Tractat vom Stein der Weisen

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Bei diesem alchemistischen Traktat handelt es sich um die Beschreibung alchemistischer Prozesse in Metaphern und Allegorien. Alchemisten stellen die Prima Materia, die Ausgangsmaterie für alle weiteren Stoffe, her. Der Adept durchläuft dabei die Stufen der Calcination, Sublimation, Solution, Putrefaction, Destillation, Coagulation, Tinctura, Multiplikation, Projektion um letztendlich den Stein der Weisen herzustellen.

Proverbiorum 27. V. 7.

Eine volle Seele zutritt wohl Honigswaben, aber einer hungrigen Seele ist alles Bittere süße.

ibidem am 14. V. 6.

Der Spötter sucht Weisheit und findet sie nicht, aber dem Verständigen ist die Erkenntnis leicht.

Es hat der allmächtige, allein weise und allwissende Gott und Herr, dem Menschen vor allen anderen Tieren mit Vernunft begabt, dass er sein Werk erkennen und unersucht nicht lassen soll. Als hat dieser Mensch, welchen der allwissende Gott dazu erweckt, dieses hohen und tiefen verborgenes Werks und der großen Heimlichkeit des uralten Wasser-Steins der Weisen sich billig an zu nehmen, dann so irgend ein natürlich Ding auf der Welt ist, so ist die Bereitung und das Magisterium des philosophischen Steins natürlich und nicht eines Menschen, sondern ganz und gar der Natur ihr Werk, denn der Artist tut nichts dazu, ohne allein dass er die Natur ins Wachsen richtet, wie ein jeder Ackersmann mit seinen Früchten und Pflanzen auch tut ; allein dass er spitzfindig an Verstand, und die Gnade von Gott habe, dass er derselben Gang regiere, wie das Werk sich in der Kochung und durch die Zeit sukzessive erzeigt: nämlich Anfangs das Subjekt, welches man vor der Natur in die Hand empfiehlt, darinnen die Universal-Tinktur aller Metalle, Tiere und Gewächse verborgen liegt, ist ein ungeschlachtetes Korpus, hat weder Gestalt noch Form einiges Tieres oder Gewächses, sondern ist anfangs ein raues, irdisches, schweres, schleimiges, zähes und nebelwässriges Wesen, an welchen die Natur hat aufgehört ; wenn aber der erleuchtete Mensch diese Materien auftut, dieselbe in der Digestion ersucht, und seinen dicknebeligen Schatten, mit welchen es umgeben, putrificiert, und lässt das Verborgene hervor kriechen, und durch fernere Sublimation ihm seine innerliche Seele, so darin verborgen, auch aus ihm divitret, und in ein korporalisches Wesen gebracht wird, dann findet man was die Natur in solcher zuvor ungeschlachten Gestalt verstecket, und was für Kraft und Magnalia der höchste Schöpfer in diesem Kreato eingepflanzt und verliehen hat, denn Gott hat diesem Kreato für allen andern Kreaturen, gleich Anfangs der Erschaffung, solche Kraft eingepflanzt, und begabt sie noch täglich, wo das nicht also, wäre keinem Menschen auf Erden möglich solch natürlich Werk zum gewünschten Ende zu bringen, geschweig hierinnen einen einigen Nutzen zu schaffen.

 

Aber der leutselige gute Gott, der misgönnt dem Menschen die Schätze und die Güter, so er der Natur eingepflanzt, mit Nichten nicht ; er hätte sonst den Kreaturen solches nicht verliehen, sondern hat alles dem Menschen zu gut erschaffen, und über sein Geschöpf den Menschen zum Herren gemacht. Darum solch natürlich philosophisch Werk dem Menschen zu erkennen und auch zu erlangen wohl zusteht, denn solch hoch begabte und wunderlich Geschöpfe wären sonst vergebens ins Mittel gelegt, und ließen wir vorüber wie die Kühe unbetrachtend die Natur, und ginge Gottes Rat leer aber, und bekäme die Natur ihre Endschaft nicht. Deus autem & Natura, nihil faciunt frustra. (Gott aber und die Natur tun nichts vergebens.) Es hält aber Gott der Allmächtige in solchen allen das Regiment, ordnet es und macht es, dass einem Esel und Pferd der Hafer und das Futter wird vorgeschüttet, dem vernünftigen Menschen aber köstlichere und lieblichere Speise vorgetragen wird. Deswegen diejenigen, so solchen tief versteckten Arkano und hohen Schatz gebührlicher Weise begehren nach zu setzen und zu ergründen, haben sich an der Ignoranten carpiren nicht zu kehren, denn sie haben keinen Verstand im Licht der Natur.

 

Es haben aber die Philosophen und weisen Männer, sowohl die Neoterici als die Veteres von dieser geheimen Kunst mancherlei disputiert, und mit vielen unterschiedlichen Namen, Parabolen und wunderbaren fremden sophistischen Worten das Subjekt und dessen Essenz angedeutet, was für eine Materia, für ein Korpus, für ein Subjekt, ja für ein Wunderding und geheime Kreatur es sei, welchem so mächtige, wunderliche und himmlische Kraft einverleibt sei, nach welcher Digestion und Reinigung dem Menschen, Tieren, Gewächsen und Metallen man helfen, und auf deren Gesundheit und Perfektion höchsten Grad bringen, und viel anders mit demselben ausrichten könne. So haben sie doch alle, was wahre Philosophen gewesen, und noch sind, einstimmig mit verwechselten Reden und Schriften nur auf einen einigen Scopum und einzige Materia die Filii Sapientiae weisen und zeigen wollen. Hier ist aber bei dem Wesentlichen ein großes Stillschweigen, welche ihnen ein Maul-Schloss an den Mund gelegt, und ein festes Siegel aufgedrückt, denn wann es so gemein würde, als Brauen und Backen, müsste die Welt zu Grunde gehen.

 

Diese einzige Res aber, welche solvit se ipsum, coagulat se ipsum, se ipsum impaegnat, mortificat & vivicat, (sich selber auflöst, von selbst gerinnt, sich selber befeuchtet oder schwängert, tötet und wieder lebendig macht) hat viele Nachsucher gehabt, aber denen meisten aller gefehlt, welche sich in dem Nachforschen verstiegen haben. Dann es so ein Ding ist, welches dem Gold am nächsten ist: und ist ein solch Ding, dass es der Arme sowohl als der Reiche zu Händen bringen kann, es sei jetzt auch wo es wolle. Es dräuen aber die Philosophi execrationem divinam, und rufen den Fluch Gottes über solchen, welcher das Subjekt mit seinem Mund expresse aussage.

 

Ob welcher Philosophen Execration der allmächtige Gott auch halten tut, und ihr Anrufen erstattet, und nunmehr in etlichen tausend Jahren unter Händen gehabt hat. Also ist es aber mit gedachtem Subjekt beschaffen, dann dieselbe unsere Magnesia hat nicht nur des allgemeinen Spiritus Vitalis eine geringe proportionierte Quantität in sich, sondern ist von der himmlischen Kraft also wohl kondensiert und kompressiert gemacht, dass von des Dunstes viele trunken worden, dass es da an seinem Ort liegt, und kann ihm selber nicht mehr aufhelfen, so dann ein Verständiger, so solcher Materien kundig, dazu kommt, es sei in der Tiefe eines Berges, oder sonst wo er sie möge antreffen, nimmt desjenigen Saftes ein Lägel voll, denn es aus besonderer und überreicher Gnade Gottes danach zu greifen Armen und Reichen frei steht, der gehe damit heimwärts in sein Haus hinter den Ofen oder anderem Gemach, wohin ihm bequem zu sein gefallen tut, und fahre damit zu bauen und zu laborieren an, denn er kann es also behände einhalten, dass auch sein eigenes Hausgesinde solches nicht gewahr werde. Denn es geht mit diesem natürlichen Werk nicht also sudlerisch zu, wie es mit den gemeinen Laboranten ihrem Sudelwerk, als Kohlenbrennen, Schmelzen, Abtreiben, und was deren mehr sei, sondern ist ein Werk, welches einer in einem verschlossenen Kasten halten kann, in was für ein Gemach er will, allein dass keine Katze ihn drüber komme, und wenn es die Not erfordern soll, kann er sein Handwerk dabei gar wohl treiben, nur dass er nur den Ofen, welcher dreifacher Bewährung gemacht sei, wisse mit der rechten Wärme ihn zu stellen, und der Natur ihren Gang lasse. Wenn ihm nun durch die Solution die Terrestriät entnommen, und durch lange Digestion acuirt, der Crudae materiae entledigt, zum subtilesten zugerichtet und wiedergeboren, auch nachmals erst wiederum den hochgeborenen scilicet diesen scharfen und kräftigen Spiritus, nach Art einer Eintrinkung und Ernährung, per modum imbibitionis und nutritionis zu gewissen Zeiten eine gebührliche Quantität vielmalen zugesetzt, und seine Kraft über besagtes auf solche Weise kondensieret, und denn täglich also neue Pfeiler von seinen Brüdern zukommen, und darein getrieben worden, wie meinest du wohl, dass man solches Werk bringen könne, denn solche Kraft und unermesslich verborgene Stärke Spiritus Vitalis, kommt der cruae materiae oder Subjekt von den Astris und Konstellation des Himmels her in seinem Erdreich, daraus denn der Philosophen Spiritus universi secretus gezogen wird, welches ist der Weisen ihr Merkur, und ist der Anfang, das Mittel und das Ende, in welchem beschlossen und verborgen ist das Aurum Physicum, welches die gemeinen Laboranten vermeinen aus dem gemeinen Golde zu extrahieren, aber vergeblich.

 

Dieweil die Philosophen viel von Sol und Luna in ihren Schriften handeln, welche unter den Metallen die beständigsten im sind, es ist aber solches nicht nach dem Buchstaben zu verstehen, denn ihr Sol & Luna, wo sie zu ihrer innerlichen Purität gebracht werden, und durch die rechte natürliche gebührliche und philosophische Präparation sich wohl vergleichen, dem himmlischen Gestirn als Sonne und Mond, die mit ihrer Klarheit erleuchten Tag und Nacht, das obere und untere Firmament. Derentwegen diese zwei edlen Metalle, als der Philosophen ihr Sol & Luna, so von Natur dem menschlichen Leibe gleich sein, solche hohe Gesundheit, wer sie recht braucht, und auch zu präparieren weiß, eingießen können, und dass außer dem und darüber nichts anders denn allein der Einige dreijfaltige Punct des Universalis zu präpariren ist, es ist aber der Spiritus, so in diesen gedachten beiden beschlossen, schafflich, und wirkt solche Beständigkeit, Kraft und Tugend, wie in andern Dingen mehr.

 

Da nun der von Gott begnadigte Mensch eine Sache oder Ding von oben gedachten Rot oder Weiß, oder Sol & Luna, welches man Lapidem Philosophorum oder den uralten Wasserstein der Weisen nennet, zu rüsten und bereiten kann aus einer Kreatur, in welche Gott in der Schöpfung oder Erschaffung der Welt solche Kraft gelegt, oder oftgedachter Materien oder Subjekte den hochbegabten Männern Gottes zu Lieb und Wohlgefallen eingepflanzt. Ich halte es aber davor, dass das göttliche Wesen, was ihm in der ersten Kreation der Welt von dem Spiritu Vitali von der Inspiration derselben in allerlei Kreaturen überblieben, allen denselben Spiritum in diese erste genannte Massam eingesteckt, und zu unterst in der tiefe Erde also fest verschlossen und den weisen Männern denselben zu erheben, auszufertigen, zu gebrauchen, und gleiche Miracula damit zu begehen durch seine heilige Weisheit angedeutet und hinterlassen habe, und noch täglich solches armiert und einpflanzt. Oben gedachte beide Stücke als Sonne und Mond oder Rot und Weiß, oder vielmehr die Präparation is und Merkuri, welche beide Stücke denn die Ingredienzien sind in der Komposition unseres Lapidis Philosophorum, dann wann die Materialia anfangs durch genügsame und oft wiederholte Sublimationes purificiret und gereinigt, nachmalen fließig abgewogen und alsbald darin komponiert ; aber was die Kraft und Gelegenheit der gedachten beiden Ingredienzien sei, muss dir nicht unwissend sein, sondern der beiden Pondera wissen anzustellen, secundum proportionem Physicam, (nach phijsicalischer Eintheilung,) dann des i ein gutes Teil lässt sich mit einen geringen Teil animae Solis vel Sulphuris seeligen, als denn mit einem zierlichen Handgriff solches vereinigen, so ist alsdann die Präparation und das schwerste Werk verrichtet.

 

Aber das ist zu wissen, dass du must deinen um mit der roten Tinktur zuvorderst tingieren, er wird aber nicht in continenti rot, sondern bleibet weiß, er der Merkurius hat den Vorzug, dass er für allen andern der erste will tingiert sein, dazu mit der Anima solis von dieser Tinktur des Merkuri, auch woher dieselbe soll genommen werden, melden die Philosophen. Das Ferment des Goldes (ist Gold,) wie der Ferment des Teiges, Teig ist. Item es ist das Ferment des Goldes aus seiner Natur, und sodann ist seine Kraft vollkommen, wann es in eine Erde verkehrt ist worden, dann das ist erst der Philosophen Anfang, die rechte wahre Prima materia Philosophorum metallorum, (die erste Materia der Metalle der Philosophen,) von dannen an die rechten und in der Kunst erfahrenen Meister erst ihr Ingenium zu spannen anfangen, und zum hohen Werke kommen, und fährt dann der Artifex mit solchen Werk fort, und bringt es durch Gottes Segen zu dem Ende, dahin es inkliniert und von Gott einverleibt, nämlich zu dem hoch gebenedeiten Stein der Weisen, dass also aus nichts anders denn allein per Spiritum universi Secretum die wahrhafte materia prima Philosophorum zugerichtet und bereitet wird. Welcher nun diesen Spiritum Secretum recht erkennen tut, der verstehet auch zweifelsohne, die Geheimnisse und Wunder der Natur, und hat das Erkenntnis des Lichts der Natur, dann er ist motus harmonicus Sympaticus und magneticus, daher die Harmonie und Konkordanz die magnetische und sympathetische Kraft oder Wirkung der Oberen und Unteren entstehen. Merk aber, dass bei den Ingredienzien Naturen anfangs einander ungleich sind, wegen ihrer widerwärtigen Qualitäten, denn eins ist warm und trocken, das andere ist kalt und feucht, die müssen nun allerdings vereinigt werden, wenn aber nun dies geschehen soll, müssen deren widerwärtigen Qualitäten allgemach verändert und verglichen werden, und dass sich ja keines Natur durch allzu starkes Feuer eine für die andere über sich begebe, denn du sie nimmer zusammen zu bringen vermögest, denn beide Naturen müssen zugleich in des Feuers Regierung aufsteigen, alsdann wird die Discrasia dem Korpori benommen, und eine Aequalitas und gute Temperatur eingeführt, welches geschieht durch eine mäßige und anhaltende Kochung. Denn wenn also die beiden Naturen Sulphur & Mercurius in dem engen viel eingeschlossen und mit der mäßigen Wärme kontinuiert, so fangen sie an von ihrem widerwärtigen Wesen nach zu lassen, und vereinbaren sich, bis sie endlich qualifiziert, dass eine Konspiration und zugleich Aufsteigen werde, und steht oben am Glas allerdings Nummer eins, sind bereit sich zu verheirathen, alsdann steckt der Bräutigam seiner Braut einen goldenen Ring an, sagen die Philosophen. Und wenn also der Mercurius mit seinem Sulphur als Wasser und Erden mit einander nach der Gebühr gekocht werden, so werfen sie alle ihre Überflüssigkeiten hinweg, und fügen sich die reinen Teile je länger je mehr zusammen, und werden ihr corlicibi entledigt, sonst verhindern die unreinen Teile die Vereinigung und den Ingress.

 

Denn der Mercurius, als das erste Korpus, ist ganz grob, und kann per Minima nicht vermischt noch perpetuiert werden, denn kein Korpus in das andere eingeht, noch mit ihm vere und in radice vereinigt wird. Soll aber den Sachen geholfen werden, dass eine wahre Tinktur zugerüst werde, so muss aus diesem ein neuer spiritueller Korpus bereitet werden, welches aus beiden entsprungen sei ; denn nach der Purification nimmt eins des andern Tugend an sich, und wird aus vielen eines, numero & virtute (an Zahl und Vermögen) wenn aber das Feuer allzu stark, und nicht nach Anforderung der Natur sollte regieret werden, so würden diese obigen zwei entweder ersticken oder zertrennet, nachdem sie ihren lieblichen Gang nicht hätten, und würde entweder nichts oder ein verderbtes Werk und Monstrum daraus. Wann aber bescheiden mit gebührender temperierter Wärme verfahren wird, so steigen in der Sublimation beide Stücke zu oberst im Glase oder Helme auf ; dieser lieblichen Blumen, wenn du sie abbrichst, kannst du schon genießen particularia.

 

Aber den motum occultum naturae kannst du so wenig vernehmen, als wie du das Gras weder sehen noch hören kannst wachsen, denn das Zunehmen und Aufwachsen dieser beiden Ingredienzien, Mercuri und Sulphuris, kann man nicht wegen ihres subtilen verborgenen und langsamen Progresses alle Stunde observieren und merken, sondern von Woche zu Woche allein bei einem dazu gesteckten Zeichen abnehmen, spüren und die Rechnung machen. Denn das inwendige Feuer ist ganz zart und subtil, ja wie langsam es auch ist, so steht es doch nicht still, bis dass es zu dem Ende kommt, darin sein Intent ist, wie in allen Gewächsen auch zu sehen, es wäre denn dass solche subtile und meisterliche Kochung durch auswendig allzu starke Hitze der Sonne verstört und ausgebrannt oder einfallende Kälte also gehindert würde ; ergo qui scit occultum motum naturæ, scit perfectum decoctionem ; (deshalb welcher die verborgene Bewegung der Natur weiß, der weiß auch die völlige Koch – oder Bereiniung) soll nun diesem Motui sein natürlicher und eigenwilliger Gang gelassen werden, ob man ihn schon weder sehen noch hören kann, wie man denn auch die Centra & ignem invisibilem seminum invisibilum (die Mittelpunkte und das unsichtbare Feuer derer unsichtbaren Samen) nicht begreifen kann, darum musst du solches allein der Natur befehlen, und ihr zusehen und nicht einreden, denn nur einmal, sondern ihr alles vertrauen, bis sie ihre Geburt hervor bringt.

 

Die Natur, wenn man ihr eine sanfte und angenehme Wärme widerfahren lässt, so tut und vollführt sie für sich selbst alles dasjenige, was zur Ausrüstung einer Kreatur oder Einführung einer neuen Form von Nöten ist: denn das Wort Gottes Fiat steckt noch in allen Kreaturen und in allen Gewächsen, und hat seine mächtige Kraft, sowohl nach dieser Zeit als vom Anfang.

 

Es sind aber vornehmlich vier Virtutes & potentias deren sich die edle Natur in einer jeweiligen Kochung gebraucht, dadurch sie ihre Werke fertigt und zu Ende bringt.

 

Die erste Virtus.

 

Ist und heißt appellativa & attractiva, da sie aus Enden oder Orten so ihr der Natur zu haben annehmlich, und zu haben möglich, es sei fern oder nahe, dadurch sie sich erhalten, wachsen und zunehmen kann, Nahrung an sich zieht, derselben begierig ist, und hierinnen eine magnetische Kraft hat, als der Mann das Weib, der Mercurius den Sulphur, Trocken das Feuchte, die Materia die Form, daher der Philosophen ihr Sentenz, natura naturam amat, amplectitur prosequitur. Omnia namque crescentia, dum radices agunt & vivunt, succum ex Terra attrahunt, atque avide arripiunt illud, quo vivere se & augmentari sentiunt. d.i. Die Natur liebet die Natur, umfasst sie, und folgt ihr nach: Denn alle Gewächse, indem sie Wurzel fassen und zu leben anfangen, ziehen den Saft aus der Erde an sich, und reißen dasjenige begierlich an sich, wodurch sie leben und sich vermehren können. Denn wo Hunger und Durst ist, da wird Speise und Trank mit Begierde angenommen, und wird diese Virtus und Potentia erweckt, und kommt her von der Wärme und mittelmäßiger Trockenheit.

 

Die andere Virtus und Potentia.

 

Ist und heißt natura retentiva & coagulativa, denn die Natur nicht allein was ihr nützlich und zu ihrer Fortsetzung dient und förderlich, wenn sie entweder aus Mangel desjenigen, dessen sie begehrt, von sich selbst an sich bringt, sondern sie hat auch bei sich selbst das Band, mit welchem sie dasjenige so sie zieht und herzu bringt auch an sich hält, ja dasselbe in sich verändert, so sie doch unter diesen beiden die reinsten Teile auserwählt, die übrigen abscheidet und zum Ausgang bringt und ihn wachsend macht, und bedarf sie hier keiner andern Kalzination oder Fixation ; natura naturam retitent (die Natur hält die Natur zurück) und solche Geschicklichkeit kommt her von der Trockenhei, da die Kälte die erworbenen und gleichförmigen Teile konstringiert und der Terrae eintrocknet.

 

Die dritte Virtus und Potentia naturæ in rebus generandis & augmentandis.

 

Est Virtus digestiva, quæ fit per putrefactionem seu in putrefactione, (ist die verdauende Kraft, welche geschieht durch die Fäulung oder in der Fäulung) in mäßiger und temperierter Wärme und Feuchtigkeit, da die Natur digeriert, verändert, eine Art und Qualität einführt, das Rohe geschlachtet, das Bittere süß, das Herbe mild, das Raue gelind, und das Unzeitige und Wilde heimisch, was anfangs untüchtig, jetzt geschickt und tüchtig macht, und zur endlichen vorhabenden Werks Ausführung und Vollkommenheit führt, und die Ingredientia zur Komposition darstellt.

 

Die vierte Potentia naturæ.

 

Est virtus expulsiva mundificativa, segregativa, (die austreibende, reinigende und absondernde Kraft) die absondert, scheidet, welche in währender Sublimation oder Decoction reinigt und mundiert, wächst, von den Sordibus und Finsternis entlediget, und rein, lauter, kräftig oder illuminiert Korpus oder Wesen hervor bringt, indem sie die Partes homogenes sammelt, und von den hetrogeneis allmählich entledigt, die Vitia und alles Fremde abstößt, das grobe mustert, jeden Teil seine besondere Stelle giebt, solches wird verursacht und kommt her von der lieblichen anhaltenden Wärme in gebührlicher Feuchtigkeit, und das ist, dass der Sublimation und die zeitige Frucht, so nun aus den Hüllen fallen will, darum es anfangs von der Natur und Artisten vorgenommen worden, nämlich das Patiens von dem Agente entledigt, und derentwegen perficiert werde. Nam liberatio illa a partibus heterogeneis est vita & perfectio omnis Rei, d.i. dann diese Befreiung von denen ungleichen und widrigen Teilen, ist das Leben und die Vollkommenheit jeder Sache. Denn das Agens und Patiens, welches bisher mit einander streitig, dass ein jegliches gewirkt und Widerstand getan hat, nach seines Gegenparts Widerstand, (das ist) um so viel ihm möglich und er seine Widerwärtigen hat brechen mögen, müssen sich in währender Zeit ihrer Decoction nicht einigen, sondern der beste Teil muss den Sieg behalten, und das Unreine ausstoßen und unter sich bringen.

 

Wenn nun alle Naturales potentae ihr officium haben, dann kommt eine neue Geburt hervor, und zeigt sich die zeitige Frucht, wie in allen andern Gewächsen also auch in unserm Subjekt und natürlichen Werk, welches, wann es ausgearbeitet, ganz wunderlich, und seinem ersten Anfang ganz und gar nicht mehr gleich sieht, und gar keine Qualität mehr hat, welche weder kalt noch trocken, und weder feucht noch warm, auch weder masculus noch faemina. Denn das Kalte ist selbst verkehrt in das Warme, und das Trockene in das Feuchte, das Schwere ist leicht, und das Leichte schwer worden ; denn es ist eine neue Quinta Essentia, ein Corpus Spirituale, und Spiritus corporalis worden, ein solch Korpus, welches lauter und rein, durchsichtig und kristallinisch ist ; welches die Natur für sich selber niemals, so lange die Welt gestanden hat, ausarbeiten mögen ; der Artifex und erleuchtete Mensch aber auxiliante Deo & natura bringt’s hervor durch seinen Verstand und Kunst, und stellt es ihm selber dar, damit er nachmalen miracula begegnet, und das heißt: Unguentum, anima, aurum Philosophorum, flos auri. (Die Seele, die Salbe, das Gold der Philosophen, die Blume des Goldes.) Theophrastus und andere nennen es Gluten aquilæ. Was nun von den vier potentis naturæ ist angezeigt, dieselben werden vollbracht vermittels des Feuers, welches muss heimlich, fein sittsam, natürlich und unverbrennlich sein, der Natur angenehm, und derselben gemäß, stetig anhaltend, und also dem Werke förderlich sein, es sind aber vornehmlich zweierlei Feuer in diesem Werk wohl in acht zu haben, nämlich das äußerliche elementische Feuer, welches der Artist extrudieret, und dem Werk beibringt, darnach das innerliche, angeborene und natürliche Feuer der Materien. Wiewohl auch in allen dreien anfahenden Dingen oder Geschlechtern als in den Animalibus, Vegetabilibus und Mineralibus ein natürlich Feuer sich findet, dadurch es angetrieben und bewegt, sein Leben erhalten, gestärkt, vergrößert, und also ihre angeborene Kraft der Geburt und eingepflanzte Tugend nach jeder Eigenschaft fortsetzen kann. Aber das Feuer, so in unserem Subjekt, ist unter den Kreaturen und Mineralien nicht das geringste in ihm selber, es hat in ihm verborgen das aller wunderlichste, kräftigste Feuer, gegen welchen das äußerliche Feuer als Wasser zu achten ist, denn kein gemeines elementarisches Feuer kann das feine Gold, so die aller beständigste Substanz unter allen Metallen ist, verzehren und zu Nichte machen, es sei das Feuer auch so stark es immer wolle, aber der Philosophen ihr essentialisches und das tuts allein. Wann wir nun dasjenige Feuer hätten, womit Moses das goldene Kalb verbrannt, und es auf das Wasser stäubte, und dem Volk Israel zu trinken gab, Exod. 33 Cap., lass mir solches ein alchemistisches Stücklein sein von Mose dem Mann Gottes ! er war aber in der egyptischen Kunst gelehrt und darin erzogen. Oder welches Feuer der Prophet Jeremias versteckt unten an dem Berge, auf welchen Berg Moses das gelobte Land gesehen und allda gestorben, welches Feuer nach 70 Jahren von den Wissenden der alten Priester Nachkömmlinge nach Wiederkehr des Gefängnisses von Babel erhoben wurde, und aber Mittler dieser Zeit im Berge sich resolviert, und zu einem dicklichen Wasser worden war. 2 Maccab. 1. u. 2. Cap. Was meinst du, ob wir uns nicht dabei wärmen, und im Winter uns des Frostes erwehren wollten.

 

Solches Feuer aber schläft in unserm Subjekt ganz ruhig und still, und hat von ihm selbst keine Bewegung. Soll nun dieses heimliche und verborgene Feuer seinem eigenem Korpori helfen, dass es sich möge erheben und seine Wirkung haben, und seine Macht und Kraft zeigen, dass der Artist zum gewünschten und prädestinierten Ende komme, so muss es durch das äußerliche elementische Feuer erweckt, angezündet, und in seinen Lauf gebracht werden, es sei das Feuer in Lampen, oder was Gattung dir gefällt, angestellt, denn es allein genügsam den Handel auszuführen bequem und tüchtig ist, und must solch Feuer und äußerliche Wärme die ganze Zeit bis zum Ende der Sublimation servieren und erhalten, damit das innerliche essentialische Feuer im Leben gereicht werde, dass also die zwei angezeigten Feuer einander helfen, und das Äußere das Innere ihm lassen empfohlen sein, bis auf seinen bestimmten Termin, dass es ein solch kräftig und inbrünstiges Feuer wird, dass es bald alles dasjenige, so ihm zugesetzt, doch seiner Art und Natur ist, zur Asche bringt, pulverisiert, in sich verkehrt, und seines Gleichen macht.

 

Indessen aber ist einem jeden Artifici bei Verlust seines gewünschten Endes zu wissen von Nöten, dass er zwischen beiden diesen gedachten Feuern, als dem äußersten und innersten die gewisse Proportion halte, und sein Feuer recht entzünde, denn macht er’s zu schwach, so steht das Werk still, und mag das äußerste Feuer das innere nicht erheben, und sofern er solches ja etlicher Maßen rege macht, gibt es eine langsame Wirkung und sehr langen Prozess, mag doch endlich sein vorgesetztes Ziel bei dem, so er mit Geduld auswarten tut, und seine Nachricht hat, erreichen ; gibt man dann ein stärker Feuer denn ihm gebührt und das innere Feuer erleiden mag, und will damit eilen, so ist es ganz untüchtig und wird das Werk allerdings zerstöhrt, und erreicht der Eilende nimmer sein Ende.

 

Denn nachdem in währender Dekoktion und Sublimation die edlen und reinen Teile des Subjekt allgemach mit Vorteil der angelegten Zeit von dem groben irdischen und untüchtigem Wesen abgeschieden und erledigt sollen werden, so muss der Treiber in solcher Wirkung der Natur nach, und dass es mit solcher Moderation angestellt werde, dass es dem innerlichen Feuer annehmlich, lieblich und förderlich sei, damit das innerliche essentialische Feuer durch allzustarke Hitze nicht zerstört oder gar ausgelöscht werde und untüchtig gemacht, sondern vielmehr in seinem natürlichen Grad erhalten, gestärkt, inmitten sich die reinen und subtilen Teile sammeln und zusammen sich tun, das Grobe aber sich absondert, damit sich zusammen tut, das Beste den vorgesetzten Zweck erreichen möge. Darum musst du solchen Grad des Feuers von der Natur lernen, wie die in ihrer Wirkung handelt, bis sie ihre Frucht zur Zeit bringe, und hieraus ein Raison schöpfen und Rechnung machen. Denn das innerliche essentielle Feuer ist eigentlich dasjenige Ding, so den Mercurium Philosophorum zur Equalität bringt ; das äußere Feuer aber beut ihm die Hand, damit es an seiner Operation nicht verhindert werde, darum muss das Äussere mit dem Innern eine Konkordanz haben, und nach demselben zurichten vice versa. Denn es muss in solcher Anstellung des gemeinen elementarischen Feuers die innerliche natürliche Wärme geführt, und die äußerliche Wärme danach sich regulieren, damit solche der Gewalt des feuchten und warmen Spiritus, welche ganz subtil sind, in dem Kreato nicht übertreffe: wo anders, so würde gemeldetem Spiritus warme Natur alsobald resolviert, und könnte sich nicht mehr zusammen halten, noch einige Macht haben, deswegen was mehr und stärker denn zu Erweckung und Erhaltung des innerlich natürlichen unserer Materien eingepflanztes Feuer, ist alles zur Verhinderung und zur Verderbnis. In natura & illius & generationibus sit tua Imaginatio. d.i. In der Natur, und was von ihr gezeugt oder hervor gebracht wird, sei deine Betrachtung. Darum bringe den feuchten Spiritum ein in die Erde, mach es trocken, agglutinirs und figirs mit lieblichen Feuer, denn so wirst du so wohl einführen die Animam in das tote Korpus, und welchem du es genommen restituieren, dem entseelten und erstorbenen zum Leben, und wieder auferstehen und armieren, was aber mit Gewalt eingetrieben wird, hält sich nicht wohl in der Probe, denn es wird nicht beständig, als wenn es von ihm selbst gutwillig mit Lust und Begierde angenommen imprimiert wird.

 

Und das ist sicci cum humido naturalis unio & ligamen tum optimum, (die natürliche Vereinigung des Trockenen mit dem Feuchten, und das beste Band.) Ja wenn man eigentlich von der Sache reden will, so melden die weisen Männer von dreierlei Feuer, deren ein jedweder, so des operis magni sich annimmt, eines jedweden insonderheit bester Form im Wissen und guter Bereitschaft auch diese zu regieren haben muss, so er anders nicht blinder, sondern wissender und vorsichtiger Weise arbeiten will, als einem verständigen Philosophen zustehet.

 

Das erste ist das äußere Feuer, so der Artist oder Hüter anstellt, welches die Weisen ignem frontem nennen, auf welches Regimen gleichwohl des ganzen Werks Heil und Verderben steht, und solches auf zweierlei Weise, denn es heißt: nimium fumiget cave, (nimm dich in acht dass es nicht zu viel rauche) und heißt auch wiederum: combure igne fortissimo, (verbrenne es mit dem stärksten Feuer.)

 

Das andere Feuer ist das Nest, darin sich der Philosophen Phoenix einlogiert, und darinnen ad regenerationem sich ausbrütet, ist anders nichts denn das Vas Philosophorum. Die Weisen nennen es ignem corticum, denn man schreibt, dass der Vogel Phoenix all wohlriechendes Holz zusammen trage, darinnen er sich selber verbrennt, wo dass nicht wäre, müsste Phoenix erfrieren, und könnte zu seiner Perfektion nicht kommen. Sulphura Sulphuribus continentur, (Schwefel wird durch Schwefel unterhalten.) Denn das Nest soll den Vogel seine Jungen bewahren, helfen, fovieren, und bis ans letzte End erhalten.

 

Das dritte aber ist das recht innerlich angeborene Feuer des edlen Sulphuris, so in radice subjecti sich findet, und ein Ingredienz ist, und den Mercurium stillt und ihn figiert: das ist der rechte Meister, ja das wahre Sigillum Hermetis. Von diesem Feuer schreibet Crebrerus: In profundo mercurii est Sulphur, quod tandem vincit frigiditatem & humiditatem in Mercurio. Hoc nihil aliud est, quam parvus ignis occultus in mercurio, quod in mineris nostris exitatur & longo temporis successe digerit frigidatem & humiditatem in mercurio. d.i. Im Grunde des Mercuri ist ein Schwefel, welcher endlich die Kälte und Feuchte im Mercurio überwindet. Dieses ist nichts anders denn ein reines Feuer, so im Mercurio verborgen steckt, welches in unsern Mineris erweckt wird, und durch Länge der Zeit die Kälte und Feuchte im Mercurio digeriert oder hinweg nimmt, und das sei auch also von dem Feuer gesagt.

 

FINIS.