75. Das letzte Passahmahl

1. Am Abend kam er in das Haus, wo die Zwölf und ihre Begleiter versammelt waren; Petrus, Jakobus, Thomas, Johannes, Simon, Matthäus, Andreas, Nathanael, Jakobus, Thaddäus, Judas und Philippus und ihre Gefährten (und da war auch Judas Ischarioth, der von den Leuten zu den Zwölfen gezählt wurde, bis zu der Zeit, da er sich entlarvte).

2. Und sie waren alle in Kleider von reinem weißen Leinen gekleidet; denn Leinen ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Und jeder trug die Farbe seines Stammes. Der Meister aber war gekleidet in sein rein weißes Gewand ohne Naht oder Makel.

3. Und sie begannen darüber zu streiten, wer von ihnen als der Größte gelten sollte, darum sprach er zu ihnen: „Die Könige der Heiden üben Herrschaft über sie aus, und die da herrschen, werden Wohltäter genannt. Aber ihr sollt nicht so sein. Wer unter euch der Größte ist, soll wie der Jüngste sein, und wer der Erste ist, der soll dienen.

4. Und Jesus sprach: „Mit Sehnsucht habe ich danach verlangt, dieses Passahmahl mit euch zu begehen, bevor ich leide, und um das Gedenken meines Opfers für den Dienst und die Erlösung aller Menschen einzusetzen. Denn siehe, die Stunde kommt, da des Menschen Sohn den Händen der Sünder preisgegeben wird.“

5. Und einer der Zwölf fragte ihn: „Herr, bin ich es?“ Und er antwortete: „Der, dem ich den Bissen geben werde, der ist es.“

6. Und Judas Ischarioth sagte zu ihm: „Siehe, das ungesäuerte Brot, den gemischten Wein, das Öl und die Kräuter, doch wo ist das Lamm, das Moses befohlen hat?“ (Denn Judas hatte das Lamm gekauft; doch Jesus hatte verboten, dass es geschlachtet werde.)

7. Und Johannes weissagte aus dem Geiste: „Sehet das Lamm Gottes, den guten Hirten, der sein Leben für seine Schafe hingibt.“ Judas war betroffen bei diesen Worten, denn er wusste, dass er ihn verraten werde. Aber noch einmal fragte Judas: „Meister, steht nicht geschrieben im Gesetze, dass ein Lamm geschlachtet werden müsse für das Passahfest innerhalb der Tore?“

8. Und Jesus antwortete: „Wenn ich auf das Kreuz gehoben werde, dann wird wahrhaftig das Lamm geschlachtet sein. Wehe aber dem, durch den es in die Hände der Schlächter geliefert wird. Es wäre für ihn besser, er wäre nie geboren.

9. Wahrlich, ich sage euch, darum bin ich in die Welt gekommen, dass ich abschaffe alle Blutopfer und das Essen des Fleisches der Tiere und Vögel, die von Menschen geschlachtet werden.

10. Am Anfange gab Gott allen die Früchte der Bäume und die Saaten und die Kräuter zur Nahrung; doch die, welche sich selbst mehr liebten als Gott oder ihre Nächsten, verdarben ihre Sitten und brachten Krankheiten in ihre Körper und erfüllten die Erde mit Begierden und Grausamkeit.

11. Nicht durch das Vergießen von unschuldigem Blut, sondern durch ein rechtschaffenes Leben werdet ihr den Frieden Gottes finden. Ihr nennt mich den Christus Gottes, und ihr sprechet wahr; denn ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

12. Gehet diesen Weg, und ihr werdet Gott finden. Suchet die Wahrheit, und die Wahrheit wird euch frei machen. Lebet im Leben, und ihr werdet den Tod nicht sehen. Alle Dinge leben in Gott, und der Geist Gottes erfüllt alle Dinge.

13. Haltet die Gebote. Liebe deinen Gott mit deinem ganzen Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Daran hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Und die Summe des Gesetzes ist dies: Tut niemandem, was ihr nicht wollt, das andere euch tun. Tut das anderen, was ihr wollt, das andere euch tun sollen.

14. Gesegnet seien, die dieses Gebot erfüllen; denn Gott ist in allen Geschöpfen offenbar. Alle Geschöpfe leben in Gott, und Gott ist in ihnen verborgen.“

15. Und danach tauchte Jesus den Bissen ein, gab ihn Judas Ischarioth und sprach: „Was du tust, das tue bald!“ Dieser aber, nachdem er den Bissen empfangen hatte, trat sogleich hinaus. Und es war Nacht.

16. Nachdem Judas Ischarioth hinausgegangen war, sprach Jesus: „Nun ist des Menschen Sohn verherrlicht unter seinen Zwölfen und Gott ist verherrlicht in ihm. Und wahrlich, ich sage euch, die euch aufnehmen, werden mich aufnehmen, und die mich aufnehmen, nehmen den Vater auf, der mich gesandt hat. Und euch, die ihr mir folget in der geistigen Erneuerung als meine Auserwählten, werde ich ein Reich aufrichten, so wie mir eines errichtet wurde, und ihr, die ihr treugeblieben seid der Wahrheit, werdet sitzen auf zwölf Thronen und die zwölf Stämme Israels richten.“

17. Und einer fragte ihn: „Herr, willst du das Königreich Israel wieder aufrichten?“ Aber Jesus antwortete: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, noch sind alle Israel, die sich Israel nennen.

18. Diejenigen in jedem Volke, die sich nicht durch Grausamkeit besudeln, die Gerechtigkeit üben, die Barmherzigkeit lieben und die Werke Gottes ehren, die Hilfe leisten den Schwachen und Unterdrückten – diese sind das Israel Gottes.“