Von dem sechsten Quellgeist in der göttlichen Kraft

Das 10. Kapitel
Von dem sechsten Quellgeist in der göttlichen Kraft

Der sechste Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Schall oder Ton, daß alles darinnen schaltet und tönet, daraus die Sprache und Unterscheid aller Dinge erfolget, dazu der Klang und Gesang der Hl. Engel, und stehet darinnen die Formung aller Farben und Schönheit, dazu die himmlische Freudenreich.

2. Nun fragest du: Was ist der Ton und Schall, oder wie nimmt dieser Geist seinen Quell und Ursprung? Merke: Es werden alle sieben Geister Gottes ineinander geboren, einer gebäret immer den andern. Es ist keiner der erste und auch keiner der letzte, denn der letzte gebäret sowohl den ersten als der erste den andern, dritten, vierten, bis auf den letzten.

3. Daß aber einer der erste und ander und so fortan genennet wird, wird dahin gesehen, welcher der erste an der Bildung einer Kreatur und Formung ist. Denn sie sind alle sieben gleich-ewig, und hat keiner einen Anfang und Ende. Und darum, daß die sieben Qualitäten immer eine die andere gebäret und keine außer der andern ist, erfolget, daß da sei ein einiger, ewiger, allmächtiger Gott.

4. Denn so etwas aus und in dem göttlichen Wesen geboren wird, so wird dasselbe nicht durch einen Geist allein formieret, sondern durch alle sieben. Und so sich eine Kreatur, die da ist wie das ganze Wesen Gottes, in einem Quellgeiste verderbet, erhebet und anzündet, so zündet sie nicht nur einen Geist an, sondern alle sieben.

5. Darum ist dieselbe Kreatur ein Ekel vor dem ganzen Gott und allen seinen Kreaturen und muß in ewiger Feindschaft und Schande stehen vor Gott und alle Kreaturen.

6. Nun merke: Der Ton oder Marcurius nimmt seinen Ursprung in der ersten, das ist: in der herben und harten Qualität.

7. Merke in der Tiefe: Die Härtigkeit ist der Quellbrunn des Tones. Sie kann ihn aber allein nicht gebären, sondern sie ist der Vater dazu, und der ganze Salitter ist die Mutter, sonst wo die Härtigkeit allein Vater und auch Mutter des Tones wäre, so müßte ein harter Stein auch klingen. Nun aber schaltet und pochet er nur wie als ein Same oder Anfang des Tones, und das ist er auch gewiß.

8. Der Klang aber oder die Stimme steiget im mittleren Centro auf in dem Blitze, wo das Licht aus der Hitze geboren wird, da der Blitz des Lebens aufgehet.

9. Merke, wie dies geschieht: Wenn die herbe Qualität sich mit der bittern reibet, daß die Hitze in dem süßen Quellwasser aufgeher, so zündet die Hitze das süße Quellwasser wie ein Blitz an, und derselbe Blitz ist das Licht. Der fähret in der Hitze in die bittere Qualität, da wird der Blitz entschieden nach aller Kraft.

10. Denn in der bittern werden alle Kräfte entschieden, und die bittern fähet den Blitz des Lichts, als ob sie grausam erschrecke, und fähret mit ihrem Zittern und Erschrecken in die herbe und harte Qualität. Da wird sie körperlich gefangen. Und die bittere Qualität ist nun des Lichtes schwanger und zittert in der herben und harten Qualität, und reget sich darinnen und ist in der herben Qualität als in einem Corpus gefangen.

11. Und wenn sich nun die Geister bewegen und wollen reden, so muß sich die harte Qualität auftun, denn der bittere Geist mit seinem Blitze sprenget sie auf, und alsdann gehet heraus der Ton und ist mit allen sieben Geistern schwanger. Die unterscheiden das Wort, wie es im Centro, das ist im mittleren Zirkel, da es noch im Rat der sieben Geister war, beschlossen ward.

12. Und darum haben die sieben Geister Gottes den Kreaturen ein Maul geschaffen, daß wenn sie reden oder schallen wollen, nicht erst dürfen zerreißen. Und darum gehen alle Adern und Kräfte oder Quellgeister in die Zunge, daß der Schall oder Ton fein sanft rausgehet.

13. Hie merke eigen den Sinn und Geheimnis: Wenn der Blitz in der Hitze aufgehet, so fänget ihn erstlich das süße Wasser, denn darinnen wird er scheinend. Nun wenn das Wasser den Blitz fänget, das ist die Geburt des Lichts, so erschrickt es. Und weil es so dünne und weich ist, so weicht es ganz zitternd, denn die Hitze steiget in dem Lichte auf.

14. Wenn nun die herbe Qualität, die da gar kalt ist, die Hitze und den Blitz fänget, so erschrickt sie, als wenn es wetterleuchtet, denn wenn die Hitze mit dem Licht in die harte Kälte kommt, so tuts einen grimmigen Blitz, ganz Feuer- und Licht-Farbe. Derselbe Blitz fähret zurücke und das süße Wasser fängt ihn und fähret in derselben Grimmigkeit auf. Und in dem Auffahren und Erschrecken verwandelt sichs in grüne oder himmelblaue Farbe und zittert von wegen des grimmigen Blitzes. Und der Blitz an ihm selber behält seine Grimmigkeit. Davon entstehet die bittere Qualität oder der bittere Geist. Der fähret nun in der herben Qualität auf und entzündet die Härtigkeit mit seinem grimmigen Quell. Und das Licht oder der Blitz trocknet sich in der Härtigkeit und scheinet helle, viel lichter als der Sonnen Glanz.

15. Es wird aber in der harten Qualität gefangen, daß es körperlicherweise bestehet, und muß ewig also leuchten. Und der Blitz zittert in dem Corpus wie ein grimmiges Aufsteigen; damit werden immer und ewiglich alle Qualitäten gereget. Und der Blitz des Feuers in dem Licht zittert und triumphieret immer also. Und das süße Wasser sänftigt es immer also. Und die Härtigkeit ist immer der Leib, der es behält und vertrocknet. Und dieses Regen in der Härtigkeit ist der Ton, daß es schallet. Und das Licht oder der Blitz macht den Klang. Und das süße Wasser macht den Klang sanft, daß man ihn kann zum Unterscheid der Rede gebrauchen.

16. Hie merke die Geburt der bittern Qualität noch das: Der bittern Qualität Ursprung ist, wenn der Blitz des Lebens in der Hitze aufgehet in die herbe Qualität. Und wenn dann nun der Blitz des Feuers in Verrnischung des Wassers in die herbe Qualität kommt, so fähet der Geist des feurigen Blitzes den herben und harten Geist. Und das beides zusammen ist ein eiferig, streng, grimmig Quell, das da wütet und strenge reißet gleich einer feuerigen, strengen Grimmigkeit. Ich kann es mit nichts vergleichen als nur mit einem Donnerschlag, wenn das grimme Feuer zuvor herniederfähret, daß einem das Gesichte vergehet. Dasselbe grimme Feuer ist dieser beider Konjunction Art.

17. Nun merke: Wenn nun dieser Feuergeist und der herbe Geist sich miteinander würgen, so macht der herbe eine gestrenge, harte, kalte Herbigkeit und der feuerige eine schreckliche, grimme Hitzigkeit. Nun das Aufsteigen der Hitze und der Herbigkeit macht einen zitternden, grimmen, erschrecklichen Geist, der da wütet und tobet, als wollte er die Gottheit zertrennen.

18. Du mußt aber dies eigentlich verstehen: Dies ist also in der Qualität Ursprung in sich selbst. Aber mitten im Aufsteigen dieses grimmen Geistes wird dieser Geist im süßen Wasser gefangen und wird gesänftiget. Da wandelt sich sein grimmig Quell in eine zitternde, bittere und grünliche Farbe gleich der grünlichen Dunkelheit, und behält in sich aller drei Qualitäten Art und Eigenschaft, als nämlich der feurigen, herben und süßen, und entstehet aus diesen dreien die vierte Qualität, als nämlich die bittere.

19. Denn von der feurigen Qualität wird der Geist zitternd und hitzig. Und von der herben wird er strenge, herbe, hart und körperlich, daß es ein Geist ist, der immer bestehet. Und von der süßen wird er sanft, und die Grimmigkeit verwandelt sich in eine sanfte Bitterkeit. Der stehet nun in dem Quellbrunnen der sieben Geister Gottes und hilft immer die andern sechs Geister gebären.

20. Verstehe dies recht: Er gebäret sowohl seinen Vater und seine Mutter als ihn sein Vater und seine Mutter gebäret. Denn nachdem er körperlich geboren ist, so gebäret er nun mit der herben Qualität immer wieder das Feuer. Und das Feuer gebäret das Licht, und das Licht ist der Blitz. Das gebäret immer wieder das Leben in allen Quellgeistern, davon die Geister das Leben haben und immer einer den andern wieder gebäret.

21. Allhie sollst du aber wissen, daß nicht ein Geist allein kann einen andern gebären, ihrer zweene könnens auch nicht tun, sondern die Geburt eines Geistes stehet in aller sieben Geister Wirkung, ihrer sechs gebären immer den siebenten, und so einer nicht wäre, so wäre der ander auch nicht.

22. Daß ich aber allhier bisweilen nur zweene oder drei zur Geburt eines Geistes ernenne, das tue ich um meiner selbst Schwachheit willen, denn ich kann sie nicht alle sieben in meinem verderbten Gehirne in ihrer Vollkommenheit auf einmal ertragen. Ich sehe sie wohl alle sieben, aber wenn ich spekuliere in sie, so steiget der Geist im mittleren Quellbrunnen auf, da sich der Geist des Lebens gebäret. Der steiget nun über sich oder unter sich und kann die Geister Gottes nicht alle sieben auf einen Gedanken oder auf einmal begreifen, sondern stückweise.

23. Ein jeder Geist hat seinen eigenen Quell, und ob er gleich von den andern geboren wird. Also ist auch die Begreiflichkeit des Menschen. Er hat wohl den Quellbrunnen aller sieben Geister in sich, aber in welchem Quell der Geist aufsteiget, dessen Quellgeister, darinnen derselbe Geist am stärkesten gebildet wird, begreift im selben Aufsteigen am schärfsten. Denn auch in der göttlichen Kraft ein Geist auf einmal in seinem Aufsteigen nicht alle sieben Geister zugleich durchführet. Wenn er aufsteiget, so reget er sie wohl alle sieben auf einmal. Er wird aber in seinem Aufsteigen gefangen, daß er seine Pracht legen muß und nicht über alle sieben triumphieren.

24. Also ists auch im Menschen: Wenn ein Quellgeist aufsteiget, so reget er die andern alle und siehet die andern alle, denn er steiget im mittlern Quellbrunne des Herzens auf, da sich in der Hitze der Blitz des Lichtes anzündet, darinnen der Geist in seinem Aufsteigen in demselben Blitze durch alle Geister siehet. Es ist aber in unserem verderbten Fleische nur wie ein Wetterleuchten, denn so ich den Blitz, den ich gar wohl sehe und erkenne, wie er ist, könnte in meinem Fleische begreifen, so wollt ich meinen Leib damit verklären, so würde er nicht mehr dem tierischen Leibe ähnlich sehen, sondern den Engeln Gottes.

25. Aber höre Fritz, warte noch eine Weile und gib den tierischen Leib den Würmern zur Speise: Wenn aber der ganze Gott wird die sieben Geister Gottes in der verderbten Erden anzünden, alsdann wird derselbe Salitter, den du in die Erde säest, des Feuers nicht fähig sein, so werden deine Quellgeister in deinem Von-Hinnen-Abscheiden in demselben Salitter, den du gesäet hast, wieder aufgehen und darinnen triumphieren und wieder ein Corpus werden. Welcher aber des angezündeten Feuers der sieben Geister Gottes wird fähig sein, der wird darinnen bleiben, und seine Quellgeister werden in höllischer Pein aufsteigen, welches ich an seinem Orte klar beweisen will.

26. Ich kann dir nicht die ganze Gottheit in einem Zirkel beschreiben, denn sie ist unermeßlich, aber dem Geiste, der in Gottes Liebe ist, nicht unbegreiflich. Er begreifts wohl, aber nur stückweise. Darum fasse eine nach dem andern, so wirst du das Ganze sehen. In dieser Verderbung können wir nicht höher denn mit einer solchen Offenbarung. Und nicht höher beschleußt sich diese Welt, beides der Anfang und das Ende. Ich wollte auch gern etwas Höheres sehen in dieser meiner ängstlichen Gebärung, damit mein kranker Adam gelabet würde, aber ich sehe mich in der ganzen Welt um und kann nichts erforschen. Es ist alles krank, lahm und verwundt, dazu blind, taub und stumm.

27. Ich habe viel hoher Meister Schriften gelesen, in Hoffnung den Grund und die rechte Tiefe darinnen zu finden; aber ich habe nichts gefunden als einen halbtoten Geist, der sich ängstet zur Gesundheit, und kann doch um seiner großen Schwachheit willen nicht zur vollkommenen Kraft kommen.

28. Also stehe ich noch als ein ängstlich Weib in der Geburt, suche vollkommenen Labsal und finde nur den Geruch im Aufsteigen, darinnen der Geist prüfet, was in dem rechten Labsal für Kraft stecket und labet sich derweil mit dem vollkommenen Geruche in seiner Krankheit bis der rechte Samariter wird kommen und wird ihm seine Wunden verbinden und heilen und wird ihn in die ewige Herberge führen. Dann wird er auch des vollkommenen Geschmacks genießen.

29. Dieses Kraut, das ich allhie meine, von welches Geruche sich mein Geist labet, kennt nicht ein jeder Bauer, auch nicht ein jeder Doktor. Es ist ja einem wohl so unkenntlich als dem andern. Es wächst wohl in jedem ein Garten, aber in manchem ists ganz verderbet und böse, denn die Qualität des Ackers ist schuld daran. Darum kennt mans nicht; es kennens auch wohl kaum die Kinder dieser Geheimnis, wiewohl diese Erkenntnis von der Welt her teuer gewesen ist.

30. Obgleich in manchem ist ein Quell aufgegangen, so ist die Hoffart hernach gedrungen und hats alles verderbet. Da hat ers in seiner Muttersprache flugs nicht schreiben wollen. Er hat vermeinet, es sei zu kindisch, er müsse sich in tiefer Sprache sehen lassen, damit die Welt sehe, daß er ein Mann sei und hats in seinem Vorteil geleich wie verborgen gehalten und mit tiefen fremden Namen verkleistert, damit mans nicht kennet. Eine solche Bestia ist des Teufels Hoffahrtsucht.

31. Aber höre, du einfältige Mutter, die du alle Kinder zu dieser Welt gebärest, welche sich hernach in ihrem Aufsteigen deiner schämen und dich verachten, und sind doch deine Kinder, die du geboren hast: So spricht der Geist, der in den sieben Geistern Gottes aufsteiget, der da ist dein Vater: Verzage nicht, siehe, ich bin deine Stärke und deine Kraft; ich will dir einschenken einen sanften Trunk in deinem Alter.

32. Weil dich alle deine Kinder verachten, die du geboren und in ihrer Jugend gesäuget hast, und wollen deiner in deinem hohen Alter nicht pflegen, so will ich dich trösten und dir in deinem hohen Alter geben einen jungen Sohn, der soll in deinem Hause bleiben, weil du lebest, und deiner pflegen und dich trösten wider alles Wüten und Toben deiner stolzen Kinder.

Nun merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Scballe

33. Es nehmen alle Qualitäten inmitten ihren anfänglichen Ursprung: Merke, wo das Feuer geboren wird, denn daselbst gehet auf der Blitz des Lebens aller Qualitäten, und wird in dem Wasser gefangen, daß es leuchtend bleibet und in der Herbigkeit vertrocknet, daß er körperlich bleibet und helle scheinend wird.

34. Hie merke: Zünde ein Holz an, so wirst du die Geheimnis sehen. Das Feuer zündet sich an in der Härtigkeit des Holzes. Das ist nun der herbe, harte Quell, der Saturnus-Quell. Der macht das Holz hart und derbe. Nun aber bestehet nicht das Licht, das ist der Blitz in der Härtigkeit, sonst brennete ein Stein auch, sondern das Licht bestehet in dem Saft des Holzes, das ist in dem Wasser. Weil Saft in dem Holze ist, so leuchtet das Feuer als ein scheinend Licht. Wenn aber der Saft in dem Holze verzehret ist, so verlischt das scheinende Licht, und ist das Holz eine glühende Kohle.

35. Nun siehe, die Grimmigkeit, die in dem Lichte auffähret, die besteht nicht in dem Wasser des Holzes, sondern wenn die Hitze in der Härtigkeit aufgehet, so wird der Blitz geboren. Den fänget zuerst der Saft im Holze. Davon wird das Wasser scheinend. Die Grimmigkeit oder Bitterkeit aber wird geboren inmitten der Härtigkeit und der Hitze in dem Blitze, und darinnen bestehet sie auch. Und so weit als der Blitz reicht, das ist des Feuers Lohe, so weit reicht auch die Grimmigkeit der Bitterkeit, welcher der Härtigkeit und Hitze Sohn ist.

36. Dieses Geheimnis aber sollst du wissen, daß die Bitterkeit vorhin schon in dem Holze ist, sonst gebäre sich die grimme Bitterkeit nicht also blitzlich im natürlichen Feuer.

37. Denn gleichwie sich der Corpus des Feuers gebäret, wenn man Holz anzündet, gleich auf eine solche Weise wird auch das Holz in der Erden und über der Erden geboren.

38. So aber die Grimmigkeit in dem scheinenden Lichte geboren würde, so würde sie freilich auch also weit reichen als des Lichtes Glanz; so aber geschieht das nicht. Das ist aber: Der Blitz ist des Lichtes Mutter, denn der Blitz gebäret das Licht von sich und ist der Grimmigkeit Vater, denn die Grimmigkeit bleibet im Blitze als ein Same im Vater, und derselbe Blitz gebäret auch den Ton oder Schall.

39. Wenn er von der Härtigkeit und Hitze ausgehet, so pocht die Härtigkeit im Blitze, und die Hitze klinget und das Licht in dem Licht in dem Blitze macht den Klang helle, und das Wasser macht ihn sanft, und in der Herbigkeit oder Härtigkeit wird er gefangen und vertrocknet, daß es ein körperlicher Geist in allen Qualitäten ist. Denn ein ieder Geist in den sieben Geistern Gottes ist aller sieben Geister schwanger, und sind alle ineinander wie ein Geist. Keiner ist außer dem andern, allein eine solche Geburt hat es darinnen, und also gebäret einer den andern in und durch sich selber. Und die Geburt währet von Ewigkeit zu Ewigkeit also.

40. Allhier will ich den Leser verwarnet haben, daß er die göttliche Geburt recht betrachte: Du sollst nicht denken, daß ein Geist neben dem andern stehe, wie du die Sterne am Himmel siehest nebeneinander stehen, sondern sie sind alle sieben ineinander wie ein Geist, wie du das in einem Menschen kannst sehen, der hat mancherlei Gedanken von wegen der Wirkung der sieben Geister Gottes, welche den menschlichen Corpus innehalten. – Aber du mußt sagen, bist du aber nicht töricht, daß ein jedes Glied im ganzen Corpus jedes andern Kraft hat.

41. In welcher Qualität, daß du aber den Geist erweckest und qualifizierend machest, nach derselben Qualität steigen auch die Gedanken auf und regieren das Gemüte. Erweckest du den Geist im Feuer, so quillet in dir auf der bitter und harte Zorn, denn alsbald das Feuer angezündet wird, welches in der Härtigkeit und Grimmigkeit geschieht, so quellet die bittere Grimmigkeit im Blitze.

42. Denn wenn du dich in deinem Leibe erhebest wider etwas, es sei wider Liebe oder Zorn, wider das du dich nun erhebest, dessen Qualität zündest du an und das brennet in deinem zusammenkorporierten Geiste. In dem Blitze aber wird derselbe Quellgeist erwecket. Denn wenn du etwa ansiehest, das dir nicht gefällt, das wider dich ist, so erhebest du den Brunn des Herzens, als wenn du einen Stein nähmest und schlügest auf ein Feuereisen, und wenn der Funke im Herzen fängt, so zündet sich das Feuer an. Erstlich glimmet es, wenn du aber den Brunn des Herzens sehrer erhebest, so ist es, als wenn du ins Feuer bliesest, daß sich die Lohe anzündet, dann ist es Zeit zu löschen oder wird das Feuer zu groß, so brennets und verzehrets und tut an seinem Nächsten Schaden.

43. Sprichst du nun: Wie kann man das angezündete Feuer löschen? – Höre, hast du das süße Quellwasser in dir, geu ß ins Feuer, so erlischts; lässest du es brennen, so verzehret es dir den Saft in allen sieben Quellgeistern, daß du trocken wirst. Wenn das geschieht, so bist du ein Höllenbrand und Schürknittel des höllischen Feuers, und ist dir ewig kein Rat.

44. Wenn du aber etwa ansiehest, das dir liebet und erweckest den Geist im Herzen, so zündest du das Feuer im Herzen an. Das brennet erstlich im süßen Wasser als eine glühende Kohle. Weil es nun glimmet, so ists nur eine sanfte Lust in dir und verzehret dich nicht. Wenn du aber dein Herz sehrer erhebst und zündest den süßen Quell an, daß er eine brennende Lohe wird, so zündest du alle Quellgeister an. Dann brennet der ganze Leib und greifet zu Maul und Hände.

45. Dieses Feuer ist das schädlichste, und hat von der Welt her am meisten verderbet, und ist gar schwer zu löschen. Denn wenn es angezündet wird, so brennet es im süßen Wasser, im Blitze des Lebens, und muß durch die Bitterkeit gelöschet werden, welches doch gar ein elend Wasser ist, sondern vielmehr Feuer. Darum folget auch ein trauriges Gemüte, wenn er das soll lassen, das in seinem Liebefeuer brennet in dem süßen Quellwasser.

46. Aber das sollst du wissen, daß du in deinem Regiment des Gemütes dein eigen Herr bist. Es gehet dir kein Feuer in deinem Zirkel des Leibes und Geistes auf, du erweckest es denn selber. Wahr ists, es quellen alle deine Geister in dir und steigen in dir auf, und hat freilich ein Geist immer größere Macht und Kraft in dir als der ander. Denn wenn in einem Menschen das Regiment der Geister wäre wie im andern, so hätten wir alle einen Willen und Gestalt, aber sie sind alle sieben in der Gewalt deines zusammenkorporierten Geistes, welcher Geist die Seele heißt.

47. So sich nun ein Feuer in einem Quellgeist erhebet, so ists der Seelen nicht verborgen. Sie mag alsbald die andern Quellgeister aufwecken, die dem angezündeten Feuer zuwider sind, und mag löschen. Will aber das Feuer zu groß werden, so hat sie ihr Gefängnis. Da mag sie den angezündeten Geist einschließen, als nämlich in die harte, herbe Qualität. Und die andern Geister müssen ihre Stockmeister sein, bis ihnen der Zorn vergehet und das Feuer auslischet.

48. Merke, was das ist: Wenn dich ein Quellgeist zu hart zu einem Dinge treibet, das wider der Natur Gesetze ist, so mußt du deine Augen davon abwenden. Will das nicht helfen, so nimm denselben Geist und wirf ihn ins Gefängnis. Das ist, wende dein Herze von zeitlicher Wollust, von Fressen und Saufen, von dem Reichtum dieser Welt, und denke, daß heute der Tag deines Leibes Ende ist. Wende dich von der Welt Üppigkeit und rufe ernstlich zu Gott und ergib dich ihm.

49. Wenn du das tust, so spottet die Welt deiner, und mußt ihr Narr sein. Dies Kreuz trage mit Geduld, und laß den gefangenen Geist nicht wieder aus dem Gefängnis, und traue Gott, er wird dir aufsetzen die Krone der göttlichen Freuden.

50. Reißt dir aber der Geist wieder aus dem Gefängnis, so setze ihn wieder hinein. Halt Part mit ihm, weil du lebest. Wenn du nur so viel erhälst, daß er dir nicht den Brunnquell des Herzens gar anzündet, davon deine Seele ein dürr Feuerholz wird und jeder Quell noch seinen Saft hat, wenn du von hinnen scheidest, so wird dir das angezündete Feuer am Jüngsten Tage nichts schaden, und wird nach dieser ängstlichen Trübsal in der Auferstehung ein triumphierender Engel Gottes sein.

51. Nun möchtest du sagen: Ist denn in Gott auch ein Widerwille zwischen den Geistern Gottes? Nein, ob ich gleich allhie ihre ernstliche Geburt anzeige, wie die Geister Gottes so ernstlich und strenge geboren werden, dabei ein jeder gar wohl den großen Ernst Gottes verstehen mag, so erfolget darum nicht, daß eine Uneinigkeit zwischen ihnen sei.

52. Denn die allerinnerlichste, tiefste Geburt im Kern ist nur also, welches keine Kreatur im Corpus kann ergreifen, sondern im Blitze, wo der verborgene Geist geboren wird, da wird es ergriffen. Denn derselbe wird auch auf eine solche Weise und in solcher Kraft geboren.

53. Mir aber wird die Porte meines Gemüts eröffnet, daß ichs sehen und erkennen kann, sonst würde es bei mir wohl verborgen bleiben bis an Tag der Auferstehung von den Toten. Es ist auch von der Welt her allen Menschen verborgen gewesen, aber ich lasse es Gott walten.

54. In Gott triumphieren alle Geister wie ein Geist. Und ein Geist sänftiget und liebet immer den andern, und ist nichts denn eitel Freude und Wonne. Ihre strenge Geburt aber, welche im Verborgenen geschieht, die muß also sein. Denn das Leben und der Verstand und die Allwissenheit wird also geboren, und das ist eine ewige Geburt, die keinmal anders ist.

55. Du mußt nicht denken, daß im Himmel etwa ein Corpus sei, der nur also geboren werde, den man für alles andere Gott heiße. Nein, sondern die ganze göttliche Kraft, die selber Himmel und aller Himmel Himmel ist, wird also geboren. Und das heißt Gott der Vater, aus dem alle hl. Engel sind geboren worden und auch in derselben Kraft leben, und wird auch aller Engel Geist in ihrem Corpus immer und ewig also geboren, dazu auch aller Menschen Geist.

56. Denn diese Welt gehöret gleichwohl zum Corpus Gottes des Vaters als der Himmel. Aber die Geister sind in der Räumlichkeit dieser Welt durch König Luzifer angezündet worden in seiner Erhebung, daß alles in dieser Welt wie halb verschrnachtet und tot ist. Darum sind wir armen Menschen so gar verblendet und leben in großer Gefährlichkeit.

57. Du sollst aber darum nicht denken, daß das himmlische Licht in dieser Welt in den Quellgeistern Gottes gar verlöschen sei. Nein, es ist nur eine Dunkelheit, welches wir mit unsern verderbten Augen nicht ergreifen können. So aber Gott die Dunkelheit wegtut, die über dem Lichte schwebet und würden dir deine Augen eröffnet, so sähest du auch hie an der Stelle, wo du in deinem Gemache stehest, sitzest oder liegest das schöne Angesichte Gottes und die ganze himmlische Porten. Du dürftest deine Augen nicht erst in Himmel schwingen, denn es stehet geschrieben: Das Wort ist dir nahe, nämlich auf deiner Lippen und in deinem Herzen, Deut 30,14; Röm 10,8.

58. Also nahe ist dir Gott, daß die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit auch in deinem Herzen geschieht. Es werden alle drei Personen in deinem Herze geboren, Gott Vater, Sohn, Hl. Geist.

59. Wenn ich nun allhie schreibe von dem Centro oder Mitten, daß der Quellbrunn der göttlichen Geburt in der Mitten sei, so hats nicht die Meinung, daß im Himmel ein besonderer Ort sei oder ein besonderer Corpus, da das Feuer des göttlichen Lebens aufgehe, aus welchem die sieben Geister Gottes ausgehen in die ganze Tiefe des Vaters, sondern ich rede auf körperliche oder englische oder menschliche Weise um des Lesers Unverstandes willen, auf Art und Weise, wie die englischen Kreaturen sind gebildet worden und wie es in Gott überall ist.

60. Denn du kannst keinen Ort, weder im Himmel noch in dieser Welt erkennen, da die göttliche Geburt nicht also sei, es sei gleich einem Engel und heiligen Menschen oder außer demselben. Wo ein Quellgeist in der göttlichen Kraft gerüget wird, die Stätte sei gleich, wo sie wolle, nur in den Teufeln nicht und in allen gottlosen verdammten Menschen nicht, so ist schon der Quellbrunn der göttlichen Geburt vorhanden. Da sind schon alle sieben Quellgeister Gottes, als wenn du einen räumlichen, kreatürlichen Zirkel schlössest und hättest die ganze Gottheit besonders darinnen, gleichwie sie in einer Kreatur geboren wird, also auch in der ganzen Tiefe des Vaters an allen Enden und in allen Dingen.

61. Und auf eine solche Weise ist Gott ein allmächtiger, allwissender, allsehender, allhörender, allriechender, allschmeckender, allfühlender Gott, der über ist und der Kreaturen Herzen und Nieren prüfet. Und auf solche Weise ist Himmel und Erde sein, und auf eine solche Weise rnüssen alle Teufel samt allen gottlosen Menschen seine ewigen Gefangenen sein und in dem Salitter, den sie in ihrem Loco verderbet und angezündet haben, ewige Pein leiden und dazu ewige Schmach und Schande.

62. Denn das ganze schöne Angesichte Gottes samt allen hl. Engeln wird über ihnen und unter ihnen und auf allen Seiten neben ihnen schön, herrlich und klar leuchten. Und alle hl. Engel mitsamt allen heiligen Menschen werden über ihnen und unter und neben ihnen ewig triumphieren und von großer Freude, Wonne und Lieblichkeit singen, von Gottes Heiligkeit, von ihrem königlichen Regiment, von der holdseligen Frucht des himmlischen Gewächses, und das wird nach der Qualität der sieben Geister Gottes auf viel Stimmen ergehen.

63. Dagegen werden die Teufel mit allen gottlosen Menschen in eine Höhle gezwänget werden. Allda wird höllischer Gestank quellen und aufsteigen. Und das höllische Feuer und höllische Kälte und Bitterkeit wird nach Art und Weise der angezündeten Geister Gottes ewig in ihrem Corpus, sowohl auch in ihrem Revier brennen. Ja, wenn sie noch könnten in ein Loch gesperret werden, daß sie das zornige Angesicht Gottes nicht berührte, so wären sie noch zufrieden und dürften nicht ewige Schmach und Schande ertragen.

64. Aber da ist keine Hilfe, ihre Qual wird nur größer. Je mehr sie es betrauern, je mehr zündet sich die höllische Grimmigkeit an. Sie müssen in der Höllen liegen wie die Totenbeine, wie die versengten Schafe im Feuer. Ihr Gestank und Greuel naget sie, sie dürfen ihre Augen nicht aufheben vor Schande, denn sie sehen in ihrem Revier nichts als nur einen strengen Richter. Und über sich und auf alle Seiten sehen sie die ewige Freude.

65. Da ist Ach und Weh, Gelfen und Schreien und keine Errettung. Ihnen ist als wenns immer donnert und wetterleuchtet, denn also gebären sich die angezündeten Geister Gottes. 1. Die Härtigkeit gebäret hart, rauhe, kalte und herbe Qualität; 2. die Süßigkeit ist verschmachtet als wie eine glühende Kohle, da kein Saft mehr im Holze ist, die lechzet und ist kein Labsal da; 3. die Bitterkeit reißt wie hitzige Pestilenz und ist bitter als Gallen; 4. das Feuer brennet als grimmiger Schwefel; 5. die Liebe ist eine Feindschaft; 6. der Schall ist nichts als hart Pochen gleich einem hohlen Feuerklang, als ob es einen Donnerschlag tät; das Revier des Corpus ist ein Trauerhaus. Ihre Speise ist Greuel, und wächst aus aller Qualität Grimmigkeit. Ach und ewig ohne Ende, da ist keine Zeit! Ein ander König sitzet auf ihrem Stuhle, der hält ein ewig Gerichte, sie sind nur seiner Füße Schemel.

66. Ach Schönheit und Wollust dieser Welt, o Reichtum und stolze Pracht, o Macht und Gewalt! Dein unrechtes Gerichte und große Pracht mit aller deiner Wollust liegt alles auf einem Haufen und ist höllisch Feuer worden. Nun friß und sauf, nun schminke dich mit, nun herrsche darinnen; du schöne Göttin, wie bist du zur Hure worden, und deine Schande und Schmach währet ewiglich!