Fünfundfünfzig Briefe, den Stein der Weisen betreffend

Michael Sendivogius

Michael_Sendivogius

Der Pole Michael Sendivogius war ein Adeliger, Alchemist, Philosoph und Arzt. Er wirkte am Hof von Rudolf II. in Prag und später am Hof Kaisers Ferdinands in Wien. Er war ein Pionier der Chemie. Seine Werke inspirierten sowohl Isaac Newton als auch andere Alchemisten, welche gemeinhin versuchten den Stein der Weisen herzustellen. Ebenso hatte er einen Bezug zu den Rosenkreuzern.

 

Erster Brief.

Wertester Bruder!

Dein und deines Patrons, meines geliebten Mitbruders Briquii Schreiben waren mir sehr angenehm. Meine Freude war unbeschreiblich als ich dadurch deine Aufnahme in unsere Brüderschaft vernommen; am meisten aber freute ich mich über dein Vorhaben unsere Gesellschaft in Frankreich auf zu richten, und dieselbe dadurch zu vermehren, dessen habe ich selbst schon lang ein heftiges Verlangen bei mir empfunden, der Ausgang kann anders nicht als glücklich sein, weil du mit so guter Aufführung geziert bist, wie mir gesagter Briquius bezeugt, und ich selbst aus deiner auserlesener Schreibart vernehmen kann; zu diesem Ende überschicke ich dir mit besonderem Vergnügen die von mir geforderte Statute unserer Gesellschaft in lateinischer Sprache, bitte dabei dieselbe heilig zu halten und es auch den zukünftigen Brüdern wohl einzuschärfen. Was die übrige Kenntnisse anlangt von der Alchemie, oder des Steins der Weisen, und dessen Bearbeitung; außerdem was du schon mündlich von deinem Patron davon gehöret, verspreche ich dir darinnen zu Willen zu sein. Dabei müssest du aber selbst beständig arbeiten mit lesen und forschen, damit wo es möglich, du noch zu denen, dir geoffenbarten Geheimnissen, das übrige so nötig zu wissen ist erlangen mögest; dieses wird dir nicht schwer werden, dann es leicht ist eine Türe zu öffnen da man den Schlüssel in Händen hat. Damit du aber schleuniger dazu gelangest, so werde ich nicht ermangeln dir den Weg zu bahnen und deine Gedanken davon auf die rechte Seite zu lenken, ich verspreche dir auch einen getreuen Unterricht über alles was du werdest gelesen haben zu geben, ausgenommen in Dingen die auf das Gesicht ankommen, und auf Handgriffe die man einem weisen muss, weil es derer viel gibt die unmöglich können beschrieben werden nach der Gebühr. Dies ist in allen Wissenschaften so, und besonders in der unsrigen, weil bei der deutlichsten Abschrift dennoch allzeit die praktische Demonstration zu verlangen ist, damit ein Experiment sich geschwinder und leichter unseren Augen darstelle. Dieses eingedenk zu sein ersucht dich dein Bereitwilligster M. S.

Brüssel, den 9. Febr. 1646.

Zweiter Brief.

Wertester Bruder!

Es ist nicht unrecht, dass du eine Auswahl unter der erschrecklicher Menge Büchern von mir verlangst; ihrer wenige sind treulich geschrieben, und wo derer ja wären, so sind sie entweder sehr dunkel oder sich selbst in vielen Dingen widersprechend, dem Anschein nach, ungeachtet sie doch alle das nämliche meinen und lehren, aber mit und durch Sinnbilder, nach Art der Kabbala. Unsere Kunst ist darum kabbalistisch weil es nicht erlaubt ist dieselbe dem unersättlichem Geiz der Sophisten und der Leichtsinnigkeit der Unvorsichtigen anzuvertrauen. Du kannst also auf mein Anraten, von dieser Menge Bücher folgende aussuchen, die anderen aber als die dir unnütz, übergehen; dann weil du das so rare Fischlein Echineis besitzest, welches in dem großen Meer schwimmet, so ist dir nicht mehr nötig zu fischen, aber auf dieses Fischgens Bereitung und Kochung musst du nun sehen.

Die vornehmsten Schriftsteller sind: Imo Hermes dessen Schriften sehr nötig sein zum Verstand unseres Werks. Seine zwei Büchlein aber, wovon das eine den Titel: Durchgang über das rote Meer führt; und das andere: Anlandung oder Ankunft ins gelobte Land; sind vor allen anderen zu achten, sie sind aber so rar, dass sie schwerlich in Europa an zu treffen sind, ausgenommen in Konstantinopel bei etlichen Marranen, wo ich sie durchgeblättert und ganz abgeschrieben habe, meinem Gedächtnis besser fort zu helfen.

Der zweite ist Paracelsus, dessen Schriften göttliche Lichter sind; wann du aber dessen alchemistischen Psalter oder Paracelsens Handbuch haben kannst, so werdest du alle Geheimnissen der Kabbala und der bewiesenen Physik besitzen und dabei der alchemistischen Kunst ihre Lehrsätze ganz bloß einsehen können, dieses ist so rar nicht als die vorige. Dann in der päpstlichen Bibliothek zu Rom, und in vielen anderen Orten wo Liebhaber der Kabbala und der wahren Alchemie sind, ist es mir zu Gesicht gekommen: ich habe es zu meinem Nutzen bei der Nacht abschreiben müssen, und täte dir es gerne mitteilen; wann nicht die Lehre die darinnen ist, die nämlichste wäre, als die wir in diesen Briefen mit kürzeren und helleren Worten anführen werden; übrigens ist des gesagten Paracelsens Traktat von denen Tinkturen nicht zu verachten.
Lullus ist der dritte, unter allen seinen Schriften rühme ich dir vor anderen sein Vade Mecum; und Gespräch betitelt, der Baum des Lebens, sein Testament oder Codicillum oder Anhang unerachtet, diese letztere zwei und viele andere Bücher dieses Schriftstellers fast eben so wie Geber und Arnald von Villa Nova mit so vielen Fabeln vermischt sind, dass ich selbst kaum die Wahrheit daraus erkennen kann.

Es sind so viele andere Auszüge von alten Philosophen, und zusammen getragene Schriften die zwar auch gelehrt, aber mit so vielen Sophistischen Dingen vermischt, dass nicht wohl die Wahrheit daraus zu nehmen ist.

Unter denen Schriftstellern des mittleren Alters, scheinen mir der gute Zacherus, Bernardus, comes Trevisanus, Rogerius Bacon, und ein unbekannter Verfasser der Sprüchen oder Rosengarten der Weisen, einen versuchten Verstand und glückliche Lehrsätze zu haben.

Unter denen neuesten achte ich keines als des Franzosen Fabers in seinen letzthin heraus gekommenen Schriften; die andere sind alle Verführer und Lügner, er aber hat viel gutes; und nebst diesem den Verfasser der wieder hergestellten Physik, welcher zwar mit vielen falschen Sprüchen vermischt ist; wo du aber beim ersten Antritt eine völlige Kenntnis unserer nicht verfälschter Wissenschaft haben wolltest, so ist dir unser Traktat: Novum Lumen Chimicum, neues alchemistisches Licht, mit der Abhandlung des Schwefels und Gespräch des Quecksilbers, hinlänglich genug; diesem fehlet nichts und muss mit aller Aufmerksamkeit nicht allein einmal, sondern wohl hundertmal gelesen werden; weil nach Art der alten Philosophen vieles zuvor beschrieben, welches hintan sollte, und mit allem Willen etliche Widersprüche an unterschiedene Orten angeführt, wovon hin und wieder an andere Orte die Auflösung und Zusammenstimmung gezeigt worden mit ausdrücklichen Worten, dennoch aber durch abgekürzte Sprüche. Dieses gebrauche nur und gehabe dich wohl.

Brüssel, den 25. Febr. 1646.

Dritter Brief.

Wertester Bruder!

Den Pagesianum, dessen Schriften vier Seiten ausmachen, und der in so kurzen Worten von allen Teilen unserer Wissenschaft handelt, und die Zweifel, die du gegen ihn und aus seinen Sätzen gegen unser Novum Lumen Chymicum geschöpft hast, habe ich mit allem Fleiß gelesen. Dieses Werken, obwohl es in seinen vornehmsten Sätzen irrig ist, zeigt mir doch den großen Verstand des Verfassers; deine Zweifel aber und deine Fragen sind mir Überzeugungen der Scharfsinnigkeit und Aufmerksamkeit deines Verstandes der nicht gemein ist. Was aber von seiner Lehre zu halten; so werde ich die Antworten und Auflösungen derer vornehmsten Einwürfe mit der Bestätigung unserer Lehre, mit gründlicher Schreibart in abgeteilten Sätzen, wo es nötig sein wird, in folgendem richtig von mir geben. Gehabe dich wohl.

Brüssel, den 10. März. 1646.

Vierter Brief.

Wertester Bruder!

Mein letzteres Schreiben versprach dir mein Urteil über die Pagesianischen Lehrsätze, in diesem und übrigen werden mir so viel möglich davon handeln. Was in denselben wahr und was im Gegenteil irrig und falsch ist, werden wir hiernach vor Augen stellen, mit Zusetzung desjenigen was seine echte Lehre erläutern wird anstatt des unechten.
Pagesius teilt ganz wohl nach der Art und Weise der Philosophen die Materie die er angreift in zwei Hauptpunkte. Erstens: in die natürliche Hervorbringung aller Dinge; und hauptsächlich der Mineralien.
Zweitens: in die Kunst den Stein der Weisen zu verfertigen, durch wessen Hilfe Gold und Silber hervor gebracht wird.
Was er im ersten Kapitel lehret, weicht von der Wahrheit wenig ab, ist aber viel zu kurz beschrieben, als das es eine genügsame Kenntnis derer Anfängen der Natur und dem Leser einen festen Glauben beibringen könne.
Das zweite Kapitel enthält zwar eine unvergleichliche Beurteilungsart, nämlich von denen allgemeinen Anfängen des Steins, wozu er einen Merkur angibt, der von dem gemeinen Quecksilber in der mineralische Wirkung unterschieden; bis er in die Klasse derer vermischten Körpern der untern Familie, das ist der Mineralien, Vegetabilien und Animalien sich spezifiziere, dabei auch einen Schwefel, welcher der gemeine stinkende und verbrennbare nicht ist. Aber doch unter einer Gestalt vollendet, unter einer Art der vorgemeldeten vermischten Körpern, welchen er durch die Fermentation dem Merkurio zusetzen könne, das übrige ist fast alles falsch und verwerflich als wir es in folgenden sehen werden. Gehabe dich wohl.

Brüssel, den 15. Merz. 1646.

Fünfter Brief.

Wertester Bruder! 
Die Ordnung erfordert, dass wir von dem ersten Artikel des zweiten Kapitels des Pagesianischen Büchlein, wo von der Nachforschung des Brünnlein des Merkurs gehandelt wird; zuerst sprechen.
Gewiss ist es und bei allen Weisen außer Zweifel gesetzt, dass der wahre Mercurius aller mineralischen Dingen und sonderlich derer Metalle wesentlicher Anfang sein, eine warme Feuchtigkeit oder feuchter Dunst, wie wir es nach Abfertigung des Pagesiani lehren werden. Also ist dieser Merkur nicht mehr in dem kalten feuchten Brunnen des Element des Wassers wie es Pagesius haben will, zu suchen: sondern aus einer Wesenheit und Körpern der wegen der Oberherrschaft der gestandener Luft warm und feucht sei wie unsere, dir nun bekannte Materie ist, und ist hieraus des Pagesiani Irrtum leicht zu schließen. Damit man aber diesem Schriftsteller sein ganzes Lob nicht abspreche, so ist zu bekennen, dass noch niemand so nahe zum Ziel kommen sei, als derselbe, weil die von ihm angegebene Materie mit der wahren und ächten in so vielen Stücken übereinstimmt und hat bei nahe Signaturen und Merkzeichen, woran, der von denen Philosophen hin und wieder beschriebene Merkur und sein Ursprung erkannt werden; dieses sei dir von dem ersten Artikel oder Absatz genug. Gehabe dich wohl. Sechster Brief.

Wertester Bruder!
Im zweiten Satz untersteht sich Pagesius, aus denen übel verstandenen Schriften Lullus und übel angebrachten Lehrsätzen anderer Philosophen, unerlaubter Weise, eine Art den Merkur zu extrahieren und zu bereiten, dazu geben; da er vorgibt, dass der in der Destillation aufsteigende zehnte Teil seiner Magnesia allein gut und nützlich, als die alleinige Merkurialische Wesenheit sei, die übrige neun Teil aber die durch Fortsetzung der Destillation auch aufsteigen, befiehlt er als nichts würdig weg zu werfen; doch will er haben, dass dieser gesagter zehnter Teil, welcher fleißig und wohl soll verwahrt sein worden, nach vollendeter Destillation dem dritten aufbehaltenen Teil, (welchen er ganz ungereimt für die Erde, und Schwefel unseres Merkurs haltet,) wiederum zugesetzt werden soll, damit diese sich wieder vereinigen durch wiederholte Cohobationes, Inhumationes, Digestiones und Sublimationes, die alle von ihm beschrieben werden. Hier irrt dieser Autor sehr gröblich, dann alles was die Weisen von dem zehnten Teil, der den Geist in sich enthält geschrieben haben, wie auch von seinem Eintränken in seine eigene Erde, gehört an einen ganz anderen Ort, wie es von uns soll bewiesen werden. Hierin ist ganz und gar keine andere Regel anzunehmen zur Präparation und Extraktion unseres Merkurs, als die einfache Destillation der Magnesia, durch, welche der Geist und das Öl mit einander aufsteigen, bis die Faeces trocken zurück bleiben; alsdann wird der Geist von seinem Öl geschieden durch öfters wiederholte Rectification des Geistes, und davon werden wir auch an seinem Ort weitläufiger reden. Gehabe dich wohl.

Siebender Brief.

Wertester Bruder!

Nun kommen wir an den dritten und vierten Artikel der Pagesianischen Schrift, davon der eine die Schwefel-Mineram zum philosophischen Werk haben will, und es auch beweiset; und es ist auch gewiss keine andere Schwefel-Minera zu haben, als diejenige die er angibt, das ist das Gold oder Silber.
Der andere aber beschreibt die Art, gedachten Schwefel aus dem Gold oder Silber heraus zu ziehen, aber ganz und gar ungereimt; weil er ein, dem Gold und Silber ganz widernatürliches und gewaltsames Auflösmittel beschreibt, nämlich ein gewisses Öl so aus dem Öfteren sublimierten gemeinen Quecksilber und per deliquium geflossenen Sale Armoniaco gemacht wird, welches aber der Natur ganz zuwider ist, welche zur Auflösung des Goldes und Silbers zum Werk des Steins der Weisen ein gelindes Wasser verlangt, dass ihrem ursprünglichem Anfang gemäß sei, (wie es die Kabbala heißt,) nicht dem körperlichen oder spezifizierten Zustand, wie es, welche glauben die nicht minder irren als Pagesius selbst; das ist, dass das Wasser die nämliche Natur oder Wesenheit an sich haben soll, als die selbige Wesenheit hatte, woraus Gold oder Silber unmittelbar herstammen. Da diese Materie betrachtet wird im Stande ihrer allerwenigster Zusammensetzung, ehe und bevor sie sich im Gold oder Silber koagulierte: Denn es sind vielerlei Stufen der Komposition derer vermischten Körpern, wie wir hiernach werden sehen, wie doch nicht mit dem geistlichen Gold oder Silber einerlei Natur haben: Also kann in der ganzen Natur keine andere Wesenheit eine solche Übereinstimmung der Anfänge mit dem Gold oder Silber gemein haben als unser dir wohl bewusster Merkur aus der Magnesia, der hell und durchscheinend, weil er ein warmer und feuchter Dunst ist, der sich noch zu keiner Familie derer unterer vermischter Körpern schreibt, das ist der Mineralien, Vegetabilien und Animalien, und also einer viel einfacherer Wesenheit ist als das Gold oder Silber, oder sonstiges zusammengesetztes irdisches Wesen, dann alle andere Dinge wie auch das gemeine Quecksilber, welches Pagesius brauchet, alle in gesagten dreien Reichen spezifiziert sind; und obwohl sie mit dem Gold und Silber viel Gemeinschaftliches zu haben scheinen, so sind sie ihnen doch widernatürlich (Hétérogenea) weil sie einen spezifizierten Unterscheid von dem Gold und Silber haben, und in der Mannigfaltigkeit ihrer Natur, zeigen sie die Vermischungen die Gold und Silber zuwider sind; also werdest du hieraus sehen, dass unser Merkur zum Auflösmittel soll gebraucht werden, den Schwefel des Goldes oder Silbers zu erlangen: hier ist der Irrtum Pagesii. Gehabe dich wohl.

den 15. März. 1646.

Achter Brief.

Wertester Bruder!

Der fünfte Artikel Pagesii erklärt uns das Werk in dem philosophischen Ei zur Zusammensetzung zu bringen, mit einer Unze oder ungefähr so viel Gold – oder Silberschwefel und der aller kleinesten Quantität seines Merkurs; dessen Geist durch die wiederholte Destillation und Cohobationenin gedachten Schwefel eindringen und sich einprägen soll, dadurch er die Feuchtigkeit davon ab zu ziehen und auf zu heben befiehlt, welches aber gegen die Natur ist, dann nichts anders daraus werden kann als eine Missgeburt, als wann er wollte den Dotter von dem Weißen des Eis abscheiden, das ist den Merkur mit seiner Feuchtigkeit, und doch das philosophische Küchlein hervor bringen wollte; Es ist hier nicht nötig das Alberne dieses Gedankens Pagesii ferner aus zu legen, indem kein Mensch so einfältig und dumm gefunden werden wird, der es nicht gleich einsehen sollte. Gehabe dich wohl.

Brüssel, den 5. April. 1646.

Neunter Brief.

Wertester Bruder!

Der sechste Artikel dieses Werkes handelt von der Kochung des Eies und Regierung des Feuers, da er angibt und steif behauptet, dass dessen vier steigende Grad wären, welches einen allerdings unerfahrenen Philosoph anzeigt, worunter er das Küchenfeuer versteht, wie es wohl scheint; hier bin ich gezwungen meine von ihm gehabte Meinung zu ändern; dann ich nichts anders glaubte: als, dass er dieses mit allem Fleiß so irrig beschrieben, um der Leichtgläubigen willen und die Kunst besser zu verbergen; ich kann aus denen vielen Bemühungen die er seinem Geist antut, um seine Sätze zu behaupten und die Lehren derer Philosophen mit Haaren dazu zu ziehen, nichts anders erkennen, als seine offenbare Unwissenheit: Denn ein jeder Kunsterfahrener weiß und erkennt, dass die vier Grade des Feuers so die Autoren angeben, sich auf das wirksame oder zentralische Feuer des Ferments allein erstrecken, welches Feuer durch die Zeit die Tugend erlangt im Merkurio die elementische Gestalt zu überwinden; und in seinem Wachstum, erlangt selbiges die vier Grades der Kraft, welches durch die vier Farben hauptsächlich angezeigt wird: das äußerliche natürliche Feuer, als des anderen Treiber, muss in einer beständiger Gleichheit und Gelindigkeit erhalten werden. Hier sind die Irrtümer. Gehabe dich wohl.

Brüssel, den 11. April. 1646.

Zehnter Brief.

Wertester Bruder!

Da wir nun die Untersuchung des Pageanischen Werken vollendet haben, so ist noch nötig, dass wir die wahre Hermetische Lehre abhandeln, welche wir dem Pagesio nach, auch in zwei Hauptstücke einteilen werden. Das erste: von der Natur; das andere: von der Kunst; nach dem Grundsatze der Kabbala, welche natürliche wahre Wissenschaft von Gott, unseren ersten Eltern eingeblasen worden, und wir von ihnen nicht schriftlich sondern mündlich empfangen haben; es kann keine bessere Art angenommen werden, als die Nachahmung der Natur, weil das ganze Werk darinnen besteht selbige zur Vollendung zu bringen. Zu forderst wollen wir die Wirkungen der Natur denen nach zu ahmen ist, erläutern; bevor wir die Art der Nachahmung beschreiben.
Das erste Hauptstück enthält zweierlei, zuerst: die Schöpfung aller Dingen.

Das andere: die zweite Schöpfung, das ist: die natürliche Hervorbringung aller natürlichen Wesenheiten; diese beide Stücke sind einem Weisen zu wissen nötig, wenn er die Grundsätze und Regeln der Wahrheit erlernen will; dann, wie die Kunst der Natur nachahmet, also ahmet die Natur der Schöpfung wieder nach, mit diesem einigen Unterscheid, dass die Schöpfung keinen anderen Grund habe als den göttlichen Entwurf; und das Wollen Gottes, die Natur aber die spezifizierende Anfänge; nämlich die Elementen. Die Kunst also, gebraucht sich der spezifizierten Anfängen, davon wir anderswo sprechen werden; die Erlangung der Kunst hängt also von der Kenntnis der ersten und zweiten Schöpfung ab.

Dieses sei statt einer kurzen Vorrede genug, künftig werden wir von der Sache weiter reden. Gehabe dich wohl.

Brüssel, den 15. April. 1646.

Elfter Brief.

Wertester Bruder!
Es ist ein Gewisser nicht allein von denen heidnischen, sondern auch von denen christlichen Philosophen durchgehend angenommener Satz, dass der allerhöchste Baumeister diese ganze materialistische Welt aus nichts in diese Zeitlichkeit gebracht hat. (Hier ist die Rede nicht von dem sinnlichen Muster oder der metaphysischen Welt.) Sie halten aber nicht davor, dass alle ihre Teile also unmittelbar erschaffen worden sein, sondern, dass nur der Zeug oder Materie davon solle aus nichts erschaffen sein, aus, welcher hiernach durch die Scheidung die einfache Wesenheiten und Körper sind gezogen worden, und aus der Zusammensetzung dieser sollen die vermischte Körper entstanden sein. Wie wunderbar und anbetungswürdig ist doch die Vorsehung Gottes, die, gleich bei dem ersten Anfang der Natur und der Kunst dieses Muster vorgelegt hat, damit der Hervorbringung derer Dingen, oder bei der schon hervor gebrachten Verbesserung, das Werk durch die Solution angefangen und durch die Koagulation geendigt werde, also ist jedermann offenbar, dass bei der Schöpfung aller Dingen die Grad der Vermittlung bei der unterste Schaffung unterschiedlich waren, nach, welchen die erstere und einfachere Wesen denen letzteren und zusammengesetzteren zu Materialistischen Anfänge sind vorgesetzt worden, doch nicht also, dass die mehr zusammengesetzte Dinge, abgesonderte Gestalten haben sollten, die ganz und gar und in der Tat unterschieden sein sollten, dass einige könnten ausgezogen werden, ohne die zurückgebliebene zu verändern, dann die letztere Gestalten derer vermischten Körpern haben in sich die ersteren Gestalten ganz unzertrennlich beschlossen liegen: wie viel aber dieser Grad sein möchten, ist bei denen Philosophen noch nicht sattsam ausgemacht.

Die gemeine Schule nimmt derer nur drei an; die sind die Schaffung der Materie, die Unterscheidung der Elemente, und die Gestaltung aller vermischten Körper aus den Elementen. Die Kabbala aber, welche das unzweifelhafte Licht der Wahrheit von Gott empfangen, und den wahren Sin und echte Auslegung der heilige Schöpfung bei sich hat, ungeachtet sie auch die drei in denen Schulen angenommene Grad der Schöpfung, als zuerst der Hervorbringung der Materie aus nichts, zweitens dieser nämlichen Materie Scheidung in einfache Körpern; und drittens die Zusammensetzung dieser einfachen Körpern, zur Zubereitung derer vermischten Wesenheiten auch annimmt: so lehrt sie uns doch noch viele andere Vermittlungsgrade, wovon wir in ihrer Ordnung bald sprechen werden. Gehabe dich wohl.

Brüssel, den 21. April. 1646.

Zwölfter Brief.

Wertester Bruder!

Erstens schuf Gott die Materiam Secundam oder zweite Materie, doch nicht gänzlich Ungestalt, (wie es ungeschickt die Philosophen gerne träumen) sondern unter der Form (Gestalt) des primordialischen Wassers oder Elements und ersten Anfangs, eigentlich genannt; daher viele Philosophen nur ein Element, nämlich das Wasser annehmen, welchem sie die ursprüngliche Eigenschaft zusprechen; nämlich die wirkende und leidende Gewalt, welchen sie noch drei anfängliche eigentümliche Handlungen zugeben, nämlich Hilem oder der Körper, Archaeus oder die Seele, und Azoth als das Mittel dieser Beiden, und so zu sagen der Knecht des einen und des anderen, dieser ist der Universalgeist; dabei sind auch vier anfängliche Werkzeuge aller Leidenschaften und Wirksamkeit, welche die ersten Eigenschaften an sich haben.
Hier ist der erste und gründliche Grad der erste Schöpfung.

Dreizehnter Brief.

Wertester Bruder!

Zweitens Gott schied und trennte wie durch eine geheime Destillation dieses primordialischen Wassers in vier Teile, welche Elementen genannt werden, ob schon sie nicht sowohl selbst Element oder Urwesen sein, als nur des, oben genannten Primordialwassers Abteilungen: weil sie aber in ihren Neigungen von dem ersten Wesen wenig unterschieden sind, so werden sie genannt: geurständete Elemente, deren keines mit dem anderen sich vermischen lässt in ihrem Ursprung und ihrer Wurzel; nämlich ihrem Wesen nach, in, welchem sie geschaffen sind; daher der Mensch es auch nach seinem Fall bereute, dass er nicht in seinem ersten Schöpfungsstand verblieben war, sonderlich da alle Dinge die seinem Gebrauch unterworfen waren, allzeit mehr und mehr in ihrer Art und Gestalt sich verdarben; wie wir im Traktat vom Schwefel schon erwähnt haben. Der Archaeus aber der in jedes Zentrum oder Mittelpunkt wohnet, wird genannt der wirkende Urstand der Elementen.
Derer Elementen Eigenschaften sind von Gott also geordnet, wegen ihren nicht zusammen stimmenden und unverträglichen widrigen Arten, gegen einander in beständigem Streit sind, und dadurch allezeit sie etwas von sich ausgehen lassen; aus diesem Ausschwitzen, (so zu reden,) und durch die Gleichheit derer aufgetriebenen Teilen dieser vier Elementen, werden gewisse mittlere Wesenheiten hervor gebracht; in der tägliche zweite Schöpfung, die Teils der Natur derer Elementen, Teils des Schicksals der vermischten Körpern teilhaftig sind, wie es anderswo angezeigt werden soll; daher gedachte Element die Wurzel aller Körpern genannt werden. Es kann also auch kein vermischter Körper, (Corps Mixtum) in dieselbe zurück gebracht und aufgelöst werden, als durch die Macht Gottes, dann wie gesagt worden, die letzteren Gestalten können nicht wieder in die Ersteren einfache zurück gebracht werden, und so im Gegenteil können die letzteren und ersteren Formen auch nicht unmittelbar in einen zusammen gesetzten oder vermischten Körper verwandelt werden; wegen Widerwärtigkeit ihrer schon genannten widersprechenden Eigenschaften, welche ohne Mittel (medio) nicht vereinigt werden können zur Konsistenz; diejenige aber, derer benannte Eigenschaften einander nicht widerstehen können, Physiker in eine natürliche Zusammenfügung gebracht werden, das ist in urständliche Anfänge, davon folgend gehandelt wird.

Vierzehnter Brief.

Wertester Bruder!

Drittens erhöhte Gott die fünfte Wesenheiten (Quintas Essentias) derer Elementen, nämlich er schied durch eine (so zu reden) geheime Rectification, die reineren Teilen derselben, aus welchen er die Himmeln und das Gestirne machte, zwar nicht durch die Zusammensetzung in gemeinem Verstand oder Zusammenbindung eines mit dem anderen, sondern durch die Verdickung; denn die Himmel bestehen aus dem reinsten Teil des Wassers, die Sternen aber, einige aus dem reinsten Teil der Luft, andere aus dem Durchsichtigen des Feuers, und andere aus dem dünnsten und zartesten Teil der Erde. Diese Lehre beweiset sich schon alleine aus dem natürlichen Licht: ein jeder, er sei ein Gelehrter oder Bauer sieht wohl, dass der Mond finster ist, daher also nicht von sich selbst leuchtet, sondern nur weil er das Licht von der Sonnen entlehnt; also muss er auch irdisch sein und kann anders nicht sein, dann die Erde allein ist finster, er sieht aber auch im Gegenteil, dass die Sonne die vor sich leuchtend ist, auch feurig sein muss; und weil es der einzige vor sich leuchtende Planet ist, so folgt, dass er den anderen Körpern das Licht und die Hitze mitteilt.

Das Licht ist eine aus der Hitze oder Feuer fließende Eigenschaft, und eine beständige Gesellin dessen, ungeachtet man es nicht beständig sehen kann, wegen zwischen gesetzten dunkeln Körpern. Daher kommt es, dass öfters das Feuer unter dem Namen des Lichts, und das Licht unter Benennung des Feuers angedeutet wird; wie zu sehen in dem ersten Kapitel des ersten Buchs Moses, von der Schöpfung, wo die Erschaffung des Feuers, durch und unter Benennung des Lichts angezeigt wird; es ist auch nicht ohne Wahrscheinlichkeit, dass viele blasse Sternen, die das Licht von der Sonnen empfangen nach Art aller durchsichtigen Körpern wie das Glas, oder besser wie die Luft, auch notwendig aus Luftteilen bestehen müssen. Hier setze ich noch zu, dass wann es nicht also wäre, die Sternen die bald warme bald kalte Einflüsse, nach der Oberbeherrschung und Einstrahlung derer regierenden bald kalten bald warmen Planeten uns nicht zuschicken könnten, auch nicht so viele Veränderungen in denen ihnen unterworfenen Körpern wirken; weil diese Eigenschaften der Elementen von ihren Urständen herkommen und sich mitteilen wo sie einen Gegenstand antreffen, die weitläufigere Beweise dieser Wahrheit kannst du in unsere Harmonie finden, welche Briquius soll drücken lassen.

Die Bewegungen derer himmlischen Kugeln und Sternen sind vor allen Dingen zu betrachten, nämlich wie sie unaufhörlich bis an des Ende der Zeiten durch ihren eignen Trieb in der Bewegung bleiben, welche in Absicht auf sie selbst, beständig gleich ist; in Absicht aber auf die meisten derer anderen Sternen allezeit ungleich, damit sie nach denen verschiedenen Bildungen, auch verschiedene Bestrahlungen und Einflüsse in die untere Körper einschießen können, und sie also als allgemeine Triebfedern zu allen Handlungen und natürlichen Geburten und Zerstörungen, sowohl allgemeine als ursprüngliche wovon wir bald sprechen werden, das ihrige beitragen und uns alle Veränderungen und Abwechslungen der Zeiten und Witterungen, die Abmessungen ihrer Dauer und andere Wirkungen mehr darreichen.

Hier hast du die Auflösung und Scheidung der ersten Materie, (Materia Prima) nun folgt die Zusammensetzung und Koagulation in eigentlichem Verstand, welche die Verbindung vieler und unterschiedener Teilen zum Zweck hat; als ich schon erwähnt habe, mit nächstem folgt ein mehreres davon. Gehabe dich wohl.

Fünfzehnter Brief.

Wertester Bruder!

Viertens, Gott hat die, obere gemischte Körper, welche das Mittel halten zwischen denen Elementen (Anfänge) und die untere Mixtur zusammen geblasen.
Der erste ist der Schwefel, das ist eine gewisse wärmende Wesenheit von zusammen gesetzten Feuer und Luft, durch Vermittlung der Wärme, die allen beiden gemeinschaftlich ist. Der zweite das Salz, welches eine Zusammensetzung der Luft und des Wassers vermittelst der Feuchtigkeit die ihnen beiden zuständig ist. Die dritte ist Merkur, der aus Wasser und Erde durch die denen beiden gehörige Kälte, gezeugt worden. Die vornehmsten Eigenschaften seiner Anfänge werden unterschieden in die allgemeine und in die eigentliche.

Die allgemeine sind, dass sie die höchste ursprüngliche Anfänge seien und die Mittel der Verbindung der aller äußersten Teilen in denen vermischten Körpern, das ist: dass durch sie, die widersprechende und einander widerstehende Eigenschaften der Elements sich vergleichen in einem oder anderem Reiche derer vermischten Körper: dann, ob es wohl scheint, dass die einstimmige und eigentliche Qualitäten in einem gemischten Körper mit denen anderen widersprechenden sich vereinigen könnten; so ist es doch unbequem nach denen Gesetzen die Gott der Natur gegeben hat, dass die widersprechende Eigenschaften ohne vorher einer Vermittlung gebraucht zu haben, sich in denen Mittelkörpern so gleich vereinigen sollten; setze noch hierzu, dass so vielerlei Temperamenten und so vielfältige Komplexionen auf keine andere Art könnten zum Stand kommen, sonderlich in Dingen von starker Konstitution und langer Dauer. Die eigentliche Proprietären werden wir im künftigen Brief erklären.

Sechzehnter Brief.

Wertester Bruder!

Die eigentliche Beschaffenheit der vor genannten Anfängen sind viele und wohl in Acht zu haben.
Die vornehmste des Schwefels sind, dass er sei der Sitz der angeborener Wärme, der Nährer und Erwärmer in allen Dingen; dass er unmittelbar die warme und feurige Eindrücke und Einflüsse derer himmlischen Körpern annehme, und denen übrigen Teilen des von ihm bewohnten Körpers mitteile, ferner, dass er aller Dingen Geruch und Farbe erhalte, und, dass er aller vermischten Körpern Geruch und Tinktur an sich nehme. Des Salzes Eigenschaften sind, dass es allen Dingen zur Gerinnung oder Koagulationswurzel diene, denn es bringt die anderen Prinzipien zusammen, koaguliert und befestigt sie; es soll andere Körper eröffnen, wenn es mit einer gebührlichen Quantität Mercurii angebracht wird; weil es ihre Salze bewegt, in welchen die Zusammenfügungen und Bande ihrer Homogenen Teilen bestehen; und, dass es hingegen anderer stärkeren Salien Gewalt annehmend, die Teile seines eigenen Leibs aufzulösen zu lasse. Ferner, dass es aller schmackhaften Dingen Geschmack erhalte, ihnen denselben mitteile, und diese mitgeteilte selbst auch annehme, dass es die Teile eines jedes Tiers würze; denn an Geschmack ist zu erkennen, ob ein Ding des Salzes mangele; dann das Salz ist dasjenige, so in allen empfindlichen Bewegungen des Geschmackes reizet und gereizte wird. Endlich ist es da die warme und feuchte Einflüsse und Wirkungen zu empfangen.
Des Merkurs Eigenschaften sind, dass da in ihm die Grundfeuchte (humidiradicalis) wohnet, er dieselbe erhalte und ernähre; dass er alle Eindrücke die feucht und kalt sind annehme, und zugleich die Wirkungen eines Agentis, das mit ihm in Gleichheit der Kälte und Feuchte steht, gerne leide; und denen übrigen Teilen des von ihm bewohnten Körpers mitteile; Endlich, dass er das Salz auflöse, und ihm zu der Auflösung derer anderen festen Körpern zu Hilfe komme. Diese sind die wahre gründliche Eigenschaften derer spezifizierten Anfängen der, oberster Ordnung, in Zukunft werden wir die anderen auch abhandeln.

Siebenzehnter Brief.

Wertester Bruder!

Fünftens aus denen drei vorigen Anfängen, hat Gott zwei andere spezifizierte Principia gemacht; eines ist der Same der Natur, das andere das Menstruum der Welt, welche beide weil sie derer vorerwähnten Eigenschaften haben, auch ihren ersten Namen des Schwefels und Merkurs behalten; dann das Sperma oder Same wird Schwefel, und das Menstruum, Merkur genannt: über die vorige Eigenschaften die sie hatten, haben sie durch neue Temperatur auch noch andere angenommen, dann der Schwefel, der wegen der in ihm verschlossener natürlicher Hitze vorher erwärmend war, wurde durch die Vermischung des Salzes coagulierend und figierend, in dieser Gestalt wird er von denen Philosophen lebendiger Schwefel genannt.
Der Merkur aber der vorher kalt war, ist durch Zusatz der Luft, die er vom Salz bekommen hat, warm und feucht und ein besser Digestiv geworden, daher er den Namen eines lebendigen Merkurs erhalten hat. Die Eigenschaften, die die Folgen sein von der wesentlichen Art dieser beiden, sind entweder gemeinschaftliche oder einzelne.
Die gemeinschaftliche sind, dass sie vermischte Wesen der zweite und mittlere Ordnung sein.

Die einzelne zuerst des Schwefels sind, dass er die sowohl uranfängliche als die zweite Samen (wovon weiter soll gesprochen werden,) enthalte; und das nicht mit einander unordentlich vermischt, sondern deutlich und bestimmt nach der Natur und Beschaffenheit derer Orten, in, welchen, als in den Nieren – und Samengefäßen der Natur sie ihre Digestion und letztere eigentliche Beschaffenheit erhalten und vermehrt worden, daher wird er der Natur Samen genannt, dass gesagter lebendiger Schwefel die Samen in ihre gehörige Mutter bringe, darinnen ordne, auf, dass sie hiernach das ihrige tun zur Geburt, daher ihm die männliche Gewalt zugesprochen wird; endlich, dass er den Merkurialgeist aus dem Menstruo an sich ziehe, daher er des Magnets und andere von dieser Art Namen mehr bekommt. Zweitens sind des Merkurs Eigenschaften, dass er in einem hohen Grad den vorgedachten Merkur mehr digeriere und sehr nahe dazu disponiere, Samen, Wirkung und Jährung an zu nehmen; das ist, dass sich dieser digerierte Merkur verkehre und coagulire nach dem Sin dieser Samen, und sich mit denen Speisen in das Wesen aller ernährenden Dingen verkehre, daher er den Namen des Welt-Menstrui bekommen hat.

Achtzehnter Brief.

Wertester Bruder!

Sechstens aus diesen beiden hat Gott ein Prinzip gemacht, welches auch den Namen des Merkurs behalten hat, obwohl es die andere Qualitäten auch in sich beschlossen, und so natürlicher Weise vereinbart habe, dass sie gar nicht mehr wesentlich zu unterscheiden seien: weil aber die mercurialische Natur in ihm überflüssig ist und den Sinnen am meisten sich zeigt; nämlich die Feuchtigkeit des Wassers und Zärtlichkeit der Erde die mit dem Wasser innig vereinbart ist, so wird es lieber Merkur, als Salz oder Schwefel genannt, es verändert aber doch seine Namen, seine Zeichen und seine Natur, nach denen unterschiedenen Graden seiner natürlichen Digestion, die es erlangt; dann so es zur Einkochung des Salzes gelanget, wird es Salz genannt und bekommt auch alle Eigenschaften und die Natur des Salzes; so bald es aber zur Digestion des lebendigen Schwefels kommt, so nimmt es auch des Schwefels Namen, Natur, Wesen und Gewalt an sich; so lang es aber im Stand und Temperatur des Merkurs bleibet, so heißet es Merkur; aus dieser Ursache wird es von denen Philosophen einen Proteum und Hermaphrodit, der männlichen und weiblichen Natur Teilhaftig, und mit mehr anderen Namen benennet.
Seine Eigenschaften sind zuerst: dass er der letztere von denen geurständeten Anfängen ist, oder die aller nächste Materie, (Materia proxima,) aus, welcher sowohl in der ersten als zweiten Schöpfung alle gemischte Dinge werden und sich vermehren, durch Wirkung derer, sowohl (primordial,) ursprünglichen, als Partikular-Samen, durch die Fermentation nach der Verschiedenheit ihrer Disposition, nach der Absicht derer Samen in allerhand Arten wie folgen wird. Zweitens, dass er allen empfangenen und geborenen Dingen die Nahrung und Wachstum aus eigener Substanz darreiche, dieserwegen wird er von denen Weisen die Bärmutter und Mutter aller Dinge benannt, er hat auch noch viele Namen nach denen unterschiedenen wirkenden und leidenden Verrichtungen die er hat, doch wird er hauptsächlich Universalgeist genannt, dann, obwohl er auch einen überaus kräftigen Leib und Seel habe, der Leib aber ungemein subtil und fast ganz geistlich ist, so heißet er ehender Geist als Leib, weil auch seine Seel oder Archaeus nicht unter die Sinnen fällt, so wird er lieber Geist als Seel genannt.

Diese geurständete Anfänge aller Dinge werden doch unter die einfache Körper gesetzt, ob sie schon mehr Bestandteile haben als die anfängliche Urstände oder Elementen, und ist ihre Beschaffenheit wie derer Elementen ihre auch, dass in sie kein Körper gänzlich kann zurück gebracht werden, so, dass derselbe in seine erstere einfache Wesenheit die er hatte, bevor er sich in das ein oder andere Reich begab; und, dass er die wesentliche Forme oder Gestalt des gesagten gemischten Körpers durchaus ablege; Es mögen die Gernechimici dagegen einwenden was sie wollen, dann ihre Lehre widerspricht der Arbeit, wenn sie gestehen müssen, dass die Solutionen ihrer Prinzipien, nämlich des Schwefelsatzes und Merkurs nur mittlere Kräften sind, welche in denen Körpern waren, da sie also ohne Unterscheid sind, nur, dass sie glauben sie wären in jenen mehr eingeschlossen als in diesen, welche Gleichförmigkeit der Kräfte unmöglich ist, wofern sie nicht die wesentliche Forme der Körpern behalten; weil diese Kräften zufällige Dinge sein, die unmöglich zu zerteilen, und die beständig in den Körpern bleiben; diese wesentlich bleibende Gestalt beweiset ihr zurück bleiben, und gewiss wann die gesagte Principia in ihre ursprüngliche Einfältigkeit könnten zurück gebracht werden; also musste die wesentliche Gestalt die sie endlich bekommen haben, in ihr voriges nichts wieder gebracht werden durch diese zurück bringende Simplification; oder musste sie schwebend als ein Schatten bleiben ohne Subject, welches natürlicher Weise unmöglich und hindert gar nichts, dass keine Geburt geschehen kann ohne Zerstörung dergestalt, weil die Geburt des einen die Zerstörung des anderen ist in denen gemischten Körpern; weil in dem nämlichen Zeitpunkt als die Gestalt zerstört wird, die neue sogleich eintritt von nämlicher Komposition eines vermischtern oder wachsendern Grad, niemals aber in einem mindern Grad der Vermischung oder Komposition, dass also ein Subjectum den völligen Verlust seiner vorigen Gestalt erleidet, welches unentbehrlich nötig ist zur Vermischung derer Form, welchem wir widersprechen. Wir haben gesagt, dass etliche wesentliche unvollkommene Formen, zum Beispiel die vernünftige Seele, wofern sie von ihrem Subjecto und Materie abgesondert werden, ihre Gestalt der Vollkommenheit, einen Grad ihres Wesens und ihrer Zusammensetzung verlieren. Obwohl keine vollkommene Scheidung dieser, oben genannten Statt finde, ist es zwar nicht zu leugnen, dass es eine uneigentliche gebe; die tägliche Erfahrung lehrt es uns in denen Destillationen, in, welchen die Wesenheiten die mit gesagten Anfängen übereinstimmen auf gewisser Art, in der nämlichen Zahl, aber in rückgängiger Ordnung gefunden werden; es ist allerdings nötig, dass es so geschehe, sonsten würde man umsonst ein Gold- oder Silberschwefel und das nötige Ferment zur Bearbeitung des Lapidis Philosophen suchen. Gehabe dich wohl.

Neunzehnter Brief.

Wertester Bruder!

Siebendes und letztens, aus diesem letzter gesagten Urstand hat Gott unmittelbar alles geschaffen, so viel als derer geschaffenen Wesen nur sein, die unzählige vermischte Wesen derer drei Reichen: des tierischen, des vegetabilischen und mineralischen, und die Arten derer einen jeden Reiche gehörige Wesen; nämlich aus denen unzählbaren Teilen des gesagten Universalgeistes zur schwefelichten Temperatur digerirt, machte er die Samen oder Fermenten sowohl in der Luft als in Wasser und Erde, aller dreien Reichen Kreaturen nach ihrem Geschlecht und Art, nach dem unerschöpflichen Schatz seiner Entwürfen. Aus dem gesagten Universalgeist aber, der zur mercurialischer Digestion gebracht ist, bildete Gott gleichförmige Wesen, männlichen und weiblichen Geschlechts; von denen beiden gab er zu eigenen die nächste und sonderlich zur Vermehrung ihrer Art nötige Samen; dem anderen gab er die Menstrua und einen eigentlichen Hilem als einen materiellen Anfang der Zeugung ihrer Art; diesen unzertrennlichen Wesenheiten teilte er unter anderen fast unzähligen Eigenschaften noch diese hauptsächliche mit, dass sie ihre Art vermehren könnten in gesagten Mann und Weib, damit dieses klärer zu beweisen sei, so ist zu wissen nötig, dass die Multipliklation oder Vermehrung der Art von Gott zweifach eingesetzt sei, nämlich die erste anfängliche und die zweite oder nächste. Davon in folgenden mehr soll gesagt werden. Gehabe dich wohl.

Zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Die erst anfängliche Vermehrung ist diejenige, die durch Gewalt und Wirkung der schon erwehnten uranfänglichen Samen geschieht.
Die zweite oder nächste nach dieser, geschieht durch Macht und Wirkung derer Partikular oder sonderbaren Samen, wie am Ende dieses Buchs zu sehen wird sein, dass ist, nicht gleichförmig; weil die erste Vermehrung denen Mineralien eigenen ist, nach, welcher sie in den Adern und Gängen der Erde sich alltäglich vermehren; denen Vegetabilien ist sie auch nicht zuwider, weil ihrer gar viele alle Tag daher geboren werden, zwar nicht so häufig, so oft und so leicht als die Mineralia, sonderlich wo von denen perfekten und vollkommenen Vegetabilien, und nicht von denen schlechten die Rede wäre; denen Animalien aber kommt diese Vermehrung am wenigsten zu, weil sehr selten und fast niemals einige auf diese Art entspringen, sonderlich perfekten.
Die zweite Multipliklation gehört am eigentlichsten denen Animalien zu, bei denen Vegetabilien ist sie zwar auch oft zu finden; doch nicht so vielfältig als bei denen Animalien, bei denen Mineralien geschieht dieselbe fast niemals ohne Beihilfe der Kunst.
Diese beide Multiplicationen sind nicht denen dreien Reichen in allen Arten und Umständen anständig, weil diese drei Reichen gar weit in ihrem Vermögen unterschieden sind. Davon in folgendem. Gehabe dich wohl.

Ein und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der erste Unterscheid ist in denen Geschlechtern, das ist des männlichen und weiblichen, welche Ungleichheit sehr unterschiedlich ist in gesagten Reichen; dann in dem Animalischen, als Gott Tieren, wenigstens denen vollkommenen die Bewegungskraft gegeben hatte, durch, welche sie zusammen kommen konnten und ihre Erhaltungsbedürfnissen erfüllen; hat der nämliche Gott auch einer jeder Art ein eigenes Männlein und Weiblein derselben Art gegeben; denen Vegetabilien und Mineralien aber, weil denen Arten die ihnen eigentlich gehören, die Bewegungskraft mangelt, und sie weder zusammen kommen noch sich zusammen fügen können, hat er ihnen allen ein allgemeines Weiblein gegeben, so ihnen überall begegnet, und, welches einem jeden Reich zugleich anständig ist; deshalb ist sie niemanden unter ihnen ähnlich in dergestalt, aber im Herkommen; und dieses ist unser Universalgeist; also, so viel als ursprüngliche Samen in jeder Region der Elementen, und hervorkommende Wesen in denen zwei gedachten Reichen sein mögen; so viel Männlein sind es auch, die nur ein einiges ihnen gemeinschaftliches Weiblein haben.
Der zweite Unterschied befindet sich in der Mannigfaltigkeit der Verrichtungen beider Geschlechter die sehr verschieden sind in beiden Reichen, sonderlich in ihrer allgemeiner Copulation: dann die Tiere vermischen und copulieren sich nach ihrer Willkür, nach dem einzigen Trieb ihres Archai, ohne Hilfe der Kunst, so bald sie nur von dem natürlichen Verlangen so ihnen dieserwegen gegeben worden, dazu getrieben und bewogen werden, daher hat Gott dem Männlein und Weiblein sonderliche Werkzeuge zur Copulation und Fortpflanzung gegeben. Mit denen Vegetabilien aber ist es ein anders, dann, ob sie auch dieses zu bewirken scheinen auf eine gewisse Art, da die reife Früchten zu lassen, dass ihre hinfahrende Samen in die Matrix (Mutter) ihres Weibleins, dass überall ihnen entgegen geht und sie sehr hungrig begehrt, gebracht werden; so wird doch die Hilfe der Kunst erfordert, wenn es glücklich von Statten gehen soll.

So ist es auch mit denen Mineralien, ob zwar sie in der erstere Multipliklation ohne Hilfe der Kunst sich copulieren, so muss doch in der zweitern, (welche uns hauptsächlich angeht,) die Hand und Arbeit des Künstlers dazu kommen. Aus dieser Ursache haben die Mineralia und Vegetabilia keine Vereinigungs- und Fortpflanzungsglieder; des Weibleins Mutter ist das Wasser, und ihr Bauch ist die Erde. In denen einzelnen Wirkungen sind sie auch in etwas unterschieden, weil aber dieses Erkenntnis zu unsere Sache nichts beiträgt, so wollen wir es Kürze halber übergehen, damit wir andere fortsetzen. Lebe wohl.

Zwei und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der dritte Unterschied geht auf die Disposition und Präparation des Universal-Spiritus, welche der Multipliklation vorgehen müssen.
Was die anfängliche Multipliklation und ihren Endzweck anlangt, ist da gar keine Schwürigkeit; dann es wird in derselben keine Preparation des Universalgeistes zu denen drei Reichen erfordert, als die Grad der schon erwähnter Digestion, weil denen dreien Reichen gemeinschaftlich ist in dieser Multipliklation, dass wann der Universalgeist die sulphurische Digestion erlangt hat und sich mit denen uranfänglichen Samen copuliret, so vereinigt und vergleicht er sich mit ihnen und wird selbst zum Samen; bleibt er aber im Grad des Merkurs, so wird aus ihm die Art vermehrt, das ist sie fermentiert und wird in ein wesentlich Ding gebracht, nach der Wurzel und Eindruck derer Primordial Samen.
Die Präparation des Universal-Spiritus ist sehr weit in diesen dreien Reichen von einander unterschieden, was den Effect der Zweitere Multipliklation und ihren Endzweck anlangt; denn in den Animalien verlangt er über die vorige Digestion noch die animalische, welche in denen Netzen der Tieren geschieht, deswegen ihnen Gott die Notwendigkeit des Atemholen gesetzt hat, durch dessen Hilfe dieser Universalgeist aus der Luftregion, wo er am häufigsten ist in die Lunge des Tiers gebracht wird, wo er verdauet wird und den Geruch einer wesentlichen Gestalt annimmt, alsdann wird ein Teil davon nach der Wirkung des ersten Endzwecks der Multipliklation mit dem Samen vermischt, und in denselben Samen selbst verkehrt. Zum Zweck aber der zweitere Vermehrung vermischt er sich in dem Eingeweide des Weibleins mit der monatliche oder menstruosische Feuchtigkeit und verkehrt sich in denselben. Zur Wirkung des dritten Endzwecks vermischt er sich mit denen Speisen, welche er solvirt, alsdann wird er selbst von ihnen verwandelt, bis sie sich zusammen in den Milchsaft, ferner in Blut und endlich in die animalische Wesenheit verkehren.

In denen Vegetabilien begehrt er auch eine vegetabilische Digestion zu der Wirkung die in dem Herzen des Vegetabilis geschieht, dieserwegen hat Gott in allen Pflanzen eine Magnesiam (Magnesia kommt her vom Wort Magnes; Deutsch Magnet, bedeutet also diejenige Materiam die der Anziehungskraft Teilhaftig ist, wie der Magnetstein. ) geschaffen, die gemeiniglich das Markt genannt wird, welche gedachten Spiritum universalem aus der Erde anzieht; wohin er häufig durch das tägliche Blasen und Bewegen derer Winden durch die Poren dringt und behalten wird.

In denen Mineralien aber braucht er keine specifische Präparation, ausgenommen der künstlichen Purgation und Seperation von seiner Magnesia, zur Wirkung des ersten Zwecks: zur Wirkung aber des zweiten Endzwecks muss er noch die vorher gesagte metallische Digestion haben. Lebe wohl.

Drei und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der vierte Unterschied ist in der Wirkung des dritten Endzwecks, der in diesen dreien Reichen sehr verändert ist: dann in denen Animalien und Vegetabilien, wo es auf die erste Wirkung ankäme, so vermehrt er die Vielheit durch die Auswerfung oder Absetzung, weil der Samen und das Blut, welche ehender Werkzeuge derer lebendigen Teilwirkungen, als Teilen des lebendigen Wesens und ganz abgesonderte Teile sind, und keinen Wachstum annehmen wie andere lebende Teile. Wo es aber zum zweiten Zweck sollte gebracht werden; so vermehrt sich die Vielheit durch die in sich Nehmung, und die Qualität oder innerliche Kraft wird dadurch ausgedehnt.
Wann er in denen Mineralien nach dem ersten Endzweck betrachtet wird, so vermehrt er die Quantität und den Klumpen auch durch die Aussetzung, und dehnet doch die innerliche Kraft aus. Nach dem zweiten aber vermehrt er die Quantität nicht, sondern vermindert sie; die Qualität aber und innerliche Kraft erhöht er.

Der fünfte Unterscheid ist wegen dem Endzweck ihrer Formirung, welcher in gesagten Reichen sehr ungleich ist. Dann in denen Animalien und Vegetabilien, um zum Zweck der ersten und letzten Multipliklation zu gelangen, ist nur die Ähnlichkeit nötig und die Zusammenfügung, wodurch das Ferment alle Beschaffenheiten und Teilen des fermentierenden Samen, oder Menstrui erlanget. Der zweite Endzweck aber ist in der Zusammenfügung noch nicht erreichet, weil in demselben das Ferment noch eine andere Beschaffenheit annimmt als die blose Forme des fermentierenden Samen, dann man kann nicht sagen, dass der Samen eines Menschen ein wirklicher Mann schon sei.
In denen Mineralien aber werden Endzwecke erreicht durch die bloße Ähnlichkeit, weil das Ferment oder der Samen alle gehörige förmliche Beschaffenheiten, welche er in das Fermentierte einprägt, schon in der Tat in sich hat; dieserwegen auch die Mineralia fast alle, hauptsächlich aber die Metalle, die Natur und alle Teile derer Homogenen-Wesenheiten behalten, nach Verhältnis ihres ganzen; diese Forme oder Gestalt aber bringen sie, durch die Zufälle nach denen zweien ersten Absichten ihrer Multipliklation, verschiedentlich angetan hervor; wegen der unterschiedliche Disposition des Merkurs, den sie zu sich genommen haben, welche sehr veränderlich ist.

Biß hieher haben wir von der ersten Schöpfung gesprochen, wo du gesehen hast und merken konntest, in der Einheit die gedritte Physik; in der Dreizahl, die Einheit, die Fruchtbarkeit in zweien; in dem Triangel, das Viereck, den Mittelpunkt in seinen Umkreis, und der Umkreis der mit seinem Umkreis der mit seinem Mittelpunkt im Gevierte steht; die Vierung des Circuls und den viereckigen Circul; den Septenarium vom Triangel und Viereck; den Decadem oder zehnte Zahl, aus dem Septenario (Siebenzahl) und Triangel (Dreieck) und andere dergleichen Sinnbilder der Kabbala, welche weiter zu erklären und zu applizieren ich nicht für nötig finde. Nun kommen wir wieder zur zweiten Schöpfung. Lebe wohl. Vier und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!
Allen also erschaffenen Dingen, da sie mit allen ihren Eigenschaften versehen, und ein jedes in seine Ordnung und Region gesetzt war, gab Gott ein Gesetz insgemein, welches wir mit seinem eigentlichen Namen die wirkende Natur nennen, damit keines niemals müßig und kraftlos verbleiben sollte, sondern im Gegenteil beständig nach dem Sin und Inclination ihrer wesentlicher Forme wirken und sich bewirken lassen mussten, nach dem Maas und der Abwechslung der Wirkungen und Leidenschaften, nämlich die, oberste Körper in die Mittlere, die Mittlere wieder in die unterste, das ist in die letztere Mixta (gemischte) derer dreien Reichen, damit durch diese Arten, die einem jeden Reich gehören, die Geschöpfe derselben nach allen ihren Klassen, in sich selbst und durch eine ihnen eigentlichen Weise bis an das Ende aller Jahrhundert, allzeit eine neue Hervorbringung der Dinge, derer hervorgebrachte Vermehrung und derer abgegangenen Ersetzung entspringe.
Dies ist der Ratschluss der ewigen Allmacht, damit das ganze dieser Welt und zugleich aller verweslichen Dingen durch ihr immer währendes Abnehmen nicht vor dem gesetzten Ziel aufhöre und vernichtigt werde. Außer diesem allgemeinen Gesetz, hat Gott einer jeder Art Geschöpfen noch ein anders gegeben zu seiner Erhaltung und Vermehrung, welches wir die eingeprägte und eingeschaffene Natur (Naturam naturatam) nennen, durch dessen Hilfe das Untere mit dem Obern nicht allein harmoniret, sondern auch zu beiderlei Wirkungen das Untere das Seinige mitgibt. Der Herrscher dieser eingeschaffener Natur ist der Archaeus. Also durch Hilfe des Anblasens derer aller universalesten Ursachen, das ist des Himmels und des Gestirns, zeugen und multiplizieren oder vermehren die Elementen alltäglich den Schwefel, das Salz und den Merkur; diese, das Menstruum und Welt Samen, diese hinwiederum den Universalgeist; der Universalgeist die untere Samen und Menstrua und die Kreaturen jedes Reiches, welche endlich ihre Art selbst vermehren, ausgenommen die Mineralia, welche dieses ohne Hilfe der Kunst nicht tun können. Dies war die kurze Erklärung der zweiten Schöpfung. Lebe wohl.

Fünf und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Ehe wir von denen Regeln und Lehren der Kunst sprechen, so ist zum voraus etwas von ihrer Absicht und Vermögenheit, nach denen vorgesagten Lehrsätzen zu wissen nötig. Erst die Absicht der Kunst, ist die Natur oder natürliche Produktion zu vollenden; dieses ist das Amt der Kunst und geschieht auf zweierlei Wegen; zuerst: da sie der Natur zu Hilfe kommt, oder, dass sie den gewöhnlichen Entzweck der spezifizierten Vollkommenheit in denen hervor gebrachten Dingen erlange, nach, welcher Art ein Ding auch geschaffen sein mag nach seinem nötigen Grundsatz; das ist, dass es die vollkommene Gestalt erhalte, zu, welcher es anfänglich ausersehen war, wofern es nicht durch zufällige Hindernissen gestört worden; als zum Beispiel: Man sieht öfters, dass ein Hühnlein aus einem schon angebrütetem Ei durch die künstliche Hitze kann hervor gebracht werden, wenn ihm die brütende Huhn weg gekommen ist; dergleichen müssen viele andere Dingen die die Natur nicht vermögend ist weiter zu bringen, durch die Kunst vollkommen gemacht werden: oder muss ihr darinnen geholfen werden, dass die Geburt derer Dingen befördert werden, damit sie ans Licht kommen vor der sonst gewöhnlicher Zeit; dieser geschickte Endzweck der Kunst gehört doch nicht zu denen mineralischen Operationen; weil es denen Mineralien weniger anständig ist, als denen zwei anderen Reichen.

Zweitens: mit und durch die Kunst wird ein nach seinem ordentlichen Perfectionsgrad vollkommenes Werk, zu größeren Vollkommenheiten gebracht und das auf zweierlei Weißen. Erstlich ohne Veränderung der Art, sondern nur durch Erhöhung der innerlichen Kraft, dann Gott hat einem jeden Ding außer seinen gemeinen spezifizierten Perfectionsgrad auch noch andere ungewöhnliche fast unzählbare Perfectionsgraden gegeben: hauptsächlich in denen vegetabil- und mineralischen Familien, welche doch die Natur ohne Hilfe der Kunst nicht erlangen kann, wie im ersten Kapitel öfters ist erwähnt worden, wie zum Beispiel das Brot, durch den Sauerteig in die Höhe getrieben, und vom Becker in seine Vollkommenheit gebracht wird, oder wann eine Rebe aus einem magern Grund in einen fetten und von der Sonnen wohl beschienenen gesetzt wird, so findet sich, dass durch das innerliche Wachstum der Rebe, die Trauben auch in ihrer eigenschaftlichen Proprietät und Grad ihrer Kraft erhöht werden.

Diese Art steht dem mineralischen Reiche vor denen anderen an, und ist der schon erwähnte erste Termin seiner Multipliklation, welcher durch Vermehrung des Samens geschieht, und kann auf keine andere Art vor sich gehen; doch ist sich in Acht zu nehmen, dass man nicht durch die Erhöhung der eigentlicher Tugend und Kraft, die Vereinigung und Zusammenziehung der zerteilten Kräften verstehe, wie zum Beispiel der Weingeist; da er aus dem Weinstein Salz oder seinem eignen Phlegmate durch die Destillation gezogen wird, viel schärfer und wirkender zu sein scheint, ungeachtet dennoch ihm dadurch keine mehrere Tugend mitgeteilt wird, als er vorher hatte; sondern seine zerstreute Teile werden mehr vereinbart und genauer zusammen gezogen durch die Scheidung derer ihm zuwider seienden Exkrementen, welche nicht wesentlich, sondern nur gewandtsweise mit dem Weingeist vermengt waren; daher er also ehender und leichter seine Wirkung, da er zu leidende Objecten gebraucht wird verrichtet, ohne einen größeren Grad in seiner Tugend zu erreichen, oder etwas über seine natürliche Kraft tun, und seine eigene Art vermehren zu können; die Unwissenheit dieses betrügt fast alle Liebhaber der Philosophie, da sie mit vielen Arbeiten die Metalle und Mineralien plagen, die mit dem Weingeist hierin einerlei Schicksal haben: weil sie glauben dadurch ihre Kräften und Tugenden zu erhöhen um außerordentliche Dingen zu tun, und ihre Art zu vermehren: die zufällige Veränderung derer sinslichen und äußerlichen Qualitäten, ist auch nicht für das Wachstum der vorgedachten innerlichen Tugend anzusehen, maßen durch Beisetzung widriger Dingen von allerhand Arten, nur die Gestalt und nicht die Natur eines Dinges verändert, oder die Wirksamkeit und Stand der wesentlichen Formen verstört wird: hierin stecket der Irrtum, oder besser zu reden, der Betrug aller Sophisten. Die andere Verwandlung ist: wann eine geringere Art in eine höhere gebracht wird, welches auch auf zweierlei Wege geschieht. Erstens: durch die Vermittlung und Kraft des Universalagentis; dass ist eines Minerals, welches so in seiner Tugend nach dem vorbesagten Endzweck seiner Vermehrung selbst vermehrt ist worden, dass es niedrigere und geringere Arten in einer unendlich größeren Zahl, als es selbst ist, alle verwandeln und sich gleich machen kann; so, dass der aller kleinste Teil des Agentis, in einem Augenblicke eine außerordentliche Quantität des ihm beigebrachten Subjects verwandele, welche Wirkung dem philosophischen Stein allein zukommt, und der letztere Endzweck der Vermehrung ist.
Zweitens: durch Kraft eines Partikularagentis, dessen Tugend in ein oder wenige ihm zugesetzte Teile gebracht wird, und die selbige nach, oben angezeigter Art, oder auf eine andere, davon noch soll gesprochen werden, verwandelt, welches die Wirkung der einfachen Verwandlung ist.

Aus diesem allem erhellet, dass die Alchimie oder die Kunst Gold zu machen sich in zweie Teile: in die Universal und Partikulare.
Die Universale übt sich mit Zubereitung des Universalagents, oder des Samens des Goldes und Silbers, dessen Zueignung und Gebrauch.

Die Partikulare geht auf die Bereitung derer Partikularagentium und ihren Gebrauch; nach, welchem zweifachen Punkt wir dieses Kapitel auch in zwei Teile einteilen werden wie das vorige. Lebe wohl.

Sechs und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der Gegenstand der Universalallchimie ist dasjenige Agens davon, oben ist erwähnt worden, zu bereiten und zu vollenden, dessen Wesen vorher nötig ist zu kennen, ehe man zu seiner Bearbeitung schreitet. Dieses ist seine Beschreibung.
Das Agens, welches der Philosoph zur Verwandlung aller Metalle gebrauchet, ist Gold oder Silber, der Stein der Weisen aber ist ein vermehrtes Gold oder Silber, zwar nicht nach der Quantität, sondern nach dem Samen, der in seiner innerlicher Tugend oder Wirkung seiner wesentlichen Forme aufs höchste ausgedehnt ist, durch die Arbeit der Natur und Handreichung der Kunst, dessen ein der kleinesten Teilen wegen überflüssiger Tinktur oder Samen vermögend ist einen sehr großen Teil eines anderen Metalls, die Gestalt des Goldes oder Silbers wesentlich mitzuteilen, und sich selbst zu vergleichen durch eine sehr geschwinde Wirkung.
Diese Beschreibung ist ganz richtig: dann dieses Agens hat die Natur des Goldes und Silbers und die nächste Unterscheid derselben, nämlich die Vermehrung des Samens und Kraft doch nicht nach der Quantität; daher es sowohl von dem einfachen Gold oder Silber unterschieden wird, im Stand ihrer gemeiner mineralischen Ordnung, als auch von eben denen anderen animalischen, vegetabilischen und mineralischen Dingen, die nach der Quantität vermehrt sind, als auch vermehrt werden können; und endlich unterscheidet sich dies Agens auch von denen Partikularagentien durch seine Transmutationskraft, da es eine viel größere Menge des Metalls als es selbst ist verwandelt, welches kein Partikular so nur gleich viele, auch wohl weniger oder wenige über seine eigene Quantität eines anderen Metallsteile transmutiert tun kann.

Dass das Gold oder Silber der Stamm des Steins oder vorgedachten Universalagentis sei, ist aus diesem offenbar, dass es die unvollkommene Metalle in Gold oder Silber verwandelet; dieses also zu verrichten, muss es unumgänglich die Natürliche und wahre Wesenheit des Goldes oder Silbers in sich haben, dann es nicht geben und mitteilen kann, was es selbst nicht hat. Sage aber nicht: dass aus des Lehre des ersten Kapitels abzunehmen sei, dass der Stein der Weisen der Samen des Goldes und Silbers sei, und nicht die Wesenheit gedachtes Goldes oder Silbers: weil zum Voraus darauf ist geantwortet worden; da gesagt ist: dass alle Teile derer Homogenen Körpern die nämliche Natur und Beschaffenheit haben als das Gänze; dieser wegen der Samen des Goldes auch förmlich Gold ist wie auch der Vitriol der aus allen Metalle gezogen wird ebenfalls ihr Samen ist, denn er von denen Metalle nur zufälliger Weise sich unterscheidet, durch die Verminderung einiger seiner nicht wesentlichen Qualitäten, als der Flüssigkeit und Geschmeidigkeit, wie auch nicht durch die Anstrengung derer wirklich wesentlichen Eigenschaften, sondern aber nur der Wirksamkeit. Man sagt absonderlich, dass der Stein Gold oder Silber sei, weil der Stein zweierlei ist, der eine zum Gold, der anderen zum Silber machen.

Ob wohl mit dem Agens so zum Gold machen bereitet worden ist, auch Silber kann gemacht werden, wie anderswo soll gesagt werden. Will der Künstler das erstere machen, so muss das Subject seiner Operation Gold sein, damit der Stein den er macht, die wirkliche Forme des Goldes einprägen könne; will er aber das zweite machen, so muss er das Silber erwählen, damit der Stein seine Silber-artige Forme mitteile, nach unserem vorgesetzten Hauptsatz: dass man nicht geben kann was man nicht hat.
Ob wohl es Ursachen gibt, die Wirkungen hervor bringen, die ihnen ungleich sind, dass also daraus geschlossen wird, dass man nicht notwendig Gold haben müsse, um Gold zu machen; so hindert uns doch das gar nichts, weil dieses nur in denen Universal- und gleichstimmigen Ursachen statt findet, die zu viele Verrichtungen bestimmt sind, wie die Himmel und Sterne bezeugen: Mit denen Partikular- und einstimmigen Ursachen aber, welche notwendig sich selbstständige und gleiche Wirkungen hervorbringen, und nur durch Kraft des spezifizierenden Samens arbeiten, wie in unserem Werk, verhält es sich ganz anders.

Dass also der Stein Gold oder Silber sein müsse und zwar kein einfaches, sondern nach dem Samen und nach der innerliche Kraft seiner wesentlichen Forme, erhellet daraus, dass es nicht alle Arten von Metalle die in ihrer Vollkommenheit sehr von einander unterschieden sein, eines so leicht als das andere sich gleich machen, auch nicht nach dem nämlichen Gewicht über sein eigenes, in sich verwandeln kann: wo es nicht nach dem größten Grad seiner Kraft, die Mängel derer anderen Metalle überträfe. Dann die Verwandlung geschieht in Vergleichung des Übergewichts, sagt Aristoteles, und noch mehr die Wahrheit selbst: Also hat des einfachen Goldes- oder Silberskraft und Qualität, nicht dieses Übergewicht, in Rücksicht anderer Metalle, weil der Widerstand derselben, wohl der meisten, die Wirksamkeit des einfachen Goldes oder Silbers in vielen Graden übertrifft. Wollest du mir entgegen setzen, dass das Gold oder Silber doch einige geringere Metalle verwandeln könnten, weil ihre Wirksamkeit etlicher Widerstand übertrifft, welches nicht zu verneinen; so antworte ich mit Unterschied: ich lasse es gelten, wenn du von der Partikularverwandlung, die nicht eigentlich eine Vermehrung oder Erzeugung ist sprechest, dann es nicht uneben ist, diese Verwandlung anzunehmen. Und in der Tat, es ist die Verkehrung der Speise in das Wesen wie in Vegetabilien und Animalien, dessen die Mineralien auch fähig sind, selbst nichts anders als eine wahre Verwandlung; sie ist aber nur Partikular, und geschieht nicht Erzeugungsweise, durch Kraft des Samens, und geht auch nicht auf die aller größte Quantität des zu verwandelnden Dinges: Wo du aber die Universalverwandlung verstehest, so verneine ich es ganz und gar: die Ursache dessen ist, dass gesagte Generalverwandlung drei Dingen in seinem Agente erfordert: wie aus dessen Beschreibung zu ersehen ist.

Erst: dass es mit gleichem Recht alle Metalle (obwohl nicht alle nach dem nämlichen Gewicht) verwandeln könne.
Zweitens: dass die aller kleineste Quantität des Agentis, einen überaus großen Klumpen anderer Metalle verwandeln könne. Drittens: dass es seine Wirkung in wenig Stunden, oder wohl Augenblicken, und zwar durch die bloße Application und Einführung seiner größten Eigenschaft die nur immer im gemeinen Gold sein kann, in Rücksicht auf andere Metalle verrichte; dann die Ungleichheit der Quantität hat die Wirkung, (obwohl die Quantität per se nicht wirksam sei,), dass sie die Quantitäten derer wirkenden (agentium) als auch der leidenden (passivorum) Tätigkeit oder Widerstand, entweder vermehre oder mindere, um so viele Grad als die übermäßige oder mängelde Grad des richtigen Gewichts und Proportion haben; und dieses soll nicht innerlich durch die Ausdehnung oder Nachlassung der Qualitäten, sondern äußerlich durch die Vermehrung oder Abnehmung derselben; unerachtet in einigen Dingen die Übermaß, in andere der Mangel, in anderen wieder die Wirksamkeit oder der Widerstand seine Tätigkeit übertreffen wollte; denn niemand sagen wird, dass zum Beispiel zwei Loth warmes Eisen auf acht Grad geglüht, zwei Hundert Loth Wasser so geschwind und wirklich erhitzen werden, dass das Wasser so warm werde als das Eisen war; und es werden zwanzig Loth dieses kalten Wassers, zwei Hundert Loten des gesagten warmen Eisens eben so gut widerstehen als zwei Tausend Loth des erwähnten kalten Wassers. Gehabe dich wohl.

Sieben und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Da wir die Wesenheit des Steins erklärt haben, so folgt aus der Sache, dass wir kürzlich auch seine Ursache beschreiben; dann, ob es wohl scheint, dass man alles aus voriger Beschreibung hätte verstehen mögen; so bleibt dennoch etwas Dunckels, welches noch mehr erklärt sein muss. Und weil zum jeden Werk auch ein Werkmeister sein muss, so werden wir zuerst von der wirkende Ursache handeln: die eine ist die ursprüngliche, die andere ist die Hilfleistende.
Die ursprüngliche ist die Natur selbst, ohne, welche nichts entsteht, so natürliche Beschaffenheiten und Kräften hat; die Kunstreiche Maschinen sind keine eigentliche Hervorbringungen der natürliche Ordnung. Die Hilfleistende ist die Kunst, die nicht sowohl selbst hervorbringet, als nur der Natur zu Hilfe kommt, damit sie Dingen, die über ihre gewöhnliche Kräften und Schränken sind, hervorbringen möge, wie, oben ist erwähnt worden.

Wie aber dieses zu Wege zu bringen sei, wirst du aus folgenden hören. Lebe wohl.

Acht und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Die endliche Ursache ist die zweite in der Ordnung, weil ein jedes Agens wegen einem Endzweck wirket; da es aber wegen einem Endzweck nichts tun kann, es müsse ihn denn kennen, so ist uns vor allen Dingen nötig davon zu handeln.
Der Endzweck also ist zweifach, der nächste und der entfernte oder letztere, der nächste ist der zuvor gesagte mineralische Multiplications-Termin, als die Zubereitung des verwandelnden Universalagentis, oder die Vermehrung des Samens, des Goldes oder Silbers.
Der entfernte ist die Verwandlung selbst, in, welcher der letztere Termin gesagter Vermehrung ist.
Die exemplarische Ursache kommt ihnen nächst bei, weil die Kunst keine eigentliche Arten zu arbeiten hat, was die natürliche Produktionen zu befördern anlanget, sondern fremde, so muss man sie allerdings vorher kennen, ehe man zur Arbeit Hand anleget. Die Arbeit der Natur in ihren Produktionen ist ein Muster, welchem nachzuahmen ist, zur Erlangung der vorgedachter Vermehrung.
Es ist wohl zu erwägen und nochmals kürzlich zu wiederholen, aus dem was im ersten Kapitel ist gesagt worden, wie die Natur wirke, nämlich mit solvieren und coagulieren, sie solviert aber nicht durch Hilfe des wirklichen und gewaltsamen Feuers, weil es ehender destruiert und unfruchtbar macht als solviert; sondern durch Wirkung des mercurialischen Wassers und den Eindruck des Natursalzes; das ist, durch Hilfe unseres lebendigen Merkurs, welcher vermittelst des ihm beigemischten Salzes, die Salia aller Körpern durchdringt und das Band derer physicalischen Teilen auflöst durch Absonderung der Teilen.
Gesagte Natur coaguliert aber den nämlichen Merkur mit dem gesagten Samen und Schwefel des solvirten Körpers, durch Wirkung des Feuers; nicht aber des Elementischen und Corrosiven, sondern des zentralen, so in dem innersten des Schwefels besteht, welches sie durch die äußere Hitze der Sonnen und Sternen oder des elementarischen Feuers zum wirken bewegt. Dieses sei von der Exemplar-Ursache genug. Lebe wohl.

Neun und zwanzigster Brief.

Wertester Bruder!

Nach der exemplarischen Ursache, begegnet uns die Materialistische; weil, nachdem der Künstler zuerst das Vorbild und Muster seines Werks genau erwogen, er die Materie ergreifet, aus, welcher er ein Werk machen muss, nach Gleichheit des Musters.
Es ist schon genug bewiesen worden, dass Gold und Silber die Materie des Steins seien, die weil sie vor den Stamm und Subjectum des Steins, der ihre Gestalt annehmen muss, sind angezeigt worden:, ob aber gesagtes Gold und Silber ganz oder nur zum Teil die Materie seien, ist noch nicht genug erklärt worden. Die Ursache warum wir hier setzen, dass sie die wirkliche und ganze Materie nicht ausmachen, sondern nur zum Teil; ist wie weiter, oben gemeldet worden, dass die Verfertigung des Steins der erste Endzweck der mineralischen Vermehrung, der vollbracht wird in der Vergleichung eines Dinges mit dem Samen des Goldes und Silbers: Also muss noch etwas anders für die Hauptmaterie des Steins außer Gold und Silber erkannt werden: diese andere Materie kann alsdann nichts anders sein, als unser Universalgeist aus unserer Magnesia (ich habe anderswo erklärt was Magnesia sei.) gezogen, weil die Materie, aus, welcher der Samen des Goldes, damit Gold daraus gezeugt werde, vermehrt wird; notwendiger Weise dem Gold und Silber homogen sein muss, denn aus Heterogenen Teilen können keine Homogene gezeugt werden, so wie das vermehrende Gold sein soll, und aus Mäusen Samen werden keine Menschen gezeugt. Sollte uns vorgeworfen werden, dass wir anderswo ein widrige (Heterogene) Partikular-Transmutation angenommen haben; das ist die Verwandlung der Speise eines Tiers oder Krauts in das Wesen eines anderen Tiers oder Krauts, welches auch im mineralischen Reiche angeht.

So antworte ich: dass eine solche Verwandlung keine Zeugung oder Vermehrung im eigentlichen Verstande sei; weil sie nicht durch Kraft und Wirkung des Samens geschieht, und, dass es nur der dritte Termin oder die Erfüllung der Vermehrung eines schon gezeugten Wesens, davon weiter, oben Meldung geschehen ist; weil es durch Hilfe des Dampfes einer wesentlichen Forme sowohl in denen Mineralien, Vegetabilien als Animalien geschieht.

Werdest du aber beharren und mir sagen, dass aus unterschiedlichen Tieren doch eine Frucht herkomme, wie vom Pferd und Maultier, und so von vielen anderen; so antworte ich dir: dass dergleichen Junge allzeit sich ausarten und nicht die nämliche Art des Vater und Mutter haben; daher sie ihre Art nicht fortpflanzen.

Vielleicht findest du noch weitern Anstand und werdest sagen: Gesetzt, dass diese zweite Materie dem Gold oder Silber homogen sein müsse, so folgt doch nicht daraus, dass unser Merkur allein vor diese zweite Materia zu halten sei, weil es andere Dingen gibt die eben sowohl, ja noch mehr ihnen homogen sind, als dieser Merkur; und ist in der Tat dem Gold und Silber nichts homogener als das Gold und Silber selbst, nebst ihren Anfängen: Aber, mein lieber Bruder! hier ist die Antwort und Auflösung sehr leicht aus der Untersuchung des Pagesi Schriften zu geben; nämlich, dass es zwei Arten der Homogeneität gäbe, die eine ist des Anfangs oder Urstandes, da eins dem anderen anständig ist und eine Übereinstimmung mit der Materie hat, aus, welcher zuerst eine Sache geworden ist, und eine gleiche gründliche Füglichkeit hat dieselbe Gestalt anzunehmen, wie zum Beweis, der Samen eines Hundes dem Hunde homogen ist, weil er die nämliche Natur mit demjenigen Samen gemein hat, aus, welchem der Hunde geworden ist, und dabei eine gründliche Füglichkeit hat, die Gestalt eines Hundes mit der Zeit anzunehmen; dieses ist die Art der Homogeneität, welche in unserer zweiten Materie der ersten gleich sein muss, nämlich dem Gold und Silber, und die findest du nirgends, außer in unserem Merkur.

Die andere ist die Homogeneität des geurständete, durch, welche nämlich etwas mit einem anderen übereinstimmt, dergestalt und Natur nach, wie das Gold sich homogen ist, und diese Homogeneität wird in der zweite Materie des Steins nicht verlanget, sondern sie widersteht seiner Absicht, weil das Ferment und das zu Fermentierende einerlei Grad der Forme hätten, und würden nicht ausdrücklich von einander unterschieden sein, welches doch notwendig sein muss: denn das zu Fermendierende muss eine Gestalt erlangen die es nicht vorher hatte. Wann du endlich nicht werdest weiter können, so werdest du sagen: dieses ist von dem Gold und Silber wahr, wo es in seiner völliger Körperlichkeit verstanden wird, doch nicht von seinen Anfängen; aber es ist das nämliche, ob es von dem Teil oder von dem ganzen verstanden und genommen wird, das ist von einem destruirten schon geurständeten Wesen, weil die Anfänge oder Principia ohnehin nimmermehr so weit zu scheiden sind, dass sie in ihr voriges einfaches Wesen wiederum gesetzt werden, und ihre Hauptgestalt völlig ausziehen, deswegen kommt die nämliche Schwürigkeit immer wieder, ungeachtet sie zum andermal könnten abgeschieden werden, so ist es doch noch nicht gegen uns, weil sie durch ihre Übereinstimmung den Grad der Homogeneität der Anfängen den wir haben wollen, nicht behalten. Überdies so mussten diese, auf, welche Weise es nur wolle, geschiedene Anfänge wieder in den vorigen Körper gebracht werden, eben so zertrennlicher oder wenigstens spezifizierter Weise, welches nach der Natur unmöglich, dann er wäre also eine Wiederkehre von dem nicht haben zum haben, und wird niemals jemand sagen, dass die geschiedene natürliche Teile einer Wesenheit wiederum in nämlichem Gewicht und Maaß derselben Wesenheit können ersetzet werden, den Menschen ausgenommen, dessen Forme gar nicht von der Art derer Materialistischen Formen ist. Lebe wohl.

Dreißigster Brief.

Wertester Bruder!
Nun haben wir von dem Werkzeuge zu sprechen, dann wir die Formen und Gestaltsursachen in ihren Beschreibungen und Erklärungen sattsam erwiesen haben.
Das Werkzeuge wie auch die wirkende Ursachen sind zweierlei, nämlich das Werkzeug der Natur und der Kunst. Das Werkzeuge der Natur ist wieder zweierlei: das erste ist das Wasser so zu der Solution gebraucht wird, welches kein elementarisch Wasser ist, sondern der zur Materie des Steins gehörige angezeigte Merkur, mit diesem Unterschied, dass wo er zum Auflösmittel oder Solvens angegeben wird, ihm alle seine schmierige und irdische Teilen müssen abgenommen werden, durch wiederholte Retificationen, damit es die Poren des Goldes durchdringe, und mit dem Vitriol oder Salz des Goldes sich gütlich vermische und vermittelst seiner homogenen Feuchtigkeit, ihre homogene Teile solvire und zertrenne, wie das Wasser das Eis solviret: wann es aber nicht von seiner Irdischkeit geschieden wird und von seiner Schmierigkeit, so machen dieselbe das flüchtige Salz, in, welchem die Solvirkraft ist, stumpf. So es aber vor die Partikularmaterie des Steins genommen wird, so braucht es nicht so viele Rectificationen.

Das zweite Werkzeuge ist das Feuer, so auch zweierlei ist.
Die erste Art ist das Zentralfeuer oder die eingeborene Wärme, so die Kraft derer Fermenten bewegt und den Merkur in allen Teilen digeriert und coagelirt; dieses Zentralfeuer hat in sich vielerlei Grad der Wärme, nachdem seine wirkende Eigenschaft die Qualitäten derer anderer Materien übertrifft, diese vier Grad werden durch eben so viel Farben angezeigt, nämlich durch die schwarze, grüne, weise und rote, welche die vornehmste sind.
Die zweite Art ist das wirkende Feuer, so das zentrale erwecket und unterschiedliche Grad in denen Zubereitungsarbeiten erfordert: in der Coagulation aber erfordert es nur einen, weil alles was etliche Autoren von vier Grad geschrieben haben, die in der Regierung des Feuers notwendig wären, von dem Zentralfeuer zu verstehen ist. Diese werden Naturwerkzeuge genannt, weil sich die Kunst derselben nicht eigentlich bedienet, sondern sie ordnet sie an wie sie die Natur gebraucht.

Nun wollen wir von denen Werkzeugen der Kunst auch sprechen. Lebe wohl.

Ein und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Die Werkzeuge der Kunst sind Gefäße, Öfen, die in zwei Ordnungen eingeteilt werden.
Der erster Ordnung ihre sind diejenige, die zu denen Vorbereitungs- Operationen gehören, und werden auch in zwei Klassen eingeteilt.
Zur ersten Klasse gehören die, die zur Präparation des Solventis, und sind derer dreierlei Arten.
Zur ersten gehören die Gefäß, nämlich das Glas, wodurch unsere Magnesia destilliert muss werden, damit der lebendige Merkur aus derselbe erlangt werde; und der Recipient der daran zugesetzt ist, diese beide dienen auch in denen Rectificationen.
Zur zweiten gehört der Ofen, mit Aschen oder feinen Sand zu destillieren. Zur dritten die Materien die der Destillation helfen, als alle baumwollene Gewand, die die Aufsteigung der bläßtigen Magnesia verhindern.
Die Werkzeuge der zweite Klasse sind die, die zur Zerknirschung und Präparation des Goldes oder Silbers, diese sind von drei Gattungen.
Zur ersten gehören alle Schmeltztiegel, langhälsige Phiolen und die zum säubern nötige Schüsselgen.
Zur zweiten gehört der Calcinirofen, oder des freien Feuers.
Zur dritten die Materien die zur Zerstörung oder Kalzination des Goldes und Silbers mit Hilfe des wirkenden Feuers, gehören, nämlich die korrosivische Gewässer, oder das gemeine Quecksilber oder Spießglas, denn es gleichviel ist, wessen sich der Künstler bediene, damit er nur eine wahre Zerstörung herausbringe, und den Kalk von allen Corrosiven säubere, durch vielerlei Waschungen und Reverberationen, welche Kalzination und Säuberung allerdings notwendig sind: dann sonst unser lebendiger Merkur die versteckte Schlupfwinkel des Goldes- oder des Vitriolssamen des Goldes oder Silbers nicht eröffnen kann. Lebe wohl.

Zwei und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Die Instrumenten der zweiten Hauptordnung sind die, in, welchen die Kochung oder Congelation des Steins verrichtet wird, und bestehen in dreierlei.
Erstens ist’s ein eiförmiges Glas, in, welchem beide Materien des Steins müssen zusammengesetzt werden, nämlich unser lebendiger Merkur und der Vitriol des Goldes oder Silbers nach ihrer gehöriger Proportion wie angezeigt soll werden, wo in Acht zu nehmen ist, dass niemals über den dritten Teil des Eies soll voll gemacht werden, und dabei die Öffnung mit dem Hermetischen Sigill verwahrt sein muss.

Das zweite ist ein Aschengefäß, in, welchem das philosophische Ei soll eingegraben, und mit einem Finger hoch Aschen umgeben werden, mit einem hangenden Dreifuß.
Das dritte ist der Ofen des Steins, oder Athanor mit allen seinen Zubehör, denn es ist gleich viel wie der Ofen auch sei, wenn er nur eine sehr gelinde, beständige, überall und auf allen Seiten des Eies gleiche Wärme gäbe. Lebe wohl.

Drei und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Da wir alle diese Dingen erklärt haben, so folgt nun ihre Zueignung und die Art sie zu gebrauchen, dessen zwei sind.
Die erste ist die Zahl und Erklärung der Arbeiten.
Die zweite ist ihre Übung.
Alle Operationen, obwohl sie nach ihrer Ordnung aus unseren zwei letzteren Briefen könnten zusammen getragen werden; sollen dennoch Stück vor Stück von uns erwogen werden, weil wegen ihren Umständen noch etwas zu verlangen wäre.

Es sind derer zwei hauptsächliche, wie im Artikel von dem exemplarischen Ursachen angedeutet worden: nämlich: Solution und Coagulation, diese aber haben noch viele mittlere, oder zur Präparation gehörige, die ihnen nachgesetzt sind, wie die Mittel dem Ende, und sind ihrer zweierlei Gattungen. Die erste Gattung die beschrieben wird, die Solution zu machen, teilt sich auch wieder in dreie.
Von diesen ist die Präparation unseres Solventis, oder Destillation und Rectification unserer Magnesia die erste.

Ich sage Destillation und Rectification, weil die Scheidung der dreien geurständeten Anfängen des Salzes, Schwefels und Merkurs von einander, und ihre wieder Zusetzung, welche etliche gerne Chimistes haben wollen, nicht alleine unnütz, sondern auch schädlich ist, weil zur Solution des Goldes oder Silbers nur das flüchtige Salz, welches einen mercurialischen Teil in sich begreifet nötig ist, und das Fixesalz und der Schwefel der Magnesia die Solution verhindern wegen ihrer Fettigkeit und des Metalls Fixität, also findet sich hierin ihre Untauglichkeit.

Das zweite ist des Goldes oder Silbers Reinigung und Kalzination, dessen Werkzeuge du, oben gesehen hast, die müssen notwendig gebraucht werden, damit der zerknirschte und subtil gemachte Körper des Goldes oder Silbers durch die phisicalische oder natürliche Solution umkomme, und sein Vitriol oder Sperma und Samen den es hat, von sich gebe.

Das dritte ist die Beifügung des Solventis, dem dazu bereiteten Gold oder Silber durch die elf Grad, als elf Gran des Goldes- oder Silbersamens gehalten werden. Der zweiten Gattung sind diejenige, die die Kochung und Coagulation angehen, und haben zwei Einteilungen.

Derer ersterer sind alle, die des Künstlers Handarbeit erfordern, nämlich die Zusammensetzung des philosophischen Eies in einer zehnfachen Proportion des Merkurialwassers, das Eiklar vorstellend mit einer einzigen des Goldes; in so ferne du auf Gold arbeitest, oder vier Teile des Merkurs mit einer einzigen des Silbersamens den Dotter vorstellend, diese Proportion ist hauptsächlich in Acht zu haben, denn in derselbe das Gewicht, die Zahl und Maas der Natur liegt; und endlich die Setzung dieses Eies in den Ofen der Kochung nebst der Bereitung des wirkenden Feuers.

Zu der zweiten Einteilung gehören alle die Arbeiten, die sich natürlich und perse in dem Ei verrichten; wie, oben die Dispositionen die ohne Hand anlegen des Künstlers geschehen, als die natürliche Zerstörung, die Mischung, die Sublimation, Inceration, Imbibition, und andere mehr die von denen Autoren sind beschrieben worden, aber alle von denen Schülern in diesem Stück verkehrt verstanden worden, da sie sie der künstlichen Arbeit und Fleiß zuschreiben; von diesen allen ist die Fixation die letzte Arbeit, welche den Stein in zehn Monaten ungefähr vollendet; fernerhin werden wir die Vermehrung abhandeln. Lebe wohl.

Vier und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Nach Verfertigung des Steins, so bleibt nichts mehr zu tun übrig als seine Vermehrung in die Unendliche, welche auf nämliche Art und durch eben solche Operationen als der Stein selbst vollbracht wird, nur mit dem Unterschied, dass anstatt des solvirten oder aufgelösten Goldes oder Silbers, des perfekten Steins genommen wird, in nämlicher Maaß als man des Goldes oder Silbers zur Verfertigung des Steins angewendet hatte: Es ist auch der nämliche Merkur hierzu zu nehmen, aber seine Quantität wird in der Vermehrung des Steins doppelt genommen: dann es werden desselben zuerst nur zehn Teil genommen, zu einem Teil des perfekten Steins, und da wird die Arbeit im zehnten Teil der Zeit kürzer fertig als in der erster Ausarbeitung des Steins, nämlich in dreißig oder vierzig Tagen, wo aber das schon vermehrte Werk abermal sollte multipliziert werden, so wird es wieder mit dem nämlichen Gewicht der Materien als zuvor, wieder um den zehnten Teil der Zeit kürzer ausgemacht, nämlich in dreien oder vier Tagen, und also ist das zu verstehen was von dem dreitägigen Werk geschrieben ist worden. Die Quantität des Merkurs wird auch nach der zehnteilige Proportion vermehrt nach der zweiten Art, so, dass wie in der Ausarbeitung des Steins, oder in der vorige Vermehrung nur 10. Teil desselben sind genommen worden, man in dieser zweite Vermehrung 100. Teil nehme, und wo sie wiederholet wird man tausend Teil nehmen und so fort, alsdann erfordert die Vollendung dieses Werks so viele Zeit als die erste Ausarbeitung des Steins.

Auf, welche Art nun die Multipliklation oder Vermehrung des Steines geschehe, so wird sie nicht sowohl durch Vermehrung des Klumpens als der zehnfachen innerlichen Tugend und Kraft ausgemacht, so, dass nach der erste Vermehrung ein jeder Teil des Steins der einen anderen Teil des in sein erstes Wesen gebrachtes Goldes oder Silbers zehnmal übertraf, alsdann einen jeden Teil des Steins selbst zehnmal, und einen jeden Teil des Goldes oder Silber-Samens hundertmal übertrifft. Nach der zweite Art der Vermehrung aber, so übersteigt diese hundert- und jene tausendmal, und so fort; die Ursache dessen ist, dass wann die Natur in dem nämlichen Subject an einem wesentlichen Werk arbeitet, sie bei jeder Ausarbeitung außer den vorigen Graden der Perfection allemal noch zehn dazu tut, sie mag hiernach eine neue Wesenheit daraus hervor bringen, oder die sie in der Arbeit hat nur zu verbessern suchen, welches durch vielen natürlichen Beispielen zu erweisen wäre, welches du aber durch deine Betrachtungen werdest vergewissert werden: Nun wollen wir nächstens von dem Gebrauch auch reden. Lebe wohl.

Fünf und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Der Gebrauch des Steins ist, dass er in seiner Kraft muss geschwächt und vermindert werden, durch öftere Eintränkungen des vorbeschriebenen Merkurs oder auch nur des gemeinen, bis er seine rechte Temperatur und Kraftsproportion erlange, er mag zur animalischen oder mineralischen Medizin angewendet werden; sonderlich wann er ist vermehrt worden, denn sonst, weil er die größte Hitze und Trockenheit ist, könnte es leicht geschehen, dass er die natürliche Wärme derer Animalien unterdrücken und die natürliche Feuchtigkeit austrocknen täte, anstatt, dass er denen Animalien ebenfalls zu Hilfe kommen sollte; die Metalle aber täte er zu einem sich selbst gleichen Pulver verkehren, dass in keine metallische Wesenheit mehr zu bringen wäre; anstatt sie in perfektes Gold oder Silber zu verwandeln. Lebe wohl.

Sechs und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Nun kommen wir an die Übung, nehme also von unserer Weißlicht und säuerlicher Magnesia so viel du willst: Tue sie in ein Glaskolben der so groß sein muss, dass nur der dritte Teil desselben angefüllet sei, und nachdem du einen sehr weiten Recipienten werdest wohl anlutiert haben, so destilliere ganz gelinde in einer Sand- oder Aschenkapelle; zuerst kommt ein sehr heller Spiritus, nachgehends ein schwärzlichtes Öl, nach diesem so nichts mehr destillieret, so halte ein und lass erkalten. Zweitens: Nehme deine destillierte Liquores, rectificire sie in neuen Gefäßen drei- oder viermal, damit das schwärzlichte Öl davon komme, und wann mit dem Spiritus ein gelbes oder rotes Öl mit übersteigt, so filtrire den Spiritum, damit das Öl im Filtro bleibe.

Drittens: Teile deinen rectificirten Spiritum in zwei gleiche Teile, davon der eine zur Komposition und Fertigmachung soll aufbehalten werden; den anderen aber rectificire abermals so oft bis keine Fäces mehr bleiben, und so scharf gemacht werde als nur der stärkste Weingeist oder das gemeine Vitriolöhl sein könne; dieses ist des Merkurs Präparation.

Viertens: Nehme reines Goldes oder Silbers eine Unze, amalgammire es mit acht Unzen gereinigtes gemeines Quecksilbers, dieses Amalgamma vermische mit vier Unzen gemeinen Schwefels, in einem Mörsel diese Vermischung verbrenne, in einem Tiegel in einem offenen Feuer von glühenden Kohlen, so wird der Kalk rein zurück bleiben, welcher öfters mit destilliertem gemeinem Wasser muss abgewaschen und zwölf Stunden reverberiert muss werden. Dies ist des Goldes Zubereitung, wo du aber eine bessere wüsstest, so könntest du dich solcher bedienen, weil die Geheimnissen der Kunst hierin nicht stecken: des Silbers Zubereitung aber erfordert nichts als die Kalzination und Säuberung des Kalks, welches unnötig hierher zu setzen ist, weil verschiedene Schriftsteller davon handeln.

Fünftes: Tue deinen Kalk in eine langhälsige Phiol und darauf so viel deines brennenden Merkurs, bis er vier oder fünf Finger hoch drüber gehe, setze alsdann deine nach der Gebühr wohl zugemachte Phiol in die Aschen, in den ersten Feuergrad 24. Stunden zu zirkulieren, so dieses Geschehen, destilliere zwei Teile deiner Materie, und gleich cohobire sie wieder; das ist: tue sie wieder auf die zurückgebliebene Erde, diese Operation wiederhole elfmal; am Ende scheide durch das Abgießen die Solution von denen Kalken die sich auflösen konnten, und destilliere deinen Liquorem von dem aufgelösten Metall, bis das Metall in einer Honigdicke bleibe, etwas härtlicht und roth wo es Gold wäre, aber bläulicht so es Silber ist.

Diese sind nun der Philosophen lebendig Gold und Silber, oder der Samen Goldes und des Silbers.
Die Zeichen einer guten Arbeit sind, wenn in der erste Circulation der Liquor eine goldische gelbe Farbe annimmt, und in denen anderen nach und nach die Röte erscheint, hiernach der Pfauenschwanz oder der Regenbogen auf der Oberfläche der Materie, alsdann ist’s glaubwürdig, dass eine Radicalsolution da ist, so ferne es sich nicht mehr in einen metallischen Körper verkehre. Das ist die Eigenschaft unseres Vitriols der aus denen Metalle gezogen wird, wie unser solvirtes Gold und Silber ist. Sechstens: Nehme einen Teil gesagtes Goldes oder Silber, und des aufbehaltenen Merkurs zehn Teil, so es auf Gold gehen soll; wo aber auf Silber, nur vier Teil: Tue es zusammen in ein gläsernes Gefäß, dass die Forme eines Eies habe, dessen müssen zwei Teil leer bleiben, und sigillire die Öffnung Hermeticè; so wird das philosophische Ei zusammen gesetzt.

Siebendes: Muss das Ei in ein mit Aschen angefülltes Gefäß gesetzt werden, so, dass die Asche einen Finger hoch über die Materie gehe, dieses Gefäß setze auf einen bequemen Dreifuß, in die Mitte des Athanors oder sonstigen Ofen, damit es nur eine sehr gelinde überall gleiche Wärme bekomme bis an das Ende, das ist: bis zur vollkommenen Fixation, die an der dunkel rote Farbe erkannt wird. Nach denen dreien ersten und dazwischen gekommenen vielfältigen Farben, wenn der Stein auf Gold sein soll, oder an der Weise des Schnees wo er auf Silber gemacht ist. Die Erfahrung alleine wird dich lehren, wie stark der Grad des Feuers sein muss, denn es lässt sich nicht beschreiben und der Geschickteste kann noch fehlen. Die Zeichen aber der rechten Temperatur sind zu merken bei der Ankunft derer gesagten vier Farben, bei jedem viertel Jahr oder mit Abwechslung aller Mittelfarben bis zur dunkelsten Röte, welche der Termin der vollkommenen Fixation ist, und nicht eher als mit Ablauf des Jahres erscheint. Lebe wohl. Sieben und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Der Gebrauch dieses ist zuerst zur Medizin derer Animalien, zerlasse ein Gran des einfachen Steins in hundert Gran des nämlichen Merkurs, woraus der Stein ist gemacht worden, oder auch eines anderen Liquoris, welches der Beschaffenheit der Krankheit und des Temperaments zuträglich ist, davon gebe deinem Patienten die gerechte Portion. Wäre aber der Stein schon einmal vermehrt, so müsste es in tausend Gran des Liquoris zerlassen werden; ist er aber zweimal multipliziert worden, so nehme zehn tausend Gran der Feuchtigkeit zu seiner Auflösung, und so folgendes.
Zweitens: Zur Verwandlung der Metalle nehme einen Teil des einfachen Steins, und zehn Teil des gesagten Merkurs, nicht des gemeinen Quecksilbers, ist der Stein einmal multipliziert, so nehme des Merkurs hundert Teil, ist er aber zweimal erhöhet, so musst du des Merkurs tausend Teil nehmen, trockne sie im Feuer mit einander ab, zuerst gelinde, und zuletzt stärke das Feuer, damit die Konsistenz des Steins wieder heraus komme, dieses imbibieren und abtrocknen wiederhole so oft, bis ein Teil des Steins, zehn Teil des gemeinen Quecksilbers, zwanzig des Bleies, dreißig des Zines, fünfzig des Kupfers und hundert des Silbers in vollkommen fein Gold verwandele, wenn der Stein auf Gold gerichtet ist; wo er aber auf Silber wäre, so tut er nur die Hälfte so viel; solltest du des Merkurs nicht genug haben, so kann der Stein auch mit gemeinem Quecksilber also zurück gebracht werden: Trage deines einfachen oder schon vermehrten Steins, ein Teil auf zehn Teil warmes Quecksilber, so wird daraus ein Pulver, dass des Steins Natur an sich hat, doch nicht so vollkommen: dieses ganze Pulver trage wieder auf hundert Teil warmes Quecksilber, so wird wieder ein Pulver daraus, welches du abermals in tausendmal so viel Quecksilbers tragen sollst, wenn alsdann das Pulver Nass ist, so trockne es im Feuer aus, so bleibt dir noch ein Pulver, dass du auf Metalle tragen kannst, nach angezeigter Proportion.

Hier hast du die akkurateste und Universal Teoriam und Praxin des Steins, es bleibt uns also noch übrig von der Partikular- Alchemie zu reden. Lebe wohl.

Acht und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!

Die Partikular-Alchemie, wie schon, oben ist erwähnt worden, zielt dahin: dass ein unvollkommen Metall entweder zum Teil oder ganz in vollkommenes gutes Gold verwandelt werde, dieses wollen wir also auch in zwei Abschnitte einteilen. Der erste wird von der völligen Verwandlung eines Metalls nach seiner Gänze handeln. Der zweite: Von der Verwandlung nach etlichen Teilen seines Ganzen.
Die Verwandlung des Metalls nach seinem Ganzen ist zweierlei. Die erste die durch die Proportion einer größerer Ungleichheit des particular verwandelnde Agentis, so, dass ein Teil desselben viele Teile des imperfekten Metalls in Gold oder Silber verwandele, nach der Natur des Ferments; das ist: in Gold, so Gold zum Ferment genommen ist worden; in Silber, so Silber zum Coagulum erwählt ist. Denn in diesem Werk muss eben sowohl ein spezifiziertes Ferment gebraucht werden, wie bei Bearbeitung des Steins, aus der nämlichen Ursache und Art; das ist: Gold oder Silber so durch unseren Merkur aufgelöst ist worden, die fermentierliche Dingen aber sind unterschiedlich. Dann in der Bearbeitung des Steins wird unser Merkur vor das fermentierliche Dinge angenommen, weil er nicht zum Zweck hat ein Metall zu machen unmittelbar, nur aber den Samen des Metalls. Hier aber die zu fermentierende Sache ist ein Metall, weil die Vollendung eines Metalls zum Zweck gesetzt wird.

Es ist gleich viel was für ein Metall für das fermentierliche genommen werde, wenn es nur in seinen Hauptqualitäten mit dem Ferment sich vergleiche; das Gewicht aber wird nicht bei allen gleichgültig sein, weil ihre Kochung und Vollkommenheit nicht gleich sind, also ist auch die Kraft der Fermenten einander nicht gleich, derowegen ist die Dosis des Ferments und der fermentierlichen unterschiedlich zu nehmen nach Beschaffenheit ihrer Natur; die Regeln dazu habe ich niemals meiner Achtung gewürdigt, weil ich größere Dinge besitze. Die Präparation eines fermentierlichen Metalls ist seine Zurückbringung in einen Vitriol, damit das Ferment, nämlich unser Merkur, da er als ein aufgelöstes Agens besser wirket, das solvierte Patiens, die Wirkung des Agentis besser und leichter annehmen könne.

Die Regierung des Feuers ist auch nicht von einerlei Wärme, sondern verändert sich nach denen Farben, weil man hier wie bei Bearbeitung des Steins, die Entzündung und Austrocknung des zu fermentierenden Wesens zu befürchten hat.

Die zweite Partikular-Verwandlung geschieht, wenn ein Teil des Transmutations-Agentis einen gleichen Teil des unvollkommenen Metalls verkehret, dieses geschieht aber eher auf Quecksilber, oder eine sonstige metallische Feuchtigkeit, als auf einem dichten Metall; und bedarf auch der Solution des zu fermentierenden Dinges wie in der vorigen: Die Auflösung und Zubereitung des Solventis sind aber allzeit nötig, damit seine eigene Wirksamkeit die durch die Fesseln seiner wesentlichen Forme aufgehalten wird, besser und leichter in eine Tätigkeit könne gebracht werden, ohne diesem wird selten oder wohl niemals eine wahre Verwandlung geschehen.

Diejenige Transmutation, durch, welche etliche Teile des Metalls verwandelt werden, ist keine eigentliche Transmutation, weil sie nichts wesentlich verwandelt, und ist diese zweifach, die erste geschieht durch die Extraction des perfekten Metalls aus einem unvollkommenen, wie aus Silber, Eisen, Kupfer und Gold gezogen wird: aus Zinn und Blei aber, das Silber. Denn in denen drei ersteren ein guter Teil Gold zu finden, das durch die Natur präpariert und mit allem Zugehör versehen ist: In den letzteren aber ist viel Silber, dann in denen Mineris jedes Metalls, sind viele Fermenten der anderen Metalle; als in denen Silber- Kupfer- und Eisen- Mineris, viele Goldsamen sind; und so folgend. Welche Samen, wenn sie den Merkur antreffen, ihn sobald zum Gold oder Silber nach ihrer Natur bringen: weil aber in denen Orten die Quantität der Fermenten des imperfekten Metalls als des vollkommenen, und die Natur selbige nicht überwinden kann, wo die Kunst nicht dazwischen kommt, so geschieht es, dass das perfekte Metall in der Wesenheit des unvollkommenen vermengt bleibt.

Die Arbeit dieser Extraction fällt mir nun jetzt nicht ein, ungeachtet ich es öfters versucht. Es wird hinlänglich sein hier an zu zeigen, dass dieses durch Vermittlung derer niederschlagenden Agentien, als Weinstein, Kalk, Bolusarmenus, vermischt mit flüchtigen Salien; dann während die Salien den flüchtigen Teil zernagen, so drücken die niederschlagende den fixen Teil nieder, so, dass die zusammengebrachte fixe Teile nicht mehr in denen Scheidewasser fallen, welche vorher mit denen flüchtigen sich niedersetzen mussten, wegen ihrer allzu starker Vermischung mit denselben; dieser wegen ist diese Arbeit wenig vorteilhaft, obwohl sie sehr wahrhaft ist, wenn die kleine Quantität des Goldes oder Silbers gegen die Kosten gerechnet wird.
Es ist zu wissen, dass ein auf diese Art extrahirtes perfektes Metall seine Tinktur womit es von Natur versehen ist beweiset; des Goldes so es Gold ist, und des Silbers so es Silber ist, weil die fixe Tinktur eine unscheidbare Eigenschaft der Wesenheit eines fixen Metalls ist.

Die zweite geschieht durch die Fixation der Metalle, wie man es nennet, welches eigentlich eine sophische Verwandlung ist, obwohl einige auf diese Art präparierte Metalle viele Proben und Untersuchungen ausstehen: dessen sind überhaupt zwei Arten: Die erste ist die Obstruction, die geschieht durch die Cementation des Unrats und mineralischen Salzes etlicher Metalle, und hierzu hindert nicht, was man gemeinlich entgegen setzet; nämlich: dass der Spiritus derer flüchtigen Metalle nichts figieren und keine Form geben kann die er nicht hat, weil solche metallische Materien ihre Spiritus zuerst in die Poren des zu figierenden Metalls einsenken, durch die Salien, in denen ersten Graden des Cement-Feuers, wo sie alsdann durch Vermittlung gedachter Salien, derer Eigenschaft ist zu Glas zu machen, sie die kalzinierte Metalle zur Vitrification bereiten, als wie die metallischen Exkrementen, durch die Wirkung des Feuers am Ende der Cementation sich vitrifizieren, daher die Brüchigkeit der Metalle ein gewisses Zeichen der Vitrification oder einer Vermischung mit dem Glase ist, darum sich gar nicht zu wundern, dass sie die korrosivische Wasser aushalten. Der zweite ist die Austrocknung, die auch zweierlei ist. Die erste geschieht durch das Amalgammieren des Antimonii oder Quecksilbers mit einem auszutrocknenden Metall, und die Verbrennung des Amalgammirten. Dann die Feuchtigkeit und das Raue jedes Metalls, wird mit der Feuchtigkeit des Antimonii oder Quecksilbers vermischt, und flieht mit demselben weg, sobald sie die Gewalt des Feuers empfindet.

Die zweite ist die Korrosion durch die korrosivische Salien und trockene Metalle, als Eisen und etliche andere ausgedorrte Mineralia, aber die Metalle die auf diese Art figiert werden, haben öfters keine bequeme Tinktur aus, oben angezeigter Ursache, dann weil die metallische Tinktur fix ist, so kann die wesentliche Beschaffenheit einer Fixität in keinem Metall sich befinden, welches nicht wirklich und natürlich fix ist.

Es kann doch durch Kunst zuweilen eine fixe Tinktur sonderlich zum Gold gearbeitet werden, wenn man denen gesagten figirten Metalle Gold zusetzet, und ihnen nach ihrer Vermischung eine gute Quantität der roten Metalle beibringet, hiernach zerfressen lässt, denn in ihnen etwas in der Tat Gutes stecket, als wir schon gesagt haben, welches mit dem wahren Gold vereinigt wird, und hiernach die Tinktur vermehrt, nämlich durch Zusatz der tingierenten Teilen, diese Tinktur ist aber allezeit schwach. Zur Weise aber kann es keine fixe Tinktur geben. Lebe wohl. Neun und dreißigster Brief.

Wertester Bruder!
Unser letztes Schreiben hat kürzlich und klärlich alles was zur Partikular-Alchemie gehöret, zusammen gezogen; es wird also noch etwas verlanget, welches unseren ganzen Vortrag der metallischen Kunst schließen soll, nämlich die Ordnung und Ursache derer Proben und Untersuchungen.
Die Natur der Untersuchungen soll vorher gehen, und ist zu wissen, dass es nur zwei Metalle gibt, derer Fixation unterschieden ist, und einen unterschiedlichen Perfections-Grad annehmen.
Es sind dreierlei Perfections-Graden, eines wie das andere fähig; die Festigkeit, Gewicht und Tinktur, die Proben dieser dreien sind von zweierlei Gattungen, die allgemeine nämlich und die sonderliche.
Die allgemeine sind das Gesicht, die Feuerung, die Glühung, die Ausdehnung, der Schnitt, die Ausgießung, die Einäscherung.
Das Gesicht zeigt einem erfahrenen Künstler, den Gehalt der Tinktur auf dem Probierstein.
Die Feuerung, wenn durch dieselbe ein Metall einen schwarzen Flecken über seine ganze Oberfläche bekommt, ist es ein Zeichen einer bösartigen Vermischung.
Wann keine Geschmeidigkeit vorhanden ist, oder wann, während ein Metall ausgedehnt wird, es sich spaltet, so ist es eine Anzeige heterogener Zusätzen, es seien hiernach Salien, oder ein sprödes Mineral, oder Zinn.
Wann ein Metall im schneiden zu hart erfunden wird, zeigt es eine Veränderung und Conjunction, oder Zufügung anderer Mineralien. Wann die Flüssigkeit zu leicht geht, so beweiset sie eine übermäßige Quantität eines imperfekten zugesetzten Metalls, weil die Löthmassa so gemacht wird. Ist sie aber schwerer als sie sein soll, so zeigt sie eine Vermischung vitrificirter Mineralien in dem Metall, und wann dadurch die Tinktur und Wesen vermindert werden, so bezeugt es eine sophistische Arbeit.

Wann die Kalzination, die Tinktur und Wesen des Metalls verletzet, ist es auch eine Anzeige einer Veränderung und Beifügung verschiedener Metalle.
Die sonderliche Zeichen des Goldes oder Silbers, sind zuerst: die Cementation und Scheidung durch die corrovische Wasser, die Antimonial-Proben, die Solution durch aqua Regis, und die Reduktion zum Körper nach der Solution.

Durch die Separation wird der Abgang erkannt, wenn ein Teil mit dem Silber solviert wird, welcher Teil aber fix sein soll, oder auch, wenn es sich schon nicht solviret, und doch etwas von dem Gold sich scheidet; und auch auf dem guldischen Teil etwas graues sich setze, oder auch der ganze Teil der nicht aufgelöst ist, eine graue und keine schwarze Farbe hat, und durch das Feuer die gelbe Gold Farbe nicht annehmen, und ob die reducierte Kalke auf dem Probierstein die korrosivische Wasser ausstehen. Durch die Antimonial-Probe verstehe diese, wo sobald das Antimonium völlig verflogen, das Wesen und die Tinktur Schaden gelitten haben.

Durch die Solutions-Probe verstehe diese, so die Auflösung schwer ist, denn es ist wunderbar, dass das Scheidewasser, so das Silber auflöst, dem Golde nichts tut; wann es aber zu Regalwasser gemacht ist, greifet es das Gold an, das Silber aber nicht; daher wann die Solution schwer ist in dem Aqua Regali, ist es ein Zeichen einer außerordentlichen Vermischung eines nicht transmutierten Silbers, oder anderen glasigen Körpern. Wann nach der Solution der Kalken die Wasser bleich sind, ist es auch ein böses Zeichen. Wann durch die Reduktion die Kalke sich nicht wieder in ein Körper reduzieren lassen, oder ein großer Teil derselben zu Glas wird, so ist es eine Anzeige beibehaltener heterogener Salien und Mineralien, desgleichen auch wann die Tinktur abgenommen hat.

Des Silbers eigentliche und einstimmige Proben sind, die Solution durch die Solvir-Wasser, die Separation oder Scheidung durch die Kupferlamellen, und die Reduktion des Kalks in einen Körper.

Durch die Solution erkennt man die Fehler, wenn die von denen Kalken geschwängerte Wasser keine himmelblauen Farbe haben, oder wann die Solution zu leicht geschieht.
Durch die Separation des Kalks von denen Solvirwasser durch die Kupferlamellen, denn es ist des Silbers Eigenschaft, dass es denenselben anhange, welches die andere Metalle nicht tun; diese Untersuchungen, die Auflösung des Kalks, die Separation und Reduktion sowohl des Goldes als des Silbers, sind vor anderen sicher und werden doch von den Untersuchenden unwissend übergangen, und haben kein Nutzen bei denselben.

Folgt nun die Ordnung der Untersuchungen, welche dreifach ist, fange von vorne an in der Reihe wie wir sie, oben beschrieben haben und gehe sie alle durch; die andere fängt von hinten an und nimmt die letztere Arten gleich vor, ist also kürzer. Die dritte fängt ihre Untersuchungen an den mittleren Operationen an, sie mögen aber angestellt werden wie sie wollen, so kann man sich überhaupt glücklich schätzen; wann die Proben bestehen und glücklich hinauslaufen.

Vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Denen vorgesagten Proben und Untersuchungen haben wir noch etwas nötiges zu zusetzen nicht für undienlich erachtet, damit du nicht betrogen würdest und vielleicht das gute Gold verwerfest, wenn in denen Antimonial-Proben die Tinktur etwa sollte vermindert werden; denn es geschieht zuweilen, dass in denen Proben das Gold einen kleinen Schaden leidet, nicht, dass es mit dem Merkur des Antimonii verfliege, sondern weil es sich mit dessen Fecibus vermischt, und also ein guter Teil davon dabei bleibet, wenn nicht der Untersucher künstlich vorbauet, welches große Mühe erfordert, und nicht anders kann gezwungen werden als durch das beständige Gebläse, und muss diese Probe in unterschiedenen Tiegeln angestellt werden. Wollte man aber zu dieser Probe das Antimonium stoßen und zerreiben, ihm alsdann den 8ten Teil seines Gewichts rohen gestoßener Weinstein zusetzen und mit ihm vermischen; so wird die Auslage fast um nichts vermehrt, die Probe aber desto leichter sein; denn der Weinstein drückt das Gold in das unterste vom Tiegel nieder, dass wenig oder nichts bei denen Antimonial- Fecibus zurück bleibet.
Sollte aber in denen gemeinen Untersuchungen die in den Büchern beschrieben sind etwas fehlen, so kann man sich bei Goldarbeitern Rats erholen, diese Leute sind davon mehr in der Übung als in der Lehre unterrichtet; füge noch hinzu: dass die Ernsthaftigkeit der Philosophie dergleichen Kunstgriffe nicht achtet, und die Kürze der Briefe nicht erlaubt solche herzusetzen. Hiermit habe ich die dir versprochene wahre und echte Lehren der hermetischen Kunst in der Kürze zusammengefasst, durch derer Hilfe du nun Hand anlegen kannst wann du willst; Wann du etwa in der Arbeit stecken bleibest, und hast doch deine Sache nach unseren vorigen praktischen Briefen angestellt, so lasse deswegen nicht nach, und beschuldige auch unsere Lehre nicht, sondern nehme gleich deine Zuflucht zu unseren theoretischen Briefen, wo die erste Schöpfung beschrieben wird. Alles was darinnen ist, das geht auch in der Praxis vor; gedenke aber nur stets an den Satz den wir für einen unfehlbaren Spruch gegeben haben, dass die Kunst der Natur nachahme, ungeachtet sie dieselbe vollkommen macht; und, dass die Natur dem Vorbild der Schöpfung folge, und, dass dieses das ganze Werk sei; Kannst du aber diese Handlungen doch nicht unterscheiden, so lese alle Woche, ja alle Augenblicke des Moses Vortrag von der Erschaffung der körperlichen Maschine unserer Welt: dann nach der nämlichen Ordnung, als die Praktik der natürlichen Operationen da beschrieben sind, also hat sie auch der heilige Geist wunderbarer Weise denen wahren Philosophen eingegeben, nichts ausgenommen. Diesen Rat habe ich dir zum Schluss geben wollen, weil es das Vornehmste ist, so man in dieser Sache zu beobachten hat. Lebe wohl.

Einundvierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Wir wollen hier anmerken, dass nach dem vorbeschriebenen, durch dessen Hilfe du sowohl der theoretischen als praktischen Alchemie-Grundsätze, wie auch dein Lesen in allen Autoren zum Besten erklären und benutzen kannst, weil sie unseren Lehren nicht im mindesten abweichen, es sei dann, dass du sie wegen einigen Ausdrücken und ihrer künstlicher Lehre du sie nicht verstehen könntest, und deine sowohl öffentliche als privat Geschäfte dich verhinderten, indem zu unserer Kunst ein ruhiger Geist erfordert wird, der aller Sorgen befreit ist; so wird dir nicht unangenehm sein eine kurze Zusammenfassung unserer Lehren und der Sätze unserer Briefen noch zu erhalten, sonderlich wegen denen Schriftstellen die unsere Doktrin erklären können, wie auch unseren Traktat, (Novum Lumen Chymicum) zu verstehen durch folgendes aus zu arbeiten. Wir halten aber für nötig zu sein erachtet, dir noch etwas zu sagen, ohne, welchem keine echte und wahre Auslegung zu haben ist, ungeachtet sie wahrhaft und den Gedanken der Weisen gemäß sei.
Es ist also wohl in Acht zu nehmen, dass so viele getreue Autoren, obwohl sie in verschiedenen Jahrhunderten gelebt und geschrieben haben, alle einstimmig bezeugen, dass alle diejenige so von Gott zu dieser heiligen Wissenschaft gewidmet waren, dahin sollten gedenken, selbige nach dem Beispiel der Vorfahren von Gott selbst durch fleißiges bitten zu erhalten. (Dann ohne sonderbare Gnad kann sie von den Klügsten und Scharfsinnigsten nicht erlangt werden.) Diese Autoren sind eins geworden, die Unwürdige und Unberufene durch Rätsel und schwere Arbeiten ab zu schrecken und davon ab zu wenden. Derentwegen haben die Alten viele Untersuchungen übergangen, und ihren Nachkömmlingen vieles zu erlernen hinterlassen. Die Nachgekommene haben aber das beschrieben was denen Alten mangelt, und haben das schon erwähnte nicht noch einmal wiederholen wollen, alle aber haben Fabeln gemacht, Gleichnisse erfunden, und viele Beschwerlichkeiten auf den Weg gestreut, dass also sie alle einen Zweck gehabt in Verbergung der Geheimnissen, und ihre Mittel dazu sind in drei Punkten zu Teilen, welche wir in folgenden entdecken werden. Lebe wohl.

Zwei und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der erste Punkt ist, dass sie um mehrerer Dunkelheit willen, eine nämliche Sache in ihren Schriften stückweise und an vielen Orten anführen, und zuweilen ausgesuchte Widersprüche anbringen, dass, was also in einem Ort behauptet, in dem anderen verneinet wird, obwohl sie das unterscheiden und vereinigen einem jeden überlassen; so tun sie es doch in einer erschrecklicher Tiefe des Konfusions-Meer verbergen.
Der zweite ist, dass sie in einem Ort, das ist in dem nämlichen Zusammenhang ihrer Rede zwei- oder auch wohl mehrerlei Dingen ausdrücken, oder, obwohl sie in unterschiedlichen Orten und Reden die Dingen unterscheiden, so gebrauchen sie doch fast die nämliche Worte und Ausdrücken, wodurch sie das vorige beschrieben haben; so, dass man es für einerlei halten muss, sonderlich so sie von der Vorarbeit des Merkurs, oder das Magisterium desselben und seine Fermentation, oder spezifizierten Determination (Bestimmung) zur metallischen Natur sprechen, so tun sie solche Dingen, die Himmel-weit von einander sind, in ihren Schriften durch ihre zusammen gebundene Redensarten so vereinigen, dass man sie bloß wegen Verwandtschaft der Materien für einerlei halten möchte.

Das dritte ist, dass sie sich befleißigen eine verkehrte Schreibart zu haben, sonderlich in Abhandlung der Subjekten, und in der Ordnung derer Operationen oder Arbeiten, weil alles was in einem ordentlichen Zusammenhang traktiert wird, obwohl es in dunkler Schreibart verfasst ist, von denen spitzfindigen Sucher dennoch kann erklärt werden, und bloß denen Unverständigen verborgen bleiben; daher haben sie für ratsam gehalten, ihre Beschreibungen von denen Arbeiten bald an den letzteren an zu fangen, bald aber beim Anfang oder am Ende ab zu brechen, und folglich alles zu verkehren.
Diese dreierlei Schreibarten sind sowohl von uns als auch anderen Autoren sehr heilig und mit dem größten Fleiß gebraucht worden, so gar in unserem Traktat vom Lumine Chymico, und anderen davon abhängenden Traktaten und Gesprächen des Schwefels und Merkurs, aber in unseren Briefen nicht, in, welchen, obwohl was die Arbeit der Vorbereitung des Merkurs anlangt, wir etliche Operationen unter allgemeinen Worten, (aus Furcht der Auffahung derselben,) hergesetzt haben, welche wir weitläufig in unseren theoretischen Briefen entworfen hatten, so ist doch von uns nichts ausgelassen oder in verkehrter Ordnung gesetzt worden dieser wegen, so du vollkommen unsere und anderer Schriftsteller Sin fassen willst, so kannst du nach der Lehre unserer Briefen und ohne Irrtum die dunkle Stellen und Beschwerlichkeiten erklären, die widersprechende vereinbaren, und die verwirrte unterscheiden, es dienet viel denen hohen Geistern vorgesagte Lehre ein zu prägen, durch die nötige Unterscheidung die dies auf diese Zeit nicht deutlich ist erwähnt worden, und vielleicht in folgenden auch nicht mehr so klar wird angedeutet werden.
Also sage ich, dass der Universalstein der Weisen aus zwei Partikular-Steinen bestehe, nämlich durch die Erhöhung des philosophischen Merkurs oder des Magisterii, und seines mineralischen Ferments, oder seiner Specification. Denn dieser Unterscheid ist der Schlüssel des Tempels, der Weisheit, der Alchemie und der Geheimnissen der Kunst.

Hier musst du dich zu besinnen wissen, die Stellen mit den Stellen, die Subjecten mit den Subjecten, und die Sprüchen mit den Sprüchen zu vergleichen. Dieses tue und schließe hiernach. Lebe wohl.

Drei und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Die allgemeine Erinnerung die ich wegen dem Lesen und Verstand der Schriftstellern an dich getan haben, führt uns zu einer sonderbaren, wegen etlichen Stellen und sonderbaren Gegensätze, den letzten Teil der Alchemie betreffend, worüber du dich hauptsächlich befragest: die wenigen aber, mit, welchen alle Stellen und Wiedersprüche, die sowohl in unseren als anderen Autoren Schriften anzutreffen sind, könnten verglichen werden, von selbigen muss ich dir eine Erklärung und ihre Vergleichung geben.
Alle derer Autoren und in unseren Schriften erscheinende Wiedersprüchen, bestehen entweder in denen Dingen die durch die Worte sind bedeutet worden, oder in denen Worten die die Sache andeuten. Diejenige so in denen Dingen bestehen, werden in zwei Punkten abgefasst; nämlich: in der Materie und in die Art, damit zu verfahren.
Der erste Punkt zerteilt sich wieder in zwei Artikels nach denen zwei Hauptzweifel, worüber Streit ist; nämlich: wie viele der Materien zum Stein der Weisen wären, und, welche die rechte.

Was den ersten Artikel belanget, in, welchem gezweifelt wird, wie vielfältig die Materien des Steins sein, so haben etliche steif und fest auch die Sakramenten zur Bekräftigung gebraucht, dass nur eine wahre Materie sei, behauptet; andere aber, dass ihrer mehrere wären, so seien dieselbe anzusehen als die Teile eines vermischten Körpers, welche in dreie bestehen, nämlich: Salz, Schwefel und Merkur, die mit einander nur ein natürliches physikalisches ganzes Ding ausmachen, und per se eines sind in einem jeden vermischten Körper, und nicht mehr, welcher Meinung wir bei zu pflichten scheinen, indem wir in unseren Briefen mit anderen Autoren gesagt haben, dass ein einiges Ding hinlänglich sei den Stein daraus zu machen, dass aber zwei von einer Würze herstammend genommen werden könnten, um der Kürze willen, weil man davor haltet, dass eben dieser kurze Weg etwas neu erfundenes sei, und über der Alten ihre Erfahrung sei, die zur Bearbeitung des Steins nicht mehr nötig ist.

Andere hingegen gestatten mehrerlei Dingen und Partikular- Materien, doch nur in zwei Gestalten, welche die Physiker- Philosophen unter dem Namen und der Beschreibung des lebendigen Schwefels und lebendigen Merkurs, und anderen solchen zusammengesetzten Namen angeben, so wie des lebendigen Goldes, lebendigen Silbers, des Mannes und der Frauen, Gabritii und Bejae, und dergleichen, welche einen Unterschied und eine Naturverschiedenheit und die Vielheit der Dingen andeuten, die in dieser Zweizahl sich befinden, welcher Zahl etliche neuere noch das Salz beifügen.
Wieder andere wollen nicht allein zwei Dingen haben, sondern noch gar sieben Metalle, weil der Lapis ein gewisses Universal- Agens ist, und die Universal Natur so beschaffen ist, dass sie von allen denen ihr unterworfenen Dingen ihr Wesen habe, setze dazu, dass wir in unserem Traktat von neuen chimischen Licht fast dergleichen anzugeben auch scheinen, in der Abhandlung von der Harmonie der sieben Planeten mit denen Metalle, welcher Gesinnung diejenige am nächsten kommt, die drei Wesenheiten erfordert, oder drei unterschiedliche wesentliche Dinge derer drei Reichen, eben aus der Ursache da die sieben Metalle verlangt werden, setze noch hinzu: dass der Lapis mit allen dreien Reichen in gleicher Verwandtschaft stehe, und mit allen ihren Wesenheiten eine genaue Verbindung habe, und ihre Hervorbringung befordert, und ihrer Erhaltung und Wiederherstellung dienlich ist, welche unmöglich zu sein scheint, wo nicht der Stein aus dem dreifachen Wesen der Natur gemacht ist worden.

Dieses sei von dem ersten Artikel gesagt, welchem folgender Brief ein mehreres Licht geben wird. Lebe wohl.

Vier und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Beide Meinungen die in vorigem Brief enthalten, sind wahr; aber nach jeder ihrer Art und Unterschied.
Die erstere, wenn wir auf die Hervorbringung merken, das ist: auf die Fermentation unseres lebendigen Merkurs, und seine Verwandlung in den Samen einer anfänglichen Natur, durch Wirkung des ursprünglichen Samens, auf Art und Weise wie wir es anderswo weitläufig beschrieben haben; diese Hervorbringung geschieht nicht allein in dem innersten der Erde, sondern sie kann auch in einem künstlichen Glas bewirket werden, und wird nichts weiters dazu erfordert, als eben den vorgedachten Universalgeist oder lebendigen Merkur, welches anders nicht geschehen kann; es müsse dann dieser Merkur durch vielfältiges auf- und absteigen, wozu er vom Archaeus bewegt wird, von dem untersten zum, obersten, und von dem, obersten wieder zum untersten, durch so viele sogenannte Destillationen, Rectificationen und Sublimationen präpariert werden, dass er aus der innersten derer Primordial-Samen, die Samen des Goldes oder Silbers durch seine überhäufte magnetische Kraft an sich gezogen habe, durch, welche er in Vergleichung mit ihnen komme, und hiernach Mineralisch, Metallisch könne gemacht werden, dann dieser metallische Stein ist nichts anders, als der multiplizierte Gold- oder Silber-Samen, oder der mit dem Samen des Goldes oder Silbers verglichener und specifierte Merkur, diese Arbeit ist aber sehr langwierig, sowohl wegen der Schwachheit des Archaeus, als wegen Unvermöglichkeit der Fermentativkraft derer Primordial-Samen. So wir aber unsere Augen auf die, der Kunst gehörige Hervorbringung wenden, so geschieht selbige weit besser und geschwinder durch Kraft der Partikular-Samen; und so ist auch die erste Meinung ganz falsch, weil die Partikular-Samen des Goldes oder Silbers notwendig aus dem Gold oder Silber geholt und gesagtem Merkur beigesetzt werden müssen, und folglich sind zwei Dingen nötig, nämlich das Sperma oder Vitriol des Goldes, den Partikular-Samen in sich habend, und unser Universalgeist der vorigem muss verglichen und in einen Partikular- Gold- oder Silber-Samen verkehrt werden, zur Ausarbeitung des metallischen Steins, oder zur metallischer Specification, nach dem ersten Endzweck der Multiplikation davon anderswo ist gehandelt worden.

Diese zwei Dingen aber stammen von einer Wurzel her, und verhalten sich nicht so gegen einander als unvollkommene Wesenheiten, nach der Beschaffenheit derer physikalischen Teilen gegen ihr physikalisches Totum, dass perse Einzel ist; (als es unverständiger Weise habe wollen einige die die Mannigfaltigkeit derer zu unserem Zweck nötigen Dingen darinnen suchen, dass sie den Merkur Salz und Schwefel von einem Körper und vollkommener Wesenheit verstehen, vom Gold oder Silber scheiden.) Hierdurch geben sie die Gleichförmigkeit eines gestümmelten Körpers zu erkennen, nicht aber die Gleichförmigkeit oder Übereinstimmung mit der Wurzel aller Dingen, sondern sie verhalten sich als vollkommene unterschiedene und von einander nicht abhängende Wesenheiten, die mit einander doch durch Homogenität des Anfangs übereinstimmen, als wir, oben erklärt haben, welche Homogenität eine Einigkeit und Übereinstimmung des Herkommens und der Wurzel mit sich bringt, nicht aber die Einigkeit und Gleichförmigkeit des Stamms oder Leibes, und dieser Unterscheid ist wohl in Acht zu nehmen, denn es ist ein Himmel weiter Unterscheid zwischen dem Stamm eines Baums seinen Blätter und seiner Wurzel, oder seines wirkenden und leidenden Anfangs; dann, obwohl die Rinde und das Mark ihr unterschiedenes Wesen gleichwohl vollkommen haben, so sind sie doch nur als Teile eines Körpers zu rechnen, welches wir noch weiter erklären wollen, damit nichts Dunkels überbleibe.

Unsere erste Meinung kann entweder von dem ersten Stein, oder Magisterio, oder von dem zweiten, oder der Specification verstanden werden; wo man es auf das Magisterium zieht, so ist unser Spruch nicht wahr, dann zu demselben nichts außer unserem Universalgeist erfordert wird, weil unser Magisterium nichts anders ist, als die gebührliche Kochung des einzelnen Universalgeistes, nach denen drei unterschiedenen Grad der Temperatur, nämlich der merkurialische, sulphurischen und salinischen, in, welchem letzteren die Erhöhung unseres Universal Merkurs und die Perfektion des Magisterii vollendet wird, nach dem Beispiel der natürlichen Kochung dieses Merkurs, ehe und bevor er sich in dem innersten der Erde mit denen Primordial Samen spezifiziere.

Sollte aber diese Rede von der Specification des Magisterii zur Sonne- oder Mondes-Natur verstanden werden, so ist es auf zwei Arten zu unterscheiden; dann es ist die Rede entweder von derer die geschehen kann, zwar selten und mit sehr langer Zeit, ohne Zusatz von außer, bloß durch die Kraft der Primordial Samen, welche sehr wenig sind und die der Universalgeist in sich hat, welche Samen seine hermaphroditische Natur ausmachen, sie sind anstatt des männlichen Samen, und die Wesenheit des Geistes ist der weibliche Samen. Sollte aber diese Rede von der Specification verstanden werden, die durch Zusatz und Vereinigung derer sowohl Primordial Samen im innersten der Erde, als der Partikular-Samen in einem zur Kunst gehörigen Glas, so ist in diesem Fall unsere Rede falsch: dann der spezifizierende Samen und die Materie die sich spezifizieren lässt; sind zwei wesentlich unterschiedene Dinge, und allerdings zwei vollkommene Materien, einander zwar homogen, aber nur im Urstand ihres Anfangs, weil sie von einerlei Wurzel herstammen, welches bei denen wahren Philosophen einerlei ist.

Vielleicht werdest du hieraus schließen, dass alle gemischte Körper, sie mögen von einer Gattung und Natur sein, welcher sie wollen, alle in ihrem Urstand einander homogen sind, weil die Materie die unter ihrer Gestalt verborgen ist, nach unserer voriger Lehr mit dem Universalgeist homogen ist, also sind sie auch aus einer Wurzel herstammend, und eine jede könnte zur Multiplications-Materie der andere gleich wohl genommen werden, weil eines durch des anderen Vermischung an Salz, Schwefel und Merkur zunimmt, weil sie alle einen Materialistischen Anfang mit ihren ganzen in Gleichheit haben, und dies ist freilich einen schweren Einwurf, dessen Auflösung du wohl schwerlich an einigem Ort genügsam erklärt finden würdest, hier aber ist sie. Damit also diesem Vorwurf unwidersprechlich geantwortet werden möge, so ist zu betrachten, dass nach dem philosophischen Sin drei Zustände erfordert werden, damit könnte gesagt werden, dass ein Ding dem anderen homogen sei in dem Urstand-Anfang.

Der erste ist, das eines wie das andere eine vollkommene Wesenheit sei, und sich verhalte wie das Teil gegen sein ganzes. Der zweite, dass aus denen vollkommenen Wesenheiten die eine ein einfaches Mixtum sei, die andere aber nur um einen Grad höher in der Ordnung derer gemischten Dingen, wie es in unseren theoretischen Briefen zu sehen ist.

Der dritte ist, dass eine einzige die die allereinfachste indifferent sei, und geschickt und fähig natürlich eines anderen mehr gemischten Dinges Gestalt über seine eigene noch an zu nehmen. Überdies ist noch zu beobachten, dass der Namen Wurzel zweideutig ist, und auf dreierlei Weise kann verstanden werden. Erst im eigentlichen Verstand wird es genommen für den körperlichen oder materiellen Anfang aller Dingen, nicht aber für jene abscheuliche ungestaltete Materie davon die dumme Schule träumet, sondern für unseren Universalgeist der noch nicht konzentriert zur gewissen Art derer unterer gemischten Körpern, und folglich eine noch vollkommene Wesenheit ausmacht, oder so du es lieber hörest, für die geurständete Anfänge, die in ihrer Einheit bis zu denen einfachsten Elementen gereichen, oder auch für das allgemeine Primordialwasser.

Zweitens, wird es uneigentlich genommen wegen Gleichförmigkeit mit vorigem für den edelsten Teil eines lebenden Wesens, welcher am ersten den Nahrungssaft empfängt, und ihn hiernach entweder zusammenziehender oder ausbreitender weiter mitteilt.

Drittens, wird es am allerübelsten für den Stamm eines geschiedenes oder zerteiltes Dinges, oder für eine vollkommene Wesenheit in Rücksicht seines Toti oder ganzen genommen.

Dieses nun also voraus gesetzt, so ist die Antwort leicht auf deinen Einwurf zu geben; dann die Mixta oder gemischte Körper derer drei Reichen und von einer jeder Art zusammen verglichen, haben den ersten Zustand gemeinschaftlich, nämlich, dass sie vollkommene Wesenheiten sind, die andere Zustände aber mangeln ihnen, denn sie sind alle in einem Grad der untere Vermischung, das ist: sie gehören unter einige Klassen oder Ordnungen derer spezifizierten Dingen derer dreien Reichen, und obwohl sie eines in das andere können verwandelt werden wie schon gesagt worden, eines in des anderen Geruch, Gestalt und Wesenheit, so können sie doch ihre eigene Gestalt zu keinem höheren Grad bringen; wann aber das Salz oder Sulphur und Merkur eines Dinges gemischten Körpers könnten geschieden werden, (welches verneinet wird,) so wären sie keine vollständige Wesenheiten; denn sie sind zusammen anzusehen, als das Teil gegen das ganze.

Es haben also, oben erwähnte Mixta von unterschiedlicher Art nicht einerlei Wurzel, weil ihre Homogenität nicht in ihrem Anfang ist und die dazu gehörige Zustände fehlen, und so ist es auch mit dem Salz, Schwefel und Merkur jedes Mixti wegen der nämlichen Ursache, unerachtet sie doch dessen Stamm sind: dieses kommt aber nicht zu dem philosophischen Sin.

Die zweite Meinung wird aus der Erklärung der ersten am besten verstanden.
Die dritte endlich, wo fern wir sie auf die leidende Eigenschaft unseres Universalgeistes eine jede Forme anzunehmen die ihr am nächsten vorgestellt wird ziehen, so ist sie wahr; versteht sie sich aber vom Effekt, so ist sie falsch.

Der Beweis aber, worauf sich gesagter Spruch gründet; ist das alles wesentliche materielle von denen metaphysischen und geistlichen Zusammensetzungen in die physikalischen Produktionen gebracht wird, wir sprechen nicht alleweil zum ersten mal von denen sieben Metalle, die mit denen sieben Planeten übereinstimmen und ihre Cabalische Namen von ihnen empfangen haben; oder umgewendet, wenn von denen sieben Planeten gehandelt wird, so verstehen wir die sieben Metalle die zur Komposition des philosophischen Steins gebraucht sollen werden: Wir verstehen aber auch bald die Kräften und Einflüssen aller Planeten die in dem Universalgeist übereinstimmen, bald deuten wir dadurch an, die unterschiedliche Grad der vermischten Zeichen die in der Kochung im philosophischen Ei vorfallen, die in ihren Qualitäten und Temperament mit denen Planeten überein kommen. Lebe wohl.
Fünf und vierzigster Brief.
Wertester Bruder!
Der zweite Artikel handelt von der Eigenschaft der Materie, und wird in zwei Abschnitte eingeteilt, nach dem vorigen Artikel, welcher die ganze Materie des Steins in zwei Teilbare Materien einteilt.
In dem ersten Abschnitt wird von denen Zweifel gesprochen, die die Materiam Primam angehen; das ist, die wirkende und gleichmachende Materie.
In dem zweiten wird von denen Gegensätzen, die die Materiam Secundam, das ist, die leidende und zu vergleichende Materie angehen.
Ein jeder dieser Abschnitten wird wieder in kleinere abgeteilt, davon in erst die Wesenheit und Natur der Materie betrachtet werden wird; im zweiten aber ihre Eigenschaften.
Was die Primam Materiam, wie auch seine Wesenheit und Natur anlangt; so behaupten viele, dass es das gemeine oder einfache Gold oder Silber sei, so wie es aus denen Mineris gezogen wird und keine andere Substanz, dieses scheinen viele Stellen in denen philosophischen Schriften zu beweisen.
Andere behaupten, dass noch etwas anders sei, außer dem Gold oder Silber, so aber ihrer Natur ist doch nur in der Kraft, oder mit ihnen gleichförmig, das ist, dessen Natur einerlei zum Teil mit dem Gold oder Silber sei, und zum Teil von ihnen unterschieden; wie zum Beispiel das Spiesglas, Vitriol, Schwefel, oder sonstiges niedriges Metall, welches aus vielen ausdrücklichen Schriftstellen zu erweisen wäre.

Andere wieder die der Mittelstrasse folgen, geben vor: dass nicht das gleichförmige und virtuale Gold oder Silber, sondern das mineralische die wahre und echte Materie des Steins sei, doch unter einer künstlicher Forme und physikalischer Zubereitung, und nicht in seinem gemeinen Wesen, daher es genannt wird: lebendig Gold oder Silber, nicht das gemeine, nicht in schlechtem Verstand, welche von dem Gold oder Silber ausgezogen worden, in dergestalt eines Salzes, Schwefels oder Merkurs, wie es auch viele Sprüche der Weisen behaupten, und uns folgender Brief deutlicher zeugen wird. Gehabe dich wohl.

Sechs und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der erste und letztere Satz sind wahr, dann wir anderswo weitläufig erwiesen haben, dass das Ferment oder die Materie des Steins nichts anders sein könne, als ein Vitriol oder das Sperma des Goldes und Silbers, den Partikular-Samen des Goldes und Silbers in sich haltend; denn der Vitriol dieser beiden Metalle ist natürlicher Weise selbst Gold oder Silber; zwar nicht unter einer gemeiner Bereitung, sondern unter einer künstlicher und lieblicher natürlicher Präparation betrachtet; in, welcher das Gold oder Silber in seinem natürlichen Solvente sich auflöst; wie Eis im Wasser, welches seinesgleichen ist im Ursprung; in diesem Verstande müssen alle Reden verstanden werden, wenn es heißt: dass das Gold oder Silber in sein erstes Wesen zurück soll gebracht werden; das ist, im Wasser zu Wasser werden, aus, welchem Wasser das Gold oder Silber herkommen ist; dann es ist in der Tat wahr, dass sie aus Wasser kommen, durch dessen Hilfe sie wieder aufgelöst und ihr Vitriol ausgezogen wird, welches nicht wieder zu einem metallischen Körper kann gemacht werden, als nach der Vollendung des Steins.

Also ist wahr was uns beide Lehrsätze gezeigt haben, und haben keine Unterscheidung nötig, oder Erläuterung anderer Autoren, denn sie uns die Wahrheit unbedeckt in diesem Stück weisen. Der zweite Lehrsatz aber ist vollkommen irrig, so er von der Prima Materia verstanden wird, nämlich vom Ferment, ungeachtet aller Zeugnissen die gemeiniglich angebracht werden ihn zu behaupten, dann sie müssen von der zweite Materien verstanden werden, nämlich von unserem Universalgeist oder lebendigen Merkur, welcher wegen der Gleichheit der Anfängen die er mit dem Gold oder Silber genannt wird, wegen dem gleichmäßigen Gehalt den er mit ihnen hat.

Ob schon die Philosophen ihren Sin wegen der zweiten Materie nicht deutlich zu erkennen geben, so kann unser Schluss deswegen nicht für ungültig erklärt werden, weil, wie vorhin schon ist erwiesen worden, alle Weisen eines Rats waren die Wahrheit in gewisse Abteilungen ein zu Teilen, und sie nur an verschiedenen Orten und Veränderten Sätzen zu sagen, und wird wohl niemand sein der solche Rede führet, der von dem mineralischen Gold der erste Materie spricht, es sei dann durch ganz wenige zusammen getragene dunkle Sprüche. Lebe wohl.

Sieben und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Wegen denen Eigenschaften der Primae Materiae sind die Autoren fast durchgehend einig und also durch unsere Lehre leichte zusammen zu bringen, derowegen wenden wir uns zur zweite Materie.
Was diese anlangt, so sind viele Strittigkeiten darüber; viele behaupten es sei das gemeine Quecksilber, welchen die Schaar der heutigen Weisen Beifall gibt, indem viele Sprüche der Alten es zu beweisen scheinen.
Andere die es nicht so genau nehmen, glauben man könne eben sowohl die merkurialische Teile der Vegetabilien und Animalien mit gleichem Nutzen und Recht anwenden, indem gesagt wird: der Merkur der Philosophen wäre allenthalben und in allen Dingen an zu treffen. Andere hingegen, weil diese Materie so schlecht und als überall zugegen beschrieben wird, sind auf viele Exkrementen, die nicht wohl riechen gefallen. Damit aber alle diese Meinungen zusammen können gebracht werden, so muss ich vor allen Dingen ein Geheimnis entdecken, welches von denen Philosophen sehr geheim gehalten worden; nämlich: dass in denen ächten Schriften dreierlei wegen der zweiten Materie zu beobachten ist.
Erst die Materia selbst, das ist diejenige Wesenheit die die wahre Materie ist, nämlich unser Spiritus oder lebendiger Merkur. Zweitens das Subjectum, in, welchem der Leib ist, woraus diese zweite Materie gezogen wird, nämlich eine wahre natürliche Erde, die wesentlich von der elementarische Erde nicht unterschieden ist; sondern nur zufälliger Weise wegen ihrer Subtilisation und der vom Archaeus gemachter Purification, und wird Magnesia genannt.

Drittens endlich die Art und Weise, mit, welcher die Materie sich mit der erde verhält in der sie ist, nicht als ein Teil des Ganzen der selbiger Erde, sondern als etwas aufbehaltenes oder verwahrtes in seinem Behälter der ihm fremd ist, oder als ein zufällig beigetretener Teil, der in dieser Erde hin und wieder sich aufhält, wie das Wasser in einem Schwamm sich aufhaltet ohne ein Teil des Schwammes aus zu machen, welches daraus am sichersten kann erkannt werden, dass nach der Destillation das Caput mortuum die allergrößte Schwärze und die natürliche Durstigkeit und Unschmackhaftigkeit der Erde hat, und gar keine Salien darinnen bleiben, welches eine unbetrügliche Anzeige ist, dass es kein Mixtum oder gemischte Wesenheit derer dreien Reichen ist, weil kein solches nicht zu finden ist, dass nicht sein Salz im Capite mortuo zurück lasse.

Die Unwissenheit dieses Geheimnisses hat viele wunderliche Krillen in den Gemütern derer Liebhabern der Philosophie verursachet, indem sie eines für das andere nahmen und die Beschreibungen nur auf ein nämliches zogen, die sie hätten unterscheiden sollen. Dahingegen die Eröffnung dieses Geheimnisses alle widrige Gegenstände aus dem Wege räumet und die Wahrheit in ihrem Licht völlig zeiget. Lebe wohl.

Acht und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Dieses Geheimnis des vorigen Briefes fest gesetzt, werden die Gegensätze wegen der zweiten Materie bald verschwinden.
Der erste Spruch muss dieser wegen in doppeltem Verstand genommen werden; zuerst im Unterscheid des Wortes, dann wo von der zweite Materie selbst gesprochen wird; nämlich von unserem Universallgeist, und dieses Wort fälschlich für das gemeine Quecksilber genommen wird, so ist dieser Ausspruch vollkommen unwahrhaft. Wo aber dieses Wort in seinem eigentlichem und natürlichem Verstand genommen wird, als bedeutet es die Geschicklichkeit vielen Dingen gemein zu sein, und so diese zweite Materie also betrachtet wird, so ist dieser Spruch so wahr als er nur sein kann; denn unser Merkur oder der Universalgeist ist der allgemeine Anfang aller Dingen, und es kann kein anderer geben, welchem diese Geschicklichkeit kann angemaßt werden, als ihm der aller Dingen Anfang ist.
Ziehest du aber diese Proportion auf das Subject worin die zweite Materie ist, und auf die Art womit sie darinnen ist, so ist sie falsch; dann das gemeine Quecksilber hat die eigentliche Materie und Wesenheit der Erde nicht an sich, welche unser Subject haben muss, und er hat nichts in sich, welches einen eigentlichen Teil seiner selbst ausmache, dann der Merkur, das Sulphur und Salz, wenn man dergleichen bei ihm findet haben ihr Wesen so in ihm verloren, dass sie nimmermehr wieder zurück zu bringen sei, als wir es weitläufig an dem Ort erwiesen haben, wo wir von der Zurückbringung in das erste Wesen gehandelt haben. Zweitens wird dieser Spruch unterschieden in dem Vermögen der Leidenschaft, dann wo er verstanden wird von dem gemeinen Quecksilber vermögentlich, das ist für eine Materie die keine entfernte Disposition hat des gemeinen Quecksilbers Form und Wirkung an zu nehmen, so ist der Spruch wahr, und wird als eine Redensart öfters also genommen; dann in diesem Verstand wird das Korn genannt, die Speise des Menschen, obwohl der Mensch nicht unmittelbar davon lebet; sondern aus dem Brot das aus diesem Korn Samen gemacht wird; sollte es aber für das gemeine Quecksilber verstanden werden, so ist’s falsch.

Sehen wir auf das Subjectum dieser zweiten Materie, oder das Wesen woraus sie gezogen wird, so kann aus, oben angeführten Ursachen dieser Spruch nicht für wahr erkannt werden.
Lebe wohl.

Neun und vierzigster Brief.

Wertester Bruder!

Die zweite Meinung, so sie auf die zweite Materie selbst, oder ihr Subject gerichtet, ist allerdings falsch: die Autoritäten womit sie sich unterstützet, nämlich vom Vitriol des Goldes oder Silbers, dass der Vitriol und das metallische Quecksilber im Stand ihrer metallischer Kochung die Materie sein; ist nur eine ungewöhnliche Redensart, weil sie nicht in ihren ersten Stand können zurück berufen werden; dann das Kornbrot wird öfters nur Korn genannt, und ist in der Tat Korn; aber unter einer neuen Forme und Kochung, wovon es nicht wieder zurück kann gebracht werden, dass es die nämliche Dienste tue die es vorhin fähig zu tun war; dann das Brot kann nicht wieder zu dem nämlichen Mehl gemacht werden wie es vorhin war, dass aus demselben wieder ein solches Brot könnte gebacken werden; Es kann aber ein noch nicht zu Brot gebackenes Korn, das doch schon gesäuert ist, ein anders so noch süß ist, säuren und fermentieren, welches mit denen Metalle beinahe überein kommt, und ist der Unterschied nur in der Fermentation.

Die dritte Meinung die den mercurialischen Teil jedes Mixti zu unsere zweite Materie machen will, ist augenscheinlich falsch; sie nehme es her von dieser zweiten Materie-Substanz selbst, oder von ihrem Subjecto, oder von der Art wie sie in demselben besteht: Die Ursache aber dieser Meinung ist wohl zu unterscheiden, denn was den Ort antrifft, so ist’s gewiss, dass unser Merkur oder Universalgeist allenthalben anzutreffen ist, weil er mit allen Elementen vereinbart ist, sonderlich mit der Luft, welche allen leeren Raum unserer Kugel erfüllet; sie widersteht nicht allein allem leeren Raum, sondern sie durchdringt auch auf gewisse Weise alle Nahrungsmittel und Körper, wenigstens durch die Poren, (Luftlöcher,) und fehlet also weit, dass dieser Widerspruch gegen uns sei, da er unüberwindlich mit unserer Lehre verknüpfet ist und dieselbe unstreitig beweiset; denn dieses eine Beschaffenheit ist, die keinem Ding in der Welt zusteht, als unserem Merkur und Universalgeist.

Sein Dasein aber in allen und jeden Mixturen seiner Wesenheit nach, als ein wesentlicher Teil, ist wieder zu unterscheiden: denn versteht man dadurch, dass er in allen Dingen wirkend sei, und zu einem neuen Kompositionsgrad zusammen gezogen, außerdem den er vorher hatte; so ist es wohl recht: Aber in diesem Stand kann er zur Bearbeitung des Steins nichts nutzen, und vor desselben zweite Materie genommen werden, als schon genug erwiesen worden, es sei dann, dass er wieder in seine Einheit zurück gebracht werde, welches unmöglich und der Natur zuwider, wir gezeugt haben. Dass er aber in allen Dingen in dem nämlichen Einheits- und Wirkungs-Stande, die dazu erfordert werden, dass er die zweite Materie des Steins sein könnte, ist allerdings falsch und bringt einen Widerspruch mit sich, denn der Teil eines Dinges grösser wäre, als es selbst ist. Wann auch schon die Schriftsteller mit denen glattesten und ausgesuchtesten Worten uns solches zu beweisen scheinen, so ist doch nicht alles und besonders dieses dem Buchstaben nach zu verstehen, als wir schon gelehrt haben vorher, den sie nimmermehr haben lehren wollen, dass die Materia Secunda in allen Dingen also sei, dass man sie daraus nehmen könne; sondern, dass das Dinge zu suchen sei, das in allen Dingen wirklich sich befindet, und aus, welchem sie coaguliert und gebildet worden, in dem Stand, welchen es hatte ehe und bevor es in die Wirklichkeit in allen Mixturen gebracht wurde, und, welches täglich aufs neue sich zu allerhand Dingen coagulirt, durch die Wirkung derer sowohl Primordial- als Partikular-Samen. Lebe wohl.

Fünfzigster Brief.

Wertester Bruder!

Es sind sehr viel Meinungen über die Eigenschaften die die Essenz der zweiten Materie ausmachen: dann einige eine durchaus wässerige Consistenz verlangen, andere hingegen eine harte, einige wollen sie weder ganz flüssig, noch ganz hart haben, sondern wählen die Mittelstraße, viele wollen sie durchsichtig haben, viele dunkel, andere die himmlische Farben, andere weiß, dem Geschmack und Geruch nach, wollen sie einige scharf, die andere aber süß und wohlschmeckend haben; viele geben ihr die Eigenschaft einer Feuchtigkeit, viele aber einer Trockne, einige eignen ihr eine innerliche rote goldische Tinktur, andere verneinen es, einige wählen sie alt, andere frisch. Welches alles nach dem vorher gesagten leicht zu vereinigen ist; dann so von der Substanz der zweiten Materie geredet wird, so ist sie flüssig und Nass, so sie die erste Farben bekommt, ist sie durchscheinend und himmlischer Farbe, nicht blau, sondern nur durchsichtig und nach Art des Regenbogens mit unendlich vielen Farben begabet: Nass ist sie auch im höchsten Grad, weil sie von gestandener Luft voll ist, und sie in der ganzen Luft-Sphäre ausgebreitet ist, daher so lange sie in ihrer Verdünnung ist, sie auch die Hände nicht netzet, sie hat innerlich eine überaus große Tinktur, welche wenig Tage nach ihrer Scheidung von ihrem Subject die gelbe Farbe des aufgelösten Goldes zeiget, diese Tinktur aber wird erhöht und geht durch die Mittel Farben bis zur höchsten Röte, die älteste muss man wählen, das ist eine mercurialische Substanz oder der Universalgeist, welcher nach unterschiedenen natürlichen Destillationen und Cohobationen seine kalte feuchte Eigenschaft verändert hat in eine feuchte Wärme, in, welchem letzteren Stand er nirgends an zu treffen ist, als in unserem Subject; und, wenn er einmal davon geschieden ist, so ist es eine Anzeige seiner kalten Qualität. Ist aber die Rede von dem Subjecto der zweiter Materie, so gehören demselben die widrige Eigenschaften, die der vorigen Beschreibung entgegen stehen, dann dieses Subject ist fest, dunkel, etwas hart, weiß, süß, und eines lieblichen Geruchs, und sehr trocken, weil es wesentliche und in der Tat Erde ist. Die frische Materie ist zu wählen, weil sie durch Länge der Zeit leicht den Universalgeist fahren lässt. Es sind noch etliche widrige Eigenschaften, die von denen Autoren diesen zweite Materie beigelegt werden, sie werden aber bessern Platz haben in der Abhandlung der Worten, wo die Descriptionen beschrieben werden.

Ein und fünfzigster Brief.

Wertester Bruder!
Hier folgt auch das zweite Kapitel von der Art zu arbeiten, gegen, welche viele Widersprüche sind, die alle eingeschränkt werden in die nützliche und unnütze Teilen der zweiten Materie, zur Vollführung der Arbeit bis zur Vollkommenheit, davon wir überflüssig in unseren Briefen geschrieben haben; davon wollen wir dennoch etwas noch einmal erwähnen mit anderen Worten, damit wir besser verstanden werden.
Was die nützliche Teile betrifft, so bemühen sich viele den Merkur oder die merkurialische Teilen unserer Materie als brauchbar anzugeben, andere nur den Schwefel, andere wieder nur das Salz, andere wollen haben man solle alles aus dem Subjekt scheiden und wieder zusammen setzen, ausgenommen das Phlegma und Caput Mortuum, damit aber diese Meinungen können vereinigt werden, ist nötig zweierlei zu unterscheiden, die in den Teilen des Körpers enthalten sind, so als unsere Materie natürlicher Weise ist, nämlich die natürliche und überflüssige Teile.
Die überflüssige Teile sind von dreierlei Gattung.
Erst das Phlegma oder eine übermäßige Quantität merkurialisches Wassers, die in der Zeugung das Gewicht der Natur oder die Proportion der Kräften derer Primordial- und Partikular-Samen übertrifft, welches Übermaß wegen Schwäche der Natur, das ist der Scheidungskraft derer Samen oder des Archaeus, der die Samen bewegt, konfus als ein angebrachter, nicht aber notwendiger Teil des Körpers bleibet, bis es von dem Archaeus weg kann getrieben werden.

Zweitens das Caput mortuum, das ist eine unnütze Menge irdischer Teilen, welche ebenfalls die Natur nicht auswerfen kann, oder zur Erhaltung des Mixti sich da befindet als die Schale.

Das dritte ist eine gewisse Fettigkeit die aus dem Phlegmate und Capite mortuo zusammen laufet, und die Art eines stinkenden und giftigen Öls oder eines bösartigen Schwefels an sich hat. Diese überflüssige Teile sind nicht in allen Mixturen an zu treffen, denn die Mixta der ersten Klasse, als wir sie beschrieben haben, nämlich die geurständete Anfänge, und hauptsächlich unser Universalmercur, in seinem Wesen betrachtet haben dergleichen keine. Die Ursache dessen ist, dass ihre Anfänge aus der aller einfachste Wesenheit bestehen, welche nach dem Willen des Archaeus sich lenken, so, dass niemals kein Mangel und auch kein Überfluss in denen ersten Mixtur ist, weil der Archaeus leicht ersetzen kann was ihm mangelt, und wieder wegtreiben was sich der Materie zum Schaden ansetzen könnte, welches in denen Mixturen der zweiten Klasse, nämlich derer drei Reichen sich anders verhält, deren Materiale-Anfänge, als sie zur determinirten Materien werden, schon mehr componiert sind, daher sie denen Wirkungen des Archaeus desto stärkeren Widerstand tun, daraus entsteht die Unmäßigkeit dieser Mixten, da sie entweder zu viel oder zu wenig der einen oder der anderen Qualität, haben. Ja alles was in denen gesagten Anfängen von Wässrigkeit ist, die ist alle mercurialisch und sehr notwendig zu allen Hervorbringungen, weil in diesem Wasser die Wurzel des Ferments und die körperlich machender Eigenschaft sich aufhält. Die untere gemischte Körper aber leiden dergleichen exkrementliche Teile: aber nicht alle, auch nicht gleichviel und nicht allezeit; dann in einigen ist das Phlegma ohne Fäcibus, in anderen Fäces ohne Phlegmate, wie in dem perfekten Gold und in Diamanten zu sehen, daher es geschieht, dass zuweilen, doch selten unser Solvens nicht die ganze Wesenheit des Goldes auflöse; es hat aber nichts zu bedeuten, und ist dieser halb nicht nötig das feinste Gold zu suchen, weil das reine alleine sich auflöst und weiter nichts: Diese Solution aber geschieht nicht durch die Gewalt derer korrosivischen Salien, sondern durch die Vereinigung derer Homogenen nach dem Anfang, daher keine heterogene Teile solviert werden können.

Die natürliche Teile sind zweierlei, die notwendige und die zufällige.
Die notwendige sind diejenige, die das ganze wesentlich ausmachen, deren Scheidung den ganzen Körper zerstöret, und, wenn dieselbe von einander kommen, so ist’s nicht möglich dieselbe wieder zusammen zu bringen, als es anderswo durch Beispielen bewiesen ist.

Diese Teile aber sind die Materie und die Forme, welche die Wesenheit und wesentliche Gestalt ausmachen, als die Seele das Tier, und dann die Körperlichkeit.
Wir haben aber schon wo anders von dem Salz, Schwefel und Merkur gesprochen, dass sie eigentliche Teile jedes Mixti sein.

Die zufällige Teile sind diejenige, derer Scheidung die Wesenheit des Mixte vermindern, ohne das Mixtum zu zerstören, und sind homogen und heterogene. Die homogene, die nur die Vielheit ausmachen, sind diese: die einerlei Wesenheit mit dem ganzen haben, und derer Scheidung nur die Vielheit der Wesenheit verringern; als zum Beispiel wann von einem Pfund Gold oder Silber etliche Loth genommen werden.

Die heterogene Wesenheiten sind diejenige, die von einander und von dem Körper unterschieden sind, derer gänzliche Abscheidung die ganze Wesenheit zerstören; die Zerstörung einiger derselben schändet nur, und zerstört nicht gänzlich das Totum.

Alle diese Teilarten kommen denen Mixturen derer dreien Reichen zu, sowohl denen, obersten, als denen mittelsten, oder schon angefangenen Urständen, die noch nicht einmal zusammen gezogen sind: doch nicht in gleichem Maas; denn in einigen ist mehr Schwefel, die alsdann von denen Philosophen in weitem Verstand Schwefel genannt werden; wie auch das Gold diesen Namen öfters bekommt: In anderen ist mehr Merkur, daher sie Merkur genannt werden; In anderen hat das Salz die Oberhand, und erhalten dessen Namen. In denen dichten und stark ausgekochten Körpern, sind Salz und Schwefel einerlei, oder sind doch wenigstens so zusammen verknüpft, dass sie schwerlich zu scheiden sein, daher die Alten selten oder niemals vom Salz Erwähnung tun: Wenn sie aber in Vitriol verkehrt worden, so ist ihnen des Salzes Namen und Eigenschaft am dienlichsten, doch nach ihren unterschiedenen Effekten werden sie bald Salz, bald Schwefel genannt. Lebe wohl. Zwei und fünfzigster Brief.

Wertester Bruder!

In diesen Zusätzen ist der Verstand entweder von der Wesenheit einer oder der andere Materie, nämlich vom Vitriol des Goldes und unserem spezifizierten Universalgeist, oder vom Subjecto, in, welchem ein und andere Materie sich befindet und heraus gezogen wird, nämlich aus dem einfachen mineralischen Gold oder unsere Magnesia.
Ist’s von der Wesenheit selbst, so merken wir entweder auf die exkrementliche, oder auf die natürlich Teile; sehen wir auf die überflüssige exkrementliche Teile, so sind keine da, wegen der perfekten Mischung des Vitriols des Goldes einerseits, und auf der andere wegen der Einfältigkeit unseres Universalgeistes.
Sehen wir aber auf die natürliche Teile, so ist derselben Scheidung gar nicht zu versuchen, denn sie unmöglich ist ohne Destruction des ganzen Mixti, und wann sie auch schon möglich wäre, ist sie zum Überfluss; dann wir erwiesen haben, dass es gegen die Natur sei, dessen Teile Stück vor Stück wieder zusammen zu setzen, dass sie in einen Leib zurück gebracht werden.
Wo von dem Subjecto der einen oder anderen Materie der Verstand wäre, und man auf die überflüssige Teile derselben sehen wollte, so ist sich dabei vor etwas in Acht zu nehmen, nämlich vor der Erde die in der Hervorbringung des Salzes mit desselben Wesenheit vermischt ist, und in dergestalt unserer Magnesiae dem Universalgeist als sein Receptacul oder Behälter zur Erhaltung dienet, und dem Philosophen zum Gebrauch sich darstellt, weil es nicht nötig ist einen natürlichen Teil dieses Geistes auf eine oder andere Art als ein Exkrement zu schelten. Von denen natürlichen Teilen aber haben wir vorher schon gesagt, dass es umsonst sei derer Scheidung zu versuchen.
Nach der Untersuchung und Auswahl derer nützlichen Teilen, folgt die Führung und Regierung der Kunst und des Werks zum gewünschten glücklichem Ende mit allen Veränderungen, oder unterschiedlichen vorkommenden Farben, worin, wie in vielen anderen Dingen die Autoren strittig sind. Einige wollen nur eine einige Regierung des Werks haben; andere drei, andere gar viere, nämlich: die Solution, die Reinigung, die Reduktion und die Fixation; andere brauchen nur ein beständiges Feuer, andere unterschiedene Grad desselben; einige wollen vielerlei Destillationen, Rectificationen, Kalzinationen, Sublimationen und Imbibitionen, andere aber wollen nur eine Kochung; einige wollen nur zwei Hauptfarben, die weise und rote; andere fügen die schwarze dazu; einige behaupten die rote sei die erste Farbe; andere hingegen die schwarze, welches alles wir leicht nach vorher gelehrten Sätzen dartun könnten, weil wir aber dadurch nur in Weitläufigkeiten gerieten, mehr als es nötig ist, und dabei in vielen Büchern der Ausschlag darüber gefunden wird, so ist die ganze Praktik aus dem ersten Kapitel der Schöpfung hinlänglich zu Untersuchung mit Beihilfe unseres vierten Briefs, vor sich zu nehmen; betrachte also wie der Text dieses ersten Kapitels heiliger Schrift, da er in der Kürze die vornehmste Teile der leiblichen Welt (Nämlich Himmel und Erde) beschreibt; und lehrt das ganze Magisterium, oder, dass die Operationen darinnen bestehen, dass aus dem Chaos (nicht dem uranfänglichen, der dem Schöpfer und der Schöpfung allein zuständig ist) sondern aus dem zweiten Materiellen; zuerst aus unserem Wasser oder unserem Universalgeist, der mit der Finsternis und dunkler Verwirrung der Magnesiae umhüllt ist, in welchem unser Azothischer-Geist das Modell und Vorbild des ungeschaffenen Geistes die körperliche und geschaffene Dingen ausbrütet, der Himmel und die Erde der Philosophen zu machen sei, wüsste und leer zusammen, wachsend wie der Schlamm in einer Quelle, und das Salz im Meer durch die fruchtbar machende Wirkung des Azothischen Geistes, der durch eine kürzliche Hitze von außen muss bewegt werden: Hiernach muss gesagter Geist von denen allgemeinen Wirkungen zu denen sonderlichen herabsteigend, die Zahl und Art einer jeden Arbeit der Kunst, in der Zahlordnung und Gleichheit der Arbeiten, der Schöpfungswochen die damals geschahen, auf eine wunderbare Art vorstellen.

Erst muss licht werden, und muss von denen Finsternissen die über dem Abgrund der Philosophen herrschen geschieden werden, der Tag soll von der Nacht geschieden werden, damit sie hiernach einander während denen übrigen Arbeiten folgen, dann in der Arbeit ist’s nötig, dass das Licht und die Finsternis ihre Kräfte zusammen ausüben.

Zweitens, dass das Firmament in der Mitte derer Wassern gemacht werde, und müssen die Wassern von denen Wassern geschieden werden, nämlich die über dem Firmament von denen die unter demselben sind, das ist die dicke von denen subtilen, dann müssen sie an einem Ort zusammen gebracht werden, damit man die Dürre sehe.

Drittens soll diese Erde grünes Gras hervor bringen, die Samen trage, nach seiner Art; das ist: dass sie mit ihren eigentlichen Samen ihrer Art versehen sei, nicht aber nach denen dreien Reichen, denn es hier der Platz nicht ist, und, dass sie durch die nachgehens fallenden homogenen Tau fruchtbar werde. Viertens müssen zwei große Lichter hervor kommen, das kleiner Licht zum weisen, und das größere zum roten, die in dem philosophischen Firmament leuchten, und die Erde erleuchten, es sei die metallische, die vegetabilische, oder die animalische; dieselbe geben Zeichen und Zeiten, Tag und Jahre, das ist, dass sie zu erkennen geben ein solche Vollkommenheit der Temperatur, als ihre äußerliche Merkmalen und Zeichen nach der Mannigfaltigkeit derer Witterungen, und Alter an ihnen verraten, und endlich, dass sie die Unverwäßlichkeit nach dem Vermögen des Gebäudes auswirken.

Fünftens sollen gesagte Elixiere mit dem nämlichen Wasser woraus sie gewachsen sind wieder multipliziert werden, in ihrer Kraft und Größe durch die nämliche Arbeiten, Ordnung und Regierung des Feuers als sie vorher sind gemacht worden; alsdann müssen sie mit denen sonderlichen Samen, welches Reiches du willst, derer untern Mixten nach derer einem jeden zustehender Natur fermentiert und spezifiziert werden.

Sechstens sollen gesagte multiplizierte und spezifizierte Elixiere in Animalia verkehrt, durch künstliche Darstellungen und Zeigungen, zur Fortpflanzung der Vegetabilien durch Vereinigung der Salien verkehrt werden, und zur Transmutation der Metalle und Mineralien durch die Projektion und die Schwefels Vereinigung.

Dieses sei von der Materie und von der Art sie zu arbeiten gesagt, folgend werden wir von denen Ausdrücken handeln. Lebe wohl.

Dreiundfünfzigster Brief.

Wertester Bruder!

Die Ausdrücke werden in zwei Hauptstücke abgefasst: das erste handelt von denen zusammengesetzten; das andere von denen einfachen.
Die zusammen gesetzten sind die Beschreibungen die die Philosophen brauchen, die Materie und die Arbeit an zu geben: sonderlich aber zur Anzeigung der Materie, und werden in zwei Artikeln eingeteilt, deren der erste die Primam Materiam, der zweite die Materiam Secundam (Zweite Materie) begreifen.
Die Beschreibungen die die erstere Materie angehen, werden eingeteilt in einstimmige und in gleichlautende.
Die gleichlautende sind diese, durch, welche das Gold in dem Stand und Beschaffenheit beschrieben wird, in, welchem es von denen Philosophen als die Prima Materia angegeben wird, aber mit Namen unterschiedlicher Hauptstücken, die eine zum Teil eine gleiche, zum Teil eine unterschiedene Natur mit den Golde haben, wie zum Beispiel der lebendige Schwefel, Vitriol genannt wird; in dessen Verstand es genommen werden muss.
Vom Vitriol und unserem aufgelöstem Gold oder Solarischer- Erde, so ist der Vitriol metallisch und mit allen Arten Vitriols in einer gewisser Proportion gleich; diese Art von Beschreibungen, wegen Gleichheit der Ursachen, zuweilen wegen Übereinstimmung einiger Effekten und Wirkungen, werden öfters in denen Autoren häufig gefunden, so als auch, dass das Gold, ein Koagulum, ein Ferment, der Dotter des philosophischen Eies, das Männlein genannt wird. Die einstimmige Beschreibungen sind alle die das Gold mit Namen, wegen seinen Eigenschaften und was ihm eigentlich zugehörig ist, nebst seiner ganzen Wesenheit auslegen und anzeigen, diese sind nicht selten in unseren Schriften und anderer Philosophen Büchern, weil sie aber leicht zu beurteilen sind, soll hier keine weitere Meldung davon geschehen. Lebe wohl.

Vierundfünfzigster Brief.

Wertester Bruder!

Der zweite Artikel der die Beschreibungen der zweiten Materie in sich fasset, wird in drei Absätze eingeteilt.
Der erste enthaltet die Beschreibungen der Materie Secundae selbst.
Der zweite die Beschreibungen des Subjecti, in, welchem sie ist und woraus sie zu erlangen ist.
Der Dritte hat die Beschreibungen die sie alle beide gemeinschaftlich angehen, nämlich die Wesenheit der zweiten Materie und ihr Subjectum.
Die erstere sind einstimmig oder gleichlautende. Der gleichlautende sind viele, die von sich selbst kennbar genug sind; wann man betrachtet, ob sie die Natur unserer Materie weitläufig oder kürzer beschreiben, als es das Wesen erfordert, auf, welches dergleichen kurze Beschreibungen gerichtet sind, welche wir Kürze halben auslassen.
Die einstimmige sind auch vielerlei, wie diese zum Beispiel ist, womit vergewissert wird, dass unsere Materie allenthalben sei, dass sie in allen körperlichen Dingen ihr Wesen habe, öffentlich vor unseren Augen schwebe, und doch nicht gesehen werde; dass sie schlecht sei, und sogar in Misthaufen an zu treffen; und dabei dennoch vor unsere verborgene Lebens-Speise zu halten, welches alles, wie es dem Universal-Merkurio zukomme ganz alleine und wie es zu verstehen sei schon genug von uns in vorigen Briefen ist erwiesen worden.

Das zweiten Absatzes Beschreibungen sind ebenfalls einstimmig oder gleichlautend.
Die gleichlautende sind die, wodurch das Subject der Materia Secunda, Talk, geblätterte Erde, Honig, Tau, philosophischer Merkur, Minera, Grube und andere Namen mehr bekommt. Die einstimmige aber sind selten, und unter sechs hundert Bücher werden etwa drei oder viere gefunden, darinnen sie so hell und deutlich sind, dass es nicht wohl möglich ist sie klarer zu beschreiben, unerachtet man sie im ersten Anblick nicht gleich wahr nimmt.

Der erste ist die wodurch behauptet wird, dass der Namen unserer Materie an allen Orten bekannt ist, und in allen sowohl noch gebräuchlichen als verlorenen Sprachen fast einen gleichen Laut habe, weil die erste Silbe desselben überall einen nämlichen Schall durch Wirkung der Buchstaben hat.

Die zweite ist die womit gesagt wird, dass der Namen unseres Subjects mit drei Buchstaben und fünf Characteren ausgemacht wird; weil er in der Tat in lateinischer, griechischer und hebräischer Sprachen, nur mit drei unterschiedenen Buchstaben geschrieben wird, und mit zwei von gleicher Art mit denen zwei vorhergehenden.

Die dritte wodurch gesagt wird, dass das Subject mit einem einzigen geheimen Charakter gezeichnet wird, zu, welchem fünf Buchstaben die seinen Namen ausdrücken, können beigefügt werden; man mag das Gänze in ähnliche Teile dieser Charaktere einteilen oder austeilen, oder aus vorgesagten geteilten Charaktere fünf dergleichen wieder zusammen setzen.
Du kannst nach deinem Belieben alle diese Beschreibungen verifizieren, während dir dieser Namen bekannt ist; du sollst aber deine Betrachtungen mehr auf die Eigenschaften des Subjects und des aus ihm zu ziehenden Liquors wenden, damit du dich in der Meinung die wir dir davon gegeben haben fester setzest, und sie anderen hohen Geistern beibringen könnest.

Der dritte Absatz der von denen vermischten Beschreibungen, die eines und das andere berühren, nämlich von der Wesenheit der Materie und ihrem Subject handelt, kann in vielen Schriften notiert werden, da die Philosophen bezeugen, ihre Materie sei weder vegetabilisch, weder mineralisch, noch animalisch, und wird von keinem derselben Reichen heraus geholt, stammet auch nicht daher; dieses alles zu beschreiben, täte uns in eine Weitläufigkeit bringen, die über die Ordnung der Briefen wäre; da es ohnedem unsere Meinung nicht ist, alle dergleichen Beschreibungen ordentlich ab zu fassen; sondern nur ein Licht an zu zünden, womit man sie ordentlich unterscheiden könne. Von denen Beschreibungen der Arbeit werden wir auch schweigen, obwohl unsere Einteilung dahin führet: davon ist in dem letzten Teil des Kapitels der Arbeit sattsam geredet worden. Lebe wohl.

Fünf und fünfzigster Brief.

Wertester Bruder!

Nun wollen wir von denen einfachen Ausdrücken reden, derer Zweifelhaftigkeit in dem zweideutigen Verstand ist, in, welchem viele Dingen können genommen werden, das ist, in der Zueignung des nämlichen Namens zu vielen Dingen, oder in denen vielen Namen eines Dinges, unterschiedlich danach betrachtet.
Nach der zweideutigen Redensart wird unser Universalgeist ehe er in unserer Magnesia aufgefangen wird, (welche Magnesia wir sein Subject nennen,) Merkur der Philosophen, und nicht schlecht weg Merkur genannt; wegen der Proportion und Gleichheit die er mit dem Planeten-Merkur hat, welcher gleich die Qualitäten der Dingen wo er zugesetzt wird auch annimmt, desgleichen unser Merkur mit denen unteren Planeten auch tut, nämlich mit denen Samen der Metalle und anderer Mixten, welches das gemeine Quecksilber nicht prästieren kann, der, ob er sich wohl mit denen Metalle amalgamieren lässt, dennoch ihre Qualitäten nimmermehr erlangen kann, wenigstens was die Vermehrung der Samen anlanget.
Mit dem nämlichen Namen wird er wird er genannt, da er noch in gesagter Magnesia ist, auch wann er aus derselben gezogen ist, und auch noch wann er nach der Zerstörung wieder belebt intimè mit dem Gold vermengt und gleichförmig ist.
Was aber die ausgearbeitete Sachen anlangt, so gibt die Erfahrung, auch die Theorie und Praxis dir schön Gelegenheit dieselbe zu betrachten. Das nämliche ist’s auch mit dem Gold, welches das Ferment im philosophischen Ei genannt wird, auch diesen Namen, im Stande des perfekten Steins und wegen Wirkung der der Produktion behaltet.
Nach der Vielheit der Namen aber, wir gedachter Merkur nach seinen unterschiedenen Ständen und Wirkungen genannt zuweilen Antimonium, wenn er in vorher gesagter Solution das Gold reinigt und es sehr subtil macht, nach Art des gemeinen Antimonii, doch aber viel edler und kräftiger; zuweilen Saturn oder Blei nach dem Grad seiner metallischen Forme im philosophischen Ei, oder ehender wegen seinem gleichen Temperament mit dem Saturn; zuweilen heißet er Weib, wenn er die Samen des Goldes empfängt; zuweilen Magnet, weil er mit einer magnetischer Kraft den eigentlichen Samen des Goldes anzieht; zuweilen Stahl, weil auf die nämliche Art als der Magnet den Stahl anzieht, also zieht auch wieder der Samen des Goldes unseren Merkur an. Man gibt ihm auch die Namen des Schwefels, des Salzes, des Ferments; diese Namen werden ausgesonnen, entweder in der Ausarbeitung des Magisterii, oder in der Multiplikation desselben und nach unterschiedenen anderen Arbeiten, dann er wird Schwefel genannt, wenn das Zentralfeuer seine kalte Temperatur verändert, dass die Hitze die Oberhand erlangt; Salz aber heißt er, wenn die Trockne des Feuers und der Erde mit der Feuchtigkeit in Gleichgewicht stehen, da eines von dem anderen überwunden, sie mit einander unten liegen müssen, und diese beide des Salzes Wesenheit erlangt haben, dass sie ohne Abnahme im Feuer und im Wasser können aufgelöst werden, in einer heller Luft, und, dass sich die Erde erhärte gleichwie das Gold. Ferment wird er genannt, wenn er selbst coagulirt, einen anderen der ihm gleich ist mit sich coagulirt, es sei in der Ausarbeitung des Magisterii oder in dessen Multiplikation. Das nämliche ist’s mit dem Golde in seiner Proportion, welches nach der Solution Vitriol, und in der Zerstörung Rabenhaupt genannt wird.

Dieses lasse dir genügen, ich kann nichts mehr tun, als vielleicht mit der Zeit, so Gott will, und dir es deine Zeit und Geschäfte zulassen, dir die Hände an zu legen, weisen und Zeichen, welches ich wünsche. Lebe wohl.

Gott alleine sei Ehre! ENDE.