30. Das Brot des Lebens und der lebendige Weinstock

1. Am nächsten Tages sah das Volk, das an der anderen Seite des Sees stand, dass kein anderes Schiff da war als das eine, in das seine Jünger getreten waren, und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern im Schiff war, sondern dass seine Jünger allein weggefahren waren. Und da nun das Volk sah, dass weder Jesus noch seine Jünger da waren, nahmen sie ebenfalls ein Schiff und fuhren nach Kapernaum und suchten Jesus.
2. Als sie ihn auf der anderen Seite des Sees fanden, sagten sie zu ihm: „Rabbi, wie bist du hergekommen?“ Jesus antwortete ihnen und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr suchet mich nicht weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brote und den Früchten gegessen habt und satt geworden seid. Mühet euch nicht für die vergängliche Nahrung, sondern für jene Speise, die da bleibt bis zum ewigen Leben, welche euch geben wird des Menschen Sohn, der auch das Kind Gottes ist; denn diesen hat Gott, die All-Eltern, eingesetzt.“
3. Da fragten sie ihn: „Was sollen wir machen, dass wir Gottes Werke tun?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubet, den er gesandt hat, und der euch die Wahrheit und das Leben gibt.“
4. Sie sagten darauf zu ihm: „Was tust du denn für ein Zeichen, damit wir sehen können und dir glauben? Was wirkst du? Unsere Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.“
5. Da sprach Jesus zu ihnen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, nicht Moses hat euch das rechte Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel und die Frucht des lebendigen Weinstocks. Denn dies ist die Speise Gottes, die da vom Himmel kommt und der Welt das Leben gibt.“
6. Da sagten sie zu ihm: „Herr, gib uns ewiglich solches Brot und solche Früchte.“ Und Jesus sprach zu ihnen: „Ich bin das rechte Brot und der lebendige Weinstock, und wer zu mir kommt, den wird nimmermehr hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Und wahrlich, ich sage euch:Wenn ihr nicht das Fleisch essen und trinken das Blut von Gott, habt ihr kein Leben in euch. Aber ihr habt mich gesehen und glaubt nicht.
7. Alle die mir mein Vater gegeben hat, werden zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht verstoßen. Denn ich kam vom Himmel herunter, nicht, dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen Gottes, der mich gesandt hat. Dies aber ist der Wille Gottes, der mich gesandt hat, dass ich keinen verliere von all denen, die mir gegeben sind, sondern dass ich sie wieder aufrichte am Jüngsten Tage.“
8. Da murrten die Juden darüber, dass er sagte: „Ich bin das Brot, das vom Himmel heruntergekommen ist.“ Und sie sagten: „Ist dieses nicht Jesus, der Sohn des Joseph und der Maria, dessen Eltern wir kennen? Wie kann er nun sagen: Ich bin vom Himmel heruntergekommen?“
9. Darauf antwortete Jesus und sprach zu ihnen: „Murret nicht untereinander. Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass ihn heilige Liebe und Weisheit ziehe. Und diese werden auferstehen am Jüngsten Tage. Es stehet geschrieben bei den Propheten: Sie werden alle von Gott gelehrt werden. Jeder, der die Wahrheit hört und erfasst hat, der kommt zu mir.
10. Nicht, dass jemand das Heiligste je gesehen habe, es sei denn jene, die vom Heiligsten sind: die allein sehen das Heiligste. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an die Wahrheit glaubt, der hat das ewige Leben.“