De Regeneratione oder Von der neuen Wiedergeburt

Jakob Böhme (1621)

Jakob_BoehmeDer Mystiker, Theosoph und Pansoph Jakob Böhme bezieht sich im Traktat von der „Neuen Wiedergeburt“ auf die Gestalt Jesu Christi. Für Buddhisten und Hinduisten bedeutet Wiedergeburt („samsara“) die Reihe der Geburten oder die Seelenwanderung. In der griechische Antike verstand man unter diesem Wort auch die „Metapsychose“. Nach Ansicht von Jakob Böhme sei der Vorgang der Wiedergeburt keine einmalige Heiligung, sondern eher ein Bekenntnis. Ebenso zweifelt Jakob Böhme in dieser Schrift an manchen Darlegungsweisen der Kirche.

 

Das ist: Wie sich ein Mensch, dem die Seligkeit ernst ist, durch Christi Geist aus dem verwirrten und zänkischen Babylon müsse herausführen lassen, auf dass er in Christi Geist neu geboren werde und ihm allein lebe.

Vorrede des Autoris
1. Wiewohl ich dieses in meinen anderen gar tiefen Schriften genugsam erkläret und aus dem Grunde dargestellet habe, jeder aber solche nicht in Händen hat, auch jedermanns Begriff nicht ist zu verstehen, als habe ich den einfältigen Kindern Christi zu Dienste und auf Begehren guter Freunde eine kurze Summa von der neuen Wiedergeburt geschrieben, damit sich jemand dadurch wollte lernen erkennen.

2. Wer aber den tiefen Grund, daraus dieses fließt, begehret zu forschen und die Gabe zum Verstand hat, der lese das Buch vom »Dreifachen Leben des Menschen«, auch die drei Bücher von der Menschwerdung und Geburt Jesu Christi, desgleichen das Buch von »Sechs Punkten«, vom »Mysterium Magnum«, von den drei Welten, wie sie ineinander stehen als eine, machen aber drei Prinzipien, das ist drei Geburten oder Anfänge etc. auch das Buch »De tribus Principiis«. Allda findet er, wonach er fragen mag, so hoch sich ein Gemüte des Menschen schwingen kann, so wohl in den »Vierzig Fragen von der Seelen«.

3. Dieses nun habe ich den hungrigen und durstigen Herzen nach Christi Brünnlein, als meinen Mitgliedern im Geist Christi geschrieben. Den Spöttern aber habe ich nichts geschrieben; denn sie haben ihr Buch in sich, damit sie die Kinder Christi unters Kreuz treiben und müssen über ihren Willen der Kinder Christi Diener sein, ob sie gleich das nicht verstehen.

1. Kapitel
1,1. Christus spricht: Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder, sonst sollt ihr das Reich Gottes nicht sehen, (Matth. 18,3). Und abermal saget er zu Nikodemus: Es sei denn, dass jemand neu geboren werde aus dem Wasser und Geist, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen; denn was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren ist, das ist Geist, (Joh. 3,5.6). Die Schrift bezeuget klar, dass der fleischliche, natürliche Mensch nichts vom Geiste Gottes vernimmt. Es ist ihm eine Torheit und kann es nicht begreifen.

1,2. So aber nun alle Fleisch und Blut haben, dazu sterblich sind, wie vor Augen ist und gleichwohl die Schrift saget, dass wir auch Tempel des Hl. Geistes sind, der in uns wohnet, (1.Kor. 6,19); und dass das Reich Gottes inwendig in uns sei, (Luk. 17,21), ja dass Christus in uns müsse eine Gestalt gewinnen, (Gal. 4,19), auch dass er uns wolle sein Fleisch zu einer Speise geben und sein Blut zu einem Trank, und sagt weiter:
Wer nicht essen werde das Fleisch des Menschensohnes, der habe kein Leben in ihm, (Joh. 6,5.3); so müssen wir ja mit Ernst betrachten, was für ein Mensch in uns sei, der der Gottheit ähnlich und fähig sei.

1,3. Denn von dem sterblichen Fleisch, das zu Erden wird und in der Eitelkeit dieser Welt lebet, auch stets wider Gott lüstert, kann nicht gesaget werden, dass es der Tempel des Hl. Geistes sei, viel weniger, dass die neue Wiedergeburt in diesem irdischen Fleisch geschehe, sintemal es stirbet und verweset, dazu ein stetes Sündenhaus ist.

1,4. So aber dann gleichwohl wahr bleibet, dass ein rechter Christ aus Christo geboren wird, und dass die neue Wiedergeburt ein Tempel des Hl. Geistes sei, der in uns wohnet, und dass allein der neue Mensch aus Christo geboren, das Fleisch und Blut Christi genieße; so ist nicht so ein schlecht Ding, ein Christ zu sein. Und steht das Christentum nicht in der Historia, dass wirs nur wissen und das Wissen uns zueignen, dass wir nur sagen, Christus ist für uns gestorben und hat den Tod in uns zerbrochen und zum Leben gemacht. Er hat für uns die Schuld bezahlet. Wir dürfen uns dessen nur trösten und festiglich glauben, dass es geschehen sei.

1,5. Denn wir befinden in uns, dass die Sünde im Fleische lebendig, begierig und tätig ist, dass sie wirket. So muss nun die neue Wiedergeburt aus Christo ein anders sein, das nicht in dem Sündenfleische mitwirke, das der Sünden nicht will.

1,6. Denn St. Paulus sagt, dass an denen, die in Christo Jesu sind, nichts Verdammliches sei, (Röm. 8.1). Und weiter: Sollten wir, die wir Christen sind noch Sünder erfunden werden? Das sei ferne, (Gal. 2,17), so wie der Sünden abgestorben sind in Christo. Auch ist der Mensch der Sünden nicht ein Tempel des Hl. Geistes. Und ist doch kein Mensch, der nicht sündige; denn die Schrift sagt: Gott hat alles unter die Sünde beschlossen, (Röm. 12,32). Item, vor dir ist kein Lebendiger gerecht, so du willst Sünde zumessen, (Ps. 143,2). Der Gerechte fällt des Tages siebenmal, (Sprüche 24,16), da doch nicht mag verstanden werden, dass der Gerechte falle und sündige, sondern der Sterbliche und Sündige.

1,7. Denn eines Christen Gerechtigkeit ist in Christo, der kann nicht sündigen; denn St. Paulus sagt: Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir warten des Heilandes Jesu Christi, (Phil. 3,20). Ist nun unser Wandel im Himmel, so muss der Himmel in uns sein. Christus wohnet im Himmel. So wir nun sein Tempel sind, so muss derselbe Himmel in uns sein.

1,8. So uns aber gleichwohl die Sünde in uns anficht, in welcher der Teufel einen Zutritt zu uns und in uns hat, so muss auch die Hölle in uns sein, denn der Teufel wohnet in der Höllen. Und wo er dann immer ist, so ist er in der Höllen und mag daraus nicht kommen. Und ob er gleich einen Menschen besäße, so wohnet er doch im Menschen, in der Höllen, als in Gottes Zorne.

1,9. Jetzt ist uns der Mensch recht zu betrachten, was und wie er sei. Und dass ein rechter Christ nicht nur ein historischer neuer Mensch sei, dass es an dem genug sei, dass wir Christum bekennen und glauben, dass er Gottes Sohn sei und habe für uns bezahlet. Denn es gilt nicht eine von außen zugerechnete Gerechtigkeit, dass wir es nur glauben, es sei geschehen, sondern eine ingeborne, eine kindliche. Gleichwie das Fleisch sterben muss, also muss auch das Leben und der Wille der Sünden sterben und muss werden als ein Kind, das nichts weiß und ächzet allein nach der Mutter, die es geboren hat. Also ganz muss eines Christen Wille wieder in die Mutter, als in Geist Christi eingehen und in der Selbheit des Selbwollens und Vermögens ein Kind werden, da der Wille und Begierde nur in die Mutter gerichtet sei und muss aus dem Geiste Christi ein neuer Wille und Gehorsam in der Gerechtigkeit aus dem Tode aufstehen, der nicht mehr der Sünden will.

1,10. Denn der Wille, so die Eitelkeit in sich lässet und der begehret, ist nicht neugeboren. Und so doch gleichwohl in den Neugeborenen ein Wille bleibt, der sich nach der Eitelkeit (Vergänglichkeit) sehnet und sündigt, so ist uns des Menschen Bild recht zu betrachten, wie die neue Wiedergeburt geschehe, dieweil sie nicht im sterblichen Fleische geschieht und doch auch wahrhaftig in uns in Fleisch und Blut, in Wasser und Geist geschieht, wie die Schrift sagt. (Joh. 3,5)

1,11. So müssen wir recht betrachten, was für ein Mensch in uns sei, der Christi Gliedmaß und ein Tempel Gottes sei, der im Himmel wohne; und dann auch, was das für ein Mensch sei, der nur in der äußern Welt wohne, und was das für ein Mensch sei, den der Teufel regiere und treibe. Denn den Tempel Christi kann er nicht regieren und treiben, so ist ihm an dem sterblichen Fleisch auch nichts gelegen, und sind doch nicht drei Menschen ineinander, sondern nur ein einiger.

1,12. So wir nun solches wollen betrachten, so müssen wir Zeit und Ewigkeit betrachten, wie diese ineinander sind, dazu Licht und Finsternis, Gutes und Böses, sonderlich aber des Menschen Urstand und Herkommen.

1,13. Dieses ist nun also zu betrachten: Wir sehen an die äußere Welt mit Sternen und vier Elementen, darinnen der Mensch und alle Kreaturen leben. Die ist und heißet nicht Gott. Gott wohnet wohl darinnen, aber der äußern Welt Wesen begreift ihn nicht. Auch so sehen wir, wie das Licht in der Finsternis scheinet, und die Finsternis begreift nicht das Licht (Joh. 1,5), und wohnet doch eines im andern. Auch so haben wir dessen ein Exempel an den vier Elementen, welche in ihrem Urstande nur ein Element sind, und das weder heiß noch kalt, weder trocken noch nass ist, und teilt sich doch mit der Bewegung in vier Eigenschaften, als in Feuer, Luft, Wasser und Erde.

1,14. Wer wollte glauben, dass das Feuer ein Wasser gebäre? und dass des Feuers Urstand könnte im Wasser sein, wenn wir das nicht im Wetterleuchten mit Augen sähen, und auch in den Lebendigen zu befinden, dass das essentialische Feuer im Corpore, im Blut wohnet, und dass das Blut seine Mutter sei und das Feuer des Bluts Vater sei.

1,15. Wie nun Gott in der Welt wohnet und alles erfüllet und doch nichts besitzet, und das Feuer im Wasser wohnet und das nicht besitzt, und wie das Licht in der Finsternis wohnet und die Finsternis doch nicht besitzet, der Tag in der Nacht und die Nacht im Tage, die Zeit in der Ewigkeit und die Ewigkeit in der Zeit also auch ist der Mensch geschaffen. Er ist nach der äußern Menschheit die Zeit und in der Zeit, und die Zeit ist die äußere Welt. Das ist auch der äußere Mensch. Und der innere Mensch ist die Ewigkeit und die geistliche Zeit und Welt, welche auch steht in Licht und Finsternis, nämlich in Gottes Liebe nach dem ewigen Licht, und in Gottes Zorn nach der ewigen Finsternis. Welches in ihm offenbar ist, darinnen wohnet sein Geist, entweder in der Finsternis oder im Lichte. Es ist beides in ihm, das Licht und die Finsternis. Ein jedes wohnet in sich selber; keines besitzet das andere.

1,16. Aber so eines in das andere eingehet und das andere besitzen will, so verlieret das andere sein Recht und Gewalt. Das Leidende verliert seine Gewalt; denn so das Licht in der Finsternis offenbar wird, so verlieret die Finsternis ihre Finsterheit und wird nicht erkannt. Also auch hinwieder: So die Finsternis im Lichte aufgehet und die Gewalt bekommt, so erlischt das Licht mit seiner Gewalt.

1,17. Ein solches ist uns auch im Menschen zu bedenken: Die ewige Finsternis in der Seelen ist die Hölle, als eine Angst-Qual, welche Gottes Zorn heißet, und das ewige Licht in der Seelen ist das Mimmelreich, da die feurische, finstere Angst in eine Freude verwandelt wird.

1,18. Denn gleichwie die Natur der Angst in der Finsternis eine Ursach der Traurigkeit ist, also ist sie im Lichte eine Ursache der erheblichen und beweglichen Freude. Denn die Qual im Lichte und die Qual in der Finsternis ist nur ein einige Qual, nur eine Natur, wie das Feuer und Licht nur eine Natur sind und eben aber einen gewaltigen Unterschied in der Qual. Eines wohnet im andern und gebiert das andere und ist doch nicht das andere. Das Feuer ist peinlich und verzehrlich, und das Licht ist gebende, freundlich, kräftig und freudenreich, eine liebliche Wonne.

1,19. Und also ist uns auch der Mensch zu betrachten: Er stehet und lebet in drei Welten; die eine ist die ewige finstere Welt, als das Centrum der ewigen Natur; welche das Feuer gebieret, als die Angst-Qual; und die andere ist die ewige Licht-Welt, welche die ewige Freude gebieret und das göttliche Wohnhaus ist, darinne der Geist Gottes wohnet, darinnen der Geist Christi menschlich Wesen annimmt und die Finsternis vertreibet, dass sie muss eine Ursache der Freuden im Geiste Christi im Lichte sein. Die dritte Welt ist die äußere sichtbare in den vier Elementen und dem sichtbaren Gestirne, wiewohl jedes Element ein Gestirne nach seiner Eigenschaft in sich hat, davon die Begierlichkeit und Eigenschaft entstehet gleich einem Gemüte.

1,20. Also versteht: Das Feuer im Lichte ist ein Liebe-Feuer, eine Begierde der Sanftmut und Freudenreich; und das Feuer in der Finsternis ist ein Angst-Feuer und ist peinlich, feindlich und in der Essenz widerwärtig. Das Feuer des Lichts ist ein guter Geschmack; und der Geschmack in der Essenz der Finsternis ist ganz widerwärtig und feindlich; denn die Gestalten zum Feuer stehen alle in der größesten Angst.

2. Kapitel
2,1. Allhie ist uns nun zu betrachten, wie der Mensch geschaffen sei. Moses sagt recht: Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, ja zum Bilde Gottes schuf er ihn, (Gen. 1,27). Das verstehen wir aus der ewigen und zeitlichen Geburt, aus der inneren geistlichen Welt, welche er ihm in das geschaffene äußere Bild einblies und dann aus der inneren geistlichen Welt Wesen, welches heilig ist.

2,2. Denn gleichwie in der äußern Welt eine Natur und Wesen ist, also auch ist in der inneren geistlichen Welt eine Natur und Wesen, welches geistlich ist, aus welchem die äußere Welt ausgehauchet und aus Licht und Finsternis erboren und in einen Anfang und Zeit geschaffen worden ist. Und aus der inneren und äußeren Welt Wesen ward der Mensch in ein Gleichnis nach der Geburt und aus der Geburt aller Wesen geschaffen. Der Leib ist ein Limbus (Limus) der Erden und auch ein Limbus (Limus) des himmlischen Wesens; denn die Erde ist aus der Finster- und Licht-Welt ausgehauchet oder gesprochen worden. Aus der ist der Mensch, im Verbo Fiat, als in der ewigen Begierde in ein Bild gefasset und geschaffen worden, aus Zeit und Ewigkeit.

2,3. Dieses Bild war im inneren und geistlichen Element, daraus die vier Elementa ausgehen und erboren sind. In einigen Elementen war das Paradies ; denn die Eigenschaften der Natur, aus der Feuer-Finster- und Licht waren alle in gleicher Konkordanz (Übereinstimmung), Masse und Gewichte. Keines war dem andern in Sonderheit offenbar. Also war auch keine Zerbrechlichkeit darinnen; denn eine Eigenschaft besiegte die andere nicht. Es war kein Streit noch Widerwille zwischen den Kräften und Eigenschaften.

2,4. In dieses geschaffene Bild blies Gott den Geist und Odem des Verstandes aus allen dreien Welten ein als in eine einige Seele, welche in der inneren Finster- und Feuerwelt der ewigen geistlichen Natur ist, danach sich Gott einen starken eiferigen Gott und ein verzehrend Feuer nennet.

2,5. Das ist nun die ewige, kreatürliche, große Seele, ein magischer Feuer-Odem, in welcher das Feuer des Lebens Urstand ist, aus der großen Macht der Verwandlung. In dieser Eigenschaft ist Gottes Zorn, sowohl die ewige Finsternis, sofern das Feuer kein Licht gibt.

2,6. Die andere Eigenschaft des Odems Gottes ist der Qual-Geist des Lichtes aus der großen Liebe-Begierde, aus der großen Sanftmut, nach welchem sich Gott einen lieben, barmherzigen Gott heißet, in welchem der wahre Geist des Verstandes und Lebens in der Kraft stehet.

2,7. Denn gleichwie aus jedem Feuer ein Licht scheinet und im Licht die Kraft des Verstandes erkannt wird, also ist dem Feuerodem Gottes der Licht-Odem angehangen und dem Menschenbilde eingeblasen worden.

2,8. Die dritte Eigenschaft des Odems Gottes war die äußere Luft mit dem Luft-Gestirne, darinnen des äußern Wesens und Leibes Leben und Gestirne war. Den blies er ihm in seine Nase. Und gleichwie die Zeit und Ewigkeit aneinander hangen und die Zeit aus der Ewigkeit ist erboren, also hing auch der innere Odem Gottes am äußern und ward dem Menschen diese dreifache Seele auf einmal zugleich eingeblasen. Ein jedes Wesen des Corporis (Körpers) nahm den Geist nach seiner Eigenschaft an. Also, das äußere Fleisch nahm die äußere Luft mit ihrem Gestirne an zu einem Vernunft- und wachsenden Leben, zur Offenbarung der Wunder Gottes; und des Lichtes Leib oder das himmlische Wesen nahm den Odem des Lichts als der göttlichen Kraft an, welcher Odem der Hl. Geist genannt wird.

2,9. Also durchdrang das Licht die Finsternis, als den finstern Feuer-Odem und auch den äußern Luft-Odem in seinem Gestirne, und nahm allen Eigenschaften die Gewalt, dass die Angst des Feuer-Odems in der inneren seelischen Eigenschaft sowohl die Hitze und Kälte, auch alle andere Eigenschaften des äußern Gestirnes nicht konnten noch mochten offenbar sein. Die Eigenschaften aller drei Welten in Seele und Leib stunden in gleicher Konkordanz und Gewichte. Das Innere, Heilige herrschete durch äußere, als durch die äußeren Kräfte des äußeren Lebens, des äußern Gestirnes und vier Elementen.

2,10. Und das war das heilige Paradies . Also stund der Mensch im Himmel und auch in der äußeren Welt und war ein Herr aller Kreaturen dieser Welt. Nichts hätte ihn zerbrochen.

2,11. Denn also war auch die Erde bis auf den Fluch Gottes. Die heilige Eigenschaft der geistlichen Welt grünete auch durch die Erde und trug hl. paradiesische Früchte. Die konnte der Mensch essen auf solche magische paradiesische Art, und bedurfte keiner Zähne noch Därme im Leib; denn gleichwie das Licht die Finsternis und das Feuer das Wasser verschlinget und dessen doch nicht voll wird. Ein solch Centrum hatte der Mensch in seinem Munde auf Art der Ewigkeit. Und auf eine solche magische Art konnte er auch seinesgleichen aus sich gebären, ohne Zerreißung oder Eröffnung seines Leibes und Geistes. Gleichwie Gott die äußere Welt gebar und sich doch nicht zerriss, sondern in seiner Begierde, nämlich im Verbo Fiat die Eigenschaft fassete und qualitätisch machte und aus dem Verbo Fiat offenbarte und in seine Figur, nach der ewigen geistlichen Welt Geburt einführte. Also ward der Mensch auch ein solch Bild und Gleichnis nach Zeit und Ewigkeit geschaffen. Aber in ein ewig, unsterblich Leben, welches ohne Feindschaft und Widerwärtigkeit war.

2,12. Weil aber der Teufel war ein Fürst und Herrscher im Orte dieser Welt gewesen, und um seiner Hoffart willen war in der finstern, ängstlichen, peinlichen, feindlichen Eigenschaft und Qual in Grimm Gottes gestoßen worden, so gönnete er dem Menschen die Ehre nicht, dass er an seine gehabte Stelle in die geistliche Welt geschaffen ward und führete seine Imagination in das geschaffene Bild des Menschen und machte das lüsternde, dass sich die Eigenschaften der finstern sowohl auch der äußern Welt im Menschen erhuben und aus dergleichen Konkordanz aus der Gleichheit ausgingen und eine die ander überwägete, da wurden die Eigenschaften, eine jede in sich selber offenbar und lüsterte eine jede nach ihrer Gleichheit, als die aus der finstern Welt Geburt sowohl auch aus der Lichtwelt Geburt. Eine jede wollte aus dem Limbo (Limo) der Erden essen nach ihrem Hunger.

2,13. Also ward Böse und Gut in Adam offenbar. Und indem der Hunger der Eigenschaften in die Erde einging, daraus die Eigenschaften des Leibes waren ausgezogen worden, so zog auch das Fiat ein solch Gewächs aus der Erden, davon die Eigenschaften in ihrer aufgewacheten Eitelkeit konnten essen.

2,14. Denn das war möglich, weil in Adam der Geist der starken und großen magischen Macht von Zeit und Ewigkeit war, daraus die Erde mit ihren Eigenschaften war ausgehauchet worden. So zog das Fiat, als die starke Begierde der ewigen Natur, die Essenz der Erden.

2,15. Also ließ ihm Gott den Baum der Erkenntnis Gutes und Böses nach den aufgewachten Eigenschaften Adams wachsen. Denn die große Macht der Seelen und des Leibes hatten das verursachet. So musste der Mensch probieret werden, ob er wollte in eignen Kräften vor dem Versucher, dem Teufel, und vor dem Grimm der ewigen Natur bestehen; ob die Seele wollte in der gleichen Konkordanz der Eigenschaften bleiben stehen in wahrer Gelassenheit unter Gottes Geiste als ein zugerichtetes Werkzeug der Harmonie Gottes, ein Spiel der göttlichen Freudenreich, darauf und in dem Gottes Geist spielen wollte. Das ward allhie versucht mit diesem Baum. Und dazu kam Gottes gestrenges Gebot und sprach: iß nicht davon; welches Tages du davon essen wirst, sollst du des Todes sterben, (Gen. 2,27).

2,16. Als aber Gott erkannte, dass der Mensch nicht bestehen würde, dass er ja nach Bösem und Gutem imaginierte und lüsterte, sprach Gott: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei; wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. — Denn er sahe wohl, dass Adam nicht konnte magisch gebären, weil seine Lust in die Eitelkeit einging.

2,17. So sagt nun Moses: Und er ließ einen tiefen Schlaf auf ihn fallen, und er entschlief, (Gen. 2,21). Das ist: Weil er nicht wollte im Gehorsam der göttlichen Harmonie bleiben, in den Eigenschaften, dass er hätte als ein Werkzeug dem Geiste Gottes stille gehalten, so ließ er ihn von der göttlichen Harmonie in eine eigene Harmonie fallen, als in die aufgewachten Eigenschaften, in Böse und Gut. Dahinein ging der seelische Geist.

2,18. Allda starb er in diesem Schlaf der engelischen Welt (Qualität) ab und fiel dem äußeren Fiat heim, und war jetzt geschehen um das ewige Bild nach Gottes Gebärung. Allhie lag seine Engelsgestalt und Macht zu Boden und fiel in Ohnmacht. So machte Gott durchs Fiat das Weib aus Veneris Matrice (Schoß der Venus), das ist, aus der Eigenschaft, darinnen Adam die Gebärerin in sich hatte, aus ihm, aus einem Leibe zween, und teilte die Eigenschaften der Tinkturen, als im Element das wässerische und feurische Gestirn, nicht ganz im Wesen, sondern im Geist, als die Eigenschaften der wässerischen und feurischen Seele, und da es letztlich doch nur eine ist. Aber die Eigenschaft der Tinktur ward getrennet. Die eigene Liebe-Begierde ward Adam genommen und in ein Weib formieret nach seinesgleichen. Und darum begehret nun der Mann so heftig des Weibes Matricem, und das Weib begehret des Mannes Limbum, als das Feuer-Element, den Urstand der wahren Seele, darinnen des Feuers Tinktur verstanden wird. Denn die zwei waren in Adam eines, und darin stund die magische Geburt.

2,19. Und als Heva aus Adam gemacht ward in seinem Schlaf, so ward Adam und Eva jetzt zum äußerlichen, natürlichen Leben geordnet; denn allda sind ihnen die Glieder der tierischen Fortpflanzung gegeben worden, sowohl der irdische Madensack (physischer Leib), darein sie doch könnten die Eitelkeit einsacken und den Tieren gleich leben, dessen sich die arme, in der Eitelkeit gefangene Seele noch heute schämet, dass sie hat eine tierische monstrosische Gestalt an ihren Leib gekrieget, wie vor Augen ist. Davon die menschliche Scham ist entstanden, dass sich der Mensch seiner Glieder schämet und auch der nacketen Gestalt, und dass er muss den irdischen Kreaturen ihr Kleid abborgen, dieweil er sein engelisches verloren und in ein Tier verwandelt. Und zeiget ihm dieses Kleid genug an, dass er mit dieser aufgewachten Eitelkeit, indem Hitze und Kälte auf ihn fällt, mit der Seelen darinnen, nicht daheime ist; denn die Eitelkeit samt dem falschen Kleide muss wieder von der Seelen weg und vergehen.

2,20. Und als nun Adam vom Schlaf erwachte, sahe er sein Weib, und kannte sie, dass sie aus ihm war. Denn er hatte noch nicht mit dem Munde von der Eitelkeit gegessen, allein mit der Imagination, der Begierde und Lust. Und war das der Eva erstes Begehren, dass sie wollte von dem Baume der Eitelkeit, von Böse und Gute essen, dessen sie der Teufel vollends in der Schlangengestalt beredete. Ihre Augen würden ihr aufgetan werden und sie würde sein als Gott selber, (Gen. 3,5).

2,21. Welches Lügen und Wahrheit waren. Er sagte ihr aber nicht, dass sie das göttliche Licht und Kraft würde dadurch verlieren. Er sagte nur, die Augen würden ihr offen werden, dass sie könnte Böse und Gut schmecken; probieren und wissen, wie er getan hatte. Er sagte ihr auch nicht, dass Hitze und Kälte in ihr würde aufwachsen und dass des äußeren Gestirnes Eigenschaft würde mächtig im Fleische und Gemüte herrschen.

2,22. Ihm war es nur um das zu tun, dass das engelische Bild, als das Wesen von der inneren geistlichen Welt, möchte in ihnen verbleichen. So müssten sie der groben Irdigkeit und dem Gestirne leben. So wusste er wohl, wann die äußere Welt werde vergehen, dass alsdann die Seele bei ihm in der Finsternis sein würde; denn er sahe, dass der Leib würde sterben, welches er auch aus Gottes Andeutung hatte. Also vermeinte er noch in Ewigkeit ein Herr im Loco dieser Welt zu sein in seiner falschen angenommenen Gestalt. Darum betrog er den Menschen.

2,23. Denn als Adam und Eva jetzt von der Frucht Böse und Gut in den Leib aßen, so empfing die Imagination des Leibes die Eitelkeit in der Frucht. Jetzt wachte die Eitelkeit im Fleische auf und kriegte die finstre Welt in der Eitelkeit der Irdigkeit die Gewalt und das Regiment. Damit verblich das schöne Himmelsbild aus der himmlischen, göttlichen Welt Wesen. Allhie starb Adam und Eva am Himmelreich und wachten auf der äußern Welt. Da war die schöne Seele in der Liebe Gottes verblichen, als in der heiligen Kraft und Eigenschaft, und wachte an dessen Stelle in ihr der grimme Zorn, als die finstere Feuerwelt auf und ward aus der Seelen an einem Teil, als in der inneren Natur, ein halber Teufel aus ihr und am äußern Teil der äußern Welt ein Tier. Allhie ist der Zweck des Todes und die Porte der Höllen, um welcher willen Gott Mensch ward, dass er den Tod zerbräche und die Hölle wieder in die große Liebe verwandelte und die Eitelkeit des Teufels zerstörete.

2,24. Lassts euch gesagt sein, ihr Menschenkinder: Es ist euch in der Posaunenstimme gesagt worden, dass ihr anjetzo sollt von der schändlichen Eitelkeit ausgehen, denn dasselbe Feuer brennet.

3. Kapitel
3,1. Als nun Adam und Eva in dieses Elend fielen, da wachte der Grimm der Natur in jeder Eigenschaft auf und impressete in seiner Begierde die Eitelkeit der Irdigkeit und des Grimmes Gottes in sich. Da ward das Fleisch grob und derb als eines andern Tieres und ward die edle Seele damit in der Essenz gefangen, und sahe sich an, dass sie war an ihrem Leibe ein Tier worden, und sahe die tierischen Glieder zur Fortpflanzung und den stinkenden Madensack (physischer Körper), darein die Begierde des Fleisches den Eitel (Ekel) einsackte. Des schämeten sie sich vor Gott und verkrochen sich unter die Bäume im Garten Eden; auch fiel Hitze und Kälte auf sie.

3,2. Allhier erzitterte der Himmel im Menschen vor der Grausamkeit, gleichwie die Erde im Grimm erzitterte, als dieser Zorn am Kreuz mit der süßesten Liebe Gottes zerbrochen ward; da erzitterte der Zorn vor der großen Liebe Gottes. (Matth. 27,52).

3,3. Und um dieser aufgewachten Eitelkeit willen im Menschen verfluchte Gott die Erde, auf dass das heilige Element nicht mehr durch die äußere Frucht ausdringe und Paradiesfrüchte gebäre; denn es war keine Kreatur, welche dieselbe hätte können genießen. Auch war dessen der Mensch nicht mehr wert. Gott wollte die edlen Perlen nicht vor die Tiere werfen. Als dann ein ungöttlicher Mensch anders in seinem Leibe nichts ist als ein grobes viehisches Tier, ob er wohl einer edlen Essenz ist, so ist sie doch ganz vergiftet und ein Ekel vor Gott.

3,4. Als nun Gott sahe, dass sein schönes Bild verdorben war, eröffnete er sich vor ihnen und erbarmete sich ihrer und verhieß sich ihnen zum ewigen Eigentum, dass er mit seiner großen Liebe in angenommener Menschheit wollte der Schlangen Eigenschaft, als der Eitelkeit im Grimm Gottes die Gewalt mit der Liebe zerbrechen. Das war das Kopfzertreten (1.Mose 3,15), dass er wollte den finstern Tod zerbrechen und den Zorn mit der großen Liebe überwältigen; und stellete diesen Bund seiner zukünftigen Menschwerdung ins Lebenslicht ein, auf welchen Bund die jüdischen Opfer gerichtet waren als auf ein Ziel, da sich Gott mit seiner Liebe verheißen hatte. Denn der Juden Glaube ging ins Opfer und Gottes Imagination (Vorsehung) ging in Bund. Und das Opfer war eine Figur der Wiederbringung dessen, was Adam hatte verloren.

3,5. Also versöhnete Gott seinen Zorn in menschlicher Eigenschaft durchs Opfer im Ziel des Bundes, in welchem Bunde sich der allerheiligste Name JHESUS aus dem heiligen Namen und großen Kraft JEHOVA hatte einverleibet, dass er sich wollte in der himmlischen Welt Wesen, welches in Adam verblich, wieder bewegen und offenbaren und das heilige, göttliche Leben darinnen wieder anzünden.

3,6. Dieses Bundes Ziel ward von Adam und seinen Kindern von Mensch zu Mensch fortgepflanzet und drang von einem auf alle, gleichwie auch die Sünde und aufgewachte Eitelkeit von einem auf alle drang. Und stund in der Verheißung des Bundes am Ende in der Wurzel Davids in Maria der Jungfrauen, welche war im inneren Reiche der verborgenen Menschheit, als der verblichenen Wesenheit an Gottes Reich des Bundes Gottes Tochter, und am äußern nach der natürlichen Menschheit von ihrem rechten leiblichen Vater Joachim und ihrer rechten Mutter Anna gezeuget, aus ihren Leibs und Seelen-Essentien und Wesen allen andern Adamskindern gleich, eine wahrhaftige Tochter Evas.

3,7. In dieser Maria der Jungfrauen, im verheißenen Ziel des Bundes, davon alle Propheten weissagten, hat sich in der Erfüllung der Zeit (Gal. 4,4) das ewigsprechende Wort, das alle Ding hat erschaffen, nach seiner höchsten und tiefsten Liebe und Demut in dem Namen JESU bewegt, und hat lebendige, göttliche, himmlische Wesenheit in die in Adam verblichene Menschheit des himmlischen Teils, dessen er im Paradies erstarb, eingeführet in den Samen Mariae, verstehet in der Liebe Tinktur, als in die Eigenschaft, darin sich Adam sollte auf magische, himmlische Art fortpflanzen, als in den wahren Weibessamen (1.Mose 3,15) der himmlischen Wesenheit, welcher im Paradies verblich, als das göttliche Licht in derselben himmlischen Essenz verlosch, hat Gottes Wort, als die göttliche Kraft des göttlichen Verstandes himmlische, lebendige Wesenheit eingeführet und die verblichene Wesenheit im Samen Mariae aufgeweckt und zum Leben erboren.

3,8. Und ist Gottes Wesen, darin Gott wohnet und wirket und des Menschen verblichenes Wesen jetzt eine Person worden; denn die heilige göttliche Wesenheit salbete die Verblichene. Darum heißt die Person CHRISTUS, ein Gesalbter Gottes.

3,9. Und das ist die dürre Rute Aaronis, die da grünete und Mandeln trug, und der rechte Hohepriester, und ist eben die Menschheit, davon Christus sagte (Joh. 3), er wäre vom Himmel kommen und wäre im Himmel, und kein Mensch könnte also in Himmel kommen als des Menschen Sohn, der vom Himmel kommen sei und der im Himmel sei. Indem er spricht, er sei vom Himmel kommen, da verstehet er himmlisch Wesen, himmlische Leiblichkeit; denn die Kraft Gottes bedarf keines Kommens. Sie ist überall ganz, ungemessen und unzertrennet. Aber das Wesen bedarf Kommens, die Kraft darf sich nur bewegen und im Wesen offenbaren.

3,10. Das Wesen aber ist in das menschliche Wesen eingegangen und hat das Menschliche angenommen und nicht allein das Teil von himmlischer Wesenheit, welches in Adam verblich, sondern die ganze menschliche Essenz in Seele und Fleisch nach allen dreien Welten.

3,11. Aber die aufgewachte und impressete (eingeprägte) Eitelkeit, welche der Teufel mit seiner Imagination ins Fleisch einführete, davon das Fleisch Sünden wirkete, hat er nicht angenommen. Wohl hat er die aufgewachten Lebensgestalte, indem sie waren von dergleichen Konkordanz ausgegangen, eine jede in seine eigene Begierde angenommen.

3,12. Denn allhie lag unser Krankheit und der Tod, welchen er sollte mit dem himmlischen, heiligen Blute ersäufen. All hier nahm er alle unsere Sünde und Krankheit, auch den Tod und Hölle im Grimm Gottes auf sich und zerbrach dem Teufel sein Reich in menschlicher Eigenschaft. Der Grimm Gottes war die Hölle, in welche der Geist Christi, als er jetzt hatte das himmlische Blut in unser äußeres menschliches vergossen und mit der Liebe tingieret (gefärbt), einfuhr und dieselbe Hölle in menschlicher Eigenschaft in Himmel verwandelte und die menschlichen Eigenschaften wieder in die gleiche Konkordanz, in die göttliche Harmonie einführete und ordnete.

4. Kapitel
4,1. Allhier verstehen wir nun unsere neue Wiedergeburt recht, wie wir können Tempel Gottes sein und bleiben; doch diese Zeit nach der äußern Menschheit auch sündliche, sterbliche Menschen. Christus hat die Pforte unserer innerlichen, himmlischen Menschheit, welche in Adam zugeschlossen ward, in menschliche Essenz zersprengt und aufgemacht. Und liegt jetzt bloß an dem, dass die Seele ihren Willen aus der Eitelkeit des verderbten Fleisches ausführe und in diese offene Pforte in Geist Christi einführe.

4,2. Es muss ein großer mächtiger Ernst sein, nicht nur ein Lernen und Wissen, sondern ein Hunger und großer Durst nach Christi Geist; denn das Wissen allein ist kein Glaube, sondern der Hunger und Durst nach dem das ich begehre, dass ich es mir einbilde und mit der Einbildung eigentümlich fasse und nehme, das ist Glauben.

4,3. Der Wille muss aus der Eitelkeit des Fleisches ausgehen, sich freiwillig ins Leiden und Tod Christi und in allen Spott der Eitelkeit, welche ihn darum spottet, dass er aus seinem eigenen Haus, darin er geboren ist, ausgehe — ergeben und nicht mehr der Eitelkeit wollen, sondern nur bloß der Liebe Gottes in Christo Jesu begehren.

4,4. Und in solchem Hunger und Begehren impresset er ihm den Geist Christi mit seiner himmlischen Leiblichkeit. Das ist, sein großer Hunger und Begierde fasset den Leib Christi als die himmlische Wesenheit in sein verblichen Bilde ein, in welchem das Wort der Kraft Gottes das wirkende Leben innen ist.

4,5. Der Seelen Hunger führet seine Begierde durch die zerschellete Eigenschaft ihrer in Adam verblichenen Menschheit des himmlischen Teils, welche das süße Liebe-Feuer im Tode Christi, als der Tod der rechten himmlischen Menschheit zerbrochen ward, zerschellete. Der Seelen Hunger fassete durch die Begierde das heilige himmlische Wesen, als die himmlische Leiblichkeit, welche den Vater an allen Enden erfüllet und allem nahe ist und durch alles ist, in ihre verblichene Leiblichkeit ein. Und dadurch stehet der verblichene himmlische Leib in der Kraft Gottes in dem süßen Namen Jesu auf.

4,6. Und derselbe aufgewachte himmlische, geistliche Leib ist Christi Gliedmaß und der Tempel des Hl. Geistes, eine wahre Wohnung der Hl. Dreifaltigkeit, wie Christus verhieß, da er sagte: Wir wollen zu euch kommen und Wohnung in euch machen, (2.Kor. 6,16) Dieselbe Essenz desselben Leben isset Christi Fleisch und trinket sein Blut; denn Christi Geist, als das Wort, das sich mit der Menschheit aus und in unserer verblichenen Menschheit durch den äußern Menschen dieser Welt Wesen sichtbar machete, der isset sein heiliges Wesen in sein feuriges Wesen. Ein jeder Geist isset von seinem Leibe.

4,7. Und so nun die Seele von dieser süßen, heiligen, himmlischen Speise isset, so entzündet sie sich in der großen Liebe im Namen Jesu. Davon wird ihr Angst-Feuer ein großer Triumph; und gehet ihr die wahre Sonne auf, in welcher sie eines andern Willens geboren wird. Und allhie ist die Hoch zeit des Lammes, welches wir herzlich wünschen, dass es doch die Titul- und Maulchristenheit einmal erfahren möchte und von der Historia ins Wesen eingehen.

4,8. Die Seele aber kriegt nicht das Perlein der Hl. Kraft die Zeit dieses Lebens, weil sie noch des äußern tierischen Fleisches Eigenschaft am äußern Menschen hat, zum Eigentum. Die Kraft Christi, welche in der Hochzeit des Lammes sich vermählet, ersenkt sich in das Himmelsbilde ein, als in das Wesen des himmlischen Menschen, der Christi Tempel ist und nicht in den Feuer-Odem der Seelen, welche noch diese ganze Zeit am äußern Reiche, am Bande der Eitelkeit mit dem Luft-Odem fest angebunden stehet und in großer Gefahr ist.

4,9. Sie gibt wohl ihre Liebe-Strahlen gar oft in die Seele ein, davon die Seele ihr Licht empfänget. Aber dem Feuer- Odem ergibt sich der Geist Christi diese Zeit nicht, sondern nur dem Odem des Lichtes, welcher in Adam verlosch. Darin ist der Tempel Christi; denn es ist der wahre, heilige Himmel.

4,10. Also verstehet uns recht, was und wie die neue Wiedergeburt geschehe und sei: Der äußere, irdische, sterbliche Mensch wird in dieser Zeit nicht neugeboren, weder das äußere Fleisch noch das äußere Teil der Seelen. Sie bleiben beide in der Eitelkeit ihres in Adam aufgewachten Willens. Sie lieben ihre Mutter in dero Leibe sie leben, als das Regiment dieser äußern Welt; und darin ist die Sündengeburt offenbar.

4,11. Der äußere Mensch in Seele und Fleisch, verstehet das äußere Teil der Seelen, hat keinen göttlichen Willen, verstehet auch nichts von Gott, wie die Schrift saget: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes, 1.Kor. 2,14).

4,12. Aber der Feuer-Odem der inneren Welt, so der einmal erleuchtet wird, verstehet es, der hat sein großes Ächzen, Jammern, Hungern und Dürsten nach dem süßen Brünnlein Christi. Der erlabet sich durch Hungern und Begehren, welches der wahre Glaube ist, in dem süßen Brünnlein Christi von seinem neuen Leibe der himmlischen Wesenheit als eine hungerige Rebe am Weinstock Christo.

4,13. Und das ist die Ursache, dass die feurige Seele diese Zeit nicht mag zur Vollkommenheit kommen, dass sie am äußern Bande der Eitelkeit angebunden stehet, durch welches der Teufel stets seine giftigen Strahlen auf sie schießt und sie sichtet, dass sie ihm manchmal anbeißt und sich vergiftet, davon groß Jammer und Angst entstehet, dass sich die edle Sophia im Brünnlein Christi in der himmlischen Menschheit verbirgt und der Eitelkeit nicht nahen mag.

4,14. Denn sie weiß, wie es ihr in Adam ging, da sie ihr Perlein verlor, welches der inneren Menschheit aus Gnaden wieder geschenkt wird, darum sie Sophia heißt, als die Braut Christi.

4,15. Allhie ruft sie der feurigen Seelen als ihrem Bräutigam getreulich und ermahnet ihn zur Buße und Abladung oder Ausgehung von dem Gräuel der Eitelkeit. Da gehet dann der Streit in dem ganzen Menschen an. Da lüstert der äußere, fleischliche Mensch wider den inneren, geistlichen, und der geistliche wider den fleischlichen, und steht der Mensch im Streite, voller Trübsal, Kummer, Angst und Not.

4,16. Der innere spricht zur Feuer: O mein Buhle, kehre doch um und gehe von der Eitelkeit aus oder du verlierest meine Liebe und das edle Perlein. So spricht die äußere Vernunft, als die tierische irdische Seele: Du bist närrisch, dass du willst der Welt Narr und Spott sein. Du bedarfst der äußern Welt zu deinem Leben. Schönheit, Macht und Herrlichkeit ist dein Bestes, darinnen kannst du Freude haben. Was willst du dich in Angst, Not und Spott einführen? Trachte nach Wollust, das dem Fleische und Gemüte wohl tut.

4,17. Mit solchem Unflat wird dann ein rechter Mensch ofte besudelt. Der äußere Mensch besudelt sich selber, gleichwie eine Sau im Kote, und verdunkelt sein edles Bild. Denn je eiteler der äußere Mensch wird, je dunkeler wird der innere Mensch alsolange bis er gar verbleicht. So ist es alsdann geschehen um das schöne Paradiesbäumlein und wird schwer zugehen, wieder zu erlangen.

4,18. Denn wenn das äußere Licht, als die äußere Seele einmal erleuchtet wird, dass ihr das äußere Licht der Vernunft durch das innere Licht angezündet wird, so gibt die äußere Seele gerne einen Schein-Gleißner aus sich und achtet sich für göttlich, obgleich das Perlein weg ist.

4,19. Dabei bleibt es bei vielen und verdirbet also ofte der Perlenbaum in Christi Gärtlein, davon die Schrift einen harten Knoten macht, dass diejenigen, so einmal haben die Süßigkeit der zukünftigen Welt geschmecket, so sie wieder davon abfallen, das Reich Gottes schwerlich schauen werden, (Hebr. 6,4.6).

4,20. Und wiewohl es ja ist, dass die Gnadenpforte noch offen stehet, so hält sie aber das Scheinlicht der äußern Vernunft-Seele davon ab, dass sie meinen, sie haben das Perlein , und leben doch nur der Eitelkeit dieser Welt und tanzen dem Teufel nach seiner Pfeife.

5. Kapitel
5,1. Allhier soll nun ein Christ bedenken, warum er sich einen Christen nennet, und wohl betrachten, ob er auch einer sei; denn dass ich lerne wissen und verstehen, dass ich ein Sünder bin und dass Christus meine Sünde hat am Kreuze getötet und sein Blut für mich vergossen, das macht noch lange keinen Christen aus mir. Das Erbe gebühret allein den Kindern. Eine Magd im Hause weiß wohl, was die Frau gerne hat. Das macht sie darum nicht zum Erben in der Frauen Güter. Der Teufel weiß auch, dass ein Gott ist. Das macht ihn darum nicht wieder zum Engel. So sich aber die Magd im Hause mit der Frauen Sohne verehelicht, so mag sie wohl zur Erbschaft der Frauen Güter kommen.

5,2. Also auch in unserm Christentum zu verstehen ist: Der Historien Kinder sind nicht Erben der Güter Christi, sondern die ehelichen Kinder, welche aus Christi Geist neugeboren werden. Denn Gott sagte zu Abraham: Stoß der Magd Sohn aus, er solle nicht erben mit der Freien, (Gal. 4,30), denn er war ein Spötter und nur ein Historien-Sohn des Glaubens und Geistes Abrahams. Und solange er ein solcher war, so war er nicht in der rechten Erbschaft des Glaubens Abraham. So hieß ihn Gott ausstoßen von seinen Gütern.

5,3. Welches ein Vorbild der zukünftigen Christenheit war; denn dem Ahraham geschahe die Verheißung der Christenheit. Darum so war auch alsobald das Vorbilde in den zwei Brüdern, als in Isaak und Ismael, dargestellet wie sich die Chri stenheit halten würde, und dass zweierlei Menschen würden darinnen sein, als wahre Christen und Maulchristen, die nur würden unter dem Titul der Christenheit Spötter sein wie Ismael und Esau, welcher auch das Bilde des äußern Adam war, und Jakob das Bilde Christi und seiner wahren Christenheit.

5,4. Also soll ein jeder, der sich will einen Christen nennen, der Magd Sohn, das ist: den irdischen, bösen Willen von ihm hinausstoßen, immer töten und zerbrechen und nicht in die Erbschaft einsetzen, nicht dem Tiermenschen das Perlein zum Spiel geben, dass er sich in dem äußern Lichte in der Fleischeslust stets erlustige, sondern mit unserm Vater Abraham den Sohn unsers rechten Willens an Berg Moria führen und im Gehorsam wollen Gott aufopfern, immer gerne wollen in Christi Tode der Sünden absterben, dem Tier der Eitelkeit keine Ruhe in Christi Reiche einräumen, nicht lassen geil, hoffärtig, geizig, neidig und boshaftig werden. Diese Eigenschaften sind alle des Ismaelis, der Magd Sohn, welchen Adam in seiner Eitelkeit von der buhlerischen Huren der falschen Magd von Teufels Imagination aus der irdischen Eigenschaft im Fleisch gebare.

5,5. Dieser Spötter und Titul-Christ ist ein Hurensohn. Der muss hinausgestoßen werden, denn er soll das Erbe Christi im Reiche Gottes nicht erben, (Gal. 4,30). Er ist kein nütze und ist nur Babel, eine Verwirrung der einzigen Sprache in viel Sprachen. Er ist nur ein Schwätzer und Zänker um die Erbschaft und will sie erschwätzen und erzanken mit seiner Mundheuchelei und Scheinheiligkeit, und ist doch nur ein blutdürstiger Mörder des Habels, seines Bruders,welcher ein wahrer Erbe ist.

5,6. Darum sagen wir es, als wir es erkannt haben, dass sich ein Mensch, der sich will einen Christen nennen, soll prüfen, was für Eigenschaften ihn treiben und regieren, ob ihn der Geist Christi zur Wahrheit und Gerechtigkeit und zur Liebe des Nächsten treibe, dass er gerne wollte Gutes tun, wüsste er nur, wie er könnte. Und so er befindet, dass er einen Hunger nach solcher Tugend hat, so mag er gewiss denken, dass er gezogen wird. So soll er es ins Werk richten, nicht nur wollen und nicht tun. Im Wollen stehet der Zug des Vaters zu Christo, aber im Tun stehet das rechte Leben.

5,7. Denn der rechte Geist tut recht. Ist aber der Wille zum Tun und das Tun aber nicht folget, so ist der rechte Mensch in der eitlen Lust, welche das Tun hält gefangen, und ist nur ein Heuchler, ein Ismaeliter. Anders redet er und anders tut er, und bezeuget, dass sein Mund ein Lügner ist; denn das er lehret, das tut er selber nicht und dienet nur dem tierischen Menschen in der Eitelkeit.

5,8. Denn dass einer sagt: Ich habe Willen und wollte gerne Gutes tun, und habe aber irdisch Fleisch, das hält mich, dass ich nicht kann; ich werde aber aus Gnaden um des Verdienstes Christi willen selig werden; denn ich tröste mich ja seines Leidens und Verdienstes, er wird mich aus Gnaden ohn all mein Verdienst annehmen und mir die Sünde vergeben, — der tut gleich einem, der eine gute Speise zu seiner Gesundheit wüsste und äße derselben nicht, äße aber an deren statt eine giftige, davon er krank würde und stürbe.

5,9. Was hilft das die Seele, dass sie den Weg zu Gott weiß und den nicht gehen will, gehet aber den Irrweg und erreicht Gott nicht? Was hilft das die Seele, dass sie sich der Kindschaft Christi, seines Leidens und Todes tröstet und ihr selber heuchelt, mag auch nicht in die kindliche Geburt eingehen, dass sie ein wahres Kind aus Christi Geiste, aus seinem Leiden, Tod und Auferstehung geboren werde. Gewiss und wahrhaftig: das Kitzeln und Heucheln mit Christi Verdienst, ohne der wahren ingeborenen Kindschaft, ist falsch und erlogen; es lehre, wer da wolle.

5,10. Dies Trösten gehöret dem bußfertigen Sünder, der im Streit wider die Sünde und Gottes Zorn ist, wenn die Anfechtungen kommen, dass der Teufel der Seelen zusetzt, da sich die Seele soll in das Leiden und Tod Christi, in sein Verdienst ganz einwickeln.

5,11. Christus hat es wohl allein verdienet, aber nicht als ein Verdienst hat er es verdienet, dem ein Lohn aus Verdienst gegeben wird, dass er uns die Kindheit aus seinem Verdienst von außen schenkte und uns also in die Kindschaft einnähme. Nein, er ist selber das Verdienst. Er ist die offene Pforte durch den Tod, durch den müssen wir eingehen. Er nimmt aber nicht Tiere in sein Verdienst ein, sondern diejenigen, welche umkehren und werden als die Kinder.

5,12. Dieselben Kinder, die zu ihm kommen, sind sein Lohn, er hat uns verdienet. Denn er sprach auch also: Vater, die Menschen waren dein und du hast sie mir gegeben, und ich gebe ihnen das ewige Leben, (Joh. 17,6). Nun aber wird keinem das Leben Christi gegeben, er komme denn im Geiste Christi zu ihm in seine Menschheit, Leiden und Verdienst ein und werde in seinem Verdienst ein wahres Kind des Verdienstes geboren. Aus seinem Verdienst müssen wir geboren werden und das Verdienst Christi in seinem Leiden und Tod anziehen, nicht von außen mit Mundheuchelei allein, nicht nur mit Trösten und ein fremdes Kind fremder Essenz bleiben. Nein, die fremde Essenz erbet nicht die Kindschaft, sondern die ingeborne Essenz erbet sie.

5,13. Dieselbe ingeborne Essenz ist nicht von dieser Welt, sondern im Himmel, davon St. Paulus sagt: Unser Wandel ist im Himmel, (Phil. 3,20). Die kindliche Essenz wandelt im Himmel und der Himmel ist im Menschen. So aber der Himmel im Menschen nicht offen ist und er nur vorm Himmel stehet heucheln und spricht: Ich bin wohl außen, aber Christus will mich aus Gnaden annehmen; sein Verdienst ist ja mein, — ein solcher ist nach dem äußern Menschen in der Eitelkeit und Sünden und mit der Seele in der Hölle, als in Gottes Zorn.

5,14. Darum lernet es recht verstehen, was uns Christus hat gelehret und getan. Er ist unser Himmel. Er muss in uns eine Gestalt gewinnen, sollen wir im 1-limmel sein. So ist alsdann der innere Seelenmensch mit dem hl. Leibe Christi, als in der neuen Geburt im Himmel, und der äußere, sterbliche ist in der Welt. Davon sagt Christus: Meine Schäflein sind in meiner Hand; niemand kann sie mir herausreißen, der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles, (Joh. 10,27.29).

6. Kapitel
6,1. Lieben Brüder, wir wollen treulich mit euch reden, nicht aus heuchlerischem Munde, dem Antichrist zu gefallen, sondern aus unserm Perlein , aus christlicher Essenz und Wissenschaft, nicht aus der Hülse und Historien, sondern aus kindlichem Geiste, aus Christi Wissenschaft als eine Rebe am Weinstock Christo, aus dem Maße deren in uns eröffneten Wissenschaft in Gottes Rat.

6,2. Man bindet uns anjetzo an die Historien, an die steinernen Kirchen, welche zwar in ihrem Wert gut wären, so man auch den Tempel Christi darein brächte.

6,3. Man lehret, ihre Absolution sei eine Vergebung der Sünden; item, das Abendmahl nehme die Sünden weg; item, der Geist Gottes werde vom Predigtamt eingegossen.

6,4. Dieses alles hätte seinen Wert, so es recht erkläret würde und man nicht nur an der Hülsen hinge. Mancher gehet 20 oder 30 Jahr in die Kirche, höret predigen und braucht Sakrament, lässt sich absolvieren und ist einmal ein Tier des Teufels und der Eitelkeit wie das andere. Ein Tier gehet in die Kirchen und zum Abendmahl, und ein Tier gehet wieder davon. Wie will der essen, der keinen Mund hat? Wie will der hören, der kein Gehör hat? Mag auch einer eine Speise genießen, die seinem Munde verschlossen ist? Wie will der trinken, der fern vom Wasser ist? Was hilft mich es, dass ich in die Mauerkirche gehe und fülle meine Ohren mit einem leeren Odem oder gehe zum Abendmahl und speise nur den irdischen Mund, welcher sterblich und verweslich ist? Mag ich ihm doch wohl daheim ein Stücke Brot geben, dass er satt werde. Was hilft das die Seele, welche ein unsterblich Leben ist, dass der tierische Mensch die Weise des Gebrauchs Christi hält, so sie nicht mag das Kleinod des Gebrauchs erreichen? Denn St. Paulus sagt vom Abendmahl: Darum dass ihr nicht unterscheidet den Leib des Herrn, empfahet ihrs zum Gerichte, (1.Kor. 11,29).

6,5. Der Bund bestehet, er wird im Gebrauch gerüget. Christus bietet uns mit seinem Worte seinen Geist an als in dem gepredigten Worte und in den Sakramenten seinen Leib und Blut, und in der brüderlichen Versöhnung seine Absolution.

6,6. Was hilft es aber, dass ein Tier allda zuhöret und kein Gehör zum inneren lebendigen Worte hat? Hat auch kein Gefäß, darein es kann das Wort legen, dass es Frucht bringe. Von denen sagt Christus: Der Teufel reißt das Wort von ihren Herzen, dass sie nicht glauben und selig werden, (Luk. 8,12). Warum? Darum, dass das Wort keine Stätte im Gehör findet, da es möchte haften.

6,7. Also auch von der Absolution: Was hilft es, dass einer zu mir sagt: Ich verkündige dir die Absolution deiner Sünden, so doch die Seele ganz in Sünden verschlossen liegt? Der solches zum verschlossenen Sünder sagt, der irret und der es annimmt ohne Gottes Stimme in ihm, der betrügt sich auch selber.

6,8. Niemand kann Sünde vergeben als allein Gott. Des Predigers Mund hat nicht die Vergebung in eigener Gewalt. Der Geist Christi hat sie in der Stimme des Priesters Mund, so er aber auch ein Christ ist. Was half es aber diejenigen, die Christum auf Erden höreten lehren, da er sprach: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken? Was half es dieselben, die es höreten und nicht mühselig waren? Wo bliebe die Erquickung, da sie tote Ohren hatten und nur den äußern Christus höreten, nicht aber das Wort der göttlichen Kraft, wurden sie doch nicht erquicket, also viel hilft auch einem tierischen Menschen seine heuchlerische Absolution. Ebenso wenig helfen ihm auch die Sakramenta.

6,9. In Sakramenten ist es nun offen, wie auch im Lehramt. Der Bund wird gerüget. Die Nutznießung der Seelen geschieht, aber in der Eigenschaft wie der Seelen Mund ist. Wenn das äußere Tier empfänget Brot und Wein, da könnte es auch daheim essen. Und die feurische Seele empfänget nun das Testament nach ihrer Eigenschaft, als im Zorne Gottes. Sie empfänget der ewigen Welt Wesen, aber nach der finstern Welt Eigenschaft. Wie der Mund ist, also ist auch die Speise, so in Mund gehört. Er empfänget es ihm zum Gerichte auf Art wie die Gottlosen werden Christum am jüngsten Gerichte als einen ernsten, strengen Richter sehen, und die Heiligen als einen lieben Immanuel.

6,10. Gegen den Gottlosen stehet Gottes Zorn in seinen Testamenten offen, und gegen den Heiligen stehet die himmlische Leiblichkeit, und darin die Kraft Christi im heiligen Namen Jesu offen. Was hilft aber den Gottlosen das Heilige, so er das nicht kann genießen? Was soll allhie seine Sünde weg nehmen? Die Sünde wird nur gerüget und offenbar.

6,11. Es ist doch in den Heiligen mit den Sakramenten kein Sündewegnehmen oder dadurch Vergeben, sondern alsoist es: Wenn Christus aufstehet, so stirbet Adam in der Schlangenessenz. Wenn die Sonne aufgehet, so wird die Nacht im Tage verschlungen und ist keine Nacht mehr. Also ist die Vergebung der Sünden. Der Geist Christi isset von seinem hl. Wesen. Der innere Mensch ist die Fassung des hl. Wesens. Er nimmt an, was der Geist Christi in ihn einführet, als den Tempel Gottes, Christi Fleisch und Blut. Was geht das ein Tier an oder was gehet es die Teufel oder die Seele in Gottes Zorne an? Sie essen von ihrem himmlischen Leibe, in welchem Himmel sie wohnen, als im Ahgrunde.

6,12. Also auch im Predigtamt. Der Gottlose höret, was die äußere Seele der äußern Welt predigt. Das nimmt er an als eine Historiam. Ist aber etwa Stoppeln oder Stroh in der Predigt, so saugt er daraus die Eitelkeit, und die Seele saugt daraus die falsche Gift und Morde des Teufels. Damit kitzelt sie sich, dass sie höret, wie sie kann Menschen richten. Ist aber der Prediger auch ein Toter und säet aus seinen Affekten Gift und Schmack, so lehret der Teufel und höret der Teufel. Dasselbe Lehren wird in dem gottlosen Herzen gefangen und bringt gottlose Früchte, daraus die Welt eine Mordgrube des Teufels worden ist, dass beides im Lehrer und Zuhörer nichts als eitel Spotten, Lästern, Höhnen, Wortzanken und um die Hülse-Beißen innen ist.

6,13. Aber in dem heiligen Lehrer lehret der Hl. Geist, und in dem heiligen Hörer hört der Geist Christi durch die Seele und göttlich Gehäuse des göttlichen Schalles. Der Heilige hat seine Kirche in sich, da er inne höret und lehret. Aber Babel hat den Steinhaufen, da gehet sie hinein heucheln und gleißen, lässt sich mit schönen Kleidern sehen, stellt sich andächtig und fromm. Die steinerne Kirche ist ihr Gott, darein sie das Vertrauen setzt.

6,14. Der Heilige aber hat seine Kirche an allen Orten bei sich und in sich; denn er sehet und gehet, er liegt und sitzt in seiner Kirchen. Er ist in der wahren christlichen Kirchen, im Tempel Christi. Der Hl. Geist predigt ihm aus allen Kreaturen. Alles was er ansiehet, da siehet er einen Prediger Gottes.

6,15. Hie wird der Spötter sagen, ich verachte die steinerne Kirche, da die Gemeinde zusammenkommt. Da sage ich „nein“ zu, sondern ich weise an die heuchlerische babylonische Hure, die mit der steineren Kirche nur Hurerei treibet und nennet sich einen Christen, ist aber ein Hurenbalg.

6,16. Ein rechter Christ bringt seine heilige Kirche mit in die Gemeinde. Sein Herz ist die wahre Kirche, da man soll Gottes dienst pflegen. Wenn ich tausend Jahr in die Kirchen gehe, auch alle Wochen zum Sakrament, lasse ich mich auch gleich alle Tage absolvieren, habe ich Christus nicht in mir, so ist es alles falsch und ein unnützer Tand, ein Schnitzwerk in Babel und ist keine Vergebung der Sünden.

6,17. Der Heilige tut heilige Werke aus der heiligen Kraft seines Gemütes. Das Werk ist nicht die Versöhnung, aber es ist das Gebäude, das der wahre Geist in seinem Wesen bauet. Es ist sein Wohnhaus, gleichwie des falschen Christen seine Fabelei sein Wohnhaus ist, da dann seine Seele heuchelnd hin gehet. Das äußere Gehör gehet in das Äußere und wirket in das Äußere; und das innere Gehör gehet in das Innere und wirket in dem Inneren.

6,18. Heuchle, heuchle, schreie, singe, predige, lehre wie du willst. Ist nicht der innere Lehrer und Hörer offen, so ist es alles Babel und Fabel und ein Schnitzwerk, da der äußere Weltgeist ein Model oder Schnitzwerk nach dem Inneren macht. Und damit blendet er, als ob er einen heiligen Gottesdienst hätte, da doch manchmal der Teufel mitten in solchem Gottesdienst mächtig in der Imagination (Einbildung) wirket und das Herz wohl kitzelt mit denen Dingen, so das Fleisch gerne hätte, welch es zwar wohl öfters den Kindern Gottes nach dem äußern Menschen widerfähret, so sie nicht eben acht auf sich haben, so sichtet sie der Teufel.

7. Kapitel
7,1. Ein rechter Mensch, welcher in Christi Geist neugeboren ist, der ist in der Einfalt Christi, hat mit niemanden einigen Zank um die Religion. Er hat in ihm selbst Streit genug mit seinem tierischen, bösen Fleisch und Blut. Er meinet immerdar, er sei ein großer Sünder, und fürchtet sich vor Gott; denn seine Sünden stehen offenbar und sind im Gerichte, denn die Verwirrung verschließt sie in sich, davon ihm der Zorn Gottes unter Augen schilt als einen Schuldigen. Aber die Liebe Christi dringt hindurch und vertreibt sie, wie der Tag die Nacht verschlingt.

7,2. Dem Gottlosen aber ruhen seine Sünden im Schlafe des Todes und grünen im Abgrunde aus und bringen Früchte in der Höllen.

7,3. Die Christenheit in Babel zankt um die Wissenschaft, wie man Gott dienen, ehren und erkennen soll, was er sei nach seinem Wesen und Willen; und lehren schlecht, wer nicht in allen Stücken mit ihnen einig sei in der Wissenschaft und Meinung, der sei kein Christ, sondern ein Ketzer.

7,4. Nun wollte ich doch gerne sehen, wie man alle ihre Sekten sollte zusammen in eine bringen, die sich die christliche Kirche könnte nennen, weil sie allesamt nur Verächter sind, da je ein Haufe den andern lästert und für falsch ausschreit.

7,5. Ein Christ aber hat keine Sekte. Er kann mitten unter den Sekten wohnen, auch in ihrem Gottesdienst erscheinen, und hangt doch keiner Sekte an. Er hat nur eine einige Wissenschaft, die ist Christus in ihm. Er sucht nur einen Weg. Der ist die Begierde, dass er immerdar wollte gerne recht tun und leben, und stellt all sein Wissen und Wollen ins Leben Christi ein. Er seufzet und wünschet immerdar, dass doch Gottes Wille in ihm möchte geschehen und sein Reich in ihm offenbar werden. Er tötet täglich und stündlich die Sünde im Fleisch; denn des Weibes Same, als der innere Mensch in Christo, zertritt stets dem Teufel in der Eitelkeit den Kopf, (Gen. 3,15).

7,6. Sein Glaube ist eine Begierde zu Gott. Die hat er in die gewisse Hoffnung eingewickelt. Darin wagt ers auf die Worte der Verheißung. Er lebet und stirbet darinnen, und da er doch nach dem rechten Menschen nimmermehr stirbet. Denn Christus sagt auch also: Wer an mich glaubet, wird nimmermehr sterben, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Und: Es werden Ströme des lebendigen Wassers von ihm fließen, als gute Lehre und Werke. (Joh. 11,25 f; Joh. 7,38)

7,7. Darum, sage ich, ist alles Babel, was sich miteinander beißet und um die Buchstaben zanket. Die Buchstaben stehen alle in einer Wurzel. Die ist der Geist Gottes, gleichwie die mancherlei Blumen alle in der Erde stehen und wachsen alle nebeneinander. Keine beißt sich mit der andern um die Farben, Geruch und Schmack. Sie lassen die Erde und Sonne, sowohl Regen und Wind, auch Hitze und Kälte mit sich machen, was sie wollen. Sie aber wachsen eine jede in ihre Essenz und Eigenschaft. Also ist auch mit den Kindern Gottes. Sie haben mancherlei Gaben und Erkenntnis, aber alles aus einem Geiste. Sie freuen sich nebeneinander der großen Wunder Gottes und danken dem Höchsten in seiner Weisheit. Was sollen sie lange um den zanken, in dem sie leben und sind, dessen Wesen sie selber sind?

7,8. Es ist die größte Torheit in Babel, dass der Teufel hat die Welt um die Religionen zankend gemacht, dass sie um selbstgemachte Meinung zanken, um die Buchstaben, da doch in keiner Meinung das Reich Gottes stehet, sondern in Kraft und der Liebe. Auch sagte Christus und ließ es seinen Jüngern zuletzt, sie sollten einander lieben. Dabei würde jedermann erkennen, dass sie seine Jünger wären, gleichwie er sie geliebt hätte (Joh. 13,34). Wenn die Menschen also sehr nach der Liebe und Gerechtigkeit trachteten als nach Meinungen, so wäre gar kein Streit auf Erden. Wir lebten als Kinder in unserm Vater und bedürften keines Gesetzes noch Ordens.

7,9. Denn mit keinem Gesetz wird Gott gedienet, allein mit Gehorsam. Die Gesetze sind wegen der Bösen, die nicht der Liebe und der Gerechtigkeit wollen, die werden mit Gesetzen getrieben und gezwungen. Wir haben alle einen einigen Orden. Der ist, dass wir dem Herrn aller Wesen stille halten und unsern Willen ihm ergeben und lassen seinen Geist in uns wirken, spielen und machen, was er will. Und was er in uns wirket und offenbaret, das geben wir ihm wieder dar als seine Frucht.

7,10. So wir nun um die mancherlei Frucht, Gaben und Erkenntnis nicht zanketen, sondern erkenneten und untereinander als Kinder des Geistes Gottes, was wollte uns richten? Lieget doch das Reich Gottes nicht an unserm Wissen und Wähnen, sondern in der Kraft.

7,11. Wenn wir nicht halb so viel wüssten und wären viel kindischer und lebten als Kinder einer Mutter als wie die Zweige an einem Baume, die alle von einer Wurzel Saft nehmen, so wären wir heiliger.

7,12. Das Wissen ist nur zu dem Ende, dass wir es lernen, weil wir haben die göttliche Kraft verloren in Adam und sind nun jetzt zum Bösen geneigt, dass wir es lernen erkennen, wie wir böse Eigenschaften in uns haben und dass das böse Tun Gott nicht gefällt, damit wir mit dem Wissen lernen recht tun. So wir aber die Kraft Gottes in uns haben und begehren von allen Kräften recht zu tun und recht zu leben, so ist das Wissen nur unser Spiel, darinnen wir uns erfreuen.

7,13. Denn das wahre Wissen ist die Offenbarung des Geistes Gottes durch die ewige Weisheit. Der weiß in seinen Kindern, was er will. Er gießt seine Weisheit und Wunder durch seine Kinder aus, gleichwie die Erde die mancherlei Blumen. So wir nun im Geiste Christi als demütige Kinder nebeneinander wohneten und erfreuete sich je einer des andern Gaben und Erkenntnis, wer wollte uns richten? Wer richtet die Vögel im Walde, die den Herrn aller Wesen mit mancherlei Stimme loben, ein jeder aus seiner Essenz? Straft sie auch der Geist Gottes, dass sie nicht ihre Stimmen in eine Harmonie führen? Gehet doch ihr aller Hall aus seiner Kraft, und vor ihm spielen sie.

7,14. Darum sind die Menschen, so um die Wissenschaft und um Gottes Willen zanken und einander darum verachten, törichter denn die Vögel im Walde und die wilden Tiere, die keinen rechten Verstand haben. Sie sind vor dem heiligen Gott unnützer als die Wiesenblumen, welche doch dem Geist Gottes stillehalten und lassen ihn die göttliche Weisheit und Kraft durch sich offenbaren. Ja, sie sind ärger denn die Disteln und Dörner unter den schönen Blumen, welche doch stille stehen. Sie sind als die räuberischen Tiere und Vögel im Walde, welche dieandern Vögel von deren Gesang und Lobe Gottes abschrecken.

7,15. In Summa: Sie sind des Teufels Gewächs im Zorne Gottes, die durch ihre Pein doch dem Herrn dienen müssen. Denn sie treiben mit ihrer Plag und Verfolgung den Saft durch die Essenz der Kinder Gottes aus, dass sie sich im Geiste Gottes bewegen mit Beten und emsigen Flehen, in welchem der Geist Gottes sich in ihnen bewegt; denn die Begierde wird dadurch geübt und auch die Kinder Gottes, dass sie grünen und Frucht bringen; denn in Trübsal werden Gottes Kinder offenbar nach der Schrift: Wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstlich zu dir. (Jes. 26,16)

8. Kapitel
8,1. Die ganze christliche Religion stehet in dem, dass wir uns lernen erkennen, was wir sind, von wannen wir kommen sind, wie wir aus der Einigung in die Uneinigkeit, Bosheit und Ungerechtigkeit eingegangen, wie wir dieselbe haben in uns erweckt. Zum andern, wo wir in der Einigung sind gewesen, da wir Kinder Gottes waren. Zum dritten, wie wir jetzt und in der Uneinigkeit sind, in dem Streit und Widerwillen. Zum vierten, wo wir hinwallen aus diesem zerbrechlichen Leben (Wesen). Wo wir mit dem Unsterblichen hin wollen und dann auch mit dem Sterblichen.

8,2. In diesen vier Punkten stehet unsere ganze Religion, zu lernen, aus der Uneinigkeit und Eitelkeit zu kommenund wieder in einen Baum, daraus wir in Adam alle kommen sind, einzugehen, welcher ist Christus in uns. Wir dürfen um nichts streiten, haben auch keinen Streit. Lerne sich nur ein jeder üben, wie er wieder möge in die Liebe Gottes und seines Bruders eingehen.

8,3. Christi Testamenta sind durchaus anders nichts als eine brüderliche Verbindnis, dass sich Gott in Christo mit uns verbindet und wir mit ihm. Alles Lehren soll dahin gehen, auch alles Wollen und Tun. Was anders lehret und tut, das ist Babel und Fabel, nur ein Schnitzwerk der Hoffart, ein unnütz Gerichte und eine Irremachung der Welt, eine Gleißnerei des Teufels, damit er die Einfalt blendet.

8,4. Alles, was außer Gottes Geist lehret und hat nicht göttliche Erkenntnis und wirft sich doch zum Lehrer in Gottes Reich auf, und will Gott mit Lehren dienen, das ist falsch und dienet nur seinem Abgott Bauche mit seinem stolzen, hoffärtigen Sinn, dass er will geehret sein und will heilig genannt sein. Er trägt ein erwählet Amt von Menschenkindern, welche ihm auch nur heucheln und ihn um Gunst willen dazu geordnet haben. Christus sprach: Wer nicht zur Tür in den Schafstall hineingehet, das ist: durch ihn, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder, und die Schafe folgen ihm nicht; denn sie kennen seine Stimme nicht, (Joh. 10,1.5).

8,6. Das aufgeschriebene Wort ist nur ein Werkzeug, damit der Geist leitet. Das Wort, das da lernen will, muss in dem buchstabischen Halle sein, sonst ist keiner ein Lehrer Gottes, sondern nur ein Lehrer der Buchstaben, ein Wisser der Historien und nicht des Geistes Gottes in Christo. Alles, damit man Gott dienen will, muss im Glauben geschehen, als im Geiste. Der macht das Werk völlig und vor Gott angenehm. Was der Mensch im Glauben anfängt und tut, das tut er im Geiste Gottes, welcher im Werke mitwirket. Das ist Gott angenehm; denn er hats selber gemacht und seine Kraft ist darinnen. Es ist heilig.

8,7. Was aber in der Selbheit ohne Glauben gemacht wird, das ist nur eine Figur oder Hülse eines rechten christlichen Werks.

8,8. Dienest du deinem Bruder und tust es nur aus Gleißnerei und giebest ihm ungerne, so dienest du nicht Gott; denn dein Glaube gehet nicht aus Liebe in die Hoffnung in deiner Gabe. Wohl dienest du deinem Bruder und er danket an seinen Teil, du aber segnest ihn nicht, denn du giebest ihm einen mürrischen Geist in deiner Gabe. Der gehet nicht in Gottes Geist in die Hoffnung des Glaubens ein. Darum ist deine Gabe nur halb gegeben und hast nur halben Lohn dafür.

8,9. Also auch mit dem Nehmen zu verstehen: So einer im Glauben gibt in göttlicher Hoffnung, der segnet seine Gaben in seinem Glauben. Der sie aber undankbarlich empfängt und murret im Geiste, der verflucht sie in der Nießung. Also bleibet einem jeden das Seine. Was er säet, das erntet er auch ein.

8,10. Also auch im Lehramt. Was einer aussäet, das erntet er auch ein. Säet einer aus Christi Geist guten Samen, so empfängt er in dem guten Herzen und trägt gute Frucht. In den Gottlosen aber, die des nicht fähig sind, wird der Zorn Gottes gerüget. Säet einer Zank, Verachtung, Übeldeutung, das nehmen alle gottlosen Menschen ein. Es empfängt auch und trägt solche Frucht, dass man einander spottet, verhöhnet, verleumdet, übeldeutet.

8,11. Aus welchem die große Babel geboren und ausgewachsen ist, da man aus Hoffart um die Historiam der Rechtfertigung des argen Sünders vor Gott zanket und den Einfältigen irre und lüsternd macht, dass ein Bruder den andern um die Historien und Buchstabenwechseln willen verachtet und dem Teufel gibt.

8,12. Solche Lästerbälge dienen nicht Gott, sondern dem großen Bau der Uneinigkeit. Weil in allen Menschen im irdischen Fleische noch eine verderbte Sucht lieget, so wecken sie auch in den einfältigen Kindern Gottes den Gräuel auf und machen Gottes Volk samt den Kindern der Bosheit lästernd, und sind nur Baumeister der großen Babel und der Welt, und so viel nütze als dem Wagen das fünfte Rad, ohne dass sie das höllische Gebäude aufrichten.

8,13. Darum ist den Kindern Gottes hoch not, dass sie ernstlich beten und diesen falschen Bau lernen kennen, mit ihrem Gemüte davon auszugehen und nicht auch helfen aufbauen und die Kinder Gottes selber verfolgen, damit sie sich am Reiche Gottes aufhalten und verführet werden. Wie Christus zu den Pharisäern sprach: Wehe euch Pharisäer, ihr umziehet Land und Wasser, zu machen einen Judengenossen; und wenn er es worden ist, so macht ihr aus ihm ein Kind der Höllen zweifältig mehr denn ihr seid, (Matth. 23,15). Welches wahrhaftig in den jetzigen Rotten und Sekten bei den Schreiern und Zanklehrern auch dergleichen geschieht.

8,14. Will derwowegen alle Kinder Gottes, welche gedenken Christi Glieder zu sein, vor solchem greulichen Zanke und Blutpauken, aus denen mir von Gott eröffneten Gaben treulich gewarnet haben, vom Bruderzanke auszugehen und nur schlecht nach der Liebe und Gerechtigkeit gegen alle Menschen zu trachten.

8,15. Denn ist einer ein guter Baum, so soll er auch gute Früchte tragen, ob er gleich bisweilen muss leiden, dass ihm die Säue seine Früchte auffressen, so soll er doch ein guter Baum bleiben und stets wollen mit Gott wirken, sich auch kein Böses lassen überwältigen. So steht er in Gottes Acker und trägt Früchte auf Gottes Tische, welche er ewig genießen wird. Amen.