76. Die Fußwaschung – Das letzte Abendmahl

1. Und als das Passahessen beendet war, wurden die Lichter angezündet, denn es war Abend. Und Jesus stand von der Tafel auf, legte sein Oberkleid ab und band sich einen Schurz um. Danach goss er Wasser in ein Becken, wusch allen den vier mal Zwölf die Füße und trocknete sie mit dem Schurze, mit dem er umgürtet war.

2. Und einer von ihnen sagte: „Herr, du solltest mir nicht die Füße waschen.“ Und Jesus sprach: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Teil an mir.“ Und er antwortete: „Herr, nicht die Füße allein, sondern auch mein Haupt und meine Hände.“

3. Und Jesus sprach zu ihm: „Wer aus dem Bade kommt, der muss nur noch die Füße waschen, denn er ist ganz rein.“

4. Da er nun sein Gewand von reinstem weißen Leinen ohne Makel und Saum wieder angelegt hatte, setzte er sich wieder an die Tafel und sprach zu ihnen: „Wisset ihr, was ich euch getan habe? Ihr heißet mich Herr und Meister, und ihr saget es recht, denn ich bin es. Und so wie ich nun eure Füße gewachsen habe, so sollt auch ihr einer des anderen Füße waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, dass ihr tuet, was ich euch getan habe.

5. Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander und alle Geschöpfe Gottes liebet. Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Liebe ist von Gott, und Gott ist Liebe. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht.

6. Jetzt seid ihr rein durch das Wort, das ich zu euch gesprochen habe. Daran sollen euch alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr euch untereinander liebet und Barmherzigkeit und Liebe zeiget allen Geschöpfen Gottes, besonders denen, die schwach und unterdrückt sind und unschuldig leiden. Denn die ganze Erde ist voll von dunklen Orten der Grausamkeit, mit Pein und Angst, wegen der Selbstsucht und der Unwissenheit der Menschen.

7. Ich sage euch, liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, und gebet ihnen Licht in ihrer Finsternis, und lasset den Geist der Liebe in eurem Herzen wohnen und zu allen überströmen. Und abermals sage ich euch: Liebt einander und alle Geschöpfe Gottes.“ Und als er zu Ende war, sprachen alle: „Gelobt sei Gott.“

8. Und dann erhob er seine Stimme, und sie schlossen sich zusammen und sprachen: „So wie der Hirsch verlangt nach den Wasserbächen, so verlangt meine Seele nach dir, o Gott!“ Und als sie geendigt hatten, brachte ihm einer ein Weihrauchgefäß mit glühenden Kohlen, und er streute Weihrauch darauf, denselben Weihrauch, den ihm seine Mutter am Tage seiner Offenbarung gegeben hatte, und die Süßigkeit des Duftes erfüllte den Raum.

9. Dann stellte Jesus die Schüssel vor sich und dahinter den Kelch, und die Augen gegen Himmel erhoben, dankte er Gott für seine Güte in allem und für alle und nahm das ungesäuerte Brot in seine Hände und segnete es. Dann mischte er den Wein mit Wasser und segnete ihn, sang die Anrufung des siebenfachen heiligen Namens, rief an den Dreieinigen, auf dass er den Heiligen Geist herabsende und das Brot zu seinem Leibe mache, nämlich den Leib Christi, und den Wein in Sein Blut, nämlich das Blut Christi, zur Vergebung der Sünden und zu einem ewigen Leben für alle, die dem Evangelium gehorchen.

10. Und er hob die Opfergaben zum Himmel und sprach: „Der Menschensohn wird erhöht von der Erde, und ich werde alle Menschen zu mir ziehen. Dann werden alle wissen, dass ich von Gott gesandt bin.“

11. Und als dies geschehen war, sprach Jesus diese Worte und erhob seine Augen gegen Himmel: „Abba, die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn in dir verherrlicht werde.

12. Ja, du hast mich verherrlicht, du hast mein Herz mit Feuer erfüllt, du hast Lichter gestellt zu meiner Rechten und zu meiner Linken, auf dass kein Teil von mir ohne Licht wäre. Deine Liebe scheint zu meiner rechten Hand und deine Weisheit zu meiner linken. Deine Liebe, deine Weisheit und deine Macht sind in mir offenbar.

13. Ich habe dich verherrlicht auf Erden, ich habe das Werk vollendet, das du mir zu tun gegeben hast. Heiliger Einer, erhalte durch deinen Namen die Zwölf und ihre Gefährten, die du mir gegeben hast, dass sie eins werden, ebenso wie wir eins sind. Während ich mit ihnen in der Welt war, führte ich sie in deinem Namen, und keiner ist verloren; denn der von uns gegangen ist, war nicht der unsere, aber ich bete für ihn, dass er gerettet werde. Vater, vergib ihm, denn er weiß nicht, was er tut.

14. Und nun komme ich zu dir, und dies spreche ich zur Welt, damit sich meine Freude in ihnen erfülle. ich gebe ihnen dein Wort, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von dieser Welt, ebenso wie ich nicht von der Welt bin.

15. Ich bitte nicht, dass du sie von dieser Welt nimmst, sondern dass du sie vor Bösem bewahrst, solange sie in der Welt sind. Sie sind nicht von dieser Welt, ebenso wie ich nicht von der Welt bin. Segne sie durch deine Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt sandtest, so sende ich sie in die Welt, und um ihretwillen heilige ich mich, auf dass sie auch geheiligt werden durch die Wahrheit.

16. Ich bete nicht für sie allein, sondern für alle, die dazukommen, und für die Zweiundsiebzig, die ich auch aussandte, und für alle, die an die Wahrheit glauben werden durch dein Wort, damit sie auch eins werden wie du, Allerheiligster, in mir bist und ich in dir, dass sie auch eins werden in dir und dass die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast.

17. Heiliger Vater, ich will auch, dass alle, die du mir gegeben hast, ja alle, die leben, mit mir sind, wo ich bin, auf dass sie teilhaben an der Herrlichkeit, die du mir gibst, da du mich liebest in allen und alle in mir, bevor die Welt erschaffen worden ist.

18. Die Welt hat dich nicht erkannt in deiner Gerechtigkeit, ich aber erkenne dich, und diese wissen, dass du mich gesandt hast.

19. Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und dass sie von ihnen überströme auf alle deine Geschöpfe, ja, auf alle.“ Und da er diese Worte gesprochen hatte, erhoben alle ihre Stimmen mit ihm und beteten, wie er sie gelehrt hatte:

20. Unser Vater, der Du über uns und in uns bist,

geheiligt werde Dein Name in Dreieinigkeit.

Dein Reich komme zu allen in Weisheit, Liebe und Gerechtigkeit.

Dein heiliger Wille geschehe immerdar wie im Himmel so auf Erden.

Gib uns täglich Anteil an Deinem heiligen Brot

und die Frucht Deiner lebendigen Rebe.

So wie du unsere Schuld vergibst,

so mögen wir anderen vergeben, die sich vergehen an uns.

Während wir versuchen, andere zur Vollendung zu führen,

vollende uns in Deinem Christus.

Schenke uns Deine Güte, auf dass wir den andern das Gleiche tun können.

In der Stunde der Versuchung befreie uns vom Bösen.

21. Denn Dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit: Im Anfange, jetzt und immerdar.

Amen.“

22. Dann nahm unser Meister das heilige Brot und brach es und ebenso die Frucht des Weinstockes und mischte sie und segnete beides. Und er ließ ein Stückchen des Brotes in den Kelch fallen und segnete die heilige Vereinigung.

23. Und dann gab er das Brot, das er gesegnet hatte, seinen Jüngern und sprach: „Esset, denn dies ist mein Leib, der Leib des Christus, der für euch gegeben ist zur Erlösung des Leibes und der Seele.“

24. In gleicher Weise gab er ihnen die Frucht des Weinstockes, den er gesegnet hatte, und sprach zu ihnen: „Trinket, denn dies ist mein Blut, das Blut des Christus, das vergossen wird für euch und viele zur Erlösung der Seele und des Leibes.“

25. Und als alle teilgenommen hatten, sprach er zu ihnen: „So oft ihr euch versammelt in meinem Namen, haltet dieses Opfer zu meinem Gedächtnis, bereitet das Brot des ewigen Lebens und den Wein der ewigen Erlösung und esset und trinket reinen Herzens davon, und ihr werdet die Substanz und das Leben Gottes, das in mir wohnet, empfangen.“

26. Und da sie einen Lobgesang gesungen hatten, stand Jesus auf in der Mitte seiner Apostel, und sie schritten um ihn herum, der ihr Mittelpunkt war, wie in einem feierlichen Tanze und freuten sich in ihm. Und dann ging er hinaus auf den Ölberg, und seine Jünger folgten ihm.

27. Nun war Judas Ischarioth in das Haus des Kaiphas gegangen und sagte zu ihm: „Siehe, er hat das Passahmahl gefeiert innerhalb der Tore mit Mazzen an Stelle des Lammes. Ich aber hatte ein Lamm gekauft; doch er verbot, dass es getötet werde. Sieh, der Mann, von dem ich es gekauft habe, ist Zeuge.“

28. Und Kaiphas zerriss seine Kleider und sagte: „Wahrlich, dieses ist kein Passahfest nach dem Gesetze des Moses. Er hat eine Tat begangen, die todeswürdig ist; denn es ist eine schwere Übertretung des Gesetzes. Wozu brauchen wir noch weitere Zeugen? Ja, soeben sind zwei Räuber im Tempel eingebrochen und haben das Gesetzbuch gestohlen, das ist das Ergebnis seiner Lehre. Lasset uns den Leuten, die ihm folgen, sagen, was er getan hat; denn sie fürchten die Macht des Gesetzes.“

29. Und einer, der dabeistand, als Judas hinausging, fragte ihn: „Denkst du, dass sie ihn töten werden?“

30. Und Judas sagte: „Nein, denn er wird ein Wunder tun, um sich aus ihren Händen zu befreien. Als sie in der Synagoge zu Kapernaum sich gegen ihn erhoben und ihn auf die Spitze des Berges brachten, um ihn herabzustoßen, war er da nicht unversehrt durch ihre Mitte gegangen? So wird er sicherlich ihnen wieder entkommen und sich öffentlich erklären und das Reich aufrichten, von dem er gesprochen hat.“