Das verbesserte System der Illuminaten
mit allen seinen Einrichtungen und Graden.

 

Adam Weishaupt (1787)

Der Welt und dem menschlichen Geschlecht
Ideen über das Wesen und Einrichtung einer geheimen Gesellschaft.

 

Unterricht für die Mitglieder des ersten Grades.

Die Zeit deiner Überlegung ist nun vorbei. Dein Entschluss, dich mit uns zu verbinden, ist unabänderlich. Freund! du läufst Gefahr, misshandelt, missbraucht zu werden.

Du bist also fest entschlossen, neue Verbindlichkeiten zu übernehmen, deine durch andere Verhältnisse schon ohnehin eingeschränkte Freiheit noch mehr zu beschränken, das Schicksal anderer als dein eigenes anzusehen, durch Unklugheit, Übereilung, Leidenschaft deiner Mitverbundenen großen Gefahren, und Verfolgungen ausgesetzt zu werden? Du, der du so gerne dieses Ganze nach deinem Wink zu ordnen, und zu formen gedenkest, so gerne befehlen, und so ungern gehorchen willst, kannst dich entschließen ein kleines Rad an einer großen Maschine zu werden, das nicht größer, und nicht kleiner sein darf, als es der Zweck erfordert, um die vorgehabte Wirkung hervorzubringen?

Bei solchen Bedenklichkeiten und Gefahren verlohnt es sich wohl der Mühe, und die Pflicht, und Redlichkeit eines ehrlichen Mannes erheischen es auch, jedem Neuling die Lage, in die er sich versetzen will, so zu schildern, dass er dereinst bei sich erhebendem Missvergnügen, und späterhin erfolgender Reue sich mit Irrtum, und Unwissenheit vergeblich schütze, über Verführung klage, und seine Unfolgsamkeit damit entschuldige. Da über dies Menschen so häufig mit so heterogenen Gesinnungen, und Absichten, mit so fremden eigennützigen Erwartungen in geheime Verbindungen treten, dass diese schon allein die Ursache ihres endlichen Verfalls werden, so erfordert es selbst das Beste dieser Verbindungen, dass man hier nicht heuchle, sondern frei von der Brust spreche, dass jeder Eintretende von allem gehörig unterrichtet, auf keine Art übereilt, sondern vielmehr in den Standgesetzt werde, alles genau zu überlegen und mit feinen Wünschen, und Erwartungen zu vergleichen. Zu diesem Ende wisse dann, und höre!

  1. Jede geheime Verbindung ist eine Vereinigung mehrerer Menschen zu einem, nur ihren Eingeweihten bekannten Zweck. Der Zweck ist das Erste und Wesentliche jeder Menschenvereinigung. Ohne Zweck ist jede derselben unmöglich, undenkbar. Nach der Verschiedenheit dieser Zwecke richten sich ihre besseren oder schlechteren Einrichtungen, die Verschiedenheit der dahin führenden Mittel, ihre Gesetzmäßigkeit, und bürgerliche Toleranz, ihr Wert und Unwert, ihre Pflichten und Rechte, Dauer und Verfall, Hindernisse und Fortgang, Zufriedenheit, Missvergnügen, Anhänglichkeit, und Eifer der Verbundenen, die Gefahren oder Vorteile, ihre Verhältnisse zu der übrigen Welt, der auf sie sich verbreitende Nutzen oder Schaden, die günstigen oder widrigen Urteile der Profanen. Jeder Zweckfordert eine enge zweckmäßige Vorbereitung und Behandlung der Mitglieder. Jedes muss, ihn wollen, jedes dafür glühen, oder diese Vereinigung wird ein elender schwacher, unzusammenhängender Körper sein. Diese Zwecke sind nun mancherlei: sie sind verschieden von Seiten der verschiedenen Gesellschaften; sie sind auch verschieden, von Seiten derer, welche eintreten.
  2. Von Seiten der Gesellschaften sind sie edler oder unedler, höher oder niedriger, allgemeiner oder eingeschränkter, eigennütziger oder gemeinnütziger, dauerhaft oder vorübergehend, gut oder böß. Die Zwecke aller dermal so häufig vorhandenen geheimen Verbindungen möchten ungefähr folgende fein; Erforschung der Geheimnisse der Natur, Erforschung der Zukunft, Umgang mit höheren Naturen, die Erfindung des Steines der Weisen, Unterstützung, Handel, Aufnahm eines Landes, Herrschsucht, Universalmonarchie, versteckte Verbreitung engerer Absichten, politische Plane, Verbreitung eines gewissen Sektengeistes, Aberglaube und Dummheit, Verbreitung der Sittlichkeit und Aufklärung, Beförderungen menschlicher Glückseligkeit, Erziehung und Bildung des Menschengeschlechts, Zeitvertreib, sinnlicher Genuss mit allen Arten und möglichen Abstufungen. Dieser entsetzlichen Verschiedenheit ungeachtet führen doch alle eine Sprache, alle versprechen. Aufklärung, Beförderung menschlicher Glückseligkeit, und oft decket sich der schändlichste Betrug mit dem ehrwürdigsten Namen, um sodann umso gewisser betrügen zu können. Alle ohne Ausnahme geben sich das Ansehen der vollkommensten Anstalt; alle ohne Ausnahme, die beste so wie die schlechteste dieser Verbindungen, verbergen ihr Spiel, und erst spätere Folgen entdecken ihren Wert oder Unwert. Und doch sind wie du siehst nicht alle gleich gut, sie verdienen nicht alle die Mitwirkung edlerer Menschen. Welche sind nun bei dieser Ungewissheit, bei dieser Gefahr sich zu irren und hintergangen zu werden, für jeden, der den Drang oder Beruf fühlt, einzutreten, die sichersten Regeln, und Kennzeichen um sich am wenigsten zu irren?
  1. Wenn der Zweck bekannt und wahr ist, so dienet folgende Regel: je höher, allgemeiner, größer, edler der Zweck ist, je mehr er aus den Handlungen der bekannten Mitglieder hervorleuchtet; je einsichtsvoller, und untadelhafter diese selbst sind, umso vollkommener, und im Gegenteil umso schlechter ist die Gesellschaft.
  2. Wenn der Zweck ganz unbekannt ist, oder wie es mehrenteils geschieht, wenn er nur vorgeblich ist, so dienen folgende Regeln. wenn die Geldauslagen entweder gar keine, oder sehr mäßig sind; wenn dein Aufnehmer ein dir genau bekannter moralischer Mensch ist; wenn andere dir bekannte Mitglieder es nicht weniger sind, so magst du den ersten Schritt wagen, um näher zu schauen, was an der Sache ist.
  3. Spricht man dir sodann von Geheimnissen, welche die Kräfte der Natur und Vernunft übertreffen sollen, wird deinen Leidenschaften geschmeichelt, werden törichte Erwartungen und betrügliche Hoffnungen erweckt, blinder Glaube und Unterwürfigkeit gefordert, alle Prüfung untersagt, so schaue dich um offene Türen um, denn du bist in die Hände sehr großer Betrüger gefallen.
  4. Enthält das, was dir entweder mündlich oder schriftlich vorgetragen wird, noch überdies Unsinn, mystisches Wortgepräng, oder eitlen Zeremonientand, geschieht dies alles mit einer geheimnisvollen Mine, im Ton der Pietisterei, so beschleunige noch mehr deinen Austritt.
  5. Ist aber der Vortrag ernsthaft und wichtig, sind die Aufträge alle im gehörigen Verhältnisse mit dem Zwecke, werden deine ursprünglichen Pflichten dadurch befördert oder erleichtert, werden die Mitglieder vor und nach ihrem Beitritt ohne Unterschied der Stände genau geprüft, wird sonst noch mit Ernst, Offenheit und Geradeheit verfahren: so hast du alle Ursache das weitere abzuwarten, so lange du nichts gewahr wirst, was mit höheren Pflichten streitet.
  6. Steigt noch vollends das Interesse mit jedem Grad; öffnen sich immer neue und größere Aussichten; erhältst du neue oder lebhaftere Bewegungsgründe des Rechtverhaltens; erhöhen die vorgetragenen Lehren die Würde der Menschheit, machen sie dich mit deinem Stand und Schicksal zufriedener, ruhiger, seliger; wird dies alles ohne alle Dunkelheit und Sophisterei vorgetragen, ist noch anbei die Lehre in das Betragen und die Sitten deiner Lehrer übergegangen: dann bist du in eine schätzbare Verbindung getreten die deine ganze Mitwirkung verdienet. Es wird dir sogar Pflicht ihre Absichten zu befördern und ihre Vorschriften genau zu erfüllen. Dein moralisches Wohl, deine natürliche Pflichten selbst befehlen dir diesen Beitritt und ernsthafte Mitwirkung.
  7. Eidschwüre, Zeremonien, mäßiger Gelderlag, vorgebliches Altertum allein genommen, beweisen weder für, noch wider die Güte einer geheimen Verbindung.
  8. Mangel von Strenge, mit welcher auf die Befolgung der Gesetze gedrungen wird, Mangel von Ordnung, und Punktualität, Vorliebe gegen gewisse Stände, Unbehutsamkeit in der Aufnahme, übereilte Beförderungen. Eigenmächtigkeit der Mitglieder, langsamer Gang der Ordensgeschäfte, überhand nehmende Lauigkeit, vernachlässigte Bildung sind zwar Fehler, doch liegt der Fehler mehr in der Ausführung, in den Personen als in der Sache selbst; es ist noch Hoffnung, dass sich alles mit Abänderung der Personen, vielleicht durch dein eigenes Mitwirken ändern werde. Alle diese Gebrechen sind Folgen eines in der ersten Anlage übel gegründeten, oder durch Unfähigkeit, und Nachlässigkeit der Obern sich seinem Verfall nähernden, sonst vielleicht an sich sehr guten Gebäudes.
  9. Mangelt aber Unterstützung und Hilfe in dringenden erprobten Notfällen, so herrscht in der Gesellschaft Liebloßigkeit, Gleichgültigkeit gegen das Schicksal. Anderer. Der Gemeingeist, das Band der Vereinigung, und der Zusammenhangunter den Teilen sind äußerst schwach. Die Achtung der Besseren verliert sich, große Aufopferungen unterbleiben, und die Lauigkeit, und Gleichgültigkeit gegen das Ganze, Murren und Unzufriedenheit treten ein, und der Körper geht feiner Auflösung entgegen.
  10. Von Seiten der Eintretenden können die Zwecke so verschieden sein, als die Leidenschaften Wünsche und Erwartungen einzelner Menschen. Dahin gehören zum Beispiel Zeitvertreib, Mode sucht, Eitelkeit, Begierde nach Bekanntschaften mit Fremden, mit Gelehrten, mit Höheren, Beförderungssucht, das Vorurteil des Altertums und einer allgemeinen Verbreitung, Ehrgeiz, Herrschsucht, Unterstützung, Mysteriensucht, Handlungsvorteile, Erleichterung seines Geschäfts und Gewerbs, Vorwitz und Neugierde etc. Alle Menschen, die aus diesen oder ähnlichen Ursachen eintreten, sind für eine Gesellschaft, die ins Große zu wirken gedenkt, nicht nur gänzlich unbrauchbar, sondern sogar im höchsten Grad gefährlich. Alle diese Absichten trennen und teilen, und die Gesellschaft will vereinigen. Und doch ist von tausenden, die sich um die Aufnahme bewerben, kaum ein einziger davon befreit. Alle zeigen sich auf der schönen Seite, alle rühmen die Uneigennützigkeit ihrer Absichten.

Diese wirken oft bei dem besseren Teile der Menschen nur aus dem Hintergrund so sehr im Verborgenen unter der Maske des allgemeinen Wohls, dass auch genaue Forscher sich selbst dazu vielfältig verkennen. Traue daher nie ihren Worten. Wiederholte Taten allein können entscheiden. Hier kann eine gute Vorbereitung vor dem Eintritt selbst, und eine langsame Beförderung die verborgenste Triebfeder entdecken. Jeder der obigen Aspiranten hat feine eigene Art, den Eintritt zu verlangen, sich nach dem Eintritt zu betragen. Nach und nach werden ihre geheimen Forderungen sichtbarer, nach dem Wachstum oder der Verminderung der Wahrscheinlichkeit für die Befriedigung ihrer Wünsche, steigt oder erkaltet ihr Eifer. Keiner von allen hält es gegen die Zeit aus. Mancher Betrüger und Gleisner hat sich erst einige Jahre nach seiner Einweihung entdeckt, kein Mensch ist versichert, bei dem nicht gute Grundsätze zum Bedürfnis geworden sind, der nicht bei vielen Vorfällen und manchen Gelegenheiten und Aufforderungen das Gegenteil zu tun, in Kampfe gegen und mit sich selbst gelegen, und feine Grundsätze durch entsprechende Handlungen mehr – malen geäußert hat. Einzelne Aufwallungen zum Guten, die so geschwind vergehen, als sie entstanden sind, entscheiden sehr wenig. Zu der Kunst, das Feuer in den Seelen der Menschen anzufachen, muss noch eine zweite hinzukommen, die Kunst dieses Feuer beständig in einem gemäßigten Grad zu unterhalten. Hier liegt alle Weisheit, Furcht macht. Heuchler, und Hoffnung erzeugt. Schmeichler: anhaltende Liebe zum Zweck allein macht dauerhafte, versicherte, freiwillige und überzeugte Mitarbeiter und Anhänger.

Wenn nun an der Vorbereitung, an den Absichten, aus welchen jeder Neuling eintritt, so vieles gelegen ist, so müssen hier auch Regeln gegeben werden, nach welchen jede Gesellschaft die Absichten ihrer Mitglieder bei ihrer Beigesellung erforschen kann. Hier sind einige derselben, Lege doch jeder bei Anhörung oder Durchlesung derselben seine Hand auf die Brust, wende jede Regel auf sich selbst an, erforsche sich in feinem innersten, und wage es von sich selbst das schlechteste zu glauben, um die Wahrheit umso gewisser zu finden.

  1. Wer etwas anders will und sucht, als die Gesellschaft, zu welcher er sich gesellt, der wird nie ein guter Gesellschafter fein.
  2. Wer den nämlichen Zweck mit der Gesellschaft hat, dem aber dieser Zweck nicht wahres dringendes Bedürfnis ist, wird es ebenso wenig sein.
  3. Wer engeren Interessen eifrig nachjagt, wem noch etwas wichtiger ist, als die innerliche Vollkommenheit seiner Natur, der ist nie großer Taten und Aufopferungen fähig. In Kollisionsfällen wird er allzeit die Ausnahme für seinen engeren Zweck machen.
  4. Wer Mitglied einer anderen Verbindung ist, und dieser noch anhängt, wird nie den Anteil an der neuen Verbindung nehmen, der an und vor sich notwendig ist.
  5. Wer das Elend des menschlichen Lebens nie oder selten erfahren hat, wer von der Notwendigkeit geheimer Gesellschaften nicht lebhaft überzeugt ist, dessen Anhänglichkeit wird schwach sein.
  6. Wer an die Gesellschaft frühzeitig häufige Forderungen macht, dessen Forderungen zeigen die Absicht, die ihn herbeigeführt hat.
  7. Wer sich nach seiner Aufnahme an die Großen der Gesellschaft hinaufdrängt, um diese beständig herum schleicht und nach ihrer Gunst haschet, den haben Eitelkeit, Beförderungssucht, Intrigengeist zu diesem Schritte gebracht.
  8. Wer immer nach Beförderung schreiet, darüber ungeduldig und zudringlich wird, dessen Triebfedern sind Vorwitz, Ehrgeiz, Neugierde und Herrschsucht.
  9. Um die Erwartungen deiner Kandidaten auf einmal zu erforschen, so eröffne ihnen frei und ungeheuchelt, dass sie außer den Anleitungen zur Vervollkommnung ihrer selbst von der Gesellschaft gar nichts zu erwarten haben; dass sie sich betrügen, wenn sie von uns große Mysterien, politische Plane, Beförderung ihrer engeren Interessen erwarten; dass , wenn diese Vervollkommnung ihrer selbst, die Erhöhung ihrer Natur nicht ihr höchster, und letzter Zweck sei, sie lieber an der Schwelle umkehren, als sich weiter mit einer Gesellschaft einlassen, die für die Befriedigung ihrer Wünsche so geringe Aussichten zeigt. Dies versichere sie mit Kraft und Zuversicht, und dann erstaune, wie mit einem mal ihr Eifer erkalten wird, wie jeder nach der Türe schaut und in seiner Nacktheit entflieht. – Melde noch diesen zudringlichen Menschen, dass sie Jahre lang zu warten, lange und häufige Proben abzulegen haben, dass sie alle einer sehr strengen Aufsicht und Ordnung unterworfen sind, gegen welche ihr Ungestüm und ihre Eigenmächtigkeit nichts vermögen werden: Sie werden dich sodann haufenweise verlassen. Von diesem Grundsatze weiche nicht, halte mitunerbittlicher Strenge darauf, denn es ist das sicherste Mittel unzuverlässige Leute zu prüfen, die uns doch einst verlassen würden, die uns nun mit unserm geringsten Nachteilverlassen.Lasse es ja nicht merken, dass du sie suchst, und sie werden dich suchen, und statt zu gebieten, sich deinen Vorschriften unterwerfen.
  10. Um in allem bei jedem sicher zugehen, erforsche genau sein voriges Leben; aus feinen Taten, aus feinen dort am meisten geäußerten Wünschen, aus den Verhältnissen, in welchen er jetzt steht, aus der Zeit, und dem Ort, wo er sich um die Aufnahme meldet, aus den Mitteln, die er dazu einschlägt, aus dem Stand, und Gewerb das er treibt, aus diesem allen, mit– und untereinander verglichen, auf das Temperament des Suchenden angewandt, muss sich endlich die wahre auch noch so versteckte Absicht erklären.
  11. Wer sein Ohr dem Wehklagen des elenden, sein Herz dem sanften Mitleiden öffnet; wer der Unglücklichen Freund und Bruder ist; wer mit Vorsatz auch nicht den Wurm zertritt, der sich unter seinen Füßen krümmet; wer ein Herz für Liebe und Freundschaft hat, standhaft in Widerwärtigkeiten, unermüdet ein angefangenes Werk durchzusetzen, und unerschrocken in Überwindung der Gefahren und Schwierigkeiten ist; wer des Schwachen nicht spottet, dessen Seele, fühlbar gegen alles Groß, sich aus ihren engeren Kreisen herausarbeiten, sich über alles niedrige Interesse erheben kann; wem die Vervollkommnung seiner Natur sein größtes und lebhaftestes Bedürfnis ist; wem alles dazu als Mittel erscheint; wer den Müßiggang flieht, keine Art von Erkenntnis verachtet, aber Menschenkenntnis und Selbsterforschung zu seiner Hauptbeschäftigung macht; wer, wo es um Wahrheit und Tugend zu tun ist, die Klugheit an feiner Seite, die nicht verleugnet, unerschrocken bekennt, sich über den Beifall des großen Haufens und der Großen hinwegzusetzen und feinem Herz zu folgen den Mut hat: dieser und dieser ganz allein ist der Mann für uns, den wir suchen.
  12. Ein solcher Mann mit einer solchen Stimmung des Geistes, oder auch nur mit der Anlage dazu wird eintreten, um zu nutzen. Er wird eine solche Verbindung als ein Mittel betrachten, das Menschengeschlecht zu seiner Reife, Vollkommenheit zur höheren Sittlichkeit zu bilden; zur eigenen Vervollkommnung, zur Kenntnis feiner wahren Bestimmung, zur Anleitung danach zu handeln, es in der Kenntnis feiner selbst und anderer immer höher und weiter zu bringen, zur Erleichterung schon vorhandener Pflichten, zu seiner Zufriedenheit und Ruhe. Ein solcher Mann wird gern feine Forderungen mäßigen, wird einsehen, wie notwendig Ordnung und Genauigkeit sei en; wie notwendig die Beschränkung feiner Leidenschaften, wie zweckmäßig ein bestimmtes Betragen und Folgsamkeit gegen die Gesetze, wie wesentlich es sei, dass jeder nur an feinen Ort, unbekümmert um die Fehler anderer nur so viel wirke, als die ihm angewiesene Stelle im Zusammenhangmit den übrigen erfordert; wieder, dem es bloß um des Nutzens willen zu tun ist, an der untersten Stelle mehr wirkt, als ein anderer, dessen Absicht zu herrschen ist, der noch dazu seiner Stelle nicht gewachsen, alles verwirrt, sich in nichts fügt, und den Untergang der Verbindungbeschleuniget. Er wird nachsichtig gegen Fehler sein; er wird einsehen, dass eine solche Verbindung doch noch immer eine Erfindung und Anstalt der Menschen sei und bleibe; er wird Mängel entdecken, die nicht auf einmal zu heben sind, wird darum diese Anstalt durch feinen Tadel oder Wiederspruch nicht zernichten, die Fehler aufdecken, unfolgsame Mitgliederunfolgsam zu machen, er wird die Zeit erwarten, wo Verbesserungen unmerklicher geschehen können; er wird bei den Fehlern anderer den Mut nicht verlieren, er wird vielmehr sorgen, dass andere ihn nicht verlieren, und wenn alle andere fehlen, unbekümmert, in seinem eigenen Kreise die nötige Ordnung erhalten; und wenn auch nicht alles sich nach der vorgeschnittenen Form ordnet, wenn andere Gestalten und Formen erscheinen, so wird er erkennen, dass die Ordnung der Natur die Weisheit der Menschen unendlich über treffe, dass diese Anomalien den Gang der Natur angemessen sei en, dass sie das Mittel sei en, uns dahin zu lenken, wo sie uns erwartet. Er wird glauben, der Zweck einer solchen Verbindung (die Form sei welche sie wolle, denn sie ist zufällig und richtet sich nach Umständen) sei im Wesentlichen erreichet, wenn auch nur ein einziger Mensch, wenn nur er allein besser geworden als er war, wenn sich die Anzahl der Guten nur um einen einigen vermehrt. Er will und wirkt so viel er kann, und beruhigt sich dabei.
  1. Unter diesen tausend Zwecken so vieler geheimen Verbindungen können unmöglich alle gleich gut fein; vielleicht nur einer, unter den übrigen guten, kann der wahre und letzte fein, zu welchen sich alle übrige bloß als Mittel verhalten. Die vollkommenste Verbindung unter der Sonne muss wohl diejenige fein, die sich mit diesem beschäftigt. Dieser Zweck muss groß, allgemein, weltumfassend, die letzte Bestimmung und das Bedürfnis unserer Natur fein. Er muss kein Traum, keine platonische Republik, und es muss keine Unmöglichkeit fein, solchen zu erreichen. Langsame, nicht gewaltige Mittel müssen dazu führen, und diese Mittel müssen keine andere, als die uns, schon ohnehin, obliegende Pflichten fein. Er muss der Zweck der Natur selbst sein; Menschen sollen dabei nur Geburtshilfe leisten. Im Plan, in der Ordnung der Natur, in der Kette des Ganzen muss diese Gesellschaft selbst als Mittel eingeflochten sein, dessen sich die Gottheit bedienet, um höhere Sittlichkeit unter Menschen zu verbreiten, um unser Geschlecht feiner Vollkommenheit näher zu bringen. – Davon musst du dich überzeugen, wenn die Gesellschaft deine Achtung und Mitwirkung verdienen soll. Diese Überzeugung erhältst du durch folgende Vernunftgründe.

Die Natur, welche Entwicklung eines großen ungeheuren Plans ist, wo in allem das selbige Urbild zum Grund liegt, und nur nach Verschiedenheit feiner Veränderungen, Formen, und Graduationen verschiedene Namen erhält, macht in allen ihren Veränderungen keinen Sprung: sie geht vom kleinsten, und unvollkommensten aus, durchlauft alle Mittelstufen, um zur letzten und vollkommensten der Teile sowohl, als des Ganzen zu gelangen; sie macht Kinder, um aus ihnen Männer, und Wilde, um aus ihnen sittliche Menschen zu machen. Der erste Zustand des Menschen war rohe, wilde Natur, wo Familie die einzige Gesellschaft, leicht zu befriedigen, der Hunger und Durst, Schutz gegen die Ungestüme des Wetters, ein Weib, und nach der Ermüdung die Ruhe ihre einzige Bedürfnisse waren. Der mangelnde Unterhalt hat aus diesen Jägern Hirten und Nomaden, und bei weiterer Vermehrung und zunehmendem Mangel Ackersleute gemacht, sie an feste Sitze, an Ordnung, und Gesetze gebunden, und das Eigentum sowie mit den immer sich verfeinernden Sitten neue Bedürfnisse hervorgebracht. So viele Menschen von so geringer Kultur, so unfähig, sich selbst vorzustehen, mussten aber doch durch frühzeitig entstandene Bedürfnisse die großen Vorteile einer von ihnen anerkannten obersten Gewalt einsehen, einer Gewalt, die sie schützen, belehren, ihren zerstreuten Kräften die gehörige Richtung erteilen sollte.

Diese oberste Gewalt im Anfang sehr eingeschränkt, dann erblich und absolut, eben dadurch missbraucht und zuweilen unerträglich gemacht, endlich neuerdings beschränkt, einem, mehreren, allen mitgeteilt, durchlief nach und nach alle mögliche Formen und Einschränkungen, hieß nun Monarchie, Despotismus, Demokratie und Ochlokratie, Aristokratie und Oligarchie, und gab endlich unsern heutigen Reichen ihre heutige Form und Gestalt. Alle diese Veränderungen hatten Bessersein zur Absicht, entstanden aus wirklichen Bedürfnissen, aus vorhergesehenem Vorteil. Dieser war kaum erreicht, so ward durch ein neues, so eben aus der vorhergehenden Einrichtung entstandenes Bedürfnis, eine neue Aufsicht geöffnet. Auf diese Art haben es Menschen auf einen hohen Grad der Verfeinerung gebracht. Aber wie viel bleibt selbst bei den besten und vollkommensten unserer heutigen Einrichtungen noch zur Stunde unvollkommen und unvollendet? Welches weite ungeheure Feld öffnet sich selbst bei unserm heutigen Zustand nicht bloß den törichten Wünschen, sondern den gerechten und vernünftigen Erwartungen der Menschen? Wie entsetzlich viel fehlt uns noch zu unserer Vollendung, das unmöglich durch unsere heutige Anstalten ohne noch größere Verfeinerung nicht zu erreichen sind? Wie weit ist unsere Sittlichkeit noch von der wahren letzten Verfeinerung entfernt? Sittlichkeit ist etwas mehr als verfeinerter Genuss der Gemächlichkeiten des Lebens, als die Kunst mit großer Feinheit unter dem erborgten Anschein des Rechts dem anderen zu schaden, seinen Gegner zu vernichten. Sittlichkeit ist Enthaltsamkeit von den Rechten anderer, Mäßigung eigener ausschweifender Forderungen, Trieb nach innerer Vervollkommnung, nach höheren dauerhafteren Gütern, hinlängliche Kenntnis seiner Lage, der damit verbundenen Verhältnisse; sie ist vernünftige Selbstliebe. Da diese unter einzelnen Menschen noch eine seltsame Erscheinung ist, was Wunder sodann, dass sittliche, mehr raffinierte Wildheit die Sitte der Völker ist! Denn Sitten und Meinungen ganzer Völker sind die Sitten und Meinungen des größten Teils ihrer Glieder und Bürger. So wie sich also in jedem gegebenen Volk die Anzahl der sittlichen Menschen vermehrt, in dem Maß vermehrt sich die Sittlichkeit eines Volks: und wer einzelne Menschen ins bessere verändert, verbessert das Volk, und mit dieser Verbesserung mehrerer Völker wird das Schicksal der Erde ins bessere verändert. – Um also diese zum Wohl der Erdbewohner so nötige Sittlichkeit zu befördern, sollte die Sittlichkeit einzelner Menschen vermehret werden. Wenn nun aber eben da die größte Schwierigkeit steckt; alles zum Gegenteil auffordert; gute Beispiele besonders in höheren Klassen so selten sind; sich die niederen nach diesen höheren richten, von ihnen hoffen und fürchten, ihre Unsittlichkeit durch das Beispiel dieser rechtfertigen, sich daher Immunität oder wohl gar Belohnung versprechen; die schon ohnehin überwiegende Reize zur Verführung dadurch erhöhet und anziehender werden: wer hat da von so vielen Menschen Seelenstärke genug, es dagegen auszuhalten, umsonst gut zu sein, gut zu sein, um der Gegenstand des Gelächters, des Hasses, der Verleumdung, der Verfolgung zu werden? Wer von allen wird sich dazu entschließen, wenn das Laster, Ungerechtigkeit von oben herab begünstiget werden, weil sich vielleicht mancher Staatsvorteil darauf gründet; wenn jede Vereinigung der Menschen Argwohn erweckt, wenn teilen um zu herrschen das Grundgesetz der Regierung ist; wenn die Erziehung der Regenten, auch derer, so um sie die nächsten sind, der Aufsicht unwissender, eigennütziger, bei dem Gegenteil sehr interessierter Menschen anvertrauet wird, nur da allein gespart, in anderen Fällen zu Millionen verschwendet wird; wenn der Jugend falsche Muster vorgestellt werden, die oberste Gewalt gegen Volkserziehung gleichgültig ist, alle Vorurteile und Meinungen die zu ihren engeren Absichten notwendig sind, sorgfältig unterhält, sie in die Erziehung legt, und den jungen werdenden Geschlecht eine schiefe obwohl auf eine Zeit vorträgliche Richtung gibt: soll und kann man sich sodann unter solchen Umständen, bei solchen Hindernissen verwundern, dass Sittlichkeit schon unter einzelnen Menschen so selten ist, dass sie unter Völkern auf der ganzen weiten Oberfläche der Erde gar nicht gefunden wird? Soll man nicht zweifeln, ob nicht etwa Tugend ein bloßer Name und Sittlichkeit der Völker, des ganzen Geschlechts ein Traum, eine Unmöglichkeit sei. – Diese Zweifel erhalten noch mehr Stärke, wenn auch der beste Fürst selbst als Muster mit den besten Einsichten, und Willen auftritt, sich mutig an das Übel macht, und doch durch unvermeidliche Hindernisse unüberwindlich zurück gehalten wird, feine Arbeit nicht vollenden kann, durch Zeit, und Umstände wider Willen zu Schritten genötigt wird, gegen welche sich sein Gewissen und mitfühlendes Herz empören. All sein Bestreben wird vergeblich fein, so lang er gegen andere mächtige Nachbarn auf seiner Hut zu sein genötigt wird. Alle seine Sorgen müssen sich mehr auf Sicherheit von außen richten. Seine Sorgfalt wird von den inneren friedlichen Landesangelegenheiten abgewendet, oder nur insofern darauf gerichtet, um in dem Innern Kräfte und Ressourcen zur Verteidigung zu finden. Die Sorge für den inneren moralischen Wert der Bürger wird der Religion und den Vorstehern derselben überlassen; und die Geschichte aller Zeiten beweist hinlänglich, wie sehr diese edelste Triebfeder aller menschlichen Handlungen missbraucht worden sei, wie die bürgerliche Regierung in verschiedenen Ländern, und zu verschiedenen Zeiten, statt der nötigen Stütze, an den Klerus selbst einen neuen innerlichen Feind erhalten hat, wie dieser für sich gesorgt, die Religion zur Maske gemacht und den Staat unter seine Füße getreten, wie die Menschen die Lehre Gottes mit verschiedenen Zusätzen und Sophistereien verdorben, durch die Spaltung ihrer Meinungen Streit, Menschenhass verbreitet und die einzige noch übrige Quelle der Sittlichkeit vergiftet haben. – Auf diese Art wird der freie sonst ungehinderte Gebrauch der sämtlichen Staatskräfte beschränkt; der Regent wird genötigt, solchen eine Richtung zu geben, die seinen ersten Absichten entgegen ist, und da Sicherheit das erste Gesetz ist, so muss zwischenunruhigen Nachbarn auf diesen Grund das ganze Gebäude ihrer Gesetzgebung und ihrer Staatsverwaltung sich gründen. Die besten Gesetze werden sodann eine bloße relative Güte haben; die an sich besten Gesetze würden zum Untergang führen, der Staat selbst würde darüber seinem gierigen Nachbarn zur Beute werden. Nicht im Lernen und Toben des Krieges oder eines ebenso unruhigen Friedens, nicht beim Mangel an Sicherheit, unter beständiger Furcht vor dem Überfall, mildern sich die Sitten; unter dem sanften erquickenden Schatten des Ölbaums allein, in dem Schoße des Friedens und Überflusses entwickelt sich das sanfte feinere gesellschaftliche Gefühl. Solange drohende Gefahr den Menschen zu einer Verteidigung reizt, schlafen alle übrigen Kräfte; kriegerische Tapferkeit ist feine erste und abgezwungene Tugend; Wildheit wird zur Notwendigkeit und zu feine Geselligkeit wirkt Schwäche und Gebrechen, und befördert seinen Untergang. O ihr alle, die ihr so gerne die Gebrechen jeder Regierung und die Fehler der Monarchen rügt, schauet weniger auf das, was sie tun, schaut vielmehr auf das, was sie tun müssen! Ungünstige Umstände, nahe drohende Gefahr machen oft zu ihrer und eurer aller Sicherheit harte, sehr hart drückende Verfügungen notwendig. Tut also auf eure Sicherheit Verzicht, oder billiget sodann die Mittel welche dazu führen. Nicht euer Fürst, der, so ihn mit euch zu verschlingen droht, der ist es, der eure Söhne zum Tod in den Krieg führet, euch den Schweiß eurer Hände entzieht, euch von dem Genuss der sanften gesellschaftlichen Freuden entfernt, den Staatsaufwand und die dazu nötigen Auflagen vermehrt. Der unbeschränkte Eroberungsgeist eines Alexanders allein ist im Stande den Ton von Bedrückungen auf der ganzen Erde anzugeben, ein Volk gegen das andere, wie eine Welle gegen die andere zu stoßen, um der Verteidigung willen Bedrückungen rechtmäßig zu machen, ganze Weltteile aus ihrer ruhigen Lage zu reißen, die Wachsamkeit der besten Fürsten von der inneren Sorge ihrer Länder abzulenken, der Tapferkeit und Stärke Altäre zu errichten, seine Wildheit anderen mitzuteilen und dadurch die höhere Sittlichkeit von der Erde zu verbannen, oder wenigstens ihre Vorschritte zu hindern.

Wenn nun also die Lage der Umstände und besonders Mangel an Sicherheit die besten Fürsten hindert, auf Verbreitung höherer Sittlichkeit zu denken, wenn es aber doch anbei nicht minder notwendig ist, dass solche um sich greife, dieses Mittel zur Ruhe und Seligkeit aller Erdenbewohner ist, so sind hier andere Mittel und Anstalten nötig um diese Lücke auszufüllen, der anderswo zu sehr beschäftigten Regierung unter die Arme zu greifen, einen Teil ihrer Sorgen auf fremde Schultern zu laden, zu sorgen, dass jeder Staat unter der Sonne vernünftige, auf geklärte, redliche, ehrliche, treue, arbeitsame, sittliche Untertanen erhalte. Wenn nun geheime Verbindungen dazu die Hände bieten, sie allein durch den Reiz des Verborgenen, durch die Aufmunterung und das gemeinschaftliche Interesse, das sie erwecken, durch die Muster so da gebildet werden, dies zu leisten im Stande sind: so verdienen sie von jeder Regierung nicht Verfolgung sondern vielmehr Ermunterung, Dauer, Unterstützung; denn keine Macht auf Erden ist so dauerhaft und unzerstörbar, als die so auf Wahrheit, Tugend und Sitten gebaut ist. In dem Sittenregiment allein sind Unmöglichkeiten, alle bisher verlachte politische Träume und platonische Ideale möglich. Wo es an Sitten, Treu und Uneigennützigkeit der Untergebenen, an Hoheit und Größe des Geistes, an Beherrschung der Leidenschaften mangelt, sind die möglichsten Dinge unmöglich; alle misslungenen Versuche der besten und herrlichsten Anstalten beziehen sich auf einen oder mehrere dieser Mängel; bei einem herrschenden Sittenverderbnis sind Cautelen, Versicherungen notwendig. Die so oft missbrauchte Gewalt, der so allgemein herrschende Eigennutz der Menschen haben allgemeines Misstrauen erweckt, haben die Herzen der Menschen so sehr gegeneinander verschlossen, dass nun jeder dem andern die Ehrlichkeit seiner Absichten beweisen muss, dabei selten imstande ist, den Beweis so nachdrücklich zuführen, dass alle Zweifel und Bedenklichkeiten gänzlich verschwinden. Alle unsere Einrichtungen und Handlungen beinahe tragen das sichtbare Gepräge dieses allgemein verbreiteten Misstrauens.

Die Sittenlehre ganz allein ist im Stande dieses Misstrauen zu vertilgen: denn sie lehrt Mäßigung und Mäßigkeit, sie lehrt, sich mit Wenigem zu begnügen, die unedleren Bedürfnisse des Körpers zu vermindern, um jene des Geistes zu erhöhen; sie lehrt Menschen die Einsicht von ihrem wahren Vorteil, den Wert und die Notwendigkeit von Enthaltsamkeit, von Treu und Glauben, in der bürgerlichen so wie in jeder andern Gesellschaft. – Es gibt also Mängel und wesentliche Mängel, gegen welche öffentlichen Anstalten zu schwach und nur geheime Verbindungen eine angemessene Wirksamkeit haben. Diese Mängel sind entweder zu allgemein und herrschend, oder gründen sich auf gewisse sehr alte tief eingewurzelte Vorurteile und Nationalbegriffe, wie z. B. die so vergeblich durch alle Gesetze bestrittene Neigung zum Zweikampfe. Sich an solche mit offenbarer Gewalt zu wagen, wäre zu gefährlich, würde die gegenseitige Wirkung hervorbringen, die Schwäche der obersten Gewalt entdecken, das ganze Staatsgebäude erschüttern. Sitten werden durch Sitten geändert, und Meinungen durch das langsame unmerkliche Entstehen neuer Meinungen verdrängt. Dieser Gang ist langsam, die Früchte und Entwicklung davon zu sehr in der Ferne, als dass eine Wirkung davon zu hoffen wäre, wenn nicht nach einem tiefen wohl überdachten Plan gearbeitet, und die Ausführung davon nicht einem einzigen hinfälligen Menschen anvertraut, sondern bei einem ganzen moralischen Körper, sozusagen, hinterlegt wird, der sodann dem Übel überlebt, sich selbst erzeugt, verstärkt, feinen Abgang ergänzt, sich beständig wie ein Phönix verjüngt. Hier allein sind gute Grundsätze, ewig und unzerstörbar aufbewahrt, diese allein ersetzen den Mangel des menschlichen Alters und sind unsterbliche Gegner eines unsterblichen Feindes. – Lass aber nun dafür den ersten Monarchen erscheinen; lass uns große seltene Bedingungen voraussetzen; er soll Einsicht, Willen, Mut und Beharrlichkeit, er soll alles in sich vereinigen: und doch muss er entweder die Sache übereilen, oder die weitere Ausführung seinem Nachfolger überlassen. Im ersten Fall wird er Heuchler machen, wenn er Gewalt braucht; er wird einige zu sehr hervorragende Äste behauen, aber der schädliche Hauptstamm wird noch aufrecht stehen, neue Zweige treiben und allen seinen Bemühungen trotz bieten. Er hat die Urheber des Übels feiner und kluger, den Gang und das Fortschreiten des Übels selbst nur unmerklicher und eben darum gefährlicher gemacht. Wenn nun vollends ein neuer Nachfolger erscheint, ist es zu hoffen, dass sich dieser entschließen werde, da anzufangen, wo der Vorfahrer geendigt hat? Wird solcher nicht vielmehr um seinen Namen nicht minder zu verewigen, die Grundsätze der vorigen Regierung verändern, eine neue eigene Laufbahn eröffnen, gegen die edlen getreuen Räte seines Vorfahrers gleiches Vertrauen äußern, gleiche Einsicht, Willen, Mut und Entschlossenheit zeigen? Wird er ebenso wenig Arbeit, Verdruss und Hindernis scheuen, mit gleicher Überlegung, Hitze oder Kälte zu Werkgehen? Wird er nicht andere, mehrere oder wenigere Schwächen haben, durch welche der Feind eindringt und sich seiner bemeistert? Wird er eben diese Schwächen ebenso sorgfältig, so künstlich zu verbergen wissen? Wenn die Fortsetzung eines einmal glücklich angefangenen Plans bei Wahlreichen, bei Minorennitäten, bei jedem Aussterben der regierenden Linie und Hauses noch ungleich mehr erschwert wird; wenn auch die besten durch ihre Vorgänger gänzlich nach ihrem Zweck gebildete Fürsten und Nachfolger nicht in ihrem ganzen Leben am Ende so, wie im Anfang sich durchaus gleich sind, sich stets auf andere verlassen und durch fremde Augen sehen müssen, nicht allzeit uneigennützige, einsichtsvolle, zweckmäßige Rathgeber wählen; diese der Gemächlichkeit, dem Nepotismus, der Venalität, der Herrschsucht zu sehr nachhängen, unter sich selbst uneinig sind und um ihre Macht und ihren Anhang zu verstärken bloß ihre Kreaturen und Klienten beifördern, sich aus Ehrgeiz nicht entschließen können, nach fremden Grundsätzen zu arbeiten, nicht Seelengröße genug haben, ihren Ruhm und ihre Einsichten aufzuopfern; wenn auch diese abermal durch fremde Augen schauen, oft ebenso unglücklich in der Auswahl ihrer Gehilfen sind, sich zu sehr durch unmittelbare glänzende Vorteile verführen lassen, der Missgunst und der Verleumdung zu sehr ausgesetzt sind, daher furchtsamer zu Werk gehen oder ihrem unvermeidlichen Sturz entgegen sehen, sich daher immer nach der abwechselnden Laune der Fürsten richten, wenn man nun dieses alles vorhersieht, bedenkt: soll es sodann nicht erwiesene Sache, sein, dass die bürgerliche Regierung in welche so oft Leute ohne Sitten, Treu und Glauben, die obersten Stellen bekleiden, wo die Geburt allein schon zu den ersten Ämtern berechtigt, wo Strafen und Belohnungen ihre Bedeutung verlieren, wo das böse Beispiel so allgemein und anziehend ist, jeder nur für sich sorgt, Gesetze nur zur Unterdrückung des Schwächeren sind, gegen Höhere gar nicht oder nicht mit dem gehörigen Nachdruck ausgeführt werden, wo die Erziehung vernachlässiget und Befreiungen ohne Ende, Unterschied und Namen erteilet werden, wo die Wahrheit beleidiget und zum Untergang führet und Schmeichlern nur allein geglaubt wird, wo zur Not alle Staatssorge auf Sicherheit von außen gegründet ist: sollte es bei solchen Umständen, bei einer solchen Verfassung nicht eine offenbar erwiesene Tatsache sein, dass die bürgerliche Regierung allein auch mit dem besten Willen, mit der stärksten Anstrengung ihrer Kräfte so alten allgemeinen eingewurzelten Übeln auf keine Art gewachsen sei; dass es sich aber mit einer geheimen Verbindung anders verhalte, die eben darum allen Hindernissen und Angriffen kräftiger widerstehen wird, weil der Gang ihrer Arbeiten versteckt, ihre Mitarbeiter verborgen, ihre Vorsteher unbekannt, und eben dadurch gegen Tadel, Verleumdung, Neid, Sturz und Verfolgung gesichert sind, bei welchen kein Grundsatz stirbt oder verlohren geht, wo die späteren Zöglinge auf die Erfahrungen ihrer Vorgänger bauen, fortarbeiten, dort anfangen, wo es diese ließen, wo die Stelle des abgehenden durch ein ebenso kluges und mit seinen Grundsätzen ebenso harmonierendes zu diesem Ende sorgfältig und Jahre lang gebildetes Mitglied ersetzt wird, welche gegen allen Sturz und Korruption gesichert sind, denen es zum Bedürfnis geworden ist, so und nicht anders zu denken, so und nicht anders zu handeln.

Es gibt also in jeder Regierung der Welt gewisse allgemeine Gebrechen, die der Kluge, und rechtschaffene Manne jedes Landes und Zeitalters gern vermindern möchte. Wenn wir sehen, dass in dieser Welt–jeder Mensch glücklich sein könnte, dass aber diese Glückseligkeit durch Irrtum, Unwissenheit und Leidenschaften, durch die Bosheit der Verirrten so häufig gestört wird; wenn wir sehen, dass die Bösen so mächtig sind, ja mächtiger als die Guten; dass der Reiz zum Laster zu stark, durch öffentliche Anstalten zu wenig dagegen getan worden; dass einzelnes Kämpfen dawider fruchtlos ist; dass der ehrliche Mann kaum ungestraft ehrlich sein kann, den Verleumdungen, Unglück, Verfolgungen am stärksten ausgesetzt ist, weil er allein ist: so entstehet sehr natürlich der Wunsch, es möchten doch einmal die edleren, würdigeren Menschen in ein dauerhaftes Bündnis zusammen treten, um mit allen großen Menschen, die dermalen sind und einen gleichen Drang fühlen, mit allen die der einst sein werden, nur ein Volk, eine Familie zu formieren, für alle Lande und Jahrhunderte zu leben, ihren wohltätigsten Geist und Eifer auf die Nachwelt zu verpflanzen, und ein reiferes, sittlicheres Menschengeschlecht vorzubereiten; in ein Bündnis, das nie wieder getrennt oderentweihet werden sollte, um den Bösen fürchterlich zu werden, allen Guten ohne Unterschied aufzuhelfen, sich selbst Ruhe, Zufriedenheit und Sicherheit zu verschaffen, durch die kräftigsten dabei einfachsten Mitteln das Laster zu vermindern, durch Mittel, die zugleich Tugend, und Wohlwollen befördern; und die bisher nur zu unkräftigen Reize zur Rechtschaffenheit sinnlicher, mächtiger, und anziehender machen; durch Mittel, die auf höhere Kenntnis der menschlichen Natur gegründet wären.

Auf diese Art hat Gott selbst den Trieb nach geheimen Verbindungen in die edleren, und höheren Seelen der Menschen gelegt, um den übrigen zurückgebliebenen Teil zur Vollkommenheit, zur Glückseligkeit zu führen. Aber dieser Trieb hat sich erst später durch eine reifer gewordene Vernunft, durch das Mangelhafte unserer Regierungen, durch die in ihnen erweckten neuen Bedürfnisse immer deutlicher entwickelt; hat unvollkommene Versuche hervorgebracht, hat zum Teil selbst neues Übel über die Erde verbreitet, bis Menschen durch häufige misslungene Versuche die dazu nötigen Einsichten und Erfahrungen gesammelt, selbst durchihre Fehler klüger gemacht, den Grund zu einem Gebäude legen werden, das der Hinfälligkeit trotzt und die Fülle ihrer Wünsche enthalten wird. Es lag schon in dem Wesen des natürlichen Zustandes, solche Bedürfnisse zu fühlen, die nur in einer anderen besseren Lage zu befriedigen waren. Diese Bedürfnisse mussten Menschen dort einsehen, um sie aus dieser Lage zu reißen, sie in der bürgerlichen Gesellschaft zu vereinigen, und sie dadurch zu ihrer Vollkommenheit eine Stufe näher zu bringen, den Gangdesmenschlichen Geistes ins bessere zu entwickeln. Aber auch hier in dieser verseinerten Lage zeigten sich dem unersättlichen Neuerungs–und Verfeinerungsgeist der Menschen nach langer Erfahrung, nachgenauerer Bekanntschaft neue Mängel, neue Bedürfnisse, neue Aussichten. Diese neuen Aussichten sind neuer Ruf zum Weiterwirken für den Mann, der indessen reifer geworden, dem die Kinderschuhe nicht weiter passen. – Sie sind Aufforderungen der Vorsicht zu neueren, engeren, zweckmäßigeren Verbindung; zu einer größeren Verfeinerung der Regierungs–und Staatskunst. Diese neue Verbindung soll die wirklich vorhandenen Formen, die noch für den größten Teil der Menschen sehr angemessen sind, auf keine Art aufheben, oder entkräften.

Im ursprünglichen Zustande mussten Menschen empfinden, erfahren, wie schwach fiel einzeln, wie stark sie in Vereinigung wären. Eine weitere Erfahrung musste in Staaten vereinigte Menschen belehren, wie viel ihnen noch mangle, um diese neuen erst hier hervorgebrachten Bedürfnisse zu befriedigen. Diese bürgerlichen Gesellschaften, so wie sie dermalen beschaffen sind, sind nur der Weg, der Versuch zum Bessersein, nicht das Bessersein selbst. Und so wie jeder unvollkommene Versuch zu neuen Verbesserungen, zu besseren, klügeren Einrichtungen Anlass gibt, so wie man in der bürgerlichen Gesellschaft alle Veränderungen zu diesem Ende versucht, alle nur mögliche Einschränkungen und Formen vergeblich durchgelaufen, und doch noch immer so viel Mangelhaftes gefunden hat: so musste man am Ende die Notwendigkeit sich neuerdings zu verbinden einsehen, um die Triebfedern der Regierungskunst, mehr zu veredeln und zu vervollkommnen, um in dem Fortrücken auf der großen Leiter der menschlichen Vollkommenheit nicht still zu halten und auf der nämlichen Stelle zu verweilen. Man musste sehen, dass der Mensch den Bürger unendlich übertreffe. Dass diese seine erste und ursprüngliche Beschaffenheit sei; dass die Menschen sich in die bürgerliche Gesellschaft vereinigen, um mehr Mensch, unvollkommenere Menschen zu werden. Man musste nicht minder einsehen und erfahren, dass diese Vereinigung in Staaten ein eigenes neues Trennungsmittel geworden, dass durch die Abteilung der Nationen und durch die Verschiedenheit der Stände, neue Spaltungen und neue Quellen des Haffes und der Zwietracht gegründet worden; dass sich Menschen darüber fremder geworden, dass also ein neues Bindungsmittel notwendig sei, eine neue Anstalt, durch welche sich die getrennten fremdgewordenen Teile neuerdings einander nähern, wodurch Menschen erinnert werden, dass sie alle eine und die selbige Natur haben, dass sie alle eines Ursprungs sind, dass sie geschaffen sind, sich einander zu nähern und zu lieben, dass der Bürger den Menschen nicht aufhebt. Sie mussten finden, dass eine Anstalt nötig sei, in welcher sie sich aus ihrer Zerstreuung sammeln, sich wieder als Menschen finden und als solche lieben.

Nach diesen Voraussetzungen sind also edlere geheime Verbindungen (denn von geheimen Possenspielen und Betrug ist hier gar keine Rede) ein Werkzeug, das menschliche Geschlecht zu veredeln. Ihre Arbeit ist, durch so mancherlei Interesse und Vorurteile getrennte Menschen zu sammeln; sie in einem höheren, würdigeren, allgemeinen Zweck zu vereinigen, die ungeheure Kluft auszufüllen, welche durch die Vereinigung der Menschen in größere Gesellschaften, so wie durch die Verschiedenheit der Stände entstanden ist; die aus dieser Trennung und Verschiedenheit entspringende Quellen der Spaltung und des wechselseitigen Hasses zu vermindern; große, uneigennützige, zu jedem Guten empfängliche Menschen zu bilden; Zwerge und Kleingeister zu vermindern; den Keim der Tugend zu bewahren; das erloschene Interesse, gut zu sein, unter Menschen anzufachen; in ihrem Schoße Irrende zu recht zu weisen; den Schwachen zu erleuchten; jedem den seinen Kräften angemessenen Wirkungskreis anzuweisen; der Welt und dem Menschengeschlecht unmerklich denjenigen Grad von Kultur zu geben, der das männliche Alter der Welt ausmachen soll; höhere Sittlichkeit zu verbreiten; auf die Gedenkungsart ihrer Zeitgenossen sowohl, als des entfernten Nachwelt zu wirken und Grundsätze zu bestreiten, zu untergraben, zu vertilgen, die der Ruhe und Glückseligkeit der Menschen nachteilig geworden.

Aber wo ist diese vortreffliche Gesellschaft, wo ist der Orden, der dabei so wenig den häuslichen, und anderen Verhältnissen seiner Mitglieder zu nahe tritt, keine betrübliche Leidenschaften und Wünsche erweckt und nährt, der nur an Belehrung, und sittlicher Besserung des Menschen arbeitet, und dazu sicher führende Anstalten aufzuweisen hat, in welchen der Lauf der Zeiten und politische Verhältnisse keine innere wesentliche Veränderungen hervorbringen; der Mensch bloß nachinnerer Gütebeurteilet wird, wo Verstellung unwirksam ist und der künstliche Heuchler in seiner Blöße da steht; wo alle Kunstgriffe der Bösen fruchtlos gemacht werden; wo jede Tugend, jede kleinste moralische Handlung ihre sichere unausbleibliche Belohnung er hält; wo man bloß nach höheren Gesichtspunkten arbeitet, gegen alles niedrige Interesse fühl los gemacht, und nur in das Große und Allgemeine zu wirken gelehrt wird; wo die Seelegegen jeden großen Entwurf in edlem glühenden Enthusiasmus gesetzt wird? Wo ist die Gesellschaft, die das bisher noch nie aufgelöste Problem entwickelt, Menschen erst zum Guten zu leiten, ihre Geisteskraft zu erhöhen, ihr Wohlwollen zu vermehren, und dann alles Große und Edle auszuführen, was den meisten bisher Traum, nur den Aufgeklärtesten möglich schien, der Tugend die Herrschaft über das Laster zu verschaffen: Wo ist die Gesellschaft, welche die fähigsten Köpfe jeder Klasse versammelt, sie aufmuntert, ihrem erstorbenen Mut neues Leben gibt, Interesse zeigt zu arbeiten, sich hervor zu tun, groß zu werden, die jeden Denker aus dem Staube hervorzieht und ihn auf den Leuchter stellet, welche die Wege der Erkenntnis und Sittlichkeit mit dem Zuwachs ihrer Mitglieder vervielfältiget, welche auf diese Art die größten Geister aller Zeiten und Nationen in ein einiges Band vereinigt; wo jeder dem andern in die Hand arbeitet; wo sogar der Schwächste Lehrer des größten, wo die Einsicht des einen die Einsicht aller wird; wo der Unwissende dort schon anfangen kann, wo der Vielwissende aufgehört hat; wo keine Kenntnis verloren geht, sondern von Menschen zu Menschen unter den Auserwählten fortgepflanzt wird? Wo finden wir diese Quelle aller Erkenntnis, aller alten und neuern Weisheit, diesen Aufenthalt des Friedens, diese Zuflucht der Unglücklichen, diese Freistädte gegen Verfolgung? – Wie, wenn nun unsere Gesellschaft, diese Verbindung von dieser Art wäre? Verdiente sie wohl deinen Beitritt, deine möglichste Anstrengung tätiger Kraft? Hier wird dein Beitritt Pflicht, verweigertes Mitwirken und Übertretung ihrer Gesetze werden beinahe Verbrechen gegen Gott und Menschen, gegen die Ordnung der Natur. Der Gedanke allein kann dich noch entschuldigen, eine solche Gesellschaft mit einem solchen Zweck möchte nur ein schöner Gedanke, aber zugleich eine Unmöglichkeit sein. also soll es ein Traum sein, dass ich an Vollkommenheit, an moralischer Güte wachsen und zunehmen könne, dass ein anderer dies auch könne? Es soll unmöglich sein, dass ich diesen Geist, diesen Trieb nach innerer Vollkommenheit in anderen ebenso lebhaft erwecke, dass diese sich aneinander schließen, ihre Anzahl langsam aber sicher vermehren, andere nach hohen großen Grundsätzen und Gesichtspunkten bilden, und folglich das Übel an der Wurzel angreifen? Dies soll eine Unmöglichkeit sein? – Oder was wird sonst noch weiter erfordert; was außer der Herrschaft über sich selbst, außer der Liebe zu einem größeren Gut, zu einem höheren Zweck? Was ist hier unmögliches? Wenn meine natürlichen mir aufgelegten Pflichten, die genaueste Befolgung derselben, die besten kräftigsten Mittel sind, um zu diesem Zweck zu gelangen, so muss also die Erfüllung dieser Pflichten unmöglich sein? Halte dich nur genau an die Vorschriften der Gesellschaft, entferne dich davon so wenig als möglich und alle Bedenklichkeiten werden verschwinden. Freilich wenn jeder sich schon vollendet glaubt, der Hand an das Werk legt und den Erfolg übereilen will; wenn man in dem irrigen Wahn steht, als ob nur vollendete ganz vollkommene Menschen dazu erfordert würden; wenn dieser Same ohne alle Ausnahme in Menschen soll gestreut werden, die für ihn keine Empfänglichkeit haben, wo er nie gedeihen und Wurzel fassen kann; wenn man nur flüchtig über die Oberfläche gleitet, nicht in das Innerste der Seele dringt; wenn dem Führer alles lieber als sein Zweck ist, die Grundsätze des Ordens nicht in seine Seele übergehen, Leidenschaften und Trägheit mit ins Spiel kommen; wenn die Häupter keine Beispiele und Muster sind, viel fordern und selbst wenig leisten, wenn ihr Vortrag und Unterricht von keiner Überzeugung Beweise gibt; wenn die Zöglinge vernachlässigt werden: dann ist freilich bei solchen Führern manches bloßer Traum, was bei weitern und sorgfältigeren Menschen zur Wirklichkeit kommt. Wer den Orden als Vehikel betrachtet in Menschen zu wirken, außer sich gute Grundsätze mit mehr Nachdruck zu verbreiten, der wird an der äußern Schale nicht hangen, dem wird jede Form gleichgültig sein, der wird jeden guten Gedanken, jeden Entschluss, den er bei anderen erweckt, als Folge dieses Systems, als Vorschrift des Ordens betrachten. Aber wozu sodann eine Verbindung, wenn dies jeder Einzelne vermag? Vereinigung verstärkt die Kräfte und ihre Wirkungen. Vereinigung gibt Sicherheit und Ermunterung; Vereinigung erleichtert die Wirkung und die Mittel zur Erkenntnis; eine solche Vereinigung nähert Menschen einander, die sich außerdem nie gekannt hätten und verhindert das Einseitige in Begrissen. Eine solche Vereinigung gibt Menschen einen Wirkungskreis, eine Gelegenheit ihre Talente zu äußern, die sie sonst nie erhalten hätten; in einer solchen Vereinigung ist die Erkenntnis und Kraft aller die Kraft und Erkenntnis jedes einzelnen. Vereinigung macht Mut und Vertrauen, erzeugt unerschrockene Bekenner der Wahrheit und Tugenden, vermindert die Gefahr tugendhaft zu sein, Beispiel zu werden. Und gute Beispiele und Muster sind notwendig, um dem, was sonst nur abstrakter Begriff ist, Körper, Leben, Handlung und Interesse zu geben.

  1. Diesen Zweck wollen in einer geheimen Verbindungmehrere; es ist also, als ob nur ein einziger Wille wäre. Die Kräfte aller strengen sich an, diesen Zweck zu erreichen; es ist also, als ob nur ein einzige Kraft wäre. Je mehr sich eine Gesellschaft dieser moralischen Einheit nähert, desto vollkommner ist die Gesellschaft, desto besser stellt sie eine einzige physische Person vor. Je weiter sie sich davon entfernt, je sichtbarer die Mehrheit ist, umso weniger stellt sie ein Ganzes, eine moralische Person vor. In einer vollkommenen geheimen Verbindung müssen nebst der Vollkommenheit des Zweckes unter den vielen einerlei Grundsätze, einerlei Gesinnungen, einerlei Äußerungen, eine durchausgleiche Stimmung sichtbar sein, alles entfernt werden, was diese so ähnliche Geistesstimmung schwächen, und vermindern kann. Diese Stimmung ist der Grundstein des ganzen Gebäudes. Durch sie ist alles, ohne sie gar nichts möglich. Alle Anstalten, alle Gesetze, alle Wachsamkeit der Obern muss dahin gerichtet sein, sie in den möglich stärksten Grad hervorzubringen. Die, welche diesem so mühsamen Geschäften gewachsen sind, sind auch die wahren eigenen Obern des Ordens, durch sie fährt der belebende Hauch in alle Glieder dieses moralischen Körpers, der Geist, der ihn beseelt.
  2. Menschen handeln so, wie sie denken; die Wirkungen, die sie hervorbringen, sind das Resultat ihrer Grundsätze. Nicht alle Grundsätze führen sicher zu dem selbigen Zweck; einige sind ihm günstiger, andere gänzlich zuwider. Wenn der Zweck der Gesellschaft ist, große edle Menschen zu bilden, so müssen in den Graden des Ordens solche dahin führende Lehren aufgestellt, gelehrt und zum Bedürfnis gemacht werden. Sie sind Mittel zum Zweck, wer diesen will, für ihn glüht, der wird hier nicht über Geisterzwang schreien. Er wird noch dazu finden, dass diese Ideen durch Anleitung des Ordens nach und nach wie von ihm selbst erfunden, in seiner Seele hervorkommen. Nie wird ihm etwas aufgedrungen. Niemals darf ein Grad, eine Lehre vorgetragen werden, bevor der Kandidat nicht auf die Art vorbereitet ist, dass diese Grundsätze bei ihm so zu sagen nur schlummern, dass er sie selbst ahnet, nur nicht so deutlich entwickeln kann, dass er wirkliches Bedürfnis darnach fühlet. Dann ist auch der Beifall gewiss. Und wenn diese Grundsätze noch anbei die höchsten und vorträglichsten für unsere Ruhe find, so wird niemand die uns merkliche Umstimmung seiner Gedenkungsart ins Bessere der Gesellschaft zu einen Verbrechen machen. Dieser Ordensunterricht, diese von ihm vorgetragene Lehren müssen sodann nicht bloß an gehört oder gelesen werden: sie müssen um ihre Wirkung hervorzubringen in die Gedankenreihe übergehen, sich eigen gemacht werden; sie müssen oft einzeln und im Zusammenhangdurchgedacht, bei Gelegenheit auf vorkommende Fälle angewandt, lebhaft, sinnlich gemacht, Beweggründe unserer Handlungen werden. Flüchtige Lektüre, aus Modesucht, Eitelkeit, Vorwitz unternommen wirkt nicht auf den Charakter, sonst würde bei diesem Überfluss guter Bücher, bei dieser herrschenden Sucht, so viel und mancherlei zu lesen, die Sittlichkeit größere Vorschritte machen. Aber anhaltendes Denken, subjektives Lesen, angewandt auf sich, auf andere, auf die Um fände, Begierde sich zu unterrichten, Entschlüsse, die darüber entstehen, diese find es, welche uns vollkommner, zu besseren Menschen machen.
  3. Wo Einförmigkeit der Grundsätze herrscht, ist Einförmigkeit der Gesinnungen und Handlungen eine notwendige Folge. In einer wohlgeordneten Gesellschaft kann nicht jeder handeln, wie er will. Denn nicht alle Handlungen befördern den Zweck der Gesellschaft. Alle, die sich dazu als Hindernisse verhalten, sehen ihm nicht mehr frei, sind ihm verboten, Alle Handlungen, die sich als Beförderungsmittel verhalten, sind ihm geboten. Nur allein diejenigen, welche mit dem Zweck der Gesellschaft, weder in einem widrigen, noch günstigen Verhältnisse stehen, diese allein sind ihm frei. Diese Einschränkungseiner Handlungenlegt jeder sich selbst auf; jeder ist sein eigener Gesetzgeber, so lang er diesen Zweck will; und er verbindet sich zu einembestimmten Betragen selbst umso nachdrücklicher, je lebhafter er den Zweck der Gesellschaft will. Alle Vorschriften, welche das Verhältnis einer Handlung mit dem Zweck bestimmen, sind die Gesetze einer Gesellschaft. Diese Gesetze müssen so beschaffen sein, dass jeder einzelne sie selbst würde angeordnet haben, wenn reine Vernunft allzeit die Führerin seiner Handlungen wäre, wenn er den Zweck allzeit vor Augen hätte; alle diese Gesetze sind Mittel zum Zweck; wer diesen liebt, muss auch die Gesetze lieben. Diese befolgt er sodann nicht aus Zwang, sondern aus Liebe zu seinen Zweck. Wer die Mitglieder folgsam gegen die Gesetze machen will, hat in einer geheimen Gesellschaft kein besseres, wirksameres und sicheres Mittel, als die Liebe zum Zweck lebhaft zu unterhalten. Wie sich diese vermindert, vermindert sich die Achtung gegen Gesetze und Obere. Unfolgsamkeit, Ungehorsam sind die Folgen der Lauigkeit, Gleichgültigkeit gegen den Zweck, diese finden sich ein, wenn der Zweck zu schwach, als unmöglich, oder gar als niedriger in Vergleichung mit einem andern gedacht wird. Wer also Liebe zum Zweck und folglich Liebe zu den Gesetzen und Verfassungen des Ordens unterhalten will, muss selbst Achtung für solchen äußern, muss die Kunst verstehen, alle übrigen Zwecke als niedriger vorzustellen, ihn mit der herrschenden Idee eines jeden Menschen in Verbindung zu bringen, die Größe der Folgen sichtbar zu machen, oderbeweisen, dass jeder für sich am besten sorge, sich am meisten und vernünftigsten liebte, wenn er diesen Zweck liebt. Wer wider den Zweck des Ordens, wider seine Gesetze handelt, begeht nicht allein ein Verbrechen gegen die Verbindung, sondern wenn dieser Zweck ein wahrer, der höchste Zweck ist, so sündigt er auch gegen sich selbst. Er hindert das Gute, das auf diese Art bewirkt werden könnte, an andern und an sich. Wer für den Zweck des Ordens nichts oder wenig empfindet, hört eben dadurch auf, ein Mitglied desselben zu sein, denn er will nicht, was der Orden will, und dieser will nicht, was er verlangt. Werk ein eifriger Anhänger einer solchen Verbindung mit solchen Zwecken ist, der hängt mehr an niedrigen Gütern als er sollte, er legt ihnen mehr Wert bei als sie verdienen, er ist minder vollkommen, denn sein Gesichtspunkt ist niedrig und begrenzt. Diese Anhänglichkeit aber kann sich auch aus andern gerechten Ursachen vermindern, wenn Disharmonie zwischen der Lehre und den Taten bemerkt wird, wenn Uneinigkeiten einreißen, keine Ordnung, Punktualität herrscht, jeder gebieten, keiner gehorchen will, keine festen Maßregeln und Entschlüsse gefasst werden, wohlgar Missbrauch und Eigennutz hervorleuchtet, die Gesetze ungeahndet übertreten werden, in allen Zerrüttung und Verwirrung sich zeigt, die Willkür der Obern eintritt: dann – gute Nacht Anhänglichkeit der Mitglieder für eine Sache, die bloß geschrieben ist, und nur durch die Ausführung ihren wahren Wert erhält! Der edle Mann wird sich zurückziehen und bedauern, dass beinahe alle Anstalten zum Guten nichts weiter als Entwürfe bleiben.
  4. Da Menschen, um an gewissen interessanten Gegenständen Geschmack zu finden, für sie empfänglich zu werden, erst einer Vorbereitung bedürfen, da diese ein Werk der Zeit ist, das Bedürfnis darnach nicht auf einmal entsteht: so müssen notwendig in jeder Gesellschaft solche Führer und Lehrer sein, welche die nötige stufenweise Anleitung erteilen; diese übersehen das ganze System, sind also auch im Stande die Verhältnisse jedes Vorfalls, jeder Handlung zum Zweck genau zu bestimmen. Diese Übersicht, diese richtigere Erkenntnis, diese Überlegenheit des Geistes gibt ihnen auch eine höhere Gewalt, das Recht die Handlungen ihrer Untergebenen das hin zu leiten, wo der Zweck der Gesellschaft, solches verlangt und erfordert. Diese Abhängigkeit der übrigen untern Klassen von den höheren ist in der Natur des Geschäfts selbst gegründet. Die Unterwerfung ist freiwillig, ist zum Vorteil der Untergebenen, ist anbei bedingt; sie ist freiwillig, weil niemand zum Eintritt gezwungen wird, weil jeder die Gesellschaft verlassen kann; sie ist zum Vorteil der Untergebenen, weil sie zu einem Zweck führt, der ihnen so teuer geworden, dessen Einrichtung sie sich als einen Bestandteil ihrer Glückseligkeit vorstellen; sie ist bedingt, und nur in so ferne, als der Zusammenhang mit der Gesellschaft dauert; insofern die Vorteile, die jeder hofft, wirklich geleistet werden, insofern die Gesellschaft erfüllt, was sie verspricht. – Ihre Übersicht des Ganzen setzt sie in Stand zu bestimmen, welche Handlungen den Zweck befördern oder hindern. Sie sind also zugleich die rechtmäßigen Gesetzgeber, und man gehorcht nicht ihnen, sondern sich selbst, seinem wahren Vorteil, den sie uns verkündigen, weil uns die nötige Übersicht des Ganzen mangelt oder Kurzsichtigkeit und Leidenschaften uns an dieser gehörigen Übersicht verhindern. Von diesen Obern hängt alles ab. Das Vertrauen auf ihre Einsichten und Uneigennützigkeit erweckt in uns die Bereitwilligkeit ihnen zu gehorchen. Diese Obern müssen also suchen, dieses Vertrauen in beiden Stücken vollkommen zu erfüllen. Sie müssen, um auf Untergebene gehörig zu wirken, die weisesten und uneigennützigsten Ordensmännersein, die personifizierte Lehre und Ideal des Ordens; sie müssen für ihren Zweck glühen, müssen die Kunst verstehen dieses belebende Feuer andern mitzuteilen, müssen sich vollkommen in die Begriffe ihrer Zöglinge hineindenken, ihren Vortrag an diese schließen; sie müssen denken, dass die kleinste ihrer Handlungen von ihren Untergebenen beobachtet und in Vergleichung mit ihrer Lehre gesetzt wird, dass jede hierin bemerkte Disharmonie die Gemüter bestimme und Eifer und Anhänglichkeit vermindere. Sie sind statt souveränen Gebietern die abhängigsten Menschen. Von ihnen allein hängt die Aufnahm und der Verfall aller geheimen Gesellschaften ab. Bedächten doch dies alle wohl und ernstlich, die so gern an der Spitze einer geheimen Gesellschaft glänzen wollen, bedächten sie, welche Bürde sie auf ihre Schultern nehmen, wenn sie die Pflichten ihres Amtes erfüllen wollen; bedächten sie, welchen Schaden sie der Gesellschaft, sich selbst zufügen, wenn sie solche nicht erfüllen, sondern bloß der Eitelkeit nachjagen; bedächten sie, welche große Eigenschaften dazu erfordert werden, über denkende Köpfe, über freiwillige Untergebene ohne allen äußerlichen Zwang so zu herrschen, dass sie diese Herrschaft lieben: wie sehr würde dieses den Ausbruch des Ehrgeizes und der Eitelkeit, und die Anzahl der Mitwerber, die daraus entstehenden so fatalen Uneinigkeiten verhindern! An dieser Klippe sind die meisten, wo nicht alle geheimen Gesellschaften gescheitert. Und in keiner von allen ist es so schwer einen Obern vorzustellen, als in der gegenwärtigen; denn er soll ein von den Grundsätzen des Ordens durchdrungener Geist sein; ein Mann von hinreißender Beredsamkeit, ganz Meister seines Betragens, untadelhaft in Sitten, engelrein in seinen Absichten; ein Mann, der den Zweck des Ordens stets vor Augen hat, in ihm lebt und schwebt. Wer von der bürgerlichen Gesellschaft, von den Maßregeln, die dort ergrissen werden, von der Behandlung der Menschen, die dort gewöhnlich ist, auf diese Verfassungen schließen, seine Behandlung darnach einrichten wollte, der würde gewiss seinen Zweck gänzlich verfehlen. Hier sind Vertrauen auf seinen Führer und Liebe zum Zweck die einzigen Triebräder, wodurch das Ganze in eine ihm vorteilhafte Bewegung versetzt wird; wie sic d beide vermindern (und wie leicht ist dieses geschehen) so vermindert sich sein Einfluss, so endigt sich seine Macht; und Missbrauch der Menschen ist in diesem System, bei so gestimmten Geistern mit diesen Erwartungen eine unmögliche Sache. Bei der ersten Spur von engeren Absichten verschwindet das Vertrauen und mit diesem die Macht. O, möchten doch alle, die dieses hier vorgetragen lesen oder hören, in sich gehen, sich erforschen, es mit der Wärme desjenigen empfinden, aus dessen Federn es kommt: sie würden finden, dass nur ein kleines hinlänglich ist, die sonst so guten gegen alles Gute wahrhaft empfänglichen, durch Vertrauen so leichtzuführenden Menschen zu verstimmen, ihren Eifer zu vermindern, schüchtern, kleingläubig, menschenscheu zu machen und am Ende dahin zu bringen, dass sie an aller Besserung und Vervollkommnung des Menschengeschlechts verzweifeln, jede Anstalt dazu als eine platonische Idee, als einen wohlmeinenden Einfall eines der Welt unkundigen Zimmergelehrten verlachen. Nur ein einziger Ausweg öffnet sich hier; dieser liegt abermal in der Vorbereitung der eintretenden Glieder. Diese müssen beim ersten Eintritt gewöhnt werden zu denken, dass auch die beste menschliche Einrichtung doch noch immer menschliche Anstalt sei und bleibe; dass alles nur, Vorübung sei, um Erfahrungen zu sammeln, um immer weniger und weniger zu irren; dass hohe Ideale aufgestellt werden, um sich ihnen zu nähern; dass man mehr fordere, um doch etwas zu erhalten; dass auch der kleinste Vorschritt wirklicher Gewinn sei; dass man zeigen wolle, wessen Menschen fähig wären, wenn sie Herrschaft über sich selbst erringen; dass in unserer Einrichtung noch sehr vieles unvollkommen, sehr vieles unausgeführt, sehr vieles dermalen, aber nur dermalen unmöglich sei; dass wir Obern selbst erst lernen, uns in diesem Geschäft üben; dass wir uns eifrig bestreben, es so weit zu bringen, als unsere schwachen Kräfte erlauben; dass wir erst in späteren Jahren, bei einer schon gebildeten Denkungsart diesem System beigetreten; dass unsere Mängel noch Folgender, vorigen Denkungsart sei en; dass sie um des mehreren Guten willen Nachsicht gegen Mängel bezeigen, die zum Teil unfreiwillig sind; dass man die Verminderung der noch so häufigen Mängel dereinst ihnen überlasse; dass oft Umstände manches notwendig und zweckmäßig machen, das sonst verwerflich wäre. – Ein solches offenes Geständnis macht manche Mängel verzeihlich und stimmt das Überspannte der Begriffe herunter, welches so viel schadet, weil der Erfolg allzeit unter der Erwartung ist und dadurch die Achtung gegen das Ganze, und mit ihr die Folgsamkeit vermindert. O! gewiss, mit und aus Menschen ist alles zu machen. Vom ersten Monarchen der Erde bis zum letzten Bettler ist keiner, der widersteht, wenn er gehörig angegrissen behandelt wird. An dem persönlichen Charakter, an den Gaben dessen, der auf ihn wirken soll, an der Art, wie er behandelt wird, ist alles gelegen. Zeige jedem Menschen, dass ihm etwas mangle, (und wem mangelt nicht etwas?) zeige ihm auf seine Art lebhaft und anschaulich, mit allem Strome der Beredsamkeit, dass dieses Fehlende ein Teil, ein wesentlicher Teil seiner Glückseligkeit sei; zeige ihm, dass er dieses Fehlende, seiner Glückseligkeit so wesentliche Gut durch dich suchen und unausbleiblich erhalten könne, verrate durch deinen Charakter nichts, das Misstrauen gegen dich erweckt, äußere natürlich und ungezwungen Sorge und lebhaften Anteil für sein Wohl, richte deinen Vortrag nach der individuellen subjektiven Denkungsart dieses Menschen ein, und wenn du dieses alles vermagst, so nenne mir so dann den Menschen, der dir widersteht. Es ist eine ewige, durch alle Erfahrungen bestätigte Wahrheit: wenn dein Mann nicht wird, was er werden soll und kann, so ist es deine Schuld. Es hat dir an Ansehen und Vertrauen gefehlt; du hast ihn nicht auf seine Art, nicht zur rechten gehörigen Zeit behandelt, den zu machenden Vortrag nicht gehörig vorbereitet, nicht sinnlich und lebhaft gemacht, nicht an seine Begriffe angeschlossen und damit in Verbindung gebracht. Ich wiederhole es noch einmal, dieser Mann ist nicht unbezwingbar, aber du bist der Held nicht, der diese Eroberung bewirkt. Dieser Lorbeer grünt nicht für jeden Scheitel. Erforsche dich nun, wag es einmal, die Fehler zu sehen (denn es ist Seelengröße, sie zu sehen) und ich rechne auf deinen Beifall. – Wenn ich die erstaunliche Verschiedenheit öffentlicher und geheimer, religiöser und politischer Verfassungen bedenke, den Eifer, mit welchen Menschen oft bis zur Aufopferung ihres Lebens demselben zugetan sind; wenn ich bedenke dass dieser so eifrige Israelit ein ebenso eifriger Christ oder Muselmann würde geworden sein, wenn sich die nämlichen Umstände vereinigt hätten, ihn zu einem aus diesen beiden zu machen: so muss ja wahrhaft an der Behandlung der der Menschen allesgelegen, alles aus ihnen zu machen sein; so muss es ja auch keine Unmöglichkeit sein, aus ihnen edle, große, sittliche aufgeklärte, uneigennützige, tugendhafte Menschen zu machen, wenn man sich anders der nämlichen Mittel und Wege bedienet, wodurch sie alles übrige ohne alle Ausnahme werden. Ich sehe Anstalten zu allem: aber immer für engere Absichten, und die Menschen werden was man will, sie werden solche Menschen, wie es engere Absichten fordern. Aber ernsthafte Anstalten, zum wahrhaft Guten, – diese werde ich selten gewahr.
  5. Wenn Einheit die Seele eines jeden moralischen Körpers ist, so muss in jeder geheimen Verbindung, in keiner mehr als in dieser, alles vermieden, alles entfernt werden, was Menschen teilt, trennt, den Geist der Uneinigkeit unter sie verbreitet. Die Quellen dieser Uneinigkeit sind Leidenschaften, engeres Interesse. Wo der Zweck der Gesellschaft selbst zur stärksten Leidenschaft gemacht wird, da schweigen alle übrigen, ihre Wirkung ist schwach, die richten sich nach dieser, und ordnen sich unter. Wer ein höheres Interesse kennt, als den Erwerb der Reichtümer und Macht, der kann diese verachten, kann arm und klein sein, und kann sich freuen, das eine oder das andere, oder beides zu sein. Ihr Ehrgeizigen, ihr unerschöpflichen Quellen der Zwietracht! setzt doch eure Ehre, worein sie zu setzen ist. Ihr wollt glänzen, ihr ergreift jedes noch so elende Mittel wenn es nur dazu führt, aber das, was am besten und sicherten dazu führt, dies allein ergreift ihr nicht! Wenn ihr groß sein, die Bewunderung eurer Nebenmenschen erhalten wollt, so handelt groß, handelt nach den größten Gesichtspunkten; tut was euch so leicht keiner nachmachen wird. Große Ämter und Stellen, Reichtum, sinnlichen Genuss will jeder, will auch der schwächste Geist. Er will sie umso mehr, je schwächer er ist; aber verachten kann er sie nicht. Hier liegt die Größe zu wollen, was andere verabscheuen, zu verabscheuen, was andere wollen, den labenden Becher auch bei den größten Aufforderungen des Durstes auszuschlagen, hinwegzuwerfen, um Herr über sich zu sein und zu bleiben, zudienen, zu folgen wo man gebieten wollte, – und das um eines höheren Zweckes willen, weil es Mittel ist ihn zu befördern; sein niederes Vergnügen zu schlachten, um jenes seines Geistes zu erhöhen. – Hier allein ist Größe. Dies können nur Helden, Helden der menschlichen Natur, Menschen, denen sich eine Aussicht zu höheren Gütern geöffnet hat. Kämpfe also mit dir selbst und besiege dich, wenn du kannst. Schwer ist dieser Kampf, noch schwerer ist der Sieg: aber unmöglich ist er nicht. Um den aus engeren Gesichtspunkten und Leidenschaften entspringenden Ursachen der Zwietracht vorzubeugen, um sie in einem gemeinschaftlichen Interesse zu vereinigen, um diese Eintracht zu erhalten, müssen große starke Seelengebildet werden, alle Ordensanstalten müssen dahin abzwecken. Nun handeln aber Menschen groß, aus edlen, großen, Seelen erhebenden Grundsätzen. Dies macht, dass Systeme aufgestellt werden müssen, worin solche Grundsätze bewiesen, anschaulich gemacht, werden. Es müssen große Aussichten geöffnet werden, diese müssen mir das Ziel meiner Leidenschaften, meiner bisherigen Begierden als klein, uns bedeutend vorstellen. Sie müssen dartun, dass alles, was ich bisher gesucht habe, durch diesen neuen Weg kürzer, sichrer und dauerhafter erreicht werden könne; dann fällt mit einem mal der Nebel von den Augen, dann verschwinden Kleingeisterei und mit ihr Zwietracht, wie die Sterne vor der kommenden Sonne. Dann kommt es nur darauf an, diese Ideen fester zu gründen, lebhafter zu machen, zum Bedürfnis zu machen, und das Wunder ist geschehen: Kinder sind Männer, Feige werden Helden, und moralische Zwerge sind zu Riesen herangewachsen, so viel vermögen große und ähnliche Grundsätze, eine gleiche Stimmung nach höheren Zwecken! Das Bestreiten einzelner Leidenschaften ist fruchtlos und zu mühsam; der allen gemeinschaftliche Grund selbst mussuntergraben werden; so wie der Baum selbst fällt, fallen und verdorren seine Zweige. Aber Zeit und Geduld sind dabei nötig; denn es ist um nichts weniger als um die Änderung des Ganzen zu tun, die kein Werk eines Tages ist, wenn sie Dauer versprechen soll.
  6. Keine Einheit eines Körpers, eines Ganzen lässt sich denken ohne Zusammenordnung seiner Teile. Jeder Teil muss an seinem Ort stehen, nicht mehr und nicht weniger tun als ihm angewiesen ist; jedes Rad muss in der gehörigen Proportion in das andere greifen, kein Teil den andern hindern; mit einem einzigen Zug oder Druck muss sich die Bewegung allen in dem nötigen Maß mitteilen, sich von Mittelpunkt bis an die äußerste Peripherie des Zweckes verbreiten. Je enger diese Zusammenordnung je einfacher solche ist, umso vollkommner ist das Ganze. Alle einzelnen Kräfte müssen wie in einem einzigen Brennpunkt zusammen treffen; und es muss daher eine Kraft sein die sie sammelt, durch welche sie die nötige Richtung erhalten. Man muss wissen und genau wissen, wer Teil von diesem Körper, wer davon abgeschnitten ist. Wer an dem einen Ort davon getrennt worden, bleibt an allen getrennt; niemand muss sich in einem andern Ort zur Hintertüre hineinschleichen können, wenn er zur vorderen hinausgegangen ist und die Fahne von selbst odergezwungen verlassen hat. Jeder neue Zuwachs muss angezeigt, in Vorschlag gebracht, Bewilligung darüber eingeholt werden, um Homogenität der Teile zu erhalten und Uneinigkeit zu verhüten. Eigenmächtigkeit muss verbannt sein, das Aug, die Aufmerksamkeit eines jeden darf nur ganz allein auf diejenigen gerichtet sein, zwischen welchen er steht, auf den, der unmittelbar die Richtung gibt, auf den, der diese Richtung durch mich erhalten. Die Arbeit würde ungeheuer, bei einem so zerstreuten Körper ganz unmöglich sein, wenn ein einziger Mensch unmittelbar in alle Teile eines so ungeheuren Ganzen wirken sollte. Zeit und Kräfte würden nicht hinreichen. Der ganze Wirkungskreis muss also in kleinere Bezirke abgeteilt werden und diese aus der obigen Ursache einander untergeordnet, so untergeordnet, dass die Sphäre von Wirksamkeit im Hinaufsteigen immer enger und kleiner werde. Diese Einrichtung gibt Einigkeit, Ordnung, Behändigkeit und Nachdruck im Ausführen. Wenn die Gesellschaft erst angehend ist, so wird diese Einrichtung umso notwendiger, um gleiche Stimmung in alle, um die Maschine in Gang und Ordnung zu bringen.
  7. Dann erst, wenn alle Mitglieder gebildet sind, wenn durchgehend gleiche Stimmung herrschet, wenn der Zusammenhang eng ist, und alle Teile in einander paffen, wenn das Innere und Wesentliche geordnet ist: dann erst mag die Gesellschaft Nebenzweige z. B. literarische, besorgen; weil diese gleich im Anfang die Kraft zerstreuen, vom Wesentlichen abwenden würden, und die Absichten der Mitglieder noch nicht rein genug sind, um nicht von den dabei unterlaufenden so gewöhnlichen Missbräuchen und Ausartungen fortgerissen und zu engeren Absichten verleitet zu werden; dann erst gelingt alles, dann erst wird engerer Vorteil nicht so sehr mißbraucht, dann fügt sich dieser nach den Vorschriften der Vernunft.
  8. Um diesen Zusammenhang noch enger zu machen, um dieses Bündnis, zum Sitz aller gesellschaftlichen Freuden bis zur engsten Harmonie der Geister zu veredeln, so sollte unter allen Mit gliedern eine neue Art von Kampf und Wetteifer entstehen. Jeder sollte sich bestreben, den andern an zuvorkommenden Gefälligkeiten zu übertreffen, sich so viel möglich in die Lage des andern versetzen, seine vernünftigen Erwartungen erforschen, sich vorstellen, was ihm gefalle oder missfalle, werde andern nicht weniger gefallen oder missfallen; es eben darum tun, oder unter lassen. Und wenn das jeder täte, dann würde keiner verlieren, alle würdengewinnen, jeder gäbe eins, um tausend dagegen zu erhalten. Jeder würde einsehen, dass stolze, eigennützige, selbstische Forderungen die Herzen anderer verschließen; dass Liebe anderer die beste Liebe seiner selbst ist; dass Dienstfertigkeit und Achtung für die Rechte und Forderungen anderer meine eigenen Rechte versichert, die Herzen aller öffnet; dass ein solcher Mensch an dem Tag der Not nie ohne Hilfe ist; dass sich alles vereint, einen Menschen zu retten, von dem alle in ähnlichen Fällen nicht ohne Grund ein gleiches erwarten. Dann ist auch sogar nur ein Eigentum, so wie nur eine Seele und Herz.
  9. Eidschwüre sind bei uns überflüssig. Auch keine Versicherung bei Ehre wird abgefordert. Die Sache selbst muss binden. Wen diese nicht fesselt, der wird vergeblich durch Eidschwüre gebunden: gehe immer hinfort, wenn du willst und werde ein Verräter an der Menschheit, wenn du ernsthaft glauben kannst, dein wahrer Vorteil beruhe darauf.

Und nun mein Freund! wende ich meine Rede zu dir. Ich habe dich über die Einrichtung einer geheimen Gesellschaft, wie ich glaube, so vollständig unterrichtet, dass das Land in welchem du dich niederlassen willst, dir nie ganz fremd und unbekannt sein kann. Wenn dein Entschluss noch fest ist, dich mit uns zu verbinden, so betrachte ich dich als einen, den das Bedürfnis und die Kauflust zu uns treibt. Die Ware, welche du bei uns suchst, wird nicht verschenkt, sie wird gegen eine Gegenverbindlichkeit erhalten; wir sind die Verkäußer, du der Käußer, die Ware, so wir hier feilbieten, ist das Gut, so durch diese Verbindung erhalten wird; und die Gegenverbindlichkeit die wir von dir fordern, ist die genaue Beobachtung unserer Gesetze. Wir nötigen niemand einzutreten: es steht sogar jedem frei, wenn und wie er will, ungescheut auszutreten. Will er das nicht, will er einer von uns sein, unsre Vorteile genießen, was ist billiger, wie kann er sich weigern, sich in unsere Ordnung zu fügen? Wie kann er gebieten, wie uns nötigen seiner Meinung, seines Willens zu sein? Zurücktreten, von seinem Kauf abstehen, das mag er wohl. Erst als dann, wenn er seinen Preis erlegt, wenn er das erfüllt, was wir verlangen, erhält er einiges Recht auf uns. Hier gilt kein Trotzen, kein Aufpochen, kein Drohen. Keiner hat das Recht unsere Einrichtungen zu tadeln, zu begehren, dass solche abgeändert werden, sie für überflüssig zu erklären; da er das Ganze nicht übersieht, wie kann er wissen, was am rechten Ort, was Auswuchs von diesem Körper sei? Er kann nicht wissen, ob nicht vorhergegangene oder begleitende Umstände eine gewisse Einrichtung notwendig gemacht haben, die wir vielleicht ebenso sehr von uns entfernt wünschten, als irgendein anderer. Er hat also bloß allein das Recht auszutreten, wenn ihm eine gewisse Einrichtung missfällt. Es kommt darauf an, ob dir oder uns mehr daran gelegen sei, im Besitz der Ware zu sein. Keine Not treibt uns die loszugeben, wir treten sie an niemand ab, ehe nicht unsere Bedingnisse erfüllet sind. Und es kommt auf uns an, uns stehet es zu, zu beurteilen, ob jemand diese Bedingnisse hinlänglich erfüllet habe; gleich wie es dir in der Folge zustehet, über uns zu urteilen, ob wir Wort halten. Da wir außer Notfällen kein Geld fordern, keinen häuslichen Umständen zu nahe treten, nichts verlangen was nicht jeder schon außerdem zu leisten verbunden wäre, so ist die Vermutung für uns, dass unsere Forderungen gerecht sind und dass wir auch seiner Zeit unser Wort jedem, der ausdauert, sehr genau erfüllen.

Welche sind nun diese Forderungen, die wir machen?

  1. Treu, und Glauben, und Heiligkeit, des einmal gegebenen Worts; weil ohne solchen die menschliche Gesellschaft, umso mehr eine geheime Verbindung, auf keine Art bestehen kann; weil eine Menge der möglichsten Dinge ohne solchen gar nicht möglich sind; weil eineungeheure Menge der größten Übel sich in diesem Mangelallein gründet; weil dir selbst daran liegt, im Unglück bei andern Gelegenheiten das Vertrauen deiner Mitmenschen zu erhalten, um bei ihnen Hilfe zu finden. Bürgen, Zeugen, und Eidschwüre beweisen, dass wir Lügner sind; den ein bloßer Handschlag nicht fesselt, der ist alle Stunde bereit an Gott, wie an Menschen zum Verräter zu werden. Ja und nein sei dein Eidschwur, und Amen deine heiligste Versicherung.
  2. Wir fordern gute Hauswirtschaft; mutwillige Schulden sollen dir ein Gräuel sein; Ein Mensch, der über seine Einnahme verzehrt, lebt vom Schweiß und Eigentum anderer; ist oft nicht viel besser, oft noch gefährlicher als ein Dieb; sein Körper, und seine Gemächlichkeit sind sein Abgott; zu jeder schlechten Handlung steht er feil, seine Ehrlichkeit steckt in dem Säckel dessen, der sich solcher bemeistern will. Schande und Verachtung warten seiner, Kummer und Unruhe verbannen aus seiner Seele Heiterkeit und Freude. Nach jeder Seifenblase wird er haschen, nach jedem noch so schwachen Rohre wird er greifen, um sein Dasein zu erhalten. Alles, was zeitliche Linderung gibt, wird er mit offenen Armen umfassen, Geheimnisse wird er verraten, Freunde und Gerechtigkeit wird er verkaufen, Unwürdige wird er empfehlen, befördern, alle Pflichten verletzen, und seinen Herrn hinterlisten; zur Lüge wird sich sein Mund öffnen, und zur Falschheit sein Herz. Leichtsinn, Sinnlichkeit, Eitelkeit, Wein, Liebe, oder Spiel, Unmäßigkeit, oder Kitzel des Gaumens haben ihn so weit gebracht, sind notwendige Bestandteile seines Charakters. Traue einem solchen Menschen nicht, denn er hat das Vertrauen andern gemissbraucht, hat ihre Wohltaten mit Undank mit ihrem Verderben belohnt; hat Hass und Misstrauen unter Menschen vermehret, und wahrhaft notleidenden den Weg und die Mittel zur Hilfe erschweret.
  3. Wir fordern Unterwürfigkeit und Gehorsam; aber nicht um Menschen zu missbrauchen, willkürlich zu behandeln und ihre Freiheit ohne Not zu beschränken. Wir fordern vielmehr beides, weil wir Führer sind durch unbekannte Länder und Gegenden; weil man uns Einsicht und Erkenntnis zutrauet, und solche von uns erwartet, weil wir folglich weiter sehen, als der, den wir führen; weil du noch nicht alle Mittel, und aus Mangel der Übersicht noch nicht alle Verhältnisse der Handlungen zum Zweck kennst; weil du im Grunde nicht Menschen, nicht uns, nicht der Willkühr, sondern dem Gesetz der Vernunft, dir selbst gehorcht; weil, wenn du ganz aufgeklärt, ganz frei von Leidenschaften sein würdest, du eben dieses und nichts anderes tun könntest und würdest, um zu deinen so teuer gewordenen Zweck zu gelangen, weil ohne Unterwerfung keine gesellschaftliche Ordnung bestehen kann, weil bei allen Systemen, Orden und Verfassungen, wo solche am strengsten war, die größten Wirkungen vor allen übrigen hervorgebracht worden; weil das Gebieten auch dereinst an dich kommt, weil dazu lange Erfahrung nötig ist, um gut und zweckmäßig zu gebieten; weil Befehlen bei uns nichts anders sagen will, als einen andern, der noch nicht hell genug steht, seinen wahren Vorteil verkündigen und begreiflich machen; weil in einer wohlgeordneten Gesellschaft nur ein Geist und eine Seele herrschen kann und soll, wenn alle vernünftig denken wollen; denn unter vielen Meinungen über den selbigen Gegenstand kann doch nur eine Meinung die wahre, nur ein Mittel das richtigste sein, und dieser sollten billig alle Vernünftige beitreten; und weil endlich die Kunst zu gehorchen, in jeder Lage zu nutzen von einer ungleich größeren Seele zeigt, als die allen Menschen so natürliche Begierde zu herrschen; – die Hoheit des Standes macht hier keine Ausnahme: wer seine weltlichen Vorzüge bei uns geltend machen will, der entferne sich von uns. Wir kennen in unserem Mittel keinen Unterschied der Stände, den wir aber doch sonst verehren, ohne zu schmeicheln oder zu kriechen. Wir schauen allein auf den Unterschied der Geister, auf ihren moralischen Wert. Wir wissen vielmehr, dass eine Person von hohem Stande umso mehr zum Beispiel der Ordnung verbunden sei, weil durch die Größe und Seltenheit des Opfers, so sie der guten Sache bringt, diese mehreren Nachdruck und Ansehen erhält.
  4. Wir fordern Punktualität und Ordnung auch bei kleinen Vorfällen. Gar zu oft hängt der glückliche Erfolg einer Sache von einem einzigen Moment ab; und ich weiß nicht, ob nicht dieser Moment vielleicht der entscheidende ist. Schönheit und Harmonie des Ganzen hängen nicht minder davon ab, und kein Feldherr, kann ohne Schaden des Ganzen auf dem bestimmten Schlachtfelde mit den Seinigen später erscheinen, als sein Auftrag enthält. Unmöglich können große Dinge gewirkt werden, wo Mittel und Werkzeuge unzuverlässig sind. Nicht mehr und nicht weniger, nicht später und nicht früher, an diesem und keinem anderen Ort sind gewiss keine gleichgültigen Dinge. Der punktuelle Mann ist gewiss auch zugleich der anhänglichste, fleißigste und zuverlässigste Mann. Punktualität ist also notwendig, weil Zeit und Gelegenheit unwiederbringlich find; weil in planmäßigen Handlungen sich der eine nach dem anderen richtet; weil alles übrige nicht erfolgen kann, wenn das eine unterbleibt; weil im Mangel derselben oft Jahre lang verschoben wird, was das Werk einer Stunde wäre; weil man später zum Zweck kommt und diesen Zweck doch so sehnlich verlangt.
  5. Wir fordern, dass alle Beförderungen von uns allein abhängen. Wir allein können wissen, wer so ist, wie wir ihn brauchen, ob er zur weiteren Stufe, deren Inhalt dem murrenden Unzufriedenen noch unbekannt ist, gehörig vorbereitet sei; ob die dazu nötigen Ideen bei ihm in Gang gebracht, ihm schon geläufig sind, ob sie ihm zum Bedürfnis geworden. Jeder, der über verzögerte Beförderung murrt, de en Ab sichten sind unrein. Eitelkeit, Begierde zu glänzen, zu herrschen, alles zu wissen, sind die geheimen Triebfedern seines Beitritts zum Orden. Jeder muss sich selbst befördern. Wer den andern um seine Beförderung beneidet, missgönnt ihm seine bessere frühzeitigere Bildung, und dem Ort den einen Vorteil, der groß ist.
  6. Wir fordern Arbeitsamkeit, Fleiß, weil Tätigkeit die Seele von allem ist; weil das Leben der Teile Leben des Ganzen ist; weil Beschäftigung, Wirken, Arbeiten die sicherste Mittel gegen Verführung, und Langeweile sind; weil die Untätigkeit, und Lauigkeit des einen sich auf viele andere verbreitet; weil die meisten unserer Arbeiten Erfüllungen der schon obliegenden Pflichten sind.
  7. Wir fordern auch Verschwiegenheit, um ruhiger, und gesicherter zu arbeiten; um durch das Verborgene größeren Reiz für das Gute zu erwecken. Gelehrsamkeit ist uns äußerst willkommen: aber ohne den obigen Eigenschaften, ohne Güte des Herzens äußerst verhasst. Wie viele edle Menschen wären für uns gänzlich verloren, wenn wir Gelehrsamkeit zur Grunderfordernis unserer Mitglieder bestimmt hätten. Wir suchen Menschen von gutem natürlichem, praktischem Verstand, Freunde und Bekenner der Wahrheit.
  8. Neben der brennenden Begierde dich täglich zu vervollkommnen, fordern wir von dir, dass du diesen unsern Vortrag, jeden dir mit zuteilenden Unterricht nicht wie eine Zeitung liefert, und dann bei Seite legest; mit bloßem Wissen ist uns wenig gedient. Handeln und Wirken ist unsere große Beschäftigung. Du sollst wissen, hören, lesen, um sodann zu tun. Dies ist das unterscheidende Unsrer Schule. Unsre Lehren sind nicht neu und unbekannt: aber die Anstalten zur Ausführung, die brennende, heiße Begierde, dies alles zu werden, ist neu, ist uns vor allen anderen eigen. Daher denke über alles; wende es auf dich an, auf andere, auf die Umstände. Denke dir alle abstrakte Grundsätze in Beispielen, in Folgen, in Beziehung auf dich, deinen moralischen Zustand, deine Glückseligkeit. Unterrede dich öfter, und gern mit deines gleichen, mit uns über Gegenstände dieser Art. Nimm nichts an, weil wir es sagen. Eröffne uns deine Zweifel, und verwirf alles, worüber wir dir keine befriedigende Antworterteilen. Aber hast du es einmal gefasst, dich von der Wahrheit, Wichtigkeit der Sache überzeugt, dann öffne ihr deine ganze Seele zur günstigen Aufnahm; mach dir diese Erkenntnis geläufig und lebhaft, und handle wie du denkst.

Diese sind nun unsre Forderungen. Sind sie schwer, ungerecht, eigennützig, unmöglich? ich denke nicht, wenige sind auserwählt, obgleich viele, alle berufen sind. – Also noch einmal, hier sind unsere Forderungen. Um diesen Preis steht es dir frei, einer ausunserm Mittel zu werden. Scheinen dir diese Forderungen zu ungerecht und hoch: so scheiden wir im Frieden voneinander. Und dann steht es erst von der Zeit zu erwarten, welcher von uns beiden beim Fortgehen die sicherste Straße gewandert, um an das Ziel seiner Wünsche, zur Glückseligkeit zu gelangen.