78. Der Verrat des Judas – Die Verleugnung des Petrus

1. Während er noch sprach, siehe, da kam eine Schar, und Judas, genannt Ischarioth, ging vor ihnen her. Denn Judas hatte von den Hohepriestern und Pharisäern eine Schar Waffenknechte und Hauptleute erhalten. Sie waren mit Laternen, Fackeln und Waffen hierhergekommen.

2. Jesus aber wusste alles, was mit ihm geschehen sollte. Er trat vor und sprach zu ihnen: „Wen suchet ihr?“ Sie antworteten ihm: „Jesus von Nazareth.“ Jesus sprach zu ihnen: „Ich bin es.“

3. Sobald er zu ihnen gesagt hatte ‚Ich bin es`, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Als sie aufgestanden waren, fragte er sie abermals: „Wen suchet ihr?“ Und sie sagten: „Jesus von Nazareth.“ Jesus antwortete: „Ich bin es.“ Und da sie dies hörten, wichen sie wieder zurück und fielen zu Boden. Und als sie sich erhoben hatten, fragte er wieder: „Wen suchet ihr?“ Und sie sagten: „Jesus von Nazareth.“ Und Jesus antwortete: „Ich habe es euch gesagt, ich bin es. Suchet ihr mich, so lasset diese gehen.“

4. Nun gab der Verräter ihnen ein Zeichen und sprach: „Welchen ich küssen werde, der ist es, den greifet.“

5. Und er trat zu Jesus und sprach: „Sei gegrüßt, Meister“, und küsste ihn. Und Jesus sprach zu ihm: „Freund, warum bist du gekommen? Mit einem Kusse verrätst du den Menschensohn?“

6. Da sprach Jesus zu den Hohepriestern und Obersten des Tempels und den Ältesten, die mitgekommen waren: „Ihr seid ausgegangen wie zu einem Diebe, mit Schwertern und mit Stangen. Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr nicht die Hände nach mir ausgestreckt; doch jetzt ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.“

7. Da kamen sie herbei und legten Hand an ihn. Und Simon Petrus streckte seine Hand aus, zog sein Schwert, traf einen Knecht des Hohepriesters und hieb ihm ein Ohr ab.

8. Da sprach Jesus zu ihm: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Platz; die das Schwert ergreifen, werden durch das Schwert umkommen.“ Und Jesus berührte sein Ohr und heilte ihn.

9. Und zu Petrus sprach er: „Meinst du, dass ich nicht jetzt meinen Vater bitten könnte, dass er mir sofort mehr denn zwölf Legionen Engel zuschickt? Aber wie soll dann die Schrift erfüllt werden, nach der dies geschehen muss?“

10. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Die aber Jesus ergriffen hatten, führten ihn hinweg zu Kaiphas, dem Hohepriester. Aber sie brachten ihn zuerst zu Hannas, dem Schwiegervater des Kaiphas, welcher der Hohepriester dieses Jahres war.

11. Nun war es aber Kaiphas, der den Juden den Rat gab, dass es vorteilhaft wäre, wenn ein Mensch für die Sünden des Volkes sterbe.

12. Die Schriftgelehrten und die Ältesten waren versammelt, aber Petrus, Johannes und Judas folgten von ferne bis in den Palast des Hohepriesters. Sie gingen hinein und setzten sich zu den Knechten, auf dass sie sähen, was für ein Ende es nähme.

13. Und sie hatten ein Feuer angezündet in der Mitte der Halle; und als sie sich gesetzt hatten, setzte sich Petrus unter sie und wärmte sich.

14. Aber eine Magd erblickte ihn, wie er bei dem Feuer saß, betrachtete ihn genau und sagte: „Dieser Mann war auch bei ihm.“ Er aber leugnete ihn und sagte: „Weib, ich kenne ihn nicht.“

15. Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sagte: „Du bist auch einer von ihnen.“ Und Simon Petrus sagte: „Mann, ich bin es nicht.“

16. Und noch vor Ablauf einer Stunde versicherte ein anderer glaubwürdig und sagte: „Wahrhaftig, der da war bei Jesus von Nazareth. Seine Sprache verrät ihn.“

17. Und Simon leugnete zum drittenmal mit einem Schwur und sagte: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Und sofort, während er noch sprach, krähte der Hahn.

18. Und der Herr wandte sich um und blickte zu Simon. Und Simon dachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm gesagt hatte: „Ehe der Hahn an diesem Tag kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.“ Und Simon ging hinaus und weinte bitterlich.