und uns in und mit ihm. Und fehlet jetzt bei uns nur an der Einergebung, dass wir uns den Teufel lassen halten, denn unser Tod ist zerbrochen. Unser Schlaf ist ein Leben worden, und solches in Christo und durch Christus in Gott und durch Gott in die Ewigkeit, mit unseren Grund in Ungrund als in die Majestät außer der feuernden Natur.

Ach, Blindheit, dass wir uns nicht kennen! O du elender Mensch! Wenn du dich kenntest, wer du bist, wie solltest du dich freuen! Wie solltest du dem finstern Teufel Abschied geben, welcher Tag und Nacht dahin trachtet, dass er unser Gemüte irdisch mache, dass wir nicht sollen unser rechtes Vaterland, daraus wir sind ausgegangen, erkennen. O elende, verderbte Vernunft, erkennst du nur ein Funkeln von deiner ersten Herrlichkeit (vor dem Fall), wie solltest du dich danach sehnen! Wie gar holdselig ist doch der Anblick der göttlichen Wesenheit! Wie süße ist das Wasser des ewigen Lebens aus Gottes Majestät! O wertes Licht, hole uns wieder, wir sind jetzt mit Adam in der irdischen Qual eingeschlafen. O Komm, du wertes Wort, und wecke uns in Christo auf! O wertes Licht, bist du doch erschienen, zerbrich nur des Teufels Macht, der uns gefangen hält! Zerbrich des Widerchrists und des Geizes Macht und erlöse uns vom Übel! Wecke uns auf, Herr, denn wir haben lange in des Teufels Netz, in irdischer Qual geschlafen. Lass uns doch noch einst sehen dein Heil; bringe doch hervor das neue Jerusalem! Ist’s doch Tag, warum sollen wir dann am Tage schlafen? Komm doch, du Durchbrecher des Todes, du gewaltiger Held und Ritter, und zerbrich dem Teufel sein Reich auf Erden! Gib uns, deinem kranken Adam, doch noch einen Labetrunk aus Zion, auf dass wir uns erquicken und in unser rechtes Vaterland heimgehen. Siehe, alle Berge und Hügel mit den Tälern sind voll der Herrlichkeit des Herrn. Er schießt auf als ein Gewächs, wer will das wehren, Halleluja!

Als nun Adam eingeschlafen war, so lag er im Mysterium, als in Gottes Wundern. Was er mit ihm tat, das war getan. Also bewegte der eingebildete Name Jesus abermals das Fiat in zwei Gestalten als in beiden Tinkturen (Wirkkräfte) des Feuers und Wassers. Denn dieses erste Bildnis war jetzt dem Namen Jesus im Worte des Lebens heimgefallen, und war jetzt das Wort des Lebens der andere Schöpfer, – verstehe: mit dem eingebildeten Namen Jesus, der da wollte Mensch werden. Der schied die zwei Tinkturen voneinander, als die Feuer- und Licht-Tinktur, jedoch nicht ganz in der Kraft, sondern in der Wesenheit. Denn in der Wesenheit der Licht-Tinktur war der Sulphur Veneris (Venuskraft) der Liebe, in welcher sich Adam sollte und konnte selber schwängern. Die Feuer-Tinktur gab Seele und die Licht-Tinktur Geist, als ein Bildnis nach dem äußeren Bildnis. Das Feuer-Leben imaginierte nach dem Licht-Leben und das Licht-Leben nach dem Feuer-Leben als nach der essentialischen Kraft, daraus das Licht scheinet. Dieses war in Adam eins, denn er war Mann und Weib. Und das Wort des Lebens nahm die Veneris Tinktur mit dem himmlischen und irdischen Fiat von Adam (vgl. 6,2) und auch eine Rippe aus seiner Seiten von seinem Gebeine, sowohl das halbe Kreuz T im Kopfe, welches der Charakter der Hl. Dreifaltigkeit ist, bezeichnet mit dem Worte des Lebens als mit dem schweren Namen Gottes, welches einen solchen Charakter führet T, bedeutet das Kreuz Christi, daran er den Tod sollte leiden und Adam wieder neugebären und in dem Namen Jesu in Ternarium Sanctum (Hl. Dreifaltigkeit) einführen. Dieses alles nahm das Fiat in sich mit allen Essentien menschlicher Eigenschaft, wiewohl auch des Seelenfeuers Eigenschaft, aber in Veneris Tinktur, nicht nach der Macht des Centri; und schied sich in die ganze Form des Menschen.

Also ward das Weib erbauet mit allen Gliedern der weiblichen Eigenschaften, als sie noch haben, denn der Geist Majoris mundi hatte jetzt das stärkste Fiat und figurierte das Weib nach solcher Gestalt, als es in der Vermögenheit sein konnte. Denn die engelische Form war weg, es musste nun auf tierische Art geboren sein. Und also ward auch dem Adam, weil er war der irdischen Magie heimgefallen, tierische Form und Gestalt der männlichen Glieder gegeben. Und war des Adams Gebären dem Fiat gegeben, das machte ein Gleichnis nach ihm, aus ihm. Wäre er himmlisch gesinnt geblieben, so hätte er selber himmlisch geboren. Also tat’s das irdische Fiat, und war sein äußerer Leib ein Tier, verlor auch himmlische Weisheit und Kraft der Allvermögenheit.

Also, lieber Leser, sollst du wissen, dass sich der andere Adam Christus nicht vergebens hat lassen kreuzigen und mit einem Speer in seine Seite stechen, noch sein Blut vergebens vergossen. Allhier lieget der Schlüssel: Adam ward in seiner Seiten zerbrochen mit der Rippe zum Weibe. In dieselbe Seite musste Longini Speer mit Gottes Grimme kommen, denn er war in Adam kommen und aus Marien Irdigkeit auch in die Seite Christi, und musste das Blut Christi den Grimm ersäufen und von dem ersten Adam wegnehmen. Denn der andere Adam hatte auch himmlisch Blut. Das musste die irdische Turbam (hier: Grimm) ersäufen, auf dass der erste Adam wieder heil würde.

Lasst es euch gesagt sein, ihr Menschenkinder, denn es ist in Ternario Sancto erkannt worden und nicht in Meinung oder Wähnen; es kostet euch Seele und Leib. Sehet zu, was ihr tut!

Also ist nun angegangen die menschliche Fortpflanzung auf tierische Art. Denn Adam behielt den Limbum und seine Eva die Matricem Veneris, denn die Tinkturen waren geschieden. Nun ist jede Tinktur eine ganze Magia als eine begehrende Sucht, in welcher Centrum naturae erboren wird, und solches in Sulphur. So ist alsdann in dem Sulphur wieder die begehrende Magia mit der Tinktur, und mag doch nicht zum Leben kommen, es komme denn des Feuers Tinktur in Veneris Tinktur. Und Veneris Tinktur kann kein Feuer erwecken, sie ist zu schwach. So das denn nicht in sich sein mag, und die beiden Tinkturen begehren gleichwohl auch des Lebens. Jetzt gehet die heftige Imagination des Mannes und Weibes an, dass sich eines begehret mit dem anderen zu mischen, denn die Kraft der Essentien will lebendig sein, und die Tinktur treibet dazu und begehret das. Denn die Tinktur ist aus dem ewigen Leben und ist aber in der Wesenheit eingeschlossen. Also will sie leben, als sie von Ewigkeit getan hat. Und darum sehnet sich der Mann nach des Weibes Matrice und das Weib nach des Mannes Limbo.

Das Weib hat eine wässerige Tinktur, und der Mann eine feurige. Der Mann säet Seele, und das Weib Geist, und beide säen Fleisch, als Sulphur. Darum ist Mann und Weib Leib und machen beide ein Kind, und darum sollen sie beide beieinander bleiben, so sie sich einmal mischen, denn sie sind ein Leib worden. Wer sich mit dem anderen mischet oder trennet, der zerbricht die Ordnung der Natur, gleichet einem Vieh und besinnet sich nicht, dass in seinem Samen die ewige Tinktur lieget, darin die göttliche Wesenheit verschlossen liege und dermal einst im Zorn-Teile wird erwecket werden. Auch ist das ein Werk, das dem Menschen im Schatten nachfolget und seine Qual wird im Gewissen dermal einst rege gemacht werden. Denn die Tinktur im Samen urständet aus der Ewigkeit, sie ist unvergänglich, sie erscheinet in Geistesgestalt und tritt dem Menschen in seine Magiam, daraus sie der Mensch hat erboren und ausgeschüttet.

Merket dies, ihr Huren und Buben, was ihr im Winkel treibet oftmals mit großer Falschheit, das tritt euch ins Gewissen und wird euch ein böser Nagewurm. Die Tinktur ist ein ewig Wesen und wollte gerne in Gottes Liebe sein. So ihr sie aber im Trieb der Sternregion durch Infizierung des Teufels in ein falsch spühlicht (unsauberes) Fass, in Gräuel und Unordnung eingießet, so wird sie schwerlich Gottes Liebe erreichen, sondern tritt mit der Imagination wieder in den ersten Ort als in euch. Ist sie falsch worden in einem falschen Gefäße, dass sie nicht kann ruhen, so wird sie euch wohl nagen und auch im höllischen Abgrund ins Gewissen treten. Es ist weder Tand noch Scherz; seid nicht so ganz tierisch, denn ein Tier hat seine Tinktur nur bloß von dieser Welt. Ihr aber nicht also; ihr habt sie aus der Ewigkeit. Was ewig ist, stirbt nicht. Ob ihr gleich den Sulphur verderbet, so tritt doch der Willen-Geist im Sulphuris mit der edlen Tinktur ins Mysterium und nimmt ein jedes Mysterium das Seine, und soll das Mysterium am Jüngsten Tage, wenn sich der Geist Gottes wird in allen dreien Prinzipien bewegen, offenbar werden. Da werdet ihr eure schönen Werke sehen.

Also ist uns hoch erkenntlich die große Barmherzigkeit Gottes über das menschliche Geschlechte, denn Gott wollte dem Menschen also helfen. Sonst wo Gott der tierischen Eigenschaft begehret hätte, so hätte er wohl bald im Anfang ein Männlein und ein Weiblein geschaffen. Er hätte nicht einen allein gemacht mit beiden Tinkturen. Aber Gott erkannte wohl den Fall des Menschen, dazu des Teufels Trug, welcher also mit der Eva zu Spott gemacht ward. Der Teufel dachte, als Adam niederfiel in Schlaf: Nun bin ich Herr und Fürst auf Erden. – Aber des Weibes Samen wehrte ihm das.

Uns ist zu erkennen das Aufwachen Adams aus seinem Schlafe. Er schlief ein in der himmlischen Welt und wachte auf in der irdischen Welt. Der Geist der großen Welt weckte ihn auf. Da sah er das Weib und kannte sie, dass sie sein Fleisch und Bein war, denn die Jungfrau der Weisheit Gottes war noch in ihm. Und er sah sie an und imaginierte in sie, denn sie hatte seine Matricem bekommen, dazu Veneris Tinktur, und fing alsbald eine Tinktur mit der Imagination die andere. Darum nahm sie Adam zu sich und sprach: Man wird sie Männin heißen, darum dass sie vom Manne genommen ist. Und ist Eva für keine reine Jungfrau zu erkennen, sowohl alle ihre Töchter. Die Turba hat die Jungfrauschaft zerstöret und die reine Liebe irdisch gemacht. Die irdische Imagination zerstöret die rechte Jungfrauschaft. Denn Gottes Weisheit ist eine reine Jungfrau, in welcher Christus empfangen und in einem rechten jungfräulichen Gefäße Mensch ward, wie hernach soll folgen.

Also konnte auch die irdische Jungfrau nicht im Paradies bleiben, wiewohl sie noch beide im Paradies waren, hatten auch noch beide paradiesische Qual, aber mit irdischer Sucht gemengt. Sie waren nackend und hatten ihre tierischen Glieder zur Fortpflanzung, und kannten die nicht, schämten sich auch nicht, denn der Geist der großen Welt hatte noch nicht das Regiment über sie, bis sie von der irdischen Frucht aßen. Da wurden ihnen die Augen aufgetan, denn die himmlische Jungfrau der Weisheit Gottes wich von ihnen. Da wurden sie erst gewahr des Sternen- und Elementenreichs. Da Gottes Geist auszog, so zog der irdische Geist in der Grimmen-Qual ein. Da kriegte der Teufel einen Zutritt und infizierte sie und führte sie in Grimm und Bosheit, als es noch heute geschieht. Denn der Grimm Gottes aus der ewigen Natur, den der Teufel entzündet und erwecket hatte, steckte im irdischen Centro. Auch mag kein Leben geboren werden, das Centrum werde denn erwecket. Denn das Principium steht im Feuer, darinnen alles Leben stehet, und Centrum naturae hat in seinen Gestalten Grimmigkeit. Darum heißt es: bücke dich und gehe in die Sanftmut ein und lass dem Leben sein Recht. Denn das Leben ist Feuer und des Lebens Bildnis, welches Gottes Gleichnis ist, das ist im Lichte als im Liebe-Feuer, so gibt aber das Licht-Feuer nicht Centrum naturae. Darum denket der Teufel noch, er sei ein größerer Herr als die Kreatur im Liebe-Feuer. Ja, strenger ist er wohl, aber er lebet in der Finsternis und frisst strenge Wesenheit in sich, darum ist er auch ein Feind der Liebe.

Uns ist zu erkennen, dass der Teufel schuld daran ist, dass der Mensch in seine Stelle geschaffen ward. Und ist uns zu erkennen, dass er schuld an des Menschen Fall ist, wiewohl Adam und seine Eva, als Gott Adam zertrennt hatte, nicht bestehen konnten. Sie waren wohl im Paradies und sollten Paradiesfrüchte auf engelisch essen, aber sie haben dergleichen nicht genossen; denn der Baum der Erkenntnis Gutes und Böses war ihnen lieber, und hat die Eva, sobald die gemacht ward, in den Versuchbaum imaginieret. Und ob ihr gleich Adam das Gebot eröffnet, doch war die Lust nur nach dem Baume, denn die irdischen Essentien waren an Adam und Eva noch nicht offenbar. Sie waren noch gefangen, darum trieben sie also in Lust, denn sie wollten Herr sein. Das geschah durch des Teufels Infizieren, durch seine aszendentische (sich erhebende) falsche Imagination. Darum leget er sich in der Schlangen Gestalt an den Baum und lobte der Eva die Frucht, sie machte klug. Jawohl klug, Böses und Gutes zu erkennen, elend genug zweierlei Qual in einer Kreatur zu regieren. Nicht erkannt wäre besser! Er sagte ihr Lügen und Wahrheit untereinander, sie würde klug werden und ihre Augen würden ihr aufgetan werden. Jawohl genug, sie sah bald, dass sie mit der irdischen Qual war dem Geiste dieser Welt heimgefallen, dass sie nackend war, und erkannte ihre tierischen Glieder, kriegte Därme im Leib und einen stinkenden Madensack (sterblich-physischen Leib) voll Jammer und Elende in Angst und Mühe, wie im Buche “De Tribus Principiis” gemeldet worden und wir nun vor Augen sehen, was wir für Paradies-Engel sein, wie wir uns müssen in Angst, Kummer und Elende gebären und nähren, welches sollte auf eine andere Weise geschehen.

Also ist uns genug erkenntlich der Fall Adams und warum er nicht konnte im Paradies bleiben, was das Paradies sei gewesen, welches noch auf heute ist. Es trägt nun nicht paradiesische Frucht und wir haben nicht paradiesische Qual und Augen. Wir sehen das nicht, denn Gott hat die Erde verflucht um des Menschen willen, dass das Paradies nicht mehr durch die Erde grünet, denn es ist uns Mysterium worden und ist doch noch immerdar. Und in dasselbe Mysterium scheiden die Seelen der Heiligen, wenn sich der irdische Leib von der Seelen scheidet. Es ist in dieser Welt und ist auch außer dieser Welt, denn dieser Welt Qual berühret das nicht. Die ganze Welt wäre paradiesisch, wenn Adam in der Unschuld blieben wäre. Als aber Gott den Fluch tat, so entwich das Paradies, denn Gottes Fluchen ist Fliehen. Es ist sein Fliehen, nicht Weichen, sondern in ein anderes Principium hingehen, als in sich selber. Der Geist Gottes gehet von Gott aus in die Wesenheit. Als aber diese Wesenheit irdisch ward und der Teufel darin wohnte, welcher ein Feind Gottes war, so trat der Geist Gottes in sein eigenen Principium, als in die Liebe ein und wich aus der Irdigkeit. Allda stehet er nun dem Menschen ins Lebens Licht entgegen. Wer nun in Gottes Liebe begehret einzugehen, der gehet mit seinem Willen-Geiste ins Paradies. Allda grünet das Paradies wieder in seinem Willen- Geiste und empfängt an sein Bildnis wieder himmlische Wesenheit, in welcher der Hl. Geist regieret.

Lasset euch dies ein Perllein sein, ihr Menschenkinder, denn es ist der wahre Grund. Wer’s suchet und findet, der hat eitel Freude daran. Es ist die Perle, die im Acker lieget, da einer all sein Gut verkaufte und kaufte die Perle, davon Christus saget (Matth, 13,45.46).

Also ist uns auch zu erkennen der Cherub, der Adam und Eva aus dem Paradies trieb, als der strenge Engel; bedeutet den Abscheider des irdischen Lebens vom Paradies, da sich muss Leib und Seele scheiden.

Uns ist zwar erkenntlich, dass Adam und Eva waren von dem Ort, da der Versuchbaum stand, weggetrieben worden, denn es stand Paradiesfrucht da. Die sollten sie nicht mehr sehen noch essen, denn das Himmlische gehöret nicht in das Irdische. Auch wurden die Tiere weggetrieben des bösen Baumes halber, denn der Paradiesfrucht konnten sie sonst nicht genießen. Aber von diesem Baume konnte ein jedes Tier essen, denn er war irdisch. Also mussten sie das Paradies verlassen, denn Gott hatte sie durch den Geist der großen Welt mit Tieresfellen gekleidet für das himmlische Kleid der Klarheit, und hatte ihnen die Sentenz (Befehl) gesprochen, was ihr Tun und Lassen in dieser Welt sein sollte, was sie nun mehr essen sollten und wie sie sich in Kummer und Elend sollten nähren, bis sie gar zur Erden würden, davon sie waren auf einem Teil ausgezogen.

7. Kapitel – Vom verheißenen Weibessamen und Schlangentreter

Als nun Adam und Eva also wie Mann und Weib im Paradies stunden und hatten noch himmlische Qual und Freude, wiewohl vermischet, mochte das der Teufel nicht leiden, denn sein Neid war zu groß, weil er Adam gefället hatte und um seine engelische Gestalt gebracht. So sah er jetzt die Eva als das Weib aus Adam und dachte, sie möchten Kinder ins Paradies zeugen und im Paradies bleiben: Du willst sie verführen, dass sie von der verbotenen Frucht isst, so wird sie irdisch, so kannst du ihr ins Herz greifen und deine Imagination in sie führen, so kriegst du sie in dein Reich und bleibest noch Fürst im dritten Principio auf Erden; – welches er dann auch tat und sie zu der falschen Frucht beredete, dass sie an den Baum griff und einen Apfel abbrach und aß, und gab Adam auch. Und da Adam sah, dass Eva nicht sofort niederfiel und starb, aß er auch, denn die Lust war in beiden.

Dieses ist der Bissen, davon der Himmel und das Paradies entwich, da der Cherub als der Abschneider mit dem bloßen hauenden Schwert vor des Paradieses Tür trat und ließ sie nicht mehr ins Paradies. Sein Schwert war der Würgengel, das den Menschen nun mit Hitze, Kälte, Krankheit, Not und Tod wohl schneidet und endlich das irdische Leben von der Seelen scheidet.

Als dieses Schwert im Tode Christi sollte wieder zerbrochen werden, so erzitterte die Erde und verlor die Sonne ihren Schein; die Felsen zerstoben vor der starken Macht Gottes, der also den Tod wieder zerbrach. Also taten sich auf zuhand die Gräber der Heiligen, und gingen ihre Leiber wieder aus dem Tode, denn das Schwert war zerbrochen und der Engel, der des Paradieses hütete, war weggetan. Und gingen die Leiber der Heiligen wieder ins Paradies.

Allhier, als Adam und Eva von der irdischen Frucht aßen, fielen sie unter die Mörder, welche sie schlugen und auszogen und halbtot liegen ließen. Ihr Ausgang aus dem Paradies ist der Gang aus Jerusalem gen Jericho, denn sie gingen aus dem Himmel in diese böse verderbte Welt, in das Sündenhaus, da alsbald in ihrem Gemüte im Centro naturae das Rad der Sinnen anhob zu qualifizieren in irdischer Qual, da je ein Sinn dem anderen widerwärtig war, da Neid, Hoffart, Geiz, Zorn und Widerwille genug und mit Haufen quellte. Denn das edel Licht der Liebe war erloschen, welches den grimmen Quall lieblich, freundlich und sanft machte, in welchem der Geist Gottes wirkte und die schöne Jungfrau der Weisheit Gottes ruhte. Sie gingen von der schönen Weisheit aus.

Gott hatte Adam in die züchtige Jungfrau seiner Weisheit geschaffen, aber er kriegte eine böse widerwärtige irdische Frau dafür, mit welcher er in tierischer Gestalt leben musste in eitel Kummer, Angst und Not. Und ward ihm aus seinem schönen Lustgarten, den er in sich hatte, ein widerwärtiger Dorn- und Distelgarten, da er doch etwa der jungfräulichen Frucht suchte. Aber es ging ihm als einem Dieb, der in einem schönen Lustgarten gewesen ist, den zu verwahren, ist aber um Diebstahls willen daraus gestoßen worden und wollte doch gerne derselben Frucht essen, kann aber nicht hinein, sondern gehet von außen herum, langet mit einer Hand hinein nach der Frucht, welche ihm der Gärtner doch aus der Hand reißet, und er muss Unmuts davon gehen und kann seine Lust nicht befriedigen. Also geht’s ihm auch mit dem Weibe.

Als er in Gottes Liebe war und das Weib in ihm eine züchtige Jungfrau war, in Gottes Süßigkeit und Weisheit, so aß er ihre Früchte und konnte sich mit seiner eigenen Liebe in Veneris Matrice gar wohl ergötzen, denn des Feuers Tinktur hat eine große freudenreiche Ergötzung in des Lichts Tinktur. Das hatte er in sich, er war Mann und Weib. Nun muss er von außen um denselben Garten gehen und Veneris Tinktur nur mit einem Gliede anrühren, da denn die inneren Tinkturen im Samen einander empfahen und zu einem Leben arbeiten. Aber der äußere Leib ist dessen nicht wert, dass er sollte des inneren Freudenreichs Inqualierens (Einwirkens) darinnen das Seelenleben gesät wird, genießen. Die inneren Essentien genießen das nur, denn sie sind aus dem Ewigen, aber der äußere Tier-Esel verbringet nur eine tierische Sucht. Er weiß nicht von der Freude der Essentien, als wenn eine Tinktur in die andere kommt, was allda geschieht, da doch ja etwas vom Paradies ist. Aber die irdische Essenz mischet sich bald mit ein und ist nur als ein freudenreicher Anblick, da der Wille zum Leben erboren wird, welcher hernach forttreibet und sich mit Sulphur schwängert, bis er mag das Principium erreichen und im Centro Feuer aufschlagen, da es denn ein recht Leben ist und wieder eine Seele erboren ist.

Als nun das schöne Bild also von Gottes Liebe wich, so erkannte sich’s, dass es war in andere Qual gekommen. Da ging an Furcht und Schrecken vor Gottes Grimm. Denn er hub in ihnen an zu qualifizieren; sie sahen einander an und wurden gewahr ihrer tierischen Gestalt und dass sie nackend waren. Da wird der Teufel getanzt haben und Gottes gespottet, denn sie fürchteten sich und krochen hinter die Bäume; und nahmen Blätter von Feigenbäumen, flochten die und hielten sie vor ihre Scham, denn die himmlische Jungfrau war weg. Sie erkannten den Fall und schämten sich; das ist: die Seele, welche aus dem Ewigen ist, schämte sich vor der tierischen Art, als es noch heute geschieht, dass wir uns der tierischen Glieder schämen. Und daher kommt’s, dass sich das Weib mit einem weißen Tuche vor ihrer Scham bekleidet, dass der Seelengeist, welcher aus den Augen blicket, nicht turbieret wird, denn er kennet Veneris Matricem, welcher auch alsbald ein Männlein davon anhebet zu imaginieren, welches, so sich das Weib schwarz bekleidete und ihre Augen verdeckte, nicht leichtlich geschähe als nur durch Einbildung. Aber also fallen die beiden Tinkturen des Mannes und Weibes einander alsbald in die Augen, da der Geist blicket.

Als nun Adam und Eva also im Schrecken stunden vor dem Zorn Gottes, rief Gott dem Adam und sprach: Adam, wo bist du? Und er sprach: Hier bin ich, ich fürchte mich, denn ich bin nackend. – Und er sprach: Wer hat dir’s gesagt, dass du nackend bist? Hast du nicht von dem Baum gegessen, den ich dir verbot? – Und er sprach: Das Weib gab mir und ich aß. – Und er sprach zum Weibe: Warum tatst du das? – Sie sprach: Die Schlange betrog mich, dass ich aß.

Hier verstehen wir die große Liebe Gottes, dass Gott dem Adam wieder rief, dass er sich sollte erkennen, suchen und finden und wieder zu Gott kehren. Denn Adam war in Gott gewesen, war aber ausgegangen aus Gottes Liebe aus dem anderen Principio, aus dem heiligen Paradies Gottes in das äußere irdische Reich dieser Welt der Sternen und Elementen ins dritte Principium. Darum sprach Gott: Wo bist du Adam? Siehst du nicht, dass du nicht mehr im Himmel bist? – Er wandte an seinem Teil sein freundlich Angesichte wieder in Adam, verstehe: in das Teil, das er hatte aus der himmlischen Wesenheit empfangen, und blickte das mit seinem Geiste wieder an und sprach zu der Schlange, zu dem alten Teufel: Weil du das getan hast, verfluchet seist du! – Und zu der kreatürlichen Schlange, welche nun musste eine Kreatur sein (denn der Teufel hatte sich in Schlangengestalt verwandelt, darum musste die Schlange auch bleiben): Du sollst auf dem Bauche gehen und Erden essen. – Weil sie hat den Menschen verführet, dass er war irdisch worden, so sollte auch des Teufels Bild irdisch sein und grimmige irdische Qual, als Gift fressen, das sollte nun ihre Qual sein.

Und ist uns all hier zu erkennen, dass ihm habe der Teufel der Schlangen Bildnis von dem Gestirne und Elementen figurieret durch seine Imagination, denn er hatte große Gewalt, bis ihn der Herr ganz verfluchte und den teuren Namen Jesus zum Scheideziel setzte. Da lag seine große Macht, denn er sprach zu Adam und Eva: Des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten und du, als die Schlange, wirst ihm in die Fersen stechen (Gen. 3,15), das ist: In Gottes Grimm wirst du den töten. Aber er wird aus dem Tode ausgrünen und dir den Kopf zertreten, das ist: Deine Macht nehmen und den Grimm mit Liebe überwinden. Und all hier an diesem Orte hat sich das Wort der Verheißung vom Weibessamen, das ist gewesen der hochteure Name Jesus, mit seinem Charakter ins Lebenslicht eingebildet und in demselben Charakter die hochteure Jungfrau der Weisheit Gottes, in welcher sollte Christus als der Zerbrecher des Todes ein wahrer Mensch werden und dem Tode seine Macht nehmen und dem Teufel seinen Stachel zerbrechen, der da sollte die Kelter des Grimmes und Zorns treten und in den Zorn als ins Zentrum des Feuers eingehen und das Feuer mit seinem himmlischen Blute und mit dem Wasser der Sanftmut aus dem Brunnquell des Geistes Gottes löschen.

Und wisset gewiss, dass so sich nicht hätte das Wort der Verheißung ins Lebenslicht eingebildet, als Adam und Eva in die irdische Qual einfielen, so wäre der Seelengeist ein grimmiger Teufel worden und der Leib ein böses Tier, als er noch wohl ist. So das elementische Wasser dem Grimme nicht die Pracht legte (den Grimm brechen), sollte man wohl sehen, wie mancher ein reißender Teufel wäre.

Also ist uns jetzt zu betrachten, dass die Welt vor Christi Menschwerdung ist in diesem eingebildeten Worte und Namen Jesu selig worden. Welche ihren Willen haben in Gott gerichtet, die haben das Wort der Verheißung empfangen, denn die Seele ward darein eingenommen, denn des Moses ganzes Gesetze vom Opfer ist durchaus nichts anderes als ein Vorbild der Menschheit Christi. Was Christus in seiner Menschheit tat mit seinem Opfer, indem er mit seinem Blute und mit seiner Liebe den Zorn Gottes ersäufte, das tat Moses mit seinem Opfer und Tier Blut. Denn das Wort der Verheißung war im Bunde und Gott stellte sich dieweil eine Figur vor und ließ sich im Bunde mit einem Gleichnisse versöhnen, denn der Name Jesus war im Bunde. Der versöhnte durch die Imagination den Zorn und Grimm des Vaters Natur. Die Juden verstanden das wohl nicht, aber der Bund verstand das wohl, denn der tierische Mensch war das nicht wert, dass er sollte wissen, bis dass Christus geboren ward. So ging der Schall aus, welcher doch nach kurzer Zeit wieder mit dem Antichrist in Babel verdeckt ward, denn der tierische Mensch der Bosheit ist des teuren Namen Jesu nicht wert. Er gehöret auch nicht dem tierischen Teil, sondern dem göttlichen Teil. Das Tier soll in der wilden Erden bleiben und am Jüngsten Tage durchs Feuer Gottes verzehret werden. Aber das himmlische Teil soll in die göttliche Kraft eingeführt werden. Darum ist es ein Ekel vor Gott, dass der Mensch mit dem Tier also stolzierte (sich dem Tier anglich). Das Tier ist nicht das Bildnis, wie auch Moses Opfer nicht die Versöhnung war, sondern der Bund der Gnaden und das Wort des Lebens im Bunde.

Die Beschneidung der Juden, indem sie nur die Knaben mussten beschneiden, hielt dies Recht in sich wie folget: Adam war der einige Mensch, den Gott schuf, und in ihm war Gottes Bildnis. Die Eva als sein Weib wollte Gott nicht schaffen, sie sollte nur aus einem geboren werden. Weil er aber fiel und dass ihm Gott musste das Weib machen, so kam der Bund wieder mit der Verheißung überein, dass sie sollten aus einem alle wieder anders und neugeboren werden, als aus dem anderen Adam, nicht aus der Frauen Maria, sondern aus Christo, dem himmlischen Adam. Denn des ersten Mannes als Adams erstes Blut, welches er aus Gottes Wesenheit empfing, soll gelten und nicht des Weibes irdisches Blut, in dem Adam irdisch war und ihm musste ein Weib erdacht werden. Also ward auch nur die männliche Art beschnitten, und eben an dem Gliede, weiches vor Gott ein Ekel ist und ein Schämen der Seelen, denn die Schwängerung sollte nicht viehisch sein. Darum war die Beschneidung ein Zeichen und Vorbild, dass dieses Glied wieder vom Menschen abgeschnitten werden und nicht mit in der Ewigkeit erscheinen sollte. Und musste Christus Mannesgestalt an sich nehmen, da er doch von innen in einem jungfräulichen Bilde stand, dass der Vorsatz Gottes bestünde. Denn des Mannes, als des Feuers Eigenschaft, soll regieren; und des Weibes, als die Lichtes Eigenschaft, soll sein Feuer sänftigen und in das sanfte Bildnis Gottes bringen.

Des Weibes Blut hätte den Zorn Gottes nicht versöhnet. Es musste es nur des Mannes Blut tun, denn das Weib gehöret in den Mann und wird im Reiche Gottes eine männliche Jungfrau sein als Adam war, kein Weib. Das Weib wird in des Mannes Bunde selig, denn der Bund ward um des Mannes, als um der männlichen Jungfrau willen gemacht, dass die wieder versöhnet würde. Darum sagt Paulus: Das Weib wird durch Kinderzeugen selig, so sie bleibet im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht (1.Tim. 2,15). Und nicht allein das, sondern auch in des Mannes Bunde, denn sie ist ein Teil aus Adam. Darum soll ein jedes Weib unter dem Mann sein, und er soll Herr sein. Gott gibt auch dem Manne die jungfräuliche Weisheit. Er soll das Weib regieren, nicht als ein Tyrann, sondern als sein eigen Leben. Er soll sein Weib lieben als seinen eigenen Leib, denn sie ist sein Fleisch und Leib, ein Bild aus ihm, sein Gehilfe, sein Rosengarten. Obwohl irdisch und schwach, soll er doch wissen, dass er selber Ursache daran ist und mit ihr Geduld tragen, auch seinem Grimme nicht Gewalt lassen, sie zu verderben.

Auch soll das Weib wissen, dass sie in des Mannes Bunde und Blute selig wird, und dass sie Adams und des Mannes Rippe und Tinktur ist, und dem Mann eigen. Sie soll demütig sein, als ein Glied dem Leibe dienet. Also soll das Weib dem Manne dienen und ihn lieben als sich selber. Ihre Liebe soll in ihn geworfen sein, denn also erlanget sie die himmlische Jungfrau mit göttlichem Witze (Klugheit) und den Geist des Bundes.

Aber den ledigen Jungfrauen und Mannen ohne Frauen wird gesagt, sowohl den Witwen, dass sie den Bund Christi zum Gemahl haben. Vor dem sollen sie züchtig und demütig sein. Denn Christus ist des Mannes Braut, seine züchtige Jungfrau, die Adam verlor; und ist auch der ledigen Jungfrauen und Witwen ihr Bräutigam. Denn seine Mannheit ist ihre Mannheit, dass sie also vor Gott als eine männliche Jungfrau erscheinen. Denn unser Bildnis wird jetzt im Willen und Glauben geboren. Wo nun unser Herz und Wille ist, allda ist auch unser Schatz und Bildnis.

Darum hütet euch vor Hurerei und falscher Liebe, denn das rechte Bildnis wird damit zerstöret. Die Hurerei ist das größte Laster, das der Mensch in sich selber wirket. Die anderen Sünden gehen außer ihm in eine Figur. Die Hure aber bleibet in ihm stehen, denn er wirket ein falsches Bildnis, in welchem nicht Gottes Jungfrau erkannt wird, sondern eine tierische. Lass dir es gesagt sein, Mensch: Es stecket ein solches großes Gräuel dahinter, davor sich der Himmel entsetzet mit seiner Imagination. Er gehet nicht leicht in die tierische Imagination; darum werden auch also viel Tiermenschen geboren, so hinten erkläret werden mag.

8. Kapitel – Von der Jungfrauen Maria und der Menschwerdung Jesu Christi

Viele haben sich versucht von der Jungfrauen Maria zu schreiben; und sie vermeinet (scheint) keine irdische Tochter zu sein. Ihnen ist zwar ein Glast (Abglanz) von der ewigen Jungfrauschaft vorgestellt worden, aber des rechten Ziels haben sie noch gemangelt. Denn etliche haben schlechtes vermeinet, sie sei nicht Joachims und Annas Tochter, indem Christus des Weibes Samen genannt wird und auch ist. Er auch selbst bezeuget, er sei von oben herab, er sei vom Himmel kommen, so müsse er auch ja von einer ganz himmlischen Jungfrauen geboren sein. Aber das würde uns armen Evaskindern wenig frommen, die wir irdisch worden sind und tragen unsere Seelen in einem irdischen Gefäße. Wo bliebe unsere arme Seele, wenn sie nicht hätte das Wort des ewigen Lebens in sich genommen? So Christus hätte eine Seele vom Himmel bracht, wo bliebe unsere Seele und der Bund mit Adam und Eva, dass des Weibes Samen sollte der Schlangen den Kopf zertreten? Hätte Christus wollen ganz vom Himmel kommen und geboren sein, so hätte er nicht dürfen auf Erden Mensch geboren werden. Wo bliebe aber der Bund, indem sich der Name Jesus der Verheißung ins Lebenslicht als in der Seelen Tinktur alsbald im Paradies, da Adam fiel, einlebte, ja ehe denn Adam geschaffen war, wie Petrus sagte (1.Petr. 1,20): Wir sind in Christo versehen, ehe der Welt Grund gelegt ward. – Denn Gott erkannte in seiner Weisheit den Sündenfall, darum leibete sich allda alsbald der Name Jesus in dem Worte des Lebens mit der Jungfrau der Weisheit umgeben in Adams Bildnis in dem Kreuz ein. Denn auch die Seele ist eine Kreuzgeburt; wenn sich dann das Seelenfeuer anzündet, so machte im Blitze ein Kreuz, das ist ein Auge mit einem Kreuz mit drei Prinzipien mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit, wie im dritten Buche “Vom dreifachen Leben” ausgeführt worden und im vierten Teil über die “Vierzig Fragen von der Seelen” noch mehr.

Uns ist zu verstehen, dass Maria, in der Christus Mensch ward, wahrhaftig Joachims und Annas Tochter sei gewesen nach dem äußeren Fleische und aus Joachim und Annas Samen sei erzeuget worden nach dem äußeren Menschen. Aber nach dem Willen ist sie des Bundes der Verheißung Tochter gewesen, denn sie war das Ziel, da der Bund hinweiset: In ihr stand das Zentrum im Bunde, und darum ward sie vom Hl. Geiste im Bunde hoch erkannt und hoch gebenedeit vor und unter allen Weibern von Eva her, denn der Bund eröffnete sich in ihr.

Ihr sollet uns recht teuer und hoch verstehen: Das Wort mit der Verheißung, welches bei den Juden im Vorbilde stand als in einem Spiegel, darein Gott, der zornige Vater, imaginiert und seinen Zorn damit löschte, das bewegte sich jetzt auf essentialische Art, welches von Ewigkeit nie geschehen war. Denn als ihr Gabriel, der Fürst, die Botschaft brachte, dass sie sollte schwanger werden, und sie darein willigte und sagte: Mir geschehe, wie du gesagt hast, – so hat sich das Zentrum der Hl. Dreifaltigkeit beweget und den Bund eröffnet; das ist: die ewige Jungfrauschaft, welche Adam verlor, in ihr im Worte des Lebens eröffnet, denn die Jungfrau der Weisheit Gottes umgab das Wort des Lebens als das Zentrum der Hl. Dreifaltigkeit, – also ward das Centrum beweget; und schlug der himmlische Vulcanus das Feuer der Liebe auf, dass das Principium der Liebe Flammen erboren ward.

Verstehe das recht: In Mariä Essenz, in der jungfräulichen Essenz, welche in Adam verdorben, daraus er sollte ein jungfräulich Bild nach Gottes Weisheit gebären, ward das göttliche Feuer aufgeschlagen und das Principium der Liebe angezündet. Du musst verstehen: In dem Samen Mariä, da sie des Seelengeistes als Veneris Tinktur schwanger ward; denn in Veneris Tinktur als in der Liebe Quall ward Adams erstes Feuer im Wort des Lebens aufgeschlagen, und waren in dem Kinde Jesu beide Tinkturen vollkommen wie Adam. Und das Wort des Lebens im Bunde, verstehe: die Hl. Dreifaltigkeit, war das Centrum; und das Principium erschien ins Vaters Teil. Christus ward in Gott und auch in Marien Mensch, in allen dreien Prinzipien, denn auch zugleich hiermit in der irdischen Welt. Er nahm Knechtsgestalt an sich, dass er des Todes und des Teufels mächtig würde, denn er sollte ein Fürst in dem Loco dieser Welt, in dem engelischen Fürstenthrone sein, auf dem Stuhl und in der Gewalt des gewesenen Engels und Fürsten Luzifer, über alle drei Principia. Sollte er nun

(1) ein Herr über die äußere Welt sein, so musste er auch in der äußeren Welt wohnen und ihre Essenz und Eigenschaft haben. Desgleichen

(2) sollte er Gottes Sohn sein, so musste er auch aus Gott geboren sein. Sollte er

(3) des Vaters Zorn löschen, so musste er ja auch im Vater sein. Sollte er

(4) des Menschen Sohn sein, so musste er ja auch aus des Menschen Essenz und Wesen sein und musste eine menschliche Seele und Leib haben, als wir alle haben.

Uns ist erkenntlich, dass Maria, seine Mutter, sowohl Christus aus seiner Mutter, sind beide menschlicher Essenz gewesen mit Leib, Seele und Geist, und dass Christus hat eine Seele aus Mariä Essenz empfangen, aber ohne männlichen Samen. Allein das große Geheimnis Gottes ward allda eröffnet. Der erste Mensch mit seiner Verborgenheit, der in Tod fiel, der ward all hier wieder lebendig geboren, verstehet: in Gottes Principia. Denn die Gottheit bewegte sich in dieser Sachen halber und schlug auf das Feuer ins Vaters Principio. Also ward der erstorbene Sulphur, welcher in Adam gestorben war, wieder lebendig, denn das Wort hatte himmlische Wesenheit an sich und eröffnete sich in himmlischer Wesenheit im jungfräulichen Bilde der Gottheit. Dies ist die reine züchtige Jungfrau, darin das Wort des Lebens Mensch ward; und also ward die äußere Maria mit der hochgebenedeiten himmlischen Jungfrauen geziert und gebenedeit unter allen Weibern dieser Welt. In ihr ward das Verstorbene und Verschlossene der Menschheit wieder lebendig. Und also ward sie hoch gradieret (eingestuft) gleich den ersten Menschen vor dem Fall, und ward eine Mutter des Thronfürsten. Nicht aus ihrem Vermögen kam das, sondern aus Gottes Vermögen. Hätte sich nicht das Centrum Gottes in ihr beweget, sie wäre nichts anders als alle Evastöchter. Aber das Wort des Lebens hatte an diesem Ort das Ziel gesteckt mit dem Bunde der Verheißung. Darum ist sie die Gebenedeite unter allen Weibern und vor allen Evaskindern. Nicht dass sie eine Göttin sei, die man für Gott ehren soll, denn sie ist nicht das Ziel. Und sie sprach auch: Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß? – Sondern das Wort des Lebens ins Vaters Centro, das sich mit der Bewegung der Gottheit in die Menschheit eingab und in menschlicher Essenz eröffnete, ist das Ziel. Das ist der Zweck, da wir hinlaufen sollen in die Wiedergeburt.

Dieses ist ein größeres Wunder als in dem ersten Adam, denn der erste Adam ward aus drei Prinzipien erschaffen, und ward ihm sein Geist mit Gottes Geist eingeführt, und durfte sich das Herze Gottes nicht sonderlich bewegen, denn es bewegte sich nur Gottes Geist aus Gottes Herze. Jetzt bewegte sich das Centrum oder Herz Gottes, das von Ewigkeit geruhet hatte, und ward das göttliche Feuer aufgeschlagen und angezündet oder erwecket, wie man’s setzen möchte.

Die teure Porte

Also sollen wir die Menschwerdung Christi des Sohnes Gottes recht verstehen: Er ist nicht allein in der Jungfrauen Maria Mensch worden, dass seine Gottheit oder göttliche Wesenheit allda eingesperrt säße oder steckte. Nein Mensch, es hat eine andere Gestalt. Lass dich die Vernunft nicht narren, wir erkennen ein anders. So wenig als Gott allein an einem Orte wohnet, sondern er ist die Fülle aller Dinge, sowenig hat Gott sich auch nur in einem Stücklein beweget, denn Gott ist nicht partiell, sondern überall ganz. Wo er sich offenbaret, da ist er ganz offenbar. So ist er auch nicht messlich; ihm ist keine Stätte erfunden, er machte ihm denn selber eine Stätte in einer Kreatur. So ist er doch ganz neben der Kreatur und außer der Kreatur.

Da sich das Wort bewegte zur Eröffnung des Lebens, so eröffnete sich es in der göttlichen Wesenheit als im Wasser des ewigen Lebens. Es ging ein und ward Sulphur, das ist: Fleisch und Blut. Es machte himmlische Tinktur, welche die Gottheit umschließt und erfüllet, darin die Weisheit Gottes ewig stehet mit der göttlichen Magia. Verstehe es recht: die Gottheit hat gelüstet, Fleisch und Blut zu werden, wiewohl die reine klare Gottheit Geist bleibet, noch ist sie des Fleisches Geist und Leben worden und wirket im Fleische, dass wir können sagen, wenn wir mit unserer Imagination in Gott eingehen und uns gänzlich darein ergeben, wir gehen in Gottes Fleisch und Blut ein und leben in Gott, denn das Wort ist Mensch worden und Gott ist das Wort.

Nicht heben wir also Christi Kreatur (Menschlichkeit) auf, dass er nicht sollte eine Kreatur sein. Wir geben euch ein Gleichnis mit der Sonne und ihrem Schein und setzen also: Wir vergleichen die Sonne der Kreatur Christi im Gleichnis, das ist ja ein corpus, und vergleichen die ganze Tiefe dieser Welt dem ewigen Worte im Vater. Nun sehen wir doch, dass die Sonne in der ganzen Tiefe leuchtet und gibt ihr Wärme und Kraft. Nun können wir aber nicht sagen, dass in der Tiefe außer des corporis der Sonnen nicht auch der Sonnen Kraft und Glanz sei. Wenn sie nicht wäre, so finge sie auch nicht der Sonnen Kraft und Glanz. Es fängt nur eine Kraft und Glanz die andere. Die Tiefe ist mit ihrem Glanze verborgen. So Gott wollte, so wäre die ganze Tiefe eine eitel Sonne. Es wäre nur um die Anzündung, dass das Wasser verschlungen würde, dass das Wasser zu einem Geiste würde, so schiene überall der Sonnen Glanz. So sich aber des Feuers Centrum wollte entzünden, wie in der Sonnen Loco.

Wisset auch dieses: Wir verstehen, dass Gottes Herz von Ewigkeit geruhet hat. Aber mit der Bewegung und Eingehung in die Wesenheit ist’s an allen Orten offenbar worden, wiewohl doch in Gott kein Ort noch Ziel ist als nur bloß in der Kreatur Christi. Allda hat sich die ganze Hl. Dreifaltigkeit in einer Kreatur offenbaret und also durch die Kreatur auch durch den ganzen Himmel. Er ist hingegangen und hat uns die Stätte bereitet, da wir sollen von seinem Licht sehen und in seiner Wesenheit wohnen und von seiner göttlichen Wesenheit essen. Seine Wesenheit erfüllet den Himmel und Paradies. Sind wir doch anfänglich aus Gottes Wesenheit gemacht worden, warum wir nicht auch drin stehen? Gleich wie die Luft und das Wasser diese Welt erfüllet und wir derselben alle genießen, also ist im Verborgenen die göttliche Wesenheit, der wir genießen, so wir mit Ernst imaginieren (begehren) und mit dem Willen uns darein ergeben. Das ist nun Christi Fleisch und Blut in der göttlichen Kraft, denn der Kreatur Christi ihr Fleisch und Blut stehet darinnen und ist ein Wesen, eine Kraft, ein Geist, ein Gott, eine Fülle, ganz ungetrennt von keinem Orte, aber in seinem Principio. Es sollte wohl ein Sau-Mensch sagen: Ei, wie wollen wir ihn zerfressen! – O du Esel, komm vor ehe dahin, dass du ihn auch erreichest, denn du wirst ihn nicht mit dem äußeren Munde fressen. Er ist ein Principium tiefer, und ist doch der äußere. Er ist in der Jungfrau Maria und auch nach seiner Geburt in dieser Welt gewesen, wird auch am Jüngsten Tage in allen dreien Prinzipien vor allen Menschen und Teufeln erscheinen.

Er hat wahrlich irdische Qual an sich genommen. Aber in seinem Tode, als er den Tod überwand, verschlang die göttliche Qual die irdische und nahm ihr das Regiment; nicht dergestalt, dass Christus hätte etwas abgelegt, sondern die äußere Qual ward überwunden und gleich als verschlungen. Und was er nun lebet, das lebet er in Gott. Also sollte Adam auch sein und bestand nicht. Also musste das Wort Mensch geboren werden und sich in die Wesenheit eingeben, auf dass wir Kraft empfingen, dass wir könnten in Gott leben.

Also hat Christus herwiedergebracht, was Adam verlor, und noch viel mehr; denn das Wort ist allenthalben Mensch worden. Verstehe: es ist allenthalben eröffnet in der göttlichen Wesenheit, darinnen unsere ewige Menschheit stehet; denn im selben leiblichen Wesen sollen wir in Ewigkeit stehen, darinnen die Jungfrau Gottes stehet. Wir müssen Gottes Jungfrau anziehen, denn Christus hat sie angezogen. Er ist in der ewigen Jungfrau und auch in der irdischen Jungfrau Mensch worden, wiewohl die irdische keine rechte Jungfrau war. Aber die himmlische, göttliche machte sie in der Benedeiung, das ist: in des Wortes und Bundes Eröffnung, zu einer Jungfrau, denn das Teil in Maria, das ihr von Adam war aus der himmlischen Wesenheit angeerbet, das Adam irdisch machte, das ward gebenedeit. Also starb nur das Irdische an ihr; das andere lebte ewiglich und ward wieder zur keuschen und züchtigen Jungfrau, nicht im Tode, sondern in der Benedeiung. Als sich Gott in ihr eröffnete, da zog sie die schöne Jungfrau Gottes an und ward eine männliche Jungfrau am himmlischen Teil.

Also ward Christus aus einer rechten, reinen, züchtigen himmlischen Jungfrau geboren,denn sie empfing in der Benedeiung den Limbum (Same und Leib) Gottes in ihre Matricem in ihren Samen, wohl nichts Fremdes, allein der Limbus Gottes eröffnete sich in ihr in Gottes Kraft. Der in Adam war erstorben, der ward mit Gottes Bewegung lebendig, und ging Gottes Essenz im Worte des Lebens in ihren Limbum ein. Und darinnen ward der Seelen Centrum eröffnet, dass Maria einer Seelen schwanger ward und auch eines Geistes, beides himmlisch und irdisch. Und das war ein recht Bild Gottes, ein Gleichnis nach und aus der Hl. Dreizahl aus allen dreien Prinzipien.

9. Kapitel – Von Marien Jungfrauschaft; was sie vor der Benedeiung sei gewesen und was sie in der Benedeiung sei worden

Uns armen Evaskindern ist dieses gar hoch not zu wissen, denn es liegt unser ewiges Heil darinnen, denn es ist die Porte Emanuelis und stehet der ganze christliche Glaube darin und ist die Porte des großen Geheimnisses, denn all hier liegt des Menschen Heimlichkeit verschlossen, indem er Gottes Gleichnis und Bild ist.

Denn unsere ganze Religion stehet in dreien Stücken, die wir treiben und lehren, als erstlich von der Schöpfung, was Essenz, Wesen und Eigenschaft der Mensch sei, ob er ewig oder nicht ewig sei und wie das möglich sei; was eigentlich der menschliche Urstand sei, von wannen er im Anfang sei herkommen?

Und dann zum andern, weil soviel von seinem Fall geredet und gelehrt wird, wir auch sehen, dass wir um des Falls willen sterblich sind, auch der Bosheit und Grimmen-Qual unterworfen, was doch eigentlich sein Fall sei gewesen.

Und dann zum Dritten, weil uns Gott wieder will zu Gnaden nehmen, um welches Willen er auch hat Gesetze und Lehre gegeben und die mit großen Wundertaten bestätiget; was doch eigentlich die neue Wiedergeburt sei, dieweil wir sehen, dass wir sterben müssen; in welcher Gewalt und Geiste wir können wieder neugeboren werden und vom Tode aufstehen.

Dieses alles finden wir nun in diesen zweien Bildern für gemalt als in der ewigen, heiligen und auch in der irdischen, zerbrechlichen Jungfrauschaft; und finden die neue Wiedergeburt in dem Bilde Christi ganz hell und klar. Denn in der ewigen Jungfrauschaft als in Gottes Wesenheit, da das Bildnis und das Gleichnis Gottes ist als in einem Spiegel von Ewigkeit gesehen und vom Geiste Gottes erkannt worden, ward Adam der erste Mensch erschaffen. Er hatte die Jungfrauschaft zum Eigentum als der rechten Liebe-Tinktur im Licht, welche begehrend ist des Feuers Tinktur als der Essentien Eigenschaft, dass sie möge ein brennend Leben in Kraft und Herrlichkeit sein; und möge in des Feuers Essenz eine Gebärerin sein, welches in des Lichts Essenz ohne das Feuer nicht mag sein.

Und erkennen also eine Jungfrauschaft in Gottes Weisheit im begehrenden Willen des göttlichen Wesens von Ewigkeit; nicht eine Frau, die gebäre, sondern eine Figur im Spiegel der Weisheit Gottes, ein reines züchtiges Bildnis ohne Wesen und doch in der Essenz, aber nicht in des Feuers Essenz offenbar, sondern in des Lichts Qual.

Dasselbe Bildnis hat Gott in ein Wesen geschaffen, und solches aus allen drei Prinzipien, dass es sei ein Gleichnis nach der Gottheit und Ewigkeit als ein ganzer Spiegel des Grundes und Ungrundes, des Geistes und auch des Wesens; und ward aus dem Ewigen geschaffen, nicht zur Zerbrechlichkeit. Weil aber das Irdische und Zerbrechliche am Ewigen hing, hat sich die irdische Lust in die ewige himmlische eingeführt und die himmlische Eigenschaft infizieret; denn sie wollte in der ewigen wohnen, und war doch im Grimm Gottes verderbet.

Also verderbte die irdische Qual die himmlische und ward der himmlischen Turba als solches an Erde und Steinen zu erkennen, welche zwar aus dem Ewigen ihren Urstand haben, sind aber im Grimme und in des Feuers Qual verdorben; und hat das Fiat Erde und Steine aus der ewigen Wesenheit gemacht, um welches Willen ein Scheidetag ist bestimmt, da ein jedes Ding soll wieder in seinen Äther (Urzustand) gehen und durchs Feuer bewähret werden.

Also auch der Mensch: Er war in der Jungfrauschaft in Gottes Weisheit erschaffen, ward aber vom Grimm und Zorn Gottes ergriffen, darum war er auch alsbald verderbet und irdisch. Und als die Erde vergehet und im Feuer muss bewähret werden und wiederum in das gehen als sie war, also auch der Mensch. Er soll wieder in die Jungfrauschaft eingehen, darin er geschaffen ward. So aber das dem Mensch nicht möglich war, dass er vom grimmen Tode aufstünde und in eine neue Geburt einging – denn seine Jungfrauschaft war mit in Tod geschlossen, um welches Willen Gott dem Menschen ein Weib aus ihm machte, – so musste sich die Gottheit bewegen und das Eingeschlossene wieder eröffnen und lebendig machen.

Und das geschah in Marien, der verschlossenen Jungfrauen, verstehe: in der Jungfrauschaft, welche Adam aus Gottes Weisheit ererbte, nicht aus dem irdischen Teil des dritten Principii, welches war in den irdischen Tod im Zorn Gottes mit der irdischen Imagination und Eingebung eingeschlossen worden und war als ob es tot wäre, wie denn die Erde auch als tot erschien. Darum hat sich das Herze Gottes beweget, den Tod am Kreuz zerbrochen und das Leben wieder erboren.

Und ist uns die Geburt und Menschwerdung Christi ein kräftig Wesen, dass sich das ganze ungründliche Herze Gottes hat beweget, und ist also hiermit die himmlische Wesenheit, welche in Tod geschlossen war, wieder lebendig worden, dass wir können jetzt mit Grunde sagen: Gott hat seinem Zorn selber widerstanden, indem er sich mit seines Herzens Centro, welches die Ewigkeit ohne Grund und Ziel erfüllet hat, wieder eröffnet und dem Tode seine Gewalt genommen und dem Grimm und Zorn seinen Stachel zerbrochen, zumal sich die Liebe und Sanftmut im Zorn eröffnet und des Feuers Gewalt gelöscht hat.

Und noch vielmehr ist uns Menschen das eine große Freude, dass sich Gott in unserer toten und erstorbenen Jungfrauschaft hat eröffnet und also fort durch alles. Dass sich aber das Wort oder die Kraft des Lebens Gottes wieder in die Menschheit als in die verstorbene und gleich als wie verlassene Jungfrauschaft hat eingegeben und das jungfräuliche Leben wieder eröffnet. Des freuen wir uns und gehen mit unserer Imagination ins Centrum, als da sich Gott in der Menschheit hat eröffnet, als in die Menschwerdung seines Sohnes ein, und werden also in unserer Imagination, welche wir in seine Menschwerdung einführen, seines eröffneten Worts und Kraft der himmlischen, göttlichen Wesenheit schwanger, zwar nichts Fremdes, aber doch für die Irdigkeit fremde. Das Wort hat sich allenthalben eröffnet, auch in jedes Menschen Lebenslicht; und fehlet nur daran, dass sich der Seelengeist darein ergebe, so zeugt er die ewige Jungfrauschaft wieder an, nicht als ein Kleid, sondern aus seiner eigenen Essenz. In ihm wird Gott geboren, denn Maria ward mit allen Evastöchtern irdisch geboren, aber der Bund der Liebe Gottes weisete in ihrer Essenz, dass Gott wollte allda in ihr das Leben wieder aufschließen.

Und können durchaus von Marien Jungfrauschaft nach dem irdischen Leben vor der Benedeiung, ehe sich Gottes Herz bewegte, nicht sagen, dass sie sei eine ganz vollkommene Jungfrau gewesen nach der ersten vor dem Fall, sondern sie war eine natürliche Tochter Evas. Aber das sagen wir mit Grunde, da in Marien sowohl als in allen Adamskindern, sei die ewige Jungfrauschaft im Bunde der Verheißung verschlossen gelegen gleich als im Tode, und doch auch nicht in Gott verwesen. Denn der Name Jesus aus Gottes Centro oder Herze hat sich von Ewigkeit in die Jungfrau der Weisheit Gottes als ein Spiegel mit eingebildet und ist des Vaters Centro als des Feuers und Grimmes Centro entgegengestanden, nicht im Grimm im Feuer in des Feuers Essenz, sondern in der Liebe im Lichte in des Lichtes Essenz; und ward auch der Mensch in derselben Essenz in dem Namen Jesu versehen, ehe der Welt Grund gelegt ward, da Adam noch in himmlischer Essenz ohne ein natürlich oder kreatürlich Wesen war. Denn in der Weisheit ward der Fall erkannt, ehe der Mensch zur Kreatur ward, und solches nach des Feuers Eigenschaft, nicht des Lichtes Eigenschaft, sondern nach dem ersten Principio.

Also sagen wir nun nach unserer tiefen Erkenntnis von Maria, dass sie sei eine Jungfrau vor der Zeit der Eröffnung und Botschaft des Engels gewesen wie Eva, da sie aus dem Paradies ging, ehe sie Adam erkannte. Da war sie zwar eine Jungfrau, aber die rechte Jungfrauschaft war in ihr verdorben und mit der irdischen Sucht infizieret, und ward an ihr die tierische Eigenschaft offenbar, denn die irdische Imagination zerbrach die himmlische Eigenschaft, also dass sie eine Frau und nicht eine züchtige Jungfrau ohne Makel war. Denn sie war nur ein Teil an der himmlischen Jungfrauschaft, das andere Teil war Adam. Und also ist keine reine, rechte Jungfrau von Eva geboren worden, die da ganz im Wesen wäre. Die Turba (der Grimm) hat in allen die Jungfrauschaft zerstöret, bis der Held im Streit (Christus) kam. Der war eine ganz männliche Jungfrau in Gottes Weisheit nach dem himmlischen Wesen. Und das Irdische hing an ihm an, aber das Himmlische herrschte über das Irdische; denn also sollte Adam auch sein, und er bestand nicht.

Darum sagen wir mit Grunde, dass Maria sei Joachims Tochter, von Anna erboren, und habe nach dem irdischen Teil ihre Wesenheit essentialisch in ihr gehabt. Und dann sagen wir, dass sie des Bundes Gottes Tochter gewesen sei, dass Gott habe das Ziel der Wiedergeburt in sie gesteckt, dass das ganze Alte Testament habe in dasselbe Ziel gesehen und alle Propheten vom selben Ziel – dass Gott wollte die ewige Jungfrauschaft wieder eröffnen – geweissagt. Und dasselbe Ziel ist gebenedeit gewesen, denn Gott hat sich mit seiner Barmherzigkeit mit dem Bunde der Verheißung in dies Ziel eingegeben, und stand das Wort der Verheißung im Bunde und ins Lebenslicht dem Zorn entgegen. Und ist die erste Welt vor und nach der Sündflut im selben Bunde, den Gott als einen jungfräulichen Spiegel vor sich stellte, selig worden. Denn die ewige Jungfrauschaft erschien im Bunde als im Spiegel Gottes, und darin belustigte sich die Gottheit. Denn so Israel den Bund hielt und tat die Werke des Bundes, so ward das von Gott angenommen, als wäre die Menschheit im Spiegel der Weisheit Gottes gewesen. Und ob Israel gleich irdisch und böse war, noch dennoch wohnte Gott in Israel in seinem Bunde in der Weisheit nach seiner Liebe und Barmherzigkeit.

Also waren die Werke des Gesetzes vor Gott im Spiegel, bis das Leben wieder aus dem Bunde erboren war, bis die Erfüllung kam. Da hörten die Werke im Spiegel auf und huben sich die Werke der Erfüllung in Fleisch und Blut in der himmlischen Wesenheit wieder an, denn in Maria ward der Anfang. Als der Engel ihr die Botschaft brachte und sie sprach: Mir geschehe, wie du gesagt hast (Luk. 1,38), so hat sich zuhand das Lebenszentrum im Wort Gottes als das Herze Gottes in ihrem verstorbenen himmlischen Samen beweget und den wieder lebendig gemacht, und ist die Schwängerung angegangen. Denn alle drei Principia der Gottheit sind erreget worden, und hat die göttliche Tinktur in der verstorbenen himmlischen Wesenheit gefangen, nicht dass Gott sei ohne Wesen gestanden, sondern der Mensch war am himmlischen Wesen erstorben. Und jetzt kam das Herze Gottes mit lebendiger göttlicher Wesenheit in den Tod und weckte die verstorbene Wesenheit auf. Nicht nahm sie diesmal die irdische Qual hinweg, sondern trage in die irdische Qual als ein Herr und Überwinder der Qual ein. Denn das rechte Leben sollte durch den Tod und Zorn Gottes eingeführt werden, welches geschah am Kreuz, da der Tod zerbrochen und der Grimm gefangen und mit der Liebe gelöscht und überwunden ward.

Also verstehen wir nun, was Maria mit der Empfängnis sei worden, nämlich eine rechte reine Jungfrau nach dem himmlischen Teil. Denn als sich das Herze Gottes bewegte und in ihr der Tag anbrach, so schien in ihr das Licht der Klarheit und Reinheit Gottes. Denn ihre verstorbene Jungfrauschaft, als Gottes Weisheit, ward eröffnet und lebendig, denn sie ward erfüllet mit der göttlichen Jungfrauschaft, als mit Gottes Weisheit. Und in derselben Weisheit und göttlichen Wesenheit, sowohl in der verstorbenen und jetzt lebendigen Wesenheit, ward das Wort Fleisch im Sulphur mit dem Centro Naturae aus des Vaters Essentien und aus Marien Essentien aus dem Tode ein Leben, eine Frucht mit beiden Tinkturen vollkömmlich, da beide Tinkturen

Und weil Adam war ein Mann worden, so ward auch Christus ein Mann nach der äußeren Welt, denn nicht Evas Bildnis in der Weibestinktur soll bleiben, sondern Adams Bildnis als er ein Mann und auch ein Weib war, soll bleiben. So aber doch der Zeichen eines muss erscheinen nach der Macht des äußeren Fiat und dass auch der Held im Streit wieder würde in alle drei Principia gesetzt, so kriegte der Held im Streit männliche Zeichen. Denn der Mann hat des Feuers Tinktur als des Vaters Eigenschaft. So ist der Vater die Stärke und Macht aller Dinge, und der Sohn ist seine Liebe. Also ward das Wort in weiblicher Essenz Mensch, und ward aber ein Mann, dass seine Liebe möchte den Zorn und Grimm im Vater löschen, denn Veneris Tinktur hat den Wasserquall und das Weib hat Veneris Tinktur. Also sollte das Feuer mit dem Wasser des ewigen Lebens gelöscht und des Vaters brennende Essentien im Feuer wieder gelöscht werden.

Nun erkennen wir aber Maria, Christi Mutter, nach dem Fleische Seele und Geist in der Benedeiung für eine reine züchtige Jungfrau, denn das ist ihre Benedeiung, dass sich Gott hat in ihr eröffnet. Sie hat das Wort des Lebens in ihrem Leibe getragen, das hat sich in ihr beweget. Nicht hat Maria das Wort beweget, sondern das Wort hat Maria beweget, beide: die Frucht, die sie gebar und auch ihre Seele, sowohl das Teil der verstorbenen Wesenheit, dass ihre Seele sogleich mit göttlicher lebendiger Wesenheit umgeben ward, nicht nach dem irdischen Teil als nach dem dritten Principio, sondern nach dem himmlischen Teil als nach dem anderen Principio, dass ihr also das Irdische nur anhing. Denn ihre Seele sollte auch mit dem Wort des Lebens, welches in ihr Mensch ward, mit durch den Tod und Zorn des Vaters in die himmlische göttliche Qual eingehen. Darum musste ihr äußerer Mensch der irdischen Qual absterben, auf dass er Gott lebte. Und darum, dass sie ist gebenedeit worden und hat das Ziel im Bunde getragen, ist ihr Leib nicht verwesen, denn das Himmlische hat das Irdische verschlungen und hält das ewig gefangen zu Gottes Ehr und Wundertat. Es soll in Ewigkeit nicht vergessen werden, dass Gott in ihr ist Mensch worden.

Dass aber etliche sagen, sie sei ganz im Tode verblieben und ganz verwesen, dieselben mögen ihre Vernunft wohl anders schauen, denn was hochgebenedeiet wird, das ist unverweslich. Ihr himmlisches Teil der göttlichen Wesenheit, das sie hat gebenedeit, ist unverweslich, sonst müsste folgen, dass Gottes Wesenheit in der Benedeiung wäre noch einmal gefallen und gestorben, als in Adam geschah, um welches Sterbens willen doch Gott Mensch ward, dass er das Leben wiederbrächte. Zwar sie ist nach dem äußeren Leben als nach der irdischen Qual (in irdischer Hinsicht) gestorben, aber sie lebet nach der Benedeiung in Gottes Wesenheit und auch in ihrer eignen Wesenheit, nicht in vier Elementen, sondern in der Wurzel der vier Elemente als in einem Element, welches die viere in sich verschlossen hält, im Paradies und reinen Element, in der göttlichen Wesenheit, in dem Leben Gottes.

Darum sagen wir, dass Maria größer sei als irgendeine Tochter von Adam, indem Gott das Ziel seines Bundes in sie gesteckt hatte und sie alleine die Benedeiung unter allen Evastöchtern erlanget hatte als die reine jungfräuliche Zucht, welche in allen Evastöchtern zerstöret war. Bei ihr aber stand die Jungfrauschaft im Bunde, bis sie das Wort des Lebens hoch benedeiete. So ward sie eine rechte reine züchtige Jungfrau, in der Gott geboren ward. Denn Christus sprach auch zu den Juden: Ich bin von oben her, ihr aber seid von unten her; ich bin nicht von dieser Welt, ihr aber seid von dieser Welt (Joh. 8,23). – Wenn er wäre in einem irdischen Gefäße Mensch worden, und nicht in einer reinen, himmlischen, züchtigen Jungfrau, so wäre er ja von dieser Welt gewesen. Aber also war er in der himmlischen Jungfrau Mensch worden und hing ihm die irdische Qual nur an, denn die Essenz der Seelen war mit irdischer Qual in uns armen Menschenkindern infizieret worden. Und er sollte unsere Seele in himmlischer Essenz in sich durch das Feuer Gottes in Ternarium Sanctum einführen, denn um die Seele war es zu tun, dieweil sie aus dem Ewigen war genommen worden, so wollte sie auch Gott nicht verlassen.

Darum wenn gefragt wird, was das für Materia sei gewesen, dahinein sich Gottes Wort und Herze hat eingegeben und ihm einen Leib gemacht, ob’s fremde Materia, die vom Himmel kommen sei, oder ob’s Marien Essenz und Same sei gewesen, so ist dies unsere Antwort, dass Gottes Herz nie ohne Wesen sei gewest, denn seine Wohnung ist von Ewigkeit im Lichte, und die Kraft im Lichte ist das Herze oder Wort, das Gott von Ewigkeit hat gesprochen. Und das Sprechen ist der Hl. Geist Gottes gewesen, der mit dem Sprechen aus der Kraft des Lichtes, aus dem gesprochenen Worte ausgehet in das Ausgesprochene. Und das Ausgesprochene ist Gottes Wunder und Weisheit. Dies hat in sich den göttlichen Spiegel der Weisheit, darin der Geist Gottes sieht und darin er die Wunder eröffnet.

Und also verstehet, dass das Wort aus dem Herzen Gottes des Vaters, mit der himmlischen und züchtigen Jungfrau der Weisheit umgeben in der himmlischen Wesenheit wohnend, hat sich zugleich in Marien Essenz und Wesenheit als in ihrem eigenen Samen, verstehe im menschlichen Samen, eröffnet und Marien verstorbenen und an Gott blinden Samen an sich genommen und den zum Leben erwecket. Die lebendige Wesenheit kam in die Halbertötete (Essenz der Marien) und nahm die Halbertötete zum Leibe, nicht zu einem verweslichen, der da aufhören sollte, sondern zu einem ewigen, der da ewig bleiben sollte, denn all hier ward das ewige Leben wiedergeboren.

Also ward die Wesenheit der Ewigkeit in Gott seiner ganzen Tiefe ohne Grund und die Wesenheit des verstorbenen Adam in der Menschheit eine Wesenheit ganz ein einig Wesen, dass also die Kreatur Christus mit seiner Wesenheit zugleich auf einmal den ganzen Vater erfüllte, der ohne Ziel und Grund ist. Aber die kreatürliche Seele blieb und ist eine Kreatur. Und nach dem dritten Principio als von der Kreatur ist dieser Christus eine Kreatur und König der Menschen, sowohl auch nach dem anderen Principio als ein Kind des ungründlichen Vaters. Was der Vater in seiner ungründlichen Tiefe ist, das ist der Sohn in seiner Kreatur. Denn die Kraft in der Kreatur ist mit der Kraft außer der Kreatur eine Kraft, eine Wesenheit, in der die Engel und Menschen wohnen. Sie gibt Paradies und fröhliche Wonne. Aber in der Menschheit gibt sie auch Fleisch und Blut, darum ist und bleibt sie auch eine Kreatur, aber ungeschaffen, sondern geboren auf einem Teil aus Gott von Ewigkeit, und auf dem anderen Teil aus der Menschheit. Und ist Gott und Mensch eine Person worden, ein Christus, ein Gott, ein Herr, eine Hl. Dreifaltigkeit in der Menschheit und auch zugleich überall, dass, wenn wir Christum sehen, so sehen wir die Hl. Dreifaltigkeit in einem Bilde. Seine Kreatur ist einem Bilde gleich und aus uns Menschen, unser Hohepriester und König, unser Bruder, unser Immanuel. Seine Kraft ist unsere Kraft, sind wir aber aus Gott im Glauben an ihn wiedergeboren. Er ist uns nicht fremd oder schrecklich, sondern ist unsere Liebe-Tinktur. Er ist mit seiner Kraft unserer Seelen Erquickung, unser Leben und unserer Seelen Wonne. Wenn wir ihn finden, so finden wir unsern Gehilfen, gleichwie ihn Adam finden sollte; und er ließ sich betrügen und fand endlich ein Weib. Da sprach er: Das ist Fleisch von meinem Fleisch und Bein von meinem Gebeine, und er nahm sie zu sich, zu einer Gesellin (Gen. 2,23).

Also wenn ihn unsere Seele findet, so saget sie: Das ist meine Jungfrau, die ich in Adam hatte verloren, da ein irdisch Weib aus ihr ward. Jetzt habe ich meine liebe Jungfrau aus meinem Leibe wiedergefunden. Nun will ich die nimmermehr von mir lassen. Sie ist mein, mein Fleisch und Blut, meine Stärke und Kraft, die ich in Adam verloren, die will ich behalten. O ein freundlich Halten, freundlich Inqualieren, Schönheit, Frucht, Kraft und Tugend!

Also findet die arme Seele ihres verlorenen Lichts Tinktur und ihre liebe Jungfrau. Und im Weiblein wird gefunden der edle Bräutigam, danach Veneris Matrix hat je gelüstet, hat aber nur einen irdischen, männlichen Sulphur gefunden und hat sich mit irdischem Samen müssen lassen schwängern. All hier bekommt sie des rechten Feuers und Mannes Tinktur, dass sie also auch eine rechte männliche Jungfrau wird, als Adam in seiner Unschuld war.

10. Kapitel – Von der Geburt Jesu Christi, des Sohns Gottes, und wie er neun Monat sei im Mutterleibe verschlossen gelegen, und wie seine Menschwerdung sei

Viel Disputieren hat man getrieben um die Menschwerdung Jesu Christi, aber fast blind, und daraus mancherlei Meinungen gemacht, die Menschen also mit Meinungen umzutreiben und die rechte Menschwerdung lassen liegen, daran unser ewig Heil lieget. Dessen allen war Ursache, dass man das in äußerlichem Witz und Kunst hat gesucht und nicht am rechten Ziel. Wäre man in die Menschwerdung eingegangen und aus Gott geboren worden, es hätte keines Disputierens bedurft, denn der Geist Gottes eröffnet einem jeden die Menschwerdung wohl in ihm selber, und ohne denselben ist kein Finden. Denn wie wollen wir das in dieser Welt Vernunft finden, das nicht in dieser Welt ist? Wir finden in der äußeren Vernunft kaum einen Glanz davon, aber in Gottes Geist ist das rechte Finden.

Die Menschwerdung Christi ist ein solch Mysterium, davon die äußere Vernunft nichts weiß, denn sie ist in allen dreien Prinzipien geschehen, und mag nicht ergründet werden, man kenne denn den ersten Menschen in seiner Schöpfung vorm Fall gründlich. Denn Adam sollte den anderen Menschen mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit aus sich gebären, in dem der Name Jesus eingeleibt stand, aber es konnte nicht sein. Darum musste ein anderer Adam kommen, dem es möglich war, denn Christus ist das jungfräuliche Bild mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit. Er ist empfangen in Gottes Liebe und geboren in diese Welt. Adam hatte göttliche Wesenheit und seine Seele war aus dem ersten Principio aus des Vaters Eigenschaft. Die sollte sich mit der Imagination richten in des Vaters Herze als ins Wort und Geist der Liebe und Reinheit, und essen von der Liebe Wesenheit, so hätte sie Gottes Wesen im Wort des Lebens an sich behalten, und wäre mit der Kraft aus dem Herzen Gottes geschwängert worden, davon sie denn aus sich selber in ihrer Wesenheit imaginieret und ihre Wesenheit selber geschwängert hätte, dass also wäre ein ganzes Gleichnis nach dem ersten Bild (Urbild) durch Imagination und der Seelen Willen Einergeben entstanden und in der Kraft der Wesenheit empfangen worden.

Weil aber dieses in Adam nicht sein konnte wegen der Irdigkeit, die ihm anhing, so geschah es im anderen Adam Christo. Der ward auf eine solche Art durch Gottes Imagination und Eingebung in des ersten Adams Bildnis empfangen.

Und ist uns erkenntlich, dass weil der erste Adam seine Imagination hat in die Irdigkeit gesetzt und irdisch worden, auch solches wider Gottes Vorsatz bestehen musste. Denn all hier setzte Gott seinen Vorsatz in Adams Kind und führte seine Imagination in das verderbte Bildnis und schwängerte dasselbe mit seiner göttlichen Kraft und Wesenheit und wendete um der Seelen willen aus der Irdigkeit in Gott, dass Maria eines solchen Kindes schwanger ward, als Adam sollte schwanger werden, welches die eigene Vermögenheit nicht tun konnte, sondern sank nieder in den Schlaf als in die Magiam, da dann das Weib aus Adam gemacht ward, welches nicht sollte gemacht werden, sondern Adam sollte sich in Veneris Matrice selber schwängern und magisch gebären. Weil es aber nicht sein mochte, ward Adam zerteilet, und ward ihm sein eigener Wille der großen Macht gebrochen und in Tod geschlossen. Weil er seine Imagination nicht wollte in Gottes Geist setzen, so musste seine große Macht im Tode stillhalten und den Geist Gottes lassen seine Imagination in sich setzen und mit ihm tun, was er wollte.

Darum erweckte ihm Gottes Geist aus demselben Tode das Leben, und ward desselben Lebens Geist, auf dass das Bildnis und Gleichnis nach Gott, so von Ewigkeit war in Gottes Weisheit erkannt worden, doch mochte erboren werden und bestehen. Denn sie stand vor den Zeiten der Welt von Ewigkeit im jungfräulichen Spiegel in der Weisheit Gottes, und solches in zweien Gestalten, als nach dem ersten Principio des Vaters im Feuer und im anderen Principio des Sohns im Lichte, und war doch nur im Lichte offenbar und im Feuer gleich als in einer Magia als in einer Möglichkeit. Gleichwie der gestirnte Himmel eine Figur dem Menschen im Schlafe ins Gemüt modelt nach seiner Vermögenheit, also ist auch das Bildnis im Centro des Feuers Natur erschienen ganz unsichtbar, aber in der Weisheit im Spiegel der Gottheit ist sie als ein Bilde gleich einem Schatten, aber ohne materialisch Wesen erschienen. Und ist doch in der Essenz des Geistes gewesen, welcher, so er sich im Spiegel der Weisheit erblicket, dieses Bildnis erkannt und gesehen hat und einst seinen Willen dareingesetzt, sie in Wesenheit zu bringen, auf dass Gott ein Bild oder Gleichnis im Wesen habe, da er sich nicht mehr brauchte als im Spiegel schauen, sondern im Wesen empfinden. Und darum, so das erste Bild in die strenge Macht imaginierte und darüber irdisch und tot ward, führte Gottes Geist seinen Willen und Leben in den Tod und nahm aus dem Tode wieder das erste Leben in sich, auf dass das erste Leben in vollem Gehorsam vor ihm bestünde und er allein sei das Wollen und auch das Tun.

Also ist uns erkenntlich, dass Gott sei in das halbtote Bildnis eingegangen, verstehe: in Maria, und eben in dieselbe jungfräuliche Gestalt, welche im Tode verschlossen lag, darin Adam sollte schwanger werden und ein Bild nach ihm in jungfräulicher Zucht gebären. In derselben eingeschlossenen und halbertöteten jungfräulichen Matrice ist Gottes Wort oder Herz als das Centrum der Hl. Dreifaltigkeit ein Menschenbild worden, ohne Verletzung seines Wesens. Und weil die erste lebendige jungfräuliche Matrix in Adam nicht wollte Gott gehorsam sein, so ward sie ihm jetzt, als sie wieder aus dem Tode erwecket ward, gehorsam und ergab sich ganz demütig und willig in Gottes Willen. Also ward jetzt wieder das rechte jungfräuliche Bild im Gehorsam Gottes figurieret, denn der erste Wille musste im Tode bleiben, der wider Gottes Willen imaginierte; und ward ein reiner, gehorsamer Wille erwecket, der in der himmlischen Sanftmut und Wesen blieb, der nicht mehr das Bildnis im Feuer, in des Vaters Teil, in ihm ließ aufquellen, sondern blieb in einer Qual, als dann die Gottheit nur in einer Qual ihr Leben führet, als im Lichte, im Hl. Geiste, und führet aber doch ihre Herrschaft über alle drei Principia.

Also ist uns auch von der Menschwerdung Christi zu verstehen. Als Gottes Geist das jungfräuliche Leben in Maria wieder erweckte, welches in der irdischen Essenz im Tode und Grimme lag eingeschlossen, so wendete sich dasselbe Leben nunmehr nur in einen Willen als in Gottes Liebe und ergab sich dem Geiste Gottes. Also ward dasselbe Leben eines rechten jungfräulichen Bildes schwanger, welches bei Adam sein sollte, aber nicht geschah, denn eine Imagination empfing die andere, Gottes Imagination empfing die Imagination im Tode (Gott belebte das Sterbliche) und brachte sie wieder zum Leben; und dasselbe Leben imaginierte wieder in Gott und ward Gottes schwanger und ward aus der Gottheit und Menschheit eine Person. Die Gottheit hing an der himmlischen Wesenheit, die von Ewigkeit je gewesen war mit Reich, Kraft und Herrlichkeit als das Reich des Paradieses und die engelische Welt als der Geist und die siebente Gestalt am Centro naturae, wie im dritten Teil “Vom dreifachen Leben” ausführlich gemeldet worden. Und die Menschheit hing an dem Reich dieser Welt. Weil sich aber der Wille der Menschheit in die Gottheit ergab, so ward dieses jungfräuliche Bild in Christo Jesu nur ein Gast in dieser Welt, und seine Gottheit war ein Herr über diese Welt. Denn also sollte das in Adam auch sein, dass das Kleinere und Ohnmächtige unter dem Größeren und Allmächtigen wäre. Aber Adams Wille ging in das Kleine und Ohnmächtige; darum ward er ganz ohnmächtig und fiel wieder in Schlaf und dem Schöpfer wieder heim. Aber dies Bildnis mit Christo blieb in der göttlichen Wesenheit stehen und hing ihr die irdische Qual in Knechtsamt und Weise an, nun nicht mehr als ein Herr wie über Adam und Maria, seine Mutter vor der hohen Benedeiung und Eröffnung der Gottheit, sondern als ein Knecht, denn dies Bildnis war nun in Gottes Geiste und Macht ein Herr über das dritte Principium dieser Welt.

Nun spricht die Vernunft: Wie ist es denn zugegangen in dieser Menschwerdung? Ist denn das Leben alsbald mit dem Punkt der Empfängnis rege worden über den natürlichen Lauf, dass das Teil Marias als des Weibes Samen hat alsbald gelebt? Nein, denn es war ein essentialischer Same, und ward in seiner rechten natürlichen Zeit rege mit Seele und Geist wie alle Adamskinder. Aber das Teil der Gottheit, umgeben mit göttlicher Wesenheit und Weisheit, lebte von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Gottheit ging nichts zu, noch ab; was sie war, das blieb sie, und was sie nicht war, das wird sie. Sie gab sich mit himmlischer göttlicher Wesenheit in die Essenz und Wesenheit Marias, und ward Marien Essenz und Gottes Essenz eine Person, aber Marien Essenz war sterblich und Gottes Essenz unsterblich. Darum mussten Mariens Essentien am Kreuze sterben und durch den Tod ins Leben gehen. Dazu halfen Gottes Essentien, sonst wäre es nicht möglich gewesen. Also half uns Gottes Essenz und hilft uns noch immerdar durch Christi Tod in Gottes Essenz und Leben ein.

Also erkennen wir Christi Menschwerdung natürlich wie aller Menschenkinder. Denn die himmlische, göttliche Wesenheit hat sich mit ihrem Leben in die irdische halbertötete eingegeben. Der Herr gab sich unter den Knecht, auf dass der Knecht lebendig würde; und ist zugleich in neun Monden ein vollkommener Mensch worden und auch ein wahrer Gott blieben, und ist auch auf Art und Weise aller Adamskinder zu dieser Welt geboren worden durch denselben Gang wie alle Menschen. Und das darum, nicht dass er es (Christus) bedürfte; er hätte können magisch geboren werden, aber er wollte und sollte unsere unreine, tierische Geburt und Eingang in dieses Leben heilen. Er sollte in unserem Eingang in diese Welt eingehen und uns aus dieser Welt in Gottes Eingang einführen und aus der irdischen Qual ausführen.

Denn so er wäre magisch auf göttliche Art geboren worden, so wäre er nicht natürlich in dieser Welt gewesen, denn die himmlische Wesenheit hätte müssen den irdischen Qual verschlingen. Also wäre er uns nicht gleichworden, wie hätte er dann wollen den Tod leiden und in Tod eingehen und den zerbrechen? Aber also ist es nicht: Er ist wahrhaftig des Weibes Same und den natürlichen Weg wie alle Menschen in diese Welt eingegangen, und aber den göttlichen Weg in der göttlichen Macht und Wesenheit durch den Tod ausgegangen. Seine göttliche, lebendige Wesenheit ist es, die im Tode bestand, die den Tod zerbrach und spottete, und führte die verwundete halbtote Menschheit durch den Tod ins ewige Leben. Denn das irdische Teil, welches er aus seiner Mutter Maria an sich, das ist: an das göttliche Wesen annahm, das starb am Kreuz der irdischen Qual ab. Also war die Seele in Gottes Wesenheit und fuhr als ein Siegesfürst dem Teufel in seine Hölle, das ist: in Gottes Zorn und löschte den mit Gottes Liebe und Sanftmut der göttlichen Liebe Wesenheit. Denn es kam das Liebe-Feuer in des Zorns Feuer und ersäufte den Zorn, darin der Teufel wollte Gott sein. Also ward der Teufel mit der Finsternis gefangen genommen und verlor seine Herrschaft, denn der Stachel und das Schwert Cherubs, des Würgeengels, ward all hier zerbrochen. Und das war die Ursache, dass Gott Mensch ward, dass er uns aus dem Tode ins ewige Leben einführte und den Zorn, der in uns brannte, mit seiner Liebe löschte.

Denn ihr sollt uns recht verstehen, wie Gottes Zorn sei gelöscht worden: nicht mit dem tödlichen Blute Christi, das er vergoss, darüber die Juden seiner spotteten, sondern mit dem Blute des ewigen Lebens aus Gottes Wesen, welches unsterblich war, das da hatte den Brunnquell des Wassers des ewigen Lebens. Das ward am Kreuz mit unter dem äußerlichen Blute vergossen. Und da das äußere in Tod fiel, da fiel das himmlische mit, aber es war unsterblich.

Also hat die Erde Christi Blut empfangen, davon sie erzitterte und erbebte, denn der Grimm Gottes war jetzt in ihr überwunden, und kam das lebendige Blut in sie, welches aus Gottes Wesenheit war vom Himmel kommen. Das tat auf die Gräber der Heiligen und eröffnete den Tod und machte ein Straße durch den Tod, dass der Tod ward schaugetragen (wie ein Besiegter); denn als Christi Leib vom Tode aufstand, da trug er den Tod an seinem Leibe schau, denn seine Macht war zerbrochen.

11. Kapitel – Von der Nutzbarkeit; was uns armen Evaskindern die Menschwerdung und Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, nütze. Die allerliebreichste Porte

Wir armen Evaskinder waren in Adam alle erstorben. Und ob wir gleich lebten, so lebten wir doch nur in dieser Welt; und der Tod wartete unser und verschlang je einen nach dem andern; und war uns kein Rat, so uns nicht hätte Gott wieder aus seinem Wesen erboren, wir wären in Ewigkeit nach dem Leibe nicht wiederkommen, und unsere Seele wäre in Gottes Zorn-Qual bei allen Teufeln ewig blieben. Aber die Menschwerdung Jesu Christi ist uns ein kräftig Wesen worden, denn um unseretwillen ist Gott Mensch worden, auf das er unsere Menschheit wieder aus dem Tode in sich brächte und unsere Seelen aus dem Feuer des Zorns Gottes erlöste. Denn die Seele ist in sich selber ein Feuerquall und hält in sich selber inne das erste Principium, die herbe Strengheit, welche in sich selber nur zum Feuer arbeitet. So aber dieser Seelengeburt die Sanftmut und Liebe Gottes entzogen wird, oder aber: so sie mit ganz strenger Materia infizieret wird, so bleibet sie eine Qual in der Finsternis, eine ganz strenge Rauigkeit, sich selber fressend und doch auch im Willen immer wieder Hunger gebärend. Denn ein Ding, das keinen Anfang noch Grund hat, das hat auch kein Ende, sondern es ist selber sein Grund, es gebiert sich selber.

Und wir doch auch nicht sagen wollen, dass Seele keinen Anfang habe. Sie hat Anfang, aber nur nach der Kreatur, nicht nach der Essenz. Ihre Essenz ist von Ewigkeit, denn das göttliche Fiat hat sie im Centro der ewigen Natur gefasst und in ein substantialisch Wesen gebracht, dazu mit dem ganzen † (Kreuz) mit dem Charakter der Hl. Dreifaltigkeit als ein Gleichnis des dreifachen Geistes der Gottheit in der Gottheit wohnet. Es geschehe nun in Liebe oder Zorn, das ist: im Licht oder Feuer, in welches sie imaginieret, dessen wird sie schwanger, denn sie ist ein magischer Geist, eine Qual in sich selber. Sie ist das Centrum der Ewigkeit, ein Feuer der Gottheit im Vater, jedoch nicht in der Freiheit des Vaters, sondern in der ewigen Natur. Sie ist nicht vor dem Wesen, sondern im Wesen. Aber Gottes Freiheit ist außer dem Wesen, wohnet aber im Wesen. Denn im Wesen wird Gott offenbar, und wäre auch kein Gott ohne Wesen, sondern eine ewige Stille ohne Qual. Aber in der Qual wird das Feuer erboren und aus dem Feuer das Licht, da sich dann zwei Wesen scheiden und zweierlei Qual führen, als eine grimmige, hungrige, durstige im Feuer und eine sanfte, liebliche, gebende im Licht, denn das Licht gibt und das Feuer nimmt. Das Licht gibt Sanftmut, und aus Sanftmut wird Wesenheit. Die ist des Feuers Speise, sonst wäre es ein grimmiger finsterer Hunger in sich selber, als denn ein Geist ist, so er nicht Wesen des Lichts hat, gleich einem verschmachteten Gift. So er aber Wesen der Sanftmut bekommt, so zeugt er das in sich und wohnet darin und braucht’s zur Speise und auch zum Leben. Denn er infizieret sich damit und schwängert sich, denn sein Wesen ist seine Erfüllung, also dass der Hunger gestillt wird.

Also ist uns zu betrachten die menschliche Seele: Sie ward genommen aus dem Centro naturae, nicht aus dem Spiegel des Ewigen als aus der Qual dieser Welt, sondern aus der ewigen Essenz des Geistes Gottes aus dem ersten Principio aus des Vaters Eigenschaft nach der Natur, nicht von Wesen oder von etwas, sondern der Geist der Gottheit blies ihm das Leben, verstehe: das Bildnis in Adam, selber ein aus allen dreien Prinzipien. Er hat ihm das Centrum naturae als den Feuer-Quall zum Leben eingeblasen und auch die Sanftmut der Liebe aus dem Wesen der Gottheit als das andre Principium mit göttlicher himmlischer Wesenheit, sowohl auch den Geist dieser Welt als den Spiegel und Vorbild der Weisheit Gottes mit den Wundern.

Nun ist aber der Geist dieser Welt mit des Teufels Entzünden und Gift, so er dareingeschmeißt hat, verderbet, denn der Teufel wohnet in dieser Welt und ist ein steter Infizierer der äußeren Natur und Eigenschaft, wiewohl nur im Grimm als im herben Begehren ist er mächtig. Aber er setzet seine Imagination mit seiner falschen Tinktur auch in die Liebe und vergiftet der Seelen ihr bestes Kleinod, und hat Adams Seele mit seiner Imagination mit seinem bösen Hunger-Geist infizieret, dass also Adams Seele nach irdischer Qual lüsterte, von welcher Lust sie mit irdischer Qual geschwängert ward, dass also das äußere Reich ins innere eingeführt ward, davon das Licht im Feuer des ersten Principii verlosch und seine göttliche Wesenheit, darin er sollte ewig leben, in irdischen Tod eingeschlossen ward.

Also ward diesem Bildnis und auch Seele kein Rat mehr. Es bewegte sich denn die Gottheit nach dem anderen Principio als nach dem Lichte des ewigen Lebens in ihr und zündete die in Tod eingeschlossene Wesenheit wiederum mit dem Liebe-Glanz an, welches in der Menschwerdung Christi geschah; und ist dies das allergrößte Wunder, das Gott hat gewirkt, dass er sich mit dem Centro der Hl. Dreifaltigkeit hat in des Weibes Samen beweget. Denn nicht im Feuer als in des Mannes Tinktur wollte sich Gottes Herz offenbaren, sondern in des Geistes Tinktur als in Veneris, in der Liebe des Lebens, auf dass das Feuer in des Mannes Tinktur mit der Sanftmut und Liebe Gottes ergriffen würde. Denn aus dem eingeschlossenen Tode sollte und musste das ewige Leben wieder ausgrünen. Denn all hier hat die Wurzel Jesse und rechte Aaronisrute gegründet und schöne Früchte gebracht, denn in Adam ward das Paradies in Tod geschlossen, als er irdisch ward. Aber in Christo gründete das wieder aus dem Tode.

Von Adam haben wir alle den Tod geerbt. Von Christo erben wir das ewige Leben. Christus ist das jungfräuliche Bild, das Adam aus sich sollte gebären mit beiden Tinkturen. Weil er aber nicht konnte, ward er zerteilet und musste durch zwei Leiber gebären, bis der Silo kam, das ist: der Jungfrauen Sohn, welcher aus Gott und Mensch geboren ward. Er ist der Durchbrecher, von dem die Propheten redeten, der aufschießt als ein Reiß. Er grünet als ein Lorbeerbaum in Gottes Wesen. Er hat mit seiner Eingehung in die halbertötete Essenz den Tod zerbrochen, denn er gründete zugleich in menschlicher und auch in göttlicher Essenz. Er brachte uns mit in unsere Menschheit die jungfräuliche Zucht der Weisheit Gottes. Er umgab unsere Seelen-Essenz mit himmlischer Wesenheit. Er ward der Held im Streit, da die zwei Reiche miteinander im Streit lagen, als Gottes Zorn und Liebe. Er gab sich willig in Zorn und löschte den mit seiner Liebe, verstehe: in der menschlichen Essenz. Er kam aus Gott in diese Welt und nahm unsere Seele in sich ein, auf dass er uns aus der Irdigkeit dieser Welt wieder in sich in Gott einführte. Er gebar uns in sich wieder neu, dass wir in Gott zu leben wieder tüchtig wären. Aus seinem Willen gebar er uns, dass wir sollen unseren Willen in ihn setzen. So führte er uns in sich zum Vater in unser erstes Vaterland wieder ein, als ins Paradies, daraus Adam ausging. Er ist unser Brunnquell worden. Sein Wasser quillt in uns. Er ist unser Brunn und wir seine Tropfen in ihm. Er ist die Fülle unserer Wesenheit worden, auf dass wir in ihm in Gott Leben. Denn Gott ist Mensch worden. Er hat sein ungründlich und unmesslich Wesen in die Menschheit eingeführt. Sein Wesen, das den Himmel erfüllet, hat er in der Menschheit offenbaret. Also ist das menschliche Wesen und Gottes Wesen ein Wesen worden, eine Fülle Gottes. Unser Wesen ist sein Bewegen in seinem Himmel. Wir sind seine Kinder, sein Wunder, sein Bewegen in seinem ungründlichen Leibe. Er ist Vater und wir seine Kinder in ihm. Wir wohnen in ihm und er in uns. Wir sind sein Werkzeug, damit er suchet und machet, was er will. Er ist das Feuer und auch das Licht mit allem Wesen. Er ist verborgen und das Werk machet ihn offenbar.

Also erkennen wir, dass Gott ein Geist ist, und sein ewiger Wille ist magisch als begehrend. Er macht aus Nichts immer Wesen, und das in zweierlei Qual als nach dem Feuer und Lichte. Aus dem Feuer wird Grimm, Aufsteigen, Hoffart, sich dem Lichte nicht wollen eineignen, sondern ein grimmiger ernsthafter Wille, nach welchem er nicht Gott heißet, sondern ein grimmig verzehrend Feuer. Dies Feuer wird auch in der bloßen Gottheit nicht offenbar, denn das Licht hat das Feuer in sich verschlungen und gibt dem Feuer seine Liebe, seine Wesenheit, sein Wasser, also dass in Gottes Wesen nur Liebe, Freude und Wonne ist und kein Feuer erkannt wird. Sondern das Feuer ist nur eine Ursache des begehrenden Willens und der Liebe, sowohl des Lichtes und der Majestät, sonst würde kein Wesen, wie solches nach der Länge in den vorgehenden Schriften ausgeführt worden ist.

Und ist uns jetzt erkenntlich, worin unsere neue Wiedergeburt stehe, dieweil wir doch nun in dieser Welt mit der irdischen Hütten verdecket und dem irdischen Leben heimgefallen sind, als nämlich bloß in der Imagination, dass wir mit unserem Willen in Gottes Willen eingehen und uns ihm ganz eineignen und übergeben, welches Glauben heißet. Denn das Wort >Glauben< ist nicht historisch, sondern es ist ein Nehmen aus Gottes Wesen, aus Gottes Wesen essen, Gottes Wesen mit der Imagination in sein Seelenfeuer einführen, seinen Hunger damit stillen und also Gottes Wesen anziehen, nicht als ein Kleid, sondern als einen Leib der Seelen. Die Seele muss Gottes Wesen in ihrem Feuer haben, sie muss von Gottes Brot essen, will sie Kind sein.

Also wird sie auch in Gottes Geiste und Wesen neugeboren werden, der sie aus dem Acker des Grimmes und Zorns in den Acker der Liebe, Sanftmut und Demut Gottes eingepfropft, und blühet mit einer neuen Blume, welche in Gottes Liebe wächst als in Gottes Acker. Dieselbe Blume ist das rechte wahre Bildnis der Gottheit, die Gott begehrete, als er Adam zu seinem Gleichnis schuf. Das hat uns nun wiedergeboren Jesus Christus, Gottes und des Menschen Sohn. Denn seine Wiedergeburt aus Gottes und unserm Wesen ist unsere Wiedergeburt, seine Kraft, Leben und Geist ist alles unser, und dürfen nichts mehr dazutun, als dass wir nur bloß mit unserm Willen-Geiste durch ihn in Gottes Wesen eingehen. So wird unser Wille in Gottes Willen neugeboren und empfängt göttliche Kraft und Wesen. Nicht fremde, sondern unsere erste, mit welcher wir in Adam in Tod eingingen, die wecket uns der Erstgeborene aus den Toten wieder auf, welcher ist Christus. Er ist Gott, ist aber aus uns geboren, auf dass er uns lebendig mache aus dem Tode, nicht eines fremden Lebens, das wir all hier in dieser Welt nicht hätten gehabt, sondern unseres eigenen Lebens; denn Gottes Vorsatz soll bestehen. Die schöne Blume und Bildnis soll aus dem verderbten Acker wachsen, und nicht allein das, sondern auch aus dem reinen Acker.

Aus der Jungfrauen sollten wir wiedergeboren werden, und nicht aus dem Manne des Zorns, aus der Feuers-Tinktur, sondern aus der Jungfrau der Liebe aus der Lichts-Tinktur. Wir ziehen mit unserer Einergebung die Jungfrau Christi an. Wir werden hiermit die Jungfrau der Zucht, Keuschheit und Reinheit in Ternario Sancto in der engelischen Welt, ein Spiegel der Hl. Dreifaltigkeit, in der sich Gott schauet, die er ihm hat zu seinem Gemahl genommen. Er ist unser Mann, dem wir in Christo vermählet, vertrauet und eingeleibet sind. Wir sind nun Maria im Bunde der Gnaden, aus der Gott und Mensch geboren wird. Maria war die erste in der hohen Benedeiung, denn in ihr war das Ziel, da der Bund hinwies. Sie war in Gott in dem teuren Namen Jesu erkannt, ehe der Welt Grund gelegt ward, nicht dass sie das Leben aus dem Tode brächte, sondern dass Gott wollte in ihr das Leben aus dem Tode bringen. Darum ward sie hoch gebenedeit, und ward ihr angezogen die reine jungfräuliche Zucht. Und aus derselben Jungfrauschaft, daraus Christus geboren ward, müssen wir alle geboren werden, denn Jungfrauen müssen wir werden und dem Lamme Gottes folgen, anders sollen wir nicht Gott schauen. Denn Christus saget: Ihr müsset von neuem geboren werden, wollet ihr das Reich Gottes schauen, durch das Wasser und Hl. Geist. Das Wasser ist die Jungfrauschaft, denn die Jungfrau führet des Lichtes und Wassers Tinktur als Liebe und Sanftmut. Und der Geist, daraus wir sollen geboren werden, ist der, der mit der Bewegung der Gottheit sich in des Weibes Samen einergab, der den Tod zerbrach, der aus dem Wasser eine lichtflammende Blume ausgebieret, da er der Blumen Geist und Leben ist, nicht nach dem Feuerquall des Grimmes, sondern nach dem Quall des Lichts in der Sanftmut und Demut.

12. Kapitel – Von der reinen Jungfrauschaft

Wir armen Evaskinder finden in uns keinen rechten reinen, züchtigen jungfräulichen Gedanken, denn Mutter Eva, welche eine Frau war, hat uns alle weibisch und männisch gemacht. Wir sind in Adam und Eva alle zu Mannen und Frauen worden, es sei denn, dass wir in die himmlische Jungfrauschaft mit unserm begehrenden Willen eingehen, in der uns Gott aus Christo hat wieder zu Jungfrauen geboren. Nicht nach dem irdischen Leben, in welchem keine Zucht noch Reinigkeit ist, sondern nach dem Leben der himmlischen Jungfrauen, in welcher Christus ein Mensch ward, welche der Marien mit Überschattung des Hl. Geistes angezogen ward, die ohne Grund, Ziel und Ende ist, die allenthalben vor der Gottheit stehet, und ist ein Spiegel und Ebenbild der Gottheit. In diese Jungfrau, darin die Hl. Dreifaltigkeit wohnet, darinnen wir vor den Zeiten der Welt vom Geiste Gottes erblicket und in dem Namen Jesu erkannt worden, müssen wir mit unserm Willen-Geiste eingehen. Denn unser wahres Bildnis, in dem wir Gottes Gleichnis sind, ist uns mit Adam und Eva verblichen und irdisch worden, welches geschah durch Lust oder Imagination, und ward uns also Gottes klares Angesicht verdecket, denn wir verloren himmlische Zucht.

Weil uns aber Gott aus seiner Gunst und Liebe zu uns hat sein helles Angesicht in der Menschwerdung Christi wieder eröffnet, so liegt es nur an dem, dass gleichwie wir in Adam haben in die irdische Sucht imaginieret, davon wir irdisch worden, dass wir nun unsern begehrenden Willen wieder in die himmlische Jungfrau setzen und unsere Lust dareinführen. So gehet unser Bildnis aus der irdischen Frauen aus und empfängt jungfräuliche Essenz und Eigenschaft, darin Gott wohnet, da der Seelen Bildnis mag wieder das Angesichte Gottes erreichen.

Die äußere Vernunft spricht: Wie mag das zugehen, dass wir mögen aus der Jungfrauen wiedergeboren werden, daraus Christus geboren ward? – Sie meint einfach: Maria, – aber wir verstehen Maria nicht, welche eine kreatürliche Jungfrau ist, als wir denn auch in der unmaterialischen jungfräuliche Zucht kreatürliche Jungfrauen werden. So wir aber in die Menschwerdung Christi eingehen, nicht nach dem äußeren Leben in den vier Elementen, sondern nach dem inneren, in dem einen Element, da das Feuer Gottes die vier Elemente in sich verschlinget und aber in seinem Lichte als im andern Principio, indem der äußere Mann und Frau muss durch den Tod gehen in Christi Auferstehung, eine Jungfrau in einem Element, da alle vier inne verborgen liegen, in der rechten jungfräulichen Weisheit Gottes ausgrünen. Wir müssen dem Manne und der Frauen absterben und den verderbten Adam kreuzigen. Er muss mit Christo sterben und in Vaters Zorn geworfen werden. Der verschlinget den irdischen Mann und Frauen und gibt aus der Menschwerdung Christi der Seelen ein jungfräulich Bild, da der Mann und die Frau nur ein Bild ist, mit eigner Liebe. Jetzt setzet der Mann seine Liebe in die Frau und die Frau in den Mann. So aber die beiden Lieben in eine verwandelt werden, so ist keine Begierde zu der Vermischung mehr in dem einigen Bilde, sondern das Bild liebet sich selber.

So ist nun das Bild im Anfang in der jungfräulichen Weisheit Gottes erschaffen worden als aus göttlicher Wesenheit. So nun die Wesenheit irdisch worden und in Tod gefallen ist, so wecket sie das Wort, das Mensch ward, wieder auf. Also bleibet die irdische dem Tod im Zorne, und das Aufgeweckte bleibet im Worte des Lebens in der jungfräulichen Zucht. Und tragen wir all hier in dieser Welt einen zweifachen Menschen in einer Person: als ein jungfräulich Bild, geboren aus der Menschwerdung Christi, und ein irdisch Bild, männlich oder weiblich, im Tode und im Zorne Gottes beschlossen. Das Irdische muss das Kreuz tragen, sich im Zorn quälen, verfolgen und schmähen lassen, wird auch endlich dem Tode gegeben, alsdann verschlinget der Zorn im qualitätischen Feuer Gottes. Und so alsdann das Wort des Lebens, welches in Maria Mensch ward, mit in dem irdischen Bild ist, so stehet Christus, der das Wort des Lebens brachte, aus Gott, aus dem Tode auf und führet die Essenz des qualitätischen Feuers, verstehe: die menschliche Essenz, aus dem Tode aus, denn er ist aus dem Tode auferstanden und lebet in Gott. Und sein Leben ist unser Leben worden, und sein Tod unser Tod. Wir werden in seinem Tode begraben, grünen aber in seiner Auferstehung und Überwindung in einem Leben aus.

Vernehmet doch nur den Sinn recht: Adam war das jungfräuliche Bild. Er hatte die eigene Liebe, denn der Geist Gottes hatte ihm die eingeblasen. Denn was kann Gottes Geist anders aus sich blasen als er selber ist? Nun ist er aber alles und wird doch nicht aller Quall Gott genannt, sondern in allem Quallen ist nur ein einiger Geist, der Gott ist als nach dem anderen Principio im Lichte, und ist doch kein Licht ohne Feuer. Er ist aber im Feuer nicht der Liebe-Geist oder der Hl. Geist, sondern der Grimm der Natur und eine Ursache des Hl. Geistes, ein Zorn und verzehrend Feuer. Denn im Feuer wird der Geist der Natur frei und das essentialische Feuer gibt doch auch die Natur und ist selber die Natur.

Nun verstehen wir doch nur einen Hl. Geist im Licht. Obs wohl alles ein Wesen ist, verstehen wir doch, dass die Materia, welche aus der Sanftmut des Lichts erboren wird, gleich als ohnmächtig und dunkel ist, welche das Feuer in sich zeugt und verschlinget, gibt aber aus der materialischen Qual, aus dem Feuer einen mächtigen Geist, der da frei ist von der Materia und auch vom Feuer. Wiewohl ihn das Feuer hält, so ergreift es doch nicht seine Qual, als wir dies sehen, dass das Licht im Feuer wohnet, und hat doch nicht des Feuers Quall, sondern einen sanften Liebe-Quall, welches auch nicht wäre, so die Materia nicht wäre im Feuer gestorben und verzehret worden.

Also betrachten wir den ersten Adam: Er war aus der Licht-Essenz und Wesenheit erdacht. Dieweil er aber in ein Geschöpfe gehen sollte und sollte ein ganz Gleichnis Gottes nach allem Wesen, nach allen dreien Prinzipien sein, so ward er auch mit dem Verbo Fiat in allem Wesen aller dreien Prinzipien ergriffen und in ein Geschöpf gebracht. Nun waren zwar alle drei Principia in ihm frei und stunden ineinander, ein jedes in seiner Ordnung, und war ein recht ganz Gleichnis Gottes nach und aus dem Wesen aller Wesen. Aber uns ist dies zu erkennen, wie das dritte Principium als die Qual dieser Welt sei in der Entzündung Luzifers ganz grimmig, durstig und bös worden, und habe die Qual alsbald in Adam nach dem anderen Principio als nach der himmlischen Materia gedürstet, davon die Sucht in Adam entstanden. Denn die Qual der reinen Liebe aus dem Hl. Geiste hatte das verweigert. So aber die Liebe in die irdische Qual einging, sie zu ersättigen in ihrem entzündeten Durste, so empfing die reine unmaterialische Liebe die begehrende, irdische, verderbte Sucht. Jetzt verlosch das andre Principium, nicht als ein Tod, dass es wäre als ein Nichts worden, sondern es ward im Grimmen-Durste gefangen. Und so dann Gott ein Licht ist, so stand die reine Liebe-Qual also im Tode außer dem Lichte Gottes eingeschlossen. Jetzt war das Bildnis verderbet und im Grimm Gottes gefangen, und verlor die eigene Liebe ihre Macht, denn sie ward in die verderbte Irdigkeit eingeschlossen und liebte die Irdigkeit.

Also musste aus diesem Bildnis ein Weib gemacht werden und die zwei Tinkturen, als des Feuers Essenz und der Matricis wässerige Essenz geschieden werden, als in einen Mann und Frau, dass doch die Liebe also in zweierlei Qual rege wäre und also eine Tinktur die andere liebte und begehrete und sich vermischten, davon dies Geschlechte fortgebaut und erhalten würde.

Nun konnte aber dies Geschlechte der Menschen also in irdischer Qual nicht Gott erkennen oder schauen, denn die reine Liebe ohne Makel war in die irdische durstige Qual eingeschlossen, und war im Durste des Grimmes der ewigen Natur, welche Luzifer entzündet hatte, gefangen. Denn der Grimm hatte die Liebe mit der Irdigkeit in sich gezogen. So stand nun in derselben gefangenen Liebe die jungfräuliche Zucht der Weisheit Gottes, welche dem Adam mit dem anderen Principio mit der himmlischen Wesenheit ward mit zu seinem Leibe incorporieret und vielmehr derselben sanften Wesenheit Geist mit dem Einblasen des Hl. Geistes, welcher dem Adam ward eingeblasen.

Jetzt war nun kein Rat, es erregte sich denn die Gottheit in der göttlichen Jungfrau nach dem anderen Principio in der im Tod eingeschlossenen Jungfrauschaft und wurde ein anderes Bildnis aus dem ersten. Und ist uns erkenntlich und genug verständlich, dass das erste Bildnis musste dem Grimm gegeben werden, damit er seinen Durst löschte; und musste in die Verwesung gehen als in das essentialische Feuer, da doch die Essenz nicht verweset oder abstirbt, um welches Willen Gott einen Tag bestimmt hat, da er die Essenz des alten und ersten Adam will durchs Feuer führen, da sie soll der Vergänglichkeit los werden als der Sucht des Teufels und Zorns der ewigen Natur.

Und verstehen weiter, wie Gott habe das Leben seines heiligen Wesens wieder in uns gebracht, indem er sich mit seinem eigenen Herzen oder Worte und Kraft des göttlichen Lebens in der in Tod eingeschlossenen Jungfrauschaft beweget als in der reinen Liebe, und dieselbe wieder entzündet und seine himmlische Wesenheit mit der reinen Jungfrauschaft in die in Tod eingeschlossene Jungfrauschaft eingeführt, und hat aus der himmlischen und aus der in Tod und Zorn eingeschlossenen Jungfrauschaft ein neues Bildnis erboren.

Und dann zum dritten verstehen wir, dass dieses neue Bildnis hat müssen durch den Tod und Grimm des Feuers wie der in die himmlische, göttliche Wesenheit in Ternarium Sanctum eingeführt werden. Denn die irdische Sucht, welche der Teufel hatte besessen, musste im Zornfeuer bleiben und ward dem Teufel zur Speise gegeben. Da soll er ein Fürst inne sein nach dem Grimmen-Quall der ewigen Natur, denn der Teufel ist des Grimmes Speise, und der Grimm ist des Teufels Speise.

Dieweil sich dann das Wort des ewigen Lebens hat wieder in unsere in Tod eingeschlossenen kalten Liebe und Jungfrauschaft beweget und an sich genommen unsere verderbte Jungfrauschaft, und ist ein innerlicher und äußerlicher Mensch worden, und hat das Centrum als unser Seelenfeuer in seine Liebe eingeführt, so erkennen wir seine in uns eingeführte Liebe und Jungfrauschaft für unsere eigene Jungfrauschaft. Denn seine Liebe und Jungfrauschaft hat sich mit unserer kalten Liebe und Jungfrauschaft vermählet und dareinergeben, dass Gott und Mensch soll ewig eine Person sein.

Nun spricht die Vernunft: Das ist in Maria als nur in einer Person geschehen, wo bleibe aber ich? Christus ist nicht auch in mir geboren worden.

Ach, unser großes Elend und Blindheit, dass wir nicht verstehen wollen! Wie gar hat uns doch die irdische begreifliche Sucht geblendet und der Teufel durch und mit dem gräulichen Antichrist in Babel verführet, dass wir gar keine Sinnen wollen haben? Siehe doch, du elende und jämmerliche Vernunft, was du bist, anders nichts als ein hurisch Weib an Gott. Wie soll ich dich anders nennen, da du doch der reinen Jungfrauschaft an Gott brüchig und meineidig bist. Hast du nicht Adams Fleisch, Seele und Geist, und bist aus Adam herkommen? Bist du nicht aus Adams Wasser und Feuer entsprungen? Du bist ja Adams Kind, mach’s wie du willst, du musst stille halten. Du schwimmest in Adams Mysterium, beides: im Leben und im Tode.

So ist ja das Wort Gottes in Adams in Tod eingeschlossener Jungfrauschaft Mensch worden. Es hat sich das Herze Gottes in Adams Jungfrauschaft erreget und hat die aus dem Tode durch Gottes Feuer in die göttliche Qual eingeführt. Christus ist Adam worden, aber nicht der zerteilte, sondern der jungfräuliche Adam, der Adam vor seinem Schlafe war. Er hat den verderbten Adam in Tod, in Gottes Feuer eingeführt und hat den reinen jungfräulichen aus dem Tode durch Feuer ausgeführt, dessen Sohn du bist. So du aber nicht im Tode bleibest liegen, als ein faul Holz, das nicht qualifizieren (wirken) kann, welches im Feuer keine Essenz gibt, sondern wird eine finstere Asche.

Nun spricht die Vernunft: Wie kommt’s denn, weil ich Christi Glied und Gottes Kind bin, dass ich ihn nicht fühle noch empfinde? – Antwort: Ja, allhier stecket es, liebes besudeltes Hölzlein; riech in deinem Busen, wonach stinkest du, nach teuflischer Sucht als nach zeitlicher Wollust, nach Geiz, Ehren und Macht. Höre, das ist des Teufels Kleid. Zieh diesen Pelz aus und wirf ihn weg. Setze deine Begierde in Christi Leben, Geist, Fleisch und Blut, imaginiere darein, als du hast in die irdische Sucht imaginieret, so wirst du Christus in deinem Leibe, in deinem Fleisch und Blut anziehen. Du wirst Christus werden; seine Menschwerdung wird sich alsbald in dir erregen, und wirst in Christo neugeboren werden.

Denn die Gottheit oder das Wort, das sich in Maria erregte und Mensch ward, das ward auch zugleich in allen verstorbenen Menschen von Adam her, welche ihren Geist hatten in Gott oder in den verheißenen Messias einergeben und befohlen, Mensch; und ging auch auf alle diejenigen, die noch sollten aus dem verderbten Adam geboren werden, die sich nur dasselbe Wort würden lassen aufwecken, denn der erste Mensch begreift auch den letzten. Adam ist der Stamm, wir sind alle seine Äste. Christus ist aber unser Saft, Kraft und Leben worden. So nun ein Ast am Baume verdorret, was mag das der Saft und die Kraft des Baumes? Gibt sich doch die Kraft allen Ästen, warum zeucht nicht der Ast den Saft und Kraft in sich? Es fehlet an dem, dass der Mensch teuflische Kraft und Essenz anstatt der göttlichen Essenz in sich zeucht, und läßt sich den Teufel verführen in irdischer Sucht und Lust. Denn der Teufel kennet den Zweig, der ihm in seinem gewesenen Lande gewachsen ist und noch wachset. Darum, wie er am Anfang ein Lügner und Mörder ist gewesen, also ist er noch und infizieret die Menschen, dieweil er weiß, dass sie dem äußeren Regiment der Sternen sind in seine magische Sucht gefallen. So ist er ein steter Vergifter der Complexion. Und wo er ein Fünklein riecht, das ihm dienet, das stellet er dem Menschen immer für, imaginieret der Mensch nur drein, er wird ihn bald infizieren.

Darum heißet es: Wachet, betet, seid nüchtern, führet ein mäßiges Leben, denn der Teufel, euer Widersacher gehet herum als ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge, 1.Petr.58. – Trachtet nicht also nach Geiz, Geld, Gut, Macht und Ehre, denn wir sind in Christo nicht von dieser Welt. Denn darum ging Christus zum Vater als in das göttliche Wesen ein, dass wir ihm sollen mit unseren Herzen, Sinnen und Willen nachfolgen. So wolle er alle Tage bis an der Welt Ende bei uns sein (Matth.28,20), – aber nicht in dieser Welt Qual. Wir sollen aus dieser Welt Qual aus dem irdischen Menschen ausdringen und unseren Willen in seinen Willen ergeben und unsere Imagination und Lust in ihn einführen, so werden wir in seiner Jungfrauschaft, die er in uns wieder erreget, schwanger, und empfahen das Wort, das sich in ihm rege macht, in unsere in Tod eingeschlossene Jungfrauschaft, und werden in Christo in uns selber neugeboren. Denn wie der Tod durch Adam auf uns alle drang, also dringet das Wort des Lebens aus Christo auf uns alle. Denn die Bewegung der Gottheit in der Menschwerdung Christi ist beweglich blieben und steht allen Menschen offen. Es fehlet nur am Eingehen, dass sich der Mensch lässt den Teufel halten. Christus darf nicht erst von seiner Stätte weichen und in uns einfahren, wenn wir in ihm neugeboren werden, denn das göttliche Wesen, darin er geboren war, enthält an allen Orten und Enden innen das andere Principium. Wo man sagen kann, da ist Gott gegenwärtig, da kann man auch sagen: allda ist die Menschwerdung Christi auch gegenwärtig, denn sie ist in Maria eröffnet worden und inqualieret also hinter sich zurück bis in Adam und vor sich bis in den letzten Menschen.

Nun spricht die Vernunft: Der Glaube erreichet sie allein. – Ja, recht; in dem rechten Glauben gehet die Schwängerung an, denn der Glaube ist Geist und begehret Wesen, und das Wesen ist ohne das in allen Menschen. Und fehlet nur daran, dass es der Glaubensgeist ergreife. Und so es ergriffen wird, so blühet und wachset die schöne Lilien aus, nicht allein ein Geist, sondern das jungfräuliche Bild wird aus dem Tode ins Leben geboren. Die Rute Aaronis, welche dürre ist, grünet aus dem dürren Tode aus und nimmt aus dem Tode seinen Leib, aus der halberstorbenen Jungfrauschaft das schöne neue jungfräuliche Leben. Und die dürre Rute Aaronis hat dies angedeutet sowohl der alte Zacharias, auch Abraham mit seiner alten Sara, welche nach der äußeren Welt alle gleich als erstorben waren und nicht mehr fruchtbar. Aber die Verheißung in der neuen Wiedergeburt sollte es tun. Das Leben sollte aus dem Tode grünen. Nicht der alte Adam, der irdisch war, soll Herr sein, auch nicht Esau der erstgeborene, dem zwar das Erbe gehöret hätte, so Adam blieben wäre, sondern der andere Adam: Christus, der aus dem ersten durch den Tod ausgrünet, soll Herr bleiben. Nicht der Mann oder das Weib soll Gottes Reich besitzen, sondern die Jungfrau, die aus des Mannes und Weibes Tode ausgeboren wird, soll Königin der Himmel sein. Ein Geschlecht, nicht zwei, ein Baum, nicht viele! Christus war der Stamm, weil er die Wurzel des neuen Leibes war, der aus dem Tode gründete, der die verstorbene Jungfrau wieder als einen schönen Zweig aus dem Tode ausführte. Und wir alle sind die Äste und stehen alle auf einem Stamme, der ist Christus.

Also sind wir Christi Äste, seine Zweige, seine Kinder, und Gott ist unser aller, auch Christi Vater. In ihm leben und weben und sind wir. Wir tragen Christi Fleisch und Blut an uns, so wir aber zur neuen Wiedergeburt kommen, denn in Christi Geist werden wir wiedergeboren. Der in Maria in der verstorbenen Menschheit ein lebendiger Mensch ward ohne Berührung eines Mannes, der wird auch in uns selber, in unserer verstorbenen Jungfrauschaft ein neuer Mensch, und fehlet nunmehr nur noch an dem, dass wir den alten Adam als die Hülse in Tod werfen, dass des irdischen Lebens Qual von uns gehe und wir also dem Teufel aus seinem Lande ausgehen.

Nicht allein dieses, denn der alte Adam muss nicht so ganz und gar weggeworfen werden, sondern nur die Hülse als die Schale, darin der Same verborgen liegt. Aus der alten Essenz muss der neue Mensch in Gottes Bewegung ausgrünen als ein Halm aus dem Korne, wie uns Christus lehret. Darum muss die Essenz in Gottes Zorn eingeworfen werden, muss verfolget, geplagt, verspottet werden und dem Kreuz unterliegen. Denn aus Gottes Zornfeuer muss der neue Mensch ausgrünen. Er muss im Feuer bewähret werden. Wir waren des Zorns Essenz heimgefallen, aber die Liebe Gottes stellte sich in Zorn und löschte den Zorn mit der Liebe im Blut der himmlischen Wesenheit im Tode Christi. Also behielt der Zorn die Hülse als den verderbten Menschen, verstehe: die irdische Qual, und die Liebe behielt den neuen Menschen. Darum soll kein Mensch mehr himmlisch Blut vergießen, sondern nur das irdische, tödliche. Denn Christus, der ohne Mann und Weib empfangen ward, der konnte das alleine tun, denn in seiner himmlischen Wesenheit war kein irdisch Blut. Er vergoss aber sein himmlisch Blut unter das irdische, dass er uns arme irdische Menschen vom Grimm erlöste. Denn sein himmlisch Blut musste sich in seinem Blutvergießen mit dem irdischen mengen, auf dass die Turba (der Grimm) in der Irdigkeit in uns, welche uns gefangen hält, ersäufet und der Zorn mit der Liebe des himmlischen Bluts gelöscht würde. Er gab sein Leben für uns in Tod, ging für uns in die Hölle ins Vaters Feuer-Qual und aus der Hölle wieder in Gott, auf dass er den Tod zerbräche, den Zorn ersäufte und uns eine Bahn machte. Da Christus am Kreuze hing und starb, allda hingen wir mit und in ihm am Kreuz und starben in ihm, stunden auch in ihm vom Tode auf und leben ewig in ihm als ein Glied am Leibe. Und also hat des Weibes Same der Schlangen den Kopf zertreten. Christus hat’s in uns und wir in Christo getan. Göttliche und menschliche Essenz hat’s getan.

Also liegt es nun jetzt an dem, dass wir ihm nachfolgen. Christus hat wohl den Tod zerbrochen und den Zorn gelöscht. Aber wollen wir seinem Bild ähnlich werden, so müssen wir ihm auch in seinem Tode nachfolgen, sein Kreuz auf uns nehmen, uns lassen verfolgen, höhnen, spotten und töten, denn die alte Hülse gehöret dem Zorne Gottes. Sie muss gefegt werden, weil nicht der alte Mensch soll in uns leben, sondern der neue. Der alte wird dem Zorn dar gegeben, denn aus dem Zorn blühet der neue aus, gleichwie das Licht aus dem Feuer scheinet. Der alte Adam muss also das Holz zum Feuer sein, auf dass der neue im Lichte des Feuers ausgrüne, denn im Feuer muss er bestehen. Nichts ist ewig, das nicht im Feuer bestehen kann und das nicht aus dem Feuer urständet.

Unsere Seele ist aus Gottes Feuer und der Leib aus des Lichtes Feuer, doch verstehe allezeit mit dem Leibe eine stumme Wesenheit, welche nicht Geist, sondern ein essentialisch Feuer ist. Der Geist ist viel höher, denn sein Urstand ist Feuer des Grimmes, der grimmen Qual, und sein recht Leben oder Leib, den er in sich hat, ist das Licht der Sanftmut. Das wohnet im Feuer und gibt dem Feuer seine sanfte Nahrung oder Liebe, sonst bestünde das Feuer nicht, es will zu zehren haben. Denn Gott der Vater spricht auch: Ich bin ein zorniger, eifriger, grimmiger Gott, ein verzehrend Feuer, Deut.4,24, und nennet sich doch auch einen barmherzigen lieben Gott, 1.Joh.4,8 nach seinem Lichte, nach seinem Herzen. Darum spricht er: Ich bin barmherzig; – denn im Lichte wird das Wasser des ewigen Lebens geboren, welches das Feuer und den Grimm des Vaters löschet.

13. Kapitel – Vom zweifachen Menschen, als vom alten und vom neuen Adam

Alles was im alten Adam von Christo gelehrt, geschrieben, gepredigt oder geredet wird, es sei aus Kunst oder wie es wolle, so ist es aus dem Tode und hat weder Verstand noch Leben, denn der alte Adam ist an Christo tot. Es muss es nur der neue, der aus der Jungfrauen geboren wird, tun. Der verstehet allein das Wort der Wiedergeburt und gehet zur Tür Christi in den Schafstall ein. Der alte Adam will durch Kunst und Forschen einsteigen. Er meinet, im Buchstaben könne Christus genug ergriffen werden, dieser sei von Gott bestellt und gerufen zu lehren, der Kunst und Sprachen gelernt habe, der viel gelesen habe, der Geist Gottes müsse durch sein Predigen reden, ob er gleich nur der alte verderbte Adam sei. Aber Christus saget: Die sind Diebe und Mörder und sind nur kommen zu rauben und zu stehlen. Wer nicht zur Tür im Schafstall gehet, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder, Joh.10,1. Und weiter spricht er: Ich bin die Tür zu den Schafen; wer durch mich eingeht, der wird Weide finden, und die Schafe werden ihm folgen (Joh.10,9). Denn wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.

Ein Lehrer soll und muss aus Christo geboren sein, oder er ist ein Dieb und Mörder, und stehet nur da zu predigen wegen der Bauchfülle. Er tut es um Geldes und Ehre willen. Er lehret sein Wort und nicht Gottes Wort. Wenn er aber aus Christo wiedergeboren ist, so lehret er Christi Wort, denn er stehet im Baum Christi und gibt seinen Schall aus dem Baum Christi, darin er stehet. Darum ist solche Widerwärtigkeit auf Erden, dass sich die Menschen Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, was der alte böse Adam gerne höret, was zu seinem Aufsteigen und fleischlicher Wollust dienet, was zur Macht und Pracht dienet.

O ihr Teufelslehrer, wie wollet ihr vor dem Zorne Gottes bestehen? Warum lehret ihr, so ihr doch nicht von Gott gesandt seid? Ihr seid aus Babel, aus der großen Hure, gesandt, aus der Mutter der großen geistlichen Hurerei auf Erden. Nicht aus der Jungfrauen seid ihr geboren, sondern aus der ehebrecherischen Frauen, denn ihr lehret nicht allein Menschentand, sondern verfolgt auch die gesandten Lehrer, welche aus Christo geboren sind. Ihr streitet um die Religion, und ist doch gar kein Streit in der Religion. Es sind nur mancherlei Gaben, aber es redet nur ein Geist. Gleichwie ein Baum mancherlei Zweige hat und die Frucht mancherlei Form und nicht gar schlecht einander ähnlich sieht. Auch wie die Erde mancherlei Kraut und Blumen trägt und sie die Erde ist die einige Mutter, also auch ist es mit denen, die aus Gottes Geiste reden, ein jeder redet aus dem Wunder seiner Gaben. Aber ihr Baum und ihr Acker darauf sie stehen, ist Christus in Gott, und ihr Geistbinder wollet das nicht leiden. Ihr wollet euren Christo, den ihr doch selber mit der irdischen Zungen unerkannt lehret, das Maul verstopfen und ihn an euer Gesetz binden. O, die wahre Kirche Christi hat kein Gesetz. Christus ist der Tempel, da wir müssen eingehen. Der Steinhaufe machet keinen neuen Menschen. Aber der Tempel Christi, da Gottes Geist lehret, der wecket das halbtote Bildnis auf, dass sie anhebet zu grünen. Es gilt alles gleich. Gott fraget nicht nach Kunst oder nach Wohlredenheit, sondern wer zu ihm kommt, den will er nicht hinausstoßen. Christus ist in die Welt kommen, dass er die armen Sünder rufen und selig machen will. Und Jesajas saget: Wer ist so einfältig als mein Knecht? – Darum tut es dieser Welt Witz garnichts. Sie machet nur Hoffart und aufgeblasene Vernunft. Sie will oben aus und will herrschen. Aber Christus spricht: Wer nicht verlässt Häuser, Gut, Geld, Weib und Kind um meines Namens willen, der ist meiner nicht wert. Alles was in dieser Welt ist, muss nicht so lieb sein als der teure Name Jesus ist, denn alles was diese Welt hat, das ist irdisch, aber der Name Jesus ist himmlisch. Und aus dem Namen Jesu müssen wir aus der Jungfrauen wiedergeboren werden.

Darum steht der Jungfrauen Kind gegen den alten Adam. Dieser erzeiget sich mit Begierden der zeitlichen Wollust, Ehren, Macht und Gestalt und ist ein grimmiger scheußlicher Drache, der nur fressen will, wie ihn die Offenbarung Johannis darstellet, einen feuerspeienden oder einen gräulichen, scheußlichen Drachen. Und der Jungfrauen Kind steht auf dem Mond und führet eine Krone mit zwölf Sternen, denn es tritt das Irdische, als den Mond, mit Füßen (Offb.12,1). Es ist aus dem irdischen Mond ausgewachsen als eine Blume aus der Erden. Darum stehet das jungfräuliche Bild auf dem Monde. Dawider schießet der grimmige Drache seinen Strahl mit Wasser und will das jungfräuliche Bild immer ersäufen. Aber die Erde kommt der Jungfrauen zu Hilfe und verschlinget den Wasserstrahl und führet die Jungfrau in Ägypten, das ist: das jungfräuliche Bild muss sich in Ägypten in die Dienstbarkeit lassen stellen. Und die Erde, als der Grimm Gottes, verdecket das jungfräuliche Bild, sie verschlinget des Drachen Strahl. Obgleich der Drache das jungfräuliche Bild mit seinem Gräuel überhäufet, lästert und schmähet, so schadet’s doch dem Jungfrauenkinde nichts. Denn der Grimm Gottes nimmt die Lästerung, so über das reine Kind ausgegossen wird, an; denn die Erde bedeutet allezeit den Grimm Gottes. Also stehet das jungfräuliche Kind auf der Erden als auf dem irdischen Monde und muss immer in Ägypten vor dem irdischen Drachen fliehen. Es muss all hier nur unter Pharaonis Dienstbarkeit sein, aber es stehet auf dem Mond und nicht unter dem Mond. Der Fürst Josua oder Jesus führt’s durch den Jordan in Jerusalem. Es muss nur durch den Tod in Jerusalem eingehen und den Mond verlassen. Es ist in dieser Welt nur ein Gast, ein Fremdling und Pilgrim. Es muss durch des Drachen Land wandern. Wenn der Drache seinen Strahl schießt, so muss sich’s beugen und unter das Kreuz treten, so nimmt der Zorn Gottes des Drachen Feuer an.

Uns ist erkenntlich, dass der alte Adam nichts vom neuen weiß noch verstehet. Er verstehet alles irdisch, er weiß nicht, wo Gott oder was Gott ist. Er heuchelt ihm selber, misset ihm Frömmigkeit zu und meinet, er diene Gott, dienet doch nur dem alten Drachen. Er opfert und sein Herze hanget am Drachen. Er will schlicht fromm sein und mit der Irdigkeit in Himmel fahren, spottet doch des Himmels Kinder. Damit zeiget er an, dass er im Himmel fremd ist, er ist nur ein Herr auf Erden und ein Teufel in der Hölle.

Unter solchen Dornen und Disteln müssen Gottes Kinder wachsen. Sie werden in dieser Welt nicht erkannt, denn der Zorn Gottes verdecket sie. Es kennet sich auch ein Kind Gottes selbst nicht recht. Es sieht nur den alten Adam, der ihm anhanget, der immer will das Jungfrauenkind ersäufen, es sei denn, dass das Jungfrauenkind einen Anblick in Ternarium Sanctum empfahe. Da kennet sich’s, wenn ihm das edle schöne Ritterkränzlein wird aufgesetzt. Da muss der alte Adam hintennachsehen, und weiß nicht, wie ihm geschieht. Er ist wohl sehr freudig, aber er tanzet als einer nach der Saiten. Wenn das Spiel aufhöret, so hat seine Freude ein Ende und er bleibet der alte Adam, denn er gehöret der Erden und nicht der engelischen Welt.

Sobald es mit dem Menschen dahin kommt, dass das jungfräuliche Bild aus dem alten Adam anhebet auszugrünen, dass sich des Menschen Seele und Geist in Gehorsam Gottes einergibt, so hebet mit ihm der Streit an, denn der alte Adam im Zorne Gottes streitet wider den neuen Adam in der Liebe. Der alte will im Fleisch und Blut Herr sein. So mag der Teufel den jungfräulichen Zweig auch nicht dulden, denn er darf ihn nicht anrühren, aber den alten Adam mag er rühren, infizieren und besitzen. Weil ihm seine eigene Wohnung in der Finsternis des Abgrundes nicht gefällt, so wohnet er gerne im Menschen, denn er ist ein Feind Gottes und hat außer dem Menschen keine Gewalt. Darum besitzet er den Menschen und führet ihn nach seinem Gefallen in Zorn und Grimm Gottes, damit er Gottes Liebe und Sanftmut spotte. Denn er vermeint noch, solange er ein grimmig Feuerquall ist, er sei höher als die Demut, dieweil er könne schrecklich fahren. Weil er aber den jungfräulichen Zweig nicht darf anrühren, so brauchet er eitel List und Schalkheit und verdecket den, dass er in dieser Welt nicht erkannt wird, es möchten ihm sonst zu viel solcher Zweiglein in seinem vermeinten Lande wachsen. Denn er ist denen gram und feind, führet seine hoffärtigen Diener mit Spott und Plagen über denselben Menschen, dass er verfolget, verspottet und für einen Narren gehalten wird. Solches tut er durch die vernunftkluge Welt, durch diese, welche sich Christi Hirten nennen, auf welche die Welt sieht, auf dass doch der Lilienzweig nicht erkannt werde. Die Menschen möchten sonst merken und möchten ihm zu viel solcher Zweiglein wachsen, so dürfte er wohl seine Herrschaft bei den Menschen verlieren.

Aber der edle Lilienzweig wachset in Geduld, in Sanftmut und nimmt seine Essenz, Kraft und Ruch aus dem Acker Gottes, als aus der Menschwerdung Christi. Christi Geist ist seine Essenz, Gottes Wesen ist sein Leib. Nicht aus fremder Eigenschaft, sondern aus einer eigenen in Tod eingeschlossenen und in Christi Geist ausgrünenden Essenz wachset der jungfräuliche Lilienzweig. Er suchet und begehret nicht dieser Welt Schönheit, sondern der engelischen Welt, denn er wachset auch nicht in dieser Welt, im dritten Principio, sondern im anderen Principio in der Paradieswelt. Darum ist großer Streit in Fleisch und Blut in der äußeren Vernunft. Der alte Adam kennet den neuen nicht und befindet doch, dass er ihm widerstehet. Er will nicht, was der alte will. Er führet den alten immer zur Abstinenz. Das tut dem alten wehe. Der alte will nur Wollust, Gut und zeitliche Ehre haben. Er mag nicht Spott und Kreuz leiden, aber dem neuen gefällt es wohl, dass er soll Christi Malzeichen tragen, dass er dem Bilde Christi ähnlich wird. Darum gehet der alte oft ganz traurig um, denn er sieht, dass er muss Narr sein, weiß doch auch nicht, wie ihm geschieht, denn er kennet nicht Gottes Willen. Er hat nur den Willen dieser Welt. Was allda glänzet, das will er haben. Er will immer gerne Herr sein, vor dem man sich bücke. Aber der neue bücket sich vor seinem Gott. Er begehret nichts, will auch nichts, sondern sehnet sich nach seinem Gott als ein Kind nach seiner Mutter. Er wirft sich in seiner Mutter Schoß und ergibt sich seiner himmlischen Mutter im Geiste Christi. Er begehret seiner ewigen Mutter Speise und Trank und isst in der Mutter Schoß, als ein Kind im Mutterleibe von der Mutter isst. Denn solange er im alten Adam verdecket ist, so ist er noch in der Menschwerdung. Wenn aber der alte Adam stirbt, so wird der neue aus dem alten ausgeboren. Er lässt das Gefäß, da er innen lag und ein jungfräulich Kind ward, der Erden und dem Gerichte Gottes. Er aber wird ausgeboren als eine Blume in Gottes Reich. Alsdann, wenn kommen wird der Tag der Wiederbringung, sollen ihm alle seine Werke, welche er im alten Adam gut gewirkt hat, nachfolgen, und die Bosheit des alten Adam soll im Feuer Gottes abgebrannt und dem Teufel zur Speise gegeben werden.

Nun spricht die Vernunft: Weil denn der neue Mensch in dieser Welt in dem Alten nur in der Menschwerdung ist, so ist er nicht vollkommen? – Antwort: Dies ist anders nicht als wie in einem Kinde, da der Same mit zweien Tinkturen als männlich und weiblich ineinandergesäet wird, und wird ein Kind daraus. Denn sobald der Mensch umkehret und sich zu Gott wendet mit ganzem Herzen, Sinn und Willen und gehet vom gottlosen Wege aus und ergibt sich ganz ernstlich in Gott, so gehet die Schwängerung im Seelenfeuer in dem alten verderbten Bildnis an, und die Seele ergreift in sich das Wort, das sich in Maria bewegte im Centro der Hl. Dreifaltigkeit, das sich mit der züchtigen, hochgebenedeiten Himmelsjungfrau der Weisheit Gottes eingab in die halberstorbene Jungfrau und ward ein Mensch. Dasselbe Wort, das in Maria im Centro der Hl. Dreifaltigkeit sich bewegte oder regte, das sich mit der halbtoten eingeschlossenen Jungfrauschaft vermählte, ergreift das seelische Feuer, alsbald gehet in der Seelen Bildnis als in der Seelen Licht in der Sanftmut als in der verschlossenen jungfräulichen Wesenheit die Schwängerung an. Denn des Menschen Liebetinktur ergreifet Gottes Liebetinktur, und ist der Same im Hl. Geist in der Seelen Bildnis gesät, wie solches in unserm Buche “Vom dreifachen Leben des Menschen” weitläufig beschrieben worden.

Nun siehe, so denn also das jungfräuliche Zeichen in Gottes Liebe erscheinet, so mag dieser Zweig schon geboren werden, denn in Gott ist alles vollkommen. Weil er aber im alten Adam verdeckt stecket und gleich nur in der Essenz als ein Same stehet, so ist noch große Gefahr dabei, denn mancher erlanget diesen Zweig erst an seinem letzten Ende. Und ob er ihn gleich mit aus Mutterleibe gebracht hätte, so wird er doch verderbet und bei manchen zerbrochen und irdisch gemacht.

Also gehet es auch mit dem armen Sünder. Wenn er Buße tut, wird aber hernach wieder ein böser Mensch, so geht’s ihm als Adam geschah. Der war ein schön, herrlich, von Gott erschaffen und hocherleuchtet Bild. Als er aber sich ließ die Lust überwinden, ward er irdisch, und ward sein schönes Bildnis in der irdischen Qual im Zorn Gottes gefangen, also geht’s hoch immerdar. Aber dies sagen wir, als wir Erleuchtung in Gnaden Gottes empfangen und um dies Kränzlein viel Zeit gerungen haben, dass dem, der im Ernst beständig bleibet bis sein Zweig ein Bäumlein wird, dem mag sein Zweig in einem oder mehr Stürmen nicht leicht zerbrochen werden, denn was schwach ist, das hat auch ein schwach Leben. Nicht reden wir also der Gottheit ein, sondern natürlich ist das, und geschieht doch auch alles natürlich, denn das Ewige hat auch seine Natur und gehet nur eines aus dem andern. Wäre diese Welt nicht von des Teufels Bosheit und Grimm vergiftet gewesen, so wäre Adam in dieser Welt im Paradies blieben, auch wäre kein solcher Grimm in Sternen und Elementen. Denn der Teufel war ein König und großer Herr im Loco dieser Welt, der hat den Grimm erreget. Darum schuf Gott den Himmel aus dem Mittel des Wassers, dass die feurige Natur als das feurige Firmament mit dem Wasser-Himmel gefangen wäre, dass sein Grimm verlösche. Sonst, wo das Wasser sollte vergehen, würde man wohl sehen, was in dieser Welt sein würde: anders nichts als ein eitel kaltes, herbes und feuriges Brennen und doch nur finster, denn es könnte kein Licht sein. Denn das Licht bestehet bloß in der Sanftmut, so kann auch kein scheinend Feuer sein, es habe denn sanfte Wesenheit. Darum ist uns erkenntlich, dass Gott hat die himmlische Wesenheit in Wasser verwandelt, welches natürlich geschah, als sich Gott der Vater bewegte. Und der Teufel fiel, welcher wollte ein Feuer-Herr sein über die Sanftmut. So ward ihm ein solcher Riegel vor seine giftige Bosheit geschoben, dass er also nun Gottes Affe und nicht Herr ist, ein Wüter und Erfüller im Zorn-Quall.

So wir denn solches wissen, dass wir mit dem Zorn umgeben sind, sollen wir unser selber wahrnehmen und uns nicht also gering und leicht schätzen. Denn wir sind nicht allein von dieser Welt, sondern auch zugleich von der göttlichen Welt, welche in dieser Welt verborgen stehet und ist uns nahe. Wir können zugleich auf einmal in dreien Welten leben und sein, so wir anders aus dem bösen Leben mit dem jungfräulichen Bilde ausgrünen. Denn wir leben

(1) im ersten Principio in Vaters Welt im Feuer nach der essentialischen Seele als nach der Feuer-Qual im Centro naturae der Ewigkeit, und dann

(2) mit dem rechten reinen jungfräulichen Bilde leben wir in der lichtflammenden Paradieswelt, wie wohl dieselbe im Loco dieser Welt nicht offenbar ist, wird aber doch in dem jungfräulichen Bilde im Hl. Geiste und im Worte, das im jungfräulichen Bilde wohnet, erkannt;

(3) leben wir mit dem alten Adam in dieser äußeren verderbten Sucht-Welt beim Teufel in seiner entzündeten Sucht. Darum heißt’s vorsichtig sein.

Christus spricht: Seid einfältig als die Tauben und listig als die Schlangen (Matth.10,16); nehmet euer selber wahr. – In Gottes Reich bedürfen wir keiner List. Wir sind nur Kinder in der Mutter Schoß, aber in dieser Welt mögen wir uns wohl vorsehen. Wir tragen den edlen Schatz in einem irdischen Gefäße. Es ist bald geschehen, dass verloren wird Gott und Himmelreich, das nach dieser Zeit nicht mehr zu erlangen ist. Allhier sind wir im Acker und Samen. Wir stehen all hier im Wachsen, ist es gleich, dass der Halm einmal zerbrochen wird, so ist doch noch die Wurzel da, dass ein anderer Halm wachsen mag.

Allhier steht dem Menschen die Gnadentür offen. Es ist kein Sünder so groß, so er umkehret und rechtschaffene Früchte der Buße wirket, er mag aus der Bosheit neugeboren werden. Wer aber seine Wurzel mutwillig in des Teufels Feuer wirft und an seinem Ausgrünen verzaget, wer will dem helfen, der selber nicht will! Wenn er aber seinen Willen umwendet zu Gott, so will ihn Gott haben. Denn wer in Gottes Zorn will, den will Gottes Zorn haben. Wer aber in die Liebe will, den will Gottes Liebe haben. Paulus saget: Welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, entweder der Sünden zum Tode oder dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit, des Knechte seid ihr (Röm.6,16). Der Gottlose ist Gott ein lieblicher Geruch im Zorne, und der Heilige ist Gott ein lieblicher Geruch in seiner Liebe (2.Kor.2,15.16). Mag doch ein Mensch aus sich machen, was er will. Er hat beides vor sich, Feuer und Licht. Will er ein Engel im Lichte sein, so hilft ihm Gottes Geist in Christo zur Engelschar. Will er dann ein Teufel im Feuer sein, so hilft ihm Gottes Zorn und Grimm und zeucht ihn in Abgrund zum Teufel. Item er bekommt seinen Aszendenten wozu er Lust hat. Zerbricht er aber die erste Lust und gehet in eine andere, so bekommt er einen anderen Aszendenten. Aber der erste hanget ihm trefflich an. Er will ihn immer wieder haben. Darum muss das edle Körnlein öfter in großer Quetsche (unter Druck) stehen. Es muss sich lassen die Dornen stechen, denn die Schlange sticht immer des Weibes Samen als das Jungfrauenkind in die Ferse (Gen.3,15). Der Schlangenstich stecket im alten Adam. Der sticht immer das Jungfrauenkind im Mutterleib in die Ferse. Darum ist dies Leben in dieser Welt mit uns armen gefangenen Menschen ein Jammertal voller Angst, Kreuz, Elend und Trübsal. Wir sind all hier fremde Gäste und sind auf Pilgrimsstraße. Wir müssen durch große wüste, wilde Einöden wandern, und sind mit bösen Tieren umgeben, mit Nattern und Schlangen, Wölfen und eitel gräulichen Tieren. Und das böseste Tier tragen wir im Busen. Unser schönes Jungfräulein steht in demselben bösen, wüsten Viehstalle zur Herberge.

Aber dies erkennen und sagen wir mit Grunde, dass wem der edle Zweig wachset und stark wird, allda in demselben Menschen der alte Adam muss Knecht werden. Er muss hintennach gehen und oft tun, was er nicht will. Er muss oft Kreuz, Spott und auch den Tod leiden. Das tut er nicht gerne. Aber das jungfräuliche Bild in Christo zwinget ihn, denn er will Christo seinem Bräutigam gerne mit Freuden nachfolgen und ihm ähnlich werden in Kreuz und Trübsal.

Und sagen auch wohl dieses, dass wohl keiner mit der jungfräulichen Krone gekrönt wird, welche die Frau in der Offenbarung (Johannis Kap. 12,1) trägt mit zwölf Sternen als mit sechs Geistern der Natur himmlisch und mit sechs Geistern irdisch, er bestehe denn vor des Drachen Strahl und fliehe mit in Ägypten als unters Kreuz in die Plagen Ägyptens. Er muss Christi Kreuz tragen und Christi Dornenkrone aufsetzen, sich wohl lassen ausäffen, narren und spotten, will er Christi und der Jungfrauen Krone aufsetzen. Er muss vorerst die Dornenkrone tragen, will er die himmlische Perlenkrone im Ternario Sancto aufsetzen.

Und geben den Erleuchteten noch ein groß Geheimnis zu erkennen, dass wenn die Perle gesät wird, so setzet er zum ersten Mal die Krone in Ternario Sancto mit großen Freuden und Ehren vor Gottes Engeln und allen heiligen Jungfrauen auf. Und ist wohl die größte Freude allda, aber dieselbe Krone verbirgt sich wieder, denn an dem Orte wird Gott Mensch. Wie wollte da nicht Freude sein, der alte Adam tanzet mit, aber als ein Esel nach der Leier. Aber die Krone wird der Menschwerdung beigelegt.

Willst du nun ein Ritter sein, so musst du in Christi Fußstapfen mit dem alten Esel auch wider den Teufel streiten. So du siegest und für ein ritterlich Kind Gottes erkannt und angenommen wirst, so wird dir der Frauen Krone mit zwölf Sternen aufgesetzt. Die sollst du tragen, bis die Jungfrau aus der Frauen aus deinem Tode oder mit deinem Tode geboren wird. Die soll die dreifache Krone der großen Ehren im Ternario Sancto aufsetzen. Denn weil das jungfräuliche Bild noch im alten Adam verschlossen lieget, erlanget es nicht die engelische Krone, denn es stehet noch in Fährlichkeit. Aber wenn es mit des alten Adams Sterben geboren wird, und aus der Hülse oder Schalen auskreucht, alsdann ist es ein Engel und mag nicht mehr verderben, und wird ihm die rechte beigelegte Krone, da Gott Mensch ward, aufgesetzt. Aber die Krone mit den zwölf Sternen behältst zum ewigen Zeichen. Denn es soll in Ewigkeit nicht vergessen werden, dass Gott in der irdischen Frauen wieder hat aufgeschlossen die Jungfrauschaft und ist Mensch worden. Die Gottheit ist Geist, und das heilige reine Element ist aus dem Worte von Ewigkeit erboren, und ist der Herr in dem Knecht eingegangen, dessen sich alle Engel im Himmel wundern, und ist das größte Wunder, so von Ewigkeit geschehen, denn es ist wider die Natur, und das mag Liebe sein. Die sechs irdischen Zeichen sollen zum ewigen Wunder stehen und ein ewiger Lobgesang sein, dass uns Gott hat aus Tod und Not erlöset. Und die sechs himmlischen Zeichen sollen unsere Krone und Ehre sein, dass wir mit dem himmlischen das Irdische haben überwunden, dass wir Frauen und Mannen waren und sind alsdann züchtige Jungfrauen mit eigener Liebe. So sollen die Siegeszeichen bleiben in Ewigkeit stehen. Daran soll erkannt werden, was Gott mit der Menschheit habe zu tun gehabt, und wie der Mensch das größte Wunder im Himmel ist, dessen sich die Engel hoch erfreuen.

14. Kapitel – Von der neuen Wiedergeburt

Dieweil wir in diesem Jammermeer in dem irdischen Fleisch und Blut schwimmen und sind einer irdischen Qual worden, da wir in der Dunkelheit im Glast (Schein) verschlossen liegen, höret das edle Gemüte nicht auf zu forschen von seinem rechten Vaterlande, dahin es gehen soll. Es spricht immer: Wo ist denn Gott, oder wann soll es doch geschehen, dass ich Gottes Antlitz mag sehen? Wo ist doch meine edle Perle? Wo ist das Jungfrauenkind? Sehe ich doch nicht, wie geschieht mir doch, dass ich mich also ängstige nach demselben, das ich doch nicht schauen kann. Ich befinde wohl die große Lust und Begierde danach, kann aber nicht sehen, da mein Herz möchte ruhen. Mir ist doch immerdar als einem Weibe, das gerne gebären wollte. Wie wollte ich doch so gerne meine Frucht sehen, die mir von meinem Gott verheißen ist. Es sehnet sich immer zur Geburt. Ein Tag rufet dem andern, und der Morgen dem Abend, und die Nacht wieder dem Tage, und hoffet in der Abstinenz, wenn doch aufgehen werde der helle Morgenstern, der dem Gemüte seine Ruhe bringe, und ist ihm als einem Weibe, das zur Geburt arbeitet, das immer des Anblicks und mit Sehnen und Verlangen wartet.

Also, meine geliebten Kinder Gottes, geht’s uns. Wir meinen, wir sind noch fern davon und stehen doch also in der Geburt. Wir gebären also mit großem Sehnen in Ängsten, und kennen den Samen nicht, den wir gebären. Denn er lieget verschlossen. Wir gebären nicht zu dieser Welt, wie wollen wir denn die Frucht mit dieser Welt Augen sehen, gehöret doch die Frucht nicht in diese Welt.

Dieweil wir aber die wahre Erkenntnis dieses Wesens erlanget haben, nicht nach dem äußeren Menschen, sondern nach dem iineren, so wollen wir uns dies im Gleichnis vormalen um des Lesers und um unserer Ergötzlichkeit willen.

Wenn wir uns betrachten, wie wir doch also zweifach sind, mit zweifachen Sinnen und Willen, so können wir nicht besser zur Erkenntnis kommen, als wenn wir das Geschöpfe betrachten. Wir sehen einen groben Stein liegen, und ist in manchem das beste Gold. Da sehen wir ja, wie das Gold im Steine glänzet, und der Stein ist stumm und weiß nicht, dass er ein so edel Gold in sich hat. Also auch wir, wir sind ein irdischer Sulphur (Stoff), haben aber einen himmlischen Sulphur im irdischen, da ein jedes das Seine ist. Es ist wohl diese Zeit untereinander, aber es inqualieret nicht miteinander. Es ist nur eines des anderen Behälter und Wohnhaus, als wir dies am Golde erkennen, da der grobe Stein nicht aus Gold ist, sondern ist nur sein Behälter. Seine Grobheit gibt auch nicht das Gold, sondern die Tinctura solis (Tinktur der Sonne) gibt das im groben Steine. Aber der grobe Stein ist die Mutter und Sol ist der Vater, denn Sol schwängert den groben Stein, darum dass er Centrum naturae hat, daraus Sol seinen Urstand hat. Wenn wir wollten fortgehen bis ins Centrum, wollen wir’s darstellen. Weils aber in anderen Schriften genug erkläret worden, so bleibt’s allhier stehen.

Also ist es auch mit den Menschen. Der irdische Mensch bedeutet den groben Stein. So bedeutet das Wort, das Mensch ward, Sol (Sonne, Gold). Das schwängert den verderbten Menschen, denn Ursache ist dies: Der verderbte Mensch ist wohl irdisch, er hat aber Centrum naturae in sich ewig. Er sehnet sich nach Gottes Sol, denn in seiner Schöpfung ward Gottes Sol mit zu seinem Wesen genommen. Nun hat aber der grobe Stein das Sol überwachsen und in sich verschlungen, dass das Sol mit dem groben Sulphur gemischt ist, und mag dem groben Sulphur nicht entrinnen, es werde denn im Feuer geläutert, dass das Grobe abgeschmelzt wird, so bleibet Sol allein. Dies verstehe mit dem Sterben und Verwesen. Da wird das grobe irdische Fleisch abgeschmelzt, so bleibet das jungfräuliche geistliche Fleisch alleine.

Und verstehet uns recht, was wir meinen. Wir reden teuer und wahrhaftig, als wir es erkennen. Nicht ist der neue Mensch nur ein Geist. Er ist im Fleisch und Blut: Gleichwie das Gold im Steine nicht nur Geist ist, es hat Leib, aber nicht einen solchen, wie der grobe Stein ist, sondern einen Leib, der im Centro naturae im Feuer bestehet. Denn das Feuer seinen Leib nicht verzehren mag, darum dass das Gold ein andre Principium hat. Wüsstest du das, du irdischer Mensch! Aber es bleibet billig stumm, denn die Erde ist des Goldes nicht wert, ob sie das gleich trägt und auch gebiert. Also auch der irdische Mensch ist des Kleinods nicht wert, das er trägt. Und ob er gleich das hilft gebären, noch ist er eine finstere Erde gegen dem Jungfrauenkinde aus Gott geboren.

Und wie das Gold einen wahrhaftigen Leib hat, der im groben Stein verborgen und gefangen lieget, also hat auch die jungfräuliche Tinktur in dem irdischen Menschen einen wahrhaften, himmlischen, göttlichen Leib in Fleisch und Blut. Aber nicht in einem solchen Fleisch und Blut wie das irdische. Es mag im Feuer bestehen, es gehet durch Stein und Holz und wird nicht ergriffen. Gleichwie das Gold den groben Stein durchdringet und zerbricht den nicht, zerbricht auch sich selber nicht, und der Stein weiß nichts vom Golde, also ist auch der alte irdische Mensch. Wenn er das Wort des Lebens, das in Christo Mensch ward, empfängt, so empfängt er das in dem verderbten Sulphur seines Fleisches und Bluts, in das in Tod eingeschlossene jungfräuliche Centrum, da Adam ein jungfräulich Bild innen war, da ihm die wilde Erde sein Gold der klaren göttlichen Wesenheit überzog, dass das Himmlische im Tode im Centro des Feuers musste stehen. In dasselbe, sage ich, und in demselben bewegte sich das Wort des Lebens, das in Maria ein Mensch ward. Allda kriegte die in Tod eingeschlossene Wesenheit eine lebendige Tinktur. Da hebt das edle Gold als die himmlische Wesenheit im Tode an zu grünen, und hat alsbald den Spiritum Sanctum im Wort des Lebens in sich, der da vom Vater und Sohne ausgehet, und machet die Weisheit als die himmlische Jungfrau als einen Spiegel und Ebenbild der Gottheit für sich als einen reinen Sulphur, ein rein Fleisch und Blut, darinnen er wohnet, nicht irdischer Essenz, sondern göttlicher Essenz aus himmlischer Wesenheit. Das ist das wahrhaftige Fleisch und Blut Christi, denn es wachset in Christi Geiste im Worte des Lebens, das Mensch ward, das den Tod zerbrach, da die göttliche Tinktur wieder gründete und aus sich Wesen gebar, denn alles ist aus Gottes Begehren geboren und herkommen. So aber Gott ein Feuer und auch ein Licht ist, so ist uns genug erkenntlich, woraus ein jedes kommen ist; können doch anders nicht sagen, als aus dem Guten und Liebreichen sei Gutes kommen, denn ein guter begehrender Wille empfängt in seine Imagination seinesgleichen. Er machet ihm mit dem Hunger seines Begehrens selber seinesgleichen.

Also ist uns erkenntlich, dass dieweil die Gottheit gelüstert hat, einen Spiegel, ein Bild seinesgleichen zu haben, die göttliche Lust auch wird in seiner Selbstschwängerung haben das Gute und Liebste in seinem begehrenden Willen geboren ein recht Gleichnis nach dem Guten, nach der klaren Gottheit. Dass sich aber hat das Irdische mit eingemischt, das ist des begehrenden Zorns als des Feuers Schuld, des Teufels, der ihn mit seiner Imagination entzündete.

Also ist uns auch nun hoch erkenntlich, dass Gott das Seine als sein Allerbestes und Liebstes, das er zu seinesgleichen schuf in ein kreatürlich Wesen, nicht wollte verlassen. Eher ward er selber ein solches, als er geschaffen hatte, dass er das Verderbte wieder aus der Verderbung gebäre und in das Beste setzte, da er möchte ewig darin wohnen. Und wir sagen mit Grunde, dass Gott im neuen Menschen selber selbständig wohnet, nicht durch einen Glast oder fremden Schein, sondern wesentlich, aber in seinem Principio. Der äußere Mensch rühret oder ergreift ihn nicht. Auch ist Fleisch und Blut des neuen Menschen nicht Gott. Es ist himmlische Wesenheit. Gott ist Geist, Gott verdirbt nicht. Obschon das Wesen verdirbt, so bleibet doch Gott in sich. Er bedarf keines Wegfahrens, denn er brauchet auch kein Einfahren, sondern er offenbaret sich im Fleisch und Blut. Es ist seine Lust ein Gleichnis zu besitzen.

Und so wir uns also recht erkennen und dem nachgehen, so finden wir, dass der Mensch – verstehet: der ganze Mensch – sei ein recht Gleichnis nach Gott. Denn nach dem irdischen Leben und Leibe ist von dieser Welt, und nach dem jungfräulichen Leben und Leibe ist er vom Himmel. Denn die jungfräuliche Essenz hat himmlische Tinktur, und machet himmlisch Fleisch, in dem Gott wohnet. Gleichwie das Gold im Steine eine andere Tinktur hat als der grobe Stein, und dieselbe Tinktur hat einen anderen Leib, es wird ein jeder Leib aus seiner eigenen Tinktur, als wir denn erkennen, dass die Erde ist vom Grimm aus dem Centro des herben als des kalten Feuers erboren worden, aus dem Sulphur der Strengheit in der Angst zum Feuer, wie im Buche “De tribus principiis” gemeldet. Also wird auch ein gut Corpus oder Leib aus guter Essenz, denn die Essenz machet das Leben, und ist doch selber nicht das Leben. Das Leben urständet im Principio als im Feuer, es sei nun gleich im kalten oder hitzigen oder im Lichtfeuer, ein jedes ist ein eigen Principium, und ist doch nicht geschieden.

Also wollen wir nun mit Grunde der Wahrheit von der Menschwerdung oder Menschheit reden und sagen mit hellen, dürren, unverdeckten Worten, nicht aus Wahn oder Meinen, sondern aus eigener wahrer Erkenntnis, in Erleuchtung, uns von Gott gegeben:

Dass der neue wiedergeborene Mensch, der in dem alten verborgen liegt als das Gold im Steine eine himmlische Tinktur habe, und hat göttlich, himmlisch Fleisch und Blut an sich, und dass desselben Fleisches Geist kein fremder Geist sei, sondern sein eigener, aus seiner eigenen Essenz erboren.‬‬‬

Wir bekennen und sagen, dass das Wort, das in Maria der Jungfrauen Mensch ward, der erste Grund zur anhebenden Tinktur im Sulphur sei, und bekennen Christi Geist, der den Himmel an allen Enden erfüllet, in derselben Tinktur wohnend.‬‬‬

Wir bekennen, dieses himmlische Fleisch für Christi Fleisch, in dem die Hl. Dreifaltigkeit unzertrennt wohnet.‬‬‬

Wir bekennen, dass es möglich sei, dass dasselbe Fleisch und Blut in Zeit des alten Adam könne durch Imagination wieder verderbet werden, wie in Adam geschah.‬‬‬

Wir sagen, dass der Gottheit in der Verderbung nichts abgehe, auch in keinem Bösen berühret werde, denn was die Liebe Gottes verlieret, das fällt dem Zorn Gottes heim. Was aus dem Lichte fället das fähet das Feuer, und bleibet Gottes Geist für sich unverdorben.‬‬‬

Wir sagen, dass in allen Menschen die Möglichkeit zur neuen Geburt sei, sonst wäre Gott zertrennet und an einem Orte nicht als am andern; und bekennen hier mit, dass der Mensch vom Feuer und Licht gezogen werde. Wo er sich mit der Waage hinlenket, da fället er hin, und mag in dieser Zeit doch seine Angel oder Waagezünglein wieder in die Höhe schwingen, und dass die hl. klare Gottheit kein Böses will. Sie will auch keinen Teufel, hat auch keinen gewollt, viel weniger einen Menschen in der Hölle im Zorne Gottes zu haben. Sondern dieweil kein Licht ohne Feuer ist, so ist uns genug erkenntlich, wie sich der Teufel durch Imagination am Zornfeuer vergaffet, sowohl alle Menschen, die verdammt werden, die wollen ihnen nicht raten lassen, sondern erfüllen selber den gierigen Feuerqual. Sie lassen sich ziehen, könnten aber wohl stehen.‬‬‬

Wir sagen, dass der wahre Tempel, da der Hl. Geist prediget, in der neuen Geburt sei; dass alles tot, stumm, krumm, blind und lahm sei, das nicht aus Gottes Geist ist oder lehret; dass sich der Hl. Geist nicht in dem Schall des gottlosen Mundes mische; dass kein gottloser Mensch Christi Hirte sei. Denn obgleich in dem Heiligen mit des gottlosen Stimme die Uhr geschlagen wird, das geschähe wohl von einem Viehgeschrei, wenn sein Hall verständig wäre. Denn sobald der Name Gottes genannt wird und einen Hall gibt, so fänget der andere Hall als an dem Orte, wo er im Schall ist, als in der hl. Seele. Aber kein Gottloser wecket einen anderen Gottlosen aus dem Tode auf, denn das kann nicht sein. Sie sind beide im Zorne Gottes und liegen noch im Tode verschlossen. Hätten wir selber können aus dem Tode steigen und uns lebendig machen, Gottes Herz hätte nicht dürfen Mensch werden. Darum sagen wir mit Grunde, dass alleine dasselbe Wort, das da ist Mensch worden, den armen Sünder aus seinem Tode aufwecket und zur Buße und neuen Leben gebiert. Darum sind alle Schreier, welche gottlos sind, dem Tempel Christi nichts nütze, aber die Christi Geist haben, die sind Christi Hirten.‬‬‬

Wir bekennen und sagen, dass alle Lehrer, die sich für Christi Knechte und Kirchendiener ausgeben, und solches um Bauchs und Ehren willen, doch aber unwiedergeboren sind, der Antichrist und das Weib in der Offenbarung Johannis auf dem Drachen sind (Apok.17,3.4.)‬‬‬

Wir sagen, dass alle unbillige Tyrannei und eingenommene Gewalt, da der Elende mit gedrängt, ausgesogen, gequetscht und gequält wird, dadurch er auch leichtfertig zu aller Üppigkeit und Ungerechtigkeit gezogen und geursachet wird, sei das gräuliche, scheußliche Tier, darauf der Antichrist reitet.‬‬‬

Wir erkennen und sagen, dass die Zeit nahe und der Tag anbreche, da dies böse Tier mit der Huren soll in Abgrund gehen.‬‬‬

Amen, Halleluja, Amen.