5. Tag

Dies V.

Die Nacht war fürüber, und der liebe erwündschte Tag angebrochen, da machet ich mich flux auß dem Bett, mehr begierig zuerfahren, was doch geschehen möchte, dann das ich geschlaffen gnug hätte.

Nach dem ich mich nun angezogen, und meiner gewonheit nach die Stiegen hinab begeben, war es noch zu frühe, und fande niemand anders in dem Saal, bat deßwegen meinen Knaben mich ein wenig in dem schloß umbzuführen, und etwas sonderlichs zuzeigen, der war nun wie allweg willig, führet mich auch alsbald etliche Stiegen unter die Erd, zu einer grossen eysenen Thüren, darauff waren nachfolgende wort von Kupfferen grossen Buchstaben angehefftet:

Diß hab ich also abgemahlt, und in mein Schreibtäfelein auffgezeichnet: Nach dem nuhn diese Thür eröffnet, führet mich der Knab bey der Hand durch einen gantz finstern Gang, biß wir wider zu einem kleinen Thürlein kamen, daß war nun zugeleinet, dann wie mich der Knab berichtet, hatte man solches erst gestern eröffnet und die Sarch darauß genommen, wäre also noch nit beschlossen worden, wie wir nuhn hinein getretten, ersahe ich daß allerköstlichste ding, so jemal die Natur erschaffen.

Dann solch Gewelb hatte sonst kein ander Liecht, denn von etlicher ubergrossen Carbunckeln, und diß war (wie ich berichtet wurde) deß Königs Schatz: Das herrlichst und fürnembst aber so ich hierinen gesehen, daß war ein Grab, so in der mitten stund von solcher köstligkeit, daß mich wundert, daß solches nit besser versorget wurde: Darauff antwortet mir der Knab: Ich hätte mich billich gegen meinen Planeten zu bedancken, auß welches Influentz mir nun mehr etliche Stuck zusehen worden, so keines Menschen Aug sonsten jemalen gesehen, außer deß Königs Gesinde.

Diß Grab war dreyecket, hatte in der mitten einen Polierten Kupfferin Kessel, daß ander war von lauter Gold und Edelgestein.

In dem Kessel stund ein Engel, der hielt in Armen einen unbekandten Baum, von dem tropffnet es stetigs in den Kessel, auch so öfft die Frucht abfiel in den Kessel, wurde sie auch zu Wasser, und floß von dannen in drey guldinen nebenkesselin.

Dieses Altärlin trugen die drey Thier, Ein Adler, Ochs und Löwe und stunden auff einem überauß köstlichem Postament.

Ich fraget meinen Knaben, was döch das bedeütten möchte: hie ligt begraben (sagt er) Venus, die schöne Fraw, so manchen hohen Mann umb Glück, Ehr, Segen und Wolfart gebracht hatt.

Hierauff zeiget er mir ein kupfferne Thüren auff dem Boden.

Hie können wir (sprach er), so es euch beliebet, weiter hinab gehen: Ich gehe immer mit, antwortet ich, hiemit kam ich die Stiegen hinab, da war es gantz finster, der Knab aber eröffnet flux ein klein Kästlin, darinnen stundt auch ein immer wehrendes Liechtlein, von dem zündt er ein beyligende Fackel, deren viel waren, an.

Ich erschrack hefftig und fraget ernstlich, öb er diß thun dörffte? Er gab mir zur Antwort: weil die Königliche Personen jetzund ruhen, habe ich mich nichts zubefahren.

Hiemit ersihe ich ein zubereit köstlich Bett, mit schönen Umbhängen umbzogen, deren einen eröffnet.

Da sahe ich Fraw Venerem gantz bloß (dann die Decken hatte er auch auffgehebt) in solcher zierd und schöne daligen, daß ich schier erstarret, auch noch nit weiß, ob es nur also geschnitten oder ein Mensch todt hie lig, dann sie war gantz unbeweglich, noch dorffte ich sie nit anrühren.

Hiemit wurde sie wider bedeckt, und der Fürhang fürgezogen, mir aber war sie noch als in Augen.

Doch ersahe ich bald hinder dem Bett ein Tafel, darauff stund also geschrieben:

Ich fraget meinen Knaben uber die Schrift, er aber lachet mit Versprechen, ich solte es noch wol erfahren.

Also leschet er die Fackel auß, und stiegen wir wider herauff: Da besahe ich alle Thürlein besser, und bestand erst, daß auf jedem Eck, ein Piretes Liechtlein brante, deren ich zuvor nit war genommen, dann daß Fewr war so hell, daß es einem Stein viel gleicher sahe, denn eim Liecht.

Von dieser hitz muste der Baum immerdar schmelzen, doch bracht er imer andere Frücht herfür.

Nuhn secht, sprach der Knab, was ich von Atlande hab hören dem König eröffnen: wan der Baum (sagt er) wirt völlends verschmeltzen, so wirdt Fraw Venus wider erwachen, und sein ein Mutter eines Königs.

Da er noch diß redet, und mir villeicht mehr sagen wolt, flog der kleine Cupido daher, der war erstlich ab unserer gegenwart etwas bewegt, doch wie er sahe, daß wir beede dem Todt gleicher, denn den Lebendigen, must er entlich selbst lachen, fraget mich also, welcher Geist mich daher gebracht hatte?

Dem antwort Ich mit zittern, ich wäre in dem Schloß verirret, und ungefehr hieher kommen, so hätte mich der Knab allenthalben gesucht, und entlich da angetroffen.

Ich verhoffte, er solte mir es nit arg deuten.

Nuhn steht es noch wol, sprach Cupido, mein alter fürwitziger Vatter, aber leicht hättet ihr mir einen groben Zotten reißen können, so ihr dieser Thüren wargenommen hätten.

Nun muß ich es besser versorgen, leget also ein starck Schloß an die Küpfferin Thüren, da wir zuvor hinab gestiegen.

Ich dancket Gott, daß er uns nit ehe angetroffen, so war mein Knab noch fröher, daß ich ihm so hindurch geholffen.

Ich kan doch, sprach Cupido, daß nit ungerochen lassen: daß ihr mein liebe Mutter scher hätten uberloffen: Hebet also ein spitz seiner Pfeil in der Liechtlein eines, biß er ein wenig erwarmet, damit stupffet er mich auff die Händ, deßen ich doch dazumal wenig geachtet, sondern war fro, daß uns so wol gelungen, und doch ohne weiter Gefahr so darvon kämen.

Hier zwischen hätten sich meine Gesellen auch auß den Betten gemacht, und in dem Saal eingestelt, zu denen füget ich mich auch, und stellet mich, als wer ich erst auffgestanden.

Nach dem Cupido alles fleissig verriglet, kam er auch zu uns, und muste ich ihm die Hand zeigen.

Da befand sich dannoch ein tröpfflin Bluts, dessen er wol gelacht, auch den andern angezeigt, sie solten meiner Acht haben, ich wurde in kurtzem veriaren..

Uns wundert alle, wie Cupido könte so lustig sein: Und der gesterigen trawrigen Geschicht, so gar nichts achtete: Aber da war kein trawren.

Nuhn hätte sich unter deß auch unser Praesidentin zur wegfahrt bereittet.

Die zog auff in gantz schwartzem Samet: und trug doch ihren Lorbeerzweig: So hatten auch ihre Jungfrawen alle Lorbeerzweig.

Wie nun alles fertig: Heisset uns die Jungfraw erstlich einen Trunck zu uns nemmen, darnach bald zur Procession fertig machen, deßwegen wir uns nit lang saumbten, sondern folgeten ihr nach für den Saal hinauß bis in den Hoff.

Im Hoff stunden sechs Sarch, und meineten meine Gesellen anderst nit, dann es legen die sechs Königliche Personen darinnen.

Ich aber mercket den bossen wol.

Doch wust ich nit, was man mit den anderen thun würde.

Bey jedem Sarch waren acht vermumte Männer.

Sobald nun die Music angieng (daß war so ein trawrig gravitetisch Musicieren, daß ich mich entsetzet) huben die Männer die Särch auff, und musten wir, wie wir geordnet wurden, hernach gehen, biß in obgedachten Gartten, in dessen mitte war ein hültzin Hauß aufgericht, welches an dem Tach rings umb ein herrliche Kronen hatte, und auff 7. Säulen stunde, darinnen waren sechs gemachte Gräber und bey jedem ein Stein, doch hatte es in der mitten einen runden holen erhabenen Stein.

In diese Gräber wurden die Särch still und mit vielen Ceremonien gelegt, die Stein darüber geschoben und starck verschlossen.

Im mitlen aber solte daß kleine Trüchlein ligen.

Mit diesem wurden meine Gesellen betrogen, dann sie meineten nit anderst, denn es wären die Todten Leichnam darinnen.

Zu obrist war ein grosser Fahn, und stund Phoenix darinnen gemahlet, uns villeicht hiermit noch mehr zu äffen.

Hie hat ich Gott viel zu dancken, daß ich mehr als andere gesehen.

Nuhn, nach dem Begräbnußen beschehen: Hielt die Jungfraw, so sich auff den mittelen Stein gestellet, ein kurtze Oration: Wir solten an unserm Versprechen halten und uns künfftige mühe nit bedauren lassen, sondern gegenwertigen begrabenen Königlichen Personen wieder zum Leben helffen, und deßwegen mit ihr unverzogenlich auffsitzen, an Thurn Olympi zufahren, daselbsten hierzu taugentliche und notwendige Artzney abzuholen.

Deß bewilligten wir bald und folgten ihr durch ein ander Thürlein nach biß an daß Gestad.

Da stunden obgemelte sieben Schiff alle leer da, dahin steckten alle Jungfrawen ihre Lorberzweig, und nach dem sie uns in die sechs Schiff abgetheilet, liessen sie uns also im namen Gottes fahren, und sahen uns zu, so lang sie uns zu Gesicht haben kondten: darnach zogen sie mit allen Hütern wider ins Schloß hinein.

Unsere Schiff hat jedes ein grossen Fahnen und sonderliches Zeichen.

Die fünff zwar hatten die fünff Corpora Regularia.

Jetlichs ein besonders, daß meinig, darinnen auch die Jungfraw saß, führet ein Globum.

Wir fuhren also in besonderer ordnung daher und hatte jetlichs nur zwen Schiffmänner.

Erstlich zog vorher das Schifflin a, darinnen meins bedunckens der Mohr lag, in diesem hielten sich zwölff Musicanten, die machten gut Arbeit, sein Zeichen war ein Pyramis.

Darauff drey neben einander, b, c und d, darinnen wir außgetheilt wurden.

Ich saß im c., im mitten fuhren die zwey schönsten und stattlichsten Schiffe e und f., darinnen fuhr kein Mensch, mit vielen Lorbeerzweigen besteckt, ihr Fahnen waren Sonnen und Mond.

Zu letst aber ein Schiff g.

In diesem waren 40 Jungfrawen.

Wie wir nun also den See uberfahren, kamen wir durch einen engen Arm erst auff das rechte Meer, da hatten unser alle Sirenen, Nymphen und Meergöttin gewartet, fertigten derowegen bald ein Meerfräwlein zu uns ab, ihr geschenck und Hochzeit verehrung zu uberlieffern.

Daß war ein köstlich groß angefast Perlin: Dergleichen weder in unser, noch newen Welt jemalen gesehen worden, rund und glantzendt.

Da nuhn solches die Jungfraw freüntlich angenommen, bat die Nympha weiter, man wolte ihren Gespielen Audientz geben und ein wenig stillhalten, dessen war die Jungfraw auch zufrieden.

Hieß beyde große Schiff in der Mitte halten, und mit den andern ein Pentagonum darumb machen.

Darauff machten sich die Nymphen rings herumb, und fiengen mit lieblicher Stimm an also zu singen:

I.

Nichts besser ist auff Erden,
Dann die schön edel Lieb,
Damit wir Gott gleich werden,
Daß keins das ander trüb.
Darumb last dem König singen,
Daß gantze Meer thu erklingen,
Wir Fragen, Antwort ihr.

II.

Was hat uns bracht das Leben?
Die Lieb.
Was hat Gnad wider geben?
Die Lieb.
Waher seind wir gebohren?
Auß Lieb.
Wie wären wir verlohren?
Ohn Lieb

III.

Wer hat uns dann gezeüget?
Die Lieb.
Warumb hat man uns g‘seüget?
Auß Lieb.
Was seind wir den Eltern schuldig?
Die Lieb.
Warumb sein sie so dultig?
Auß Lieb.

IV.

Was thut diß uberwinden?
Die Lieb.
Kan man auch Liebe finden?
Durch Lieb.
Wa lest man gut Werck scheinen?
In Lieb.
Wer kan noch zwey vereinen?
Die Lieb.

V.

So singt nuhn alle,
Mit großem Schalle,
Der Lieb zu ehren,
Die wöll sich mehren,
Bey unserm Herrn König und Königin,
Ihr Leib sein hier,
die Seel ist hin.

VI.

So wir noch leben,
So wirdt Gott geben,
Das wir die Lieb und groß Huldschafft,
Sie theilet hat mit grosser Krafft,
Also wir auch durch Liebes Flamm,
Mit Glück sie wider bringen zusamm.

VII.

Da soll diß Leyd,
In grosse Frewd,
Wens noch viel tausent Junge geit,
Verkert werden in Ewigkeit.

Wie sie diß Lied mit herrlichem Concent und Melodey zu endt gebracht, nam mich nimmer wunder, darumb Ulysses seinen Gesellen die Ohren verstopfft, dann ich dauchte mich den Unglückhafftigsten Menschen zu sein, daß mich die Natur nit auch ein so holdselige Creatur erschaffen hätte.

Die Jungfraw aber macht ihren Abschied bald und hieß von dannen fahren.

Deßwegen sich auch die Nymphen, nach dem ihnen ein lang roht Band zu lohn verehret wurde, zertrent, und im Meer außgetheilt.

Dißmals empfandt ich, daß Cupido auch bey mir anfieng zu operieren, welches mir doch zu schlechten ehren gereichet, weil auch sonsten dem Leser mein Schwindel nichts nutzet, wil ichs also bey diesem beruhen lassen.

Es war aber eben die Wund, so ich im ersten buch im Kopf im Traum empfangen hätte, wolte sich aber einer von mir warnen lassen: Der gehe Veneris Bett müssig, dann Cupido kan solches nit leiden.

Nach etlichen stunden, als wir in freündtlichem Gespräch, einen guten weg gefahren, werden wir deß Thurns Olympi ansichtig, deßwegen die Jungfraw befohlen, mit etlichen stucken ein zeichen unserer ankunfft zugeben, welches auch beschehen.

Alsbald ersahen wir einen grossen weissen Fahnen außstecken, und mit einem kleinen verguldtin Schifflein entgegen zuziehen.

Wie nun diß zu uns kommen, war es ein alter Mann, deß Thums Wächter, mit etlichen Trabanten in weiß bekleidet, von dem wurden wir freündtlich empfangen und also dem Thurn zugeführt.

Dieser Thum stund auff einer gantz vierecketen Insul, die war mit einem so festen und dicken Wahl umbgeben, daß ich selbsten 260. Schrit hindurch gezehlet.

Nach dem Wal war ein feine Wiese, mit etlichen Gärtlin, darinnen seltzame und mir unbekandte Früchten wuchsen und dann aber ein Maur umb den Thurn.

Der Thurn an ihm selbst war eben, als hätte man sieben runder Thürn an einander gebawt, doch war der mittel etwas höhers und giengen auch inwendig alle in einander und siben Stöck auff einander.

Wie wir nun also biß zur Thüren deß Thurns kommen, fürt man uns auff den Mawren ein wenig beseits, damit, wie ich wol mercket, man die Sarch kondte ohn unser wissen in den Thum bringen, hiervon wusten die anderen nichts.

So bald nuhn solches geschehen, führet man uns zu underst in den Thurn, der war gleichwol schön gemahlet.

Aber wir hatten hie wenig kurtzweil, dann diß war anderst nichts dann ein Laboratorium.

Da musten wir Kräutter, Edelgestein, und allerley stossen, wäschen, den Saft und Essentiam herauß bringen: die selbige in Gäßlin thun, und aufzubehalten geben, und zwar war unser Jungf so geschäfftig und anrichtig, daß sie jedem wust Arbeit gnug zugeben, da musten wir uns recht in dieser Insel dummeln, biß wir alles zuwegen brachten, was zu widerbringung der enthaupten Leiber vonnöten.

Unter deß (wie ich nachmahlen vernommen) waren die drey Jungfrawen im ersten Zimmer, und wäscheten die Leichnam aufs fleissigst.

Entlich wie wir nun mit solchem zubereiten fast fertig, bracht man uns mehr nit als ein Suppe, mit eim Trüncklin Weins, dabey ich wol mercket, daß wir umb Wollusts willen nit hier, dann auch da wir unser Tagwerck verrichtet, wurde jedem nur ein Kolter auff die Erden gelegt, damit solten wir für gut nemmen.

Mich zwar fachte der Schlaff soviel nit an, spatziert deßwegen hinauß in die Gärten, kam auch entlich biß an den Wahl, und weil der Himmel dazumal sehr hell, kondte ich mir die weil mit Contemplierung der Sternen wol vertreiben.

Ungefehr kam ich zu grossen Steinenen Stafflen, die führeten auff den Wahl.

Und weil der Mon gar hell schiene, war ich desto kecker, gieng hinauf und ersahe mich auch ein wenig auff dem Meer, daß war nun gantz stille, und weil ich also gute gelegenheit hätte, der Astronomj besser nach zudencken, befand ich, daß auff gegenwertige Nacht ein solche Conjunction der Planeten geschehe, dergleichen nit bald sonsten zu observieren.

Wie ich nun also eine gute weil uber daß Meer hinein sihe, und es eben umb Mittemacht war, so bald es zwölff Uhr schlug, sahe ich von fernem die sieben Flammen uber das Meer daher fahren, und sich zu obrist auff die spitz des Thurns zu begeben, daß brachte mir etwas forcht, dann so bald sich die Flammen gesetzt, fiengen die Wind an, daß Meer gar ungestümm zumachen.

So wurde auch der Mond von Wolcken bedecket, und mein frewd mit solcher forcht geendet, daß ich kaum zeit gnug hatte, die Stafflen wider zu treffen und mich in den Thurn wider zu begeben.

Ob nun die Flammen lenger geblieben oder wider weg gefahren, kan ich nit sagen, dann ich mich in solcher finstere nimmer hinauß wagen dörffen, leget mich also auff meinen Kolter, und weil ohne das ein Brunn in unserm Laboratorio lieblich und still rauschet, entschlieff ich desto eher, und war also dieser fünfte Tag auch mit wunder beschlossen.


(6. Tag)