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Text 1 Zweites Heft Geheime Figuren der Rosenkreuzer

Ein güldener Traktat vom Philosophischen Steine.

Von einem noch Lebenden, doch ungenannten Philosophen, den Filiis Doctrinae zur Lehre, der Bruderschaft der Rosenkreuzer (den Fratribus Aureae Crucis) aber zur Nachrichtung beschrieben.

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Anno M.DC. XXV.

Vorrede

an den kunstsuchenden Leser.

Verwundere dich nicht, lieber Leser, und rechtschaffener Nachforscher der natürlichen Geheimnisse, warum in diesem letzten Alter der Welt, da sie mit dem einen Fusse schon auf der Gruben gehet, ich diesen kurzen Traktat zu schreiben mich unternommen, da beinahe alle Bibliotheken voller Bücher gefunden werden, die über diese Materie geschrieben sind, deren doch mehrheitlich falsche und erdichtete Philosophie und Rezepte in sich führen.  Ich hab es nicht meinet, sondern deinethalben geschrieben, dir den Grund der Wahrheit zu zeigen, und von den Irrwegen abzuleiten, da dir dann nicht wenig angelegen ist: Mich betreffend, weiß ich allerseits was mir hierzu zu wissen von Nöten ist, ich bedarf keiner Bücher, habe deren in zweiundzwanzig Jahren so viel gelesen, als ich derer in meine Hände bekommen mochte, deren dann nicht wenig, sowohl von geschriebenen, als auch gedruckten gewesen.
Du wirst hierein die Materia und die Solution Theorice beschreiben, wie auch die ganze Praxis in einer Allegorie begriffen vollkommen finden, so deutlich und klar, als du bei einem Philosophen solches suchen magst. Ich habe mich auch beflissen mit den Philosophen zu reden, und deswegen alle Orte, wo sie diesen oder jenen Spruch führen eigentlich angedeutet, dass du selbst solche aufschlagen, und den Concept, auch meine Allegata (Anmerkungen, Anhänge) gegen einander halten, und deinen Verstand damit schärfen mögest.
Zwar hätte ich mit weniger Mühe diesen Traktat ohne solche Allegata beschreiben, und mich den Rosenkreuzern zu erkennen geben können: Aber dir wie schon gedacht, ists zum Besten angesehen, dass du desto mehr Verstand hieraus schöpfen mögest. Du sollst dich auch nicht verwundern, dass ich meinen Namen verborgen, und mich dir persönlich nicht offenbaren will: ich suche nicht meine eitle Ehre, um mir für die Welt einen großen Namen zu machen, sondern deinen Nutzen: Zu dem haben mich meine Lehrmeister, die wahren Philosophen, meine ich, nicht gelehrt, wegen großen Ansehens mein Leben in die Schanze zu schlagen, und den geistigen Räubern feil zu bieten, dazu auch mit Prostituierung dieses großen Geheimnisses große Sünden auf mich zu laden. Der Leser wird beim Sendiuogius (Anm. ein Schlüsselwerk der Alchemie im 17.Jhdt.) vernommen haben, dass, so oft er sich bei großen Herren offenbaret, ihm solches jederzeit zu Schaden und Gefahr gereicht sei: die Erfahrung bezeugt es, dass verschiedene  Philosophen, die ihre Schätze nicht genug in Acht genommen, von den geizigen und hochmütigen Gesellen, so deshalb ihre Seelen in die Schanze geschlagen, erwürget und der Tinktur beraubt wurden.
Die Vernunft bekräftigt es, dass ein jeder, der so einen großen Schatz offenbar trägt, nicht gerne beraubt sein will. Es hat Sendiuogius in seinen Anagrammen seinen Namen verborgen. Es hat vor nicht langer Zeit ein neuer Rosenkreuzer gleichfalls mit einem Anagramm und Aenigmate sich zu erkennen gegeben, dessen Namen mir dann wohl bewußt: Warum sollte ich mich dann aller Welt für Augen stellen? Lasse dich begnügen lieber Freund, dass ich mich den Weisen zu erkennen gebe,  zugleich dir meinen Namen kundbar mache, welches ich dann, ohne Fehl getan zu haben, befehle das übrige unserem Herrn Gotte, der mich dir wird kund tun, so es sein Gefallen, und mir und dir nützlich sein wird.
Lasse dich nicht gelüsten, nach meinem Namen zu forschen: denn so du ihn je erführest oder mich känntest, so wirst du doch dir mit diesem Traktat genügen lassen müssen: Denn ich habe mit Bernhardo von Trefue und naygenden Philosophen, der Billigkeit nach niemand weiter etwas zu offenbaren, als hierin geschehen ist, geschworen. Bekümmere dich auch nicht darum, ob ich diesen Schatz in Händen habe: frage vielmehr danach, ob ich gesehen habe, wie die Welt geschaffen worden ist? Wie die Finsternis in Ägypten gewesen ist? Was die Ursache des Regenbogens sei? Wie die verklärten Leiber, nach der allgemeinen Auferstehung, aussehen werden? Welches die beständigste Farbe sei?
Ich aber frage euch, die ihr mein Büchlein verstehet, ob ihr gesehen habt das allgemeine große gesalzene Meer, ohne alle Corrosiff, so genügsam ist aller Dinge Tinkturen auf die höchsten Berge zu führen? Saget mir, wo wird aus Schwefel Schwefel, und aus Mercurio (Quecksilber) Mercurius?, wo wird aus Mercurio Schwefel, und aus Schwefel Mercurius? Wann eure Augen das Fürbild der Brünstigen Liebe, da Mann und Weib sich so umfangen, dass sie auch in Ewigkeit nicht mehr von einander zu bringen sind, sondern, für herzliche Liebe ein Ding werden, erblicket? Verstehet ihr, was ich jetzt rede, und habet solches mit euren Händen gearbeitet, und mit euren Augen gesehen, so bin ich euer Geselle, und benachrichtige euch, dass ichs auch wisse, und mir nichts lieber sei, als eure geheime Kundschaft zu haben, zu welcher Absicht ich auch dieses Traktätlein schreiben will.
Wäre jemand, der über die Schwere dieser Kunst klagte, der wisse, dass sie an und für sich selbst nicht schwer sei, und dass denen, die Gott lieben, und von ihm hierzu gewürdigt werden, sie gar leicht falle.
Wollte mich aber jemand beschuldigen, dass ich die Kunst zu hell und klar beschrieben habe, dass solche ein jeder verstehen könne: dem antworte ich, dass ich sie zwar verständig genug beschrieben habe den Würdigen, denen Gott solche gönnet, die Unwürdigen aber werden sie wohl zufrieden lassen: Ich habe wohl ehe die ganze Kunst den Oberklugen von Worten zu Worten erzählt, sie aber haben solches in ihrem Herzen verlacht, nicht glaubend, dass eine zweifache Auferstehung der Toten sei in unserem Werke.
Darum ist unsere Kunst in der Theorie und Praxis eine lautere Gabe Gottes, welcher sie gibt, wann um wem er will, und liegt nicht an jemands Wollen oder Laufen/Lassen. Ich habe sie mit allen Umständen und Handgriffen wohl 17 oder 18 Jahre gewusst, und dennoch warten müssen, bis es Gott gefallen hat, mir Gnade zu verleihen. Es soll auch kein Mensch an der Gewissheit und Wahrheit dieser Kunst zweifeln, da solche so wahrhaft, so gewiss in der Natur und so zweifellos  von Gott geordnet ist als wie die Sonne des Tages scheint und der Mond des Nachts leuchtet.
Hiermit will ich diese kurze Einleitung schließen, und den Traktat selbst anfangen. Ihr aber, geliebte Rosenkreuzer, die ihr euch hin und wieder im Geheimen verborgen haltet, und der hohen Gottes Gaben in seiner Furcht genießet, verhaltet euch mir nicht, und da ihr mich nicht kennt, so wisset, dass das Kreuze die Gläubigen probiert, und ihren Glauben an Tag gibt, Sicherheit aber und Wollust solchen versticket.
Gott sei mit uns allen. AMEN.

Es haben die alten und neuen Philosophen, viel geliebter Leser, und Nachfolger der wahren Weisheit, nach dem sie durch Göttliche Verleihung den Zweck ihres Begehrens erreicht, sich andern ihren mit genossen, welche sich in der Welt hin und wieder verborgen gehalten, mit ihren Schriften pflegen zu erkennen geben, ihnen beides anzudeuten, dass der getreue Gott auch ihren Verstand erleuchtet, ihrer Hände Arbeit gesegnet, und ihnen das große Geheimnis dieser irdischen Weisheit offenbaret, dafür sie ihm billich in gesamt Lob, Ehr und Preis zu geben verpflichtet: und denn auch, dass sie ihren neben Schriften und kunstsuchenden Schülern zugleich Anleitung und Nachricht hinterlassen möchten, damit auch selbige, so es dem lieben Gott also gelieben würde, zu Erkenntnis und Wissenschaft solcher Secreten gelangen mögen.
Und sind solche Leute unter allerlei Völkern gewesen, als Ägypter, unter welchen Hermes Trismegistus der vornehmste, Chaldäer, Griechen, Araber, Italiener, Franzosen, Engländer, Niederländer, Spanier, Deutsche, Polen, Ungarn, Juden und andere mehr. Es ist aber nicht wenig zu verwundern, dass ob schon gedachte weise Männer in unterschiedlichen Sprachen und zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben haben, gleichwohl eine solche Übereinstimmung und einhelliger Konsens in ihren Schriften gefunden wird, dass ihre Intention zu erreichen ein jeder wahrer Philosoph so bald erkennen kann, dass sie Gott mit diesem großen Segen erfreuet, und sie das Werk selbst in Händen haben: gleichfalls, weil aus der Harmonie die Wahrheit sich hervortut, so muss hingegen die Dissonanz einen jeden Sophisten und vermeinten Philosophen an Tag bringen. Denn weil er das Geheimnis der Menschen niemals recht erkannt hat, und seinem eigenen Hirn nach seinen Weg geht, so sieht ein jeder Kunst-Wissender seine Irrtümer.

Die Harmonie und Übereinstimmung aber besteht vornehmlich in diesen Punkten, nämlich in Erkenntnis der Materien, derer Solution (Lösungen), Gewicht, Feuer und Augmentation (Erweiterung). Die Materie belangende, ist solche eine einzige, welche in sich hat alles was ihr von Nöten, daraus alles, was der Kunstliebende begehrt gemacht wird, nämlich nifus in arena, wie der Philosoph Anastratus in der Turba sagt: Es ist nichts köstlicheres als der rote Sand am Meer, und ist der Speichel des Mondes, welcher der Sonnen Licht zugefügt und koaguliert (geronnen) wird.

Dass aber solch eine Materie erfordert werde, bezeugt Agadmon selbst, sagend: Wisset, dass so ihr nicht dieses mein Corpus nehmet, so (das) keinen Geist hat, so werdet ihr nicht erlangen, was ihr suchet: und das darum, weil nichts Fremdes ins Werk kommt, auch nichts anderes dazu erfordert wird, als was da reine ist. Darum lasse alle Vielheit fahren: Denn die Natur ist nur mit einem einzigen Dinge vergnügt, und wer das nicht kennt, der wird verderben.

Ebenmäßigen Spruch führt Arnoldus de Villa Nova, in seinem Büchlein Flos