Schlusswort

Bis jetzt sind viele wahre und tiefe Unterweisungen zum Schließen der Pforte des Schoßes vorgekommen. So ist es nicht möglich, dass irgendein Lebewesen, habe es beste, mittelmäßige oder beschränkte geistige Fähigkeiten, nicht befreit würde. Warum ist das so?

1. Da das Lebewesen im Zwischenzustand über ein unbeschränktes Hellsehen verfügt, kann es alles hören, was ich sage.
2. Auch wenn es vorher blind und taub war, so verfügt es jetzt doch über alle Sinnesfähigkeiten und kann daher verstehen, was ich sage.
3. Da es beständig von Furcht und Schrecken gejagt wird, achtet es ohne Zerstreuung der Gedanken darauf, was als Bestes zu tun sei. Deshalb hört es alles, was ich sage.
4. Da sein Bewusstsein ohne materielle Stütze ist, kann es ungehindert dorthin gelangen, wo es zu sein beabsichtigt, und so ist es leicht lenkbar.

Da seine Achtsamkeit neunmal schärfer ist, so ist jetzt aufgrund seiner früheren Taten seine Geist-Natur viel klarer geworden, auch wenn das Lebewesen vorher dumm war. Daher hat es die Fähigkeit, all das zu betrachten, wozu es ermahnt wird. Dies sind die wesentlichen Gründe dafür. Aus diesen Gründen ist es gut, wenn man die Totenzeremonien ausführt. Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, während der neunundvierzig Tage des Zwischenzustands die Große Befreiung durch Hören im Zwischenzustand eifrig zu lesen. Auch wenn der Tote durch die eine Anleitung nicht befreit wird, so kann er doch durch eine andere die Befreiung erlangen. Dies ist der Grund, warum es mehr als nur einer einzigen Anleitung bedarf.

Es gibt viele Gruppen, die – obwohl sie die vorausgegangenen Anleitungen zur Einsicht gehört und so viele Erscheinungen erfahren haben – doch nicht die Befreiung erlangten, da sie nämlich kaum das Gute zu tun gewöhnt waren, sondern seit undenklichen Zeiten eine starke Neigung haben, das Üble zu tun, aufgrund der Schwere und Tiefe ihrer Verblendungen. Wenn deshalb diese die Pforte des Schoßes vorher nicht schließen konnten, dann will ich sie von nun an eine tiefe Unterweisung zum Schließen der Pforte des Schoßes lehren.

Man flehe die Buddhas und Bodhisattvas um Hilfe an und nehme zu ihnen Zuflucht. Wiederum rufe man den Toten dreimal bei seinem Namen und spreche:

O Sohn der Edlen, der Tote N. N., so höre! Obwohl ich dich vorher gemäß der Unterweisung zur Einsicht anleitete, hast du sie nicht verstanden. Wenn du nun den Mutterschoß nicht verschließen kannst, dann ist wirklich die Zeit da, da du einen neuen Körper ergreifen wirst. Deshalb gibt es mehr als eine einzige echte und tiefe Unterweisung zum Schließen der Pforte des Schoßes. Vergegenwärtige sie dir, sei nicht zerstreut, sondern höre mit gesammelten Sinnen zu und präge sie dir ein!

Sohn der Edlen, erkenne doch, dass nun die Zeichen und Merkmale erscheinen, in welchem Kontinent du geboren werden wirst. So unterscheide, wo du geboren werden wirst und wähle mit Bedacht den Kontinent aus!

Wenn du im östlichen Kontinent Purvavideha geboren werden wirst, siehst du einen See mit einem Schwanenpaar. Dort gehe nicht hin, sondern vergegenwärtige dir, dass du umkehren musst! Denn wenn du dort geboren wirst, wirst du zwar Glück und Freude im Überfluss genießen, aber da in diesem Kontinent der Dharma nicht verbreitet ist, sollst du dort nicht eintreten.

Wenn du im südlichen Kontinent Jambudvipa geboren werden wirst, wirst du reizvolle Paläste sehen. Wenn du in ein neues Dasein eintreten musst, dann tritt hier ein.

Wenn du im westlichen Kontinent Aparagodaniya geboren werden wirst, wirst du einen See mit einer Stute und einem Hengst sehen. Auch dorthin gehe nicht, kehre um! Da auch dies ein Kontinent ist, in dem zwar großer Wohlstand herrscht, aber der Dharma nicht verbreitet ist, sollst du dort nicht eintreten.

Wenn du im nördlichen Kontinent Uttarakuru geboren werden sollst, dann wirst du einen See mit Rindern sehen oder einen See mit Wald umgeben. Dies erkenne als die Zeichen, dass du dort geboren wirst! Dort tritt aber nicht ein. Obwohl dort langes Leben und Wohlergehen herrschen, ist der Dharma dort nicht verbreitet, so tritt also nicht ein.

Wenn du als Gott geboren werden wirst, wirst du reizvolle Tempel sehen, die aus verschiedenen Edelsteinen errichtet sind. Wenn es dir möglich ist, dort einzutreten, dann tritt ein!

Wenn du als Asura geboren werden sollst, dann wirst du einen lieblichen Hain und etwas wie einen Feuerkreis erblicken. Dort tritt keinesfalls ein, sondern denke daran, dass du umkehren musst!

Wenn du als Tier geboren werden sollst, siehst du Höhlen und Schluchten wie im dichten Nebel. Auch hier tritt nicht ein!

Wenn du als Hungergeist geboren werden wirst, siehst du Holzstücke, schwarz Aufragendes, eingestürzte Höhlen und schwarz Hingebreitetes. Gerätst du dorthin, bist du als Hungergeist geboren. Da du gar vielerlei Leid durch Hunger und Durst wirst erdulden müssen, gehe dort keinesfalls hin, sondern vergegenwärtige dir, dass du umkehren musst! Fasse dir ein Herz!

Wenn du als Höllenwesen geboren werden wirst, hörst du durch deine früheren üblen Taten Lieder und Gesänge, doch machtlos bist du genötigt, dorthin zu gehen, oder dir scheint es, als ob du finstere Gegenden, schwarze Häuser oder rote Häuser oder schwarze Erdlöcher oder schwarze Wege betreten würdest. Wenn du dorthin gehst, bist du in die Hölle geraten. Durch Hitze und Kälte wirst du unerträgliches Leid erdulden müssen, und du hast keine Möglichkeit, dem zu entkommen. Deshalb darfst du nicht unter diese Dinge gehen, keinesfalls darfst du dort hineingeraten, gib acht darauf! Da du die Pforte des Schoßes verschlossen hast, sei dir gewärtig, dass du umkehren musst; so heißt es, und jetzt ist die Zeit gekommen, da dies nottut.

Sohn der Edlen, obgleich du nicht gehen willst, wirst du machtlos von hinten durch Folterknechte, nämlich deine üblen Taten, gehetzt. Ohnmächtig, nicht dorthin zu gehen, musst du doch gehen. Von vorne zerren dich Folterknechte und Henker, und dir scheint es, als ob du vor Finsternissen, tobenden Stürmen, Kriegsgeheul, Schneeregen, heftigem Hagel und Schneestürmen davonliefst. In deiner Furcht suchst du nach einer Zuflucht, und du entkommst und verbirgst dich – wie vorher schon gesagt – in Palästen, felsigen Schlupfwinkeln, Erdhöhlen, Waldesdickicht oder in Lotosblüten, die sich über dir schließen. Dabei fragst du dich, ob sie dich hier herausholen können. „Wenn sie mich von hier herausholen, ist alles vorbei“, denkst du, und im Zweifel, ob du sie loswerden kannst, klammerst du dich an.

Da es für diese Zeit eine tiefe Unterweisung gibt, höre zu und präge sie dir ein! Zu der Zeit, da dich die Folterknechte bis zur Hilflosigkeit jagen oder da Furcht und Schrecken dir erscheinen, bringe unmittelbar eine furchterregende, zornige Gottheit in dir zur Entfaltung, die alle Arten von Bedrohung zunichtemacht, vollende sie in einem Augenblick, wie z. B. den Erhabenen Che-mchog Heruka oder Hayagriva oder Vajrapani, oder wenn du einen Yi-dam hast, vollende dessen große Gestalt deutlich mit allen Gliedern. Durch ihren Segen und ihr Mitleid wirst du die Folterknechte los, und du hast die Kraft, die Pforte des Schoßes zu schließen. Da diese Unterweisung von tiefem und echtem Inhalt ist, präge sie dir ein!

Sohn der Edlen, ferner werden die himmlischen Götter usw. durch die Kraft ihrer Meditation geboren. Der größte Teil der Gattungen der Dämonen, wie der Hungergeister usw., verändern bereits im Zwischenzustand ihre Gemütskräfte, und so haben die Wesen der Hungergeister, Teufel und Dämonen die Kraft zu vielerlei Verwandlungen. Da sie zu einem Geist-Wesen wurden, erscheinen sie dir. Die im Meer und in den Lüften hausenden Hungergeister, die achttausend Arten von Gespenstern, sie alle verwandelten ihre Gemütskräfte zu eben diesem Geist-Wesen und erscheinen dir so. Das Beste ist, sich zu dieser Zeit den Sinn des Großen Siegels, die Leere, zu vergegenwärtigen. Gelingt dies nicht, dann meditiere man über die Illusion, die der Charakter der Welt ist. Gelingt dies nicht, dann lasse man den Geist an gar nichts sich klammern, sondern meditiere über den Yi-dam als den Großen Mitleidsvollen, und man wird im Zwischenzustand das Sein eines Buddha vollkommenen spirituellen Mitteilens erreichen.

Sohn der Edlen, wenn du nun durch die Macht deiner Taten in den Schoß eintreten musst, dann werde ich dich eine weitere Unterweisung zum Schließen der Pforte des Schoßes lehren. Höre zu! Welcher Schoß auch dir erscheinen mag, gehe nicht in ihn ein! Wenn die Folterknechte kommen und du fliehen musst, dann meditiere über die Gottheit Hayagriva!

Da du nur über ein wenig Hellsicht verfügst, erkennst du der Reihe nach alle Orte. So wähle mit Bedacht aus, wo du hingehst! Es gibt zwei Unterweisungen zum Auswählen der Pforte des Schoßes, um entweder im Reinen Gefilde eines Buddha geboren zu werden oder in einem Schoß der unreinen Wandelwelt.

Handle folgendermaßen: Die scharfe Sinne haben, werden in himmlischen Welten geboren. Deshalb sammle dich ganz und gar in dieser Weise: Wehe, seit wie langer Zeit, seit zahllosen, unermesslichen, anfangslosen Weltzeitaltern bin ich bis heute im Sumpf der Wandelwelt versunken und so elend. Wie viele der früheren Lebewesen erreichten die Erleuchtung, während ich bis heute die Befreiung nicht erlangt habe, o weh! Von nun an werde ich mich voll Widerwillen von der Wandelwelt abwenden, werde sie von Herzen fürchten und dauernd ablehnen.

Da nun du dabei bist zu entfliehen, bedenke, dass du in einer Lotosblüte auf übernatürliche Weise geboren werden musst, und zwar im Westlichen Gefilde, das Glückselige genannt, zu Füßen des Buddha Amitabha. Liebe es, dich voll Hingabe in das Westliche Gefilde, das Glückselige zu versenken! Oder konzentrierte dich auf das jeweils von dir ersehnte Reine Gefilde, wie das Ganz Reine oder Hohes Glück oder Dicht-Gefügt oder das Weidenblättrige oder Potala-Berg oder auf den Lichtpalast Padmasambhavas, zu dessen Füßen; dabei sei nicht zerstreut!

Unmittelbar darauf wirst du in diesem Reinen Gefilde geboren werden. Wenn du aber wünschst, zu Maitreya ins Tushita-Paradies zu gelangen, dann musst du gesammelten Sinnes denken: Jetzt ist für mich hier im Zwischenzustand die Zeit gekommen, da ich zum Gesetzeskönig Ajita (d. i. Maitreya) im Tushita-Paradies gehen möge!

Und schon wirst du in übernatürlicher Weise aus einer Lotosblüte zu Füßen Maitreyas erstehen. Ferner, wenn dies nicht möglich ist, oder aber du möchtest gerne in den Schoß eintreten, oder du musst eintreten, dann gibt es eine Unterweisung, um die Pforte des Schoßes zur unreinen Wandelwelt zu vermeiden.

So höre! Wie vorher, lass dir auch in Bezug auf den Kontinent, in dem du deine Geburt suchst raten! Mit deiner Gabe der Hellsicht kannst du ihn sehen, und so tritt ein, wo der Dharma verbreitet ist. Wirst du auf übernatürliche Weise in einem Morast unreiner Dinge entstehen, werden die unreinen Klumpen dir eine Empfindung von Wohlgeruch vermitteln, du wirst dich danach sehnen und in dieser Weise geboren werden. Deshalb sollst du dieses und was immer dir erscheinen mag, nicht als solches (nämlich Angenehmes) empfinden und weder Äußerungen von Begehren oder Hass zeigen.

Lass dir zu einer reinen Pforte des Schoßes raten! Es ist wichtig, dass du konzentriert bist und Folgendes denkst: Wehe, möchte ich doch zum Heile aller Lebewesen als weltbeherrschender König oder in einem Brahmanengeschlecht, gleich einem großen Sala-Baum oder als Sohn eines tantrischen Mystikers (Siddha) oder in einer Familie mit einer unverfälschten religiösen Tradition oder in einer Familie, deren Eltern voll gläubigem Vertrauen in den Dharma sind, geboren werden! Möge ich doch Sinnvolles tun können, einen Körper erlangen, der mit dem Vorzug ausgestattet ist, zum Heile aller Lebewesen tätig sein zu können.

Ganz auf diese Gedanken gesammelt, tritt in den Schoß ein. Gerade zu der Zeit, da du in den Schoß eintrittst, flehe alle Buddhas und Bodhisattvas in den zehn Himmelsrichtungen an, die göttlichen Yi-dam und insbesondere den Herrn des Großen Mitleids, eben diesen Schoß gleich einem Götterpalast zu segnen, und erbitte inbrünstig von ihnen tantrische Weihen. So tritt in den Schoß ein.

Da aber beim Anraten einer geeigneten Pforte des Schoßes die Gefahr eines Irrtums besteht, weil du nämlich durch die Kraft deines Karmas die Pforte eines reinen Schoßes als schlecht ansiehst und den schlechten für gut erachtest, so also die Gefahr des Irrtums besteht, kommt zu dieser Zeit dem Sinn des Rates große Bedeutung zu.

So handle folgendermaßen! Sobald dir die Pforte eines reinen Schoßes erscheint, verlange nicht nach ihm! Und sobald du einen schlechten siehst, verachte ihn nicht! Ohne den guten Schoß haben zu wollen und den schlechten abzulehnen, sollst du frei von Verlangen und Hass in einer Stimmung großen Gleichmuts eintreten. Dies ist der tiefe und wahre Sinn davon!

Mit Ausnahme einiger weniger, die eine ausreichende spirituelle Erfahrung haben, ist es schwer, bei den üblen Neigungen, die wie Reste einer Krankheit sich festsetzen, in dieser Art sich von Verlangen und Hassen frei zu machen, und es gilt zu verhindern, dass der Tote zu den Unfähigsten und Übelsten, die den Tieren gleichen, Zuflucht nimmt.

Deshalb rufe man den Toten wieder bei seinem Namen und spreche Folgendes:

Sohn der Edlen, zwar kennst du den Rat bezüglich der Pforte des Schoßes, aber da du von Verlangen und Hass dich nicht freimachen konntest, sollst du den Namen der Drei Kostbarkeiten aussprechen, was immer dir von den früheren Erscheinungen auch aufsteigen mag! Nimm Zuflucht zu den Drei Kostbarkeiten! Flehe den Großen Mitleidsvollen an! Aufrechten Hauptes gehe weg! Erkenne doch wahrlich den Zwischenzustand! Höre auf, die hinterbliebenen Nächsten, deine Söhne und Töchter, die dir in Liebe Verbundenen, zu lieben oder zu hassen. Denn solches ist nicht zu deinem Heil! Jetzt verweile im blauen Licht der Menschenwelt und im weißen Licht der Götterwelt. Verweile in den Palästen aus Juwelen und den Lusthainen.

Solches erkläre man dem Toten bis zu siebenmal. Dann flehe man diese Buddhas und Bodhisattvas an. Dann lese man bis zu siebenmal die folgenden Gebete: Schutz vor den Schrecken des Zwischenzustands; Grundlegende Worte für den Zwischenzustand; Befreiung aus dem Abgrund des Zwischenzustands.

Dann lese man mit klarer Stimme die Texte: Befreiung durch Tragen; Befreiung der Daseinskonstituenten, sowie Religiöse Praxis zur Befreiung der latenten Neigungen.

Yogis von hohem Intellekt, die in dieser Weise vorgehen, werden im Augenblick des Todes ihr Bewusstsein übertragen, und so brauchen sie nicht in den Zwischenzustand eintreten, sondern erlangen die Befreiung, indem sie in den sublimen Seinsgrund eingehen. Einige Lebewesen, die unter diesen stehen, aber eine gewisse spirituelle Erfahrung haben, gelangen nach dem Zwischenzustand der Todesstunde zu tiefer Einsicht in das Licht des Wahren Seins. Da sie unter den Buddhas in ihrer alldurchdringenden Universalität stehen, gehen ihnen im Zwischenzustand des Wahren Seins, während der sieben aufeinanderfolgenden Tage die Erscheinungen der friedvollen und schreckenerregenden Gottheiten auf.

Zu dieser Zeit erlangen – aufgrund der Ausstrahlung ihrer früheren Taten und besonderer Fähigkeiten – einige die Befreiung, einige nicht. Da es viele Wege zur Befreiung gibt, wird befreit, wer den ihm gemäßen Weg wahrlich erkennt.

Jene aber, deren Taten nur eine schwache Ausstrahlung besitzen und die viele üble und unheilvolle Taten begangen haben, müssen weiter hinunter in den Zwischenzustand des Werdens wandern. Da es ferner nicht nur eine Art der Anleitung zur Einsicht gibt, sondern sie gleich den Stufen einer Treppe sind, gelangen einige zur Einsicht und werden befreit, andere nicht. Jene aber, deren Taten nur ganz geringe Ausstrahlung haben, werden, ohne die Wahrheit zu erkennen, in Angst und Schrecken geraten.

Aber da es, gleich wie Stufen, viele Unterweisungen zum Schließen der Pforte des Schoßes bzw. zum Wählen des rechten Schoßes gibt, werden einige die Wahrheit erkennen, andere sie nicht erfassen.

Wer die Erscheinungen richtig erfasst, der hat den unendlichen Vorzug, einen hohen Ort zur Wiedergeburt zu erlangen. Selbst die Allerletzten, die gleich den Tieren sind, werden sich einer Wiedergeburt in den üblen Daseinsbereichen widersetzen können, da sie ja Zuflucht zu den Drei Kostbarkeiten genommen haben. Und da sie den alle Möglichkeiten bietenden menschlichen Körper erlangen, können sie im zukünftigen Leben einen Lama und spirituellen Ratgeber aufsuchen, Unterweisung erlangen und so befreit werden. Wendet man diese Lehre im Zwischenzustand des Werdens an, dann wird die Ausstrahlung der guten Taten verbessert, so wie ein am Grund zerstörter Wasserkanal durch das Einsetzen einer Röhre eine verbesserte Wirkung zeigt.

So lautet diese Unterweisung! So ist es nicht möglich, dass irgendjemand, der diese Lehre hört, auch wenn er ein großer Übeltäter wäre, nicht befreit würde.

Wie kommt es dazu? Auf zweierlei Weise wird der Tote im Zwischenzustand empfangen: durch das Mitleid der mächtigen, friedvollen und schreckenerregenden Götter und durch die üblen Geister und durch Hindernisse. Da man zu dieser Zeit diese Lehre hört, verändern sich die Erscheinungen, und man erlangt die Befreiung.

Ferner, da der Tote keine Stütze von Fleisch und Blut hat, sondern ein Geist-Wesen ist, kann er sich leicht bewegen. Wenn er auch weit entfernt im Zwischenzustand umherirrt, so kann er aufgrund seiner geringen Hellsicht uns doch sehen und hören. Da er mit seinem Gedächtnis diese Lehre erfassen und so seine Gedanken in einem Augenblick verändern kann, ist sie für ihn von großem Nutzen. Beispielsweise ist diese Lehre einer Schleudermaschine oder einem riesigen, nicht von hundert Männern zu bewegendem Baumstrunk zu vergleichen, der aber im Nu an jede gewünschte Stelle zu leiten ist, wenn er sich im Wasser befindet. Es ist ähnlich wie mit einem Pferd, das durch den Zügel gelenkt wird.

Deshalb gehe man zu allen Toten, und wenn die Leiche da ist, soll ein Freund, solange aus den Nasenlöchern weder Blut noch Serum austritt, immer wieder klar und deutlich diese Lehre vorlesen. Solange darf die Leiche nicht bewegt werden. Bei diesen Verpflichtungen, die aus dem Vollzug des Rituals resultieren darf kein Lebewesen getötet werden, um es dem Toten zu widmen. Wer immer bei der Leiche ist, seien es Verwandte oder Freunde, so darf keiner von ihnen weinen, wimmern oder trauern, keiner darf wehklagen. Vielmehr soll man Gutes tun, soviel man kann.

Ferner soll man diese Lehre der Befreiung durch Hören im Zwischenzustand sowie alle Arten von Dharma, die irgendwann verkündet wurden, im Anschluss an diesen Leitfaden lesen, denn es ist sehr gut, dieses vorzutragen. So lese man diesen Text fortwährend. Sowohl die Bedeutung der Wörter wie die Begriffe soll man üben, sich zu merken. Denn zurzeit, da der Tod gewiss ist und man die Zeichen des Todes erkennt, soll man diesen Text selbst lesen und im Herzen betrachten, sofern die körperliche Kondition es zulässt. Lässt sie es nicht zu, beauftrage man einen Freund, das Buch zu lesen und klar vorzutragen. Darob wird man ohne jeden Zweifel die Befreiung erlangen.

Dies ist eine Lehre, die nicht der vollendeten Übung bedarf, sondern eine, die beim Lesen befreit, beim Hören befreit, denn tief ist die Unterweisung, die durch Lesen zur Befreiung führt.

Dies ist die tiefe Unterweisung, die auch große Übeltäter auf den geheimen Weg der tantrischen Vollendung führt. Selbst wenn sieben Hunde einen jagen, darf man die Worte und Begriffe dieser Unterweisung nicht vergessen, denn dies ist die Unterweisung, um im Augenblick des Todes die Erleuchtung zu gewinnen, eine Lehre, wie sie besser auch die Buddhas der drei Zeiten nicht finden könnten.

Dies ist die Quintessenz der Befreiung durch Hören im Zwischenzustand, das für den Zwischenzustand einen unterweist und die Wesen zur Befreiung führt.