Von der siebten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen Engeln

Das 16. Kapitel
Von der siebten Species oder Gestalt
der Sünden Anfang im Luzifer und seinen Engeln

Allhie magst du deine Augen recht auftun, denn du wirst die verborgenen Dinge sehen, die allen Menschen von der Welt her sind verborgen gewesen, denn du wirst sehen die Mordgruben des Teufels und die grausamen Sünden, Feindschaft und Verderbung.

2. Der Teufel hat den Menschen die Zauberei gelehret, damit sein Reich zu stärken. Ja, hätte er dem Menschen das rechte Fundament offenbaret, was drunter steckt, es sollte es wohl mancher haben lassen bleiben.

3. Wohlher, ihr Gaukler und Zauberer, die ihr mit dem Teufel buhlet, kommt auf meine Schule, ich will euch weisen, wie ihr mit eurer Nigromantia oder Kunst in die Hölle fahret. Ihr kitzelt euch damit, daß euch der Teufel untertänig ist, und meinet, ihr seid Götter. Allhie will ich der Nigromantiae Urkund beschreiben, denn ich bin auch ein Naturkündiger worden; aber nicht auf eure Art, sondern eure Schande aufzudecken durch göttliche Offenbarung, der letzten Welt zur Nachrichtung und zu einem Urteil ihrer Wissenschaft, denn das Gerichte folget über die Wissenschaft.

4. Weil denn der Bogen der Grimmigkeit schon gespannet ist, so mag sich ein jeder wohl vorsehen, daß er nicht im Zielmaß befunden werde, denn die Zeit ist vorhanden, vom Schlafe aufzuwachen.

5. Nun die siebente Gestalt oder der siebente Geist in der göttlichen Kraft ist die Natur oder der Ausgang aus den andern sechsen. Denn die herbe Qualität zeucht den Salitter oder das Gewirke aller sechs Geister zusammen, gleichwie ein Magnet des Eisens Salitter an sich zeucht, und wenn es nun zusammengezogen ist, so ists eine Begreiflichkeit, in welcher die sechs Geister Gottes unbegreiflicherweise qualifizieren.

6. Dieser siebente Geist hat eine Farbe und Art wie alle Geister, denn er ist aller Geister Leib, darinnen sie sich gebären als in einem Corpus; auch so werden aus diesem Geiste alle Figuren und Formen gebildet; dazu sind auch die Engel daraus geschaffen, und stehet alle Natürlichkeit darinnen.

7. Und wird dieser Geist von allen sechs immer geboren, und bestehet immerdar, und vergehet keinmal. Hinwieder gebäret er immer wieder die sechs, denn die andern sechs sind in diesem siebenten als wie in einer Mutter umschlossen, und nehmen ihre Nahrung, Stärke und Kraft immer in ihrer Mutter Leibe.

8. Denn der siebente ist der Leib und die andern sechs sind das Leben; und im mittlern Centro ist das Herze des Lichts, welches die sieben Geister als ein Licht des Lebens immer gebären, und dasselbe Licht ist der Sohn. Und die wallende Beweglichkeit oder Durchdringung durch alle Geister empöret sich im Herzen im Aufgang des Lichts.

9. Und das ist der Geist aller sieben Geister, welcher aus dem Herzen Gottes gehet, der da in dem siebenten alles formet und bildet und darinnen sich die Quellgeister mit ihrem Liebe-Ringen in unendlich erzeigen.

10. Denn die Gottheit ist gleichwie ein Rad, das sich mit seinen Felgen und Speichen und mitsamt der Naben umwendet, und das ineinander gefelget ist als wie sieben Räder, daß es kann ohne Umwendung vor sich und hinter sich, sowohl über sich, unter sich und neben sich gehen.

11. Da man immer die Gestalt aller sieben Räder und die einige Nabe inmitten in allen sieben Rädern recht siehet und doch nicht verstehen kann, wie das Rad gemacht ist, sondern man wundert sich immer ob dem Rade, indem sichs immer wunderlicher erzeiget mit seinem Aufsteigen, und bleibet doch auch nur an seiner Stelle.

12. Auf eine solche Art wird die Gottheit immer geboren und vergehet doch auch keinmal, und auf eine solche Art wird das Leben in Engeln und Menschen auch immer geboren.

13. Aber nach dem Bewegen der sieben Geister Gottes werden die Figuren und Kreaturen der Vergänglichkeit formieret und nicht also geboren. Ob sich wohl die Geburt aller sieben Geister darinnen erzeiget, so stehet ihre Qualität doch nur allein in dem siebenten Naturgeist, welchen die andern sechs nach ihrer Qualität verändern. Darum werden auch die Figuren und vergänglichen Formen und Kreaturen verändert nach Art des siebenten Naturgeistes, in welchem sie aufgehen.

14. Die Engel aber sind nicht allein aus dem siebenten Naturgeist gebildet wie die vergänglichen Kreaturen, sondern da sich die Gottheit zur Schöpfung der Engel bewegete, da ward in jedem Zirkel, da ein jeder Engel zusainmenkorporieret ward, die Gottheit mit ihrer ganzen Substanz und Wesen zusammenkorporieret, und ward ein Leib draus und blieb doch auch die Gottheit in ihrem Sede wie vorhin.

15. Verstehe dies recht: Der Leib des Engels oder die Begreiflichkeit ist aus dem siebenten Geiste, und die Geburt in demselben Leibe sind die sechs Quellgeister, und der Geist oder das Herze, den die sechs Geister im mittlern Centro des Leibes gebären, darinnen das Licht aufgehet und aus dem Licht der animalische Geist, welcher auch außerhalb des Corpus mit der Gottheit inqualieret, das bedeut das Herze Gottes, aus welchem der Hl. Geist ausgehet. Und es ist auch aus dem Herzen Gottes in den Leib des Engels in der ersten Zusammenkorporierung mit einqualieret worden. Darum gebäret sich nun des Engels Regiment im Gemüte wie die Gottheit.

16. Und gleichwie in dem siebenten Naturgeist Gottes, welcher aus den andern sechs entstehet, nicht die ganze vollkömmliche Erkenntnis der andern sechs Geister stehet – denn er kann ihre tiefe Geburt nicht erforschen, indem sie sein Vater sind und ihn aus sich gebären – also stehet auch nicht die ganze vollkömmliche Erkenntnis Gottes in dem englischen Leibe, sondern in dem Geiste, welcher im Herzen geboren wird, welcher von dem Lichte ausgehet, der mit dem Herzen und Geiste Gottes inqualieret, darinnen stehet die vollkömmliche Erkenntnis Gottes. Aber der Leib kann denselben animalischen Geist nicht ergreifen, wie auch der siebente Naturgeist nicht die tiefeste Geburt Gottes.

17. Denn wenn der siebente Naturgeist geboren wird, so wird er von der herben Qualität getrocknet und als wie vom Vater gehalten, und kann nicht wieder zurücke in die Tiefe, das ist, in das Zentrum des Herzens, wo der Sohn geboren wird und daraus der Hl. Geist ausgehet, sondern muß als ein geborner Leib stillehalten und die Quelladern, das ist, die Geister in sich lassen qualifizieren und arbeiten nach ihrem Gefallen. Denn er ist der sechs Geister Haus oder Eigentum, das sie immer bauen nach ihrem Gefallen, oder wie ein Lustgarten, darein der Hausvater allerlei Früchte säet nach seinem Gefallen und des genießt.

18. Also bauen die andern sechs Geister immer diesen Lustgarten und säen ihre Frucht drein und genießen derselben zu Stärkung ihrer Macht und Freuden. Und das ist der Garten, da die Engel innen wohnen und spazieren gehen und darinnen die himmlische Frucht wächset.

19. Die wunderliche Proporz aber, so sich in Gewächsen und Figuren in diesem Garten erzeiget, die entstehet durch die Qualifizierung und durch das Liebe-Ringen der andern Geister. Denn welcher Primus wird in dem Kampfe, der bildet die Gewächse nach seiner Art. Dazu helfen die andern immerdar, bald ist es einer an einem Orte, bald der ander, bald der dritte und so fort.

20. Darum gehen auch so mancherlei Gewächse und Figuren auf, welches der leiblichen Vernunft der Engel ganz unerforschlich und unbegreiflich ist, aber der animalischen Vernunft des Engels ganz vollkömmlich begreiflich.

21. Solches ist meinem Leibe auch ganz verborgen, aber meinem animalischen Geiste nicht. Solange er mit Gott inqualieret, so begreift ers; wenn er aber in Sünden fället, so wird ihm die Tür verriegelt, welche ihm der Teufel zuriegelt; die muß durch große Arbeit des Geistes wieder aufgemacht werden.

22. Ich weiß wohl, daß der Zorn des Teufels dieser Offenbarung in vieler gottlosen Herzen wird spotten, denn er schämet sich sehr ob dieser Offenbarung. Er hat meiner Seelen auch manchen Druck hiemit gegeben, aber ich laß es den walten, der es also haben will, ich kann ihm nicht widerstehen. Und sollte gleich mein irdischer Leib damit zugrunde gehen, so wird mich doch mein Gott in meiner Erkenntnis glorifizieren.

23. Dieser meiner Erkenntnis Glorifizierung begehre ich auch und keiner andern. Denn ich weiß, so dieser Geist in meinem neuen Leibe, welchen ich am Tage meiner Auferstehung aus diesem meinem jetzigen verderbten Leibe bekommen werde, aufgehen wird, daß er wird der Gottheit ähnlich sehen, dazu den heiligen Engeln.

24. Denn das triumphierende Freudenlicht in meinem Geiste zeiget mirs gnugsam an, darinnen ich auch bis in die Tiefe der Gottheit habe geforschet, und dieselbe nach meinen Gaben und Trieb des Geistes recht beschrieben, obwohl in großer Ohnmacht und Schwachheit, indem mir meine angebornen und wirklichen Sünden haben oft die Tür verriegelt und der Teufel davor getanzet als ein hurisch Weib und sich meiner Gefängnis und Angst gefreuet, so wirds ihm doch wenig Nutz zu seinem Reiche bringen.

25. Darum habe ich nur nichts als seinen grimmen Zorn zu gewarten. Aber meine Zuversicht ist der Held im Streit, der mich oft von seinen Banden erlöset hat. In dem will ich mit ihm fechten bis auf meine Vonhinnenfahrt.

Von der erscbrecklichen, kläglichen und elenden Verderbung des Luzifer in dem siebenten Naturgeist – Das Trauerbaus des Todes 

26. Wenn alle Bäume Schreiber wären und alle Aste Schreibfedern und alle Berge Bücher und alle Wasser Tinten, so könnten sie den Jammer und Elend nicht genugsam beschreiben, den Luzifer mit seinen Engeln in seinen Locum bracht hat.

27. Denn er hat aus dem Hause des Lichts ein Haus der Finsternis gemacht und aus dem Hause der Freuden ein Trauerhaus, aus dem Hause der Lust und Erquickung ein Haus des Dursts und Hungers, aus dem Hause der Liebe eine ewige Feindschaft, aus dem Hause der Sanftmut ein ewig Pochen, Donnern und Blitzen, aus dem Hause des Friedens ein ewig Jammer- und Heulehaus, aus dem Hause des Lachens ein ewig Zittern- und Schreckenhaus, aus der Geburt des Lichts und Wohltuns eine ewige höllische Pein, aus den Speisen der Lieblichkeit einen ewigen Greuel und Gestank, einen Ekel vor aller Frucht, aus dem Hause der Libanon und Zedern ein steinicht, felsicht und Feuerhaus, aus dem süßen Geruch einen Stank, ein Haus des Wustes und Zerstörung, ein Ende alles Guten, aus dem göttlichen Leibe einen schwarzen, finstern, kalten, hitzigen, in sich fressenden und doch nicht verzehrenden Teufel, der da ist eine Feindschaft wider Gott und seine Engel und alles Himmelsheer wider ihn.

28. Nun merke: Es haben die Gelehrten viel Disputierends, Fragens und Nachdenkens gehabt von der grimmigen Bosheit in allen Kreaturen, sowohl an Sonne und Sternen in dieser Welt, desgleichen sind etliche sogar giftige böse Tiere, Würmer und Gewächse in dieser Welt, darum sich die Vernünftigen billig gewundert haben, und haben etliche entschlossen, Gott müsse ja das Böse auch wollen, dieweil er so viel Böses geschaffen habe; etliche haben dem Fall des Menschen die Schuld gegeben, etliche der Wirkung des Teufels.

29. Dieweil aber alle Kreaturen und Gewächse sind vor der Zeit des Menschen geschaffen worden, so darfst du dem Menschen nicht die Schuld geben, denn der Mensch hat nicht der Tiefe Leib in seiner Schöpfung kriegt, sondern ist ihm in seinem Fall erst so worden. Auch so hat der Mensch nicht die Bosheit und Gift in der Tiefe, Vögel, Würmer und Steine bracht, denn er hatte nicht derselben Leib, sonst wo er den Grimm in alle Kreaturen bracht hätte, so hätte er bei Gott ewig keine Gnade gehabt wie die Teufel. Der arme Mensch ist nicht aus seinem vorsätzlichen Willen gefallen, sondern durch des Teufels infizierte Gift, sonst wäre ihm kein Rat gewesen.

30. Nun, diese rechte Unterweisung wirst du allhie folgend beschrieben finden, nicht aus Eifer, jemanden hiermit zu schmähen, sondern aus Liebe und zu demütiger Unterweisung aus dem Abgrunde meines Geistes und zu gewissem Trost dem armen, kranken alten Adam, der jetzt an seiner letzten Vonhinnenfahrt lieget.

31. Denn wir sind in Christo alle ein Leib. Darum wollte auch dieser Geist herzlich gerne, daß seine Mitglieder möchten mit einem Trunke des edlen Weines Gottes vor ihrer Hinfahrt gelabet werden, damit den großen Streit des Teufels zu bestehen und den Sieg zu erhalten, damit der Sieg des Teufels in dieser jetzt vollen Welt möchte zerstöret und der große Name des Herrn geheiliget werden.

32. Nun siehe: Als König Luzifer mit seinen Engeln also herrlich, schön und göttlich erschaffen worden war als ein Cherub und König in Gott, so ließ er sich seine Gestalt betören, indem er sah, was für ein edler, schöner und herrlicher Geist in ihm aufging. Da meineten seine sieben Quellgeister, sie wollten sich erheben und anzünden, so würden sie auch also schöne, herrlich und mächtig sein wie der animalische Geist, damit wollten sie in dem ganzen Revier mit eigener Kraft und Gewalt herrschen als ein neuer Gott.

33. Sie sahen wohl, daß der animalische Geist mit dem Herzen Gottes inqualierete. Darum war das ihr Beschluß, daß sie sich wollten erheben und anzünden, in Hoffnung also klar, tief und allmächtig zu sein, als der tiefeste Grund im Centro des Herzens Gottes.

34. Denn sie vermeineten, den natürlichen Leib, der aus dem Naturgeiste Gottes war zusammenkorporieret, in die verborgene Geburt Gottes zu erheben, daß ihre sieben Quellgeister möchten also hoch sein und also allbegreiflich wie der animalische Geist. Und der animalische Geist sollte über das Zentrum des Herzens Gottes triumphieren, und sollte ihm das Herze Gottes untertänig sein. Und die sieben Geister wollten mit ihrem animalischen Geiste alles bilden und formieren.

35. Und dieser Hochmut und eigener Wille war gänzlich wider die Geburt Gottes. Denn der Leib des Engels sollte in seinem Sede bleiben und eine Natur sein und als eine demütige Mutter stille halten und nicht die Allwissenheit und eigene vernünftige Begreiflichkeit des Herzens oder der tiefesten Geburt der Hl. Dreifaltigkeit haben, sondern die sieben Geister sollten sich in ihrem natürlichen Leibe gebären wie in Gott.

36. Und ihre Begreiflichkeit sollte nicht im verborgenen Kern oder in der innerlichsten Geburt Gottes sein, sondern der animalische Geist, welchen sie in ihrem Centro des Herzens gebaren, der sollte mit der innerlichsten Geburt Gottes inqualieren und alle Figuren helfen formieren und bilden nach der sieben Geister Lust und Willen, damit in der göttlichen Pomp alles ein Herz und Willen wäre.

37. Denn also ist die Geburt Gottes auch. Der siebente Naturgeist greift nicht zurücke in seinen Vater, der ihn gebäret, sondern hält als ein Leib stille und läßt des Vaters Willen, welcher ist die andern sechs Geister, in sich formen und bilden, wie sie wollen.

38. Auch so greift kein Geist besonders mit seinem körperlichen Wesen nach dem Herzen Gottes, sondern er schleußt seinen Willen mit den andern ins Zentrum zur Geburt des Herzens, daß also das Herze und die sieben Geister Gottes ein Willen sind.

39. Denn das ist der Begreiflichkeit Gesetze, daß sie sich nicht in die Unbegreiflichkeit erhebe, denn die Kraft, welche im Centro oder inmitten zusammenkorporieret wird aus allen sieben Geistern, die ist unbegreiflich und unerforschlich, aber nicht unsichtlich, denn es ist nicht eines Geistes Kraft allein, sondern aller sieben.

40. So kann nun ein Geist in seinem eignen Corpus, außer seiner instehenden Geburt, nicht in das ganze Herze Gottes greifen und alles approbieren und forschen, denn er begreift außer seiner instehenden Geburt nur seine eigene Geburt im Herzen Gottes, aber alle sieben Geister zugleich begreifen das ganze Herze Gottes.

41. Aber in der anstehenden Geburt der Geister, da einer den andern immer gebäret, da begreift ein jeder Geist alle sieben Geister, aber nur im aufgehenden Blitze des Lebens.

42. Das Herze aber ist nun ein sonderliches, wenn es geboren ist, eine sonderliche Person, und doch nicht von den Geistern abgetrennet, aber die Geister können sich in ihrer ersten Geburt nicht in die andere verwandeln.

43. Auch so kann sich die andere nicht in die dritte verwandeln, welches ist der Ausgang des Geistes, sondern eine jede Geburt bleibet in ihrem Sede, und sind alle Geburten zusammen doch nur der einige Gott.

44. Weil aber der Leib Luzifers aus der Natur und äußerlichsten Geburt geschaffen war, so war es ja ganz unrecht, daß er sich in die innerlichste und tiefste erhub, welches er doch im göttlichen Recht nicht tun konnte, sondern er mußte sich erheben und anzünden, damit die Quellgeister in das schärfste Durchdringen und Infizieren gesetzet würden.

45. Ich meine ja, du schöner Nigromanticus, du hast dich wohl verwandelt. Du magst die Menschen billig auch deine Kunst lehren, ob sie vielleicht möchten auch so gewaltige Götter werden, wie du bist worden.

46. Ihr blinden und hoffärtigen nigromatischen Gaukler, hierinnen steckt eure Kunst. Ihr verwandelt die Elementa eures Leibes durch eure Coniurationes und Instrumenta der Qualitäten, die ihr dazu brauchet, und meinet, ihr habt Recht hiemit. Ists aber nicht wider die Geburt Gottes, so beweiset das!

47. Wie vermeinet ihr wohl, daß ihr euch könnet verwandeln in eine andere Gestalt?  Ihr lasset euch den Teufel also äffen und seid doch in der Kunst blind. Und ob ihr sie noch so wohl gelernet hättet, so wisset ihr doch den Zweck darinnen nicht, denn das Herze darinnen ist die Verwandlung der Quellgeister, wie Herr Luzifer tat, da er wollte Gott sein.

48. Sprichst du nun, wie kann das sein?  Siehe, wenn die körperlichen Quellgeister ihren Willen in die Zauberei setzen, so ist der animalische Geist, den sie gebären und der in der Sternen und Elementen Qualität im verborgenen und tiefsten Centro herrschet, schon ein Zauberer und hat sich in die Zauberei verwandelt.

49. Der tierische Leib aber kann nicht bald hernach, sondern muß durch Characteres und Coniurationes und etliche dazu dienliche Instrumente verzaubert werden, damit der animalische Geist den tierischen Leib unsichtbar machet und in die Gestalt verwandelt, wie der Quellgeister anfänglicher Wille war.

50. Das tierische Fleisch kann sich wohl nicht verwandeln oder in eine andere Geburt setzen, sondern es wird in eine geringe und dünne Forma bracht, gleich einem Tier oder Holz und dergleichen, das seinen Leib in den Elementen qualifizierend hat.

51. Aber die siderischen Geister können sich in eine andere Gestalt verkleiden, aber auch nur so lange, als ihnen die Geburt der Natur über ihrem Polo zulässet. Denn wenn sich die mit ihrem Umwenden und Durchdringen verändert, daß ein Quellgeist Primus wird, so liegt ihre Kunst danieder und hat ihre Gottheit in dem ersten Quellgeiste, in welchem sie ihre Kunst haben angefangen, ein Ende.

52. Soll sie nun länger bestehen, so muß sie aufs neue nach dem jetzt regierenden Quellgeiste gemacht werden oder muß der Teufel mit seinem animalischen Geiste in den siderischen Geistern des Körpers sein, der ihn flugs anders verwandelt, sonst hat seine Kunst allhie ein Ende. Denn die Natur lässet nicht alle Stunden mit sich gaukeln, wie die Geister wollen, sondern es muß alles nach dem Geiste geschehen, welcher dazumalen Primus ist.

53. Nicht macht derselbe Geist Gottes, welcher in der Natur Primus ist, die Gaukelei, sondern es wird in der Grimmigkeit des Salitters, welche Herr Luzifer mit seiner Erhebung hat angezünder, welches sein ewiges Königreich ist, gemacht.

54. Wenn sich aber die Macht desselben Geistes leget, so kann das angezündete Feuer dem Gaukler auch nicht mehr dienen. Denn das Zornfeuer in der Natur ist nicht in dieser jetzigen Zeit des Teufels eigen Gewalthaus, sintemal die Liebe im Centro des Zornfeuers verborgen stehet und Luzifer mit seinen Engeln im äußerlichen Zornfeuer gefangen lieget bis in das Gerichte Gottes, da wird er das Zornfeuer abteilig von der Liebe zum ewigen Bade bekommen und wird ohne Zweifel seinen Gauklern das Haupt mit waschen.

55. Dieses setze ich dir nur zu einer Warnung hieher, damit du wissest, was die Zauberei für einen Grund hat, nicht dergestalt, daß ich wollte heidnische Zauberei schreiben, ich habe sie auch nicht gelernet, sondern der animalische Geist siehet ihre Gaukelei, welche ich im Leibe nicht verstehe.

56. Dieweil sie aber ganz und gar wider die Liebe und Sanftmut der Geburt Gottes laufet und ist ein Widerwillen in der Liebe Gottes, dem Menschen ohne dazu dringend große Not verderblich zu tun, so will der Geist den Gauklern und Veränderern der Ordnung Gottes das Zornbad der Natur zu einer ewigen Abtrocknung bescheiden haben, da mögen sie ihre neue Gottheit inne beweisen.

Von der Anzündung des Zornfeuers 

57. Als sich nun König Luzifer mit allen seinen Engeln anzündete, so ging das Zornfeuer augenblicklich im Corpus auf und verlosch das holdselige Licht in dem animalischen Geiste und ward ein grimmiger Teufelsgeist; alles nach der Anzündung und Willen der Quellgeister.

58. Nun dieser animalische Geist war nun mit der Gottheit in der Natur verbunden und konnte mit derselben inqualieren, als wäre es ein Ding. Der stach nun aus den Corpussen der Teufel in die Natur Gottes als ein Mörder und Dieb, der da begehrte, alles zu ermorden und zu rauben und unter seine Gewalt zu bringen, und zündet alle sieben Geister in der Natur an. Da war nichts denn ein herbe, bitter, feurig und krachend, brennend Reißen und Toben.

59. Nicht sollst du denken, daß der Teufel habe die Gottheit also mächtig überwunden. Nein, sondern er hat den Zorn Gottes angezündet, welcher wohl in Ewigkeit hatte im Verborgenen geruhet, und hat aus dem Salitter Gottes eine Mordgruben gemacht, denn wenn man Feuer ins Stroh stecket, so brennet es. Nicht ist aus Gott darum ein Teufel worden.

60. Auch so reicht das Zornfeuer Gottes in der Natur nicht bis auf den innersten Kern des Herzens, welcher ist der Sohn Gottes, vielweniger in die verborgene Heiligkeit des Geistes, sondern bis in die Geburt der sechs Quellgeister, in den Locum, wo der siebente geboren wird.

61. Denn an dem Orte oder in dieser Geburt ist Herr Luzifer zu einer Kreatur worden, und reichte seine Herrschaft nicht tiefer. So er aber wäre in der Liebe blieben, so hätte sein animalischer Geist gereicht bis ins Centrum des Herzens Gottes, denn die Liebe dringet durch die ganze Gottheit.

62. Als aber seine Liebe verlosch, so konnte der animalische Geist nicht mehr in das Herze Gottes und war sein Führnehmen vergeblich, sondern er wütete und tobete in der Natur, das ist: in dem siebenten Quellgeiste Gottes.

63. Weil aber die Kraft aller sieben Geister in diesem stund, so wurden sie auch alle sieben im Zorn angesteckt, aber nur in der äußerlichen und begreiflichen Qualifizierung. Denn das Herze konnte der Teufel nicht berühren, so konnte er auch die innerste Geburt der Quellgeister nicht berühren, denn seine Herrlichkeit der sieben Geister war im ersten Blitz des Anzündens schon erstorben und alsbald im ersten Ausgang des animalischen Geistes gefangen gehalten.

64. In dieser Stunde hat ihm König Luzifer die Hölle und ewige Verderbung selber zugerichtet. Die stehet nun in dem äußersten Quellgeiste der Natur Gottes oder in der äußersten Geburt dieser Welt.

65. Als sich aber die Natur also erschrecklich anzündete, so ward aus dem Hause der Freuden ein Haus der Trübsal, denn die herbe Qualität ward angezündet in ihrem eignen Hause. Die war nun ein ganz hart, kalt und finster Wesen gleich dem kalten und harten Winter. Die zog nun den Salitter zusammen und vertrocknete ihn, daß er ganz rauh, kalt und scharf ward gleich den Steinen. Darinen ward die Hitze gefangen und mitsammengezogen und in ein hart, kalt, finster Wesen formieret.

66. Als dieses geschah, so verlosch auch das Licht in der Natur in der äußersten Geburt, und ward alles ganz finster und verderbet. Das Wasser ward ganz kalt und dicke und hielt sich etwan in den Klüften. Da ist der Ursprung des elementischen Wassers auf Erden.

67. Denn vor den Zeiten der Welt ist das Wasser ganz dünne gleich der Luft gewesen; dazu ist das Leben darinnen geboren worden, welches jetzo also tödlich und verderblich ist und also walzet und läuft.

68. Aus der holdseligen Liebe, welche im Blitz des Lebens aufging, ward eine grimmige und bittere Gift, eine rechte Mordgrube, ein Stachel des Todes; aus dem Ton ward ein hart Pochen der Steine, ein Haus des Elends.

69. In Summa: Es war alles ein ganz finster und elend Wesen in dem ganzen Revier, in der äußersten Geburt des Königreiches Luzifers.

70. Du mußt aber nicht denken, daß die Natur sei bis auf den innersten Grund also verderbet und angezündet worden, sondern nur die äußerste Geburt. Die innerliche aber, in welcher sich die sieben Quellgeister gebären, behielt sein Recht für sich, dieweil der angezündete Teufel nicht konnte hineingreifen.

71. Nun aber hat die innerliche Geburt die Wurfschaufel in der Hand und wird einmal ihre Tennen fegen und die Spreu dem Reiche Luzifers zu einer ewigen Speise geben. Denn so der Teufel hätte können in die innerste Geburt greifen, so wäre alsbald aus dem ganzen Revier seines Königreichs die angezündet brennende Hölle worden.

72. Aber also muß er als ein Gefangener in der äußersten Geburt bis an jüngsten Tag gefangen liegen, welcher nunmehr vorhanden ist und gar nahe zu gewarten.

73. Luzifer aber hat seine Quellgeister bis in die innerste Geburt angezündet, und gebären seine Quellgeister nun einen animalischen Teufelsgeist, der ein ewiger Feind Gottes ist.

74. Denn da sich Gott in seiner äußersten Geburt in der Natur erzürnete, so war es nicht sein vorsätzlicher Wille, daß er sich wollte anzünden. Er hats auch nicht getan, sondern er hat den Salitter zusammengezogen und dem Teufel hiemit eine ewige Herberge zugerichtet.

75. Denn außer Gott kann er nicht gestoßen werden in ein ander Königreich der Engel, sondern es muß ihm ein Locus zur Behausung bleiben. So wollte er ihm den angezündeten Salitter auch nicht alsbald zur ewigen Behausung geben, denn die innerliche Geburt der Geister stund noch darinnen verborgen. Denn Gott hatte ein anders im Sinne hiemit zu tun; und sollte König Luzifer ein Gefangener bleiben, bis ein ander englisch Heer aus demselben Salitter an seine Stelle würde, welches sind die Menschen.

76. Nun wohlher, ihr Juristen Luzifers, allhie verantwortet euren König, ob er Recht habe; wo nicht, so soll er ewig darinnen brennen und eure Lügen wider die Wahrheit mit ihm.

77. Das sind also die sieben Species oder Gestalten der Sünden Anfang und ewiger Feindschaft wider Gott.

78. Nun folget mit Kürze von den vier neuen Söhnchen Luzifers, die er in seinem körperlichen Regiment in sich geboren hat, darum er ist aus seinem Loco gestoßen und der greuliche Teufel worden.

Von der Hoffart, dem ersten Sohn 

79. Nun fraget sichs: Was hat denn den Luzifer dazu beweget, daß er wollte über Gott sein?  Allhie sollst du wissen, daß er außer ihm gar keinen Trieb hat gehabt zu seiner Hoffart, sondern seine Schönheit betrog ihn, da er sah, daß er der schöneste Fürst im Himmel war, so verachtete er das freundliche Qualifizieren und Gebären der Gottheit, und dachte, er wollte mit seiner fürstlichen Kraft in der ganzen Gottheit regieren, es sollte sich alles vor ihm beugen.

80. Als er aber befand, daß er solches nicht tun konnte, so zündete er sich selber an, in willens, solches auf eine andere Weise zu tun. Da ward aus dem Sohn des Lichts ein Sohn der Finsternis, denn er verzehrete seine süße Wasserkraft selber und machte daraus einen sauren Gestank.

Von dem anderen Sohn, dem Geize 

81. Der andere Wille war der Geiz, der wuchs aus der Hoffart; denn er vermeinte, er wollte über alle englischen Könige herrschen als einiger Gott. Vor ihm sollte sich alles beugen. Er wollte mit seiner Kraft alles bilden, dazu betrog ihn auch seine schöne Gestalt, daß er vermeinte, er wollte alles allein innehaben.

82. Bei dieser Hoffart und Geiz mag sich die jetzige Welt spiegeln und dem nachdenken, wie es eine Feindschaft wider Gott ist und sie damit zum Teufel fahren und ihren Rachen ewig müssen offen haben zu rauben und zu verschlingen, und finden doch nichts als höllische Greuel.

Der dritte Sohn ist der Neid 

83. Dieser Sohn ist das rechte Podagra der jetzigen Welt, denn er nimmt seinen Ursprung im Blitz der Hoffart und des Geizes und stehet auf der Wurzel des Lebens wie eine stachlichte und bittere Galle.

84. Dieser Geist kam auch anfänglich aus der Hoffart, denn die Hoffart dachte: Du bist schön und mächtig. So dachte der Geiz: Es muß alles dein sein. Und der Neid dachte: Du willst alles erstechen, das dir nicht gehorsam ist, und stach hiermit auf die andern Porten der Engel, aber ganz vergeblich, denn seine Macht erstreckte sich nicht weiter als in seinem Locum, daraus er geschaffen war.

Der vierte Sohn ist der Zorn 

85. Dieser Sohn ist das rechte brennende höllische Feuer, und nimmt seinen Ursprung auch von der Hoffart, denn als er seiner Hoffart und Geize mit seinem anfeindlichen Neide nicht konnte gnug tun, so zündete er das Zornfeuer in sich an und brüllete damit in die Natur Gottes als ein grimmiger Löwe, davon denn der Zorn Gottes aufging und alles Übel.

86. Davon gar viel zu schreiben wäre. Du wirst es aber bei der Schöpfung begreiflicher finden, denn daselbst findet man lebendige Zeugen gar gnugsam, daß also keiner zweifeln darf, es verhalte sich nicht also.

87. Also ist König Luzifer ein Anfang der Sünden und Stachel des Todes und eine Anzündung des Zorns Gottes und Anfang alles Bösen, eine Verderbung dieser Welt und was je Böses geschieht; da ist er der erste Ursacher dran.

88. Auch so ist er ein Mörder und Vater der Lügen und Stifter der Höllen, ein Verderber alles Guten und ein ewiger Feind Gottes und aller guten Engel und Menschen, mit dem ich und alle Menschen, die gedenken selig zu werden, müssen alle Tage und Stunden streiten und fechten als gegen den ärgesten Feind.

Die endliche Kondemnation 

89. Weil ihn aber Gott als einen ewigen Feind verflucht hat und zur ewigen Gefängnis verurteilet, da er ihm denn sein Stundenglas nunmehr vor Augen siehet und mir durch Gottes Geist sein höllisch Reich ist offenbar worden, also verfluche ich ihn auch mit und neben allen heiligen Seelen der Menschen und absage ihm als einem ewigen Feinde, der mir oft meinen Weinberg zerrissen hat.

90. Dazu absage ich allen seinen Juristen und Helfern und will mit göttlichen Gnaden hinfort sein Reich ganz offenbaren und beweisen, daß Gott ist ein Gott der Liebe und Sanftmut, der nicht das Böse will, der auch nicht Lust und Gefallen an jemands Verderben hat, sondern will, daß allen Menschen geholfen werde: Ps 5,5; Ez 18,23; 33,11; 1.Tim 2,4. Dazu will ich beweisen, daß alles Böse vom Teufel herkommt und seinen Anfang von ihm nimmt.

Von dem endlichen Streite und Verstoßung des Königes Luzifer samt aller seiner Engel 

91. Als sich nun der greuliche Luzifer als ein Wüter, Tober und Verderber alles Guten also ganz erschrecklich erzeigete, als wollte er alles verderben und anzünden, in willens, unter seine Botmäßigkeit zu bringen, so war nun alles Himmelsheer wider ihn und er auch wider alles. Da ging nun der Streit an, denn es stund alles ganz schrecklich gegeneinander. Und der Großfürste Micha-El mit seinen Legionen stritt gegen ihn, und der Teufel mit seinen Legionen siegete nicht, sondern ward aus seinem Loco getrieben als ein Überwundener, Apok 12,8 f.

92. Nun möchte einer fragen, was doch das für ein Streit gewesen sei, womit sie doch gegeneinander gestritten haben ohne Waffen?  Dies verborgene Ding verstehet allein der Geist, welcher alle Tage und Stunden mit dem Teufel streiten muß. Das äußerliche Fleisch kann es nicht begreifen, auch so können es die siderischen Geister in dem Menschen nicht verstehen, und wird von dem Menschen gar nicht begriffen, es sei denn, daß der animalische Geist mit der innersten Geburt in der Natur inqualiere im Centro, wo das Licht Gottes des Teufels Reich entgegengesetzt ist, das ist: in der dritten Geburt in der Natur dieser Welt.

93. Wenn er in diesem Sede mit Gott inqualieret, so bringets der animalische Geist in die siderischen, denn die siderischen müssen in diesem Loco alle Stunden mit dem Teufel streiten. Denn in der äußersten Geburt des Menschen hat der Teufel Gewalt, und ist das Haus des Elends, darinnen wetzet der Teufel den Stachel des Todes und greift durch seinen animalischen Geist dem Menschen in seiner äußersten Geburt ins Herze hinein.

94. Wenn aber die siderischen Geister von dem animalischen Geiste, welcher im Lichte mit Gott inqualieret, erleuchtet werden, so werden sie ganz inbrünstig und des Lichts begierig. Dagegen wird der animalische Geist des Teufels, welcher in der äußersten Geburt im Menschen herrschet, ganz erschrecklich und zornig, dazu ganz widerwillig.

95. Und da gehet alsdann das Streitfeuer im Menschen auf, wie es im Himmel mit Micha-El und Luzifer aufging, und muß sich die arme Seele wohl quetschen und radebrechen lassen.

96. So sie aber sieget, so bringet sie ihr Licht und Erkenntnis mit ihrem Durchdringen bis in die äußerste Geburt des Menschen, denn sie dringet mit Gewalt zurück durch die sieben Geister der Natur, welche ich allhie die siderischen Geister heiße, und herrschet mit im Rate der Vernunft.

97. Alsdann erkennet erst der Mensch, was der Teufel sei, wie er ihm so feindig sei und wie groß seine Macht sei, auch wie er alle Tage und Stunden ganz verborgen mit ihm streiten muß.

98. Welches die Vernunft oder äußerliche Geburt des Menschen ohne diesen Kampf nicht begreifen kann. Denn die dritte oder alleräußerste Geburt im Menschen, welches die fleischliche Geburt ist und ihm der Mensch durch den ersten Lust-Fall selber erbauet und zugerichtet hat, ist des Teufels Raubschloß und Wohnhaus, da der Teufel als wie in einer Festung mit der Seelen streitet und ihr manchen harten Kopfstoß gibet.

99. Diese Geburt des Fleisches ist nun nicht der Seelen Wohnhaus, sondern sie fähret im Streit mit ihrem Lichte in göttlicher Kraft hinein und streitet wider den Mord des Teufels. Dagegen schleußt der Teufel mit seiner Gift auf die sieben Quellgeister, welche die Seele gebären, in willens, die zu verderben und anzuzünden, damit er den ganzen Leib zum Eigentum bekomme.

100. So nun die Seele soll ihr Licht und Erkenntnis in des Menschen Gemüte bringen, so muß sie gar hart kämpfen und streiten, und hat gar einen engen Steig hindurch. Sie wird oft vom Teufel zu Boden geschlagen, aber sie muß stehen als ein Rittersmann in der Schlacht. So sie nun sieget, so hat sie den Teufel überwunden; sieget aber der Teufel, so wird die Seele gefangen.

101. Weil aber die fleischliche Geburt nicht der Seelen eigen Haus ist und sie dasselbe nicht erblich besitzen kann wie der Teufel, so währet der Kampf so lang als das Fleischhaus währet. Wenn aber das Fleischhaus zerstöret wird und die Seele noch in ihrem Hause unüberwunden und ungefangen frei ist, so hat der Streit ein Ende und muß der Teufel ewig von diesem Geiste weichen.

102. Darum ist dieses gar ein schwerer Artikel zu verstehen, und kann gar nicht denn nur in diesem Kampfe verstanden werden. Wenn ich gleich viel Bücher davon schriebe, so verstehest du doch nichts, es sei denn, daß dein Geist in solcher Geburt stehe und daß die Erkenntnis in dir selber geboren werde, außer dem kannst du es weder fassen noch glauben.

103. So du aber dies begreifest, so verstehest du auch den Streit, welchen die Engel mit den Teufeln gehalten haben, denn die Engel haben nicht Fleisch und Bein, so hats der Teufel auch nicht. Denn ihre leibliche Geburt stehet nur in den sieben Quellgeistern, aber die animalische Geburt in den Engeln, die inqualieret mit Gott, in den Teufeln aber nicht.

104. Darum sollst du hie wissen, daß die Engel mit ihrer animalischen Geburt, in welcher sie mit Gott inqualieren, haben in Gottes Kraft und Geist wider die angezündeten Teufel gestritten und sie aus dem Lichte Gottes ausgestoßen und zusammengetrieben in eine Höhle, das ist: in ein enges Revier gleich einer Gefängnis, welches ist der Ort auf und über der Erden bis an Monden, welcher ist eine Göttin der irdischen Geburt.

105. Also weit haben sie ihr Revier jetzt bis an Jüngsten Tag, alsdann werden sie ein Haus bekommen an dem Loco, wo jetzt die Erde ist, und das wird heißen die brennende Hölle.

106. Herr Luzifer, da warte auf und laß dir diese Prophezeiung derweil gewiß sein, denn du wirst den angezündeten Salitter in der äußersten Geburt, welche du selber hast also zugerichtet zu eine ewigen Hause bekommen.

107. Aber nicht in solcher Forma, wie er jetzt stehet, sondern es wird sich alles im angezündeten Zornfeuer scheiden und wird dir der finstere, hitzige und kalte, rauhe, harte, bittere, stinkichte Wust zur ewigen Herberge eingeräumt werden.

108. Da sollst du ein ewiger, allmächtiger Gott innen sein, wie ein Gefangener in einem tiefen Kerker. Da wirst du Gottes Licht ewig weder sehen noch erreichen, und der angezündete bittere Zorn Gottes wird deine Grenze sein, daraus du nimmer kannst.