59. Über die Wachsamkeit – Der Zöllner Zachäus

1. Jesus stieg auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern und lehrte sie. Und er sprach zu ihnen: „Fürchte dich nicht, du kleine Schar, denn es ist eures Vaters gütiger Wille, euch das Reich zu geben.

2. Verkaufet alles, was ihr habt, und tut, was gut ist, denen, welche nichts haben. Seht euch mit einem unverwüstlichen Beutel vor, einem Schatz im Himmel, der nicht abnimmt, wo kein Dieb an ihn gelangt, und den keine Motten fressen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

3. Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Und seid gleich den Männern, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit zurückkehrt; damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft.

4. Selig sind die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt. Wahrlich, ich sage euch, er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tisch laden und wird kommen und wird ihnen dienen.

5. Und so er kommt in der zweiten Wache oder in der dritten Wache, und wird sie so finden: gesegnet sind diese Knechte.

6. Das sollt ihr aber wissen: Wenn der Hüter des Hauses wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so wachte er und ließe nicht in sein Haus einbrechen. Deshalb also seid auch ihr bereit, da des Menschen Sohn kommen wird zu einer Stunde, da ihr es nicht erwartet.“

7. Da sagte Petrus zu ihm: „Herr, gibst du dieses Gleichnis uns oder auch allen andern?“ Und der Herr sprach: „Wer also ist jener treue und kluge Haushalter, den der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zur rechten Zeit ihren Anteil gäbe?

8. Gesegnet sei der Knecht, den sein Herr wach findet, wenn er kommt. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen.

9. Wenn aber dieser Knecht sich sagen wird: Mein Herr zögert sein Kommen hinaus und fängt dann an, die andern Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und sich zu betrinken: so wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, da er ihn nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht weiß; und er wird ihm seinen Anteil mit den Ungetreuen geben.

10. Und der Knecht, der seines Herrn Willen weiß und hat sich nicht vorbereitet und auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge leiden müssen. Der es aber nicht weiß, hat aber getan, was der Schläge wert ist, wird wenig Schläge bekommen. Denn welchem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern; und welchem wenig gegeben ist, von dem wird man nur wenig fordern.

11. Darum werden die, welche die Gottheit kennen und den Weg des Lebens und die Geheimnisse des Lichtes gefunden haben und dennoch in Sünde gefallen sind, mit schwereren Strafen bestraft werden als jene, welche den Weg des Lebens nicht kannten.

12. Diese werden zurückkehren, wenn ihr Rad vollendet ist, und ihnen wird die Zeit gegeben werden zum Überlegen und um ihre Leben zu verbessern und die Geheimnisse zu lernen und einzutreten in das Reich des Lichtes.“

13. Jesus kam durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war sehr reich.

14. Und er wollte sehen, wer in der Menge Jesus wäre, und konnte es nicht, denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er vorbeikommen.

15. Und als Jesus an die Stelle kam, blickte er hoch und sah ihn und sprach zu ihm: „Zachäus, eile dich, komme herunter, denn ich muss heute in deinem Hause einkehren.“ Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf mit Freuden.

16. Da sie das sahen, murrten sie alle, dass er bei einem Sünder als Gast einkehrte.

17. Zachäus aber stand da und sprach zu dem Herrn: „Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen; und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfach wieder.“

18. Und Jesus sprach zu ihm: „Heute ist deinem Hause Heil widerfahren; wenn du ein gerechter Mann bist, bist auch du Abrahams Sohn. Denn des Menschen Sohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen das, was verloren war.“