72. Jesu Abschiedsreden

1. Jesus saß mit seinen Jüngern im Garten von Gethsemane und sprach zu ihnen: „Lasset eure Herzen nicht bekümmert sein: Ihr glaubt an Gott, so glaubet auch an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen: Wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt. Ich gehe, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich gehe und euch eine Stätte bereite, werde ich wiederkommen und euch bei mir empfangen, damit, wo ich bin, auch ihr wäret. Und wohin ich gehe, wisset ihr, und auch den Weg wisst ihr.“

2. Thomas sagte zu ihm: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, wie können wir den Weg wissen?“ Und Jesus sprach zu ihnen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt hättet, hättet ihr auch meinen Vater erkannt. Doch nun wisst ihr und habt meinen Vater gesehen.“

3. Philippus sagte zu ihm: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ Jesus sprach zu ihm: „Bin ich solange bei dir gewesen, und du kennst mich noch nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen, und warum sprichst du dann: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin, und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch spreche, spreche ich nicht von mir selbst. Denn der Vater, der in mir wohnet, tut alle Werke.

4. Glaubet mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir, oder wenigstens glaubet mir um der wahren Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, die an mich glauben, werden dieselben Werke tun, die ich tue; und sie werden größere Werke tun als diese; weil ich zu meinem Vater gehe.

5. Und was immer ihr erbitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf dass der Vater verherrlicht werde im Menschensohn. Was ihr in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun.

6. Wenn ihr mich liebt, haltet meine Gebote. Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, der für immer bei euch bleiben wird: Den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann; denn sie sieht nicht und kennet ihn nicht; ihr aber kennt ihn; denn der Geist wohnt in euch und wird in euch sein.

7. Ich will euch nicht ohne Trost lassen. Ich werde zu euch kommen. Eine kleine Weile noch, und die Welt wird mich nicht mehr sehen; doch ihr sehet mich. Weil ich lebe, werdet auch ihr leben. An diesem Tage werdet ihr wissen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

8. Die meine Gebote haben und sie halten, die lieben mich; und die mich lieben, werden geliebt werden von meinem Vater, und ich werde sie lieben und mich ihnen offenbaren.“

9. Und Judas (nicht Ischariot) fragte ihn: „Herr, wie ist es, dass du dich uns zeigen willst und nicht der Welt?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Die mich lieben, werden meine Worte halten: Und der heilige Eine wird sie lieben, und wir werden zu ihnen kommen, und wir werden bei ihnen bleiben.

10. Die mich nicht lieben, werden meine Worte nicht hören, und die Worte, die ihr höret, sind nicht meine Worte, sondern die Worte des Vaters, der mich sandte. Diese Dinge habe ich zu euch gesprochen, solange ich noch bei euch bin. Doch der Tröster, der der Heilige Geist ist, den der Vater senden wird in meinem Namen, wird euch alles lehren und euch alles in Erinnerung bringen, was ich euch gesagt habe.

11. Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch: Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Lasst euer Herz nicht bekümmert sein noch erschrocken. Ihr habt gehört, wie ich euch gesagt habe, ich gehe fort, und ich werde wiederkommen zu euch. Und wenn ihr mich liebt, so werdet ihr euch freuen; denn ich habe euch gesagt; Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer als ich.

12. Und ich habe es euch jetzt gesagt, bevor es geschehen ist, damit ihr glaubet, wenn es geschehen wird. Nun werde ich nicht mehr viel zu euch sprechen; denn der Fürst dieser Welt wird kommen und findet nichts an mir.

13. Damit aber die Welt wisse, dass ich den Vater liebe: so wie der Vater mir geboten hat, genauso tue ich es. Selbst bis an das Ende.“