Von dem ganzen Leibe der Sternengeburt, das ist die ganze Astrologia oder der ganze Leib dieser Welt

Das 25. Kapitel
Von dem ganzen Leibe der Sternengeburt,
das ist die ganze Astrologia oder der ganze Leib dieser Welt

Die gelehrten und hocherfahrnen Meister der Sternenkunst sind in ihrem Verstande so hoch und tief kommen, daß sie wissen der Sternen Lauf und Wirkung, was ihre Zusammenkünften, Infizieren und Durchbrechen der Kräfte bedeutet und rnitbringet; und wie sich dadurch Wind, Regen, Schnee und Hitze empöret, auch Böses und Gutes, Glück und Unglück, dazu Leben und Tod und alles Treiben dieser Welt.

2. Dieses ist zwar das rechte Fundament, welches ich im Geist erkenne, daß es also sei. Ihre Erkenntnis aber stehet nur im Hause des Todes in der äußerlichen Begreiflichkeit und im Anschauen der Augen des Leibes, und ist ihnen die Wurzel des Baumes bis daher verborgen blieben.

3. Es ist auch nicht mein Fürnehmen, daß ich wollte von des Baumes Ästen schreiben und ihre Erkenntnis umkehren. Auch so baue ich nicht auf ihren Grund, sondern lasse ihre Erkenntnis in ihrem Sede sitzen, dieweil ich sie nicht studieret habe; und schreibe im Geiste meiner Erkenntnis von des Baumes Wurzel, Stamme, Ästen und Frucht als ein mühsamer Knecht seines Herrn, den ganzen Baum dieser Welt zu blößen.

4. Nicht der Meinung, etwas Neues auf die Bahn zu bringen, denn ich habe dessen keinen Befehl, sondern meine Erkenntnis stehet in dieser Geburt der Sternen, inmitten wo sich das Leben gebäret und durch den Tod bricht, und wo der wallende Geist entstehet und durchbricht, und in dessen Trieb und Wallen schreibe ich auch.

5. Ich weiß auch gar wohl, daß die Kinder des Fleisches werden meiner spotten und sagen, ich sollte meines Berufs warten und mich um diese Dinge unbekümmert lassen und mich lieber um das fleißiger annehmen, das da mir und den Meinigen den Bauch füllet, und die lassen pholosophieren, die es studieret und dazu berufen sind.

6. Mit dieser Anfechtung hat mir auch der Teufel so manchen Stoß gegeben und mir solches selber eingebleuet, daß ich mich oft verwogen habe, dieses zu unterlassen. Aber mein Fürnehmen ist mir zu schwer worden. Denn wenn ich dem Bauch nachgedacht und bei mir entschlossen, dieses mein Vorhaben zu unterlassen, so ist mir die Porten des Himmels in meiner Erkenntnis zugeriegelt worden.

7. Alsdann hat sich meine Seele geängstet, als wäre sie vom Teufel gefangen, dadurch die Vernunft so manchen Stoß bekommen, als sollte der Leib zugrunde gehn. Und hat auch der Geist nicht eher nachgelassen, bis er ist wieder durch die tote Vernunft gebrochen und hat die Toren der Finsternis zersprenget und seinen Sitz wieder an seine Stelle bekommen, dadurch er dann allezeit neu Leben und Kraft bekommen.

8. Dadurch ich denn verstehe, daß der Geist muß durch Kreuz und Trübsal bewähret werden. Auch so hat mirs an leiblicher Anfechtung nicht gefehlet, sondern habe immer müssen im Kampf stehen, sogar ist der Teufel dawider gewesen.

9. Weil ich aber spüre, daß mein ewig Heil darauf stehet und daß mir durch mein Nachlassen wollte die Porten des Lichts zugeschlossen werden; welches doch ist die Festung meines Himmels, darein sich meine Seele verbirget vor dem Ungewitter des Teufels, welche ich doch mit großer Mühe und manchem harten Sturme durch die Liebe Gottes erobert habe durch die Durchbrechung meines Erlösers und Königes Jesu Christi. So will ichs lassen Gott walten und meine fleischliche Vernunft gefangen nehmen.

10. Und habe mir erwählet die Porten der Erkenntnis des Lichtes und will des Geistes Trieb und Erkenntnis nachfahren. Und sollte gleich mein tierischer Leib an Bettelstab gereichen oder gar zugrunde gehen, so frage ich nun weiter nichts danach. Und will mit dem königlichen Propheten David sagen: Und wenn mir gleich mein Leib und Seele verschmacht, so bist du, o Gott, doch mein Heil, mein Trost und meines Herzens Zuversicht, Ps 73,26. Auf dich will ichs wagen und deinem Geiste nicht widerstreben. Und ob es gleich dem Fleische wehe tut, noch dennoch muß der Glaube in Erkenntnis des Lichts über der Vernunft schweben.

11. Ich weiß auch gar wohl, daß einem Jünger nicht gebühret wider den Meister zu kämpfen und daß die hocherfahrnen Meister der Astrologie mir weit überlegen sind. Aber ich arbeite in meinem Berufe und sie in ihrem, auf daß ich nicht ein fauler Knecht meines Herrn erfunden werde, wenn derselbe wird kommen und sein überantwortetes Pfund von mir fordern, daß ich ihn dasselbe möge mit Wucher darstellen. Also will ich sein Pfund nicht in die Erde vergraben, sondern auf Wucher ausleihen, damit er nicht in Zeit seiner Abforderung möchte zu mir sagen: Du Schalksknecht, warum hast du mein Pfund in die Finsternis versteckt und nicht damit gewuchert? (Mat 25,21; Luk 19,23). So bekäme ich jetzunder das Meine mit Wucher; – und dasselbe gar von mir nähme und einem andern gäbe, der mit seinem Pfunde viel gewuchert hätte. Also will ich säen, er mag begießen, und es ihn lassen walten.

12. Nun merke: Das ganze Haus dieser Welt, das im sichtbarlichen und begreiflichen Wesen stehet, das ist das alte Haus Gottes oder der alte Leib, welcher vor der Zeit des Zornes ist in himmlischer Klarheit gestanden. Als aber der Teufel hat darin neu den Zorn erweckt, so ist es ein Haus der Finsternis und des Todes worden.

13. Darum sich dann auch die hl. Geburt Gottes als ein sonderlicher Leib von dem Zorne entschieden und die Feste des Himmels zwischen Liebe und Zorn gemacht hat, daß also die Sternengeburt in Mitten stehet. Verstehe, mit ihrer äußerlichen Begreiflichkeit und Sichtlichkeit stehet sie im Zorne des Todes, und mit der darinnen aufgehenden neuen Geburt, welche stehet im mittlern Sede, wo der Schluß des Himmels ist, stehet sie in der Sanftmut des Lebens.

14. Denn die Sanftmut wallet gegen den Zorn, und der Zorn gegen die Sanftmut, und sind also zwei unterschiedliche Reiche in dem einigen Leibe dieser Welt.

15. Dieweil aber die Liebe und Sanftmut Gottes den Leib oder Locum dieser angezündeten Zornwelt nicht wollte im ewigen Zorne und Schanden lassen stehen, so gebar er den ganzen alten Leib dieser Welt wieder recht förmlich zu einem Leibe, darinnen das Leben regierte nach göttlicher Art und Weise. Obwohl im angezündeten Zorne, noch dennoch mußte er nach der Gottheit Recht bestehen, auf daß daraus könnte ein neuer Leib geboren werden, der da bestünde in Heiligkeit und Reinigkeit in Ewigkeit.

16. Um solcher Ursache willen ist auch ein endlicher Scheidetag in Gott bestimmt worden, das sich Liebe und Zorn sollen voneinander scheiden.

17. Wenn du nun ansiehest die Sternen und die Tiefe mit samt der Erden, so siehest du mit deinen leiblichen Augen nichts als den alten Leib im zornigen Tode. Den Himmel kannst du mit deinen leiblichen Augen nicht sehen, denn die blaue Kugel, die du in der Höhe siehest, das ist nicht der Himmel, sondern es ist nur der alte Leib, den man billig die verderbte Natur heißet.

18. Daß es aber scheinet, als wäre eine blaue Kugel über den Sternen, damit der Locus dieser Welt vor dem heiligen Himmel sei verschlossen, wie denn die Menschen bisher gedacht haben, das ist nicht also, sondern es ist das Oberwasser der Natur. Das ist viel heller als das Wasser unter dem Monden. Wenn nun die Sonne durch die Tiefe scheinet, so ists gleich wie lichtblau.

19. Wie tief oder weit der Locus dieser Welt sei, weiß kein Mensch. Und ob sich gleich etliche Physici oder Astrologi haben unterstanden, die Tiefe mit ihrem Zirkel zu messen, so ist ihr Messen doch nur Fabelei oder eine Messung der Begreiflichkeit, gleich als wollte einer den Wind haschen.

20. Der rechte Himmel aber ist überall in dieser jetzigen Zeit bis an Jüngsten Tag, und das Zornhaus der Höllen und des Todes ist auch in dieser Welt jetzt überall bis an Jüngsten Tag. Aber die Wohnung der Teufel ist jetzunder vom Monden bis an und in die Erden in den tiefen Spelunken und Höhlen, sonderlich wo wüste und wilde Einöden sind und wo die Erde sehr steinicht und bitter ist.

21. Ihr königlich Regiment aber ist in der Tiefe in den vier Enden der Aequinoctial-Circul, davon ich an einem andern Orte schreiben will. Allhie aber will ich dir anzeigen, wie das sei der Leib dieser Welt worden und wie er auch auf jetzo noch stehet, und wie das Regiment darinnen ist.

22. Der ganze Leib dieser Welt ist gleichwie ein menschlicher Leib, denn er ist in seinem äußersten Zirk mit den Sternen oder aufgegangenen Kräften der Natur umschlossen, und in dem Leibe regieren sieben Geister der Natur, und das Herze der Natur stehet mitten inne.

23. Die allgemeinen Sternen aber, die sind die wunderliche Proporz oder Veränderung Gottes, denn als Gott die Sternen schuf, so schuf er sie aus dem Aufsteigen der Unendlichkeit aus dem alten nunmehr angezündeten Leibe Gottes.

24. Denn gleichwie sich die sieben Quellgeister Gottes hatten vor der Zeit des Zornes mit ihrem Aufsteigen und Infizieren in unendlich geboren, daraus dann auch so mancherlei Figuren und himmlische Gewächse sind aufgegangen. Also auch figurierete der heilige Gott seinen alten Leib dieser verderbten Natur in so viel und mancherlei Kräfte als jemalen in der Heiligkeit waren in der Geburt gestanden.

25. Verstehe dies hohe Ding recht: Ein jeder Stern hat eine sonderliche Eigenschaft, welches du auch an der Zierheit oder an blühenden Erden siehest. Und hat der Schöpfer den alten angezündeten Leib darum in so viel und mancherlei Kräften wieder erbauet und lebendig gemacht, auf daß sich durch dieses alte Leben im Zorne wieder ein solch neu Leben durch den Schluß des Himmels darinnen gebäre, auf daß das neue Leben hätte alle Kraft und Wirkungen, wie das alte jemals vor Zeit des Zorns hatte gehabt und daß es könnte mit der reinen Gottheit außer dieser Welt inqualieren, und daß es mit der Gottheit außer dieser Welt sei ein heiliger Ort.

26. Auch so war die neue Geburt in Zeit der Schöpfung blühend, wenns der Mensch nicht hätte verderbet, durch welches die Natur noch sehrer verderbet ward und Gott den Acker verfluchte.

27. Dieweil der Mensch zu der Frucht des alten Leibes griff, so blieb nun die Frucht des neuen Leibes in seinem Himmel verborgen, und muß der Mensch dieselbe nun mit dem neuen Leibe anschauen und kann ihr mit dem natürlichen Leibe nicht genießen.

28. Davon mich wohl lüstert zu essen; ich kann sie aber nicht erreichen, denn der Himmel ist der Schluß zwischen dem alten und neuen Leibe, muß es derowegen darben bis in jenes Leben und meinem tierischen Leibe Mutter Evas Zornäpfel zu essen geben.

Von der Anzündung des Herzens oder Lebens dieser Welt 

29. Als Gott den Leib dieser Welt hatte in zween Tagen in eine rechte Formam gebracht, und hatte den Himmel zum Unterscheid zwischen die Liebe und den Zorn gemacht, so drang nun am dritten Tage die Liebe durch den Himmel durch den Zorn; da bewegete sich zuhand der alte Leib im Tode und ängstete sich zur Geburt.

30. Denn die Liebe ist hitzig. Die zündet den Feuerquell an. Der rieb sich in der herben und kalten Qualität des erstarreten Todes, bis sich die herbe Qualität am dritten Tage erhitzete, davon dann die Beweglichkeit oder die herbe Erde beweglich ward.

31. Denn es stund alles im Feuerschracke bis an vierten Tag. Da zündete sich das Licht der Sonnen an, denn der ganze Leib ängstete sich in der Geburt als ein gebärend Weib.

32. Die herbe Qualität war der Umfasser oder der Einschließer des Lebens gewesen. In der ängstete sich nun die Hitze, welche durch die Liebe Gottes angezündet ward, und dringete die herbe Qualität als einen toten Leib aus. Die Hitze aber behielt im mittlern Punkt des Leibes seinen Sitz und drang durch.

33. Als sich aber nun das Licht der Sonnen anzündete, so stund der näheste Zirk um die Sonne im Feuerschracke, denn die Sonne oder das Licht ward im Wasser scheinend, und die Bitterkeit aus dem Wasser fuhr im Feuerschracke mit auf. Das Licht aber war also geschwinde hinnach eilend und ergriff den Feuerschrack. Da blieb er als ein Gefangener stehen und ward körperlich.

34. Davon ist in dem ersten Umgang worden der Planeta Mars, welches Kraft in dem bittern Feuerschracke stehet, denn er ist ein Wüter, Tober und Stürmer wie ein Feuerschrack. Dazu ist er hitzig und ein giftiger Feind der Natur, durch welches Aufgang und Geburt in der Erden sind allerlei giftige, böse Würmer worden.

35. Weil aber die Hitze im mittlern Punkt des Leibes also mächtig groß war, so drang sie auch alsoweit von sich und eröffnete die Kammer des Todes vor ihrer Anzündung des Lichts alsoweit, daß Sie der größte Stern ist.

36. Alsbald sich aber das Licht in der Hitze anzündete, sobald ward der hitzige Locus in dem Lichte gefangen und konnte der Corpus der Sonnen nicht größer werden. Denn das Licht sänftiget die Hitze. Da blieb der Corpus der Sonnen als ein Herze in Mitten stehen, denn das Licht ist das Herze der Natur und nicht die Hitze.

37. Hie mußt du aber eigentlich merken: Alsoweit als sich der mittlere Punkt hat angezündet, also groß ist auch die Sonne, denn die Sonne ist anders nichts als ein angezündeter Punkt in dem Leibe der Natur.

38. Du darfst nicht denken, daß etwa eine andere Kraft dazu sei als in der ganzen Tiefe des Leibes überall ist.

39. Wenn die Liebe Gottes durch ihren Himmel wollte den ganzen Leib dieser Welt durch die Hitze anzünden, so würde es überall also licht wie in der Sonnen.

40. Wenn nun von der Sonnen könnte die große Hitze genommen werden, so wäre sie ein Licht mit Gott. Weil aber dasselbe in dieser Zeit nicht sein kann, so bleibet sie ein König und Regent in dem alten verderbten und angezündeten Leibe der Natur. Und die klare Gottheit bleibet in dem sanften Himmel verborgen.

41. Aber das Licht der Sanftmut der Sonnen inqualieret mit der reinen Gottheit. Aber die Hitze kann das Licht nicht ergreifen, darum bleibet auch der Locus der Sonnen in dem Leibe des Zorns Gottes. Und darfst die Sonne nicht anbeten oder für Gott ehren, denn ihr Locus oder Corpus kann das Wasser des Lebens von wegen ihrer Grimmigkeit nicht ergreifen.

Der höchste Grund der Sonnen und aller Planeten 

42. Allhie werde ich Anfechter genugsam haben, die da werden wissen zu tadeln, denn sie werden nicht auf den Geist Achtung haben, sondern auf ihr Altes, und werden sagen, die Astrologi verstehens besser. Sie haben geschrieben, und werden die große offene Porten Gottes ansehen wie eine Kuh ein neu Scheunentor.

43. Ja, lieber Leser, ich verstehe der Astrologorum Meinung  auch wohl. Ich habe auch ein paar Zeilen in ihren Schriften gelesen und weiß wohl, wie sie den Lauf der Sonnen und Sternen schreiben. Ich verachte es auch nicht, sondern halte es meistenteils für gut und recht.

44. Daß ich aber etliche Dinge anders schreibe, tue ich nicht aus einem Wollen oder Wahn, daß ich zweifele, obs also sei. Ich darf auch keinen Zweifel, so kann mich auch kein Mensch hierinnen unterrichten.

45. Denn ich habe meine Wissenschaft nicht vom Studio. Zwar der sieben Planeten Ordnung und Innestehen habe ich in der Astrologorum Bücher gelesen, befinde sie auch ganz recht, aber die Wurzel, wie sie worden und herkommen sind, kann ich nicht  von Menschen erlernen, denn sie wissens nicht. Ich bin auch nicht dabei gewesen, da sie Gott geschaffen hat.

46. Weil mir aber in meinem Geiste die Toren der Tiefe und Porten des Zorns, auch die Kammer des Todes ist aufgeschlossen worden durch die Liebe Gottes, so siehet der Geist hindurch. Befinde demnach, daß die Geburt der Natur heute noch stehet und sich also gebäret, wie sie erstlich ihren Anfang genommen hat. Und alles, was da aufgehet in dieser Welt, es seien gleich Menschen, Tiere, Bäume, Kraut, Gras, Erz oder was es wolle, so gehet alles in solcher Qualität und Form auf. Und alles Leben, es sei bös oder gut, nimmt seinen Ursprung also.

47. Denn das ist der Gottheit Recht, daß sich alles Leben in dem Leibe Gottes auf einerlei Weise gebäre. Obs wohl durch mancherlei Bildungen geschieht, so hat doch das Leben alles einerlei Ursprung.

48. Solche Erkenntnis sehe ich nicht mit fleischlichen Augen, sondern mit denen Augen, wo sich das Leben in mir gebäret. In demselben Sitze stehet mir des Himmels und der Höllen Porten offen und spekulieret der neue Mensch inmitten der siderischen Geburt, und stehet ihm die innere und äußerste Geburt offen.

49. Dieweil er noch in dem alten Menschen des Zorns und Todes stecket und sitzet auch in seinem Himmel, so siehet er durch beide. Auf solche Weise siehet er auch die Sternen und Elementa, denn in Gott ist kein Ort der Aufhaltung, denn das Auge des Herrn siehet alles.

50. So nun mein Geist nicht durch seinen Geist sähe, so wäre ich ein blinder Stock. Weil ich aber die Porten Gottes in meinem Geist sehe und habe auch den Trieb dazu, so will ich nach meinem Anschauen recht schreiben und keines Menschen Autorität ansehen.

51. Nicht sollst du es verstehen, als wäre mein alter Mensch ein lebendiger Heiliger oder Engel. Nein, Geselle, er sitzet mit allen Menschen im Hause des Zorns und des Todes und ist ein steter Feind Gottes, der in seinen Sünden und Bosheit steckt wie alle Menschen, und ist voller Gebrechen und Mängel.

52. Das sollst du aber wissen, daß er in steter ängstlicher Gebärung steckt und wollte des Zorns und Bosheit gerne los sein, und kann doch nicht. Denn er ist wie das ganze Haus dieser Welt, da immer Liebe und Zorn miteinander ringet, und gebäret sich immer der neue Leib mitten in der Angst. Denn also muß es sein, willst du aber von neuem geboren werden; anders erreicht kein Mensch die Wiedergeburt.

53. Der Mensch trachtet allhie immer nach sanften Tagen des Fleisches und nach Reichtum und Schönheit, und weiß nicht, daß er damit in der Kammer des Todes sitzet, da der Stachel des Zorns auf ihn zielet.

54. Siehe, ich sage dirs als ein Wort des Lebens, welches ich nehme in Erkenntnis des Geistes mitten in der Geburt des neuen Leibes dieser Welt, über welchen ist ein Herrscher und König, der Mensch Jesus Christus, samt seinem ewigen Vater. Auch nehme ichs vor dem Stuhle seines Thrones, da alle heiligen Seelen der Menschen vor ihm stehen und freuen sich vor ihm. Daß die Begierde des Fleisches in sanftem Wohltun reich sein, schön sein, mächtig sein, ist ein lauter höllisch Zornbad, darein du dringest und laufest, als würdest du hineingezogen, denn es ist große Gefahr darinnen.

55. Willst du es aber wissen, wie es ist, siehe, ich sage dirs im Gleichnis. Wenn du nach deines Herzens Lust in Reichtum und Gewalt bist gedrungen, so ists eben mit dir, als stündest du in einem tiefen Wasser, da dir das Wasser immer bis ans Maul ging, und unter deinen Füßen wäre kein Grund, sondern schwimmst also mit den Händen und schützest dich. Bald wärest du tief im Wasser, bald seicht, und wärest doch immer mit großem Schrekken gewärtig, wenn du zugrunde gingest, da dir dann das Wasser manchmal ins Maul ginge und immer des Todes gewärtig wärest.

56. In solcher Gestalt und nicht anders sitzest du in deinen Wollüsten des Fleisches. Willst du nun nicht kämpfen, so wirst du auch nicht siegen, sondern du wirst in deinem sanften Bette ermordet. Denn der Mensch hat stets ein gewaltiges Heer vor ihm, das da stets mit ihm kämpfet. Will er sich nicht wehren, so wird er gefangen und erschlagen.

57. Wie will sich aber der wohl wehren, der im tiefen Wasser schwimmst? Der hat genug zu tun, daß er sich des Wassers schützet, und wird doch gleichwohl von den Teufel bestürmet.

58. O, Gefahr über Gefahr! Wie auch unser König Christus saget: Es wird schwerlich ein Reicher ins Himmelreich eingehen. Es wird ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehen als ein Reicher ins Himmelreich, Matth. 19, 25; Mark. 10, 25.

59. Will aber jemand neugeboren werden, der muß sich nicht dem Geize, Hoffart und eigen Gewalt zum Knechte geben, sich in seines Fleisches Willen zu belustigen, sondern er muß kämpfen und streiten wider sich selber, auch wider den Teufel und wider alle Fleischeslust, und muß denken, daß er nur ein Knecht und Pilgram auf Erden ist, der da muß wandern durch das gefährliche Jammermeer in eine andere Welt. Da wird er ein Herr sein, und seine Herrschaft wird in Kraft und vollkömmlicher Lust und Schönheit stehen; sage ich als ein Wort des Geistes.

60. Nun merke: Die Sonne hat ihren eigenen königlichen Locum für sich und weicht von ihrem Orte, da sie ist zum erstenmal worden, nicht ab, wie etliche meinen, sie laufe in Tag und Nacht um den Erdboden, und auch solches etliche Astrologi schreiben, und haben sich etliche unterstanden zu messen, wie weit ihr Umzirk sei.

61. Diese Meinung ist unrecht, sondern die Erde drehet sich um und laufet mit den andern Planeten als wie in einem Rade um die Sonne. Die Erde bleibet nicht an einem Orte stehen, sondern laufet in einem Jahr einmal um die Sonne, wie auch die andern Planeten unter der Sonnen, ausgenommen Saturnus und Jupiter könnens von wegen ihres weiten Umgangs und großen Höhe nicht tun, dieweil sie hoch über der Sonnen stehen.

62. Nun fraget sichs: Was ist dann die Sonne und die andern Planeten oder wie sind die worden? Siehe, die andern Planeten sind eigne Körper, die ihr körperlich Eigentum haben, und sind an keinen stillstehenden Ort gebunden als nur an ihren Umzirk, da sie inne laufen. Die Sonne aber ist kein solcher Körper, sondern sie ist ein angezündeter Locus durch das Licht Gottes.

63. Verstehe es recht: Der Ort, wo die Sonne ist, der ist ein solcher Ort, wie du irgend einen Ort über der Erden erkiesen möchtest. So Gott wollte das Licht durch die Hitze anzünden, so wäre die ganze Welt ein eitel solche Sonne, denn dieselbe Kraft, darinnen die Sonne stehet, ist überall. Und vor der Zeit des Zorns ists überall in dem Loco dieser Welt also lichte gewesen, wie die Sonne ist, aber nicht so unerträglich.

64. Denn die Hitze ist nicht so groß gewesen wie in der Sonne, darum ist das Licht auch gar sanft gewesen, und von wegen der grausamen Grimmigkeit der Sonnen wird die Sonne von der Sanftmut Gottes unterschieden. Daß man darum nicht sagen darf, die Sonne sei eine offene Porten des Lichts Gottes, sondern sie ist wie das Licht in des Menschen Auge. Da gehöret der Ort des Auges auch zu dem Leibe, aber das Licht wird von dem Leibe unterschieden.

65. Und ob es gleich durch die Hitze im Wasser des Leibes entstehet, noch ist es ein sonderliches, welches der Leib nicht begreifen kann. Ein solcher Unterscheid ist auch zwischen Gott dem Vater und dem Sohne.

66. Also ist am vierten Tage in der Angstgeburt dieser Welt im mittlern Punkt dieser Welt die Sonne aufgegangen und stehet an ihrem ewigen körperlichen Ort stille, denn sie kann sich nicht an einem andern setzen.

67. Denn sie ist das einige natürliche Licht dieser Welt, und außer ihr ist kein recht Licht mehr in dem Hause des Todes. Und obs gleich scheinet, als schienen die andern Sternen auch hell, so ists doch nichts, sondern sie nehmen ihren Glanz alle von der Sonnen, wie bald hernach folget.

Die rechte Geburt und Herkommen der Sonnen und Planeten 

68. Als nun der Himmel zum Unterscheid gemacht ward zwischen das Licht Gottes und zwischen die angezündete Verderbung des Leibes dieser Welt, so war nun der Leib dieser Welt ein finster Tal und hatte kein Licht, das in dem äußerlichen Leibe außer dem Himmel geschienen hätte. Da stunden alle Kräfte gleich wie in, Tode gefangen und ängsteten sich also sehr, bis sie sich in der Mitten des Leibes erhitzeten.

69. Als aber dieses geschah, daß die ängstliche Geburt so streng in der Hitze stund, so brach die Liebe im Lichte Gottes durch den Himmel des Unterscheids und zündete die Hitze an. Da ging in der Hitze im Wasser oder im Fetten des Wassers das scheinende Licht auf und zündete sich des Wasser Herze an. Und dies ist in einem Augenblick geschehen.

70. Denn alsbald daß das Licht hat den Corpus recht ergriffen, so ist der Corpus in dem Lichte gefangen worden, und ist die Hitze gefangen worden und in eine ziemliche Sanftmut verwandelt worden und hat nicht weiter können in solcher Angst stehen.

71. Weil aber die Hitze von dem Licht ist erschrocken, so hat sich ihr grausamer Feuerquall geleget und hat sich nicht weiter können anzünden. Auch so hat sich die Durchbrechung der Liebe im Lichte Gottes durch den Himmel auf diesmal mit ihrem Durchbrechen nicht weiter erstreckt aus Gottes Fürsatze, darum ist die Sonne auch nicht größer worden.

Von dem Planeten Mars 

72. Als sich aber die Sonne angezündet, so ist der grausame Feuerschrack aus dem Loco der Sonnen über sich gefahren außer dem Loco der Sonnen als ein grausamer, ungestümer Blitz und hat in seinem körperlichen Wesen mitgenommen die Grimmigkeit des Feuers. Davon ist das Wasser ganz bitter worden. Und das Wasser ist der Kern oder der Stock des Schracks.

73. Nun schreiben die Astrologi, daß der Planet Mars über der Sonnen hoch stehe 15 750 Meilen, welches ich lasse gut sein, dieweil ich mit dem Zirkel nicht umgehe. Also weit ist der geschwinde Feuerschrack von seinem eignen Loco gefahren, bis ihn auch das Licht hat ergriffen. Da ist er auch vom Licht gefangen worden, und ist still gestanden und hat den Locum eingenommen.

74. Daß ihn aber das Licht nicht hat ehe ergriffen, das macht der ernste Grimm und geschwinde Blitz, denn er ist von dem Lichte nicht eher gehalten worden, bis ihn das Licht ganz infizieret hat.

75. Da stehet er nun als ein Wüter, Tober und Beweger des ganzen Leibes dieser Welt. Denn das ist auch sein Amt, daß er mit seinem Umgange in dem Rade der Natur alles beweget, davon alles Leben seinen Ursprung nimmt.

Von dem Planeten Jupiter 

76. Als nun der bittere Feuerschrack von dem Lichte gefangen ward, so drang das Licht in seiner eigenen Gewalt noch höher in die Tiefe hinaus, bis es reichte in den harten und kalten Sitz der Natur. Da konnte die Kraft des ersten Aufganges aus der Sonnen nicht höher und blieb allda körperlich sitzen und nahm denselben Locum zur Wohnung ein.

77. Du mußt aber dies Ding recht verstehen. Es ist die Kraft des Lichts gewesen, die an diesem Ort ist blieben stehen. Die ist ein ganz sanftes, freundliches, holdseliges und süßes Wesen. Von diesem schreiben die Astrologi, daß er über dem Mars hoch stehe 7875 Meilen. Er ist aber der Sänftiger des Zerstörers und wütenden Martis und ein Ursprung der Sanftmut in allem Leben und auch ein Ursprung des Wassers, davon sich das Leben gebäret, wie ich hernach melden will.

78. Also weit hat nun des Lebens Kraft aus der Sonnen gereichet und nicht höher. Der Glanz oder Schein aber, welcher auch seine Kraft hat, der reichet bis an die Sternen und durch den ganzen Leib dieser Welt.

79. Du mußt aber dies Ding eigentlich verstehen, wovon diese zwei Planeten sind worden. Als die Kraft des Herzens Gottes aus dem ewigen, unerstorbenen Brunnquell des Wassers des Lebens durch den Himmel des Unterscheides drang und zündete das Wasser in dem Loco der Sonnen an, so fuhr der Blitz, verstehe den Feuerblitz, aus dem Wasser. Der war ganz erschrecklich und bitter, daraus ist Mars worden.

80. Nach demselben Blitz fuhr die Kraft des Lichts geschwinde hernach als wie ein sanftes, erhebendes Leben, und ereilete den Feuerschrack und sänftigte ihn, daß er etwas ohnmächtig ward, und konnte nicht mehr oder weiter durch die Tiefe brechen, sondern blieb zitternd stehen.

81. Die ausgegangene Kraft im Lichte aber war viel mächtiger als der Feuerschrack. Darum stieg sie auch höher als der Feuerblitz, bis sie in der Natur Strengheit zu tief kam. Da ward sie auch gleichwie ohnmächtig und blieb stehen.

82. Aus derselben Kraft ist der Planet Jupiter worden, und nicht aus demselben Loco, da er stehet, sondern er zündet denselben Locum mit seiner Kraft immer an. Er aber ist wie ein Hausgenoß in demselben Loco, der immer in seinem Lehnhaus rumwandern muß. Die Sonne aber hat ihr eigen Haus, sonst hat kein Planet ein eigen Haus.

83. So man will recht erkunden der Sternen Geburt oder Anfang, so muß man eigentlich wissen die Geburt des Lebens, wie sich das Leben in einem Leibe gebäret, denn es ist alles einerlei Geburt.

84. Wer das nicht weiß und verstehet, der weiß auch nicht die Geburt der Sternen, denn es ist alles zusammen ein Leib. Eine jede Kreatur, wenn in der das Leben geboren ist, so steht ihre Geburt hernach in ihrem Leibe wie die Geburt des natürlichen Leibes dieser Welt, denn alles Leben muß sich nach der Gottheit Recht gebären, wie sich die Gottheit immer gebäret.

85. Wenn man nun dies recht betrachtet und bedenket, welches doch ohne sonderliche Erleuchtung des heiligen Gottes nicht geschehn kann, so findet man anfänglich die herbe, kalte und strenge Geburt, welche ist eine Ursache der leiblichen Natur oder der Bildung eines Dinges.

86. So nun diese strenge und kalte, scharfe zusammenziehende Kraft nicht wäre, so wäre kein natürlich oder leiblich Wesen. Auch so bestünde die Geburt Gottes nicht und wäre alles unerforschlich.

87. Aber in dieser harten, strengen und kalten Kraft stehet das leibliche Wesen oder der Leib, darinnen sich dann des Lebens Geist gebäret, und aus demselben Geiste das Licht und der Verstand, dadurch dann die Sinnen und die Approbierung aller Kräfte entstehet.

88. Denn wenn das Licht geboren wird, so wird es inmitten des Leibes als ein Herze oder Geist aus allen Kräften geboren. Und da stehet es auch in seinem anfänglichen Orte stille und gehet durch alle Kräfte.

89. Denn gleichwie es aus allen Kräften geboren ist und hat aller Kräfte Quellbrunn, also bringet es auch mit seinem Scheine aller Kräfte Quellbrunn in eine jede Kraft, davon dann der Geschmack und Geruch, sowohl auch das Sehen, Fühlen und Hören entstehet und die Vernunft und der Verstand.

90. Nun wie des Lebens Urkund und Anfang in einer Kreatur ist, also ist auch die erste Wiedergeburt der Natur des neuen Lebens in dem verderbten Leibe dieser Welt.

91. Und wer das leugnet, der hat weder rechten Verstand noch einige Erkenntnis der Natur. Auch so ist seine Erkenntnis nicht in Gott geboren, sondern er ist ein Spötter Gottes.

92. Denn siehe, du kannsts nicht leugnen, daß das Leben in einer Kreatur nicht in der Hitze des Herzens entstehe. Und in demselben Leben stehet auch das Licht der animalischen Geburt.

93. Nun bedeutet das Herz die Sonn. Sie ist auch des Lebens Anfang in dem äußerlichen Leibe dieser Welt. Nun kannst du ja nicht sagen, daß die animalische Geburt vom Herzen abweiche, weil der Leib in der Beweglichkeit stehet.

94. Also auch weichet die Sonne nicht von ihrem Sitze ab, sondern behält ihren eignen Locum als ein Herze für sich und leuchtet als ein Licht oder als ein Geist des ganzen Leibes dieser Welt in allen Kräften des Leibes.

95. Denn ihre Geburt ist auch anfänglich aus allen Kräften. Darum ist sie mit ihrem Licht und Hitze auch wieder ein Geist und Herze in dem ganzen Leibe dieser Welt.

96. Weiter so kannst du das auch nicht leugnen, daß die Galle in einer Kreatur nicht sei vom Herzen entstanden, denn sie hat eine Ader zum Herzen und ist des Herzens Beweglichkeit, davon die Hitze entstehst.

97. Sie hat ihren ersten Ursprung vom Blitz des Lebens. Wenn sich das Leben im Herzen gebäret und daß das Licht im Wasser aufgehet, so gehet der Feuerschrack vorher. Der steiget aus der Angstlichkeit des Wassers in der Hitze auf.

98. Denn wenn sich die Hitze in der Kälte in der herben Qualität also ängstet und daß sich das Licht durch den verborgenen Himmel des Herzens in der Leiblichkeit anzündet, so erschrickt der ängstliche Tod im Zorn Gottes und weichet als ein Schrack oder Blitz von dem Licht und steiget ganz erschrecklich, zitternd und furchtsam über sich. Und des Herzens Licht eilet ihm nach und infizieret den; alsdann bleibet er sitzen.

99. Und das ist und bedeutet den Planeten Mars, denn also ist er auch worden. Und seine eigene Qualität ist anders nichts denn ein giftig, bitter Feuerschrack, welcher aus dem Loco der Sonnen ist aufgegangen.

100. Er ist aber nun immer ein Anzünder der Sonnen gleichwie die Galle des Herzens, davon die Hitze, beides in der Sonnen und im Herzen, bestehet, und davon das Leben in allen Dingen seinen Ursprung nimmt.

101. Zum dritten kannst du auch nicht leugnen, daß das Gehirne im Haupte in einer Kreatur nicht sei des Herzens Kraft, denn aus dem Herzen steigen alle Kräfte auf ins Hirn. Davon entstehen in dem Hirne die Sinnen des Herzens.

102. Das Hirn im Haupt nimmt seinen Ursprung von der Kraft des Herzens.

103. Merke: Nachdem der Feuerschrack der Gallen oder des Martis ist von dem Lichte des Lebens abgewichen, so dringet die Kraft aus dem Herzen durch das Licht des Lebens hernach bis ins Haupt in die strenge Qualität. Und wenn dann die Kraft nicht höher kann, so wird sie von der strengen Geburt gefangen und von der Kälte vertrocknet.

104. Da stehet sie nun und inqualieret mit des Lebens Geiste im Herzen und ist ein königlicher Stuhl des Geistes des Herzens, denn bis dahin bringt der Geist des Herzens Kraft und da wird es approbieret.

105. Denn das Hirn sitzet in der strengen Geburt und ist in seinem eigenen Corpus die sanfte Kraft des Herzens und bedeutet recht die neue Wiedergeburt, welche mitten in der Strengheit des Todes und Zornes in seinem Himmel wieder neugeboren wird und dringet durch den Tod ins Leben. Denn da wird der Geist oder die Gedanken wieder eine ganze kreatürliche Person durch die Infizierung oder Approbierung aller Kräfte, welches ich im Menschen die animalische Geburt heiße.

106. Denn wenn der neue Geist im Hirne recht vertieret ist, so fähret er wieder in seine Mutter in das Herze. Alsdann stehet er als ein vollkömmlicher Geist oder Wille oder als eine neugeborne Person, welche im Menschen die Seele heißet.

107. Nun siehe, wie im Menschen das Hirn ein Wesen und Herkommen ist, also ist auch der Planet Jupiter ein Wesen und Herkommen, denn er hat seinen Ursprung vom Aufgang des Lebens von der Kraft, welche aus dem Wasser des Lebens aus dem Loco der Sonnen durch das Licht ist aufgangen.

108. Und ist dieselbe Kraft so hoch gestiegen, bis sie ist wieder in der strengen, harten und kalten Kraft gefangen worden. Allda ist sie blieben stehen und durch den ersten Umgang oder Fortgang körperlich worden und von der strengen und kalten Kraft vertrocknet.

109. Und ist wohl recht das Hirn in dem leiblichen Regiment dieser Welt, davon die Sinnen und Vernunft geboren werden, auch alle Sanftmut und Weisheit in der Natürlichkeit. Aber der rechte und Hl. Geist im Menschen wird im verborgenen Himmel im Wasser des Lebens geboren.

110. Der äußerliche Jupiter ist nur die Sanftmut und der Verstand in der äußerlichen Begreiflichkeit. Der heilige Brunnquell aber ist unbegreiflich und der äußerlichen Vernunft unerforschlich. Denn die siderische Geburt stehet nur mit der Wurzel im heiligen Himmel und mit der Leiblichkeit im Zorne.