70. Jesus tadelt Petrus wegen seiner Heftigkeit

1. Und am Morgen des Tages, da sie von Bethanien kamen, war Petrus hungrig und entdeckte von ferne einen Feigenbaum mit Blättern. Erwartungsfroh lief er hin, denn er hoffte, Früchte zu finden. Aber er fand nichts außer Blättern, denn die Zeit für Feigen war noch lange nicht da.

2. Und Petrus wurde zornig und sagte: „Verfluchter Baum, nie mehr soll ein Mensch von dir Früchte essen!“ und einige Jünger hörten das.

3. Und am nächsten Tage, als Jesus und seine Jünger vorübergingen, sagte Petrus zu Jesus: „Meister, siehe den Feigenbaum, den ich verflucht habe, er grünt und blüht. Warum ging mein Wort nicht in Erfüllung?“

4. Jesus sprach zu Petrus: „Du weißt nicht, welchen Geistes du bist. Warum hast du verflucht, was Gott nicht verflucht hat?“ Und Petrus sagte: „Siehe, Herr, ich hatte Hunger, und da ich die Blätter fand und keine Früchte, wurde ich zornig und verfluchte den Baum.“

5. Und Jesus sprach: „Sohn des Jonas, wusstest du nicht, dass die Zeit der Feigen noch gar nicht gekommen ist? Siehe das Korn auf dem Felde, es wächst nach seiner Art – zuerst der grüne Schössling, dann der Halm und dann die Ähre – würdest du auch zornig, wenn du zur Zeit der zarten Schösslinge oder Halme kämest und fändest kein Korn in der Ähre? Und du willst den Baum verfluchen, der voll Knospen und Blüten ist und noch keine reifen Früchte trägt?

6. Wahrlich, Petrus, ich sage dir, einer meiner Zwölf wird mich dreimal verleugnen in seiner Angst und Furcht mit Flüchen und schwören, dass er mich nicht kennt, und der Rest wird mich verlassen eine Zeitlang.

7. Doch ihr werdet es bereuen und bitter beklagen; denn ihr liebt mich in euren Herzen, und ihr sollt sein wie ein Altar von zwölf behauenen Steinen und ein Zeugnis meines Namens, und ihr sollt sein die Diener der Diener, und die Schlüssel der Gemeinde will ich euch geben, und ihr sollt meine Schafe weiden und meine Lämmer, und ihr sollt meine Stellvertreter auf Erden sein.

8. Und es werden Menschen unter ihnen aufstehen, die euch nachfolgen werden, von denen werden mich etliche wirklich lieben und genauso wie du, und die Hitzköpfe und Unklugen und Ungeduldigen werden die verfluchen, die Gott nicht verflucht hat, und sie verfolgen in ihrer Unwissenheit, weil sie in ihnen noch keine Früchte finden können, die sie verlangen.

9. Und andere, die sich selbst lieben, werden sich mit den Königen und Herrschern der Welt verbinden und irdische Macht suchen, Reichtümer und Herrschaft, und sie werden durch Feuer und Schwert denen den Tod bringen, die die Wahrheit suchen und darum wahrhaftig meine Jünger sind.

10. Und in jenen Tagen werde ich, Jesus, von neuem gekreuzigt und offen verhöhnt werden; denn sie werden erklären, dies alles in meinem Namen zu tun.“ Und Petrus sagte: „Dies sei fern von dir, Herr.“

11. Und Jesus antwortete: „Ebenso wie ich an das Kreuz genagelt werde, so wird es auch meine Gemeinde werden in jenen Tagen; denn sie ist meine Braut und eins mit mir. Aber es wird der Tag kommen, da die Finsternis weichen und das wahre Licht scheinen wird.

12. Und einer wird auf meinem Throne sitzen, der ein Mann der Wahrheit und Güte und Kraft sein wird, und er wird mit Liebe und Weisheit erfüllt sein mehr als alle andern, und er wird meine Gemeinde führen, durch vierfach Zwölf und Zweiundsiebzig wie ehedem. Allein was wahr ist, wird er lehren.

13. Und meine Gemeinde wird von Licht erfüllt sein und wird Licht spenden allen Völkern der Erde; und es wird ein Hohepriester auf dem Throne sitzen als ein König und ein Priester.

14. Und mein Geist wird in ihm sein, und sein Thron wird dauern und nicht erschüttert werden; denn er wird gegründet auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, und Licht wird zu ihm kommen und von ihm ausstrahlen zu allen Völkern der Erde, und die Wahrheit wird sie frei machen.“