Von dem erschaffenen Himmel und der Gestalt der Erden und des Wassers, sowohl von dem Lichte und Finsternis

Das 19. Kapitel
Von dem erschaffenen Himmel und der Gestalt der Erden und des Wassers,
sowohl von dem Lichte und Finsternis

Der rechte Himmel, welcher ist unser menschlicher eigener Himmel, da die Seele hinfähret, wenn sie vom Leibe scheidet – und da Christus unser König ist eingegangen und von dannenher er von seinem Vater kommen und geboren ist und ein Mensch in der Jungfrauen Marien Leibe worden ist – ist bis anhero den Kindern der Menschen fast verborgen gewesen, und haben mancherlei Meinung gehabt.

2. Es haben sich auch die Gelehrten darum gekratzet mit vielen seltsamen Schreiben, und sind einander in die Haare gefallen mit Schmähen und Schänden, dadurch dann der hl. Name Gottes ist geschändet und seine Glieder verwundet und sein Tempel zerstöret und der hl. Himmel mit diesem Lästern und Anfeinden entheiliget worden.

3. Es haben die Menschen je und allwege gemeinet, der Himmel sei viel hundert oder tausend Meilen von diesem Erdenboden und Gott wohne allein in demselben Himmel. Es haben auch wohl etliche Physici sich unterstanden, dieselbe Höhe zu messen, und gar seltsame Dinge herfürbracht.

4. Zwar ich habe es selber vor dieser meiner Erkenntnis und Offenbarung Gottes dafür gehalten, daß das allein der rechte Himmel sei, der sich mit einem runden Zirk ganz lichtblau hoch über den Sternen schleußt, in Meinung, Gott habe allein da innen sein sonderliches Wesen und regiere nur allein in Kraft seines Hl. Geistes in dieser Welt.

5. Als mir aber dieses gar manchen harten Stoß gegeben hat, ohne Zweifel von dem Geiste, der da Lust zu mir hat gehabt, bin ich endlich gar in eine harte Melancholei und Traurigkeit geraten, als ich anschauete die große Tiefe dieser Welt, dazu die Sonne und Sternen, sowohl die Wolken, dazu Regen und Schnee, und betrachtete in meinem Geiste die ganze Schöpfung dieser Welt.

6. Darinnen ich dann in allen Dingen Böses und Gutes fand, Liebe und Zorn, in den unvernünftigen Kreaturen als in Holz, Steinen, Erden und Elementen sowohl als in Menschen und Tieren.

7. Dazu betrachtete ich das kleine Fünklein des Menschen, was er doch gegen diesem großen Werke Himmels und Erden vor Gott möchte geachtet sein.

8. Weil ich aber befand, daß in allen Dingen Böses und Gutes war, in den Elementen sowohl als in den Kreaturen, und daß es in dieser Welt dem Gottlosen so wohl ginge als den Frommen, auch daß die barbarischen Völker die besten Länder innen hätten und daß ihnen das Glücke noch wohl mehr beistünde als den Frommen.

9. Ward ich derowegen ganz melancholisch und hoch betrübet, und konnte mich keine Schrift trösten, welche mir doch fast wohl bekannt war; dabei dann gewißlich der Teufel nicht wird gefeiert haben, welcher mir dann oft heidnische Gedanken einbleuete, derer ich allhie verschweigen will.

10. Als sich aber in solcher Trübsal mein Geist – denn ich wenig und nichts verstund, was er war – ernstlich in Gott erhub als mit einem großen Sturme, und mein ganz Herz und Gemüte samt allen andern Gedanken und Willen sich alles darein schloß, ohne Nachlassen, mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu ringen, und nicht nachzulassen, er segenete mich denn, das ist: er erleuchtete mich denn mit seinem Hl. Geiste, damit ich seinen Willen möchte verstehen und meiner Traurigkeit los werden; – so brach der Geist durch.

11. Als ich aber in meinem angesetzten Eifer also hart wider Gott und aller Höllen Porten stürmete, als wären meiner Kräften noch mehr vorhanden, in willens, das Leben daran zu setzen welches freilich nicht mein Vermögen wäre gewesen ohne des Geistes Gottes Beistand – alsbald nach etlichen harten Stürmen ist mein Geist durch der Höllen Porten durchgebrochen bis in die innerste Geburt der Gottheit und allda mit Liebe umfangen worden, wie ein Bräutigam seine liebe Braut umfähet.

12. Was aber für ein Triumphieren im Geiste gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden. Es läßt sich auch mit nichts vergleichen als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und vergleicht sich der Auferstehung von den Toten.

13. In diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch alles gesehen und an allen Kreaturen, sowohl an Kraut und Gras, Gott erkannt, wer der sei und wie der sei und was sein Wille sei. Auch so ist alsbald in diesem Lichte mein Willen gewachsen, mit großem Trieb das Wesen Gottes zu beschreiben.

14. Weil ich aber nicht alsbald die tiefsten Geburten Gottes in ihrem Wesen konnte fassen und in meiner Vernunft begreifen, so hat sichs wohl zwölf Jahr verzogen, ehe mir ist der rechte Verstand gegeben worden, und ist gangen wie mit einem jungen Baume, den man in die Erde pflanzet; der ist erstlich jung und zart und hat ein freundlich Ansehen, sonderlich wenn er sich zum Gewächse wohl anlässet. Er trägt aber nicht alsbald Früchte, und ob er gleich blühet, so fallen sie doch ab. Es gehet auch mancher kalte Wind, Frost und Schnee darüber, ehe er erwächst und Frucht träget.

15. Also ists diesem Geiste auch gangen: Das erste Feuer war nur ein Samen, aber nicht ein immer beharrlich Licht. Es ist seit der Zeit mancher kalte Wind drüber gangen, aber der Wille ist nie verloschen.

16. Es hat sich dieser Baum auch oft versucht, ob er möchte Früchte tragen und sich mit Blühen erzeiget, aber die Blüte ist von dem Baume abgeschlagen worden bis auf dato. Da stehet er in seiner ersten Frucht im Gewächse.

17. Von diesem Lichte habe ich nun meine Erkenntnis, dazu meinen Willen und Trieb, und will diese Erkenntnis nach meinen Gaben schreiben und es Gott walten lassen, und sollte ich gleich hiemit erzürnen die Welt, den Teufel und aller Höllen Porten, und will zusehen, was Gott damit meinet. Denn seinen Fürsatz bin ich viel zu schwach zu erkennen, obgleich der Geist etliche Dinge, die zukünftig sind, im Lichte zu erkennen gibt. So bin ich doch dem äußerlichen Menschen nach viel zu schwach, solches zu begreifen.

18. Aber der animalische Geist, welcher mit Gott inqualieret, der begreifts wohl, der tierische Leib aber krieget nur einen Blick davon, gleich als wenn es wetterleuchtet. Denn also stellet sich die innerste Geburt der Seelen, wenn sie durch die äußerste Geburt in Erhebung des Hl. Geistes durch die Porten der Höllen reißet. Aber die äußerste Geburt tut sich bald wieder zu, denn der Zorn Gottes verriegelt die feste und hält sie in seiner Macht gefangen.

19. Alsdann ist die Erkenntnis des äußersten Menschen dahin und gehet in seiner trübseligen und ängstlichen Geburt um wie ein schwanger Weib, der die Wehe ankommt, und wollte immer gerne gebären, und kann doch nicht und ängstet sich immerdar.

20. Also gehets dem tierischen Leibe auch: Wenn er einmal hat die Süßigkeit Gottes geschmecket, so hungert und dürstet ihn immerdar danach, aber der Teufel in Kraft des Zorns Gottes wehret sich trefflich, und muß ein Mensch in solchem Laufe nur immer in ängstlicher Geburt stehen, und ist nichts denn Kämpfen und Fechten in seinen Geburten.

21. Dieses habe ich nicht mir zum Lobe geschrieben, sondern dem Leser zum Trost, ob ihn vielleicht lüsterte, auf meinem schmalen Stege mit mir zu wandern, daß er darum nicht bald verzweifele, wenn ihm die Porten der Höllen und des Zorns Gottes begegnen und unter Augen stoßen.

22. Wenn wir werden miteinander über diesen schmalen Steg der fleischlichen Geburt auf jene grüne Wiese kommen, da der Zorn Gottes nicht hinreicht, alsdann wollen wir uns dieses erlittenen Schadens wohl ergötzen, ob wir gleich jetzo müssen der Welt Narr sein und den Teufel in Kraft des Zorns Gottes lassen über uns herrauschen. Es lieget nichts daran, es wird uns in jenem Leben schöner anstehen, denn es ist gar eine kurze Zeit dahin, und ist nicht wert, daß es eine Zeit genannt wird.

23. Nun merke: Wenn du deine Gedanken von dem Himmel fassest, was der sei oder wo der sei, so darfst du deine Gedanken nicht viel tausend Meilen von hinnen schwingen, denn derselbe Locus oder Himmel ist nicht dein Himmel. Und ob er gleich mit deinem Himmel verbunden ist wie ein Leib, und es ist auch nur ein Leib Gottes, so bist du doch nicht in demselben Loco, der über viel hunderttausend Meilen ist zur Kreatur worden, sondern in dem Himmel dieser Welt, die auch eine solche Tiefe in sich hat, das keine menschliche Zahl ist.

24. Denn der rechte Himmel ist allenthalben, auch an dem Orte, wo du stehest und gehest. Wenn dein Geist die innerste Geburt Gottes ergreift und durch die siderische und fleischliche hindurchdringet, so ist er schon im Himmel.

25. Daß aber wahrhaftig ist, daß ein reiner, schöner Himmel in allen dreien Geburten über der Tiefe dieser Welt sei, in welchem Gottes Wesen mit samt den hl. Engeln ganz lauter, schön und freudenreich aufgehet, das ist unleugbar, und wäre der nicht aus Gott geboren, der solches vemeinte.

26. Du sollst aber wissen, daß der Locus dieser Welt mit seiner innersten Geburt mit dem Himmel über uns inqualieret und ist ein Herze, ein Wesen, ein Willen, ein Gott, alles in allem. Daß aber der Locus dieser Welt nicht ein Himmel genennt wird und daß ein Schluß zwischen dem obern Himmel über uns sei, das hat diesen Verstand:

27. Der obere Himmel begreift die zwei Königreiche Micha-Els und Uri-Els und alle der hl. Engel, die nicht mit Luzifer gefallen sind, und derselbe Himmel ist blieben, wie er von Ewigkeit ist gewesen, ehe die Engel sind geschaffen worden.

28. Der andere Himmel ist diese Welt, in welchem Luzifer ein König war. Der hat die äußerste Geburt in der Natur angezündet. Und das ist nun der Zorn Gottes, und kann nicht Gott oder Himmel geheißen werden, sondern die Verderbung.

29. Darum schleußt sich der obere Himmel in seiner äußersten Geburt also weit zu als weit der Zorn Gottes reicht und so weit als das Regiment Luzifers hat gereicht, denn die verderbte Geburt kann die reine nicht begreifen.

30. Das ist, die äußerste Geburt dieser Welt kann die äußerste Geburt des Himmels über dieser Welt nicht ergreifen, denn es ist wie das Leben und der Tod gegeneinander oder wie ein Mensch und ein Stein gegeneinander.

31. Darum ist ein fester Schluß zwischen der äußersten Geburt des obern Himmels und dieser Welt. Denn die Feste zwischen ihnen ist der Tod, der herrschet an allen Enden in der äußersten Geburt in dieser Welt, und damit ist diese Welt verriegelt, daß die äußerste Geburt des obern Himmels nicht in die äußerste Geburt dieser Welt kann, es ist eine große Kluft zwischen ihnen.

32. Und darum können wir die Engel in unserer äußersten Geburt nicht sehen, und die Engel können auch nicht in der äußersten Geburt dieser Welt bei uns wohnen. In der innersten aber wohnen sie bei uns. Und so wir mit dem Teufel kämpfen, so halten sie seine Schläge in der innersten Geburt auf und sind der hl. Seelen Schutz. Darum können wir die Engel nicht sehen oder begreifen, denn die äußerste Geburt ihrer Leiber ist der äußersten Geburt dieser Welt unbegreiflich.

33. Die andere Geburt dieser Welt steht im Leben, denn es ist die siderische Geburt, daraus die dritte und hl. Geburt geboren wird, und darinnen Liebe und Zorn miteinander streiten. Denn die andere Geburt stehet in den sieben Quellgeistern dieser Welt und ist an allen Enden und in allen Kreaturen sowohl auch im Menschen also. Nun aber herrschet der Hl. Geist auch in der andern Geburt und hilft die dritte heilige Geburt gebären.

34. Die dritte aber ist der klare und heilige Himmel, welcher mit dem Herzen Gottes außer und über allen Himmeln inqualieret als ein Herze, und ist auch ein Herze, das den Locum dieser Welt hält und träget und das den Teufel in der äußersten Geburt im Zornfeuer gefangen hält als ein allmächtiger, unbegreiflicher Gott.

35. Und aus diesem Herzen ist Jesus Christus, Gottes Sohn, in der Jungfrauen Marien Leib in alle drei Geburten gangen und hat dieselben wahrhaftig an sich genommen, auf daß er durch und mit seiner innersten Geburt den Teufel, Tod und Hölle in der äußersten Geburt gefangen nehme und den Zorn Gottes überwinde als ein König und Siegsfürst, und in Kraft seiner Geburt im Fleische durch alle Menschen durchdringe.

36. Und durch solch Eingehen der innersten Geburt des Herzens des Himmels dieser Welt in die siderische und äußerste ist Jesus Christus, Gottes und Marien Sohn, ein Herr und König dieses unsers Himmels und der Erden worden, der in allen dreien Geburten herrschet über die Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und mit dem dringen wir durch des Fleisches sündliche, verderbte und äußerste tote Geburt den Tod und Zorn Gottes in unsern Himmel.

37. In diesem Himmel sitztet itzunder unser König Jesus Christus zur rechten Gottes und umfasset alle drei Geburten als ein mächtiger Sohn des Vaters, der durch und in allen drei Geburten in dieser Welt allen Räumen und Orten gegenwärtig ist und alles fasset, hält und träget als der neugeborne Sohn vom Vater in der Gewalt und auf dem Sitze des großmächtig gewesenen und nunmehr verstoßenen, verfluchten und verdammten Königs Luzifer, des Teufels.

38. Darum, du Menschenkind, sei nicht so furchtsam und verzaget. Wenn du in deinem Eifer und Ernst deinen Tränensamen säest, so säest du ihn nicht auf Erden, sondern im Himmel, denn in deiner siderischen Geburt säest du und in der animalischen erntest du, und im Himmelreiche besitzest du es und genießt des.

39. Weil du in dieser streitigen Geburt lebest, so mußt du dich drücken und den Teufel lassen auf dir herreiten, aber also hart er dich schläget, so hart schlägest du ihn wieder, so du dich wehrest. Denn wenn du gegen ihn streitest, so schürest du ihm sein Zornfeuer auf und zerstörest ihm sein Nest, das ist alsdann wie ein großer Aufruhr, als hieltest du eine gewaltige Schlacht mit ihm.

40. Und obgleich deinem Leibe etwas wehe geschieht, so geschieht ihm doch viel übeler, wenn er überwunden ist; so brüllet er wie ein Löwe, dem seine Jungen geraubet sind, denn der Grimm und Zorn Gottes peiniget ihn. Wenn du ihn aber zur Herberge einläßt, so wird er fett und geil und überwindet dich mit der Zeit.

41. Also hast du eine wahrhaftige Beschreibung des Himmels. Und ob du es gleich mit deiner Vernunft nicht fassen kannst, so kann ichs doch gar wohl fassen; so denke ihm doch nur vernünftig nach, was Gott sei.

42. Du siehest in dieser Welt nichts als die Tiefe, und darinnen die Sterne und die Geburt der Elementen. Wolltest du nun sagen, daß allda nicht Gott sei? Lieber, was ist dann an diesem Orte gewesen vor der Zeit der Welt? Wolltest du sagen, nichts, so redest du ohne Vernunft. Du mußt ja sagen, daß Gott allda gewesen sei, sonst wäre allda nichts worden.

43. Ist dann nun Gott allda gewesen, wer hat ihn dann weggestoßen oder überwunden, daß er nicht mehr da ist? Ist aber Gott da, so ist er ja in seinem Himmel und dazu in seiner Dreifaltigkeit.

44. Der Teufel aber hat das Zornbad angezündet, davon ist die Erde und die Steine, dazu die Elementa also beweglich, dazu also kalt, bitter und hitzig worden, und hat die äußerste Geburt ermordet.

45. Davon ist nun der Handel und mein ganz Fürnehmen zu schreiben, wie sie wieder sei lebendig worden und wie sie sich wieder gebäre. Und davon ist auch in den Kreaturen das tierische Fleisch worden; die Sünde aber in dem Fleische ist der Zorn Gottes.

46. Zum andern ist die Frage und der Handel in diesem Buche, wo dann der Zorn Gottes werde hinkommen. Da gibt der Geist Antwort, daß am Ende dieser verderbten Geburtzeit dem Teufel werde nach Auferstehung der Toten der Locus oder Raum, wo jetzt die Erde stehet, zum Eigentum und Zornhaus eingeräumt werden, und doch nicht durch alle drei Geburten, sondern nur die äußerste, in welcher er jetzt stehet. Die innerste aber wird ihn in ihrer Macht gefangen halten und zum Fußschemel brauchen, welche er ewig weder ergreifen noch berühren wird können.

47. Denn es hat nicht den Verstand, daß das Zornfeuer werde ausgelöschet werden und nicht mehr sein, sonst müßten die Teufel auch wieder heilige Engel werden und in dem heiligen Himmel leben; wo aber nicht, so muß ihnen ein Loch in dieser Welt zur Herberge werden.

48. Wenn dem Menschen seine Augen nur eröffnet würden, so sähe er überall Gott in seinem Himmel, denn der Himmel stehet in der innersten Geburt. Dazu da Stephanus den Himmel hat offen gesehen und den Herrn Jesum zur Rechten Gottes, Apg 7,55, da hat sich sein Geist nicht erst in den obern Himmel geschwungen, sondern er hat durchgedrungen in die innerste Geburt, da ist der Himmel an allen Enden.

49. Du darfst auch nicht denken, daß die Gottheit etwan ein Wesen sei, die nur im obern Himmel sei und daß unsere Seele, wenn sie vom Leibe scheidet, auf in den obern Himmel fahre viel hundert Meilen. Es darf des gar nicht, sondern sie wird in die innerste Geburt gesetzet; da ist sie bei Gott und in Gott und bei allen heiligen Engeln und kann bald droben sein und auch bald drunten; sie wird von nichts gehalten.

50. Denn in der innersten Geburt ist die obere und untere Gottheit ein Leib, eine offene Porten. Die heiligen Engel spazieren sowohl in der innersten Geburt dieser Welt bei unserem Könige Jesu Christo als im obern in ihrem Revier.

51. Und wo wollte die Seele des Menschen dann gern sein als bei ihrem Könige und Erlöser Jesu Christo? Denn in Gott ist Weit und Nahe als ein Ding, eine Begreiflichkeit, überall Vater, Sohn, Heiliger Geist.

52. Die Porten der Gottheit ist im obern Himmel nichts anders, auch nichts hellers als in dieser Welt. Und wo könnte doch größere Freude sein als an dem Orte, wo alle Stunden schöne, liebe, neugeborne Kinder und Engel zu Christo kommen, die durch den Tod sind ins Leben gedrungen? Die werden ohne Zweifel von vielen Streiten wissen zu sagen. Und wo möchte doch größere Freude sein, als wo mitten im Tode ohn Unterlaß immerdar das Leben geboren wird?

53. Bringt doch eine jede Seele einen neuen Triumph mit sich und ist nichts denn ein eitel freundlich Benevenieren und Willkommen. Denke, wenn die Seelen der Kinder zu den Eltern kommen, die sie in ihrem Leibe geboren haben, ob allda nicht möchte Himmel sein? Oder meinest du, ich schreibe zu irdisch? Wirst du an dieses Fenster kommen, du wirst nicht sagen, es sei irdisch; ob ich gleich muß eine irdische Zunge brauchen, so ist doch rechter himmlischer Verstand darunter, das ich in meiner äußersten Geburt weder schreiben noch reden kann.

54. Ich weiß wohl, daß das Wort von den drei Geburten nicht wird in einem jeden Herzen können begriffen werden, sonderlich wo das Herze zuviel im Fleische ersoffen ist und mit der äußersten Geburt verriegelt. Ich kanns aber nicht anders geben, denn es ist also. Und wenn ich gleich lauter Geist schreibe, wie es denn auch in Wahrheit nicht anders ist, so verstehet das Herze doch nur Fleisch, wie ich sehe.

Von der Gestalt der Erden  

55. Es haben zwar viel Skribenten geschrieben, der Himmel und die Erde sei aus Nichts geschaffen; nimmt mich aber Wunder, daß unter so trefflichen Männern nicht einer ist gefunden worden, der doch hätte den rechten Grund können beschreiben, sintemal doch derselbe Gott ist von Ewigkeit gewesen, der jetzt ist.

56. Wo nun nichts ist, da wird auch nichts. Alles Ding muß eine Wurzel haben, sonst wächst nichts. Wären nicht die sieben Geister der Natur von Ewigkeit gewesen, so wäre kein Engel, auch kein Himmel und auch keine Erden worden.

57. Die Erde aber ist aus dem verderbten Salitter der äußersten Geburt worden, du kannst das nicht leugnen. Wenn du die Erde und Steine ansiehest, so mußt du ja sagen, daß der Tod drinnen sei; hingegen mußt du auch sagen, daß ein Leben darinnen sei, sonst wüchse darinnen weder Gold noch Silber, auch weder Kraut noch Gras.

58. Nun möchte einer fragen: Sind denn auch alle drei Geburten darinnen? Ja, das Leben dringet durch den Tod. Die äußerste Geburt ist der Tod, die andere ist das Leben, welches im Zornfeuer und in der Liebe stehet, die dritte ist das hl. Leben.

59. Unterricht: Die äußerliche Erde ist ein bitter Gestank und ist tot, das verstehet auch ein jeder Mensch. Der Salitter ist auch durch den Zorn ermordet worden, denn du kannsts nicht leugnen, daß nicht Gottes Zorn in der Erden sei, sonst wäre sie nicht also herbe, bitter, sauer und giftig, und gebäre auch nicht solche giftige, böse Würmer. So du aber wolltest sagen, Gott habe sie aus seinem Fürsatze also geschaffen, so würdest du sagen, daß Gott selber die Bosheit sei.

60. Lieber, sage mir doch, warum ist doch der Teufel verstoßen worden? Du wirst freilich sagen, um seiner Hoffart willen, daß er hat wollen über Gott sein. Rat, Fritz, womit? Was hat er für Gewalt gehabt? Hie sage, weißt du was, weißt du nichts, so schweig und höre:

61. In dem Salitter der Erden saß er vor den Zeiten der Schöpfung, als derselbe noch dünne und in himmlischer heiliger Geburt stund, und war in dem ganzen Königreiche dieser Welt. Daselbst war es nicht Erde und Steine, sondern ein himmlischer Same, welcher aus den sieben Quellgeistern der Natur geboren ward. Denn darinnen gingen himmlische Früchte und Formen auf, welches war eine Lustspeise der Engel.

62. Als aber der Zorn darinnen anbrannte, so wards im Tode ermordet; aber nicht also zu verstehen, daß sie darum gar tot sei, denn wie kann in Gott etwas gar sterben, das sein Leben von Ewigkeit hat gehabt? Sondern die äußerste Geburt ist verbrannt, erfroren, ersoffen und erstarret.

63. Die andere Geburt aber gebäret in der äußersten wieder das Leben, und die dritte wird zwischen der ersten und andern geboren, das ist: zwischen Himmel und Hölle mitten im Zornfeuer, und dringet der Geist im Zornfeuer durch und gebäret das hl. Leben, welches stehet in Kraft der Liebe.

64. Und in derselben Geburt werden die Toten auferstehen, die da haben einen heiligen Samen gesäet, die werden im Zornfeuer auferstehen. Denn die Erde wird wieder lebendig werden, sintemal sie die Gottheit in Christo hat wieder neugeboren durch sein Fleisch und zur Rechten Gottes erhöhet; aber das Zornfeuer bleibet in seiner Geburt.

65. Daß du aber wolltest sagen, es sei kein Leben in der Erden, so redest du blind. Du siehest ja, daß Kraut und Gras daraus wächset. Daß du aber wolltest sagen, sie hätte nur einerlei Geburt, so redest du auch blind, denn das Kraut und Holz, das daraus wächst, ist nicht Erde. Auch so ist die Frucht auf dem Baume nicht Holz, auch so ist die Kraft der Frucht nicht Gott, sondern Gott ist im Centro der innersten Geburt in allen drei natürlichen Geburten verborgen und wird nicht erkannt als nur im Geiste des Menschen. Auch so kann ihn die äußerliche Geburt in der Frucht nicht fassen oder halten, sondern er hält die äußerste Geburt der Frucht und formieret sie.

66. Die andere Frage: Warum ist denn die Erde also bergicht, steinicht und uneben? Die Berge sind in der Zusammentreibung also worden, denn des verderbten Salitters ist je an einem Orte mehr gewesen als an andern, als nachdem wie das Rad Gottes mit seinen anstehenden Quellgeistern ist gewesen.

67. An denen Orten, wo das süße Wasser im anstehenden Rade Gottes ist Primus gewesen, da ist viel irdisch begreiflich Wasser worden. Wo aber die herbe Qualität in der Bitterkeit im Marcurio ist Primus gewesen, da ist viel Erde und Steine worden. Wo aber die Hitze im Lichte ist Primus gewesen, da ist viel Silber und Gold, dazu etliche schöne Steine im Blitze des Lichtes worden, sonderlich wo die Liebe im Lichte ist Primus gewesen, da sind die edelsten Steine worden und das beste Gold.

68. Als sich aber der Klump der Erden hat zusammengedruckt, so ist das Wasser herausgequetschet worden. Wo es aber mit der herben Qualität mit harten Felsen ist eingepreßt worden, da ist es noch in der Erden und hat seit der Zeit etliche große Löcher zu seinem Gang geweicht und gemacht.

69. An denen Orten, wo große Meere und See sind, da ist das Wasser über demselben Pol Primus gewesen, und weil es dann nicht viel Salitter daselbst hat gehabt, so ist in die Erde gleichwie ein Tal worden, darinnen ist das Wasser stehen blieben.

70. Denn das dünne Wasser sucht das Tal und ist eine Demütigkeit des Lebens, welches sich nicht erhebet, wie die herbe, bittere und Feuersqualität hat getan in den Kreaturen der Teufel.

71. Darum suchet es immer die niedrigsten Stellen auf Erden. Das bedeutet recht den Geist der Sanftmut, in welchem das Leben wird geboren, wie du bei Erschaffung des Menschen kannst lesen und auch davorne bei seiner Species.

Vom Tag und Nacht  

72. Die ganze Gottheit mit allen Kräften und Wirkungen, mit samt ihrem anstehenden Wesen, sowohl ihr Aufsteigen und Durchdringen und Veränderung, das ist das ganze Gewirke oder die ganze Gebärung, wird alles verstanden im Geiste des Wortes.

73. In welcher Proporz oder anstehenden Gebärung der Qualitäten der Geist das Wort fasset und formet und damit ausfähret, eben eine solche anstehende Geburt, Durchdringen, Aufsteigen, Ringen und Siegen hats auch in der Natur.

74. Denn als der Mensch in die Sünde fiel, da ward er aus der innersten Geburt in die andern zwo gesetzt; die umfingen ihn bald und inqualierten mit ihm und in ihm, als in ihrem Eigentum. Und empfing der Mensch alsbald den Geist und alle Gebärung der siderischen und auch der äußersten Geburt.

75. Darum spricht er nun alle Wörter nach der anstehenden Gebärung der Natur aus, denn der Geist des Menschen, welcher in der siderischen Geburt stehet und mit der ganzen Natur inqualieret und ist gleichwie die ganze Natur selber, der formet das Wort nach der anstehenden Geburt.

76. Wenn er was siehet, so gibt er ihm den Namen nach seiner Qualifizierung. Soll er aber das tun, so muß er sich auch in eine solche Gestalt formieren und sich mit seinem Schalle also gebären, wie sich das Ding, das er nennen will, gebäret. Und hierinnen steckt der Kern des ganzen Verstandes der Gottheit.

77. Nicht schreibe ich solches und gebe es ans Licht, daß mir alsbald ein jeder soll nachkratzen und hierinnen seines Geistes Gutdünken an Tag geben und es für Heiligtum ausschreien. Höre Geselle, es gehöret was mehr dazu. Dein animalischer Geist muß vorhin mit der innersten Geburt in Gott inqualieren und im Lichte stehen, daß er die siderische Geburt recht kennet, daß er eine freie Porte in allen Geburten hat, anders wirst du nicht heilige und recht Philosophiam schreiben, sondern Läuse und Flöh, und wirst ein Spötter Gottes erfunden.

78. Ich lasse mich schon wohl bedünken, der Teufel werde sein hoffärtiges Rößlein allhie mit manchem reiten und wird sich mancher auf die Bahn machen, ehe er gegürtet ist, daran ich will unschuldig sein. Denn was ich allhie offenbare, das muß ich tun, denn es ist die Zeit der Durchbrechung vorhanden. Wer nun will schlafen, den wird das Sturmwetter der Grimmigkeit aufwecken. Damit nun ein jeder acht auf seine Sache habe, will ichs treulich angezeiget haben nach des Geistes Trieb und Willen.

79. Merke. Der Skribent Moses schreibet, Gott habe das Licht von der Finsternis geschieden und das Licht Tag geheißen und die Finsternis Nacht; da sei aus Abend und Morgen der erste Tag worden, Gen 1,4 f. Weil dies Wort „Abend und Morgen“ ganz wider die Philosophia und Vernunft laufet, so ist dafür zu halten, daß Moses nicht der Autor dazu ist, sondern es ist von seinen Vorfahren auf ihn gebracht worden, welche alle sechs Tage der Schöpfung haben in einem Lauf gerechnet und die Schöpfung von Adam nur in einem dunkelen Worte behalten und auf die Nachkommen gebracht.

80. Denn Abend und Morgen ist nicht gewesen vor der Zeit der Sonnen und Sternen, welche erst gewiß und wahrhaftig am vierten Tage sind erschaffen worden, welche ich dann aus gewissem Grunde bei Erschaffung der Sonnen und Sternen erweisen will.

81. Tag und Nacht aber sind gewesen, das will ich allhie nach meiner Erkenntnis erklären. Du magst allhie die Augen deines Geistes abermal weit aufsperren, willst du es verstehen, wo nicht, so wirst du blind sein.

82. Wie denn dieses große Werk in den Menschen ist verborgen blieben bis auf dato, da wills Gott lob einmal Tag werden, denn die Morgenröte bricht an, der Durchbrecher der innersten Geburt erzeiget sich mit seinem roten, grünen und weißen Fähnlein in der äußersten Geburt auf dem Regenbogen.

83. Merke: Nun sprichst du: Wie kann denn Tag und Nacht gewesen sein und nicht auch Morgen und Abend? Morgen und Abend ist allein über der Erden unter dem Monden und nimmt seinen Ursprung vom Lichte der Sonnen, die macht Abend und Morgen und auch den äußerlichen Tag und auch die äußerliche finstere Nacht; das weiß ein jeder Mann. Es hat aber zu der Zeit nicht zweierlei Schöpfung des Abends und Morgens gehabt, sondern da sich Abend und Morgen hat angefangen, so ist er in seinem Laufe blieben bis daher.

Vom Tage

84. Das Wort „Tag“ fasset sich im Herzen und fährt hervor zum Munde und fährt durch die Straße der herben und bittern Qualität, und wecket die herbe und bittere Qualität nicht auf, sondern gehet stark durch ihren Locum, welcher am hintern Gaumen über der Zungen ist, hervor ganz sanft und der herben und bittern Qualität unbegreiflich.

85. Wenn es aber hervor auf die Zunge kommt, so schleußt die Zunge mit dem Obergaumen das Maul zu. Wenn aber der Geist an die Zähne stößet und will raus, so schleußt die Zunge das Maul auf und will vorm Worte raus, und tut gleich einen Freudensprung zum Maule raus.

86. Wenn aber das Wort durchbricht so macht sich das Maul inwendig weit auf, und das Wort fasset sich mit seinem Schallen hinter der herben und bittern Qualität noch einmal und wecket dieselbe als einen faulen Schläfer in der Finsternis auf und fähret jähling zum Munde aus.

87. Alsdann zerret die herbe Qualität hernach als ein schläferiger Mensch, der vom Schlafe aufgeweckt wird. Aber der bittere Geist, welcher vom Feuerblitz ausgehet, bleibet liegen und höret nichts, beweget sich auch nicht. Dieses sind nun gar große Dinge und nicht so schlechte, wie der Bauer wohl vermeinet.

88. Daß sich nun erstlich der Geist im Herzen fasset und bricht durch alle Wachen bis auf die Zunge unvermerkt, das bedeutet, daß das Licht aus dem Herzen Gottes ist hervorgebrochen durch die äußerste, verderbte, grimmige, tote, bittere und herbe Geburt in der Natur dieser Welt, dem Tode und Teufel samt dem Zorne Gottes unbegreiflich, wie denn geschrieben stehet im Evangelio St. Johannes 1,5: Das Licht schien in der Finsternis; und die Finsternis hats nicht begriffen.

89. Daß aber die Zunge mit dem obern Gaumen das Maul zuschleußt, wenn der Geist auf die Zunge kömmt, bedeutet, daß die sieben Quellgeister der Natur in dieser Welt zur Zeit der Schöpfung durch den Zorn Gottes nicht sind erstorben gewesen, sondern lebendig und wacker. Denn die Zunge bedeut das Leben der Natur, in welchem die animalische oder heilige Geburt stehet, denn sie ist ein Vorbild der Seelen.

90. Daß aber der Geist die Zunge alsobald infizieret, wenn er auf sie kommt, davon sie einen Freudensprung tut und will noch vorm Geiste zum Maul raus, bedeutet, daß die sieben Quellgeister der Natur, welches die siderische Geburt heißet, als das Licht Gottes, welches der Tag heißet, und ihnen aufging, alsbald göttlich Leben und Willen bekommen haben und sich hoch erfreuet wie die Zunge im Maule.

91. Daß sich aber die vordern Gaumen inwendig erweitern und dem Geiste Raum geben nach seinem Gefallen, bedeutet, daß sich die ganze siderische Geburt ganz freundlich in des Lichtes Willen gegeben hat und den Grimm in ihr nicht aufgewecket.

92. Daß sich aber der Geist, wenn er zum Munde ausfähret, erst noch einmal hinter der herben Qualität auf der Zungen im hintern Gaumen fasset und wecket die herbe Qualität als einen Schläfer auf und fähret schnell zum Munde aus, bedeutet, daß der herbe Geist zwar alles in der ganzen Natur muß halten und bilden, aber allererste wenn es der Geist des Lichts hat formieret, dann weckt er erst den herben Geist auf und gibts ihm in die Hände, daß ers hält.

93. Und das muß sein von wegen der äußersten Begreiflichkeit, die muß im herben Grimme gehalten werden, sonst bestünde nichts im Corpus, auch so bestünde die zusammengedruckte Erde und Steine nicht, sondern es würde wieder ein zerbrochener, dicker und finsterer Salitter, welcher in der ganzen Tiefe schwebete.

94. Auch so bedeutet es, daß dieser Salitter auf die Letzt, wann der Geist wird sein Geschöpfe und Werke in dieser Welt ausgerichtet haben, soll wieder aufgewecket und lebendig werden am jüngsten Tage.

95. Daß sich aber der Geist hinter der herben Qualität fasset und nicht in der herben Qualität, und weckt dieselbe auf, bedeutet, daß die herbe Natur das Licht Gottes nicht werde eigentümlich begreifen, sondern werde sich in den Willen des Lichts verrichten, gleichwie der tierische Leib des Menschen den Willen des Geistes verrichtet, und sind doch nicht zwei Dinge.

96. Daß aber der bittere Geist stille liegt und des Geistes Werk nicht höret und begreift, bedeutet, daß das bittere Zornfeuer, welches im Feuerblitze entstehet zur Zeit der Geburt des Lichtes, und auch noch vom Lichte nicht aufgeweckt wird und das selbe nicht begreift, sondern liegt in der äußersten Geburt gefangen und muß den Geist des Lichts sein Werk in der Natur lassen machen, wie er will, und kann die Werke des Lichts weder sehen, hören noch begreifen.

97. Darum soll kein Mensch denken, daß ihm der Teufel die Werke des Lichts werde können aus dem Herzen reißen, denn er kann sie weder sehen noch begreifen, und ob er gleich in der äußersten Geburt im Fleische wütet und tobet als in seinem Raubschlosse, verzage nicht. Bringe nur nicht selber die Werke des Zorns in deines Herzens Licht, so wird deine Seele vor dem tauben, stummen und im Lichte blinden Teufel wohl sicher sein.

98. Du sollst nicht meinen, daß ich allhie schreibe als einen Wahn, obs also sei oder nicht, sondern dem Geiste stehet des Himmels und der Höllen Porten offen und dringet im Lichte durch beide und schauet die und kann die auch gar wohl approbieren, denn die siderische Geburt lebet zwischen beiden und muß sich wohl quetschen lassen.

99. Und ob mir gleich der Teufel das Licht nicht nehmen kann; noch verdecket er mirs oft mit der äußersten und fleischlichen Geburt, daß sich die siderische Geburt ängstet, als wäre sie gefangen.

100. Das sind allein seine Schläge, damit das Senfkörnlein verdecket wird. Davon saget der heilige Apostel Paulus auch, es sei ihm ein großer Pfahl ins Fleisch gegeben worden, und er habe dem Herrn geflehet, er wollte doch solches von ihm nehmen; darauf ihm der Herr geantwortet, er solle sich lassen an seiner Gnaden genügen, 2.Kor 12,7-9.

101. Denn er war auch kommen bis an diesen Locum und hätte gern das Licht ohne Verhinderung zum Eigentum in der siderischen Geburt gehabt, aber es konnte nicht sein, denn der Zorn ruhet in der fleischlichen Geburt und mußte die Verwesung im Fleische tragen. So aber der Grimm ganz von der siderischen Geburt genommen würde, so wäre er in derselben Gott gleich und wüßte alle Dinge wie Gott selber.

102. Welches allein jetzo die Seele weiß, welche mit dem Lichte Gottes inqualieret. Sie kanns aber nicht vollkömmlich zurücke in die siderische Geburt bringen, denn sie ist eine andere Person. Gleichwie auch der Apfel auf dem Baume seinen Geruch und Geschmack nicht kann wieder zurücke in den Baum oder in die Erde bringen, und ob er gleich des Baumes Sohn ist, also ist auch in der Natur.

103. Der heilige Mann Moses war also hoch und tief in diesem Lichte, daß auch das Licht die siderische Geburt verklärete, davon die äußerste Geburt des Fleisches in seinem Angesicht verkläret ward, und begehrte auch Gottes Licht vollkömmlich in der siderischen Geburt zu sehen.

104. Aber es konnte nicht sein, denn es liegt der Zornriegel davor, denn es kann auch die ganze Natur der siderischen Geburt in dieser Welt das Licht Gottes nicht ergreifen, darum ist das Herze Gottes verborgen, das doch an allen Enden wohnet und alles begreifet.

105. Also siehest du, daß der Tag sei vor der Zeit der Sonnen und Sternen gewesen, denn da Gott sprach: Es werde Licht, Gen 1,3, da ist das Licht durch die Finsternis gebrochen, und die Finsternis hats nicht begriffen, sondern ist in seinem Sede blieben sitzen.

106. Auch so siehest du, wie der Zorn Gottes in der äußersten Geburt der Natur verborgen liege und ruhe und kann nicht aufgeweckt werden, die Menschen wecken ihn denn selber auf, welche auch mit ihrer fleischlichen Geburt mit dem Zorne in der äußersten Geburt der Natur inqualieren.

107. Darum ob nun jemand zur Höllen verdammt würde, darf er nicht sagen, Gott habe es getan oder er wolle dasselbe, sondern der Mensch erwecket das Zornfeuer selber in ihm, welches, wenn es brennend wird, hernach mit Gottes Zorne und dem höllischen Feuer inqualieret als ein Ding.

108. Wenn dein Licht verlöschen ist, so stehest du in der Finsternis, und in der Finsternis ist der Zorn Gottes verborgen; wenn du ihn aufweckest, so brennet er in dir.

109. In einem Steine ist auch Feuer. Wenn man aber nicht drauf schläget, so bleibet das Feuer verborgen. Wenn man aber darauf schläget, so springt das Feuer heraus. Ist dann etwas vorhanden, das des Feuers fähig ist, so brennets und wird ein groß Feuer; also gehets auch mit dem Menschen zu, wenn er das ruhende Zornfeuer anzündet.

Von der Nacht  

110. Das Wort „Nacht“ fasset sich erstlich auf dem Herzen und grunzet der Geist mit der herben Qualität, doch der herben Qualität nicht ganz begreiflich. Hernach fasset sichs auf der Zungen. Weil es aber auf dem Herzen grunzet, so schleußt die Zunge das Maul derweil zu, bis der Geist kommt, und fasset sich auf der Zungen. Dann macht sie das Maul geschwinde auf und lässet den Geist hinaus.

111. Daß sich das Wort erstlich auf dem Herzen fasset und grunzet mit der herben Qualität, bedeut, daß sich der Hl. Geist habe in der Finsternis gefasset über dem Herzen Gottes in der siderischen Geburt der sieben Quellgeister. Daß er aber mit der herben Qualität grunzet, bedeut, daß die Finsternis sei ein Widerwille wider den Hl. Geist gewesen, an dem der Geist einen Mißfallen hat getragen.

112. Daß er aber gleichwohl durch die finstere Straße gehet, bedeutet, daß der Geist durch die Finsternis, welche noch in stiller Ruhe ist, auch gehe und die zum Lichte gebäre, so sie nur stille hält und nicht das Feuer anzündet.

113. Allhier soll billig die richtende Welt sehen, welche den Menschen in Mutterleibe will verdammen, da er doch nicht weiß, ob das Zornfeuer von den Eltern in der Frucht sei ganz angezündet oder nicht; daß auch der Geist Gottes in der Finsternis wallet, welche noch in der Ruhe stehet und kann die Finsternis wohl zum Licht gebären. Dazu ist aber nun des Menschen Geburtstunde dem Menschen sehr zuträglich und auch manchem sehr schädlich, aber nicht zwinglich.

114. Daß sich aber das Maul zutut, wenn sich der Geist über dem Herzen fasset und die herbe Qualität grunzet gegen und mit ihm, bedeut, daß das ganze Revier oder der ganze Locus dieser Welt ist in der siderischen und auch in der äußersten Geburt ganz finster gewesen und von dem starken Ausgange des Geistes lichte worden.

115. Daß sich aber der bittere Geist nicht aufwecket, indem der Geist durch seinen Locum gehet, bedeut die finstere Nacht in der äußersten Geburt dieser Welt, die hat das Licht nie ergriffen und wirds auch in Ewigkeit nicht ergreifen.

116. Dannenhero kommt, daß die Kreaturen nur mit den Augen das siderische Licht sehen, sonst wo die Finsternis nicht noch in der äußersten Geburt wäre, so könnte der siderische Geist durch Holz,und Steine sehen, sowohl durch die ganze Erden, und würde von nichts abgehalten, wie es im Himmel ist.

117. Aber nun ist die Finsternis von dem Licht geschieden und bleibet in der äußersten Geburt. Darinnen ruhet der Zorn Gottes bis an Jüngsten Tag, alsdann wird der Zorn angezündet werden, und wird die Finsternis das Haus der ewigen Verderbnis sein. Darinnen wird Herr Luzifer mit allen gottlosen Menschen, welche in die Finsternis im Zornacker gesäet haben, ihre ewige Wohnung haben.

118. Die siderische Geburt aber, in welcher jetzunder das natürliche Licht stehet und darinnen die heilige Geburt geboren wird, die wird am Ende dieser Zeit auch angezündet werden, und wird sich der Zorn und die heilige Geburt voneinander scheiden, denn der Zorn wird die heilige Geburt nicht begreifen.

119. Es wird aber der Zorn in der siderischen Geburt dem Hause der Finsternis zu einem Leben gegeben werden, und der Zorn wird heißen das höllische Feuer, und das Haus der Finsternis, welches ist die äußerste Geburt, wird heißen der Tod, und König Luzifer wird darinnen Gott sein und seine Engel mit allen verdammten Menschen werden seine Diener sein.

120. In diesem Schlunde wird nun allerlei höllische Frucht und Bildung aufgehen, alles nach höllischer Qualität und Art, gleichwie im Himmel himmlische nach himmlischer Qualität und Art.

121. Also kannst du verstehen, was die Schöpfung Himmels und der Erden bedeut und ist, und was Gott den ersten Tag gemacht hat, wiewohl die ersten drei Tage mit Abend und Morgen nicht sind abgeteilet gewesen, sondern es wird eine Zeit als 24 Stunden gerechnet, wie es in der Höhe übern Monden eine Zeit und Tag ist.

122. Zum andern wird auch darum für einen menschlichen Tag gerechnet, dieweil ohne Zweifel der Erdboden alsbald seine Umwendung hat angefangen und sich in solcher Zeit, weil Gott das Licht von der Finsternis geschieden hat, einmal umgewendet hat und seinen Lauf zum erstenmal verrichtet.