Loge und Bruderschaft

Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche)

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Der Okkultist Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche) stellt in diesem Text seine Ansichten bezüglich der Notwendigkeit und Vorteile von Bruderschaften und Logen dar.

 

 

Wir wollen uns darüber absolut klar sein: Der Weg des erkennenden, esoterischen Menschen führt unweigerlich in die Einsamkeit! Und diese Einsamkeit ist von ihm innerlich ersehnt, ist ihm willkommen. Sie ist die harmonische Schwester der Verlassenheit. Sie trägt nicht wie diese, in ihren Händen Hass, Verzweiflung und ungestilltes Verlangen, die giftigen Früchte des Erkenntnisbaumes, sondern birgt in sich die reine Schwingung einer harmonischen Glückseligkeit. So ist diese Einsamkeit ein hohes Ziel. Doch der Weg zu ihr ist nicht leicht und führt durch tiefe Täler in denen Unlust, Zweifel und tiefe Müdigkeit wohnen.

Man muss sich wahrhaft durchringen zu der Erkenntnis, dass der Weg zur Höhe von den Menschen fortführt, dass man sich absondern muss von der lauten Menge, um einsam und glücklich zu werden. Man steigt mit Hunderten nicht auf die hohen Gipfel! Der kühnste Steiger zwingt den Weg allein! So hell klingt Deine Stimme nie, wenn sie im Chor der Menge tönt, so sicher kann Dein Fuß nicht schreiten, wenn Liebesarme sich um Deinen Nacken schlingen! Allein! Allein! Ein königlicher Herr auf höchster Höhe! Als Freund nur die Herrlichsten, die je gelebt in toten Zeiten. So bist Du frei, ein wahrhaft freier Mensch, und Deine Seele ist mit Gott verbunden und niemand hindert Dich daran.

Kein Dogma engt Dich ein und keine Kirche ruft Dich zu den Diensten. Du brauchst vor keinem Pfaffen oder Priester Dich zu beugen, die oft nur Diener sind und selbst nicht glauben, was sie lehren. Du aber glaubst nur das, was Dir Erkenntnis schuf und lauschst dem Gotte, der in Deiner Seele zu Dir spricht. Du suchst und findest Gott in der Natur in allem seinem Schaffen, in allen Formen, und greifst in Deiner Sehnsucht vermessen kühn bis zu den Sternen. Gott ist in Dir! Du selbst bist Gott!

So gehe diesen Weg der wahren Mystik und Du wirst sehen, dass auf diesem schweren stillen Wege sich ab und zu ein ernster Mensch sich doch Dir zugesellt, um Dich ein Stück des Weges zu begleiten. Er ist ein Suchender, gleich wie Du! Auch er blickt nach den Höhen, die im Sonnenglanze liegen. Dann gehe still an seiner Seite, denn Eure Seelen sind seit Jahrtausenden verbunden. Sein Weg kommt aus der gleichen Runde, die hinter Eurem Werden liegt und beide seid Ihr nun in diese Inkarnation geworfen. Es ist vom Schicksal so gewollt und höhere Mächte stehen Euch zu Diensten.

Das ist die wahre Bruderschaft, die selten ist und doch so kostbar. Sie steht weit über Frauenliebe. Die Grenzen des Geschlechtes sind schon lange überwunden und Eure Lust gilt nur dem Gott! So können Kreise sich zusammenfinden von Menschen, die sich kennen nur durch einen Händedruck und an dem inneren Leuchten ihrer Augen. Es gibt die Bruderschaft, die wissend ist! Man muss sie suchen! Und es ist Bestimmung sie zu finden.

Doch wisse: Selbst in ihrer Mitte bist Du einsam! Dein Weg wird steiler, und so mancher bleibt zurück, der mit Dir ging.
Die Logen sind Stationen auf dem Wege der Sammlung, der Erholung und Beratung gleichgestimmter Menschen. Das ist ihr Zweck. Und Schulung hat ein jeder nötig, um den Gefahren auszuweichen, die aus den Schluchten kommen. Die Dämonien ruhen nie und sind nach jeder Seele gierig, um sie vom Lichtpfad zu sich herab zu reißen.

So wird der Bruderkette geistig Band Dich schützen, solange Du sie noch bedarfst. Man wird Dich prüfen, Dir noch neues Wissen geben, und wird Dich trösten, wenn Du müde bist. Dann werden Dir die Rosen an dem Kreuze voll erblühen, und Deine Chakra werden in dem Ätherkörper kreisen. Dann wirst Du Geistes-Mensch und eine höhere Hand nimmt Dir das Karma von den Schultern.

Das ist der Weg zur Loge und zur Bruderschaft. Er endet in der Einsamkeit, doch manche brauchen viele Leben, ihn zu gehen! Man soll nicht hasten, sondern reifen. Auch Logendienst ist Gottesdienst! Die alten Rituale bergen in sich Kräfte, die magisch in dem Kosmos wurzeln. Und ihre Kraft gehört dann Dir! Das ist ein Trost und eine Zuversicht.

(Blätter für angewandte okkulte Lebenskunst 1952)