Vorwort

Woldemar von Uxkull (1937)

In diesem Buche schildere ich die Einweihung eines Jünglings in die altägyptischen Mysterien und zwar in erzählender Form, so, dass der Leser den Hergang miterlebt. Diese Arbeit ist teils die Frucht von Studien in Werken von Okkultisten und Mystikern, teils das Resultat der Einfühlung meiner Phantasie in diesen Gegenstand.

Die „Einweihung“ besteht aus drei Teilen.

Der erste Teil heißt „Die Prüfungen“. In ihm hat der Neophyt die Prüfungen zu bestehen, durch die er den Beweis liefert, dass er Mut und Selbstbeherrschung hat und würdig ist, die Einweihung zu erleben.

Der zweite Teil des Werkes heißt „Der Unterricht“. Er findet statt in der großen Tempelhalle, in der 22 Wandgemälde, das sogenannte Buch Thoth, gleichsam die Etappen des Unterrichts darstellen.

Der Gang des Unterrichtes ist gegeben durch logisch zwingende Beziehungen der einzelnen Bilder untereinander, die gleichsam ein System der Ethik darstellen. Diese Beziehungen sind begründet in der sogenannten „okkulten Mathematik“, die in dem Werke in einfachen Beispielen erklärt wird.

Im Laufe von zehn Tagen erklärt der Hohepriester dem Jüngling je ein Bild und lehrt ihn zuletzt das Wort aussprechen, das den Führer, den Schutzgeist, herbeiruft und erscheinen lässt.

Im dritten Teil des Werkes wird im Laufe von zwölf Nächten der Geist des Jünglings von seinem Führer durch die verschiedenen Regionen der unsichtbaren Welt geführt, während sein Körper entseelt, aber nicht unbelebt hinter dem Altar unter dem Mantel des Oberpriesters ruht.

Jeden Morgen jedoch erklärt der Hohepriester dem Jüngling je eines der zwölf letzten Bilder des Buches Thoth, um am letzten Tag den feierlichen Segen über den Neueingeweihten auszusprechen, der in kurzer Form die Hauptlehren, die das ganze Buch enthält, wiedergibt.

Das Buch Thoth selber ist eine historische Tatsache. Weise und Mystiker des Altertums und des Mittelalters nehmen darauf Bezug (Apollonius v. Thyana, Raymond de Lulle usw.), auch verschiedene Schriftsteller unserer Zeit erwähnen es.

Für mein Buch ist es nach alten Angaben und Beschreibungen wiederhergestellt von Leo Sebastian Humer, einem talentvollen Innsbrucker Maler.