06. Kindheit und Jugend Jesu

1. Nun gingen seine Eltern, Joseph und Maria, jedes Jahre nach Jerusalem hinauf zum Passahfest; sie feierten das Fest nach der Art ihrer Brüder, die das Blutvergießen, Fleischessen und starke Getränke unterließen. Als Jesus zwölf Jahre alt war, ging er mit ihnen hinauf nach Jerusalem nach dem Brauch des Festes.

2. Und als die Tage zu Ende waren und sie zurückkehrten, blieb das Kind Jesus in Jerusalem zurück, und seine Eltern wussten es nicht. Sie meinten aber, er wäre mit in der Gesellschaft und gingen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, kehrten sie zurück nach Jerusalem und suchten ihn dort.

3. Und es begab sich, dass sie ihn nach drei Tagen im Tempel mitten unter den Gelehrten fanden, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihn hörten, staunten über seinen Verstand und seine Antworten.

4. Als sie ihn sahen, waren sie bestürzt und seine Mutter sprach zu ihm: „Mein Sohn, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich voll Sorgen gesucht.“ Und er sprach zu ihnen: „Wie kommt es, dass ihr mich gesucht habt? Wusstet ihr nicht, dass ich m Hause meiner Eltern sein muss?“ Und sie verstanden die Worte nicht, die er zu ihnen sagte. Aber seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.

5. Und ein Prophet, der ihn sah, sprach zu ihm: „Siehe, die Liebe und die Weisheit Gottes sind vereint in dir, deshalb sollst du im kommenden Zeitalter Yeshua genannt werden, denn durch den Christus wird Gott die Menschheit erlösen, die heute wahrlich ist wie die Bitterkeit des Meeres; doch diese Bitterkeit soll in Süßigkeit gewandelt werden; aber dieser Generation wird die Braut noch nicht offenbar werden und auch noch nicht in dem Zeitalter, das kommen wird.“

6. Und er ging mit ihnen hinab und ging nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und er machte Räder und Joche und auch Tische mit großer Geschicklichkeit. Und Jesus nahm zu an Statur und auch an Gefallen bei Gott und den Menschen.

7. Und eines Tages kam der Knabe Jesus an einen Ort, wo eine Fallstrick für Vögel gelegt war, und es standen einige Knaben dabei. Und Jesus sprach zu ihnen: „Wer hat diese Schlinge hierher gelegt für die unschuldigen Geschöpfe Gottes? Siehe, sie werden in gleicher Weise in einer Schlinge gefangen werden.“ Und er erblickte zwölf Sperlinge wie sie tot waren.

8. Und er bewegte seine Hände über ihnen und sprach zu ihnen: „Geht, fliegt hinweg, und solange ihr lebet, denket an mich.“ Und sie erhoben sich und flogen hinweg mit Geschrei. Die Juden, die das sahen, waren sehr erstaunt und erzählten es den Priestern.

9. Und andere Wunder tat das Kind, und man sah, wie Blumen unter seinen Füßen empor sprossen, dort, wo nichts als karger Boden war. Und seine Begleiter bekamen Ehrfurcht vor ihm.

10. Als Jesus achtzehn Jahre alt war, wurde er mit Mirjam verheiratet, einer Jungfrau aus dem Stamme Juda, und er lebte mit ihr sieben Jahre lang; und sie starb; denn Gott nahm sie zu sich, damit er fortfahre zu den höheren Aufgaben, die er zu vollbringen hätte und zu leiden für die Menschen-Söhne und Töchter.

11. Und Jesus, da er das Studium des Gesetzes abgeschlossen hatte, ging wieder nach Ägypten hinunter, um von der Weisheit der Ägypter zu lernen, so wie es Moses tat. Und er ging in die Wüste, meditierte, fastete und betete, und er erhielt die Macht des heiligen Namens, durch die er viele Wunder wirkte.

12. Und sieben Jahre lang redete er mit Gott von Angesicht zu Angesicht, und er lernte die Sprache der Vögel und der Tiere und die Heilkrafte der Bäume, Kräuter und Blumen und die verborgenen Geheimnisse der Edelsteine und lernte auch die Bewegungen der Sonne und des Mondes und der Sterne und die Kräfte der Buchstaben, die Mysterien des Quadrates und des Kreises und die Transmutation der Dinge und Formen, und von Zahlen und Zeichen. Von dort kehrte er nach Nazareth zurück, um seine Eltern zu besuchen, und er lehrte dort und in Jerusalem als ein anerkannter Rabbi, selbst im Tempel hinderte ihn niemand daran.

13. Nach einiger Zeit ging er nach Assyrien und Indien und nach Persien und in das Land der Chaldäer. Und er besuchte ihre Tempel und unterhielt sich mit ihren Priestern und ihren Weisen viele Jahre lang, und er tat viele wunderbare Werke, die Kranken zu heilen, während er durch die Länder zog.

14. Und die Tiere des Feldes empfanden Ehrfurcht vor ihm, und die Vögel unter dem Himmel hatten keine Furcht vor ihm; denn er erschreckte sie nicht, ja, sogar die wilden Tiere der Wüste nahmen die Kraft Gottes in ihm wahr und dienten ihm freiwillig und trugen ihn von Ort zu Ort.

15. Denn der Geist göttlicher Menschlichkeit erfüllte ihn und erfüllte so alle Dinge um ihn herum und machte ihm alles untertan; und somit erfüllten sich die Worte der Propheten: „Der Löwe wird liegen bei dem Kalbe und der Leopard bei dem Kitz und der Wolf bei dem Lamm und der Bär bei dem Esel und die Eule bei der Taube. Und ein Kind soll sie führen.

16. Und niemand soll verletzen oder töten auf meinem heiligen Berge; denn die Erde soll erfüllet werden von der Erkenntnis des Heiligen selbst, wie die Wasser bedecken das Bett des Meeres. Und in diesen Tagen will ich nochmals einen Bund schließen mit den Tieren des Feldes und den Vögeln der Luft, mit den Fischen des Meeres und mit allen geschaffenen Dingen. Und ich will den Bogen und das Schwert zerbrechen und alle Werkzeuge des Krieges will ich verbannen von der Erde, und sie sollen weggelegt werden in Sicherheit, damit alle ohne Furcht leben.

17. Und Ich will mich dir angeloben in Ewigkeit in Gerechtigkeit und in Frieden und in der Güte des Herzens, und du sollst deinen Gott erkennen, und die Erde soll hervorbringen das Korn und den Wein und das Öl, und ich will zu ihnen sagen, die nicht mein Volk sind: Du bist mein Volk, und sie werden zu mir sprechen: Du bist unser Gott.“

18. Und eines Tages ging er einen Bergpfad entlang am Rande der Wüste; da traf er auf einen Löwen, den verfolgte eine Menge Menschen mit Steinen und Speeren, um ihn zu töten.

19. Aber Jesus bedrohte sie und sprach: „Warum jagt ihr die Geschöpfe Gottes, die edler sind als ihr? Durch die Grausamkeit vieler Generationen wurden sie zu Feinden der Menschen gemacht, die eigentlich ihre Freunde sein sollten.

20. Wenn die Kraft Gottes in ihnen sichtbar wird, so zeigt sich auch seine Geduld und sein Mitleid. Höret auf, dieses Geschöpf zu verfolgen! Es will euch kein Leid tun. Seht ihr nicht, wie es vor euch flieht und erschreckt ist von eurer Gewalttätigkeit?“

21. Und der Löwe kam herbei und legte sich vor Jesu Füße und zeigte ihm seine Liebe. Und das Volk staunte sehr und sagte: „Sehet, dieser Mensch liebt alle Geschöpfe, und hat sogar Befehl über die Tiere der Wüste, und sie gehorchen ihm.“