Die Zehn Sephiroth der Kabbalah

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Das chaldäische Wort Sephiroth bedeutet Emanationen. Es sind die unterschiedlichen Phasen der Schöpfung, das Ausströmen des grenzenlosen Lichts. Das Zusammenspiel der Gegensätze, der polaren Kräfte, männlich und weiblich, Licht und Finsternis.

Sephiroth ist ein chaldäisches Wort, das gewöhnlich mit ‚Emanationen‘ übersetzt wird. Es trägt auch die Bedeutung von Stufen oder Phasen der Schöpfung, Aspekten der Spezialisierung oder Funktionsbereichen in sich.

Die erste Sephirah heißt: KETHER: ‚Krone‘. Diese Sephirah ist das erste Ausströmen des Grenzenlosen Lichts; der Ur-Wille; der Alte der Tage; die Kosmische Einheit. Im Makrokosmos ist sie die Gottheit, der Ursprung allen Seins. Im Mikrokosmos symbolisiert sie den Göttlichen Funken, der uns mit der Höchsten Gottheit vereinigt, dem Großen Unmanifesten, das weder benannt noch definiert werden kann. Sie wird auch ‚der Ursprung der Wirbel‘ genannt. Kether ist die Wurzel des Lebensbaumes.

Die zweite Sephirah nennt man CHOKMAH ‚Weisheit‘. Der Höchste Vater, der Samen. Während Kether als der erste Aspekt vollständiger Existenz angesehen und durch die einfachste geometrische Vorstellung – einen Punkt – bezeichnet wird, zeigt Chokmah das nächste Stadium, nämlich die Richtung. Richtung bedeutet Bewegung mit einer Absicht. Das Symbol dieser Sephirah ist die Linie. Sie repräsentiert absolutes Potenzial – Energie, die noch frei von jeder Formbeschränkung ist: explosive, allmächtige, ungezügelte Expansion. Chokmah steht an der Spitze der maskulinen Säule der Kraft. Astrologisch gesehen korrespondiert sie mit dem Tierkreis.

Die dritte Sephirah heißt BINAH ‚Verstehen‘. Die Göttliche Mutter; die Kosmische Gebärmutter; das Große Meer. Die dritte Sephirah steht an der Spitze der femininen und formbezogenen Seite des Baums. Wenn die projektive Kraft der Linie von Chokmah ihre Bewegung beginnt, zieht die magnetische Liebe von Binah diese Projektion an, formt sie zu einer Kurve und erzeugt dabei die Struktur des Raums. Der begrenzende Aspekt von Binah wird wiederum in der Entsprechung von Saturn und der Zeit deutlich. Im Mikrokosmos ist Binah der Sitz von Neschamah oder der Göttlichen Seele, des Heiligen Geistes des christlichen Symbolismus. Diese Sephirah ist die Quelle der Intuition. Sie begrenzt, leitet und konzentriert die Kraft von Chokmah und ist deshalb die Mutter der ganzen Schöpfung.

Die vierte Sephirah heißt CHESED: ‚Gnade‘. Mitgefühl; Anabolismus; die Kraft, die erbaut; Gedächtnis. Diese Sephirah ist die höchste des Dreiecks der Individualität. Ihr wird der Planet Jupiter zugeordnet. Jupiter entspricht Zeus, der König des griechischen Pantheons ist. Chesed wird das Bild des ‚Gerechten Königs‘ zugewiesen, des gütigen und weisen Herrschers, der das Königreich nach den Gesetzen des Kosmos verwaltet. Diese Ebene wird auch den Chasidim zugeordnet, den Meistern des Mitgefühls. Mikrokosmisch wird Chesed dem Gedächtnis zugeschrieben, dies ist etwas anderes als das persönliche Gedächtnis. Es ist das Gedächtnis des Kosmos. Auf der Ebene der Rückkehr, die von Chesed symbolisiert wird, ‚erinnert‘ sich der Mensch daran, wer Gott ist, was das Universum ist, warum er erschaffen wurde und was der Zweck seines Lebens ist. Wahres Mitgefühl ist immer im Gleichgewicht mit einer festen Gerechtigkeit, die von der nächsten Sephirah, Geburah, repräsentiert wird.

Die fünfte Sephirah heißt GEBURAH: ‚Strenge‘, aber auch Pechad ‚Furcht‘, und Din  ‚Gerechtigkeit‘. Diese Titel beschreiben drei Arten, in denen der Mensch üblicherweise auf Gott reagiert. Der primitive Mensch betrachtet Gott mit Ehrfurcht oder Angst. Er versucht, die Kräfte, die er fürchtet, zu besänftigen, in der Hoffnung, dass sie ihm wohl gesonnen sein werden. Der ‚fortgeschrittenere‘ Mensch sieht das Universum als einen riesigen strengen Mechanismus, der von kalten, unansprechbaren Kräften gelenkt wird, die diejenigen zerstören, die unglücklich genug sind, gegen ihre unaufhaltsamen Regeln zu verstoßen. Das ist traurigerweise die heute vorherrschende Betrachtungsweise. Sie wird Materialismus genannt – ein Glaube, der dazu führt, dass man seine ganze Energie auf den Gewinn physischer Güter konzentriert, in der Annahme, dass das Physische alles sei, was es gibt. Ihr Fehler liegt in seiner Begründung auf einem unvollständigen Weltbild. Sie betrachtet die äußere Welt der Effekte als die vollständige Realität und ihnen ist die innere Welt der Ursachen unbekannt. Einigen wenigen jeder Generation erscheint jedoch eine Vision des Höheren. Für sie ist das manifestierte Universum das leuchtende Abbild seines Schöpfers, und sie sehen, dass alle Gesetze Manifestationen der bewussten Prinzipien von Kosmischer Gerechtigkeit und Liebe sind.

Geburah entspricht Mars, Handlung, Gesetz und dem Katabolismus, der Zerstörung des Alten, sodass das Neue erbaut werden kann. Im Menschen manifestiert sich der Geburah-Aspekt als die Kraft des Wollens oder des Willens. Die Willenskraft ist eine natürliche Fähigkeit. Wahrer Wille ist eine Kosmische Kraft, und etwas anderes als eine persönliche Eigenschaft, und ist für uns unerschöpflich verfügbar. In den anfänglichen Phasen unseres spirituellen Pfads erschient es wirklich so, als sei die notwendige Disziplin eine Funktion unserer Willenskraft, aber wenn wir die Realität akzeptieren, dass unser Wille ein Aspekt des Universellen Willens ist, wird die Kraft des Universums bewusst durch uns fließen. Alle Adepten berichten, dass wir, sobald wir wirklich sehen können, wissen werden, dass – wie auch immer es uns zur jeweiligen Zeit erschienen  sein  mag – unser Fortschritt auf dem Pfad durch das sanfte Ziehen einer gutmütigen Hand von oben verursacht wurde.

Die sechste Sephirah heißt TIPHARETH: ‚Schönheit‘. Das Ego, Ich, Christusbewusstsein, der Messiah, Messias, der Geopferte Gott, der Wahre König. Makrokosmisch entspricht Tiphareth der Sonne, jenem Zentrum des Bewusstseins, das alles Leben in unserem Sonnensystem ermöglicht.  Mikrokosmisch bezieht sich diese Sephirah auf die Individualität, das wahre Selbst, das eine Erweiterung des Solarlogos ist, das Selbst, das immer wieder reinkarniert, bis das Ziel der Vollkommenheit erreicht und die Einheit mit dem logoidischen Bewusstsein vollständig ist. Es ist wichtig, dass wir klarstellen, dass dieses Ziel etwas anderes ist als ein Zustand des Identitätsverlustes (wie manche die östliche Lehre des Nirvana fehlinterpretieren). Der Pfad der Einweihung ist für jene die Selbsterkenntnis statt ‚göttliche Vergessenheit‘ suchen. Diejenigen, die vor uns gegangen sind, sagen uns, dass der einzige Verlust darin besteht, dass das falsche Selbst (Ego = Eitelkeit) als das erkannt wird, was es ist: ein sehr kleiner Teil des Ganzen. Mit dieser Erkenntnis kommen das direkte Wissen und das Bewusstsein der Einzigartigkeit und Größe des Wahren SELBST.

Die siebente Sephirah heißt NETZACH: ‚Sieg‘. Netzach, das mit dem Grünen Strahl, Venus und dem Feuerelement der Antike korrespondiert, ist der Sitz der Emotionen und der Kraft des Verlangens – welche den Alchemisten zufolge gereinigt und weiß gemacht werden muss. Es gibt unter manchen spirituellen Aspiranten die irrige Vorstellung, dass es ratsam wäre einen Zustand der ‚Wunschlosigkeit‘ zu erreichen. Manche Bücher berichten sogar, dass es notwendig ist, dass der Schüler sämtliches Verlangen abtötet. Was in Wirklichkeit ‚abgetötet‘ wird, sind die Fehlinterpretationen des Verlangens. Jedes Verlangen entspringt der höheren Quelle. Alle Wünsche sind göttlichen Ursprungs! Egal wie verzerrt, eigensüchtig oder primitiv sie sich unserer Wahrnehmung auch darstellen, sie alle haben ihren Ursprung im Verlangen des Einen Selbst nach Einheit mit Seiner Schöpfung. Das Verlangen ist rein. Unsere Methoden, dieses Verlangen zu erreichen, gehören jedoch oft neu betrachtet und umstrukturiert und unsere eigensüchtigen Interpretationen gehören geopfert, bis die Heiligkeit des Verlangens realisiert ist.

Verlangen ist notwendig für die Motivation. Ansonsten wären Sie wie ein Boot im Ozean, das weder Ruder, noch Segel oder Motor hat. Sie benötigen ein Antriebsmittel ansonsten treiben Sie einfach mit der Strömung. Erinnern Sie sich daran, dass die Weisen uns auffordern: ‚Entflamme dich im Gebet!‘ Eine feurige Emotion ist eine Voraussetzung für spirituellen Fortschritt.

Die achte Sephirah heißt HOD: ‚Glanz‘ oder ‚Pracht‘. Korrespondiert mit Merkur und dem Orangen Strahl. Die achte Sephirah ist das Gegenstück zur siebten. Während Netzach sich mit den Emotionen unseres bewussten Geistes befasst, ist Hod die Sphäre der Gedanken oder des Intellekts. Diese Sephirah wird auch dem antiken Wasserelement zugeordnet. Untersuchen wir das Wasser und seine Eigenschaften. Physisches Wasser kann in festem Zustand sein, etwa als Eis. Es kann ein Gas sein, wenn es durch Hitze angeregt wird, wie bei Dampf. Als Flüssigkeit ist Wasser formlos und nimmt die Struktur jeder Form an, in die es gegossen wird. Genauso ist es mit Gedanken: sie werden die Form der Bilder annehmen, die vom Bewusstsein des Menschen bereitgestellt werden. Diese ‚Formen‘ haben eine größere oder geringere Dauerhaftigkeit, abhängig von ihrer Beziehung zu archetypischen Bildern, von der emotionalen Kraft, die mit der Form zusammenhängt, von der Anzahl der Menschen, welche sich die Bilder vorstellen, und von der Zeitdauer der Imagination. Wenn das Bild durch ein Ritual verstärkt und mit Sachkenntnis ausgeführt wird, kann es bemerkenswert persistent sein. Eine andere wichtige Analogie des Wassers wird durch sein Reflexionsvermögen deutlich. Wenn Wasser in Unruhe versetzt wird, verzerrt es das Bild.

Der Geist des Menschen kann, wenn er aufgeregt oder gestört wird, die innere Realität nur verzerrt widerspiegeln. Nur wenn die Wasser des Bewusstseins ruhig geworden sind, kann die wahre Reflexion des Einen Selbst wahrgenommen werden. Ein Zweck der Meditation ist es, ‚die Wasser‘ zur Ruhe zu bringen.

Die neunte Sephirah heißt YESOD: ‚Fundament‘. Yesod, Sitz der vitalen Seele, korrespondiert mit dem Mond und zusammen mit Tiphareth, mit dem violetten Strahl. Makrokosmisch bezieht sich diese Sephirah auf die astrale Ebene, also den Zustand bzw. die Vibration, die an die physische Ebene angrenzt. Die Astralebene enthält die Formen oder Matrizen des Physischen. Der größte Teil unserer inneren Bilder kommt zum Glück in der physischen Manifestation nie zur Vollendung. Das ist der Grund, warum einer der Titel der physischen Welt ‚Cholem Yesodoth‘ ist oder ‚Brecher der Fundamente‘. Mikrokosmisch wird Yesod dem Unterbewusstsein zugeordnet.

Die zehnte Sephirah heißt MALKUTH: ‚Königreich‘, auch die Braut genannt. Im Makrokosmos ist dies das manifestierte Universum – der Garten Eden – die Frucht des Baums. Mikrokosmisch ist es der physische Körper – der Tempel – die Harfe der Zehntausend Saiten. Die Metaphern des Königreichs, das an den wahren König (Tiphareth) zurückfällt, und des Bräutigams (Tiphareth), der seine Braut rettet, spielen auf die Einheit der Persönlichkeit mit dem Höheren Selbst an. Ohne diese Einheit identifiziert sich der Mensch mit seiner sterblichen und vergänglichen Hülle. Das hebräische Wort für den physischen Körper ist ‚Guph‘. Die Erlösung von Malkuth, sowohl mikrokosmisch als auch makrokosmisch, ist eines der wichtigsten Ziele des Großen Werks.

Seien Sie sich bewusst, dass alle Macht, die je war oder sein wird, hier und jetzt in ihnen ist. Yekhidah, das Höchste und Innerste blickt jetzt in diesem Augenblick durch Ihre Augen und erfreut sich an seiner Schöpfung.

Die geheimen Überlieferungen der Kabbalah werden schrittweise den Schülern und Eingeweihten der Hermetik International vermittelt. Dadurch lernen Sie Ihr schöpferisches Potenzial zu entwickeln und die Geheimnisse des Kosmos zu entschleiern.