Summarium Philosophicum

Nicolas Flamel

Nicolas Flamel

Nicolas Flamel erlangte posthum als Alchemist Berühmtheit. Er soll den Stein der Weisen gefunden, das Elixier des ewigen Lebens entdeckt und so die Unsterblichkeit erlangt haben. Diese Schrift befasst sich mit der alchemistischen Transmutation der sieben Metalle (Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Quecksilber, Eisen, Blei) zur Vollendung des Großen Werkes.

 

Wer die Erkenntnis der Metalle und die gewisse Wissenschaft wie sie transmutiert und eins in das anderee verkehrt werde erlangen will, der muss vor allen Dingen erkennen woraus und wie sie in ihren Mineralen formiert werden. Also und auf dass man nicht irre muss man auf die Transmutationen, wie sie in den Adern der Erden allentalben geschehen sehen. Derentwegen können sie sich auch ausserhalb der Minerale transmutieren wann sie zuvor geistlich gemacht werden: Nämlich dass sie in ihren Schwefel und Argentum vivum so die Natur machet kommen. Dann alle Metalle sind aus Sulphur und Argent vive formiert, die aller Metallen zwei Spermata sind: Und ist das eine Männlichen das anderee Weiblicher Art und Komplexion. Diese zwei Spermata aber sind aus den vier Elementen komponiert:

Das erste männliche so man Sulphur nennet ist nichts anderes als Feuer und Luft: Und ist ein fixer Schwefel gleich dem Feuer ohne veränderlicher und metallischer Natur: Nicht aber der gemeine Schwefel dann solcher ist keiner metallischen Substanz. Das andere Weibliche Sperma, so Argentum vivum genannt wird ist nichts anderes dann Wasser und Erde. Diese zwei Spermata haben nun die alten Weisen figuriert durch zwei Drachen oder Schlangen deren einer Flügel der andere keine Flügel hat. Der Drach ohne Flügel ist das Sulphur, so nimmermehr vom Feuer entfliegt. Die Schlang so Flüge hat ist das Argentum Vivum, so der Wind hinträgt der weibliche Samen gemacht von Wasser und Erde. Darum fliegt es zu seiner Stunde von dem Feuer hinweg und ist darinnen unbeständig. Wann aber diese zwei unterschiedliche voneinander abgesonderte Spermata wiederum zusammen gebracht und durch eine triumphierende Natur in dem Bauch des Merkurs, welcher das erste Metall und der Metallen Mutter ist vereinigt werden so nennen es die Philosophie den fliegenden Drachen: Darum, dass ein Drach so von seinem Feuer enzündet ist im Flug allgemacht Feuer und giftigen Dampf in die Luft aufwirft: Also, tut auch der Merkurius, wann er über dem äussern Feuer an seinem Ort in einem Geschirr stehet und das Feuer recht geordnet ist das innerliche natürliche welches tief verborgen ist anzuzünden.

Alsdann kann man sehen wie solches äusserliches Feuer so das vegetabilisch genannt wird das natürliche des Merkurs enzündet. Wer auch wachsam ist der wird sehen in die Luft schiessen und darinnen laufen einen giftigen Rauch oder Dampf übel riechend schädlich sehr bitter enzündet und das ärgste Gift welches nichts anderes ist als eines Drachen Haupt so schnell von Babylon die zwo oder drei Meilen umgeben ausgehet. Andere Philosophen haben diesen Merkurium einem fliegenden Löwen verglichen und ihn also genannt dieweil der Löwe vielerlei Tier frisst und sich nach seinen Wollust damit ersättiget ausgenommen diejenigen die seinem Grimme mit Gewalt Widerstand tun können: Dann also tut auch der Merkurius: Der die Wirkung an sich hat, dass er ein jedes Metall so ihm beigetan wird alsbald seiner Gestalt beraubet es frisst und verschlinget. Doch erinnere ich euch, dass zwei Metall sind als Gold und Silber welche ihm zu begegnen wissen. Wiewohl es auch bewusst ist, dass wann dieser Merkurius enzündet ist er solche zwei Metall eben so wohl verschlinget und in seinen Bauch verbirgt: Doch es gehe darein welches wolle so verzehret er es nicht. Denn sie sind in ihrer Natur perfekt und mehr erhärtet als er so ein imperfektes Metall unangesehen in ihm eine Substanz der Perfektion ist. Das gemeine Gold so ein perfekt Metall ist auch das Silber und alle unvollkommene Metall kommen aus dem Merkurio. Darum nennen ihn alle Philosophie eine Mutter der Metallen: Und folget deswegen weil er auch selbst zu etwas formiert ist dass doppelte metallische Substanz in ihm sei: Und zuerst die Substanz der untern Luna, darnach auch der Sonnen so ein Metall ist dem andere nicht gleich. Von diesen zweien Substanzen ist der Merkurius formiert welche geistig in seinem Leib sein. So bald nun die Natur diesen Merkurium von gedachten zwei Spiritibus gestaltet hat so begehret er sie perfekt zu formen und korporalisch zu machen welches ohne ihn nicht geschehen kann. Wann nun diese zwei Spiritus sich ermuntern und die zwei Spermata erwachen so ihren eigenen Leib anzunehmen begehren: alsdann muss ihre Mutter der Merkurius, sterben: Wann er nun natürlich getötet ist so kann er sich nicht mehr so lebendig machen als er zuvor gewesen ist Es sagen zwar ruhmredige Alchemisten und bestätigen mit dunklen Worten, dass man die perfekten und imperfekten Körper zu einem laufenden Merkur machen solle: Aber es ist Betrug dahinter. Wahr ist es dass der Merkur ein imperfekt Metall als Blei oder Zinn verzehret: Und multipliziert es ohne Mühe in der Qualität: Aber hierdurch verliert er seine Perfektion, dass er nicht mehr ein perfekter Merkur ist:

Wann er aber durch Kunst getötet würde dass er sich nicht mehr wiederum lebendig machen könnte so würde er zu einem anderen Ding werden als im Zinnober oder Sublimat geschieht. Dann wann man ihn durch Kunst kongeliert es geschehe solches geschwinde oder langsam so nehmen seine zwei Spermata kein fix Corpus an würden es auch nicht behalten wie es sonst geschieht in den Gängen der Erden. Auf dass aber Niemand diesen falls irre so kann er so wenig von der Natur unter der Erden nicht kongeliert werden dass nicht bald ein fix Granum komme welches von den zweien Spermas des Merkurs nicht ein wahres Germen hervorbringe: Wie in den Bleigängen zu sehen. Dann es ist kein solcher Gang dass nicht ein wahres fixes Granum da sei nämlich des Goldes und Silbers in Substanihmz und Nahrung. Die erste Congelation dass Merkurs ist die Minera des Bleies und ist ihm die bequemste ihn zur Perfektion zu bringen dass er fix werde. Dann wie zuvorn gesagt so ist die Minera des Bleies nicht ohne ein fixes Granum des Goldes und Silbers: Welche Grana die Natur dahin gibt: Also kann er sich multiplizieren zur Perfektion und völliger Krafft zu kommen wie ich solches erfahren habe und für gewis bestätigen kann. So lang als er in seinem Merkur, dass ist von seiner Minera nicht separiert sondern wohl verwahret ist (dann alles Metall so in der Minera noch ist das ist noch ein Merkur) kann er sich multiplizieren wann er nur von seinem Merkur eine Substanz haben kann. Wann aber das fixe Granum hinweg genommen und von seinem Merkur, welcher seine Minera ist geschieden wird er sein wie ein grünend unzeitig Obst auf dem Baum wann die Blüht vergehet so fängt die Frucht an sich zu formieren und wird ein Apfel daraus. Wer aber die unzeitige Frucht abbreche würde ihre erste Formation verderben: Dann der Mensch hat nicht die Wissenschafft zu geben eine Substanz oder die Zeitigung wie die untere Natur wohl vermag weil die Frucht noch am Baum ist und ihre Substanz und Nahrung von der Natur haben kann. So lang man nun der Zeitigung erwartet also lang nimmet die Frucht den Geschmack an und ziehet stetiges Saft an sich vermehrend und ernährend bis dass sie gar zeitig und vollkommen wird.

Gleichergestalt verhält es sich mit dem Golde. Dann wann die Natur sein Granum gemacht und zu einem Merkur gebracht so ernähret sie solches täglich frühe und spät vermehret es und machet es in seinem Merkur vollkommen wie es ist Und muss erwartet werden bis dass es eine Substanz von seinem Merkur bekommt: Gleich wie die Frucht am Baum auch tun. Dann wisset dass der Merkur ein Baum ist der perfekten und imperfekten Metallen: Darum können sie auch keine Nahrung haben als allein von ihrem Merkur. Sage derohalben wann ihr wollet Frucht sammeln von dem Merkur, der da ist die leuchtende Sonn und Mond so geschieht dass sie in irgend einer Reise weit doch ohne langes verharren voneinander sein so gedenke nicht dass ihr sie wieder zusammen wie die Natur anfänglich getan werdet fügen können sie wohl zu multiplizieren und ohne Veränderung zu vermehren. Dann wann die Metall von ihrer Minera geschieden sind so findet ihr sie sonderbar gleich wie klein Obst so man zu frühe und unzeitig abgebrochen welche nimmermehr gros werden. Es ist sonst auch durch die Natur und Erfahrung von den Früchten der Bäum dass wann ein Apfel oder Birne von dem Baum abgenommen wird es eine Torheit ist sie wiederum auf den Sprossen zu setzen dass sie gros und zeitig werden. Dann man weis je mehr man sie in den Händen umwälzt je eher sie verwelken. Also ist es auch mit den Metallen. Dann wer gemein metallisch Gold und Silber nehmen und solche in einem Merkur bringen wollte der täte närrisch. Dann hierzu würde keine subtile Kunst zu finden sein dass sich einer nicht selbst damit betrügen täte: Er gebrauchte gleich vielerlei Wasser oder Zement oder andere unzählige viel Ding so nicht alles zu erzählen ist: Stetig würde es verfehlt sein und ihm geschehen als wie denen so unzeitige Früchte abbrechen und sie auf den Stamm wiederum zu setzen gedenken.

Wiewohl etliche wahre Philosophie recht gesagt haben: Wann man die Sonn und den Mond durch den rechten Merkur zusammen füge dass sie alsdann alle unvollkommene Metall vollkommen machen: Darinnen aber der meiste Teil Leute irret die kein andere Ding haben auf Erden es sind Vegetabilia, Animalia oder Mineralia, als diese drei so in einem Ding beisammen sind. Dann sie nehmen nicht in acht dass die Philosophie nicht von gemeinen Gold Silber und Merkur reden welche ganz tot sind und keine Substanz mehr annehmen Sondern bleiben also und kann keines dem anderen helfen dass es perfektioniert würde. Sie sind fürwahr die Frucht die man vor der Zeit vom Baum genommen und deswegen mit geachtet. Dann es wird in ihnen nicht gefunden was man suchet. Sie haben nichts mehr als was sie selbst bedürfen: derohalben soll man die Frucht auf dem Baum suchen so zu ihnen recht führet welche Frucht von Tag zu Tage sich vergrössert und vermehret so lang als der Baum hergibt. Und dies Werk ist eine Freude zu sehen. Durch dis Mittel kann man den Baum ohne Sammlung der Früchte anfangen umzupflanzen und in andere fruchtbare bessere Erden zu versetzen welche vielleicht in einem Tag der Frucht mehr Nahrung geben mag als sie sonst in Hundert Jahren von anderer Erden nicht empfangen hätte.

Hierdurch ist nun zu verstehen dass man den Merkur, so der hochgeachtete und geehrte Baum ist nehmen solle welcher zugleich bei sich und ungeschieden beisammen hat die Sonn und den Mond: Alsdann mag man ihn umpflanzen in eine andere Erden die der Sonnen näher ist zu erlangen wunderbaren Nutzen dazu das Tau genugsam ist. Dann da er zuvorderst gepflanzt gewesen hat ihn der Wind und die Kälte also geschlagen dass wenig Frucht davon zu hoffen war: Daselbst er lang geblieben und nur kleine Früchte getragen.

Es haben die Philosophie einen Garten darinnen die Sonne Frühe und Abend Tag und Nacht jederzeit ohne aufhören ist samt einem lieblichen Tau von dem sie wohl angesprengt wird und trägt die Erde Bäume und Früchte die dahin gepflanzt sind welche gehörige Nahrung von angenehmer Weide empfangen. Dis geschieht von Tag zu Tag und sie werden allda stark und kräftig ohne zu verwelken aufs wenigste in einem Jahr ungefähr als sie sonst in Tausend Jahren (also zu sagen) nicht getan hätten an dem Ort da sie zuvorderst stünden und die Kälte sie beträfe. Man muss sie nehmen und sie über das Feuer Tag und Nacht stehtigs in Ofen halten. Es soll aber kein Holz oder Kohlenfeuer sein sondern ein helles lichtes Feuer nicht anderes als die Sonne welches niemals zu heiss oder brennend sondern allezeit gleich warm sein soll: Dann der Dampf oder Dunst ist der Tau und Samen aller Metallen so nicht muss alteriert werden. Du siehst an den wachsenden Früchten wann sie zu viel Hitze haben ohne ein wenig Tau dass sie trocken bleiben und auf dem Sprossen absterben oder zu keiner Vollkommenheit endlich kommen. Wann sie aber durch Wärme und mittelmässige Feuchtigkeit auf dem Baum ernähret werden so werden sie schön und herrlich. Dann Wärme und Feuchtigkeit ist ein Nahrung aller Ding auf Erden als der Animalien, Vegetabilien, und Mineralien. Holz und Kohlenfeuer ist ihnen nicht gut. Dann es sind gewaltsame Feuer so nicht ernähren als das so von der Sonnen kommet: Welche Wärme alle korporalische Ding erhält darum dass sie natürlich ist. Derentwegen haben die wahren Philosophie kein andere Feuer für sie erwählen wollen als das natürliche dem sie nachfolgen: Nicht aber dass darum der Philosoph mache was die Natur machet: Dann die Natur alle Ding als Vegetabilia, Mineralia, und Animalia, ein jedes in seinem Grad in dem es herrschet geschaffen hat. So will ich auch nicht sagen dass die Menschen durch ihre Kunst natürliche Ding machen. Wann aber die Natur solche Ding ausgewirckt hat so kann ihnen der Mensch durch Kunst helfen und sie perfekter, als die Natur getan machen. Auf diese Weise haben die alten Philosophen uns alle zu informieren anderes nicht gearbeitet dann natürlich mit der Luna, und der rechten Mutter dem Merkur, davon sie Merkur Philosophorum gemacht welcher in seiner Wirkung weit stärker ist als der natürliche Merkur. Dann dieser ist nur gut zu den schlechten vollkommenen und unvollkommen kalten oder erwärmten Metallen: Aber der philosophische dienet auch für die mehr dann vollkommene und unvollkommene Metall solche alle geschwind zu perfektionieren und refizieren ohne einiges vermindern zutun oder verändern. Wie sie die Natur gemacht lässt er sie sein und lässt doch auch nichts aus. Jedoch will ich auch nicht sagen dass die Philosophie alle drei zusammen fügen ihren Merkur zu machen und zu perfektionieren wie eins teils unweise Leute und ungelernte Alchemisten tun die das gemeine Gold Silber und Merkur nehmen und dieselben so übel traktieren bis sie im Rauch hinweg gehen und also den Merkur Philosophorum zu machen vermeinen. Aber sie kommen zu diesem nicht der da ist des Steins erste Materie und wahre Minerale. Wollen sie dazu kommen und etwas gutes finden so müssen sie gehen auf den Berg der sieben da keine ebene ist und von oben herab anschauen die sechste die sie von ferne sehen werden: Auf diesem hohen Berge werden sie erkennen das triumphierende regalische Kraut welches etliche Philosophie mineralisch etliche vegetabilisch genannt und saturnialisch heisset. Man muss aber das Gebein sein lassen und die Suppen so davon kommet nehmen ganz rein und sauber darvon kann der meiste Teil des Werks gemacht werden. Dieses ist der rechte subtile Merkur Philosophorum, welchen du nehmen sollest.

Erstens wird er das Werk weiss, darnach auch rot machen so du meine Rede recht verstehest. Dann beides ist nicht mehr als eine Praktik: Die Sonne und der Mond werden auf einerlei Weg gemacht und zubereitet: Daher kommet weiss und rot in der Praktik welche so schlecht und leicht ist dass sie ein Weib neben dem Rocken oder Spinnen ungehindert verrichten kann oder als wann sie der Henne im Winter Eier unterlegt sie auszubrüten und dieselben nicht wäscht. Dann man wäscht die Eier nicht wenn man sie zum ausbrühten unterlegen will sondern wie sie sein also unterlegt man sie der Henne: Und tut nichts anderes als dass man sie täglich umwendet und unter der Bruthennen umkehret die Junge Hühnlein desto eher zu haben. Hiermit ich alles genügsam erkläret. Das Exempel aber auszuführen sollest du zuerst deinen Merkur nicht waschen sondern ihn nehmen und mit seinesgleichen welches das Feuer ist in die Aschen so das Stroh ist setzen in ein einiges Glas so das Nest ist ohne andere Dings in einen tauglichen Ofen der das Haus ist: So wird von dannen heraus gehen ein jung Hühnlein so durch sein Blut dich heilen wird von aller Krankheit und von seinem Fleisch dich zur Speis sättigen wird: Von seinen Federn wird es dich bekleiden und für der Kälte bewahren. Darauf ich den Höchsten Schöpfer bitte dass er allen gutherzigen Alchemisten die Gnade verleihen wolle Dieses Hühnlein zu finden dass sie sich davon erhalten und ernähren mögen. Gleich wie das wenige so ich allhier erkläret von oben herab von Gott dem Vater empfangen der mir es aus Leib nach seiner Güte gegeben. Derentwegen ich euch dieses kleine Traktätlein gemacht auf dass ihr mehr Lust habt zu suchen und den rechten Weg treffet: Welchen Traktat ich in ein Summarium gefasst auf dass ihr nach den Dictis Philosophorum, die ihr dafür mehr verstehen werdet das Werk besser begreift.