Splendor Solis

solis1
1. Platte – Arma Artis

Das gegenwärtig Buch wird genannt SPLENDOR SOLIS oder Sonnenglanz

Es teilt sich in sieben Traktate,  durch welche beschrieben wird die künstliche Wirkungen des verborgenen Steins der alten Weisen. Obwohl alles was die Natur erfordert, um das ganze Werk zu vollbringen, in diesem klar wird, mitsamt allen Mitteln der hinzugefügten Dinge, so kann doch keiner darauf verzichten, die Geheimnisse der edlen Kunst aus eigenem Verstande zu begreifen.

Folgt zuerst die Vorred zu diesem Büchlein:

ALPHIDIUS, einer der alten Weisen spricht: “Einem jeden der net mag aufnehmen die Mühe, zu überkommen die Kunst des Steins der Philosophen, dem ist mehr Nutz dass er sich nichts drin übe, denn dass er etwas unnütz versucht. Dergleichensagt RASIS, im Buch „Licht des Lichts“: „Es ist sich allen mit Fleiss davor zu hüten, ich ermahn sie auch hiermit am höchsten, dass sich niemand vermesse zu verstehen die unbekannte Mixtur der Elemente. Und das will auch ROSINUS sagen: „Alle die sich einlassen in diese Kunst, und mangeln des Verstands und der Erkenntis der Ding, so die Philosophen in ihren Büchern haben geschrieben, die irren unzählich, denn die Philosophen haben dieser Kunst Grund gesetzt, in einer natürlichen Anfang aller verborgenen Wirkung. Wiewohl es ist offenbar, dass alle leiblichen Ding ihren Ursprung, Bestand und Wesen nehmen aus der Erde, nach Ordnung der Zeit. So der Einfluss der Gestirne oder Planeten, als da sind, Sonne und Mond und die ander mitsamt den vier Qualitäten der Elemente, die sich ohne Unterlass bewegen. Dadurch hervorgebracht werden aller und jeder wachsender und gebärender Ding, eines jeden sonderlich Geschlecht und Gestalt, in eigener Substanz, wie solches im Anfang der Schöpfung von Gott dem Schöpfer geschaffen und gesetzt wurde. Demnach nehmen auch alle Metalle ihren Anfang auf der Erde, in einer sonderbaren und eigenen Materie zusammen geflossen aus den vier Eigenschaften der vier Elemente, mit Einpflanzung der metallischen Kraft, und ihren Samen von den Einflüssen der Planeten, darauf dienend.

Alles solches wohl beschreibt der natürliche Meister ARISTOTELES im vierten Buch METHEORUM, wo er spricht, wie das QUECKSILBER sei die gemeinsame Materie aller Metalle. Aber es ist zu wissen, dass in der Natur zuerst ist die Materie zusammengehäuft aus den vier Elementen, allein nach Erkenntnis und Eigenschaft der Natur, dieselbe Materie nennen die Philosophen MERCURIUS, oder QUECKSILBER.

Wie aber dieser MERCURIUS durch die Wirkung der Natur zu einer vollkommenen Form des Goldes, des Silbers oder der anderen Metalle kommt, ist nicht notwendig hier bekannt zu geben, es beschrieben dies die Natur-Philosophen ausreichend in ihren Büchern.

Auf solches ist gesetzt und gegründet die KUNST des Steins der Philosophen, denn sie hat ihren Anfang in der Natur, daraus folgt auch ein natürliches Ende in gerechter Form durch gerechte natürliche Mittel.

zur zweiten Platte