29. Jesus schreitet auf dem Wasser

1. Das Passahfest nahte, und die Apostel und ihre Begleiter versammelten sich um Jesus und erzählten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: „Kommet und lasset uns zu einem abgelegenen Platz gehen, und ruhet ein wenig.“ Denn viele Menschen kamen und gingen, und sie konnten nicht einmal in Ruhe essen.

2. Und sie fuhren heimlich mit einem Schiff zu einer einsamen Stelle. Aber das Volk sah sie wegfahren. Viele kannten ihn und liefen zu Fuß dorthin aus allen Städten. Sie kamen ihnen zuvor und trafen bei ihm zusammen.

3. Und als Jesus ausstieg, sah er viel Volk; und er war von Mitgefühl bewegt, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.

4. Und der Tag war schon weit vorgerückt, da traten seine Jünger zu ihm und sagten: „Dies ist ein abgelegener Platz, und die Zeit ist fast vorbei. Schicke sie fort, dass sie ins Land rundum in die Dörfer gehen und sich Brot kaufen; denn sie haben nichts zu essen.“

5. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Und sie sagten zu Ihm: „Sollen wir hingehen und für zweihundert Groschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben?“

6. Er sprach zu ihnen: „Wie viele Brote habt ihr? Gehet hin und sehet.“ Und als sie es festgestellt hatten, sagten sie: „Sechs Brote und sieben Trauben Weinbeeren.“ Und er gebot ihnen, dass sie sich alle zu je fünfzig auf das Gras lagerten. Und sie setzten sich in Reihen von Hunderten und Fünfzig.

7. Und als er die sechs Brote und die sieben Weintrauben genommen hatte, blickte er zum Himmel auf, segnete und brach die Brote und ebenso die Trauben und gab sie den Jüngern, dass sie sie den Leuten vorlegten, und sie teilten alles unter das Volk aus.

8. Und sie aßen alle und wurden satt. Und sie sammelten zwölf Körbe voll Brocken auf, die übriggeblieben waren. Und die von den Broten und den Früchten gegessen hatten, waren fünftausend Männer, Frauen und Kinder; und er lehrte sie viele Dinge.

9. Als das Volk gesehen und gehört hatte, war es von Freude erfüllt und sagte: „Wahrlich, dies ist der Prophet, der in die Welt kommen sollte.“ Und als er merkte, dass sie ihn mit Gewalt zum König machen wollten, trieb er seine Jünger, alsbald in das Schiff zu steigen und hinüber zu fahren an das andere Ufer nach Bethsaida, bis dass er das Volk weg geschickt hätte.

10. Und als er sie fortgeschickt hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. Als der Abend gekommen war, war er dort ganz allein, das Schiff aber war mitten auf dem See und wurde von den Wellen hin und her geschleudert; denn der Wind war ihnen zuwider.

11. Um die dritte Nachtwache kam Jesus zu ihnen; Er wandelte auf dem See. Und da die Jünger ihn sahen auf dem See wandeln, erschraken sie und sagten, es ist ein Geist, und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: „Seid guten Mutes. Ich bin es, fürchtet euch nicht!“

12. Und Petrus antwortete ihm und sagte: „Herr, wenn du es bist, so lass mich zu dir über das Wasser kommen.“ Und er sprach: „Komme!“ Und als Petrus aus dem Schiffe gestiegen war, schritt er über das Wasser auf Jesus zu. Doch, da der Wind stürmte, erschrak er, und als er zu sinken begann, schrie er: „Herr! Rette mich!“

13. Und sogleich streckte Jesus seine Hand aus, erfasste ihn und sprach zu ihm: „O, du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Habe Ich dich denn nicht gerufen?“

14. Und er ging zu ihnen ins Schiff, und der Wind legte sich. Und sie verwunderten sich und staunten über alle Maßen. Denn sie waren nicht verständiger geworden durch das Wunder mit den Broten und den Früchten; ihr Herz war nämlich verhärtet.

15. Und als sie in das Schiff gestiegen waren, herrschte große Stille. Da kamen sie heran und huldigten Ihm und sagten: „Wahrhaftig, Du bist Gottes Sohn.“

16. Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in die Landschaft Genezareth und landeten am Ufer. Als sie aus dem Schiff traten, erkannte man ihn sogleich. Und sie liefen in das ganze umliegende Land und begannen, die Kranken auf Betten herzuführen, wo sie hörten, dass er es war.

17. Und wo immer er in Dörfer oder Städte oder auf das Land kam, da legten sie die Kranken auf die Straßen und baten ihn, dass sie nur den Saum seines Kleides anrühren dürften, und alle, die ihn berührten, wurden gesund.

18. Danach kam Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa, und dort blieb er und taufte viele, die zu ihm kamen und seine Lehre annahmen.