Okkulte Raumkunst

Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche)

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Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche) legt in diesem Text seine Meinung zur geheimmagischen Schulung und über okkulte Räume dar. Er vertritt die Ansicht, dass rituelle Gegenstände und Räume speziell gestaltet und der Persönlichkeit des Magiers entsprechen sollen.

 

 

 

Das „Ich“ des Menschen benötigt zu seiner Entfaltung einen Gegenpol, die Gestaltung des „Du“ des Menschen. Dieses Du aus seinen eigenen Kräften ausströmend geschaffen, steht zu ihm in einer immerwährenden Spannung und ein stetiger Spannungsausgleich, wenn er in Harmonie geschieht, ist sicher eine Kraftquelle für das ICH.

Nur sehr wenige Menschen mögen für sich allein zu sein und auf eine DU Gestaltung zu verzichten. Im weiteren Sinne gehört zu dem Du, die gesagte Umgebung des Ichs, die Menschen, mit denen man verkehrt, die Ehe die engeren Freundschaften, der Staat, das Volk, dem er angehört, die Landschaft, in der man sich aufhält, im engeren Sinne bedeutet der Raum oder die Räume des Hauses in denen man wohnt, die Du-Ausgestaltung.

Es ist wichtig in dieser Hinsicht das Gesetz der Antipathie und der Sympathie, der gegenseitigen An- oder Abstoßung zu Grunde zu legen, um sich eine karmische Umgebung zu schaffen. Dazu kommt noch die Beobachtung des Gesetzes der Od-Ausstrahlung jeden lebenden und scheinbar lebenden Dinges. Deshalb ist es ebenso unklug [sich] mit unsympathischen Menschen zu umgeben wie einen, das Gefühl irgendwie ungünstig stimmenden Gegenstand im Raum zu dulden. Außerdem gibt die magische Disziplin der siderischen Pendelausstrahlung eine vorzügliche Kontrolle über die Plus oder Minuskräfte eines jeden Dinges. Der Neophyt weiß auch bereits, dass Gedanken Kräfte sind.

Ein magisch geschulter Mensch ist wohl imstande, durch Gedankenkräfte Gegenstände magisch aufzuladen, genauso wie er Menschen durch fernmagische Gedanken beeinflussen und lenken kann. Das okkulte und esoterische Wissen war immer ausschließlich Eigentum der herrschenden Priesterkaste und diese verstanden dieses Wissen auch zu bewahren und zu beschützen. Man verwandte dazu nicht nur eine Verschlüsselung durch Geheimsymbolik, sondern auch den odischen und magischen Schutzmantel. So ist es durchaus richtig, wenn der Geheimwissenschaftler sein erlangtes Weistum vor Unberufenen zu verbergen und zu verdecken sucht.

So dient z.B. das aufrechtstehende Pentagramm als Schutzsymbol, ebenso das Hexagramm, der Davisstern. In der Loge wird jede Mappe, die wichtige oder geheime Schriftstücke erhält, mit dem Schutzpentagramm versehen, nicht nur als Schmuck, sondern auch zur Abwehr. Diese einfachen Symbole lassen sich konstruktiv erweitern zu Schutzglyphen, über deren Herstellung noch Unterricht erfolgen wird. Man kann ein Pentagramm auf Pergament gezeichnet am Kopfende des Lagers anbringen, um geschützt gegen astrale Einflüsse zu sein, denn dieses Symbol ist als Abwehrsymbol in der astralen Sphäre von ungemein starker Wirkung.

Es genügt im Allgemeinen sogar bei Erscheinungen aus der anderen Sphäre, vor sich in der Luft das Pentagramm zu ziehen und die Phantome werden vergehen. So ist eine Räucherung mit Weihrauch eine Schutzräucherung, erst an zweiter Stelle ein Stimulanzmittel. Die katholische Kirche benutzt bewusst Weihrauch zu ihren Kulten und Zeremonien.

Deshalb ist es zu empfehlen ein Räucherwerk täglich im Haus zu verbrauchen, zu verbrennen. Dieses kann man ganz individuell mischen mit verschiedenen Duftstoffen, die dem Neophyten persönlich zusagen, den pflanzlichen Entsprechungen des jeweiligen Tages Planeten, stets vermischt mit etwas Weihrauch und Myrrhe. Dadurch wird nicht nur das Wohlbefinden gesteigert, sondern die Räucherung ist ein Schutzmittel gegen astrale oder auch gedankliche Beeinflussung.

In diese Betrachtung gehört auch das Tragen echter, sorgsam dem Horoskop nach, gewählter Edelsteine und Metalle, sowie das Benutzen individueller Parfüms. Es greifen hier viele Dinge ineinander und wird dieses Wissen hier nur erwähnt, da es zur Raumgestaltung und zur Harmonisierung des DU verwandt werden kann. Im magischen Unterricht wird der Lehrer noch oft auf Einzelheiten zurückkommen müssen. In der Magie gibt es nicht Nebensächliches!

Was nun eine Wohnungskultur anbetrifft, so kann man keine Norm aufstellen. Herkunft und Bildungsmilieu und die zur Verfügung stehenden materiellen Mittel spielen ja hierbei eine wichtige Rolle.

Der Esoteriker wird sich mit der Zeit durch seine geistige Beschäftigung mit den okkulten Disziplinen sowieso durch seine schulungsmäßige Hochpolung seiner sensiblen Wahrnehmungsfähigkeiten, doch wieder einen naturgegebenen Instinkt für alles Schöne und Harmonische in sich heraufziehen. Es gibt eine angeborene Instinktsicherheit, die sich auch auf diese hier behandelnden Fragen anwenden lässt.

Diese innere Gefühlsbasis zu stützen und zu fördern, ist die Absicht des Lehrers durch das Geben dieser Anleitungen. Im eigenen Horoskop findet man ja leicht diejenigen kosmischen Bedingtheiten, die nach dem astrologischem Entsprechungssystem sich bei einiger Mühe und Sorgfalt auch zweckmäßig ausbauen lassen im Sinne einer idealistischen Lebensführung.

Der Neophyt erhält hiermit eine Anweisung, die nur richtungsgebend aufzufassen ist, denn ihre Verwirklichung richtet sich nach den jeweiligen Verhältnissen, nach Umgebung und den sonstigen Lebensumständen, in denen sich der einzelne befindet. Aber es soll doch jeder Schüler bestrebt sein, die hier gegebenen Hinweise in die Tat umzusetzen, individuell auszubauen und nach und nach zu verwirklichen.

Die sich im Neophyten langsam vollziehende Wandlung des inneren Menschen muss und kann sich auch in seiner Umgebung ausprägen und imstande sein, diese gänzlich umzugestalten, gewissermaßen zu veredeln.

Genauso wie eine Privatbibliothek den Intellekt und die Geistigkeit des Inhabers wiederspiegelt, so zeugt der bewohnte Raum von der Persönlichkeit des Menschen. Deshalb soll der Schüler versuchen, den Raum, in welchem er arbeitet oder sich am meisten aufhält, nicht nur sein eigenes Gepräge zu geben, sondern ihn auch im okkulten Sinne auszugestalten, ja ihn sogar einem sehr sorgsam gepflegten magischen Influxus zu geben. Ist der Geheimwissenschaftler frühzeitig gereift, so wird er nicht verheiratet sein, denn eine Ehe ist nur eine Hemmung für den Esoteriker und Magus. Meist ist leider die Ehe schon in früheren Jahren geschlossen worden, und deshalb muss versucht werden, wenigstens für das Arbeits- und Schlafzimmer eine Absonderung von der Familie herbeizuführen. Niemals darf ein magisch tätiger Mensch ein gemeinsames Schlafzimmer haben, welches direkt astrales Gift für den geistigen Mann bedeutet.

Ebensowenig darf im Arbeitszimmer ein sexueller Verkehr gepflegt werden. Über diese subtilen Fragen wird an anderer Stelle noch gesprochen werden. Es wird einem bewussten Geheimwissenschaftler vorausgesetzt, dass er dem Weibwesen gegenüber, ob er verheiratet ist oder nicht, stets eine gewisse reservierte und dominierende Stellung einnimmt. Sein Wille muss im Allgemeinen immer ausschlaggebend sein und er muss stets das geistige Übergewicht besitzen. Deswegen kann er trotzdem eine harmonische Ehe führen. Aber auch eine Eheführung ist eine Lebenskunst! Es wird nun die Aufgabe des Schülers sein, derartige gewollte oder beabsichtigte Wandlungen, ohne Disharmonien hervorzurufen, zu vollziehen.

Aus dem Arbeits- und Schlafraum ist alles Überflüssige an Sachen, wie an Möbeln, Bildern, Gegenständen usw. sofort restlos zu entfernen, was nicht zu dem Neophyten in persönlichem Zusammenhang steht. So wird der Raum nach und nach ein ernstes und geistiges Gepräge erhalten. Der Raum soll mental ausgestaltet werden. Wenn es geht ohne Tapeten sein, am besten mit dunkelgrünem, dunkelblauem oder auch dunkelgelbem Farbanstrich versehen sein. Es können auch hellere Farben und Töne genommen werden, man soll sich hier nach dem persönlichen und individuellen Geschmack richten. Aber niemals schwarze, graue oder rote Farbtöne vorherrschen lassen.

Als Bildschmuck kann man entsprechende Symbole auf die Wände zeichnen, oder wertvolle Originalgemälde, Radierungen etc., die der Stimmung des Raumes nicht wiedersprechen, als Zimmerschmuck wählen. Die alten Meister bieten hier genug Auswahl! Niemals kitschige Öldrucke und sonstige Reproduktionen verwenden, am allerwenigsten Bilder oder Fotografien von Verwandten, Eltern- oder Jugendbildnisse aufhängen, denn über diesen kitschigen Totenkult muss der Neophyt hinaus sein. Nur echte Kunstgegenstände wie echte Bronzen, Vasen, Porzellane usw. aufstellen, niemals Imitationen, sonst lieber gar nichts. Auf Gips und Nippes kann man in der Wohnung direkt Jagd machen, um sie zu vernichten und zu verbannen. Jedem Originale, sei es Bild oder Gegenstand, haftet ein gewisses Od des Herstellers oder Künstlers an, das muss man bedenken. Und außerdem ist es richtig, jeden Gegenstand seines persönlichen Besitzers einzuoden und diese Einodung ab und zu auch zu erneuern.

Das ist zum magischen Schutze nötig. Man braucht kein reicher Mensch zu sein und kann mit wenigen Mitteln so viel Geschmack in diesen Dingen erreichen, wenn man einen angeborenen Geschmack besitzt. Eine gute Radierung von Felicien Rops kann ebenso wirksam sein wie eine Federzeichnung von Max Elinger oder Otto Greiner, ein japanischer Farbenholzschnitt von Katsushika Hokusai gleicht in diesem Sinne einer einfachen Holzschnitzerei aus [dem] Wallis oder einer Figur der Porzellanmanufaktur Meissen. Es kommt ja nicht auf die Kostbarkeit an, sondern auf die persönliche Verbindung zu ihm, auf seinen ideellen Wert.

Einen gewissen Luxus soll man sich gestatten als geistiger Arbeiter, einen großen und bequemen Schreibtisch für seine Arbeiten. Je mehr Ordnung auf diesem und in diesem herrscht, desto besser ist es. Der Geistesarbeiter braucht viele Fächer und Mappen. Ein Bücherschrank ist schön, aber ein Bücherregal leistet die gleichen Dienste.

Sonst brauchen nur wenig Möbel im Raum zu sein. Wenn es angängig ist, ein großer Spiegel mit Quecksilberbelag von Fußboden bis zur Decke reichend, schwarzer Rahmen mit einer Vorrichtung, ihn durch einen schwarzen Seidenvorhang zeitweise verdecken zu können. Keine Gardinen, sondern dichte Storen vor den Fenstern. In einer Ecke ein kleines Tischchen mit einem guten Räuchergefäß und einem echten Gong (Rauch oder Schachtisch). Türen dunkel gebeizt, Möbel gleichfalls. Fußboden mit Teppichen oder Matten belegen. Beleuchtung nach Möglichkeit mit Wechselschaltung für mehrfarbiges Licht anlegen lassen. (Wichtig für magische Experimente). Zimmer mit Verbindungstüren vermeiden.

Die Eingangstüre mit einem dunklen Vorhang nach innen abschließen. Reinigung des Zimmers darf nur am Montag erfolgen, niemals aber am Sonnabend nach Sonnenuntergang! Regelmäßige Räucherungen nach den Tagesplaneten.

Am besten separates Schlafzimmer, anschließend Zimmer möglichst von Straßenlärm entfernt. Vorteilhaft ist es natürlich am Rande einer Großstadt oder auf dem Lande in Abgeschiedenheit zu wohnen. Je größere Menschenferne, desto besser. Man kann aber auch in der Großstadt einsam sein und sich sehr abschließen gegen die negierende Umwelt. Frau und Kind haben das Arbeitszimmer möglichst nicht zu betreten. Der Schüler soll nach dem Lesen dieser Lektionen nicht mutlos sein, weil er sie nicht erfüllen kann oder er soll auch nicht in Extreme verfallen. Beides wäre falsch.

Ich betone nochmals, es sind nur Richtlinien. Der Lehrer hat hier schon sonderbare Dinge erlebt. Ein Schüler hat zum Entsetzen seiner Frau die halbe Wohnungseinrichtung auf die Straße geworfen und hat sein Zimmer verriegelt. So soll und braucht es nicht zu sein! Man kann sich selbst zu diesen Dingen erziehen und hinzulernen. Die Hauptsache ist, auch in seiner Umgebung nach Harmonie zu streben und diese zu erzeugen. Aber man bedenke, jedes Ding, jeder Gegenstand hat seine eigene Ausstrahlung, und deshalb muss man sorgfältig auswählen unter dem, was man um sich duldet und haben will.

Das erstreckt sich auf Menschen und Dinge. Der Neophyt kann ruhig einen gewissen Persönlichkeitskult treiben. Das schadet seiner Entwicklung nicht. Das Selbstbewusstsein wird dadurch gestärkt. Der Weg seiner Entwicklung geht ja sowieso abseits der Menge. Man nehme sich ein Vorbild an den östlichen Völkern. So hat z. B. der Japaner eine ausgeprägte Wohnkultur trotz der Primitivität der Wohnverhältnisse und würde sich niemals erlauben, sein eigenes Arbeitszimmer oder den Schlafraum mit Straßenschuhen zu betreten.

Wer natürlich über mehr Raum verfügt, vermag dies alles noch viel mehr auszugestalten, denn ein absolut ritualmagischer Raum erfordert noch weitere Sicherungen und Gebrauchspraktiken. In der Zeit der heutigen Unkultur und Wohnungsnot ist dieses alles natürlich ein Problem. Der zwangsmäßige Kulturtiefstand des deutschen Volkes drückt auch auf den einzelnen Menschen, aber umso mehr versuche man sich gegen diesen immun zu machen. Je stärker die Persönlichkeit, desto positiver entfaltet sich die Individualität zu dem nivellierenden Druck der Masse und verteidigt die Grenzen seiner Sphäre, die er braucht zu der geistigen und persönlichen Entfaltung seines Ichs.

(Blätter für angewandte Lebenskunst 1956)