39. Sieben Gleichnisse vom Himmelreich

1. Wieder saß Jesus unter dem Feigenbaume und hatte seine Jünger um sich versammelt und um sie herum kam auch eine große Menschenmenge, die ihn hören wollte. Und er sprach zu ihnen: „Womit soll ich das Himmelreich vergleichen?“

2. Und er sagte dieses Gleichnis: „Das Himmelreich gleicht einem Samen, einem kleinen Samenkorn, das ein Mensch nahm und auf seinem Acker aussäte. Wenn es aber gewachsen ist, wird es ein großer Baum, der seine Zweige ausbreitet. Und seine Absenker biegen sich zur Erde, schlagen Wurzeln und wachsen empor, bis das Feld von dem Baume zugedeckt ist. Und die Vögel der Luft kommen und nisten in seinen Zweigen, und die Geschöpfe der Erde finden in seinem Schatten Zuflucht.“

3. Ein anderes Gleichnis gab er ihnen und sprach: „Das Himmelreich ist gleich einem großen Schatz, der in einem Acker vergraben liegt. Den findet ein Mann und versteckt ihn, und aus Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker; denn er weiß, wie groß sein Reichtum daraus sein wird.

4. Ebenso ist das Himmelreich gleich einer Perle von hohem Wert. Die findet ein Kaufmann, als er nach guten Perlen suchte. Und der Kaufmann, als er sie fand, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie; denn er erkannte wieviel wertvoller sie ist als alles, was er für sie hergab.“

5. Und abermals sprach er: „Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteige, den nahm eine Frau und verbarg ihn unter drei Maß Mehl. Als das Ganze durchsäuert und im Feuer gebacken war, wurde es ein Laib Brot. Oder es ist auch gleich einem Manne, der ein Maß reinen Traubensaftes nimmt und gießt es in zwei oder vier Maß Wasser, bis das Ganze zur Frucht des Weines gemischt wird.

6. Das Himmelreich ist gleich einer Stadt; die wurde sorgfältig auf dem Gipfel eines hohen Berges gebaut und auf Felsen gegründet, mit einer starken Mauer umgeben und mit Türmen und Toren, die im Norden und im Süden, im Osten und im Westen liegen. Eine solche Stadt wird nicht fallen, noch kann sie verborgen bleiben, und ihre Tore sind für alle offen, und alle, die Schlüssel haben, werden eintreten.“

7. Und er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: „Das Himmelreich ist gleich dem guten Samen, den ein Mensch auf seinen Acker säte. Aber in der Nacht, als die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun die Halme wuchsen und die Ähren Frucht bildeten, da wurde auch das Unkraut sichtbar.

8. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Und er sprach zu ihnen: Dies hat ein Feind getan.

9. Da sprachen die Knechte: Willst du nicht, dass wir hingehen und es ausjäten? Er antwortete: Nein, auf dass ihr nicht beim Herausreißen des Unkrauts den guten Weizen zugleich entwurzelt.

10. Lasset beides miteinander wachsen bis zu der Ernte. Und zur Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne, und es die Erde fruchtbar mache; aber den Weizen sammelt mir in meiner Scheune.“

11. Und abermals sprach er: „Das Himmelreich ist gleich der Aussaat. Siehe, ein Sämann ging aus, um zu säen. Und indem er säte, fiel etliches von dem Samen an den Wegrand. Da kamen die Vögel und fraßen es auf.

12. Und anderes fiel auf steinigen Boden, wo nicht viel Erde war, und ging bald auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne schien, verbrannte es, und weil es keine Wurzel hatte, wurde es dürr.

13. Etliches fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen auf und erstickten es. Und etliches fiel auf guten Boden, der wohl vorbereitet war, und trug Früchte, manches hundertfältig, manches sechzigfältig, manches dreißigfältig. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“