37. Die Wiedergeburt der Seele

1. Jesus saß in der Vorhalle des Tempels, und einige kamen, um seine Lehre zu erfahren. Und einer fragte ihn: „Herr, was lehrest du über das Leben?“

2. Und er sprach zu ihnen: „Gesegnet sind, die viele Erfahrungen durchmachen, denn sie werden durch Leiden vollkommen werden. Sie werden sein wie die Engel Gottes im Himmel, und sie werden nicht mehr sterben, noch werden sie wiedergeboren werden; denn Tod und Geburt haben keine Macht mehr über sie.

3. Die da gelitten und überwunden haben, werden zu Pfeilern gemacht werden im Tempel meines Gottes, und sie werden ihn nie wieder verlassen. Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht wiedergeboren werdet durch Wasser und Feuer, so werdet ihr das Reich Gottes nicht sehen.“

4. Und ein Rabbi (Nikodemus) kam zu ihm während der Nacht aus Furcht vor den Juden und fragte ihn: „Wie kann ein Mensch wiedergeboren werden, wenn er alt ist? Kann er ein zweites Mal in seiner Mutter Schoß gehen und von neuem geboren werden?“

5. Jesus antwortete: „Wahrlich, ich sage dir, es sei denn, dass jemand wiedergeboren werde aus dem Fleische und dem Geiste, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Der Wind bläst, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wo er kommt und wohin er geht.

6. Das Licht scheint vom Osten zum Westen; aus der Finsternis steigt die Sonne empor und geht wieder hinab in die Finsternis. So ist es dem Menschen von Lebenszeit zu Lebenszeit.

7. Wenn sie aus der Finsternis kommt, so war sie vorher da, und wenn sie wieder hinuntergeht in die Finsternis, so geschieht es, um ein wenig zu verweilen und danach wieder da zu sein.

8. So müsset ihr durch viele Wandlungen hindurch vollkommen werden; so wie es geschrieben steht in dem Buche Hiob: Ich bin ein Wanderer und wechsle einen Platz nach dem andern und ein Haus nach dem andern, bis ich in die Stadt und in das Haus komme, die ewig sind.“

9. Und Nikodemus fragte ihn: „Wie kann dieses geschehen?“ Und Jesus antwortete und sprach: „Bist du ein Lehrer in Israel und verstehest dies nicht? Wahrlich, wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugnis nicht an.

10. Wenn ich euch von irdischen Dingen sage und ihr glaubet nicht, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagte? Niemand ist zum Himmel aufgestiegen; aber der ist vom Himmel herabgekommen, der im Himmel ist, nämlich der Menschensohn.“