Der Pfad der spirituellen Entwicklung

David Lober

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David Lober meint, dass es am Anfang des Pfades schwer einzuschätzen sei, ob der Mensch spirituell voranschreitet. Natürlich sei gerade am Anfang dieses Vorankommen das größte Bestreben. Es gibt verschiedene Anzeichen spiritueller Entwicklung. Das sicherste Anzeichen des Fortschritts aber sei es nach Ansicht von David Lober, wenn sich Eingebungen und Ideen in einer bedeutsamen Abfolge entfalten.

 

Wir machen viele „spirituelle“ Erfahrungen, bevor sich uns diese Abfolge bedeutsamer Ideen eröffnet, stabilisiert und dann verlässlich wird. Wir erleben plötzliche Eingebungen der Intuition und Phasen der inneren Harmonie, lange bevor wir in der Lage sind, uns auf das intuitive Bewusstsein kontinuierlich einzustellen. Es ist so, wie wenn man die Lichter einer Schnellstraße von weitem sieht, und dann schließlich auf diese auffährt. Es ist, als ob man einen flüchtigen Blick auf die Geliebte aus dem Wald erhascht, die in dem Buch „9 ½ Mystics“ („9 1/2 Mystics: The Kabbala Today“ von Herbert Weiner, 1969) beschrieben wird.

Bevor wir auf die Schnellstraße oder zum Palast kommen müssen wir uns mit jenem befassen, der unseren weiteren Weg versperrt, und uns doch unterstützt. Dies ist unser Freund: der Hüter der Schwelle, der Teufel. Er versperrt unseren Weg und doch unterstützt er uns. Zu unserem und dem Wohl anderer weigert er sich, uns passieren zu lassen. Er zwingt uns dazu, den notwendigen Grad an Reinheit in uns zu erreichen und schmerzhafte Lektionen zu lernen. Spirituelle Entwicklung ist im Kern eine Frage der Reinheit, und Schmerz reinigt.

Das kosmische Licht ist durch neun Schleier verhüllt. Unser Voranschreiten besteht im Enthüllen dieser Schleier, um das Licht mit jedem Schritt klarer zu offenbaren. Wenn wir noch nicht bereit sind, einen bestimmten Teil zu enthüllen und es dennoch versuchen, verweigert uns der Hüter der Schwelle seine Erlaubnis. Er verweigert seine Erlaubnis mit Bedauern und Mitgefühl. Unser Widersacher ist unser Freund.

Und doch kommt die Zeit, wenn wir die Rose des entfalteten Potenzials der Menschheit in der Luft erahnen. Es kommt die Zeit, wenn wir sie in unserer Hand und unserem Geist halten können. Was wir verspüren ist spirituelle Tugend, oder Reinheit. Wir atmen den Duft der Essenz der Rosen ein, und halten ihn fest im Bereich um unsere Herzen. Der Duft spiritueller Tugend erfüllt uns und verbleibt mit uns.

Wenn wir an diesem Punkt angekommen sind, haben wir unseren Dienst hier erfolgreich abgeleistet. Wir haben viele Inkarnationen vom Geist getrennt gelebt, oder uns in vergänglichen Illusionen verloren. Wir haben Bedauern gelernt. Wir haben unsere Unreinheiten beweint. Wir haben unsere Trennung vom Licht und vom Geruch der Rosen betrauert. Wir haben die Handlungen, Gedanken und Gefühle bedauert, die die Geliebte von uns fern gehalten haben. Wir haben gelernt, Egoismus, Arroganz, Wut und Ärger zu bedauern.

Wir sehen die Gefängnistüren sich öffnen. Unser Gefängnis ist unser Leben, und unsere Faszination mit uns selbst und den unzähligen Formen, die uns umgeben, von denen wir lernen und mit denen wir umgehen. Die Öffnung der Gefängnistüren ist das Ende der Verblendung durch die Schleier vor der Realität, die das Licht verdunkelt haben.

Wir nehmen die Welt dahinter wahr. Neue Landschaften von feineren und anderen Qualitäten, Schattierungen und Formen. Da ist ein Vorgeschmack von Schönheit, von Vernunft, von universeller Liebe. Die offenen Türen erlauben es uns zu einem gewissen Grad, uns vorzustellen, wie das spirituelle Leben sein kann und wird.

Um ein anderes Bild zu wählen: wir machen uns nun an den Aufstieg. Wir werfen den Ballast an Groll und unser persönliches Drama ab. Wir werden nach oben gezogen vom Herzen, von der Liebe, von alter Erinnerung, einer Erinnerung an vollkommene Verbundenheit, an Mitgefühl, Respekt, Großzügigkeit und Liebe. Wir steigen auf, während Tugend unser Herz erfüllt.

Aufzusteigen bedeutet das Versprechen, in gutem Glauben zu dienen. Dies bedeutet, an der Not der Welt Anteil zu nehmen. Es bedeutet, dass wir uns innerlich verpflichtet fühlen. Es heißt auch, von denen begrüßt und unterstützt zu werden, die den Weg vor uns gegangen sind.

Es gibt eine unermessliche Kette der Unterstützung, eine gewaltige Kette von Wesen im Dienste Gottes, die bis zum Beginn der Zeit zurückreicht. Niemand von uns kommt im Ziel an, ohne ein großes Maß an Unterstützung von ihnen erhalten zu haben. Wir geben jene Hilfe, die wir erhalten haben, an die weiter, die nach uns aufsteigen. Wir geben sie so gut weiter, wie unsere Qualifikation es ermöglicht. Dies ist Teil unserer Ausbildung, genauso wie es Teil der Ausbildung derer war, die vorher uns geholfen haben.

In gewissem Sinne sind diese Wesen unsere Mentoren. Das Wort Mentor stammt von dem Eigennamen Mentor ab, der ein weiser Freund und Berater von Odysseus war. Er war während Odysseus’ Abwesenheit für dessen Anwesen verantwortlich, und oft erschien die Göttin Athene, die römische Minerva, in der Form des Mentors, um Odysseus’ Sohn auszubilden.

Während unserer Abwesenheit nehmen diese weisen Ratgeber unseren Platz ein und bereiten unsere verschiedenen Körper auf die Aufgaben vor, die vor uns liegen. Wir wiederum werden andere vorbereiten. All dies geschieht, während wir dem Leben in der Schule des Geistes nachgehen. Es geschieht, während man uns lehrt, die wechselseitige Abhängigkeit und innere Verbundenheit aller Dinge zu erkennen.

Diese Beziehung zwischen Meister und Schüler, zwischen Mentor und Neophyt, ist Teil dieser wechselseitigen Abhängigkeit und inneren Verbundenheit aller Dinge. Genauso wie wir die universelle Verbundenheit und Einheit zu verstehen lernen, lernen wir ebenso, die Eigenständigkeit jedes Elements und Teils der höchsten Ganzheit zu respektieren. Wir steigen zur Ganzheit auf, um uns der Ganzheit ebenso wie der individuellen Teile innerhalb des Ganzen bewusst zu sein.