Parsifal und das enthüllte Grals-Geheimnis

Theodor Reuß

Theodor_ReussTheodor Reuß war ein deutscher Freimaurer, Theosoph, Mitbegründer eines Ordens, sowie Mitglied in verschiedenen Orden. In diesem Text gibt Reuß seine Interpretation zur Handlung des Stückes „Parzival“ und erläutert die darin enthaltenen mystischen Ideen und Symbole.

 

 

I – Einleitung

Kampf der Geister

Obgleich schon 32 Jahre vergangen sind, seit Richard Wagners Bühnenweihfestspiel ‚Parsifal‘ das Licht der Rampen im Bayreuther Festspielhause erblickte, so scheint doch jetzt erst mit dem dieses großen Werkes die große Masse des deutschen Volkes anzufangen, sich für den Parsifal überhaupt zu interessieren.

Gleichzeitig mit dem Erwachen des Interesses der großen Massen des deutschen Volkes für Parsifal, setzte aber auch eine Flut von Zeitungsartikeln über Parsifal ein, von denen die meisten keine Spur von einer Ahnung von dem tief, tief mystischen Sinne haben, der der Handlung und der Symbolik des Festspieles zu Grunde liegt. Die große Masse der Parsifal-Kommentatoren und Parsifal-Skribenten, die keine Spur von einer Ahnung vom tief mystischen Sinne des Grals-Geheimnisses haben, sind jedoch noch gar nicht einmal die schlimmsten Feinde Wagners und der Parsifal-Idee.

Die wirklich schlimmen, das heißt hier die gefährlichen Feinde Wagners sind diejenigen Menschen, Artikelschreiber, Kommentatoren, Ausleger usw., die wohl eine Ahnung von dem tiefen mystischen Sinne der Parsifal- und Grals-Idee haben, die aber entweder diesen erkannten Sinn leugnen, oder absichtlich den wahren und einzig wirklich tiefen Sinn der Parsifal-Idee in ihr Gegenteil verkehren.

Die schlimmsten der letzteren Kategorie sind die Sexual-Asketen. Denn diese verstehen den Sinn der Parsifal-Symbolik sehr wohl, sie kehren aber die Idee Wagners in ihr direktes Gegenteil um. Sie sind es, die auf Grund der Handlung des Festspieles ‚Parsifal‘ und unter falscher Deutung der ihr unterliegenden Mystik, weit und breit dem deutschen Volke die ‚geschlechtliche Askese‘ als das im Parsifal verkünden, und wissentlich damit den Grund legen zum Untergang des mannhaften deutschen Volkes, wenn es nicht noch rechtzeitig gelingt, diesen falschen Propheten das Wasser abzugraben.

Gott sei es geklagt, dass heutzutage so schon die alles verseuchende Vergnügungssucht und die allgemeine Verantwortlichkeitsflucht der großen Mehrheit des deutschen Volkes zur Beschränkung der Kinder-Zeugung geführt hat, so dass unser deutsches Volk zu wachsen aufgehört hat. Es fehlte gerade noch, dass die Geschlechts-Asketen, die Verteidiger der Entsagung des Zeugungs-Aktes überhaupt, am Ende auch noch das Ohr der Massen der deutschen Jugend finden, dann führt der Rückgang in der Zahl der Geburten im deutschen Reiche mit eiserner Konsequenz zum direkten Untergange des deutschen Volkes. (Aussterbe-Etat!)

Einer dieser gefährlichen Geschlechts-Asketen ist augenscheinlich Herr Prof.R. Guhr, der geniale Schöpfer des großartigen Wagner-Denkmal-Entwurfes für Dresden, in dem er Wagner nicht als Tonkünstler, sondern als eines neuen Christentums oder, wie Professor Guhr den Dichter-Komponisten in einer kleinen Propagandaschrift nennt: Herold der frohen Botschaft (Hüter des heiligen Feuers), darstellt.

Professor Guhr hat nämlich im Dezember 1913 eine kleine Schrift privatim versendet: ‚Das Gralsmysterium und der esoterische Schlüssel zum Parsifal‘, in der er erklärt: „Der Angelpunkt der Handlung liegt in der Wiedergewinnung des heiligen Speeres, die schon gleich zu Beginn des Dramas als höchste Heldentat hingestellt wird. Da sie durch einen Akt der Entsagung geschieht, so haben wir in ihr das Symbol der geschlechtlichen Askese zu erkennen, jener großen Passion der Gottsucher aller Zeiten. Das Ergebnis dieser Askese erblicken wir beim Parsifal in der Fähigkeit, durch die Berührung mit dem heiligen Speer dem Amfortas, welcher denselben in den Armen der Kundry verlor, Heilung zu bringen“.

„Die Anwendung des esoterischen Schlüssels auf den Grundgedanken des Dramas ergibt nun folgende, das Mysterium entschleiernde, für alle Erdgeborenen geltende Wahrheit: „Dies und nur dies allein besagt die Gewinnung des heiligen Speeres, hierin ist der reale Kern des Gralsmysteriums zu erblicken, welcher zum Segen der Menschheit nun immer klarer erkannt werden möge“.

Professor Guhr ist ein Schüler der mystisch hochbegabten Frau Valerie Gyigyi in Berlin, deren Meister wiederum Fra Merlin war. Professor Guhr zählt daher tatsächlich zu den Wissenden und Eingeweihten. Und gerade weil er zu den Wissenden und Eingeweihten zählt, muss ihm und seiner Propaganda für die Geschlechts-Askese mit den schärfsten Waffen entgegengetreten werden, um das Unheil, so viel als es noch möglich ist, zu beschränken und zu begrenzen, das er, als Wissender eben anstiftete, als er sein ‚Wissen‘ in falsche Bahnen lenkte.

Als ‚Eingeweihter‘ proklamiert sich Professor Guhr durch Preisgabe des Schlüssels zur Geheimlehre der Sexual-Magie, den er „die für alle Erdgeborenen geltende Wahrheit“ nennt, indem er erklärt: „Durch die geschlechtliche Enthaltsamkeit vermag der den Trieb beherrschende Mensch die erotischen Kräfte seines Leibes umzuwandeln in Heilskräfte, welche demjenigen, der nicht die Kraft zur Askese besitzt, durch Übertragung Gesundung bringen können“.

Auf falsche Wege irrte Professor Guhr ab, als er die große Geheim-Wahrheit, die nur für auserwählte Tempel-Priester je Geltung hatte und in alle Zukunft nur haben kann, profaniert und versucht, selbe auf das Verhalten der Männer und Jünglinge des Volkes im allgemeinen anzuwenden.

Hier trennen sich die Wege der Eingeweihten und Wissenden von denen des Professors Guhr. Nachdem Professor Guhr glaubte, das Grals-Mysterium in einem sexual-asketischen Sinne entschleiern zu müssen, um für seine (dem Fortbestand des deutschen Volkes feindliche) Theorie von der Geschlechtsaskese Propaganda zu machen, wollen wir jetzt nicht länger zögern, das wahre Grals-Geheimnis zu enthüllen, um der mannhaften und mannbaren Entwicklung des deutschen Volkes zu dienen.

II – Hauptstück

Die Enthüllung des Geheimnisses

Der Verfasser dieser Schrift hat in seiner Jugend den großen Vorzug genossen, den unsterblichen Dichter-Komponisten Richard Wagner persönlich gekannt, bei ihm in der Villa Wahnfried des Öfteren als Gast verkehrt zu haben, und bei allen Proben und Aufführungen des Bühnenweihfestspieles Parsifal im Juli und August 1882 in Bayreuth persönlich zugegen gewesen zu sein.

Diese Umstände, verbunden mit dem weiteren Vorzuge, mit Mitarbeitern Wagners lange Gespräche über Parsifal und der, demselben unterliegenden ‚mystischen Idee‘, geführt zu haben, gaben dem Verfasser die ersten Anhaltspunkte zur Auffindung des Schlüssels, der ihm den inneren Schrein des Grals-Mysteriums erschloss. Wagner verkündet in der Tat im Parsifal eine ‚Heils-Wahrheit‘. Welcher Art diese Heilswahrheit ist, wird in den nachfolgenden Zeilen ‚enthüllt‘ werden.

Professor Guhr sagt ganz richtig, dass Wagner in seinen Dichtungen, ganz besonders in dem Bühnenweihfestspiel ‚Parsifal‘ dem Problem der ‚Erlösung‘ nachspürte und selbe dichterisch zu lösen versuchte.

Es ist jedoch ein fundamentaler und höchst bedauerlicher Irrtum aller Sexual-Asketen, zu behaupten, dass Richard Wagner die gesuchte ‚Erlösung‘ in der ‚Verneinung des Geschlechts-Aktes‘, also in der Enthaltung des Mannes vom Geschlechts-Akte mit dem Weibe, gefunden hatte, und durch seine dramatischen Dichtungen, insbesondere eben durch das Bühnenweihspiel ‚Parsifal‘ diese Erkenntnis und diese Version der ‚Erlösung‘ hätte propagieren wollen. Das gerade Gegenteil ist in Wirklichkeit der Fall!

Wagner ist nicht nur der größte Held, sondern auch der größte Bekenner und Prophet der Sexual-Religion der Zukunft, welche auf der obligatorischen rituellen Vollziehung des Sexual-Aktes basiert. Schon im Lohengrin begann er anzukünden, was er im Tristan und dann ganz besonders im Ring der Nibelungen ausbaute und im Parsifal krönte: „Die neue Heilsbotschaft der Sexual-Religion!“

Eine ausführliche Beweisführung ist im Rahmen dieser kleinen Schrift, die ursprünglich ja nur eine private Antwort auf Professor Guhrs Schrift über Wagners Parsifal war, erklärlicherweise unmöglich. Aber hinweisen wollen wir hier noch auf die folgenden Stellen in Wagners Dichtungen.

Im Rheingold singt Fafner: „Goldner Äpfel wachsen in ihrem (Freias) Garten …“, und im Anschluss an diese Worte, um darauf aufmerksam zu machen, dass, nachdem Freia von den Riesen als Pfand weggeführt worden ist, die sämtlichen zurückbleibenden Götter „siech und bleich …“ dahinsinken, weil sie, wie weiter von Wagner erklärend hinzugefügt wird, die „goldenen Äpfel aus Freias Garten“ entbehren müssen! Es bedarf wirklich nicht viel Scharfsinns, nur etwas freien Mut im Gedankengang, um an der Hand dieser zartfühlenden Andeutungen Wagners zu erraten, was er mit den goldenen Äpfeln in Freias Garten meint.

Wir werden die Lösung andeuten bei der Erklärung der ‚Grals-Speise‘. Diese ‚göttliche Speise‘, die dann in seinen späteren Jahren unter anderer Symbolik, eben als die Gralsspeise wiederkehrte, wünschte Wagner seinen Jüngern also schon zu verkünden.

Und weiter: „Nothung, Nothung, neidliches Schwert“, was ist das Schwert Nothung, das Siegfried, als des Vaters einziges, aber unbrauchbar gewordenes Erbe im jugendlichen Feuer sich neu schmiedet, anderes, als das Symbol des Ur-Schwertes (Ur-Phallos)! Ur-Vater hatte dieses Ur-Schwert in den Stamm des Ur-Baumes gestoßen, und derjenige, der dieses Schwert herauszieht, gewinnt sich damit ein Weib, als Braut und Schwester!

Da sind keine Symbole der geschlechtlichen Enthaltung! (Sexual-Askese!) Nachdem wir das Obenstehende vorausgeschickt haben, wollen wir zur Erklärung der im Parsifal verborgenen Geheimlehre schreiten. Parsifal, als roher, unwissender Jüngling, gelangt in das Gralsgebiet. Dort tötet er mit seinem Pfeil einen weißen Schwan, als erste Tat. Der weiße Schwan ist (gemäß nordischer, mystischer Tradition) das Symbol der Verzückung, des permanenten geistigen Entzücktseins, das in den Herzen und Seelen der Gralsritter lebt und herrscht, die höchste Ekstase, in deren Bann alle Bewohner des Gralsgebietes leben. Parsifals Tat, dass er den Schwan, der sein „Weibchen zu suchen“ ausgeflogen war, um mit ihr zu kreisen über dem „See“ (das Wasser-Symbol des weiblichen Prinzips), „den so er herrlich weihte zum heilenden Bad“ mit seinem „Pfeil“ in die schneeweiße Brust schoss, so dass das rote Blut das weiße Gefieder des toten Schwanes färbte, ist ein symbolisches Gleichnis dafür, dass der unwissende rohe Parsifal mit seiner widernatürlichen (sexuellen) Tat (Pfeil) der im Gralsgebiet herrschenden ‚heiligen‘ Ekstase eine Wunde schlug, sie verletzte.

Dieses Unrecht zu sühnen, gedenkt Gurnemanz den Parsifal zum Gral zu geleiten. Nebenbei beeinflusst auch Gurnemanz die Hoffnung, dass Parsifal der Tor sein möchte, der dem leidenden Amfortas als Heilender verheißen ist. Gurnemanz ist noch nicht absolut gewiss, dass Parsifal ein Tor und rein ist, als er den Entschluss fasste, Parsifal nach der Gralsburg zu geleiten, denn Gurnemanz singt noch, als sie beide schon eine ganze Weile geschritten sind: „Jetzt achte wohl, und lass mich sehen, bist du ein Tor und bist du rein ..“.! Die Prüfung, ob er ein „reiner“ Tor ist, soll Parsifal erst im Gralstempel bestehen! Dieser Punkt lässt sich hier nicht weiter ausarbeiten.

Wir müssen aber ganz besonders noch auf die frühere Stelle verweisen, die für unsere Beweisführung von weitgehendster Bedeutung ist. Gurnemanz sagt: „Nun lass mich zum frommen Mahle dich geleiten, denn (hier ist ein Gedankenstrich in der Dichtung), bist du rein, wird nun der Gral dich tränken und speisen!“

Wie wir aber nun aus dem Verlauf der Handlung im Gralstempel dann ersehen (der Gralsfeier – Eucharist) war Parsifal vom Gral nicht gespeist und getränkt worden! Folglich war Parsifal also doch nicht rein! Zu allem Überdruss sagt dann auch noch Gurnemanz am Ende der Gralsfeier zu Parsifal: „Du bist doch eben nur ein Tor!“ Also: nicht rein, sondern nur Tor, und Gurnemanz‘ allerletztes Wort zu Parsifal am Schlusse des ersten Aktes ist: „Lass du hier künftig die Schwäne in Ruhe (störe nicht wieder die Ekstase der Bewohner des Gralsgebietes), sondern suche dir Gänser die Gans!“

Diese viel belächelten Worte bedeuten eben: Versuche in Zukunft keine die Ekstase störende widernatürliche (sexuelle) Handlung mehr, sondern suche dir ein Weibchen deiner eigenen Art und Gattung, mit ihr natürlichen Geschlechtsverkehr zu pflegen!! Damit bekommen die viel belächelten Worte tiefen mystischen Sinn! Ohne unsere Deutung bleiben sie unverständlich und sinnlos, wie z.B. die Worte Gurnemanz: dass der mit seinem Weibchen über dem See kreisende Schwan den See zum Bade weihte!

Bevor wir zur Erklärung der verborgenen mystischen Bedeutung des zweiten Aktes schreiten, müssen wir den weit verbreiteten Irrtum in der Auffassung und Deutung der ‚Wunde‘ des Amfortas richtigstellen.

Die ‚Wunde‘ des Amfortas soll nicht die für die (von Amfortas vollzogene) Ausübung des Geschlechtsaktes an sich (welche Ansicht natürlich von den Sexual-Asketen ganz besonders energisch vertreten wird) symbolisieren, sondern die ‚Wunde‘ ist die Strafe dafür, dass Amfortas den Geschlechtsakt „eitler Weise“ mit einem ‚Freudenmädchen‘ außerhalb des „Gralsritus“, also „unheilig“, vollzogen hat. Nach diesem ‚Sündenfall‘ des Amfortas müsste und dürfte, gemäß der Auffassung der Sexual-Asketen, Amfortas überhaupt nicht mehr würdig und fähig sein, des Amtes als Grals-König, als „Enthüller des Grals“ zu walten! Wir sehen aber im ersten Akte, dass Amfortas trotz seiner ‚Wunde‘ sehr wohl noch imstande war, und ist, den Gral zu „enthüllen“ und die Ritter zu tränken und zu speisen. Der Unterschied für Amfortas in der Ausübung seines Amtes zwischen der Zeit, da er noch nicht „gesündigt“, und der Zeit nach Begehung der „Sünde“, ist nur der, dass ihm das „Amt der Enthüllung des Grals“ nach seinem Sündenfalle „große Schmerzen“, „Qualen und Pein“ verursacht!

Der Gral wirkte also als „Speise und Trank“ trotz des Umstandes, dass der sündige, unwürdige, mit der „Wunde behaftete“ Amfortas ihn enthüllt; nur der „seines Amtes waltende“ Amfortas leidet (selbst für seine Person) unter der Ausübung seines Amtes! Warum leidet Amfortas?!

Amfortas, nach dem „Falle“, in tiefster Reue und sich unwürdig fühlend, den „Akt“ im Tempel rite zu vollziehen, verfiel der „Selbstpeinigung“ (Masturbation!), dem widernatürlichen Surrogat aller Geschlechts-Asketen. Deshalb verursacht das Amt dem Amfortas seelische Pein und körperlichen Schmerz. Zum vollen Verständnis dieser tiefen, ernsten, geheimnisvollen, christlich-mystischen Wahrheit muss man die Worte der Bibel, besonders im St. Johannes-Evangelium und an anderen Stellen richtig zu interpretieren verstehen, man muss die Geheimlehren der Israeliten, wie diese im Zohar erklärt sind, kennen, und man muss die Bhagavad-Gita richtig verstanden haben. Und zur Unterstützung unserer Beweisführung muss hier ausdrücklich konstatiert werden, dass Wagner mit dem Esoterismus der Bhagavad-Gita schon zur Zeit seines Verkehrs mit den Wesendonks und mit Nietzsche (1852-1857) vertraut gewesen war.

Auf die ‚Heilswirkung‘ des Grals werden wir später noch kurz hinweisen. Jetzt wollen wir hier mit der Deutung des zweiten Aktes fortfahren. Klingsor, der „Zauberer“ (der „schwarze Magier“ im Gegensatz zum Gralskönig, dem „weißen Magier“) ist die erste Person, die uns im zweiten Akte entgegentritt. Von ihm erzählt Gurnemanz im ersten Akt: „(Klingsor) ohnmächtig in sich selbst, die Sünde zu ertöten, an sich legt er die Frevlerhand, die nun dem Grale zugewandt, verachtungsvoll des‘ Hüter von sich stieß!“ In diesen Worten liegt Wagners schärfste und ausgesprochenste Zurückweisung aller, je möglich gedachten Versuch der fanatischen Geschlechts-Asketen, seinen ‚Parsifal‘ für ihre sexual-asketischen Sonderzwecke in Beschlag zu nehmen!

Klingsor entmannt sich selbst, um ein vollkommener Geschlechtsasket zu werden, da nach seiner (Klingsors), aus falscher Auslegung des Gralsgeheimnisses fließenden, Auffassung (und durch Darstellung der falschen Auffassung des Klingsors will eben Wagner die falsche Auffassung aller Geschlechtsasketen treffen und selbe ad absurdum führen) eben nur der, der den Geschlechtsakt überhaupt nicht mehr vollzieht, oder eben nach Klingsors falscher Auffassung, vollziehen kann, würdig, fähig und berufen sei, den Gral zu hüten.

Wagner legt ganz besonders Gewicht darauf, diese grundfalsche Auffassung aller Geschlechtsasketen als fundamentalen Irrtum zu brandmarken, so dass er in seiner Parsifaldichtung die scharfen Worte gebraucht: „Verachtungsvoll der Gral des‘ Hüter von sich stieß!“

Nicht nur unwürdig und unfähig ist also ein Geschlechtsasket, den „Gral“ zu hüten, sondern sogar „verachtungsvoll“ weist der Gral solch einen Geschlechtsasketen zurück! Warum? Das kann man auch wieder nur ergründen durch Studium der oben zitierten Stellen aus dem alten und neuen Testament (Bibel), aus der Bhagavad-Gita und den Ausführungen des Chevalier Le Clement de Saint Marcq, in dessen Schrift über die Natur des Eucharist, sowie in Waites Kommentar zur Geheimlehre in Israel. Wir finden also nicht nur im neuen Testamente die Gründe für dieses: „Warum?“, auch im alten Testamente sind selbe überall zu finden. Eine klare Deutung der betreffenden symbolischen Stellen des alten Testamentes findet man eben im Zohar. Endlich findet sich auch die Lösung in der Geheimlehre der Templer und in der Geheimlehre der Gnostiker.

Professor Guhr sagt mit Recht: „Der Angelpunkt der Handlung liegt in der Wiedergewinnung des heiligen Speers, die schon zu Beginn des Dramas als höchste Heldentat hingestellt wird“. Ganz falsch ist aber die Folgerung, die Professor Guhr an diese Worte knüpft, wenn er sagt: „… da sie doch durch einen Akt der Entsagung geschieht, so haben wir in ihr das Symbol der geschlechtlichen Askese zu erkennen …“

Gegen diese so bedauerlich falsche Auffassung wandte sich Wagner doch schon anticipando mit den oben zitierten Worten „verachtungsvoll der Gral des‘ Hüter von sich stieß!“ Wohl haben wir in der Wiedergewinnung des Speeres einen Akt der Entsagung zu erkennen, aber nicht ein Symbol der geschlechtlichen Askese an sich und überhaupt! Die im zweiten Akte des Parsifal dramatisch dargestellte symbolische „Wiedergewinnung des Speeres“ ist wie folgt zu deuten.

Der „Speer“ ist, zugegebenermaßen (auch seitens Professor Guhrs ist dies zugestanden) das Symbol des Phallos, und gleich wie man z.B. mittelst des Bildes (Symboles) „Amor schießt einen Pfeil (ebenfalls zugegebenermaßen Symbol des Phallos) auf zwei Liebende ab“ andeutet eine Aufforderung und Anregung Amors zu einer geschlechtlichen Vereinigung der zwei Liebenden, so soll der Wurf des Speeres auf Parsival andeuten, dass Klingsor Parsifal zwingen wollte, einen nackten „Lustakt“ zu vollziehen, der eben als „Nur-Lust-Akt“ wieder ein „Sündenfall“ gewesen wäre!

In Erinnerung nun an Amfortas „Pein und Schmerz“, die sich in seiner wahnsinnigen Reue über den begangenen „Nur-Lust-Akt“ Amfortas auferlegte, wird Parsifal stark und widersteht dem versuchten „Zwange“ (Verführung durch Kundry), ausgeführt durch den Speerwurf des Zauberers Klingsor! Parsifal erkennt aber in eben demselben Augenblicke durch Eingebung, Erleuchtung, durch innere Erfahrung, den „heiligen Beruf“ des Speeres im Grals-Tempel, als „Heilspender“ zu dienen, und Parsifal „ergreift den Speer“ und begibt sich „mit dem Speere in der Hand“ auf den Weg zum Grale. Jetzt erst beginnt die wahre Pilgerfahrt: Parsifal „mit dem Speere in der Hand“! Hier beginnt das Symbol der „Entsagung!“

Die „Entsagung“ liegt, symbolisch ausgedrückt, in den Worten „mit dem Speere in der Hand!“ Eine „Entsagung“ ist erst dann eine „Entsagung“ im wirklichen Sinne des Wortes, wenn man etwas nicht tut, das man als wünschenswert zu tun erkannt hat und es zu tun gewünscht hatte. Die Wanderung Parsifals mit dem Speere in der Hand entspricht den 40 Tagen, die Christus in der Wüste verbracht haben soll. Sie entspricht den Prüfungen und Reinigungen, die alle Kandidaten aller alten Religionen, aller mystischen Geheimbünde usw. durchzumachen hatten, ehe sie eingeweiht werden konnten, diese Wanderung entspricht daher auch den 40 Tagen des Fastens und Enthaltens, die noch heute die Eingeweihten einer mystischen Vereinigung ihren Kandidaten als Prüfung auferlegen, ehe selbe zum Studium der mystischen Geheim- und Heilslehre zugelassen werden.

Wagner deutet die „Entsagung“ (Zähmung des Triebes) dadurch an, dass er im dritten Akte Parsifal nach Beendigung der Wanderung (Pilgerfahrt) in „düsterer schwarzer Waffenrüstung“ mit „gesenktem Speere“ im Gralsgebiet erscheinen lässt. Parsifal „entsagte“ aller Lust und allem Genusse während der „40 Tage“, die die Wanderung symbolisch darstellt. Aber auch Kundry macht die „40 Tage“ durch, was im dritten Akte dadurch angedeutet wird, dass sie fast „verhungert“ im „braunen Büßergewande“ unter einem Strauch (Symbol des Lebens) an der Grenze des Gralsgebietes aufgefunden wird.

Als Parsifal von Gurnemanz erfährt, dass er endlich in des Grals Gebiet angekommen, „pflanzt“ Parsifal „seinen Speer“ auf, legt aber den „schwarzen Schild“ davor und betet dann, seinen Blick unverwandt in Verzückung auf die „Speerspitze“ gerichtet! Ein tiefes Symbol!

Kundrys einzige Worte (und die letzten, die sie überhaupt im Drama zu sprechen hat) nachdem sie nach langer Leidenszeit wieder zum Leben zurückgerufen ist, sind: „Dienen, dienen!“
In diesen Worten „dienen, dienen!“ ist Wagners (und unsere eigene) ganze Weltanschauung über die Bestimmung des Weibes in unserem Weltsystem ausgedrückt und enthalten.

Das Weib ist „bestimmt“ dem „männlichen“ Weltzweck (Erhaltung der Welt) zu „dienen“, indem sie vom „Ur-Speer“ den Samen empfängt und mittels der „Ur-Spindel“ (Uterus) den „Lebensfaden des Ur-Speeres“ zu neuen Lebenseinheiten weiterspinnt, und so das Weltgewebe erhält!

Das ist der Ur-Zweck und die ewige Bestimmung des Weibes. Diesem Zwecke will Kundry fortan allein dienen!

Um symbolisch anzudeuten, dass Kundry dem alten Gewerbe der „Lust-Erregung“ und „Lust-Befriedigung“ (dem Missbrauch der geschlechtlichen Vereinigung) für immer erstorben ist, lässt Wagner sie am Schlusse der Handlung vor dem Altar des Grals und zu Füssen des Gralskönigs tot niedersinken. Das ist natürlich nur ein Symbol! Denn in Wirklichkeit (im Sinne der Dichtung Wagners) dient Kundry fortan dem Gralskönig in „ritueller“, also „heiliger“ Vereinigung, und wird Mutter des Gralsritters – Lohengrin!

Die Geschlechtsasketen belieben mit eiserner Konsequenz und einer Beharrlichkeit, die besser verwendet werden könnte, die harte Tatsache zu ignorieren, dass Parsifal, der Gralskönig, einen „Sohn zeugte“, (wir sprechen hier natürlich immer nur von Wagners Gedankengang, der seinen Dramen „Lohengrin“ und „Parsifal“ unterliegt) und diesen Sohn konnte Parsifal doch nur durch einen „Geschlechtsakt“ mit einem „Weibe“ zeugen. Und der „Zeugungsakt“ muss vor sich gegangen sein in einer Zeit, die nach dem Schlusse des 3. Aktes des Bühnenweihfestspieles „Parsifal“ liegt. Dieses Weib kann, im Gralsgebiete, nur ein solches Weib gewesen sein, das „nur um zu dienen“ dort weilte. Also ist die „getaufte“ Kundry, die die „40 Tage“ durchgemacht hatte, eben ganz naheliegender Weise das richtige Symbol für das „dienende Weib“, das dem Gralskönig einen Sohn gebar.

Nun bleibt nur noch übrig, anzudeuten, was „der Zeugengüter höchster Wundergut“, „das in höchsten Heiles heißer Sucht“ beim „letzten Liebesmahle im Weihgefäße fließend“ von den Rittern ersehnt wird, was, kurz der Gral ist!

Parsifal fragt im 1. Akte aber nicht: „Was ist der Gral?“ Parsifal fragt: „Wer ist der Gral?“ Warum lässt Wagner den Parsifal nicht fragen: Was ist der Gral? Hier liegt ein tiefes Geheimnis verborgen! Parsifal fragt also (mit unterliegender Absicht des Dichters): Wer ist der Gral? Und Gurnemanz antwortet ganz bezeichnenderweise: „Das sagt sich nicht!“

Warum soll sich das nicht sagen lassen? Es wäre doch ganz leicht für Gurnemanz, dem Parsifal zu sagen: „Was“ der Gral ist! Lohengrin gibt doch auch eine Art Beschreibung vom Gral, und dazu noch vor versammeltem Kriegsvolk des Königs Heinrich.

Wenn Wagner also nicht die Absicht gehabt hätte, hier eine ganz besonders geheim zuhaltende, ganz tief mystische Erklärung von der wahren Natur des Grals anzudeuten, so hätte er Gurnemanz dem Parsifal eben auch eine ähnliche Erklärung geben lassen, wie selbe Lohengrin dem König Heinrich gab. Aber an seinem Lebensende wollte Wagner in seiner Lieblingsschöpfung, an deren Dichtung er schon in seinen jüngeren Jahren (1853-1857) gedacht hatte, augenscheinlich ohne weitere weltliche Rücksichten, zur Ermutigung und zur „Sammlung“ aller „Eingeweihten“, das „große Feuerzeichen“ aufrichten, und andeuten die wahre Natur des Gralsbegriffes.

Am deutlichsten deutet es Wagner an in den Schlussworten des Parsifals im 3. Akte, als Parsifal „in höchster Entzückung“ auf den „emporgehaltenen“ (aufgerichteten) Speer, zu dessen „Spitze aufschauend“ in Begeisterung singt:

„Oh, welchen Wunders höchstes Glück!
Die deine Wunde durfte schließen,
Ihr sehe ich heiliges Blut entfließen
In Sehnsucht dem verwandten Quelle,
Der dort fließt in des Grals Welle!“

Die Deutung dieser Worte, die „sagt sich eben nicht!“
Die kann nur erkannt und begriffen werden, aber nicht gesagt werden! In diesen Worten liegt verborgen das höchste, hehrste, heiligste „Symbol der Sexual-Magie“! Hier fängt eben eine „Geheimlehre“ an, die ausschließlich für „Eingeweihte“ ist.

Es ist als Tatsache bekannt, dass Wagner die Bhagavad-Gita und andere mystische Geheim-Lehren kannte. Wagner hatte auch wohl in seinen letzten Lebensjahren begonnen, ein mit neuem Leben erfülltes Christentum sich auszudenken. Dieses Christentum wäre aber ein ganz anderes Christentum als das Christentum, an das man gemeinhin bei diesem Worte denkt, geworden.

III – Nutzanwendung

Grundriss des neuen O.T.O. Tempels

Nachdem wir nun das Grals-Geheimnis enthüllt haben und aus dieser Enthüllung mit zwingender Notwendigkeit sich ergibt, dass Wagner einem mit neuem Leben erfüllten Christentum nachspürte, dass er, wie Professor Guhr aus Wagners Heldentum und Christentum zitierte, die Erlösung in einer physischen Regeneration, in einer Um- und Höherbildung des Individuums, zu der die Menschheit wie zu einem künftigen Heile aufblicken werden, prophetisch erschaute, so betrachten wir es als unsere Pflicht, auch die Nutzanwendung der gefundenen Wahrheit oder Wahrheiten zu versuchen.

Welcher Art ist die „Erlösung“ die Wagner dichterisch ersehnte? Welcher Art das neue Christentum? Das mit neuem Leben erfüllte neue Christentum kann ganz unmöglich ein Christentum der allgemeinen Askese (Entsagung des, oder Enthaltung vom Geschlechtsakte) sein; es kann nur, und muss ganz logischerweise ein Christentum sein, das den Menschen die „Erlösung von der Sünde“, Befreiung von der „Erbsünde“ bringen muss!

Selbst Professor Guhr sagt: So war es ihm (Wagner), dem von keinem Dogma Beschwerten vorbehalten, die letzten Geheimnisse der Menschheit und ihre Lösung „Die Vergottung des Triebes“ (Geschlechtstriebes) in seinem Schwanengesange zum weihevollen Mysterium zu gestalten, welches, unbeirrt durch Priesterwissen oder Skepsis, die Rätsel des Christentums in klargewordener Formel ausdrückt und so zur Grundlage der Zukunftskirche werden wird. Der Priester dieser Kirche wird, nach dem Vorbilde des Parsifal, den in ihm wirkenden Gottesgeist das gebändigte Dämonium als heilende Strömung seiner Umgebung mitteilen können.

Diesen Ausführungen schließen wir uns rückhaltlos an. Wir beschränken ihre Gültigkeit [sic] aber auf den engen Kreis der Priester-Ärzte im neuen O.T.O.-Tempel, von denen wir später noch sprechen werden. Sie setzen nicht nur ein neues Christentum, sondern auch eine neue Zivilisation voraus.

Unsere gegenwärtige Zivilisation entspringt aus dem Christentum der Kirchenväter, welche aus einer Mischung der Paulinischen Lehren mit vorchristlichen (sogenannt heidnischen) Lehren und Grundsätzen das heute noch herrschende Christentum schufen. Und diese Lehren dieses künstlich zusammengebrauten Christentums gelten eben als die „Wahrheit“ oder Wahrheiten, auf die unsere Zivilisation (und Moral) aufgebaut ist.

Eine der Grundlehren, man muss sogar sagen die Grundlehre, welche ausschlaggebend war, dem Christentum seinen heutigen Charakter zu geben, ist die Lehre vom „Sündenfall“. Aus diesem „Sündenfall“ wurde abgeleitet die christliche Auffassung des Begriffes der „Scham“.

Unter „Scham“ (auch „Schamteil“) im engeren und eigentlichen Sinne, versteht die christliche Kirche, und die auf ihren Lehren aufgebauten Staatsgesetze, die Geschlechtsteile der Menschen. Der christliche Mensch wird von Jugend auf gelehrt, dieser („Scham-„) Teile sich zu „schämen!“ Der naturgemäße Gebrauch dieser Scham-Teile, ja selbst eine Beschäftigung der Gedanken eines Menschen mit diesen seinen eigenen Scham-Teilen ist eine „Sünde“, gemäß den Grundzügen der christlichen Kirche und den Gesetzen christlicher Staaten. Eine christliche Frau, welche ohne kirchliche oder staatliche Konzession ihre Geschlechtsorgane naturgemäß gebraucht und gar noch die naturgemäße Folge dieses Gebrauches in sich gezeitigt hat, wird als eine „Gefallene“ gebrandmarkt. Früher allgemeinerweise, heute in engerem Verhältnis, aber auch noch bestimmter Weise, wurde eine „Gefallene“ sogar auch noch „ausgestoßen“ aus der Gemeinschaft der Rechtschaffenen, sie wurde zur „Ausgestoßenen“, „Gefallenen“, „Geächteten“ gestempelt.

Kurz gesagt: alles Sexuelle war Sünde und Schande, und ist es heute noch von Amts wegen, im Sinne der Kirche und der Gesetze!

In der vor-christlichen Zeit war das nicht so gewesen. Selbst die Israeliten hatten ihre „Geheim-Lehre“, welche die Geschlechtsteile als die „irdischen Symbole“ der „Gottähnlichkeit“ des Menschen erkannte. Und in den Religionssystemen des Ostens wird den Geschlechtsteilen bis auf den heutigen Tag, als Symbolen der Gottheit, göttliche Verehrung gezollt!

Wir wollen uns mit der Kritik der falschen Auffassung des Christentums vom Sexuellen als eines „sittlichen Übels“ hier nicht länger aufhalten, denn unser Zweck ist nicht, zu analysieren oder zu zerstören, sondern konstruktiv zu wirken. Die Mehrzahl der Kritiker hat bisher nur kritisiert, das heißt die christliche Kirche unterminiert und eingerissen, ohne aufzubauen. Wir aber wollen aufbauen, neu bauen!

In einem besonderen Teile unserer Schrift bringen wir eine kleine Auslese von Auszügen aus der Bibel und anderen heiligen Schriften anderer Religions-Systeme, welche den Beweis liefern, dass alle Religionen, die christliche Religion mit einbegriffen, eine sexuelle Basis haben. Damit wollen wir demonstrieren, dass wir nicht eine neue Religion zu gründen beabsichtigen, sondern dass wir den Schutt, den das Pseudo-Christentum auf die alte Weltreligion gehäuft hat, wegräumen wollen, damit die alte wahre Religion wieder zu ihrem Rechte kommt.

In der christlichen Religion hat sich die sexuelle Basis bis auf den heutigen Tag versteckt, dem Laien und den niederen Klerikern unbekannt, im Marien-Kultus erhalten. In dieser von uns nachstehend abgedruckten Auslese von Auszügen aus christlichen, jüdischen und indischen heiligen Schriften wird der Beweis erbracht, dass die Zeugungs-Organe (Geschlechtsteile) der Menschen in allen Religionen als „göttliche Attribute“, als „irdische Organe der dem Menschen innewohnenden Göttlichkeit“, als „greifbare Zeugen der unsichtbaren Gotteskraft“ verehrt wurden und werden.

Den christlichen Massen unbewusst und unbekannt, zeugt heute noch die Anlage der meisten christlichen Kathedralen und Kirchen von der Verehrung der menschlichen Sexualorgane. Jeder Turm einer Kirche ist ein Symbol des männlichen Organes, jedes Schiff einer Kirche ist ein Symbol des weiblichen Organes. Weshalb will die Kirche denn nur für alle Ewigkeit die Fiktion aufrechterhalten, dass sich ein Mensch seiner Geschlechtsteile „schämen“ müsse?

Das schlimmste für die christliche Sittengesetzgebung, betreffs der Geschlechts-Sünde, ist, dass kein Mensch oder – besser und genauer gesagt – dass die überwiegend große Mehrzahl der Menschen die Sittengesetze der Kirche und des Staates betreffs des Geschlechtslebens des Menschen in Wirklichkeit gar nicht befolgt. Im Geheimen handelt jeder Mensch, bezüglich des Geschlechtstriebes und des Geschlechtslebens, im direkten Gegensatz zu den öffentlichen Vorschriften der Kirche und des Staates. Dieser Zustand der Massen-Heuchelei muss zu einer furchtbaren Sitten-Katastrophe führen.

Man wirft uns nun entgegen: „Was wollt ihr denn für eine Moral einführen?“ Wir wollen das, was heute als unsittlich, sündig gebrandmarkt wird, in seiner ursprünglichen Reinheit und Sittlichkeit wieder herstellen, wir wollen es zu etwas „Heiligem“ wieder erheben. Auf dieser wiederhergestellten alten Auffassung, dass die Sexual-Organe etwas „Heiliges“, „Verehrungswertes“ sind, wollen wir das Neue aufbauen, eingedenk des Ausspruches Manus: „Nur der, welcher die hehre Lehre von der Heiligkeit der Gottes-Organe verstanden hat, ist wahrhaft frei und von allen Sünden erlöst!“

Die Freiheit von der „Erbsünde“, das ist die wahre „Freiheit“! Eine Gemeinschaft von (geschlechtlich) freien Menschen, die ohne (Sexual)Sünde sind, wünschen wir zu konstituieren. Wir wünschen Menschen zu schaffen, die sich ihrer Geschlechtsreife nicht zu schämen haben!

Innerhalb der heute noch herrschenden, christlichen Zivilisation wird dieser Versuch auf große Schwierigkeiten stoßen, aber der Anfang ist schon gemacht und im Kleinen gelungen. Im Großen kann der Versuch erst endgültig siegreich sein, wenn der Nachwuchs schon von allerfrühester Jugend an in den Grundsätzen der neuen Sittlichkeit aufgezogen sein wird.

Die Jugend muss von Geburt an in den Geschlechtsorganen etwas Heiliges erblicken. Die Funktion der Geschlechtsorgane müssen den Knaben und Mädchen als „heilige Handlungen“ erklärt werden, sobald die Mutter bemerkt, dass sich Regungen der Geschlechtskräfte zu zeigen beginnen. Diese Lehren müssen von frühester Jugend an von den Eltern zwanglos gegeben werden, und in den Schulen von den Ärzten und Ärztinnen, die an Stelle der jetzigen Religionslehrer priesterliches Lehramt in allen Schulen ausüben, der heranreifenden Jugend wissenschaftlich begründet und vertieft werden als „Diesseits-Lehre“. Auf dem von den Leiber-Ärzten (priesterliche Mediziner) gelegten festen Grunde wird dann erst von den Seelen-Ärzten (geistlichen Priestern) die „Jenseits-Lehre“ aufgebaut. Gegenwärtig ist es gerade umgekehrt.

Man paukt in die Kinder von frühester Jugend eine Jenseits-Lehre, vermittelst Religions-Märchen, die dann, wenn die Kinder zu Erwachsenen herangereift sind, vollständig zusammenbricht, indem die Erwachsenen erkennen, dass die Lehren den harten Tatsachen nicht entsprechen. Aus dieser Erkenntnis entspringt dann bei den geistig Regen ein Kampf, der unendlich viel Unglück und Unheil im Dasein solcher Menschen verursacht. Bei den minder Regen führt es zu einem Leben der Lüge und Heuchelei.

Wenn nun der Art-Priester und unter seiner Aufsicht die Eltern, den Kindern von frühester Jugend an die Vorstellung beibringen, dass die Geschlechtsorgane etwas „Heiliges“ sind, dass diese Organe besonders behütet und gehütet werden müssen, weil in der Handlung, die späterhin mit den Organen vorgenommen werden soll – und muss, der unsichtbare Gott sich den Menschen offenbart, indem dieser Akt eine irdische Wiederholung des göttlichen Ur-Schöpfungsaktes ist, in dem sich der Gott in uns offenbart, und durch dessen Ausübung wir uns mit Gott immer wieder von Neuem vereinen, und seinem Willen und Befehle gemäß neue Geschöpfe „ihm zum Ebenbilde“ fortfahrend schaffen und zeugen, – so wird die, in solchen Grundzügen erzogene Jugend nicht nur gefeit und gestählt gegen allen Missbrauch der Geschlechts-Organe, sondern sie beginnt in frühester Jugend anzufangen, auch den „Gott“ zu begreifen, und an diesen Gott zu glauben, weil sie in dem Zeugungsakte eben ein Band erkennt, das den Menschen mit Gott, der Gottheit, fühlbar verbindet.

Ist der Jüngling dann reif, dann wird er im Tempel, unter Leitung und Weisung der „Matrona“ (Ober-Priesterin) in ritueller Weise und in der Form einer „sakramentalen Handlung“ den ersten Coitus vollziehen. Ebenso wird die Jungfrau im Tempel von der Matrona in die Mysterien des Geschlechtsakts eingeführt. Solange Jungfrau und Jüngling außerhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Ehestandes leben, sind sie gebunden, alle Befriedigung des Triebes im Tempel zu suchen.

Die Vollziehung einer Ehe ist eine sakramentale Handlung. Die Ehegatten sind aber nicht auf Lebenszeit gebunden. Die Gatten können vom Bunde zurücktreten, ohne das selbe Einbuße erleiden an ihrem gesellschaftlichen Status. Die Kinder werden in einem solchen Falle von Staatswegen erzogen. Die Kosten der Erziehung werden gedeckt, teils dadurch, dass die Eltern solcher Kinder aus getrennten Ehen gewisse Beiträge zu zahlen haben, teils durch eine allgemeine Kindersteuer, die z.B. gleich den Schulbeiträgen von der Gesamtheit der Staatsangehörigen erhoben wird, teils durch besondere Stiftungen; teils durch eine Steuer, welche von allen Personen erhoben wird, die aus irgendeinem Grunde keine Ehe eingehen können. Junge Männer und Frauen, welche aus irgendeinem Grunde sich nicht zur Fortpflanzung der Rasse eignen, dürfen von Staatswegen keine Ehe eingehen.

Der Staat Wiskonsin in Amerika hat im Jahre 1914 ein Gesetz erlassen, welches diesen gleichen Grundsatz bereits zum Staatsgesetz erhöht hat. Wir können uns nicht als unbedingte Anhänger der einzelnen Bestimmungen dieses Wiskonsinschen Staatsgesetzes bekennen. Aber die fundamentalen Grundsätze, welche zum Erlasse dieses Gesetzes Veranlassung gegeben haben, entsprechen vollständig unseren eigenen Ansichten. Gemäß der neuen Gesetze des Staates Wiskonsin müssen alle jungen Männer und Frauen, die eine Ehe einzugehen beabsichtigen, vorher von den zuständigen Staats-Ärzten auf ihre Gesundheit und Tauglichkeit zur Fortpflanzung der Rasse, untersucht werden. Das ist auch unser Grundsatz.

Vor ungefähr 20 Jahren stellt der Arzt Urban-Grulich folgendes Programm für die Bildung einer Gemeinschaft von „sündenlosen“ Christen auf. Es lautete:
(1) Wer von dem Vorhandensein einer Seele in uns überzeugt ist, die uns befähigt, Gott ähnlich zu werden;
(2) Wer von der Erkenntnis durchdrungen ist, dass die selbst-süchtige Liebe die Ursache aller unserer Leiden, dagegen die gegen-seitige, uneigennützige, sich für andere aufopfernde Liebe die Ursache der wahren inneren Glückseligkeit ist;
(3) Der wahre Himmel resp. innere glückliche Seelenzustand, nur in einer Gesellschaft vollkommener, von Selbst-Sucht freier, die wahre Liebe gegen einander übender Wesen zu finden ist; auch diese Erde zu einem solchen Himmel umgeschaffen werden kann und soll, wie wir ja bitten: „Dein Reich komme zu uns, und dein Wille geschehe auf Erden, wie er im Himmel geschieht;“
(4) Wer erkennt, dass nach dem Körpertode die Seele nach dem „Gesetze der Sympathie“ in eine Gesellschaft aufgenommen wird, welcher sie im Denken und Handeln ähnlich ist, wodurch sie schon ihren Lohn und ihre Strafe in sich trägt; wer also zu gegenseitig sich liebenden, uneigennützigen, selbstlosen Wesen sich gesellen will, ebenso sein, also schon hier auf Erden sich in dieser Art herangebildet haben muss;
(5) Wer erkennt, dass die Seele nach Ablegung des Körpers dieselben Gesinnungen in den geistigen Zustand mit hinübernimmt, welche sie hier auf Erden hatte, und uns nichts unverdient in den Schoss fällt, sondern wir uns alles verdienen und erwerben müssen;
(6) Wer die Erkenntnis besitzt, dass das Leben auf Erden eine Prüfungszeit, Schulungszeit, Durchgangsstadium ist, in der wir hauptsächlich die schlimmen Folgen der selbstsüchtigen Liebe an unzähligen Beispielen kennen zu lernen die Gelegenheit bekommen, und daher, wenn wir offenen Auges und Herzens wandeln, direkt zur gegen-seitigen, uneigennützigen, wahren Liebe hingedrängt werden, die der Weg zu Gott ist;
(7) Wer erkennt, dass wir Menschen des verlorenen Sohnes sind, der aus dem Vaterhause der wahren Liebe freiwillig in die Welt der Selbst-Sucht gegangen, dort seinen göttlichen Adel verloren und nun im tiefsten Elend der Selbst-Sucht schmachtet, und nur Eins ihn retten kann, Rückkehr zur göttlichen Ordnung der gegenseitigen, wahren Liebe;
(8) Wer überzeugt ist, dass ein Einzelner sich keinen Himmel bauen kann, denn Einigkeit macht stark und geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid daher aber auch nur halbes Leid ist;
(9) Wer erkennt, dass wir vor Gott alle gleich sind, jeder Mensch den Gottesgeist in sich trägt, jeder Mensch also, wenn auch meistens nur sich unbewusst, den eigenen Gott in sich selbst trägt, und wir alle nur ein Ziel haben, diesen Gott in uns zu erwecken und durch Anwendung und Ausbildung diese in uns schlummernde Gotteskraft in Ausübung der gegen-seitigen, wahren Liebe mit Gott, dem Herrn, dem Vater Eins zu werden schon hier auf Erden;
(10) Wer davon überzeugt ist, dass für sich allein verwendeter Reichtum den Menschen nicht dauernd und für alle Ewigkeit wirkend beglücken könne, weil er meist selbst-süchtige Zwecke nur anregt, und deshalb Jesus schon sagte; dass es schwerer sei für einen Reichen ins Himmelreich zu gelangen als ein Schiffstau durch ein Nadelöhr zu bringen;
Der trete unserem Geschwisterbunde bei, suche in seinem Orte einen Kreis Gleichgesinnter zu bilden, und wenn die einzelnen Mitglieder dann herangereift sind, gründe man auf dem Grundsatz der gegen-seitigen, uneigennützigen, selbstlosen, freien und wahren Liebe, freie, christliche Gemeinden, die sich in guten und bösen Tagen gegen-seitig lieben und unterstützen, und versuchen das Reich Gottes auf Erden aufzurichten.

Wir eignen uns diesen Aufruf restlos an und machen ihn zum Grundstein der neuen Gemeinschaft regenerierter Christen. Die Grundsätze dieses Aufrufes ziehen die Konsequenz aus dem enthüllten Grals-Geheimnis. Wir haben denselben nichts hinzuzufügen.

IV. Eideshelfer und Kronzeugen
Bausteine zum O.T.O.=Tempel

Manu sagt: „Der Herr“ ist das Geheimnis und der Schlüssel zugleich. Derjenige, welcher den Schlüssel kennt und ihn anzuwenden versteht, ist aller Sünden ledig. Der Herr“ wird ihm zum „Erlöser“ aus aller Knechtschaft (der Sünde).

Denn das große Geheimnis des Maha-Deva (Herr Gott, Schöpfer alles Geschaffenen) ist nicht für die Masse bestimmt. Man darf nicht antworten oder erklären einer Person, die eitel fragt. Der weise Mann soll, obgleich er eine Antwort zu geben weiß, sich lieber den Anschein geben, als ob er ein Dummkopf wäre.

Waddell schreibt in seinem Buche über Tantra: Tantra (Sexual-Religion) ist aufgebaut auf dem aktiven Zeugungsprinzip, wie es sich in der weiblichen Energie (Sakti) und der urmännlichen Kraft (Siva) manifestiert. Der Linga (Phallos) ist die heiligste Form, in der und durch welche der große Herr-Gott (Maha-Deva) verehrt werden muss.

St. Augustin sagte, was man jetzt die christliche Religion nennt, existierte schon lange vor dem Erscheinen Christi bei den alten Völkern.

Clifford Howard sagt in seinem Essay: „Die Basis aller Religionen“: Der bewegende und belebende Impuls alles organischen Lebens ist der Geschlechts-Instinkt. Einzig dieser Instinkt (verbunden mit dem Gefühl des Hungers) ist die Quelle aller menschlichen Anstrengungen und ernstlichen Regsamkeit, welche dem menschlichen (und tierischen) Kampf ums Dasein unterliegt. In unseren Tagen, wo es schon für unsittlich gilt, vom Vorhandensein der Geschlechtsorgane überhaupt zu reden, oder zu schreiben, geschweige vom geschlechtlichen Appetit und dem geschlechtlichen Verhältnis der Menschen untereinander, kann es den beobachtenden Forscher nicht wundern, dass die Mehrzahl der Menschen es entweder überhaupt nie gewusst oder wieder vergessen hat, oder die Tatsache absichtlich ignoriert, dass das geschlechtliche Verhältnis des Mannes zum Weibe der Grundstein unserer weltlichen Ordnung und die Welt an sich ist, und aus diesem Verhältnis nicht nur das menschliche Leben überhaupt, sondern auch alles menschliche Glück entspringt. Wenn jemals die „Theorie der Entsagung“ in der Welt den absoluten Sieg erränge, so wäre damit dem Fortbestand der Welt das Todesurteil gesprochen.

Schon die Bibel sagt: „Omnia vincit amor“ und die „Liebe“, die „Manifestation des Geschlechts-Instinktes“, ist der wahre Erhalter der Welt. Gott ist die Liebe! Das bedeutet: Gott ist die ewig zeugende Schöpfungskraft, die allen Wesen von Uranfang innewohnte und noch innewohnt. Die „Liebe“ ist das „Heilige Feuer“, das nie erlöschen darf, bei Gefahr der Vernichtung der ganzen Schöpfung!

Die erhabenste Definition der Idee, die dem Begriffe „Liebe“ unterliegt, findet ihren Ausdruck und Kulminationspunkt im Dogma von der unbefleckten Empfängnis des Heilandes der Christen, Jesus Christus. Es ist nicht unsere Absicht, ein theologisches Buch zu schreiben, noch eine physiologische Abhandlung. Wir wollen bloß aus einer Unsumme von dokumentarischen Beweisen einige als Bausteine aussuchen, welche zum Aufbau eines „Tempels der Religion der Liebe“ dienlich erscheinen.

Aus den Zitaten aus den verschiedensten Quellen wird der erdrückende Beweis erbracht, dass nicht nur die sogenannten heidnischen Religionen des Altertums, sondern auch neben den indischen und asiatischen Völker-Religionen, die mehrere Hunderte von Millionen von Anhängern heute noch zählen, auch die christliche Kirche ihren versteckten Phallizismus nicht verleugnen kann.

Von allen Phänomenen der Natur ist keines, das so stark die Verwunderung, das Staunen und die Verehrung der Menschheit erregte, wie das Wunder der Fortpflanzung des Lebens von einem Individuum auf das andere, von einer Generation auf die andere, das Wunder der Zeugung. Dieses Wunder besteht, seit es eine Welt, seit es Menschen gibt, und trotz der Tausende und Abertausende von Jahren, da dieses Wunder angestaunt wird, ist bis auf den heutigen Tag noch keine Lösung des Rätsels der Zeugung gefunden worden!

Dieses Wunder, dieses Rätsel ist gleich geheimnisvoll, ob es sich um die Fortpflanzung eines Samenkorns handelt, das in die Erde gelegt wird und zur goldenen Ähre heranreift, die tausendfältig neue Samenkörner trägt oder ob es sich um den menschlichen Samen handelt, der im weiblichen Ei zum neuen Menschen reift, ebenfalls ausgestattet wieder mit Millionen von neuen Samenkörnern und Eikörpern, die wiederum dem Zeuger wesensgleich neue Wesen zeugen können.

Longinus sagte: Die griechischen Instruktoren lehrten, dass die Ekstase von den Anhängern der Eleusinischen Mysterien gesucht wurde als ein Zustand, in dem die göttliche unmittelbare Einströmung empfangen werden konnte. Denn in diesem Zustande der Ekstase dringt die menschliche Seele hindurch und über die Hindernisse des Körpers hinaus und tritt in direkte Verbindung und Vereinigung mit Gott. Einige der griechischen Weisen teilen uns mit, was sie in diesem Zustande der Verzückung, der Ekstase gelernt haben, z.B.: Ich sah, dass „Liebe“ war die erste Schöpfung der Götter, und dass aus diesem göttlichen Einfluss und Impuls alles, was geschaffen ist, geflossen ist.

Proclus sagt: Die Eleunisischen Mysterien waren reiner Phallos-Kultus. Deren Zeremonien waren die der Tantriks. Die Anhänger dieser Mysterien gerieten in solche Ekstase, dass ihnen die sinnliche Befriedigung als ganz nebensächliches Beiprodukt erschien, und gewiss nicht als Zweck und Ziel an sich!

Prof. M.J. Matter (Paris) sagt: Es war vermittelst des Weibes, dass die zur Ekstase führende göttliche sexuale Erregung erzeugt wurde. Besonders wurde die Ekstase durch den Einfluss von Jungfrauen erzeugt. Die Priester des Orphischen Kultus in Thrazien verwendeten ausschließlich geweihte Jungfrauen für die heiligsten ihrer Riten und Zeremonien.

Die gnostische Geheimlehre (Primitive Christen) ist identisch mit dem Vamachari-Ritus des Tantriks.

Prof. Matter sagt in „Foreign Quartal Review“: Phallizismus ist die Basis aller Theologie und unterliegt der Mythologie aller Völker. Er ist die Form des Kultus, die allen Menschen gemeinsam war. Eine Gottesanbetung, allgemein erzeugt durch die Manifestation der Natur in ihren großen Mysterien „Leben“ und „Zeugung“.

Der Phallos (in Hindu: Lingam) als göttliches Symbol genießt seit Tausenden von Jahren göttliche Verehrung in Indien. Die göttliche Verehrung des Phallos (Lingam) datiert zurück bis in das unbekannte graue Altertum, und Tausende von Jahren vor der christlichen Ära, wurde auf diesen Kultus ein genau ausgearbeitetes theologisches System aufgebaut. Der Phallos-Kultus in Indien ist eine hoch feierliche religiöse Handlung und, dem bestehenden Ritus gemäß ausgeführt, eine sehr umständliche Zeremonie.

Dr.med. Alexander Wilder sagt, die Spanier fanden, als sie Amerika entdeckten, dass dort der Phallos-Kult herrschte. Die Ähnlichkeit der Zeremonien und der Riten, die dort geherrscht haben bei der Entdeckung durch die Spanier, mit den Zeremonien und Riten im alten Ägypten, wurden später auch als ein Beweis angenommen für die Annahme, dass Ägypten (Afrika) und Amerika ehemals ein zusammenhängender Kontinent gewesen waren.

Hargrave Jennings in seinem ausführlichen und berühmten Werke „Himmlischer und Irdischer, Heidnischer und Christlicher Phallizismus, seine Verbindung mit den Rosenkreuzern und Gnostikern“ liefert den unumstößlichen Beweis, dass die Basis aller Religionen die phallische Idee ist. Phallizismus sagt Jennings, ist verborgen enthalten in allen Insignien der christlichen Kirche. Indem wir hierfür die unwiderlegbaren dokumentarischen Beweise erbringen, verwahren wir uns jedoch energisch dagegen, dass man uns destruktive Tendenzen gegen die christliche Kirche zu unterschieben versuche; im Gegenteil, unsere Darlegungen sollen ein Baustein sein zu einem christlichen Glauben; unser Zweck ist, konstruktiv zu wirken!

Görres sagt in seiner „Christlichen Mystik“, 3. Band: Das äußere theoretische Wissen ist nicht zu verachten; es ist ein Hilfsmittel für den Sucher nach wahrer Erkenntnis, aber die eigentliche Theosophie und Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis besteht nicht darin, dass man gelehrt über Evolutionstheorien und Systeme, über die Zustände der Bewohner der Mittelregion oder des Himmels und andere derlei Dinge reden kann, sondern dass man selbst zur eigenen innerlichen Wahrnehmung und Selbsterkenntnis der Geheimnisse Gottes in die Natur, im Weltall gelangt. Dränge von oben nach unten in den Mittelpunkt des Körpers, dort wirst du einen Keim finden, der durch das Licht zum Wachstum kommt!

Prof. Hermann sagt, Band 3 von „Genesis“, S.98: Die Manichäer konnten nie von der Kirche gänzlich ausgerottet werden. Ein Beweis dafür sind die Adamiten, eine Abart der Manichäer, die noch Mitte des 19. Jahrhunderts (1850-1860) in Österreich existierten und sogar Gleichberechtigung mit der römisch-katholischen Kirche verlangten. Die Adamiten hatten ihren Namen daher, weil sie ihre kirchlichen Zeremonien und Feste vollständig kleiderlos feierten. Ihre Zeremonien und Lehren entsprachen in modernisierter Form und Sprache denen der Manichäer. Ihre „Marienfeste“, besonders die Marienfeste während des Monats Mai (Maiandachten), entsprachen den Bacchanalien bei den Festen des Ceres Libera, den Eleusinischen Orgien. Die Adamiten waren Anhänger und Bekenner des uralten Zeugungs-Mysteriums. Dieser Zeugungs-Kultus war der unerschöpfliche Quell der Lebensfreude und der Begeisterung. Hoch und niedrig ergab sich der durch diesen Kultus erzeugten religiösen Ekstase, bis die heilige Maria die Herzen und Sinne umfing und der heilige Phallos mit seinem Überfluss den fruchtbaren Schoss besamte. Bei diesen Zeremonien und Festen der Adamiten herrschte Kommunismus der Frauen für die Männer und Jünglinge. Dieser Kommunismus dehnte sich aber nicht auf das Alltags-Leben aus. Nur während der Zeremonien an und in den geheiligten Orten (Tempeln und Hainen) hatten die Männer und Jünglinge das Recht (und die Pflicht) mit irgendeiner der im Tempel oder Hain anwesenden Frau den Geschlechtsakt zu vollziehen. Im Alltagsleben war die Frau an ihren „Herrn und Meister“ gebunden. Jeder Mann hatte aber das Recht, mehrere Frauen sich zu halten, wenn seine Mittel es erlaubten. Die Kinder der verschiedenen Frauen waren alle gleichberechtigt (innerhalb der Gemeinschaft der Anhänger dieses Kultus) und der Vater war für deren Unterhalt usw. verantwortlich.

Obgleich es nun der Kirche nicht gelungen ist, diese Nachkommen der alten Manichäer auszurotten, so gelang es doch den staatlichen Gewalten, durch strafrechtliche Verfolgung der Anhänger des Kultus, diese Sekte aus der Öffentlichkeit des bürgerlichen Lebens zu vertreiben. Die dem Strafrecht entgangenen Anhänger flüchteten sich in das schützende Dunkel geheimer Zusammenkünfte und bildeten Geheimbünde nach berühmten alten Mustern. Auf diese Art haben sich diese Nachkommen der alten Manichäer und Anhänger des alten klassischen Phallos-Kultus bis auf den heutigen Tag erhalten. In den letzten 10 Jahren haben sie es sogar gewagt, wieder hier und da an die Öffentlichkeit zu kommen, wenn auch unter neuem Namen und in neuem Gewande. Sogar eine Literatur haben sie geschaffen und gewinnen allenthalben neue Anhänger.

IV – Schlusswort

Lerne vom Baume der Erkenntnis essen, und vom Baume des Lebens genieße die Frucht. Suche beide in dir selbst, und so du sie erkennst, und ihren Platz weißt, bist du angekommen auf der obersten Stufe der zwölfstufigen Leiter. Dadurch wird die „Gottes“-Liebe erweckt, die nicht in den Hirngespinsten der Menschen ihre Wohnung hat, sondern in seinem „Herzen“ wohnt, aus dem die erlösende Kraft geboren wird, die uns das Schauen des Ewigen Lichtes ermöglicht und alle Irrtümer vernichtet. „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan?!“