49. Der wahre Tempel Gottes

1. Das Passahfest war nahe. Und es geschah, dass einige der Jünger, welche Maurer waren, die Räume des Tempels ausbesserten. Jesus kam vorbei, und sie sagten zu ihm: „Meister, siehst du diese großen Bauwerke und was für Arten von Gestein hier sind und wie wunderbar das Werk unserer Vorfahren ist?“

2. Und Jesus sprach: „Ja, es ist wunderschön, und sorgfältig sind die Steine gefügt, aber die Zeit wird kommen, da nicht ein Stein auf dem anderen bleiben wird; denn der Feind wird die Stadt und den Tempel überwältigen.

3. Aber der wahre Tempel ist der Leib des Menschen, in welchem Gott wohnt durch den Geist. Und wenn dieser Tempel zerstört wird, wird Gott in drei Tagen einen noch schöneren Tempel errichten, welchen das Auge des natürlichen Menschen nicht erkennen kann.

4. Wisset ihr denn nicht, dass ihr die Tempel des Heiligen Geistes seid? Und dass selbst zerstört werden soll, wer einen von diesen Tempeln zerstört?“

5. Und mehrere der Schriftgelehrten, welche ihn hörten, suchten ihm eine Falle zu legen aus seinen Worten und sagten: „Wenn du die Opferung von Schafen und Rindern und von Vögeln verwirfst, zu welchem Zwecke wurde denn dieser Tempel von Salomon für Gott gebaut, an dem nun seit sechsundvierzig Jahren erneuert wird?“

6. Und Jesus antwortete und sprach: „Es steht geschrieben bei den Propheten: mein Haus soll ein Gebetshaus aller Völker sein für das Lob- und Dankopfer. Ihr aber habt ein Schlachthaus daraus gemacht und es mit Gräuel erfüllt.

7. Und es steht weiter geschrieben: Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergange soll mein Name groß sein unter den Heiden, und Weihrauch mit einer reinen Opfergabe soll mir dargebracht werden. Doch ihr habt daraus eine Stätte der Trostlosigkeit gemacht mit euren Blutopfern und den süßen Weihrauch nur verwendet, um den üblen Geruch des Blutes zu verdecken. Ich bin gekommen, um das Gesetz zu erfüllen, nicht, um es aufzulösen.

8. Wisset ihr nicht, was geschrieben steht? Gehorsam ist besser als Opfer, und hören besser als das Fett der Widder. Ich, der Herr, bin überdrüssig eurer Brandopfer und eurer nichtigen Opfergaben, denn eure Hände sind voll Blut.

9. Und stehet nicht geschrieben: Was ist das wahre Opfer? Waschet euch und reinigt euch und entfernet das Böse vor meinen Augen; höret auf, Übles zu tun, und lernet, Gutes zu tun. Übet Gerechtigkeit an den Vaterlosen und den Witwen und an allen, welche unterdrückt werden. Und auf diese Weise werdet ihr das Gesetz erfüllen.

10. Der Tag wird kommen, wo alles, was in dem äußeren Hofe ist und zu den Blutopfern gehört, hinweggenommen wird und die reinen Anbeter den Ewigen in Reinheit und in Wahrheit anbeten werden.“

11. Und sie entgegneten: „Wer bist du, der du die Opfer abschaffen willst und die Saat Abrahams verachtest? Hast du diese Gotteslästerung von den Griechen und den Ägyptern gelernt?“

12. Und Jesus sprach: „Ehe Abraham war, bin ich.“ Und sie weigerten sich zu hören, und einige sagten: „Er ist von einem Dämon erfüllt.“ Und andere sagten: „Er ist verrückt.“ Und sie gingen ihres Weges und erzählten alles den Priestern und Ältesten. Und diese wurden wütend und sagten: „Er hat Gott gelästert.“