Die Wahrheit über die weiße Bruderschaft

Karl Spiesberger

Karl_SpiesbergerKarl Spiesberger war ein Freund von Gregor A. Gregorius. Er war ein Schriftsteller und Runenmagier und in der von Grosche gegründeten Loge Fraternitas Saturn aktiv. Er schreibt seine Meinung zu den Geheimbunden und Bruderschaften wie Rosenkreuzer, den Anhängern von M. Blavatsky, sowie der weißen Bruderschaft die in der Welt wirken und seiner Ansicht nach für jene Auserwählten zugänglich gemacht werden die wahrhaft suchen.

 

„Viele glauben sich berufen, aber nur wenige sind auserwählt!“

Wie ein im Dämmerlicht abgeblendetes Bild einer nicht zu enträtselnden Vision, taucht beim Studium der okkulten und esoterischen Literatur immer wieder vor den Augen des Suchenden der so oft gebrauchte und angewandte Begriff: „Die weiße Bruderschaft“ auf.

Wohl keinem der studierenden Esoteriker, Okkultisten und Mystiker ist er unbekannt geblieben. Wer aber unter ihnen allen weiß etwas Positives über diese Bruderschaft zu sagen und zu berichten, was nicht erst aus Büchern geschöpft worden wäre! Keiner, denn derjenige, der ihr wirklich angehört, schweigt über sie und propagiert sie auch nicht!

Genau so, wie es keinen Rosenkreuzer in der jetzigen Zeitepoche gibt, welcher sich offen als ein Rosenkreuzer bezeichnen würde, selbst wenn er zu dieser Bruderschaft gehören sollte, die in den vergangenen Jahrhunderten tatsächlich existierte und die auch heute noch besteht. Es ist aber erstaunenswert, wie häufig sich sogenannte führende Okkultisten offen als Mitglieder der großen weißen Bruderschaft bezeichnen, sich auf sie berufen, angeben, ihren Weisungen zu folgen und ihr eigenes Wissen in meist geschickter Form auf diese Vereinigung zurückführen.

Aber es gibt doch keinen unter ihnen, der es nun wagen würde, sich mit erklärenden Einzelheiten, Tatsachenberichten, wahrheitsgemäßen Erlebnisschilderungen, die sich nachprüfen lassen, vor seine Leser oder Anhänger zu stellen, es handelt sich hier meist um eine üble Mystifikation!

So sind als interessante Beispiele die beiden bekannten Bücher, die unter dem Titel: „Meister im fernen Osten“ von einem anonymen Autor in Amerika erschienen und ins deutsche übersetzt wurden, eine solche verwerfliche Täuschung. Meister Gregorius erhielt von der Übersetzerin dieser beiden Bücher, Frau Dr. Appia in Locarno, während seiner Emigration in der Schweiz – vertrauensvoll eine bis in alle Einzelheiten gehende Aufklärung über die Entstehung dieser Machwerke.

Der Autor hat seine Schilderungen über die geheimnisvollen Meister nie tatsächlich erlebt und wurde in Amerika als ein Betrüger entlarvt. Er musste zugeben, alle seine Erlebnisse nur in der Phantasie gehabt zu haben, wobei man natürlich seine aufgestellte Behauptung, es wären alles ihm von höheren Wesen zugeteilte mentale Visionen, zunächst trotzdem gelten lassen musste.

Mit großen Opfern ausgesandte Expeditionen in die von ihm geschilderten Gegenden kehrten resultatlos zurück. Auch die beiden, in theosophischen Kreisen so oft genannten Meister der Blavatzky sind eine derartige Mystifikation! Sie selbst und auch der bekannte Theosoph Leadbeater mussten die bewusste Täuschung zugeben. Meister Gregorius lernte im Jahre 1920 den bekannten Maler Prof. Schmiechen in Berlin kennen, der ihm erklärte und auch nachwies, dass er der Maler der beiden Bilder „Kut Humi“ und „Moyra“ sei, die er gezeichnet hat ohne jede Vorlage, nur nach seiner inneren Eingebung nach einem Gespräch mit der Blavatzky, mit der er jahrelang befreundet war.

Alle anderen bekannten Bilder von Prof. Schmiechen, z.B. sein Christus-Bild, gehören dem gleichen Bild-Genre an. Er sagte selbst, dass die beiden Meister nur der mentalen Bewusstseinssphäre der Frau Blavatzky angehören. Auch der bekannte Maler und Schriftsteller Bo Yin Ra in Lugano, der sich in seinen Büchern in so selbstherrlicher Weise der Verbindung mit der „Weißen Bruderschaft“ rühmt, gibt zu erkennen, dass es sich hier nur um eine mentale Verbindung seinerseits mit einer Bruderschaft höherer Sphäre handelt. Er selbst war nur der Protektor der Loge „Zum weißen Gral“, die von seinen Anhängern ins Leben gerufen wurde.

Auch die „Älteren Brüder“, auf die sich der Anthroposoph Rudolf Steiner bezieht, sind keine auf der materiellen Ebene existierende Verbindung. Es verhält sich also so auf allen Gebieten des Okkultismus, überall begegnen wir stets bewusster oder auch unbewusster, oft nur leichtfertiger Täuschung.
Es ist hart, aber im Interesse des Neophyten unbedingt notwendig, dass hier einmal die reine Wahrheit gesagt wird, um einer kristallklaren Erkenntnis willen. Es gibt also die geheimnisvolle weiße Bruderschaft organisatorisch weder in Tibet, noch in Indien, noch in der Mongolei, noch irgendwo auf der Erde. Hiermit sind natürlich weder die Priesterschaften der östlichen Völker noch die Religionsgemeinschaften aller Nationen, noch die bestehenden Geheimlogen und Geheimbünde gemeint, noch die zahlreichen sonstigen derartigen bestehenden Vereinigungen oder Verbände.

Alle diese Verbindungen sind esoterisch doch irgendwie fassbar und nachweisbar zu erreichen für denjenigen, der auch ernsthaft danach sucht und strebt. Und trotzdem sei dem suchenden Neophyten und Bruder hiermit gesagt und versichert: „Es gibt die weiße Bruderschaft auf diesem Planeten Erde!“ Doch wird immer ausdrücklich betont, dass es sich hierbei um eine mentale Schwingung handelt, die nur für denjenigen mental hochgepolten Menschen wahrnehmbar ist und auch erreichbar, der sich innerlich seelisch und geistig soweit entwickelt hat, um die Reperkusion mit diesem geistigen Kraftfeld, so will ich es bezeichnen, zu erhalten, je nach seiner Reife und Gesamtentwicklung.

Den Weg dahin muss jeder für sich allein gehen! Begnadet vom Schicksal ist bereits derjenige, dem in seinem Leben ein Mensch begegnet, der ihm vielleicht Wegweiser sein kann. Aber auch eine solche Wegweisung kann nur für eine Strecke des Weges gegeben werden. Dem Pfad der letzten Erkenntnis muss jeder allein gehen ohne Führung und ohne Beistand. Gewiss kann und soll dem Bruder aus dem reichen Erfahrungsschatze der Loge ein oder das andere Anzeichen dafür gegeben werden, dass er sich nun voraussichtlich auf dem rechten Wege befindet, doch auch dieses Wissen ist nur relativ und nicht für jeden Menschen anwendbar und gültig.

So möge sich also der Neophyt ein absolut klares Blickfeld bewahren auf einer fest fundierten saturnischen Basis. Kein Buch, keine Schrift wird ihn genügend aufklären. Selbst Bücher, wie z.B. das Buch von Weinfurtner: „Der brennende Busch“ schweigen, wenn es sich um die letzten Tatsachen handelt, die der Leser wissen möchte. Gewiss findet man in der gesamten okkulten Literatur auch manche Wahrheiten gesagt, manches Geheimnis ist offen enthüllt, doch nicht jeder Leser versteht zu lesen! Wiederum entscheidet auch hier der Grad der erlangten esoterischen Reife. Es gibt eine Anzahl wissender Autoren, die ihre Publikationen im eigentlichen Sinne nur für diese wenigen Menschen geschrieben haben, wie z.B. die Bücher von Gustav Meyrink – Fundgruben magischen Wissens sind, trotz ihrer bewusst gewählten Romanform.

Es werden dem Neophyten gern vom Lehrer derartige Bücher genannt, bei denen es sich lohnt, sie zu lesen und sie zu studieren. Die Zahl ist im Allgemeinen viel geringer in der okkulten Literatur als man glaubt und erhofft.