96. Ausgießung des Heiligen Geistes

1. Nachdem die Jünger von dem Berge herabgekommen waren, versammelten sie sich im oberen Raume und vereinigten sich alle zum gemeinsamen Gebet und Bittopfer; und ihre Zahl war ungefähr 120.

2. Und an diesem Tage stand Jakobus auf und sagte: „Männer und Brüder, ihr wisst, wie der Herr, bevor er uns verließ, Petrus auserwählte, damit er uns vorstehe und über uns wache in seinem Namen, und sagte, dass es notwendig sei, einen von denen, die mit uns und Zeuge seiner Auferstehung gewesen sind, auszuwählen und an seine Stelle zu setzen.“

3. Und sie wählten zwei, Barsabas und Matthias, und sie beteten und sprachen: „O Gott, der du die Herzen aller Menschen kennest, zeige uns an, welchen von den beiden du ausersehen hast, an der Apostelschaft teilzunehmen, aus welcher du deinen Diener Petrus erhoben hast, uns vorzustehen.“

4. Und sie gaben ihre Stimme ab, und das Los fiel auf Matthias, und die Zwölf nahmen ihn auf, und er wurde unter die Apostel gezählt.

5. Dann lösten Johannes und Jakobus Petrus aus ihrer Zahl heraus durch Auflegen der Hände, damit er ihnen vorstehe im Namen des Herrn, und sie sprachen: „Bruder, sei gleich einem behauenen Stein mit sechs Flächen, du, Petros, bist Petra, trägst das Zeugnis der Wahrheit auf jeder Seite.“

6. Und den Aposteln wurden Stäbe gegeben, um ihre Schritte auf dem Wege der Wahrheit zu lenken und Kronen des Ruhmes zugleich, und den Propheten brennende Lampen, um Licht zu streuen auf den Weg, und Weihrauchfässer mit Feuer; und den Evangelisten das Buch und das heilige Gesetz, um das Volk an die ersten Grundsätze zu erinnern; und den Hirten wurde der Kelch und der Teller gegeben, um die Herde zu speisen und zu nähren.

7. Doch nichts ward einem gegeben, das nicht allen gegeben worden wäre; denn alle waren eine Priesterschaft unter Christus als ihrem Meister und Hohepriester im Tempel Gottes; und den Diakonen wurden Körbe gegeben, damit sie die Dinge darein legten, die notwendig waren für das heilige Opfer. Und ihre Zahl war an die 120, und Petrus stand ihnen vor.

8. Und als der siebte Tag gekommen war, waren sie alle einmütig beieinander im selben Hause, und wie sie beteten, da kam ein Ton vom Himmel wie das Brausen eines gewaltigen Windes, und der Raum, in dem sie versammelt waren, wurde erschüttert, und er füllte das ganze Haus.

9. Und es erschienen geteilte Zungen wie feurige Flammen und schwebten über dem Haupte eines jeden. Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geiste, und sie fingen an zu reden mit Zungen, wie der Geist ihnen zu sprechen gab. Da stand Petrus auf und predigte das Gesetz Christi der Menge aus allen Ländern und Sprachen, welche hier zusammen waren. Nach dem Berichte derer, die das gesehen und gehört haben, vernahm jeder Mann das Wort in seiner eigenen Sprache, in der er geboren war.

10. Und aus denen die zugehört hatten, waren an diesem Tage 3000 Seelen in die Gemeinde gesammelt worden, und sie erhielten das heilige Gesetz, bereuten ihre Sünden und empfingen die Taufe und setzten ihr Leben in der Bruderschaft der Apostel, in ständigem Opfer und Gebet fort.

11. Und die, welche glaubten, gaben all ihren Besitz auf, hatten alles gemeinsam und lebten beisammen am gleichen Orte und erwiesen die Liebe und Güte Gottes ihren Brüdern und Schwestern und allen Geschöpfen. Sie arbeiteten mit ihren Händen zu dem allgemeinen Wohle.

12. Und von diesen wurden zwölf berufen, um Propheten zu sein mit den zwölf Evangelisten und zwölf Hirten und ihre Helfer dazu und Diakone der universellen Gemeinde, und sie waren 120 an der Zahl. Und so war der Tempel Davids aufgerichtet, aus lebenden Menschen voll Güte, so wie der Meister es ihnen gezeigt hatte.

13. Und der Gemeinde in Jerusalem wurde Jakobus, der Bruder des Herrn, gegeben als Vorsteher und Engel und dazu 24 Priester in einem vierfachen Amte und auch Diakone und ihre Helfer. Und nach sechs Tagen kamen viele zusammen, und es kamen 6000 Männer und Frauen hinzu, die das heilige Gesetz der Liebe empfingen, und sie empfingen mit Freude das Wort.

14. Und wie sie am Tage des Herrn, nachdem der Sabbat vorüber war, versammelt waren und das heilige Opfer darbrachten, vermissten sie Maria und Joseph, die Eltern Jesu. Und sie suchten nach ihnen, fanden sie aber nicht.

15. Und einige unter ihnen sagten: „Sicher hat sie der Herr hinweggenommen wie Magdalena.“ Und sie wurden von Scheu erfüllt und sangen das Lob Gottes.

16. Und der Geist Gottes kam über die Apostel und die Propheten unter ihnen, und da sie sich erinnerten, was der Herr sie gelehrt hatte, bekannten und priesen sie Gott alle mit einer Stimme und sprachen:

17. „Wir glauben an Einen Gott: den Unendlichen, den geheimen Ursprung, den ewigen Vater, von dem alle Dinge kommen, die unsichtbaren und die sichtbaren, dem All in allem durch alles und um alles: Der heilige Eine, in dem alle Dinge bestehen, was war, was ist und was sein wird.

18. Wir glauben an einen Herrn, unsere Herrin, den vollkommenen heiligen Christus: Gott von Gott, Licht vom Lichte gezeugt. Unser Herr, der Vater, Bräutigam und Sohn. Unsere Herrin, die Mutter, die Braut und die Tochter. Drei Gestalten in Einer ungeteilten Wesenheit. Eine zweifache Dreieinigkeit. Dass Gott offenbar werde als der Vater, Bräutigam und Sohn von jeder Seele, und dass jede Seele vollkommen werde als die Mutter, die Braut und die Tochter Gottes.

19. Und dies durch das Aufsteigen der Seele in den Geist und das Herabsteigen des Geistes in die Seele. Der Geist kommt vom Himmel und ist Fleisch geworden aus der ewig gesegneten Jungfrau, in Jesus und jedem Christus Gottes, und wurde geboren und lehrte den Weg des Lebens und litt unter den weltlichen Herrschern und wurde gekreuzigt und begraben und stieg hinab zu der Hölle. Und der wieder aufersteht und auffährt in Herrlichkeit, von wo er allen das Licht und das Leben spendet.

20. Wir glauben an den siebenfachen Geist Gottes, den Lebensspender, der aus den Heiligen Zwei hervorgeht, der über Jesus kommt und über alle, die treu sind dem inneren Licht; der in der Gemeinde wohnt, in dem von Gott erwählten Israel; der immerdar in die Welt kommt und jede Seele erleuchtet, die da sucht; der das Gesetz gibt, das die Lebenden und die Toten richtet; der durch die Propheten aller Zeiten und Länder spricht.

21. Wir glauben an eine heilige allgemeine und apostolische Gemeinde: die Zeugin aller Wahrheit, die Erhalterin und Spenderin derselben. Erschaffen vom Geiste und dem Feuer Gottes; genährt von den Wassern, Saaten und Früchten der Erde. Die durch den Geist des Lebens, ihre zwölf Bücher und Sakramente, ihre heiligen Worte und Werke die Erwählten in einer mystischen Vereinigung zusammenschließt und die Menschheit mit Gott vereinigt, die uns zu Teilhabern des Göttlichen Lebens und Wesens macht, dieses bezeugend in den heiligen Symbolen.

22. Und wir erwarten die Wiederkehr des allumfassenden Christus und des Reiches Gottes, worin Gerechtigkeit besteht. Und die heilige Stadt, welche zwölf Tore hat: Darin sind der Tempel und der Altar Gottes. Von wo drei Ordnungen in vierfachem Amte hervorgehen, alle Wahrheit zu lehren und das tägliche Opfer des Lobpreises darzubringen.

23. Und so innen wie außen. Im großen wie im kleinen. So oben wie unten, wie im Himmel, so auch auf Erden. Wir glauben an die Läuterung der Seele durch viele Geburten und Erfahrungen, die Auferstehung von den Toten, an das ewige Leben aller Gerechten, von Ewigkeit zu Ewigkeit und Ruhe in Gott für immer. – Amen.“

24. Und wie die Wolken des Weihrauches aufstiegen, da wurde der Klang vieler Glocken gehört, und eine Menge der Himmelsscharen pries Gott und sprach:

25. „Ruhm, Ehre, Lob und Preis sei Gott, dem Vater, Bräutigam und Sohne, eins mit der Mutter, Braut und Tochter, von dem der Ewige Geist hervorgeht, durch den alle Wesen geschaffen sind. Von aller Ewigkeit, jetzt und in alle Ewigkeit – Amen – Allelujah, Allelujah, Allelujah.

26. Und wenn irgendeiner von den Worten dieses Evangeliums nimmt oder hinzufügt oder wie unter einem Scheffel das Licht desselben verbirgt, das Licht, das uns, den zwölf Zeugen, erwählet von Gott zur Erleuchtung der Welt, zu ihrer Erlösung, durch den Heiligen Geist gegeben ist: Lasset ihn sein Anathema Maranatha, bis zum Erscheinen des Christus Jesus, unseres Erlösers, mit allen Heiligen. Amen.“

Hier endet das Heilige Evangelium des vollkommenen Lebens von Jesus, dem Christus, dem Sohne Davids dem Fleische nach, dem Sohne Gottes dem Geiste nach. Hier endet ebenso das Evangelium der heiligen Zwölf, das ursprünglich von den Aposteln festgehalten und später den wahren Nachfolgern des Meisters übergeben wurde in den frühen Tagen der Gemeinde von Jerusalem. Ehre sei Gott, durch dessen Kraft dies geschrieben worden ist!

Das Evangelium des vollkommenen Lebens