57. Von den kleinen Kindern – Gleichnis von den Fischen – Vergebung der Sünden

1. Zur selbigen Zeit kamen die Jünger zu Jesus und fragten ihn: „Wer ist der Größte im Reiche Gottes?“ Und Jesus rief ein kleines Kind zu sich und setzte es mitten unter sie und sprach: „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr euch nicht verändert und werdet so unschuldig und gelehrig wie dieses kleine Kind, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen.

2. Wer aber einfältig wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.

3. Wehe der Welt um ihrer Ärgernisse willen! Es ist unmöglich, dass nicht Ärgernisse kommen, aber wehe dem, durch welchen Ärgernis geschieht! Darum, wenn deine Begierden oder dein Vergnügen anderen Ärgernis bereiten, wirf sie weg von dir; denn es ist besser für dich, in das Leben einzugehen ohne sie, als mit denselben in das ewige Feuer geworfen zu werden.

4. Habet acht, dass ihr keines von diesen Kleinen vernachlässigt; denn ich sage euch, ihre Engel sehen immerwährend das Angesicht Gottes. Denn des Menschen Sohn ist gekommen zu retten das, was verloren war.

5. Ebenso ist nicht der Wille eures Vaters im Himmel, dass eines von diesen Kleinen Schaden erleide.“

6. Da kamen einige, die voll Zweifel waren, zu Jesus und sagten: „Du hast uns gesagt, dass unser Leben und Sein von Gott sei, aber wir haben niemals Gott gesehen, noch kennen wir einen Gott. Kannst du uns ihn zeigen, den du den Vater nennst und den einzigen Gott? Wir wissen nicht, ob es einen Gott gibt.“

7. Jesus antwortete ihnen und sprach: „Hört dieses Gleichnis von den Fischen. Die Fische eines Flusses sprachen miteinander und sagten: Man erzählt uns, dass unser Leben und Sein vom Wasser komme, aber wir haben nie Wasser gesehen, wir wissen nicht, was es ist. Da sprachen etliche von ihnen, welche klüger waren als die anderen: Wir haben gehört, dass im Meere ein kluger und gelehrter Fisch lebt, der alle Dinge kennt. Lasset uns zu ihm gehen und ihn bitten, dass er uns das Wasser zeige.

8. So machten sich einige von ihnen auf, um den großen und weisen Fisch zu suchen, und sie kamen endlich in die See, wo der Fisch lebte, und sie fragten ihn.

9. Und als er sie gehört hatte, sprach er zu ihnen: Oh, ihr dummen Fische, dass ihr nicht denkt! Doch klug seid ihr wenigen, die ihr sucht. Im Wasser lebt ihr und bewegt ihr euch und habt ihr euer Dasein; aus dem Wasser seid ihr gekommen, zum Wasser kehret ihr wieder zurück. Ihr lebt im Wasser, aber ihr wisst es nicht. In gleicher Weise lebt ihr in Gott, und doch bittet ihr mich: zeige uns Gott. Gott ist in allem, und alles ist in Gott.“

10. Nochmals sprach Jesus zu den Jüngern: „Wenn dein Bruder oder deine Schwester gegen dich sündigen, gehe hin und mache deinen Bruder oder deine Schwester allein auf ihren Fehler aufmerksam; wenn sie dich anhören, so hast du sie gewonnen. Doch wenn sie dich nicht anhören wollen, dann nimm zwei oder mehr mit dir, dass im Munde von zwei oder drei Zeugen jegliches Wort bestätigt werde.

11. Und wenn sie diese nicht hören wollen, sage es der Gemeinde, und wenn sie auch die Gemeinde nicht hören wollen, dann betrachtet sie wie solche, die außerhalb der Gemeinde stehen. Wahrlich, ich sage euch, was immer ihr rechterweise auf Erden bindet, das soll auch im Himmel gebunden sein, und was immer ihr rechterweise auf Erden löset, das soll auch im Himmel gelöst sein.

12. Und ich sage euch abermals: Wenn sieben oder auch nur drei von euch eins sind auf Erden in dem, was sie erbitten, so ist es getan für sie von meinem Vater, der im Himmel ist. Denn wenn nur drei in meinem Namen beisammen sind, so bin ich mitten unter ihnen, und wenn es selbst nur einer ist, so bin ich im Herzen dieses einen.“

13. Da kam Petrus zu ihm und fragte: „Herr, wie oft darf mein Bruder wider mich sündigen, dass ich ihm vergebe? Siebenmal?“ Jesus sprach zu ihm: „Ich sage dir, nicht siebenmal, siebzigmal sieben. Denn auch bei den Propheten war Ungerechtigkeit, sogar, nachdem sie vom Heiligen Geiste gesalbt worden waren.“

14. Und er erzählte dieses Gleichnis: „Es war da ein König, welcher mit seinen Dienern abrechnen wollte. Und als er begonnen hatte abzurechnen, da wurde einer zu ihm gebracht, welcher ihm tausend Talente schuldete. Doch da er nicht zahlen konnte, befahl sein Herr, dass er verkauft werde und sein Weib und seine Kinder und alles, was er besaß, damit die Schuld bezahlt werde.

15. Da fiel der Diener seinem Herrn zu Füßen und bat ihn und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen! Da wurde der Herr von Mitleid ergriffen und er ließ ihn frei und erließ ihm seine Schuld.

16. Doch derselbe Knecht ging hinaus und traf einen von seinen Mitknechten, welcher ihm hundert Groschen schuldete, und er ergriff ihn und fasste ihn an der Gurgel und rief: Bezahle mir deine Schuld!

17. Und sein Mitknecht fiel vor ihm auf die Knie und flehte ihn an und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen! Jener aber wollte nicht, sondern ging hinweg und ließ ihn ins Gefängnis sperren, bis er seine Schuld bezahlt hätte.

18. Als nun seine Mitknechte sahen, was er getan hatte, wurden sie sehr traurig und erzählten ihrem Herrn alles, was geschehen war.

19. Da ließ der Herr ihn rufen und sprach zu ihm: Oh, du böser Knecht, ich erließ dir deine Schuld, weil du mich gebeten hast; solltest du nicht auch Mitleid haben mit deinem Mitknecht, ebenso wie ich Mitleid hatte mit dir? Und sein Herr ward zornig und übergab ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er schuldig war.

20. Ebenso wird euch der himmlische Vater richten, wenn ihr nicht von Herzen jedem seine Schuld vergebet, ob Bruder oder Schwester. Nichtsdestoweniger lasset jeden darauf achten, dass er bezahle, was er schuldig ist; denn Gott liebt die Rechtschaffenen.“