Die Prophetin Maria

Darstellung aus dem Buch Symbola Aurea Mensae (1617)

Darstellung aus dem Buch Symbola Aurea Mensae (1617)

Die Prophetin Maria /  Schwester von Moses

(ca. 1. Jahrhundert)

Die ältesten überlieferten alchemistischen Werke stammen von der jüdischen Alchemistin Maria, Moses Schwester. Maria war in Alexandria tätig. Die Alchemie gründet auf Hermes Trismegistos der in dieser Schrift erwähnt wird. Weiters beschreibt sie unterschiedliche alchemistische Arbeitsmethoden und Gerätschaften wie alchemistische Öfen und Destillationsapparate. Sie berichtet vom Opus Magnum zur Herstellung des Steins der Weisen.

Praxis in der Kunst der Alchemie

Es ist der vortreffliche Philosoph Aros zu der Prophetin Maria, Moses Schwester, gekommen; und er hat sie, bei ihr eingekehrend mit großer Ehrerbietung gegrüßt, darauf hat er zu ihr gesagt: O du von Gott hocherleuchtete Prophetin, weil ich von vielen gehört habe, dass du den Philosophischen Stein in einem Tag weiss machen kannst, habe ich nicht umher können mit dir darüber eine freundliche Unterredung zu haben und zu fragen, ob dem so sei?

Darauf gab ihm Maria zur Antwort: Ja mein lieber Aros nicht allein in einem Tag, sondern auch wohl nur in einem Teil eines Tages.

Aros: Aros: Oh, Frau Maria was wird das für ein Werk sein wovon du sprichst. Wie wollen wir denn zuvor Weiss machen und dann erst die Schwärze hernach bringen?

Maria: Lieber Aros, sind nicht zuweilen auch die Heiden über diesem Teile gestorben? Weißt du nicht Aros, dass es ein Wasser oder ein Ding ist, welches den Hendragem weiss macht?

Aros: Es ist wohl so, wie du sagst, solches geschieht aber nach langer Zeit.

Maria: Es hat Hermes in allen seinen Büchern erwähnt, dass die Philosophen den Stein in einer Stunde eines Tages weiss machen.

Aros: O wie ist das so ein edel Ding?

Maria: Ja, es ist freilich das allerhöchste für den der es nicht kennt, noch versteht.

Aros: Oh du hohe Prophetin, wenn bei den Menschen alle 4 Elemente sind, hat er [Hermes] gesagt, dass eines mit des anderen Eigenschaft erfüllt, ihre Räuche und Dünste coagulieren, und also in einem Tag erhalten werden könnten, bis sie das nachständige auch verrichten.

Maria: Bei dem wahren Gott, wenn ich nicht ein beständiges Gemüt bei dir vermerke, so solltest du dieser Worte keines von mir vernehmen, solange bis der Herr mein Herz erfüllt, durch die Gnade seines göttlichen Willens. Jedoch: So nimm den Allaun aus Spanien, das weisse Gummi, und das rote Gummi, welches der Philosophen Kibric, ihr Gold, und die große Tinktur ist und vereheliche das Gummi mit dem Gummi, durch eine wahre Verehelichung. Verstehst du solches Aros?

Aros: Jawohl, heilige Frau.

Maria: Verschaffe mit ihnen, dass sie wie ein fließendes Wasser werden, und mache dieses wohlbereitete Wasser zu Glas, aus zwei Zubech, über den  fixierten Körper, und mache dieselbige flüssig durch das Geheimnis der Natur im Gefäß des Philosophen. Hast du meiner Worte genügend verstanden?

Aros: Ja, Frau Prophetin.

Maria: Verwahre den Rauch, und behüte, dass nichts von ihm entfliehe, warte seiner auch mit einem kleinen Feuer so wie der Sonne Wärme im Heumonat oder Brachmonat (Juni oder Juli) ist. Sei auch nicht weit vom Gefäß, damit du es jederzeit ansehen kannst, wie es schwarz, weiss und rot wird, in weniger als drei Stunden eines Tages, so wird der Rauch den Körper durchdingen, die Geister werden sich zusammen halten, und wie eine Milch sein, welche erweicht, flüssig wird und durchdringt., und das ist das Geheimnis.

Aros: Meine Meinung ist nicht, dass dies immer so ist.

Maria: Mein Aros, ich wollte dir wohl noch was Wunderliches davon sagen, das nicht Brauch der Alten war, und ist auch nicht als Arznei zu ihnen gebracht worden, und solches ist dieses: Nimm das weisse, klare, hochgeehrte Kraut, welches auf den kleinen Bergen wächst und zerreibe es also frisch wie es in seiner Stunde ist, denn dasselbe ist der wahre Körper welcher nicht aus dem Feuer entflieht.

Aros: Sollte dann wohl dieses der Stein der Wahrheit sein?

Maria: Ja. Jedoch aber wissen die Menschen dieses Regiment mit seiner Geschwindigkeit es nicht.

Aros: Was folget dann darauf weiter?

Maria: Vitrificire oder mache zu Glas über dem selbigen, das Kibric und Zubech, denn das sind zwei Räuche, welche zwei Lichter in sich begreifen , und wirf auf dasselbige die Erfüllung der Tinktur und der Geister, und die Gewichte der Wahrheit, reibe es alles ganz und gar, und setze es zum Feuer, so wirkst du wunderliche Dinge von ihnen sehen. Das ganze Regiment beruht auf der Mäßigkeit des Feuers. O wie ein Wunder ist das? Wie wird sichs aus einer Farbe in die andere verwandeln? Ehe dann in einer Stunde des Tages, bis dass es das Ziel der Weiss und Röte erreiche. Alsdann tue das Feuer beiseite, lass es miteinander erkalten, und öffne es, so wirst du befinden, dass der perlenklare Körper sich in der Farbe des wilden Mannes eräugt, mit einer weissen Farbe vermischt, und dasselbige ist dasjenige, welches inceriret oder einen Eingang macht, erweicht und durchdringt, und seine goldene Kraft kann auf 1200 Teile geworfen werden. Dieses ist das verborgene Geheimnis.

Da fiel Aros auf sein Angesicht.

Maria aber sprach zu ihm: Richte dein Haupt auf, Aros, dann will ich dir zeigen, wie mit diesem Dinge aufs kürzeste umzugehen sei, oder mit dem klaren Körper, welcher auf die kleinen Berge geworfen ist, und welcher mit keiner Fäulung noch Bewegung überwältigt wird. Nimm ihn und treibe ihn mit dem Gummi Elsaron und mit den zwei Räuchen, denn der Körper, so der Erhaltung Ursache, ist das Gummi Elsaron, das reibe ganz und gar, und sei stätigs an ihm, denn es wird alles flüssig. So du es auf seinen Ehegatten projizierst oder wirfst, so wird sichs zeigen wie ein destillierend Wasser, und wenn es die Luft berühren wird, so wird sichs congiliren, und zusammen ein Leib werden, und projiziere von demselben, so wirst du Wunder sehen. O Aros dieses ist das verborgene Geheimnis der Scholia, und du sollst wissen, dass die vorhin erwähnten zwei Räuche die Wurzel dieser Kunst sind, und solche sind das weisse Kibric und der feuchte Kalk, aber der fixe Körper ist aus dem Herzen des Saturn, welcher die Tinktur enthält und ist das Campos Sapientia oder Scholia. Die Philosophen haben sie mit vielen und fast allen Namen benannt, und ist es von den kleinen Bergen hergenommen, und ist ein klarer weisser Körper. Diese sind die Medizin dieser Kunst, ein Teil wird verkauft, ein Teil aber findet man auf dem kleinen Berglein. Und du sollst wissen, Aros, dass die Weisen es nicht Campos Sapientia, oder Scholia genannt haben, als nur allein darum, weil die Scholia nicht erfüllt werden, als durch dieses, und in dieser Scholia sind nichts als eitel wunderliche Dinge, denn in dieselbige gehen vier Steine, und ihr Regiment ist wahrhaftig, wie ich gesagt habe. Und dieses ist das erste, Scoyare Ade und Zether, durch dieses besinne dich auf die Bedeutung, gleichwie Hermes in seinen Büchern die Scoyas gedeutet hat. Es haben auch die Philosophen allezeit ein langes Regiment geschrieben, und das Werk vor jedermann verborgen, damit es niemand machen sollte und sie machen das Magisterium in einem Jahr, welches alles geschieht aus keiner anderen Ursache als dass es vor den Unverständigen verborgen bleiben möge, bis so lange es in ihren Herzen wurzelt und ihre Sinne und Vernunft solches begreifen möge, denn die Kunst wird nicht vollbracht, als allein nur im Gold, denn es ein großes Geheimnis Gottes. Viele hören von solchen Geheimnissen und  schenken ihnen keinen Glauben, wegen ihres Unverstandes und Unwissenheit. Hast du mich recht verstanden Aros?

Darauf gab er ihr zur Antwort: Jawohl, aber erzähle mir doch noch etwas von dem Gefäße, ohne welches die Kunst nicht verrichtet werden mag.

Maria: Dasselbige ist das Gefäß Hermetis, welches die Stoici verborgen haben, und es ist kein Schwarzkünstlerisches Gefäß, sondern es ist ein Maß deines Feuers.

Aros: O du heilige Frau, du hast mir von wegen der  Scoyarischen Gesellschaft diesmal viel den Willen erfüllt. O du heilige Prophetin, hast du denn nicht auch unter den Philosophischen Geheimnissen gefunden, die sie in einer ihrer Büchern nieder geschrieben, dass jemand dieses Werk aus einem einzigen Körper machen könne?

Maria: Ja zwar, obgleich es Hermes nicht gelehrt hat, denn die Wurzel der Scholia ist ein ungeschmeidiger, unheilbarer Körper und ein Gift, welcher alle Körper tötet und er macht sie zu Pulver, und coaguliert den Mercurius durch seinen Geruch. Ferner sagte sie: Ich schwöre dir beim ewigen Gott, dass wenn dieses erwähnte Gift dermaßen solviert und aufgelöst wird, sodass es zu einem subtilen Wasser werde, egal durch welche Solution, oder Auflösung solches geschehe. Es coaguliert den Mercurius zu Luna, oder Silber, durch seine wahrhaftige Stärke und fällt in die Tiefe Jupiters ein und macht ihn zu wahrem Silber. Und die Kunst ist in allen Körpern, die Stoici aber haben es wegen ihres kurzen Lebens und der Langwierigkeit dieser Kunst verborgen und verhehlt, und haben diese tingirenden Elemente gefunden, welche sie vermehrt haben. Es lehren auch davon alle Philosophen, ausgenommen das Gefäß Hermetis, welches sie verhehlen, denn dasselbige ist göttlich, und durch die Weisheit des Herrn vor den Heiden verborgen, und diejenigen, so dessen kein Wissen haben, verstehen das Regiment der Wahrheit nicht, daher ihnen das Gefäß Hermetis unbekannt ist.

Maria braucht sich Wunders viel
In kurzen Worten ohn Maß und Ziel
Mit zwei Gummi den flüchtgen Mann
Sie bis ins innerste figiren kann.
In Drei Stundn drei Starke b’hend
Sie bindet, machts damit ein End.
Maria, die leuchtend Morgenröt
In drei Stundn alles verknüpfen tät
Plutonis Tochter Liebe sie kennt,
Drum schafft sie ihr Beihilf behendt.
Ihr Freud in drei Samen ist,
Wenn sie vereinigt, werden geröst.