89. Jesus erscheint am See Genezareth

1. Danach zeigte sich Jesus abermals den Jüngern am See bei Tiberias auf diese Weise: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, genannt Didymus, und Nathanael von Kana in Galiläa und Jakobus und Johannes und zwei andere seiner Jünger.

2. Petrus sagt zu ihnen: „Ich will fischen gehen.“ Sie sagen zu ihm: „So wollen wir mit dir gehen.“ Sie gingen hinaus und stiegen sogleich in einen Kahn, und in derselben Nacht fingen sie nichts. Und da der Morgen gekommen war, stand Jesus am Ufer; aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

3. Da sprach Jesus zu ihnen: „Kinder, habet ihr etwas zu essen?“ Sie antworteten ihm: „Nicht genug für alle. Nur einen kleinen Laib Brot, ein wenig Öl und ein paar getrocknete Früchte.“ Und er sprach zu ihnen: „Lasset es genug sein. Kommt und esset!“

4. Und er segnete sie, und sie aßen und wurden satt. Und da war auch ein Krug voll Wassers, und er segnete ihn gleichfalls, und siehe, es wurde zur Frucht der Rebe.

5. Und sie verwunderten sich und sagten: „Es ist der Herr.“ Und keiner der Jünger wagte ihn zu fragen: „Wer bist du?“ Denn sie wussten, dass es der Herr war.

6. Das ist nun das sechste Mal, dass Jesus sich seinen Jüngern zeigte, nachdem er von den Toten auferstanden war. Da sie nun gegessen hatten, spricht Jesus zu Petrus: „Sohn des Jonas, liebst du mich mehr als diese?“ Er sagt zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Er spricht zu ihm: „Weide meine Lämmer!“ Er spricht wieder zum zweiten Male zu ihm: „Petrus, Sohn des Jonas, liebst du mich?“ Er sagt zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Er sagt zu ihm: „Weide meine Schafe!“

7. Er spricht zum dritten Mal zu ihm: „Petrus, Sohn des Jonas, liebst du mich?“ Petrus war traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sprach: Liebst du mich? Und er sagte zu ihm: „Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe.“

8. Jesus spricht zu ihm: „Weide meine Herde. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Du bist ein Felsen aus dem großen Felsen, und auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde erbauen, und ich will dich erhöhen unter meinen Zwölf zu meinem Stadthalter auf Erden, zu einem Mittelpunkt der Einheit für die Zwölf, und ein anderer wird berufen und auserwählt werden, deinen Platz unter den Zwölfen auszufüllen, und du sollst der Diener der Diener sein und weiden meine Widder, meine Schafe und meine Lämmer.

9. Und noch ein anderer wird aufstehen, und er wird viele Dinge lehren, die ich euch schon gelehrt habe, und er wird das Evangelium verbreiten unter den Heiden mit großem Eifer. Aber die Schlüssel des Himmelreiches will ich denen geben, die dir nachfolgen in meinem Geiste und meinem Gesetze gehorchen.

10. Und abermals sage ich dir: Da du jung warst, da gürtetest du dich und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hand ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ Das sagte er aber, um zu zeigen, mit welchem Tode er Gott verherrlichen würde.

11. Und da er das gesagt, sprach er zu ihm: „Folge mir nach!“ Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger, welchen Jesus lieb hatte. Und da er ihn sah, sagte er zu Jesus: „Herr, und was soll dieser tun?“ Jesus sprach zu ihm: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“

12. Da kam ein Gerede unter den Brüdern auf, dass dieser Jünger nicht sterben werde. Doch Jesus sprach nicht zu ihm: „Er wird nicht sterben, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“