05 Die Anbetung der Weisen und Herodes

1. Als Jesus geboren war zu Bethlehem im Lande Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen einige weise Männer aus dem Osten nach Jerusalem. Sie hatten sich gereinigt und weder Fleisch noch starke Getränke zu sich genommen, damit sie den Christus finden könnten, den sie suchten. Und sie sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir im Osten haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“

2. Als König Herodes dies hörte, erschreckte er und mit ihm ganz Jerusalem. Und er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenrufen und verlangte von ihnen zu wissen, wo der Christus geboren werden sollte.

3. Und sie sagten ihm: „Zu Bethlehem im Lande Judäa, denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: Und du, Bethlehem im Lande Judäa, bist nicht die Kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll der Herrscher kommen, der mein Volk Israel regieren wird.“

4. Da berief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erforschte von ihnen genau, wann der Stern erschienen wäre. Und er sandte sie nach Bethlehem und sagte: „Ziehet hin und sucht sorgfältig nach dem Kindlein, und wenn ihr es gefunden habt, so gebt mir wieder davon Kunde, dass auch ich komme und es anbete.“

5. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin: Und siehe, der Stern, den die Weisen aus dem Osten sahen, und der Engel des Sternes zogen vor ihnen hin, bis er kam und über dem Orte stand, da das Kindlein war. Und der Stern erglänzte mit sechs Strahlen.

6. Sie zogen ihres Weges mit ihren Kamelen und Eseln, die mit ihren Gaben beladen waren. Und sie blickten auf der Suche nach dem Kind so eifrig auf den Stern am Himmel, dass sie für eine Weile ihre müden Tiere vergaßen, die die Lasten und die Hitze des Tages trugen und durstig und erschöpft waren. Und der Stern entschwand ihren Blicken.

7. Vergeblich standen sie und starrten und blickten in ihrer Bestürzung einer den anderen an. Da entsannen sie sich ihrer Kamele und Esel und beeilten sich, ihre Lasten abzuladen, damit sie rasten könnten.

8. Nun war dort nahe bei Bethlehem ein Brunnen am Wege. Und als sie sich darüber beugten, um Wasser für ihre Tiere heraufzuholen, siehe, da spiegelte sich auf der stillen Wasserfläche der Stern, den sie verloren hatten.

9. Und als sie dieses sahen, wurden sie von großer Freude erfüllt.

10. Und sie priesen Gott, der ihnen Barmherzigkeit zeigte, gerade als sie sich ihrer durstigen Tiere erbarmt hatten.

11. Und als sie in das Haus eingetreten waren, fanden sie das Kindlein mit Maria seiner Mutter, und sie fielen nieder und beteten es an. Sie öffneten ihre Schätze und breiteten vor ihm ihre Gaben aus: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12. Und da sie von Gott in einem Traum gewarnt waren, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg zurück in ihre Heimat. Und sie entzündeten nach ihrem Brauch ein Feuer und beteten Gott in der Flamme an.

13. Da sie aber fortgezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: „Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter und fliehe nach Ägypten und dort bleibe, bis ich dir weiteres sage; denn Herodes sucht es zu töten.“

14. Er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter bei Nacht und entwich nach Ägyptenland und blieb dort für etwa sieben Jahre bis zum Tode des Herodes, damit erfüllet würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“

15. Und auch Elisabeth, als sie dies hörte, nahm ihr Söhnlein und ging ins Gebirge mit ihm und verbarg es dort. Und Herodes sandte seine Männer zu Zacharias in den Tempel und ließ ihn fragen: „Wo ist dein Kind?“ Und er antwortete: „Ich bin ein Diener Gottes und bin immer im Tempel. Ich weiß nicht, wo es ist.“

16. Und er sandte abermals zu ihm und ließ ihn fragen: „Sage mir ehrlich, wo ist dein Sohn, weißt du denn nicht, dass dein Leben in meiner Hand ist?“ Zacharias antwortete und sprach: „Gott ist Zeuge: Wenn du mein Blut vergießest, wird Gott meine Seele aufnehmen, denn du vergießest das Blut eines Unschuldigen.“

17. Und sie erschlugen Zacharias im Tempel zwischen dem Allerheiligsten und dem Altar; das Volk bekam Kunde davon durch eine Stimme, die rief: „Zacharias ist getötet worden, und sein Blut soll nicht früher abgewaschen werden, bevor nicht der Rächer gekommen ist.“ Und nach einiger Zeit warfen die Priester das Los, und das Los fiel auf Simeon, welcher seine Stelle einnahm.

18. Da Herodes nun sah, dass er von den Weisen getäuscht worden war, erzürnte er heftig und sandte seine Leute aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem und in der Umgebung erschlagen, die da zweijährig und darunter waren, entsprechend der Zeit, die er von den Weisen erfahren hatte.

19. So wurde erfüllt, was gesagt ist von dem Propheten Jeremia: „In Rama hört man eine Stimme, Weinen, Klagen und großes Trauern. Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen; denn sie sind nicht mehr.“

20. Doch als Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traume in Ägypten und sprach: „Stehe auf und nimm das Kind und seine Mutter und kehre zurück in das Land Israel: Denn sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben trachteten.“

21. Und er stand auf und nahm das Kind und seine Mutter und kam zurück in das Land Israel. Und sie wohnten in einer Stadt mit Namen Nazareth. Und sie nannten ihn den Nazarener.