Wie Luzifer, der schönste Engel im Himmel, ist der greulichste Teufel geworden

Das 14. Kapitel
Wie Luzifer, der schönste Engel im Himmel, ist der greulichste Teufel geworden –
Das Haus der Mordgruben

Allhier, König Luzifer, zeuch den Hut in die Augen, daß du es nicht siehest: Man wird dir die himmlische Krone abnehmen; du kannst nicht mehr im Himmel regieren. Nun stehe noch ein wenig stille, wir wollen dich von ehe beschauen, welch eine schöne Braut du bist, ob du vielleicht noch könntest den Unflat deiner Hurerei abladen, daß du wieder schöne würdest. Wir wollen deine Zucht und Tugend ein wenig beschreiben.

2. Wohlher, ihr Philosophi und Rechtsprecher des Königs Luzifer! Nun tretet herzu und verredet ihn, weil er noch die Krone hat, denn allhie wollen wir Malefiz-Recht über ihn halten. Könnt ihr das Recht erhalten, so soll er euer König sein, wo nicht, so soll er hinunter in die Hölle gestoßen werden, und soll ein anderer seine königliche Krone bekommen, der besser regieret als er.

3. Nun merke: Als sich nun Luzifer also greulich verderbet, so waren alle seine Quellgeister eine Feindschaft wider Gott, denn sie qualifizierten alle viel anders als Gott, und war eine ewige Feindschaft zwischen Gott und dem Luzifer.

4. Nun möchte einer sagen: Wie lang ist denn Luzifer im Lichte Gottes gestanden? – Die Tiefe: Als der königliche Leib des Luzifer zusammenkorporieret ward, in derselben Stunde zündete sich auch das Licht im Luzifer an. Denn alsbald seine Quellgeister in der Erbauung des Corpus anfingen zu qualifizieren und sich zu gebären, wie der Natur Recht war, so ging der Blitz des Lebens im Herzen im süßen Quellwasser auf. So war der königliche Leib schon fertig und fuhr der Geist im Herzen von dem Lichte aus durch den Mund in das Herze Gottes.

5. Da war er ein überaus schöner Fürst und König, und dem göttlichen Wesen gar lieb und angenehm, und ward mit gar großen Freuden empfangen. Desgleichen fuhr auch der Geist vom Herzen in alle Quelladern des Corpus und zündete alle sieben Geister an. Da ward der königliche Leib augenblicklich glorifizieret und stund da als ein König Gottes in unerforschlicher Klarheit, welche das ganze Himmelsheer übertraf.

6. Nun in diesem hellen und lichten Blitze wurden alsbald die sieben Quellgeister angestecket, als wie man ein Feuer ansteckt. Denn sie erschraken vor der grausamen Klarheit ihres Geistes, und wurden in dem ersten Blitze oder Anblicke flugs hochtriumphierend, erheblich, stolz und zuviel freudenreich, und bewegten sich zu höherer Geburt.

7. So sie aber in ihrem Sede wären blieben sitzen und hätten qualifiziert, wie sie von Ewigkeit getan hatten, so hätte ihnen das hohe Licht nichts geschadet. Denn sie waren nicht neue Geister aus etwas anders gemacht, sondern es waren die alten Geister, die keinen Anfang hatten gehabt, die in Gott waren ewig gewesen, und wußten wohl der Gottheit und der Natur Recht, wie sie wallen sollten.

8. Auch als Gott den Corpus zusammenfigurierte, so tötete er nicht zuvorhin die Quellgeister, sondern er figurierte den Leib des Königs Luzifer aus dem Kern des Besten zusammen, darinnen die allerbeste Wissenschaft war.

9. Sonst, wo die Qualitäten wären vorhin tot gewesen, so hätten sie eines neues Lebens bedurft, und wäre im Zweifel, ob der Engel könnte ewig bestehen.

10. Vernimms nur recht: Gott schuf darum Engel aus sich selber, daß sie härter und derber zusammenkorporieret wären als die Figuren, welche durch das Qualifizieren der Geister Gottes in der Natur aufgingen und auch durch der Geister Bewegen wieder vergingen, daß ihr Licht in ihrer Härtigkeit sollte heller scheinen, und daß der Ton des Corpus hell tönete und schaltete, damit die Freudenreich in Gott größer würde. Das war die Ursache, daß Gott Engel schuf.

11. Daß aber gesagt wird, der Engel habe ein neu Licht geboren oder einen neuen Geist, ist also zu verstehen:

12. Als die Quellgeister härter zusammenkorporieret waren, so schien das Licht viel heller im Corpus und aus dem Corpus als vorhin im Salitter. Denn es ging viel ein hellerer Blitz im Corpus auf als vorhin, weil der Salitter dünne war.

13. Darum wurden auch die Quellgeister stolz und vermeinten, hätten viel ein schöner Söhnlein oder Licht als der Sohn Gotwar. Darum wollten sie auch sehrer qualifizieren und sich erheben, und verachteten das Qualifizieren in Gott ihrem Vater, sowohl auch die Geburt Gottes des Sohnes, und auch den Ausgang Gottes des Hl. Geistes, und vermeinten, sie wolltens tun. Weil sie also herrlich zusammenkorporieret wären, so wollten sie auch herrlich und prächtig aufsteigen und sich sehen lassen als die schönste Himmelsbraut.

14. Sie wußten wohl, daß sie nicht der ganze Gott wären, sondern wären ein Stück davon. So wußten sie auch wohl, wie weit sich ihre Allmacht erstreckte. Aber sie wollten nicht mehr das Alte, sondern wollten höher sein als der ganze Gott, und vermeinten, sie wollten ihr Revier über die ganze Gottheit über alle Königreiche haben.

15. Darum erhuben sie sich, in willens, den ganzen Gott zu regieren. Es sollten alle Formen und Bildungen in seiner Qualifizierung aufgehen. Er wollte der Herr der Gottheit sein und kein anderer sollte neben ihm Herr sein.

16. Das ist nun die Wurzel des Geizes, Neides, Hoffarts und Zornes, denn in dem grimmen Qualifizieren ging der Zorn auf und brannte wie Hitze und kalt Feuer, dazu bitter wie Gallen.

17. Denn die Quellgeister hatten keinen Trieb von außen in sich, sondern der Trieb zur Hoffart erhub sich im Corpus im Rat der sieben Quellgeister. Die vereinigten sich, daß sie wollten alleine Gott sein.

18. Weil sie es aber in ihrem alten Sede nicht konnten anfangen und ins Werk bringen, so heuchelten sie miteinander. Sie wollten sich erheben wider die Geburt Gottes und wollten in der höchsten Tiefe qualifizieren, so würde ihnen nichts können gleich sein, sintemal sie der mächtige Fürst in Gott wären.

19. Die herbe Qualität war der erste Mörder und Heuchler. Denn als sie sah, daß sie also ein schön Licht gebar, druckte sie sich noch härter zusammen als sie Gott zusammen schuf, in Meinung, sie wollte noch viel erschrecklicher sein und alles in ihrem ganzen Revier zusammenziehen und als ein strenger Herr halten. Inmaßen sie denn auch was getan hat, davon die Erde und Steine ihren Ursprung haben, welches ich bei der Schöpfung der Welt schreiben will.

20. Die bittere Qualität war der andere Mörder. Als sie im Blitze anfing, so riß sie mit Brechen und großer Gewalt in der herben Qualität, als wollte sie den Corpus zersprengen. Aber die herbe Qualität ließ ihr das zu, sonst hätte sie wohl können den bittern Geist gefangen nehmen und im süßen Wasser baden, bis ihm der Hochmut vergangen wäre. Aber sie wollte ein solches Brüderlein haben, denn es dienete ihr, sintemal der bittere Geist auch von ihr als von ihrem Vater Ursprung nimmt, und hätte dem wohl können wehren.

21. Die Hitze ist der dritte Mordgeist, die hat ihre Mutter, das süße Wasser, ermordet. Aber der herbe Geist ist Ursache dran, denn mit seiner strengen Zusammenziehung und Hartmachung hat er mit der bittern Qualität das Feuer also heftig erwecket und angezündet; denn das Feuer ist der herben und bittern Qualität Schwert.

22. Weil aber das Feuer im süßen Wasser aufgeht, so hat es selber die Peitsche in eigener Gewalt, und hätte können die herbe Qualität im Wasser zurückehalten, aber sie ward auch ein Heuchler und heuchelte mit der größten Qualität, nämlich der herben, und half das süße Wasser ermorden.

23. Der Ton ist der vierte Mörder, denn er nimmt seinen Klang im Feuer im süßen Wasser, und steiget fein lieblich im ganzen Corpus auf.

24. Das tat er auch nicht, sondern nachdem er im Wasser aufgestiegen war in die herbe Qualität, so heuchelte er auch mit der herben Qualität und fuhr also ungestüm auf wie ein Donnerschlag. Damit wollte er seine neue Gottheit beweisen. Und das Feuer fuhr auf, als wenn es wetterleuchtet; damit vermeinten sie also groß zu sein über alle Dinge in Gott.

25. Und trieben solches also lange, bis sie ihre Mutter, das süße Wasser, ermordeten. Da ward der ganze Leib ein Finstertal, und war kein Rat mehr in Gott, der da hätte können helfen. Aus der Liebe ward eine Feindschaft; aus dem ganzen Corpus ward ein schwarzer finsterer Teufel.

26. Das Wort „Teu“, hat seinen Ursprung von dem harten Pochen oder Tönen, und das Wort „Fel“, hat seinen Ursprung von dem Falle. Also heißt nun Herr Luzifer „Teufel“ und nicht mehr Cherub oder Seraph.

27. Einrede: Nun möchte einer sagen: Hätte denn Gott nicht der Hoffart Luzifers können wehren, daß er von seinem Hochmut wäre abgestanden? Das ist eine hohe Frage, welcher sich alle Rechtsprecher des Teufels wollen behelfen. Aber sie sind alle vor das Malefiz-Recht geladen. Sie mögen zuschauen, daß sie ihren Herrn verantworten, oder das Recht wird über ihn ergehen, und er wird seine Krone verlieren.

Die wunderliche Offenbarung  

28. Siehe, der König Luzifer ist das Haupt in seinem ganzen Revier gewesen, und ist ein gewaltiger Herr gewesen, und ist aus dem Kern seines ganzen Reviers geschaffen worden, und hat durch seine Erhebung wollen sein ganzes Revier anzünden, daß alles hätte sollen also brennen und qualifizieren, wie er in seinem Corpus.

29. Ob nun gleich die Gottheit außer seinem Corpus hätte wollen sänftig gegen ihn qualifizieren und ihn erleuchten und zur Buße vermahnen, so war doch nun kein ander Wille im Luzifer, denn daß er wollte über den Sohn Gottes herrschen und das ganze Revier anzünden, und wollte auf eine solche Weise selber der ganze Gott sein über alle englische Heere.

30. Wenn nun das Herze Gottes mit seiner Sanftmut und Liebe gegen den Luzifer stürmete, so verachtete ers nur und meinte, er wäre viel besser; und stürmete hinwieder mit Feuer und Kälte in harten Donnerschlägen gegen den Sohn Gottes und meinete, er müßte ihm untertänig sein, er wäre Herr, denn er verachtete das Licht des Sohnes Gottes.

31. Sprichst du nun: Wie hat er solche Macht gehabt? Ja, er hat sie gehabt, denn er ist ein groß Teil der Gottheit gewesen und dazu aus dem Kern; denn er hat sich auch an den König und Großfürsten Micha-El gerieben, ihn zu verderben, welcher endlich mit ihm gestritten hat und ihn überwunden, indem die Kraft Gottes in Luzifers Reiche auch heftig wider ihren König gestritten hat, bis er endlich von seinem königlichen Stuhle als ein Überwundener ist gestoßen worden. Apok 12,8 f.

32. Sprichst du nun: Gott hätte ihm sollen sein Herze erleuchten, daß er hätte Buße getan. Er wollte auch kein ander Licht annehmen, denn er verachtete das Licht des Sohns Gottes, welches außer seinem Corpus leuchtete, dieweil er so ein blitzend Licht in ihm hätte, und erhub sich je länger je sehrer, bis sein Wasser gar vertrocknete und verbrannte und sein Licht gar verlosch; da war es geschehen.

Von dem Falle aller seiner Engel  

33. Nun möchte einer sagen: Wie kommts dann, daß auf diesmal alle seine Engel mitfielen? Wie der Herr gebot, also taten auch alle seine Untertanen. Als er sich erhub und wollte Gott sein, so sahen solches auch seine Engel und taten alle wie ihr Herr, und taten alle, als wollten sie die Gottheit stürmen. Denn sie waren ihm alle untertänig, und er regierte in allen seinen Engeln, denn er war aus dem Kern des Salitters geschaffen, daraus seine Engel allesamt waren geschaffen, und war aller seiner Engel Herz und Herr.

34. Darum taten sie alle wie er und wollten alle im Primat der Gottheit sitzen und mit ihrem Herrn im ganzen Revier gewaltig regieren über die ganze göttliche Kraft. Es war alles ein Wille bei ihnen, und ließen ihnen den nicht nehmen.

35. Nun sprichst du: Hat denn der ganze Gott solches vor der Zeit der Erschaffung der Engel nicht gewußt, daß es werde also zugehen? Nein, denn wenn es Gott vor der Zeit der Erschaffung der Engel gewußt hätte, so wäre es ein ewiger vorgetzlicher Wille gewesen, und wäre keine Feindschaft wider Gott, sondern Gott hätte ihn wohl anfänglich zu einem Teufel geschaffen.

36. So aber hat ihn Gott zu einem Könige des Lichtes geschaffen. Und da er ungehorsam ward und wollte über den ganzen Gott sein, so speiete ihn Gott von seinem Stuhl und schuf inmitten unserer Zeit einen andern König aus derselben Gottheit, daraus der Herr Luzifer war geschaffen; – verstehe es recht: aus dem Salitter, der außer dem Corpus des Königs Luzifer war – und setzte ihn auf den königlichen Stuhl Luzifers und gab ihm Macht und Gewalt, wie Luzifer vor seinem Fall hatte, und derselben König heißt Jesus Christus und ist Gottes und des Menschen Sohn. Das will ich an seinem Orte klar beweisen und ausführen.

Von den großen Sünden und Widerwillen und dazu ewiger Feindschaft des Königs Luzifer mit seinem ganzen Heere wider Gott

37. Das ist der rechte Spiegel der Menschen: Vor dieses Malefiz-Recht ladet der Geist alle Menschen als vor einen Spiegel. Da mögen sie sich besehen, was die verborgene Sünde ist.

38. Dieses ist von der Welt her verborgen blieben und in keines Menschen Herze also ganz und gar offenbar worden. Ich verwundere mich auch selber viel sehrer als sich der Leser vielleicht verwundern wird, ob der hohen Offenbarung.

39. Nicht schreibe ich mir solches zum Ruhm, denn mein Ruhm stehet in meiner Hoffnung des Zukünftigen. Ich bin so wohl ein armer Sünder wie alle Menschen und gehöre auch vor diesen Spiegel; sondern ich verwundete mich, daß sich Gott in so einem einfältigen Manne will also ganz und gar offenbaren, und treibet ihn noch dazu, solches aufzuschreiben, da doch viel bessere Skribenten wären, die es viel höher könnten schreiben und ausführen als ich, der ich nur der Welt Spott und Narr bin.

40. Aber ich kann und will ihm nicht widerstehen, denn ich bin oft in großer Arbeit gegen ihn gestanden, so es nicht sein Trieb und Wille sei, daß er solches wollte von mir nehmen. Aber ich befinde, daß ich mit meiner Arbeit gegen ihn nur habe Steine zu diesem Bau zugetragen.

41. Nun aber bin ich zu hoch gestiegen und darf nicht wieder zurücksehen, sonst schwindelt mir, und habe noch ein kleines Leiterchen bis ans Ziel, da ist alle meines Herzens Lust, vollends hinzusteigen. Denn so ich aufsteige, so schwindelte mir garnicht, aber wenn ich zurücksehe und will wieder umkehren, so schwindelt mir, und fürchte mich des Fallens.

42. Darum habe ich meine Zuversicht auf den starken Gott gesetzt und wills wagen und will zusehen, was doch draus werden will. Ich habe auch nicht mehr als einen Leib, der ist ohne das sterblich und zerstörlich; den will ich gerne dran wagen. So mir nur das Licht und Erkenntnis meines Gottes bleibet, so hab ich genug, wohl hie und dorte.

43. Auch so will ich mit meinem Gott nicht zürnen, ob ich vielleicht um seines Namens willen müßte Schmack leiden, welches mir denn alle Tage blühet, und bin des fast wohl gewohnet. Ich will mit dem Propheten David singen: Und wenn mir gleich mein Leib und Seele verschmacht, so bist du Gott doch meine Zuversicht, mein Heil und meines Herzens Trost, Ps 73,26.

44. Die Sünde hat sieben Species oder Gestalten, darunter sind vier vornehme Quellbrunnen, und die achte Gestalt ist das Haus des Todes.

45. Nun merke: Die sieben Gestalten sind die sieben Quellgeister des Corpus; wenn die angezündet werden, so gebäret ein jeder Geist eine sonderliche Feindschaft wider Gott.

46. Aus diesen sieben gebären sich nun andere vier neue Söhnlein, und die sind der neue Gott, der ganz und gar wider den alten Gott ist, als wie zwei abgesagte Kriegsheere, die einander ewige Feindschaft geschworen haben.

47. Der erste Sohn ist die Hoffart, der ander Sohn ist der Geiz, der dritte Sohn ist der Neid, der vierte Sohn ist der Zorn.

48. Dieses wollen wir nun im Grunde besehen, wo alles seinen Ursprung nimmt, und wie es eine Feindschaft wider Gott ist. Da wirst du sehen, was der Anfang und die Wurzel der Sünden ist, und warum sie in Gott nicht kann geduldet werden.

49. Nun wohlher, ihr Philosophi und Juristen, die ihr erhalten wollet und unterstehet euch zu beweisen, Gott habe das Böse auch geschaffen und wolle dasselbe. Es sei aus Gottes Fürsatz, daß der Teufel gefallen sei und daß viel Menschen verloren werden, sonst hätte er alles können ändern.

50. Zitation: Hie ladet euch der Geist unsers Königreichs mit samt eurem Fürsten Luzifer, den ihr verteidiget, zu drittenmal vor das endliche Malefiz-Gericht; da gebet Antwort. Denn bei diesen sieben Species und vier neuen Söhnen in des himmlischen Vaters Hause soll das Recht vollführet werden.

51. Wo ihr könnet erhalten, daß die sieben Geister Luzifers die vier neuen Söhne aus Recht und Billigkeit geboren haben, daß sie aus Recht und Billigkeit den Himmel und die ganze Gottheit regieren? So soll König Luzifer wieder auf seinen Stuhl gesetzt werden, und soll im sein Königreich wieder werden.

52. Wo nicht, so soll ihm eine Höhle oder Loch zur ewigen Gefängnis eingeräumt werden, und da soll er mit seinen Söhnen ewig gefangen sein; und ihr möget zuschauen, daß das Recht nicht über euch auch gehalten werde.

53. Dieweil ihr denn das Recht des Teufels führen wollet, womit soll er euch lohen? Er hat in seiner Gewalt nichts denn höllische Greuel. Was werdet ihr denn zu Lohn kriegen? Rat, Fritz: sein Allerbestes, das Obst und den Weihrauch seines Gartens.

Von der ersten Species  

54. Der erste Geist ist die herbe Qualität. Die ist in Gott ein fein lieblich Zusammenziehen, Vertrocknen und Kühlen, und wird zu der Bildung gebraucht; und ob sie in ihrer Tiefe etwas scharf ist, so temperiret sie sich doch mit dem süßen Wasser, daß sie ganz sanft, lieblich und freudenreich ist.

55. Und wenn das Licht des süßen Wassers in sie kommt, so gibt sie freundlich und freiwillig ihre Geburt dazu und machet es trocken und helle scheinend. Und wenn der Ton in dem Lichte aufsteiget, so gibt sie ihren Ton oder Klang fein sanft und brüderlich dazu. Auch so nimmt sie die Liebe von allen Geistern an. Der Hitze vergönnet sie auch, daß sie mag freundlich kühlen, und ist mit allen Qualitäten ein freundlicher Wille. Sie hilft auch gern den Naturgeist bilden und in demselben allerlei Formen, Figuren, Frucht und Gewächse nach allen sechs Geister Willen.

56. Sie ist gar ein demütiger Vater ihrer Kinder, der sie herzlich liebet und freundlich mit ihnen spielt, denn sie ist recht der andern sechs Geister Vater, welche sich in ihr gebären, und sie hilft sie alle gebären.

57. Nun, als Gott den Luzifer mit seinem Heer beschuf, da schuf er ihn aus dieser freundlichen Gottheit aus sich selber, aus dem Loco des Himmels und dieser Welt. Es war keine andere Materia dazu. Dieser lebendige Salitter war ganz sanft zusammengezogen, ohne Tötung oder ohne große Bewegung.

58. Es hatten aber die zusammenkorporierten Geister die Erkenntnis, Wissenschaft und das ewige unanfängliche Gesetze Gottes, und wußten wohl, wie sich die Gottheit gebar. So wußten sie auch wohl, daß das Herze Gottes Primus in der ganzen Gottheit war. Sie wußten auch wohl, daß sie nichts mehr zum Eigentum hatten, damit zu tun und zu lassen, als ihren eignen zusammenkorporierten Leib; denn sie sahen wohl, daß sich die Gottheit außer ihrem Corpus gebar, wie sie von Ewigkeit getan hatte.

59. So wußten sie auch wohl, daß sie nicht der ganze Raum oder Ort wären, sondern daß sie Kreaturen in demselben Raum oder Orte waren, die da sollten die Freude und wunderliche Proporzl, desselben Orts vermehren, und sollten mit demselben Raume oder Orte der Gottheit fein freundlich kordieren, inqualieren oder sich freundlich mit den Qualitäten außer ihrem Corpus infizieren.

60. Sie hatten auch alle Macht mit allen Figuren, Formen und Gewächsen zu tun, wie sie wollten; es war alles ein herzlich Liebesspiel in Gott. Sie hätten Gott ihren Schöpfer mit nichts zum Widerwillen beweget, ob sie gleich alle himmlischen Figuren und Gewächse zerbrochen, und hätten ihnen eitel Reitpferde daraus gemacht. Gott hätte ihnen immer genug andere lassen aufgehen, denn es wäre alles nur ein Spiel in Gott gewesen.

61. Denn zu dem Ende waren sie auch also geschaffen, daß sie sollten mit den Figuren und Gewächsen spielen und die nach ihrem Gefallen brauchen. Denn die Figuren haben sich von Ewigkeit etwan also gebildet und sind wieder durch die Quellgeister vergangen und verändert worden, denn das ist das ewige Spiel Gottes vor den Zeiten der Erschaffung der Engel gewesen.

62. Dessen hast du auch gar ein gut Exempel, wo du sehen willst und allhie nicht blind bist: an den Tieren, Vögeln und allem Gewächse dieser Welt. Das war alles zuvorhin geschaffen und aufgangen, ehe der Mensch geschaffen ward, welcher ist und bedeut das andere Heer, das Gott an des verstoßenen Luzifers Heers Stelle schuf, aus Luzifers Loco.

63. Nun, was tat aber die herbe Qualität im Luzifer? Als sie Gott also fein sanft hatte zusammenkorporieret, da befand sie sich mächtig und gewaltig, und sah, daß sie einen schönen Corpus hielt, als die Figuren außer ihr waren. Darum ward sie hochmütig und erhub sich in ihrem Corpus, und wollte strenger sein als der Salitter außer ihrem Corpus.

64. Weil sie es aber allein nicht tun konnte, so heuchelte sie mit den andern Geistern, daß sie ihr als dem Vater folgeten und taten alle wie sie, ein jeder in seiner eignen Qualität.

65. Als sie sich nun also vereinigten, so gebaren sie auch einen solchen Geist, der fuhr zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen heraus und infizierte sich mit dem Salitter außer dem Corpus.

66. Denn das war der herben Qualität Fürsatz, daß, dieweil sie also herrlich als der Kern aus dem ganzen Königreich zusammenkorporieret war, sie auch durch ihren Geist, den sie mit den andern Geistern gebar, wollte außer ihrem Corpus in dem ganzen Salitter Gottes mit der Schärfe gewaltig regieren, und sollte alles in ihrer Gewalt stehen.

67. Sie wollte alles durch ihren Geist den sie gebar, bilden und formen gleichwie die ganze Gottheit. Sie wollte Primus in der ganzen Gottheit sein, das war ihr Fürsatz.

68. Dieweil sie es aber in ihrem rechten natürlichen Sede nicht vollenden konnte, so erhub sie sich und zündete sich an. Mit diesem Anzünden zündete sie auch ihren Geist an. Der fuhr nun zum Munde, Ohren, Augen und Nasen aus, als ein ganz grimmiger Geist, und stritt wider den Salitter in seinem Loco als wie ein stiirmiger Herr, und zündete, und zündet den Salitter an und zog mit Gewalt alles zusammen.

69. Du mußts recht verstehen: Der herbe Quell in dem ausgegangenem Geiste zündet die herbe Qualität in seinem Loco an und herrschete mit Gewalt in der herben Qualität im Salitter. Und das wollte die herbe Qualität des Salitter nicht haben, sondern stritt mit dem süßen Wasser gegen diesen Geist. Aber es half nichts, der Sturm ward je länger je größer, bis die herbe Qualität des Salitters angezündet war.

70. Als nun dieses geschah, so ward der Sturm also groß, daß die herbe Qualität den Salitter zusammenzog, daß harte Steine daraus worden. Und daher haben die Steine in dieser Welt den Ursprung, und das Wasser im Salitter ward auch zusammengezogen, daß es gar dicke war, wie es in dieser Welt jetzt ist.

71. Als sich aber die herbe Qualität im Luzifer anzündete, so ward sie auch ganz kalt, denn die Kälte ist ihr eigen Geist, darum zündet sie jetzt auch mit ihrem kalten Feuer in dem Salitter alles an. Und davon ist das Wasser also kalt, finster und dicke worden in dieser Welt, und davon ist alles so hart und begreiflich worden, welches vor den Zeiten der Engel nicht war. Dieses war nun ein großer Widerwillen in dem göttlichen Salitter, ein großer Kampf und Streit und eine ewige Feindschaft.

72. Sprichst du nun: Gott hätte ihm sollen Widerstand tun, daß so weit nicht wäre kommen. Ja, lieber blinder Mensch, es stund nicht ein Mensch oder Tier vor Gott, sondern es war Gott wider Gott, ein Starker wider einen Starken. Dazu, wie sollte ihm Gott Widerstand tun? Mit der freundlichen Liebe wollte es nicht gelten, Luzifer verachtete es nur und wollte selber Gott sein.

73. Sollte ihm denn Gott mit Zorn begegnen, welches doch endlich geschehen mußte, so mußte sich Gott selber in seinen Qualitäten anzünden in dem Salitter, darinnen König Luzifer wohnete, und mußte im starken Eifer wider ihn streiten. Von diesem Streit ist dies Königreich also finster, wüste und böse worden, darauf he nach eine ander Schöpfung folgen mußte.

74. Ihr Philosophi und Juristen des Fürsten Luzifer, hie verantwortet erstlich den herben Geist im Luzifer, ob er recht gehandelt habe oder nicht, und beweiset das in der Natur. Ich will nicht eure gezerrete und gedehnete gebogenen Schriften haben zum Beweis, sondern lebendige Zeugen.

75. Ich stelle euch auch lebendige Zeugen dar, als nämlich den erschaffenen und begreiflichen Himmel, die Sternen, die Elementa, die Kreaturen, die Erde, die Steine, die Menschen und endlich euren finstern, kalten, hitzigen, harten, rauhen, bösen Fürsten Luzifer selber. Dieses alles ist durch seine Erhebung also worden.

76. Hie leget eure Verantwortung über diesen Geist ein; wo nicht, so soll er kondemnieret werden. Denn das ist das Recht Gottes, das keinen Anfang hat, daß sich das Kind, das von der Mutter geboren ist, soll vor der Mutter demütigen und ihr gehorsam sein, denn es hat sein Leben und seinen Leib von der Mutter, die es geboren hat.

77. Auch so ist der Mutter Haus, dieweil die Mutter lebet, nicht des Kindes Eigentum, sondern sie behält es aus Liebe bei sich und nähret es und hänget ihm den schönsten Schmuck an, den sie hat, und gibts ihm zum Eigentum, auf daß ihre Freude an dem Kinde vermehret wird und sie mit ihm mag Freude haben.

78. Da sich aber das Kind wider die Mutter auflehnet und nimmt der Mutter alles und herrschet über sie und schlägt sie noch dazu, und zwinget sie in andere Sitten wider Rat und Billigkeit, so ist ja recht, daß das Kind aus dem Hause gestoßen wird, und muß hinter den Zäunen liegen und hat sein kindlich Erbteil verloren.

79. Also ist es mit Gott und seinem Kinde Luzifer auch gangen. Der Vater hatte ihm auch den allerschönsten Schmuck angeleget, in Hoffnung, Freude mit ihm zu haben. Als aber das Kind den Schmuck bekam, so verachtete es den Vater und wollte über den Vater herrschen und dem Vater sein Haus zerstören, und schlug noch dazu den Vater und wollte sich nicht weisen und lehren lassen.

Von der andern Species oder Geist der Sünden Anfang im Luzifer  

80. Der andere Geist ist das Wasser. Nun, gleichwie die herbe Qualität der Vater ist der andern sechs Geister, der sie zusammenzeucht und hält, also ist das süße Wasser die Mutter, in der alle Geister empfangen, behalten und geboren werden, und sie sänftiget und tränket sie, darinnen und davon sie ihr Leben bekommen, auch so gehet das Licht der Freudenreich darinnen auf.

81. Nun König Luzifer hat das süße Wasser auch eben in solchermaßen zu seinem körperlichen Regiment bekommen, und zwar den Kern und das Allerbeste, denn Gott hing seinem Söhnlein den allerschönsten Schmuck an, in Hoffnung, viel Freude mit ihm zu haben.

82. Nun, was tat die herbe Qualität mit seiner Mutter, dem süßen Wasser? Sie heuchelte mit der bittern und mit der Hitze, daß sie sich sollten erheben und anzünden. Sie wollten die Mutter ermorden und in eine saure Gestalt formieren. Dadurch wollten sie mit ihrem Geiste ganz scharf über die ganze Gottheit regieren. Es mußte sich alles vor ihnen bücken und neigen, und sie wollten alles mit ihrer Schärfe formen und bilden.

83. Nach diesem falschen Beschluß taten sie ein Ding, und vertrockneten das süße Wasser im Corpus Luzifers. Und die Hitze zündet es an, und die Herbe trocknete es; da ward es ganz sauer und scharf.

84. Als sie nun in solcher Qualifizierung den Geist Luzifers geboren, so war das Leben des Geistes, welches im Wasser aufgehet sowohl auch das Licht ganz sauer und scharf.

85. Nun stürmete dieser saure Geist auch aus allen seinen Kräften wider das süße Wasser außer dem Corpus in dem Salitter Gottes und dachte, er müßte Primus sein und in eigener Gewalt alles formen und bilden.

86. Und das war die andere Feindschaft wider Gott, davon ist die saure Qualität in dieser Welt entstanden. Sie ist nicht ewig gewesen, als du denn dessen ein gut Exempel hast: Wenn du etwas Süßes in die Wärme setzest und läßt es stehen, so wird es selber sauer, welches auch Wasser oder Bier oder Wein im Fasse tut. Der andern Qualitäten aber verändert sich keine als nur in einen Gestank, das macht des Wassers Qualität.

87. Nun sprichst du: Warum hat Gott den bösen Geist Luzifers, welcher aus dem Corpus Luzifers gangen, in sich gelassen; hätte er ihm doch können wehren? Dieses ist der Kern: Du sollst wissen, daß es zwischen Gott und Luzifer kein ander Unterschied ist gewesen, als wie mit den Eltern und ihren Kindern, und noch viel näher. Denn gleichwie die Eltern ein Kind aus ihrem Leibe gebären nach ihrem Bilde und behalten es in ihrem Hause als einen natürlichen Leibeserben, und pflegen des, also nahe ist auch der Corpus Luzifers der Gottheit. Denn Gott hat ihn aus seinem Leibe geboren. Darum hat er ihn auch zum Erben seiner Güter gemacht und ihm den ganzen Locum, darinnen er ihn schuf, zum Besitz eingeräumt.

Die höchste Tiefe

88. Hie sollst du aber wissen, womit Luzifer hat wider Gott gestritten und Gott erzürnet; denn mit seinem Corpus hätte ers nicht tun können, denn sein Corpus begreift nicht weiter als den Ort, da er zumaln stehet, damit würde er nicht viel haben können tun, sondern es ist ein anders.

89. Hie merke auf: Der Geist, welcher im Centro des Herzens von allen sieben Quellgeistern geboren wird, der ist auch, weil er noch im Leibe ist, wenn er geboren ist, mit Gott inqualierend als ein Wesen, und ist auch kein Unterscheid.

90. Wenn derselbe Geist, welcher im Corpus geboren wird, durch die Augen etwas ansiehet oder durch die Ohren höret oder durch die Nasen reucht, so ist er schon in demselben Dinge und arbeitet drinnen als in seinem Eigentum. Und so es ihm gefället, so isset er davon und infizieret sich mit dem Dinge, und ringet mit ihm, und macht eine Temperanz, es sei auch ein Ding, so weit als es wolle. Also weit als sein ursprünglich oder anfänglich Königreich in Gott reichet, also weit kann der Geist augenblicklich regieren und wird von nichts gehalten.

91. Denn er ist und begreift die Gewalt wie Gott der Hl. Geist, und ist in diesem zwischen Gott dem Hl. Geist und des Corpus Geist gar kein Unterscheid als nur dieser, daß der Hl. Geist Gottes die ganze Fülle ist und des Corpus Geist nur ein Stücke, welcher durch die ganze Fülle dringet, und wo er hinkommt, sich mit demselben Orte infizieret und gleich in demselben Loco mit Gott herrschet.

92. Denn er ist aus Gott und in Gott und kann nicht gehalten werden als nur durch die sieben Naturgeister des Corpus, welche den animalischen, Geist gebären, die haben den Zügel bei der Hand und können ihn gebären, wie sie wollen.

93. Wenn die herbe Qualität, als der Vater, das Wort oder den Sohn oder Geist formet, so stehet er im Centro des Herzens gefangen, und wird von den andern Geistern approbieret, ob er gut ist. So er nun dem Feuer gefället, so läßt das Feuer den Blitz, darinnen der bittere Geist stehet, durch das süße Wasser gehen, allda empfänget es die Liebe und fährt mit ihm in die herbe Qualität.

94. Wenn nun der Blitz mit der Liebe wieder in die herbe Qualität kommt mit dem jetzt neugebornen Geiste oder Willen, so freuet sich die herbe Qualität des jungen neuen Sohnes und erhebet sich. Da fasset ihn der Ton und fährt mit ihm zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen heraus und richtet das aus, das im Rat der sieben Geister beschlossen ist. Denn wie des Rats Beschluß ist, also ist auch der Geist; und der Rat kann ihn ändern wie er will.

95. Darum steckt die ursprüngliche Lust im Zirkel des Herzens im Rat der sieben Geister. Wie dieselben den Geist gebären, so ist er auch.

96. Nun auf eine solche Weise hat Herr Luzifer die Gottheit in Zorn bracht, dieweil er mit allen seinen Engeln hat als ein boshaftiger Teufel wider die Gottheit gestritten, in willens, das ganze Revier unter seine ingebornen Geister zu bringen, daß dieselben sollten alles formen und bilden, und das ganze Revier sollte sich beugen und mit der angezündeten Schärfe der ingebornen Geister regieren und bilden lassen.

97. Und wie dieses eine Substanz in den Engeln hat, also hats auch eine Substanz im Menschen. Darum besinnet euch, ihr hoffärtigen, ihr geizigen, ihr neidigen, ihr zornigen, ihr lästerischen, ihr hurischen, ihr diebischen, ihr wucherischen Menschen, was ihr für ein Söhnlein oder Geist in Gott schicket.

98. Sprichst du: Wir schicken ihn nicht in Gott, sondern in unsern Nächsten oder in seine Arbeit, das uns liebet. – Nun, so zeige mir einen Ort, da du deinen lüsternen Geist hinschickest, es sei gleich ein Mensch oder Vieh oder Kleider oder Acker oder Geld oder was genannt mag werden, da nicht Gott ist. Aus ihm ist alles und er ist in allem, und er ist selber alles und hält und träget alles.

99. So sprichst du: Er ist aber in vielen Dingen mit seinem Zorne, dieweil es also hart und böse ist und der Gottheit nicht ähnlich. Ja, lieber Mensch, es ist alles wahr. In Silber, Gold, Steinen, Acker, Kleidern, Tieren und Menschen, was begreiflich ist, ist freilich überall der Zorn Gottes, sonst wäre es nicht also hart begreiflich.

100. Du sollst aber wissen, daß auch der Kern der Liebe in allem im verborgenen Centro stecket, es sei denn gar zu böse, das gefället dem Menschen auch nicht. Oder meinest du, daß du recht tust, daß du dich in Gottes Zorn badest? Sieh zu, daß es dir nicht Leib und Seele anzündet und du ewig darinnen brennest wie Luzifer!

101. Wenn aber Gott das Verborgene am Ende dieser Zeit wird hervorbringen, so wirst du wohl sehen, wo Gottes Liebe oder Zorn gewesen ist. Darum schaue zu und hüte dich und wende deine Augen vom Bösen oder du verderbest dich.

102. Ich nehme Himmel und Erden zum Zeugen, daß ich allhie verrichtet habe, wie mir Gott offenbarer hat, das sein Wille sei!

103. Also hat König Luzifer in seinem Corpus das süße Wasser in eine saure Schärfe verwandelt, in willens, hiemit in der ganzen Gottheit in seinem Übermut zu regieren. Er hats auch so weit gebracht, daß er in dieser Welt mit derselben Schärfe allen Kreaturen ins Herze greift, sowohl in Laub und Gras und in alles, als ein König und Fürste dieser Welt.

104. So nun nicht die göttliche Liebe noch in der ganzen Natur dieser Welt wäre und wir armen Menschen und Kreaturen nicht den Held im Streit bei uns hätten, so müßten wir in einem Augenblicke alle in dem höllischen Greuel verderben.

105. Darum singen wir wohl recht: „Mitten wir im Leben sind / Mit dem Tod umfangen. / Wo sollen wir den fliehen ihn / Daß wir Gnad erlangen? / Zu dir, Herr Christ, alleine.“

106. Da ist nun der Held im Streit, zu dem wir fliehen müssen, welcher ist unser König Jesus Christus. Der hat in sich des Vaters Liebe und streitet in göttlicher Macht und Gewalt wider den angezündeten höllischen Greuel.

107. Zu dem müssen wir fliehen und der erhält die Liebe Gottes in dieser Welt in allem, sonst wäre es verloren: Nur hoffe, wart und beit / Es ist noch eine kleine Zeit, / Bis Teufels Reich darniederleit.

108. Ihr Philosophi und Juristen, die ihr aus Gott einen Teufel macht und saget, er, wolle das Böse. Allhie leget abermal eure Antwort ein, ob ihrs Recht könnt erhalten? Wo nicht, so soll der saure Geist im Luzifer auch kondemnieret werdet als ein Verderber und Feind Gottes und alles seines himmlischen Heeres.