51. Die Wahrheit macht frei – Vom rechten Verständnis der Gebote

1. Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: „Wenn ihr in meinem Wort bleiben werdet, so seid ihr meine rechten Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

2. Da antworteten sie ihm: „Wir sind Abrahams Samen, und wir sind nie jemandes Knechte gewesen. Warum sagst du: Ihr sollt frei werden?“ Jesus antwortete ihnen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht bleibt nicht ewiglich im Hause: Aber der Sohn und die Tochter bleiben ewig.

3. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Ich weiß wohl, dass ihr Abrahams Samen seid nach dem Fleische; aber ihr suchet mich zu töten, denn mein Wort hat keinen Platz in euch.

4. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gesehen habt.“ Sie antworteten und sagten zu ihm: „Abraham ist unser Vater.“ Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke.

5. Nun aber suchet ihr, mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe. Das tat Abraham nicht. Ihr tut die Taten eures Vaters.“ Da sprachen sie zu ihm: „Wir sind keine Hurenkinder; wir haben einen Vater, nämlich Gott.“

6. Jesus sprach zu ihnen: „Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich: Denn ich bin ausgegangen und komme von Gott. Ich kam nicht von mir selber, sondern der All-Heilige sandte mich. Warum könnt ihr denn meine Sprache nicht verstehen? Weil ihr mein Wort nicht ertragen könnt.

7. Ihr seid von eurem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Verlangen wollt ihr tun. Dieser war ein Mörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm.

8. Wenn er eine Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen: Denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Und weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.

9. So wie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss des Menschen Sohn erhöht werden, damit alle, die gläubig auf ihn blicken, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

10. Welcher unter euch kann mich wegen einer Sünde verurteilen? Wenn ich aber euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte. Ihr hört diese nicht, weil ihr nicht von Gott seid.“

11. Da antworteten die Juden und sagten zu ihm: „Haben wir nicht recht, dass du ein Samariter bist und den Teufel hast?“ Jesus antwortete: „Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre den All-Heiligen, und ihr verunehrt mich. Ich suche nicht meinen eigenen Ruhm, sondern den Ruhm Gottes. Aber hier ist einer, der richtet.“

12. Und einige der Ältesten und Schriftgelehrten des Tempels kamen zu ihm und sagten: „Warum lehren deine Jünger die Menschen, dass es wider das Gesetz ist, das Fleisch von Tieren zu essen, da sie doch nach dem Befehl des Moses als Opfer dargebracht werden?

13. Denn es ist geschrieben: Gott sprach zu Noah: Furcht und Schrecken vor euch soll auf jedes Tier des Feldes kommen und auf jeden Vogel der Luft und jeden Fisch im Wasser, wenn sie in eure Hände gefallen sind.“

14. Und Jesus sprach zu ihnen: „Ihr Heuchler, wohl sprach Jesaja von euch und euren Vorvätern: Dieses Volk ist mir nahe mit seinem Munde und ehret mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir, denn sie beten mich vergeblich an und lehren in meinem Namen als göttliche Lehren, was Gebote der Menschen sind, um ihre eigenen Gelüste zu befriedigen.

15. Und ebenso gibt Jeremia Zeugnis, wenn er über die Blutopfer sagt: Ich, euer Gott, befahl nichts davon in den Tagen, als ihr aus Ägypten gekommen seid, sondern ich befahl euch nur Rechtschaffenheit, Festhalten an den alten Gebräuchen, Gerechtigkeit zu pflegen und demütig vor eurem Gott zu wandeln.

16. Ihr aber habt nicht auf mich gehört, der euch von Anfang an alle Arten von Samen gab und Früchte der Bäume und Kerne für die Nahrung und zur Heilung von Mensch und Tier.“ Und sie entgegneten: „Du sprichst wider das Gesetz.“

17. Und er sprach abermals über Moses: „Wahrlich, ich spreche nicht wider das Gesetz, sondern gegen die, welche sein Gesetz verdarben, das er wegen der Härte eurer Herzen erlaubte.

18. Doch siehe! Ein Größerer denn Moses ist da!“ Und sie gerieten in Zorn und hoben Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Aber Jesus ging mitten durch sie hindurch und war vor ihrer Gewalt verborgen.