Adeptschaft

Joseph Nolen (1991)

Joseph_NolenJoseph Nolen beobachtete Ann Davies wie ihr Adeptum heranwuchs. Patrica Stahlbaum die Adeptin/geistige Führerin wollte die falschen Eindrücke über Adeptschaft auflösen. Jahrhundertelang baute die Innere Schule einen Schutzwall gegen religiöse Autoritäten und die Sichtweisen der Profanen auf, wie in der Fama Fraternitates zu lesen ist. In ihren Kommentar gibt sie an, dass angehende Adepten ihre neuen Fähigkeiten interaktiv lernen und sich nicht mit dem identifizieren was sie tun, sondern dass was sie sind und die richtigen Fragen in das Bewusstsein treten.

 

Es ist wirklich eine umwerfende Erfahrung, wenn man zum ersten Mal einen wahren Adepten trifft oder mit ihm zusammen ist. Zu der Zeit, wenn man für solch ein Treffen reif ist, haben sich vorgefasste Meinungen im Bewusstsein verfestigt über das, was ein Adept ist, und wie er handelt. Die Realität ist viel größer und unterscheidet sich von unseren vorgefassten Meinungen, die wir von bekannter und obskurer Literatur ableiten, beginnend mit der Bibel, über Märchen über die Weisen, die sogenannte esoterische Literatur und die Berichte der Gurujäger aus dem Fernen Osten. All diese Eingaben rufen unbewusste Erwartungen bestimmter Verhaltensweisen hervor, so dass die Realität meistens schockierend von diesen Erwartungen abweicht, wenn man schließlich einen Adepten trifft.

Am Anfang meiner Verbindung mit Ann Davies, der ehemaligen Leiterin der B.O.T.A., bestand meine Konditionierung darin, dass ich nur zu ihren Füßen sitzen wollte, um den goldenen „Bonbons“ zu lauschen, die sich von ihren Lippen ergossen. Jetzt kenne ich meine Erwartungen hierzu und meine Frustrationen darüber, dass sie sich nicht realisierten, waren für sie offensichtlich, denn nach etwas stillem aber unbewussten Druck meinerseits sagte sie: „Was du willst, ist, dass ich dich die ganze Zeit lehre. Was hältst du davon, mich einfach mich selbst sein zu lassen?“

Für mich war es ein Schock zu erkennen, was ich da tat, aber es war auch der Anfang einer höchst lohnenden Zeit von 12 Jahren, die Ich „Adept-Beobachtung“ nenne. In der östlichen Tradition ist das Beobachten der Handlungen des geistigen Führers bekannt, um klare und wirksame Anweisungen zu vermitteln, so wie die Bilder des Tarot einflussreicher sind als die Wörter, die sie erklären. Die Handlungen des Adepten zeigen eine gut gefestigte Sichtweise, die die Umkehrung der eines Uneingeweihten darstellt, die Muster des Massenbewusstseins. Das Bewusstsein des Adepten hat sich darüber hinaus entwickelt, an sie/ihn gebunden zu sein, sondern es ist auf die Entwicklungsbedürfnisse der Person oder die Situation, mit der er/sie sich gerade beschäftigt, zentriert.

Die Persönlichkeit des Adepten ist das Instrument, durch das der Allumfassende Wille-Zum-Guten ausgedrückt wird, als Reaktion auf all die verschiedenen Bedürfnisse derjenigen, die in seiner/ihrer Obhut sind.

Anns Persönlichkeit glich einem Chamäleon, das sich jedem Bedürfnis und jeder Situation entsprechend veränderte und wie ein Musikinstrument anschlug. Sie war nicht einschätzbar. Ihre Fähigkeit des aktiven Zuhörens war schon einschüchternd. Wenn du etwas zu sagen oder zu fragen hattest, würde sie alles stehen und liegen lassen und ihre gesamte Aufmerksamkeit auf dich, um dich herum und durch dich hindurch konzentrieren. Sie schien aus einer inneren Ruhe heraus zuzuhören, die nichts verurteilte und daher die Wahrheit einlud, ans Licht zu kommen. Sie konnte besser hören als ein Mikrophon, denn ihr Verstand beleuchtete die Grundzüge dessen, was du sagtest, sofort. Sie schien sie ausfindig zu machen, bevor du wusstest, wohin sie führen würden. Ihre verbalen Reaktionen auf deine Fragen kamen fast immer in Form einer sehr durchdringenden Frage, die, wenn sie beantwortet wurde, eine Selbst-Offenbarung hervorbrachte.

Ann beanspruchte für sich, eine Fundgrube aller menschlichen Schwächen zu sein – was sie mit lebhaften Illustrationen belegte. Sie sagte, dass sie ein Vielfraß sei, und nur ihre Eitelkeit hindere sie daran, kugelrund zu werden; doppelt negativ ergibt einmal positiv, machte sie sich darüber lustig. Sie hatte eine sehr humorvolle Art und Weise, die Vergötterung zu entkräften, die einige Studenten ihr aufdrücken wollten, indem sie sagte, dass du dich selbst herabsetzt, wenn du jemand anderen vergötterst. Sie war gegenüber dem Einen Selbst sehr ehrfurchtsvoll, jedoch nicht pietistisch. Sie sagte, dass es zu viel Energie kosten würde, in einer Weise zu handeln, die nicht ihrem Wesen entsprach.

Für mich war ihre große Gabe das Beispiel der Akzeptanz ihrer menschlichen Schwächen mit vollkommener humorvoller Erkenntnis und ohne Selbstverurteilung, diese Fehlschläge waren nicht unspirituell. Ihre Handlungsweise zeigte, dass wir unseren Bedarf an Selbst-Täuschung beschränken könnten, um unser wackliges Selbst-Bild zu unterstützen. Die Vorstellungen, die uns ihre Handlungsweisen darstellten, waren für unsere Bemühungen zur Selbst-Umwandlung genauso wichtig wie das, was wir durch unsere geschriebenen Lektionen erhielten. Sie gab den Prinzipien in einer Form lebendigen Ausdruck, wie sie niemals durch Worte ausgedrückt werden könnten. Die Bilder, die sie präsentierte, waren wertvoller als tausend Worte.

Hier sind einige Kommentare zum Adeptentum von Ann Davies von Rev. Patricia Stahlbaum, einer Geistlichen der B.O.T.A., die mit ihr im Zentrum über 5 Jahre eng zusammengearbeitet hat. „Ich konnte über 5 Jahre beobachten, wie ihr Adeptentum heranwuchs. Sie war immer ein Adept gewesen, doch mit der Zeit wuchs sie in eine immer größere Kraft und einen klareren Ausdruck hinein. Ihre Persönlichkeit wurde niemals zurückgehalten oder unterdrückt, gehemmt oder fanatisch. Sie liebte leuchtende kräftige Farben, hatte eine volle tiefe Stimme und ein ebensolches Lachen, die Persönlichkeit einer Zigeunerbaronin. Sie verfügte über eine enorme innere Kraft und konnte diese auf eine absolute innere Stille konzentrieren. Sie konnte völlig empfänglich oder vorwärtsstrebend sein, wie die Situation es verlangte. In ihrer Nähe war man sich immer der vitalen, pulsierenden, pochenden, ausstrahlenden Lebenskraft in all ihrer stillschweigenden oder ausdrucksstarken Herrlichkeit bewusst.“

Nicht jeder konnte zulassen, dass sie die vielen Variationen der Persönlichkeit ausdrückte, die sie verkörperte. Einige wollten nur dann in ihrer Nähe sein, wenn sie die Lehrerin war, der Projektor der Allumfassenden Liebe. Zugegeben, in dieser Rolle war Ann großartig. Du wurdest in eine absolut zeitlose Weisheit und Liebe eingehüllt. Aber sie konnte auch sehr verspielt sein, und das war großartig für diejenigen, die sich darauf einlassen konnten; sie zwang das keinem auf, der nicht für diesen Aspekt ihrer Persönlichkeit empfänglich war.“ (Patricia Stahlbaum)

Ich hatte viele Gespräche mit Ann über Adeptschaft. Ihre Meinung war, dass endlich die Zeit gekommen sei, die falschen Eindrücke, die man über Adeptschaft hat, aufzulösen. Diese wurden durch die Innere Schule Schritt für Schritt über Jahrhunderte hinweg aufgebaut um einen Schutzwall gegen religiöse Autoritäten anzulegen, durch Angst vor der Kraft der Adepten, und ebenso als eine Barriere gegen die Betrachtungsweise der Profanen. Ihr Denken war auf die Aussagen der Fama Fraternitatis begründet, als die Autoren eine voraussichtliche Periode der Freiheit und Kommunikation, die wir gerade genießen, erwarteten. (So wie ich mich an die Gespräche erinnere.)

Zwei aktuelle Bedingungen zeigten ihr, dass die Zeit der Entschleierung der falschen Konzepte über Adepten und Adeptschaft JETZT waren:

  1. Der „nicht-abergläubische“ Grad der allgemeinen Bildung in den industriell entwickelten Staaten. Sie könnten die evolutionäre Grundlage der esoterischen Philosophie verstehen.
  2. Das Fehlen jeglicher legaler oder religiöser Verfolgung der esoterischen Arbeit. Sie sagte ebenfalls, dass die Verbreitung der esoterischen Information durch die billigen Publikationskosten und der elektronischen Kommunikation stark zugenommen hätte, dass der „bullshit“ über Adepten aufgehört hätte, da es viele Adepten unter uns gibt und dass es mehr werden um die Gefahren der Massenzerstörung von vornherein auszubalancieren.

Es ist notwendig, Adepten nicht als Halbgötter, die unmögliche mysteriöse Leistungen vollbringen, zu betrachten, sondern als gewöhnliche evolutionäre Entwicklung einiger menschlicher Fähigkeiten. In Bezug auf ihre Adeptschaft antwortete sie mir: „Ich bin nur ein Adept, wenn ich es sein muss.“ Sie sagte, die einzige Erfordernis für Adeptschaft sei die Verwirklichung dessen WER DU BIST. Nicht zu denken oder glauben, sondern tatsächliche Erfahrung deiner Göttlichen Identität.

Adeptschaft ist gewährt und ist nicht, wie viel du weißt, aber sie öffnet die Verbindung zur Selbstidentität (wer du bist), wo Antworten gegeben werden können. Adepten, sagte sie, sind nicht frei von menschlichen Schwächen und Verlangen, aber sie betrachten diese anders und identifizieren sich nicht mit dem was sie TUN, sondern mit dem was sie SIND. Angehende Adepten erforschen ihre neuen Fähigkeiten und lernen interaktive Fertigkeiten durch die tägliche Erfahrung. Dies beinhaltet auch „Anpassung.“ Adeptschaft ist nicht von Anfang an voll entfaltet. Wenn deine Zeit kommt, kannst du es nicht vermeiden ein Adept zu werden und es ist nicht das, was die meisten darüber denken, aber es ist ein verdammtes Abenteuer.

Was tun Adepten? Sie beantworten nicht deine großen abstrakten Lebensfragen. Die Antworten auf Fragen, die für dich wirklich wichtig sind, warten darauf durch die richtigen Fragen in dein Bewusstsein zu treten, wie ich an Ann oft beobachtete. Sie sagte der Lebensprozess macht uns zu schärferen Beobachtern um fortzubestehen. Wenn du bewusst und ehrlich versuchst dich zu beobachten, wirst du umgehend realisieren, dass du Gott beobachtest, ein netter provokanter Kommentar.

Dies führt zur Adeptschaft, die Geschöpfe, die umgekehrt schauen.