Das Buch Henoch

Seit jeher gibt es in der Menschheit jene Auserwählten, welche Gott, heilig und gesegnet sei Er, dienen um das Licht auf der Welt auszubreiten und Friede, Freude, Freiheit und Liebe zu manifestieren. So herrscht Gott mit Stärke und Macht und entsendet seit Anbeginn der Menschheit seine Diener im Auftrag des Lichts um die Sünder zu bekehren und den Himmel hier auf Erden zu verwirklichen.

(ca. 3. Jahrhundert v. Chr.)

Kap. 1

1. Die Segensworte Henochs, womit er segnete die Auserwählten und die Gerechten, welche leben werden in der Zeit der Trübsal, wo verworfen werden alle Bösen und Gottlosen. Henoch, ein gerechter Mann, welcher mit Gott war, redete und sprach, als seine Augen geöffnet worden und er gesehen ein heiliges Gesicht in den Himmeln: Dies zeigten mir die Engel.
2. Von ihnen hörte ich alle Dinge und verstand, was ich sah; das, was geschehen wird nicht in diesem Geschlecht, sondern in einem Geschlecht, welches kommen wird in ferner Zeit, um der Auserwählten willen.
3. Um ihretwillen sprach und redete ich mit ihm, der da hervorgehen wird aus seiner Wohnung, dem Heiligen und Mächtigen, dem Gott der Welt,
4. welcher dann treten wird auf den Berg Sinai, erscheinen mit seinem Heerund sich offenbaren mit der Stärke seiner Macht vom Himmel.
5. Alles wird erschrecken und die Wächter sind bestürzt.
6. Große Furcht und Zittern ergreift sie bis zu den Enden der Erde. Die erhabenen Berge erbeben und die hohen Hügel werden erniedrigt und schmelzen wie Honigseim in dem Feuer. Die Erde wird überflutet werden und alles, was auf derselben ist, umkommen, wenn das Gericht kommt über alle, auch die Gerechten.
7. Aber ihnen wird er Friede geben; er wird erhalten die Auserwählten und gegen sie gnädig sein.
8. So werden denn alle Gottes sein, glücklich und gesegnet und der GlanzGottes wird sie erleuchten.

Kap. 2

Siehe! er kommt mit Myriaden seiner Heiligen, Gericht über sie zu halten, zu vertilgen die Bösen und zu strafen alles Fleisch über jegliches, was dieSünder und Gottlosen getan und begangen haben gegen ihn.

Kap. 3

1. Alle, die im Himmel sind, wissen, was (dort) geschieht;
2. dass die himmlischen Lichter nicht ändern ihre Bahn, dass ein jedes aufgeht und untergeht nach seiner Ordnung, ein jedes zu seiner Zeit ohne Übertretung der Gebote. Sie sehen die Erde und vernehmen, was dort geschieht vom Anfang bis zu ihrem Ende;
3. dass jedes Werk Gottes unveränderlich ist zur Zeit seiner Erscheinung. Sie schauen Sommer und Winter, dass die ganze Erde voll Wasser ist und dass dieWolken, der Tau und der Regen sie erfrischen.

Kap. 4

Sie betrachten und sehen jeden Baum, wie er verdorrt und jedes Blatt abfällt, außer vierzehn Bäumen, welche ihr Laub nicht abwerfen, sondernwarten von dem alten bis zum neuen, zwei oder drei Winter lang.

Kap. 5

Wiederum bemerken sie in den Tagen des Sommers, dass die Sonne in demselben gerade in ihrem Anfange ist, wenn ihr nach einem bedeckten und schattigen Baume sucht wegen der brennenden Sonne, wenn die Erde von der heftigen Hitze versengt wird und ihr nicht zu wandeln vermögt weder auf dem Erdboden nochauf den Felsen in Folge dieser Hitze.

Kap. 6

1. Sie bemerken, wie die Bäume, wenn sie ihre grünen Blätter hervortreiben, sich bedecken und Früchte tragen; sie vernehmen alles und wissen, dass er, der ewig lebt, alles dieses für euch tut:
2. (dass) die Werke beim Beginn eines jeglichen Jahres, dass alle seine Werke ihm dienen und unveränderlich sind; doch wenn Gott es beschlossen hat, so müssen alle Dinge vergehen.
3. Sie sehen auch, wie die Meere und die Flüsse allzumal erfüllen ihre Arbeit:
4. (Aber) ihr harret nicht in Geduld, noch vollbringt ihr die Befehle des Herrn; sondern ihr widerstrebt und verlästert (seine) Größe und übelwollendsind die Worte in eurem befleckten Munde gegen seine Majestät.
5. Ihr Verdorrte am Herzen, kein Friede wird euch zu Teil werden!
6. Darum werdet ihr eure Tage verfluchen und die Jahre eures Lebens werden vergehen; unaufhörliche Verwünschung wird sich aufhäufen und ihr werdet keine Gnade erlangen.
7. In diesen Tagen werdet ihr euren Frieden vertauschen mit ewiger Verfluchung von seiten aller Gerechten, und die Sünder werden euchunaufhörlich verwünschen,
8. euch mit den Gottlosen.
9. Die Auserwählten werden Licht, Freude und Friede besitzen und die Erdeererben.
10. Aber ihr, ihr Unheiligen, werdet verdammt werden.
11. Dann wird Weisheit verliehen den Auserwählten; sie alle werden leben und nicht wiederum aus Gottlosigkeit oder Hochmut Übertretung begehen, sondern sie werden sich demütigen im Besitz von Klugheit und die Übertretung nicht wiederholen.
12. Sie werden nicht verdammt werden während der ganzen Zeit ihres Lebens, noch sterben in Qual und Zorn; sondern die Zahl ihrer Tage wird erfüllt und sie werden alt in Frieden; und die Jahre ihrer Glückseligkeit werden gemehrtin Freude und in Friede für immer, so lange sie nur leben.

Kap. 7

1. Es geschah, nachdem die Menschenkinder sich gemehrt hatten in diesen Tagen, dass ihnen herrliche und schöne Töchter geboren wurden.
2. Und als die Engel, die Söhne des Himmels sie erblickten, erbrannten sie in Liebe zu ihnen und sprachen zueinander: Kommt, laßt uns für uns Weiber auswählen aus der Nachkommenschaft der Menschen und laßt uns Kinder zeugen.
3. dann sprach Samjaza, ihr Anführer, zu ihnen: ich fürchte, dass ihrvielleicht der Ausführung dieses Unternehmens abgeneigt werdet,
4. und dass ich allein dulden müßte für ein schweres Verbrechen.
5. Aber sie antworteten ihm und sprachen: Wir schwören alle,
6. und verpflichten uns durch Verwünschungen gegenseitig, dass wir nicht ändern unser Vorhaben, sondern ausführen unser beabsichtigtes Unternehmen.
7. Dann schworen sie alle einander und alle verpflichteten sich durch gegenseitige Verwünschungen. Ihre Zahl betrug zwei Hundert, welche herabstiegen auf Ardis, den Gipfel des Berges Armon.
8. Dieser Berg wurde deshalb Armon genannt, weil sie geschworen hatten auf ihm und sich gebunden durch gegenseitige Verwünschungen.
9. Dies sind die Namen ihren Häupter: Samjaza, welcher ihr Führer war, Urakabarameel, Akibeel, Tamiel, Ramuel, Danel, Azkeel, Sarakujal, Afael, Armers, Batraal, Anane, Zavebe, Samsaveel, Ertael, Turel, Jomjael, Arazjal. Dies waren die Vorsteher der zweihundert Engel und die Übrigen waren mit ihnen.
10. Dann nahmen sie Weiber, ein jeder wählte sich; ihnen begannen sie sich zu nahen und ihnen wohnten sie bei, lehrten sie Zauberei, Beschwörungen unddas Teilen von Wurzeln und Bäumen.
11. Und die Weiber empfingen und gebaren Riesen,
12. deren Länge dreihundert Ellen betrug. Diese verschlangen allen Erwerbder Menschen, bis es unmöglich wurde, sie zu ernähren.
13. Da wandten sie sich gegen Menschen, um sie zu essen,
14. und begannen zu verletzen Vögel, Tiere, Gewürm und Fische, ihr Fleischzu essen eins nach dem andern und zu trinken ihr Blut.
15. Dann tadelte die Erde die Ungerechten.

Kap. 8

1. Überdies lehrte Azaziel die Menschen Schwerter machen und Messer, Schilde, Brustharnische, die Verfertigung von Spiegeln und die Bereitung von Armbändern und Schmuck, den Gebrauch der Schminke, die Verschönerung der Augenbrauen, (den Gebrauch der) Steine von jeglicher köstlichen undauserlesenen Gattung und von allen Arten der Farbe, so dass die Welt verändert wurde.
2. Gottlosigkeit nahm zu, Hurerei mehrte sich und sie sündigten undverderbten alle ihren Weg.
3. Amazarak lehrte alle die Zauberer und Wurzelteiler;
4. Armers die Lösung der Zauberei;
5. Barkajal die Beobachter der Sterne;
6. Akibeel die Zeichen,
7. Tamiel lehrte Astronomie,
8. und Asaradel lehrte die Bewegung des Mondes.
9. Aber die Menschen, da sie untergingen, klagten und ihre Stimme gelangtebis zum Himmel.

Kap. 9

1. Dann blickten Michael und Gabriel, Raphael, Surjal und Uriel vom Himmel herab und sahen die Menge Blutes, welche auf Erden vergossen war und alle die Ungerechtigkeit, welche auf derselben geschehen war und sagtenzueinander: (hört) die Stimme ihre Geschreis!
2. Die (ihrer Kinder) beraubte Erde schreit bis zum Tore des Himmels,
3. und jetzt klagen zu euch, o ihr Heiligen des Himmels, die Seelen der Menschen und sprechen: Schafft uns Gerechtigkeit bei dem Höchsten. Dann sagten sie zu ihrem Herrn, dem Könige: Herr der Herren, Gott der Götter, König der Könige! Der Thron deines Ruhmes ist immer und ewig, und immer und ewig wird dein Name geheiligt und verherrlicht. Du wirst gepriesen und verherrlicht.
4. Du hast alle Dinge geschaffen; du hast Macht über alle Dinge und alle Dinge liegen offen und klar vor dir. Du siehst alle Dinge und nichts kann dir verhehlt werden.
5. Du hast gesehen, was Azazjel getan hat, wie er jede Art von Bosheit auf der Erde gelehrt und der Welt alle verborgenen Dinge enthüllt hat, welche im Himmel geschehen.
6. Auch hat Zauberei gelehrt Samjaza, dem du Gewalt verliehen hast über die, welche ihm zugesellt sind. Sie sind miteinander zu den Töchtern der Menschengegangen, haben gelegen bei ihnen, sind befleckt worden
7. und haben ihnen Verbrechen offenbart.
8. Die Weiber ingleichen haben Riesen geboren.
9. So ist die ganze Erde mit Blut und mit Bosheit erfüllt worden.
10. Und nun siehe, die Seelen derer, welche getötet worden, schreien,
11. und klagen selbst bis zum Tore des Himmels.
12. Ihr Seufzen steigt auf; auch können sie der Ungerechtigkeit nicht
entrinnen, welche auf Erden begangen wird. Du weißt alle Dinge ehe sie sind.
13. Du weißt dieses und was von ihnen getan ist; doch du sprichst nicht zuuns.
14. Was haben wir ihnen in Rücksicht dieser Dinge zu tun?

Kap. 10

1. Da sprach der Höchste, der Große und Heilige,
2. und sendete Arsajalaljur zum Sohne Lamechs,
3. und sprach: Sage zu ihm in meinem Namen: Verbirg dich.
4. Dann verkünde ihm das Ende, welches im Begriff ist, hereinzubrechen; denn die ganze Erde wird verderben; das Wasser der Flut wird kommen über die ganze Erde, und alles, was auf derselben ist, wird zerstört werden.
5. Und nun belehre ihn, wie er entrinnen möge und wie sein Same übrigbleiben wird auf der ganzen Erde.
6. Wiederum sprach der Herr zu Raphael: Binde den Azazjel an Händen und Füßen, wirf ihn in Finsternis, öffne die Wüste, welche in Dudael ist undstoß ihn in dieselbe.
7. Wirf auf ihn scharfe und spitze Steine und decke ihn mit Finsternis.
8. Dort wird er bleiben immerdar; bedecke sein Antlitz, dass er das Lichtnicht sehen kann,
9. und am großen Tage des Gerichts laß ihn ins Feuer werfen.
10. Belebe die Erde, welche die Engel verderbten, und verkünde ihr Leben,dass ich sie wieder beleben werde.
11. Nicht alle Menschen sollen umkommen infolge jeglichen Geheimnisses, wodurch die Wächter Zerstörung angerichtet und welches sie ihre Nachkommenschaft gelehrt haben.
12. Die ganze Erde ist verdorben durch die Wirkungen Azazjel’s Lehre. Ihm also schreibe das ganze Verbrechen zu.
13. Zu Gabriel aber sagte der Herr: Gehe zu den Beißern, den Verworfenen, zu den Kindern der Hurerei und vertilge die Kinder der Hurerei, die Nachkommenschaft der Wächter, aus der Menschen Mitte; führe sie heraus und errege sie einen gegen den andern. Laß sie umkommen durch Mord; denn Länge der Tage wird ihnen nicht zu Teil.
14. Sie alle werden dich bitten, aber ihre Väter erlangen nichts in Rücksicht auf sie; denn sie werden auf ein ewiges Leben hoffen, und dass sie leben mögen, ein jeder von ihnen fünfhundert Jahr.
15. Ingleichen sprach der Herr zu Michael: Gehe und verkünde dem Samjaza und den andern, welche bei ihm sind, welche sich mit Weibern vereinigten, um sich zu beflecken mit aller ihrer Unreinheit; und wenn alle ihre Söhne erschlagen sind, wenn sie sehen den Untergang ihrer Geliebten, so binde sie für siebzig Geschlechter unter die Erde, bis auf den Tag der Gerichts und der Vollendung, bis das Gericht, welches für ewig gilt, vollbracht ist.
16. Dann sollen sie hinweggeschafft werden in die untersten Tiefen des Feuers, in die Qualen und in den Kerkern eingeschlossen werden ewiglich.
17. Sogleich nach diesen soll er mit ihnen zugleich verbrannt werden und umkommen; gebunden sollen sie sein, bis da erfüllt sind viele Geschlechter.
18. Vertilge alle Seelen, welche der Torheit ergeben sind, und dieNachkommen der Wächter; denn sie haben die Kinder der Menschen unterdrückt.
19. Laß jeden Gewalttätigen umkommen von der Oberfläche der Erde;
20. vertilge jedes böse Werk;
21. die Pflanze der Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit erscheine und ihr Hervorbringen werde zum Segen.
22. Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit wird für ewige Zeiten gepflanzt mit Freuden.
23. Und dann werden alle Heiligen danken und leben, bis sie Tausend erzeugt haben, während die ganze Zeit ihrer Jugend und ihre Sabbate in Frieden vollendet werden. In diesen Tagen wird die ganze Erde in Gerechtigkeit bebaut; sie wird ganz mit Bäumen bepflanzt und mit Segen erfüllt, jeder Baum der Freude wird auf derselben gepflanzt werden.
24. Auf derselben werden Weinberge gepflanzt werden und der Wein, welcher darauf gepflanzt werden wird, wird Früchte tragen in Fülle; jeglicher Same, welchen man darauf sät, soll tausend Maß hervorbringen und ein Maß Oliven wird zehn Pressen Öl geben.
26. Dann werden alle Menschenkinder gerecht sein, und alle Völker mir göttliche Verehrung erweisen und mich segnen; alles wird mich anbeten.
27. Die Erde wird gereinigt von aller Verdorbenheit, von jedem Verbrechen, von aller Strafe und von allem Leiden; auch werde ich nicht wieder eine Flut auf sie kommen lassen von Geschlecht auf Geschlecht ewiglich.
28. In diesen Tagen werde ich auftun die Schätze des Segen, welche im Himmel sind, dass ich sie herabkommen lasse auf die Erde und alle Werke und Arbeit der Menschen.
29. Friede und Billigkeit sollen Genossen sein der Menschenkinder alle Tageder Welt und in jedem Geschlecht derselben.

Kap. 11

1. Vor allen diesen Dingen war Henoch verborgen, auch wußte niemand von den Menschenkindern, wo er verborgen war, wo er gewesen und was geschehen war.
2. Er war ganz beschäftigt mit den Heiligen und mit den Wächtern in seinenTagen.
3. Ich, Henoch; lobte den großen Herrn und König des Friedens.
4. Und siehe! die Wächter nannten mich Henoch, den Schreiber.
5. Dann sagte er zu mir: Henoch, Schreiber der Gerechtigkeit, gehe und verkünde den Wächtern des Himmels, welche den hohen Himmel verließen und ihre ewige Wohnung, sich mit den Weibern befleckten
6. und taten, wie die Söhne der Menschen tun, indem sie sich Weiber nahmen und sich sehr befleckten auf der Erde:
7. dass sie auf der Erde nimmer Friede und Vergebung der Sünde erlangen werden. Denn sie werden sich ihrer Nachkommenschaft nicht freuen, sondern die Ermordung ihrer Geliebten schauen; sie werden klagen über den Untergang ihrer Söhne und bitten immerdar, aber sie werden keine Gnade noch Friedenerlangen.

Kap. 13

1. Darauf ging ich, Henoch, weiter und sprach zu Azazjel: du wirst keinen Frieden erhalten; ein großes Urteil ist gegen dich ergangen. Er wird dich binden;
2. nimmer wird Erleichterung, Gnade und Fürbitte dir werden um der Unterdrückung willen, welche du gelehrt hast,
3. und wegen jeder Tat der Gotteslästerung, Tyrannei und Sünde, welche duden Menschenkindern gezeigt hast.
4. Dann ging ich hinweg und sprach zu ihnen allen insgesamt;
5. und sie alle erschraken und zitterten.
6. Sie ersuchten mich, für sie eine Bittschrift aufzusetzen, damit sie Vergebung erhielten, und die Schrift ihres Gebets hinauf zu bringen vor den Gott des Himmels; denn sie konnten sich von der Zeit an nicht mehr selber an ihn wenden, noch erheben ihre Augen zum Himmel wegen der schmählichen Missetat, um derentwillen sie gerichtet sind.
7. Dann schrieb ich eine Schrift ihres Betens und Flehens für ihre Seelen, über alles, was sie getan hatten, und über den Gegenstand ihres Gesuchs, dass sie erhalten möchten Vergebung und Ruhe.
8. Weitergehend schritt ich über die Wasser des Dan in Dan, welcher an der rechten Seite gegen Westen des Armon ist, und las die Urkunde ihrer Bitte, bis ich in Schlaf fiel.
9. Und siehe! ein Traum kam zu mir, und Gesichte erschienen über mir. Ich fiel nieder und sah ein Gesicht der Strafe, damit ich es schilderte den Söhnen des Himmels und sie zurechtwiese. Als ich erwachte, ging ich zu ihnen. Alle standen weinend beisammen in Ubelfejael, welches liegt zwischen Libanos und Senefer, mit verhülltem Antlitz.
10. Ich erzählte in ihrer Gegenwart alle Gesichte, welche ich gesehen hatte, und meinen Traum.
11. Und ich fing an diese Worte der Gerechtigkeit auszusprechen undzurechtzuweisen die Wächter des Himmels.

Kap. 14

1. Dies ist das Buch der Worte der Gerechtigkeit und der Zurechtweisung der Wächter, welche der Welt angehören, zufolge dem, was er, welcher heilig und groß ist, befahl in dem Gesichte. Ich nahm in meinem Traum wahr, dass ich jetzt sprach mit einer Zunge von Fleisch, und mit meinem Atem, welchen der Allmächtige gesetzt hat in den Mund der Menschen, dass sie damit reden möchten;
2. und vernahm mit dem Herzen. So wie er geschaffen und gegeben hat den Menschen (die Kraft), zu verstehen das Wort des Verstandes, so hat er geschaffen und mir gegeben (die Kraft), zurechtzuweisen die Wächter, die Sprößlinge des Himmels. Ich habe geschrieben euer Gesuch, und in meinem Gesicht ist mir gezeigt worden, dass das, um was ihr bittet, euch nichtgewährt werden wird, so lange als die Welt dauert.
3. Gericht ist ergangen über euch; gewährt wird euch nichts.
4. Von dieser Zeit an werdet ihr niemals hinaufsteigen in den Himmel; er hat gesagt, dass er auf der Erde euch binden will, so lange als die Welt dauert.
5. Doch vor diesen Dingen sollt ihr schauen die Vernichtung eurer geliebten Söhne; ihr werdet sie nicht mehr besitzen, sondern sie sollen fallen voreuch durch das Schwert.
6. Und nicht sollt ihr bitten für sie und nicht für euch selbst.
7. Aber ihr werdet weinen und flehen in Schweigen. Dies die Worte des Buchs,welches ich schrieb.
8. Ein Gesicht erschien mir also:
9. Siehe! in (diesem) Gesicht luden Wolken und ein Nebel mich ein, sich bewegende Sterne und Strahlen von Licht trieben und schoben mich fort, während Winde in dem Gesicht meinen Flug begünstigten und mein Weitergehen beschleunigten.
10. Sie hoben mich zum Himmel in die Höhe. Ich schritt vorwärts, bis ich an eine Mauer kam, gebaut aus Steinen von Kristall. Eine zitternde Flamme umgabsie, welche mich in Schrecken zu setzen begann.
11. In diese zitternde Flamme trat ich ein.
12. Und ich näherte mich einer geräumigen Wohnung, welche auch gebaut war mit Steinen von Kristall. Sowohl ihre Wände, als ihr Fußboden waren mit Steinen von Kristall, und von Kristall war auch der Grund. Ihr Dach hatte das Ansehen von Sternen, die sich heftig bewegen, und von leuchtendenBlitzen, und unter ihnen waren Cherubs von Feuer und ihr Himmel war Wasser.
Eine Flamme brannte rings um ihre Mauern, und ihr Portal loderte von Feuer.
Als ich in diese Wohnung trat, war sie heiß wie Feuer und kalt wie Eis.
Keine Luft oder Leben war dort. Schrecken überwältigte mich und ein furchtbares Zittern ergriff mich.
13. Heftig bewegt und zitternd fiel ich auf mein Antlitz. In dem Gesicht sah ich,
14. und siehe! da war eine andere geräumigere Wohnung, zu welcher jeder Eingang vor mir offen war, errichtet in einer zitternden Flamme.
15. So sehr zeichnete sie sich in aller Hinsicht aus, an Glanz, an Pracht und an Größe, dass es unmöglich ist, euch ihre Pracht oder ihre Ausdehnung zu beschreiben.
16. Ihr Fußboden war aus Feuer, oben waren Blitze und sich bewegende Sterne, während ihr Dach ein loderndes Feuer zeigte.
17. Aufmerksam betrachtete ich sie und sah, dass sie einen erhabenen Thron enthielt,
18. der von Ansehen dem Reife ähnlich war, während sein Umfang dem Kreiseder glänzenden Sonne glich; und (da war) die Stimme der Cherubs.
19. Unten von diesem mächtigen Throne her strömten Bäche lodernden Feuers.
20. Auf ihn zu sehen war unmöglich.
21. Ein Großer in Herrlichkeit saß darauf,
22. dessen Kleid glänzender als die Sonne, und weißer als Schnee.
23. Kein Engel vermochte hindurchzudringen, zu schauen das Antlitz desselben, des Herrlichen und Strahlenden; auch konnte kein Sterblicher ihn ansehen. Ein Feuer loderte rings um ihn.
24. Ein Feuer auch von großem Umfange stieg immerwährend vor ihm auf, so dass keiner von denjenigen, welche ihn umgaben, im imstande war, sich ihm zu nähern, unter den Myriaden, welche vor ihm waren. Für ihn war heilige Beratschlagung unnötig. Gleichwohl gingen die Geheiligten, welche in seiner Nähe waren, nicht von ihm hinweg, weder bei Nacht noch bei Tage, noch wurden sie entfernt von ihm. Ich war auch so weit vorgegangen mit einem Schleier vor meinem Gesicht und zitternd. Da rief mich der Herr mit seinem Munde und sagte: Nahe dich hierher, Henoch, zu meinem heiligen Worte.
25. Und er hob mich auf und brachte mich bis gerade an den Eingang. MeinAuge war gerichtet auf den Boden.

Kap. 15

1. Alsdann sich wendend zu mir, sprach er und sagte: Höre und fürchtenichts, o gerechter Henoch, du Schreiber der Gerechtigkeit! Nahe dich hierher und höre meine Stimme. Gehe, sage den Wächtern des Himmels, welche dich gesendet haben, für sie zu bitten: Ihr sollet bitten für Menschen und nicht Menschen für euch.
2. Warum habt ihr verlassen den hohen und heiligen Himmel, welcher ewiglich dauert, und habt gelegen bei Weibern, euch befleckt mit den Töchtern der Menschen, euch Weiber genommen, gehandelt wie die Söhne der Erde, und gezeugt eine gottlose Nachkommenschaft?
3. Ihr, die ihr geistig, heilig seid und ein Leben lebt, welches ewig ist, habt euch befleckt mit Weibern, habt gezeugt in fleischlichem Blute, habt begehrt des Blutes der Menschen, und habt getan, wie diejenigen tun,(welche) Fleisch und Blut (sind).
4. Diese jedoch sterben und kommen um.
5. Darum habe ich ihnen gegeben Weiber, auf dass sie ihnen beiwohnten, damit Söhne möchten geboren werden von ihnen, und dass dies möge geschehen auf Erden.
6. Aber ihr wurdet von Anfang an als Geister geschaffen und besitzt ein Leben, welches ewig ist und seid nicht unterworfen dem Tode bis in Ewigkeit.
7. Daher machte ich nicht Weiber für euch, dieweil ihr seid geistig und eure Wohnung ist im Himmel.
8. Nun aber die Riesen, welche geboren sind von Geist und von Fleisch, werden auf Erden böse Geister genannt werden, und auf Erden wird ihre Wohnung sein. Böse Geister werden hervorgehen aus ihrem Fleisch, weil sie geschaffen wurden von oben; von den heiligen Wächtern war ihr Anfang und ursprüngliche Gründung. Böse Geister werden sie sein auf Erden, und Geister der Gottlosen werden sie genannt werden. Die Wohnung der Geister des Himmels soll sein im Himmel, aber auf Erden wird sein die Wohnung der irdischen Geister, welche geboren werden auf Erden.
9. Die Geister der Riesen (werden sein wie) Wolken, welche bedrücken, verderben, fallen, streiten und verletzen werden auf Erden.
10. Sie werden veranlassen Wehklage. Keine Speise werden sie essen, und sie werden dürsten; sie werden verborgen sein und nicht immer sollen sich erheben die Geister gegen die Söhne der Menschen und gegen die Weiber; dennsie kamen hervor während der Tage des Blutvergießens und der Vernichtung.

Kap. 16

1. Bei dem Tode der Riesen, wohin auch ihre Geister gewandert sein mögen aus ihren Körpern, laß das, was fleischlich in ihnen ist, untergehen vor dem Gericht. So werden sie untergehen bis zum Tage der großen Vollendung der großen Welt. Statt finden wird eine Vollendung der Wächter und der Gottlosen.
2. Und nun zu den Wächtern, welche dich gesendet haben, für sie zu bitten, welche im Anfange im Himmel waren,
3. (sprich): Im Himmel seid ihr gewesen; geheime Dinge zwar sind euch nicht offenbart worden, doch habt ihr gewußt ein ruchloses Geheimnis.
4. Und dies habt ihr erzählt Weibern in der Härtigkeit eueres Herzens, und durch dieses Geheimnis haben Weiber und Menschen vervielfacht Übel aufErden.
5. Sage zu ihnen: Niemals also werdet ihr Frieden erhalten.

Kap. 20

1. Folgendes sind die Namen der Engel, welche wachen:
2. Uriel, einer von den heiligen Engeln, welcher (gesetzt ist) über Lärmen und Schrecken.
3. Raphael, einer von den heiligen Engeln, welcher (gesetzt über) die Seelen der Menschen.
4. Raguel, einer von den heiligen Engeln, welcher verhängt Strafe über die Welt und die Lichter.
5. Michael, einer von den heiligen Engeln, welcher, (gesetzt) über menschliche Tugend, die Völker beherrscht.
6. Sarakiel, einer von den heiligen Engeln, welcher (gesetzt) über die Seelen der Kinder der Menschen, welche sündigen.
7. Gabriel, einer von den heiligen Engeln, welcher (gesetzt ist) über Ikisat, über das Paradies und über die Cherubs.

Kap. 17, Sect. IV

1. Sie hoben mich in die Höhe an einen Platz, wo da war die Erscheinung eines brennenden Feuers; und wenn es ihnen gefiel, so nahmen sie die Gestalt von Menschen an.
2. Sie führten mich auf einen hohen Ort, auf einen Berg, dessen Spitze bis zum Himmel reichte.
3. Und ich sah die Behältnisse des Lichtes und des Donners an den Enden des Platzes, wo er am tiefsten war. Da war ein Bogen von Feuer, und Pfeile in ihrem Köcher, ein Schwert von Feuer und jede Art von Blitz.
4. Alsdann hoben sie mich in die Höhe zu einem plätschernden Strome und zu einem Feuer im Westen, welches aufnahm jeden Untergang der Sonne. Ich kam zu einem Fluß von Feuer, welcher floß wie Wasser, und sich ausleerte in den großen See gegen Westen.
5. Ich sah alle breiten Flüsse, bis ich zu der großen Finsternis kam. Ich ging dahin, wohin alles Fleisch wandert, und ich schaute die Berge der Dunkelheit, welche Winter macht, und die Stelle, von wo das Wasser ausströmt in jeden Abgrund.
6. Ich sah auch die Mündungen aller Flüsse in der Welt und die Mündungen inder Tiefe.

Kap. 18

1. Ich überblickte dann die Behältnisse aller Winde, und nahm wahr, dass sie beitrugen zur Zierde der ganzen Schöpfung, und (zur Erhaltung) der Grundlageder Erde.
2. Ich betrachtete den Stein, (welcher) die Winkel der Erde (trägt).
3. Ich sah auch die vier Winde, welche die Erde und das Firmament desHimmels stützen.
4. Und ich sah die Winde wirksam an der Höhe des Himmels, welche
5. in der Mitte des Himmels und der Erde entstehen und die Pfeiler des Himmels bilden.
6. Ich sah die Winde, welche den Himmel drehen, welche den Kreis der Sonne und aller Sterne untergehen lassen, und über der Erde sah ich die Winde,welche die Wolken tragen.
7. Ich sah den Pfad der Engel.
8. Ich nahm wahr an dem Ende der Erde das Firmament des Himmels über ihr. Alsdann ging ich gegen Süden zu,
9. wo sowohl bei Tage als bei Nacht sechs Berge brannten, gebildet von herrlichen Steinen, drei gegen Osten und drei gegen Süden.
10. Diejenigen, welche gegen Osten waren, waren von einem bunten Stein; einer davon war von Perle und ein anderer von Spiesglas. Die gegen Süden waren von einem roten Stein. Der mittlere reichte bis zum Himmel, gleich dem Throne Gottes von Alabaster, dessen Spitze war von Saphir. Ich sah auch ein glänzendes Feuer, welches war über allen den Bergen.
11. Und da sah ich einen Platz auf der anderen Seite eines ausgedehntenLandes, wo Wasser angesammelt war.
12. Ich sah auch irdische Quellen tief in den feurigen Säulen des Himmels.
13. Und in den Säulen des Himmels sah ich Feuer, welche herabstiegen ohne Zahl, doch weder in die Höhe noch in die Tiefe. Über diesen Quellen nahm ich auch einen Platz wahr, welcher weder das Firmament des Himmels über sich hatte, noch den festen Grund unter sich; weder war Wasser über ihm, noch irgend etwas zur Seite, sondern der Platz war öde.
14. Und da sah ich sieben Sterne, gleich großen glänzenden Bergen und gleich Geistern mich bittend.
15. Alsdann sagte der Engel: Dieser Platz wird bis zur Vollendung von Himmel und Erde das Gefängnis der Sterne und der Heerscharen des Himmels sein.
16. Die Sterne, welche über Feuer sich bewegen, sind diejenigen, welche überschritten den Befehl Gottes, bevor ihre Zeit gekommen; denn sie kamen nicht in ihrer rechten Zeit. Darum wurde er erzürnt gegen sie und band sie,bis zur Periode der Vollendung ihrer Strafe in dem verborgenen Jahre.

Kap. 19

1. Alsdann fragte Uriel: Hier die Engel, welche Weibern beiwohnten, sich ihre Anführer bestimmend,
2. und zahlreich in ihrer Erscheinung, Menschen ruchlos machten und sie zu Irrtümern verleiteten, so dass sie Teufeln wie Göttern opferten. Denn an dem großen Tage (wird) ein Gericht (sein), in welchem sie sollen gerichtet werden, bis sie vernichtet sind, und auch ihre Weiber sollen (gerichtet) werden, welche die Engel des Himmels verführten ohne Widerstand.
3. Und ich, Henoch, ich allein sah das Gleichnis des Endes aller Dinge, und kein menschliches Wesen sah es, so wie ich es sah.

Kap . 21

1. Alsdann machte ich einen Kreislauf zu einem Platze, auf welchem nichts vollendet war.
2. Und da sah ich weder das ehrfurchtgebietende Werk eines erhabenen Himmels, noch einer festgestellten Erde, sondern einen öden Raum, bereit gehalten und furchtbar.
3. Da auch sah ich sieben Sterne des Himmels darin zusammengebunden, gleich großen Bergen und gleich einem glänzenden Feuer. Ich rief aus: Wegen welcher Art von Verbrechen sind sie gebunden und warum sind sie entfernt worden an diesen Platz? Darauf antwortete Uriel, einer von den heiligen Engeln, welcher bei mir war, und welcher mich führte: Henoch, warum fragst du, warum forschest du bei dir und suchst ängstlich? Dies sind die von den Sternen, welche den Befehl des höchsten Gottes übertreten haben und hier gebunden sind, bis die unendliche Anzahl der Tage ihrer Strafe vollendet ist.
4. Von da ging ich nachher weiter zu einem anderen furchtbaren Platze,
5. wo ich sah die Tätigkeit eines großen lodernden und glänzenden Feuers, in dessen Mitte eine Trennung stattfand. Feuersäulen bekämpften einander bis zu dem Ende des Abgrundes; und tief war der Abhang. Doch weder sein Maß noch seine Größe war ich im Imstande zu entdecken; auch konnte ich seinen Ursprung nicht wahrnehmen. Da rief ich aus: Wie furchtbar ist dieser Platz und wie schwer zu erforschen!
6. Uriel, einer von den heiligen Engeln, welcher bei mir war, antwortete und fragte: Henoch, warum bist du erschrocken und erstaunt über diesen schrecklichen Platz, bei dem Anblick dieses (Platzes des) Leidens? Dies, sagte er, ist das Gefängnis der Engel und hier werden sie gehalten fürimmer.

Kap. 22, Sect. V

1. Von da ging ich weiter zu einem anderen Raume, wo ich sah im Westen einen großen und hohen Berg, einen starken Felsen und vier liebliche Plätze.
2. Innerlich war er tief, geräumig und sehr glatt, so glatt, als wenn er wäre überwalzt worden; er war sowohl tief als finster anzusehen.
3. Alsdann antwortete Raphael, einer von den heiligen Engeln, welche bei mir waren, und sagte: Dies sind die lieblichen Plätze, wo die Geister, die Seelen der Toten werden versammelt werden; für sie wurden sie eingerichtet, und hier werden versammelt werden alle Seelen der Menschensöhne.
4. Diese Plätze, in welchen sie wohnen, sollen sie einnehmen bis zum Tage des Gerichts und bis zu ihrer bestimmten Zeit.
5. Ihre bestimmte Zeit wird lang sein, gerade bis zum großen Gericht. Und ich sah die Geister der Menschensöhne, welche gestorben waren, und ihre Stimmen reichten zum Himmel, indem sie anklagten.
6. Alsdann fragte ich Raphael, einen Engel, welcher bei mir war, und sagte: Wessen Geist ist der, dessen Stimme (zum Himmel) reicht und anklagt?
7. Er antwortete und sagte: Dies ist der Geist Abels, welcher erschlagen wurde von Kain, seinem Bruder, und er wird ihn anklagen, bis sein Samevernichtet ist von der Oberfläche der Erde,
8. bis sein Same verschwindet aus den Samen des menschlichen Geschlechts.
9. Zu dieser Zeit also erkundigte ich mich über ihn und über das allgemeine Gericht und sagte: Warum ist einer von dem anderen getrennt? Er antwortete: dreies ist gemacht worden zwischen die Geister der Toten, und so sind dieGeister der Gerechten getrennt worden,
10. nämlich eine Kluft, Wasser und Licht darüber.
11. Und auf dieselbe Weise werden auch Sünder getrennt, wenn sie sterben und in der Erde begraben werden, hat sie das Gericht nicht ereilt bei ihren Lebzeiten.
12. Hier werden ihre Seelen getrennt. Überdies ist ihr Leiden groß bis zur Zeit des großen Gerichts, der Züchtigung und der Qual derjenigen, welche ewig verfluchen, deren Seelen gestraft und gebunden werden bis in Ewigkeit.
13. Und so ist es gewesen vom Anfange der Welt an. So war dort vorhanden eine Trennung zwischen den Seelen derjenigen, welche Klagen vorbringen, und derjenigen, welche lauern auf ihre Vernichtung, sie zu morden an dem Tage der Sünder.
14. Ein Behältnis dieser Art ist gemacht worden für die Seelen der ungerechten Menschen und der Sünder, derjenigen, welche Verbrechen vollbracht und sich zu den Gottlosen gesellt haben, denen sie gleichen. Ihre Seelen sollen nicht vernichtet werden am Tage des Gerichts, noch sollen sie auferstehen von diesem Platze. Alsdann pries ich Gott,
15. und sagte: Gepriesen sei mein Herr, der Herr der Herrlichkeit und derGerechtigkeit, welcher regiert über alles von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Kap. 23

1. Von da ging ich zu einem anderen Platze, gegen Westen, bis an die Enden der Erde,
2. wo ich ein Feuer lodern und ohne Aufhören fortlaufen sah, welches seinen Lauf weder bei Tage noch bei Nacht unterbrach, sondern immer denselbenfortsetzte.
3. Ich erkundigte mich und sagte: Was ist dies, welches niemals aufhört?
4. Darauf antwortete Raguel, einer von den heiligen Engeln, welche bei mir waren,
5. und sagte: Dieses lodernde Feuer, welches du gegen Westen laufen siehst,ist (das) aller Lichter des Himmels.

Kap. 24

1. Ich ging von da zu einem anderen Platze und sah einen Berg von Feuer, welches aufloderte sowohl bei Tage als bei Nacht. Ich ging nach ihm zu, und nahm sieben glänzende Berge wahr, welche alle voneinander verschieden waren.
2. Ihre Steine waren glänzend und schön; alle waren glänzend und prächtig anzusehen, und schön war ihre Oberfläche. Drei waren gegen Osten und dadurch verstärkt, dass einer auf den andern gestellt war, und drei waren gegenSüden, verstärkt in einer ähnlichen Weise. Da waren auch tiefe Täler, welche einander nicht nahe kamen. Und der siebente Berg war in der Mitte derselben.
In der Lage glichen sie alle dem Sitze eines Thrones, und wohlriechende Bäume umgaben sie.
3. Unter diesen war ein Baum von einem unablässigen Geruch; auch von denen, welche in Eden waren von allen den riechenden Bäumen, war keiner von Geruch wie dieser. Sein Laub, seine Blüte und seine Rinde wurden niemals welk, und seine Frucht war schön.
4. Seine Frucht glich der Traube der Palme. Ich rief aus: Siehe! dieser Baum ist trefflich zum Ansehen, angenehm in seinem Laube, und der Anblick seiner Frucht ist ergötzlich für das Auge. Darauf antwortete Michael, einer von den heiligen und herrlichen Engeln, welche bei mir waren, und (einer,) welcher ihnen vorstand,
5. und sagte: Henoch, warum erkundigst du dich über den Geruch diesesBaumes,
6. bist begierig dies zu wissen?
7. Alsdann versetzte ich, Henoch, ihm und sagte: In Betreff jedes Dinges bin ich begierig nach Belehrung, doch vorzüglich in Betreff dieses Baumes.
8. Er antwortete mir und sagte: Dieser Berg, welchen du siehst, und dessen Haupt in seiner Ausdehnung dem Sitze des Herrn gleicht, wird der Sitz sein, auf welchem sitzen wird der heilige und große Herr der Herrlichkeit, der ewige König, wenn er kommen und herabsteigen wird, um die Erde mit Güte heimzusuchen.
9. Und diesen Baum von einem angenehmen Geruch, nicht von einem fleischlichen, wird man nicht anrühren können bis zur Zeit des großen Gerichts. Wenn alle bestraft und für immer vernichtet sein werden, soll dieser für die Gerechten und Demütigen bestimmt sein. Die Frucht von diesem soll den Auserwählten gegeben werden. Denn gegen Norden soll Leben gepflanzt werden an der heiligen Stelle, gegen die Wohnung des ewigen Königs.
10. Alsdann werden sie sich sehr freuen und frohlocken in dem Heiligen. Der angenehme Geruch wird in ihr Gebein dringen, und sie werden leben ein langes Leben auf der Erde, wie deine Vorfahren gelebt haben, und nicht wird in ihren Tagen Kummer, Elend, Unruhe und Strafe sie quälen.
11. Und ich pries den Herrn der Herrlichkeit, den ewigen König, weil er bereitet hat für die Heiligen, ihn gemacht und verkündigt, dass er ihn ihnengeben werde.

Kap. 25

1. Von da ging ich zu der Mitte der Erde und sah ein glückliches und fruchtbares Land, welches Zweige enthielt, immerwährend sprossend aus den Bäumen, welche darauf gepflanzt waren. Da sah ich einen heiligen Berg und unter ihm Wasser auf der östlichen Seite, welches gegen Süden floß. Ich sah auch auf der Ostseite einen anderen Berg, eben so hoch wie diesen, und zwischen ihnen waren tiefe, aber nicht weite, Täler.
2. Wasser floß gegen den Berg westlich von diesem, und unten da war wieder ein anderer Berg.
3. Da war ein Tal, doch kein weites, unter ihm, und in der Mitte von ihnen waren andere tiefe und trockene Täler gegen das Ende der drei. Alle diese Täler, welche tief, aber nicht weit waren, bestanden aus einem festen Felsen mit einem Baume, welcher in sie gepflanzt war. Und ich wunderte mich überden Felsen und über die Täler und war äußerst erstaunt.

Kap. 26

1. Alsdann sagte ich: Was deuten an dieses gesegnete Land, alle diese hohen Bäume und das verwünschte Land zwischen ihnen?
2. Darauf versetzte Uriel, einer von den heiligen Engeln, welche bei mir waren: Dieses ist das verwünschte Tal der Verwünschten bis in Ewigkeit. Hier sollen versammelt werden alle, welche ausstoßen mit ihrem Munde ungeziemende Reden gegen Gott, und widrige Dinge sprechen von seiner Herrlichkeit. Hier werden sie versammelt werden. Hier wird ihr Land sein.
3. In den letzten Tagen soll ein Beispiel von Gericht gehalten werden über sie in Gerechtigkeit vor den Heiligen, wo diejenigen, welche Gnade erhalten haben, bis in Ewigkeit, alle ihre Tage, preisen werden Gott, den ewigen König.
4. Und zu dieser Zeit des Gerichts sollen sie ihn preisen für seine Gnade, weil er sie ihnen erteilt hat. Alsdann pries ich Gott, wendete mich zu ihmund gedachte, wie es sich geziemte, seiner Größe.

Kap. 27

1. Von da ging ich gegen Osten zu der Mitte des Berges in der Wüste, wovon ich nur die ebene Oberfläche wahrnahm.
2. Sie war voll von Bäumen des erwähnten Samens, und Wasser lief daran herab.
3. Da zeigte sich ein Wasserfall, wie zusammengesetzt aus mehreren Wasserfällen, sowohl gegen Westen als gegen Osten. Auf einer Seite warenBäume, auf der andern Wasser und Tau.

Kap. 28

1. Alsdann ging ich zu einem anderen Platze aus der Wüste, gegen Osten des Berges, (welchem) ich mich genaht hatte.
2. Da sah ich Bäume des Gerichts, besonders die Träufler des angenehmen Geruchs von Weihrauch und Myrrhe.
3 Und darüber, höher als sie, war die Erhöhung des östlichen Berges in nichtgroßer Entfernung.

Kap. 29

1. Ich sah auch einen anderen Platz mit Tälern von Wasser, welches niemals abnahm.
2. Ich nahm einen schönen Baum wahr, welcher im Geruch ähnlich war dem Mastix.
3. Und zu den Seiten dieser Täler nahm ich Zimt von einem angenehmen Geruchwahr. Über sie ging ich weiter gegen Osten.

Kap. 30

1. Alsdann sah ich einen anderen Berg, Bäume enthaltend, woraus Wasser floß gleich Nektar. Sein Name war Sarira und Kalboneba. Und auf diesem Berge sah ich einen anderen Berg, auf welchem Aloë-Bäume waren.
2. Diese Bäume waren voll, gleich Mandelbäumen und stark, und wenn sieFrucht hervorbrachten, so übertraf sie allen Wohlgeruch.

Kap. 31

1. Nach diesen Dingen betrachtete ich die Eingänge des Nordens über den Bergen, und nahm sieben Berge wahr, angefüllt mit reiner Spieke, wohlriechenden Bäumen, Zimt und Papyrus.
2. Von da ging ich weiter über die Spitzen dieser Berge, eine Strecke östlich, und ging über das erythräische Meer. Und als ich weit über dasselbe hinausgekommen war, ging ich weiter fort über den Engel Zateel, und kam zu dem Garten der Gerechtigkeit. In diesem Garten sah ich unter anderen Bäumen einige, welche zahlreich und groß waren, und welche da blühten.
3. Ihr Geruch gut und kräftig und ihr Aussehen verschieden und schön. Der Baum der Erkenntnis war auch da, durch welchen Jeder, der davon ißt, mit großer Weisheit begabt wird.
4. Er war ähnlich einer Art Tamarinde, und trug Frucht, welche äußerst feinen Trauben glich, und sein Wohlgeruch erstreckte sich bis zu einer beträchtlichen Entfernung. Ich rief aus: Wie schön ist dieser Baum, und wie ergötzlich ist sein Anblick!
5. Darauf antwortete der heilige Raphael, ein Engel, welcher bei mir war, und sagte: Dies ist der Baum der Erkenntnis, von welchem aßen dein alter Vater und deine verwitwete Mutter, welche vor dir waren, und welche Erkenntnis empfingen, indem ihre Augen geöffnet wurden, und sie sahen, dasssie nackt waren, aber aus dem Garten vertrieben wurden.

Kap. 32

1. Von da ging ich weiter gegen die Enden der Erde, wo ich große Tiere sah, verschieden voneinander, und Vögel, verschieden in ihren Ansehen und der Gestalt, auch mit Gesängen von verschiedenen Tönen.
2. Gegen Osten dieser Tiere nahm ich wahr die Enden der Erde, wo der Himmel aufhörte. Die Pforten des Himmels standen offen und ich sah die himmlischen Sterne herauskommen. Ich zählte sie, wie sie heraustraten aus der Pforte, und schrieb sie alle auf, wie sie herauskamen einer nach dem andern, nach ihrer Zahl, ihre Namen allzumal, Ihre Zeiten und ihre Jahreszeiten, so wieder Engel Uriel, welcher bei mir war, sie mir angezeigt hatte.
3. Er zeigte mir alle und verzeichnete sie.
4. Er schrieb auch für mich ihre Namen, ihre Einrichtungen und ihreWirkungen nieder.

Kap. 33

1. Von da ging ich gegen Norden, zu den Enden der Erde.
2. Und da sah ich ein großes und herrliches Wunder an den Enden der ganzen Erde.
3. Ich sah da himmlische Pforten, sich öffnend in den Himmel; drei von ihnen deutlich getrennt. Die Nordwinde kamen aus ihnen heraus, und wehten Kälte, Hagel. Frost. Schnee, Tau und Regen.
4. Aus einer der Pforten wehten sie mild, doch wehten sie aus den zwei (anderen), so geschah es mit Heftigkeit und Gewalt. Sie wehten stark überdie Erde.

Kap. 34

1. Von da ging ich zu den Enden der Welt gegen Westen,
2. wo ich drei offenen Pforten wahrnahm, so wie ich in dem Norden gesehenhatte; die Pforten und Wege durch sie waren von gleicher Größe.

Kap. 35

1. Alsdann ging ich zu den Enden der Erde gegen Süden, wo ich drei Pforten sah, offen gegen Süden, aus welchen ausströmte Tau, Regen und Wind.
2. Von da ging ich zu den Enden des Himmels ostwärts, wo ich drei himmlische Pforten sah, offen gegen Osten, welche innerhalb kleinere Pforten hatten.
Durch jede dieser kleineren Pforten gingen die Sterne des Himmels und liefen gegen Westen auf einem Pfade, welcher von ihnen gesehen wurde, und dies zu jeder Zeit.
3. Als ich’s sah, pries ich; jeder Zeit pries ich den Herrn der Herrlichkeit, welcher diese großen und prächtigen Zeichen gemacht hatte, damit sie entfalten möchten die Pracht seiner Werke den Engeln und den Seelen der Menschen, und diese verherrlichen möchten alle seine Werke und Taten, sehen möchten die Wirkung seiner Macht, verherrlichen möchten dasgroße Werk seiner Hände, und ihn preisen bis in Ewigkeit.

Kap. 37, Sect. VI

1. Das Gesicht, welches er sah, das zweite Gesicht der Weisheit, welches Henoch sah, der Sohn des Jared, des Sohnes Malaleel, des Sohnes Kanan, des Sohnes Enos, des Sohnes Seth, des Sohnes Adam.
{Vers 2 bei Charles, Oxford 1893 und bei Uhlig, Gütersloh 1984:} Dies ist der Anfang des Wortes der Weisheit, welches ich erhielt, zu verkündigen und zu erzählen denjenigen, welche auf Erden wohnen. Hört von dem Anfange an und versteht bis zu dem Ende die heiligen Dinge, welche ich ausspreche in der Gegenwart des Herrn der Geister. Diejenigen, welche zuvor waren, hielten es für gut, zu sprechen,
2. {Vers 3 bei Charles und bei Uhlig} und laßt uns, welche nachkommen, nicht verhindern den Anfang der Weisheit. Bis zu der gegenwärtigen Zeit ist niemals gegeben worden vor dem Herrn der Geister das, was ich erhalten habe, Weisheit nach der Fähigkeit meiner Einsicht und nach dem Wohlgefallen des Herrn der Geister das, was mir von ihm ist gegeben worden, ein Teil des ewigen Lebens, 3. {Vers 4 bei Charles und bei Uhlig} war in hundert und drei Parabeln, welche ich den Bewohnern der Welt verkündigte.

Kap. 38

1. Erste Parabel. Wenn die Versammlung der Gerechten wird offenbar werden, und Sünder für ihre Verbrechen gerichtet und bestraft werden in dem Angesichte der Welt,
2. wenn Gerechtigkeit wird offenbart werden in der Gegenwart der Gerechten selbst, welche werden auserwählt werden wegen ihrer Werke, gewogen von dem Herrn der Geister, und wenn das Licht der Gerechten und der Auserwählten, welche auf Erden wohnen, wird offenbar werden, wo wird die Wohnung der Sünder sein und wo der Platz des Friedens für diejenigen, welche verworfen haben den Herrn der Geister? Es würde für sie besser gewesen sein, sie wären nie geboren worden.
3. Wenn auch die Geheimnisse der Gerechten werden enthüllt werden, dann werden Sünder gerichtet und gottlose Menschen gequält in der Gegenwart der Gerechten und der Auserwählten.
4. Von dieser Zeit an werden diejenigen, welche die Erde besitzen, nicht (mehr) mächtig sein und erhaben. Und nicht sollen sie fähig sein, zu schauen das Antlitz der Heiligen; denn das Licht des Antlitzes der Heiligen, der Gerechten und der Auserwählten ist gesehen worden von dem Herrn der Geister.
5. Gleichwohl sollen die mächtigen Könige jener Zeit nicht vernichtet, sondern in die Hände der Gerechten und der Heiligen geliefert werden.
6. Und nicht sollen sie von der Zeit an Erbauung erhalten von dem Herrn der Geister, dieweil ihr Leben vollendet sein wird.

Kap. 39

1. In jenen Tagen wird das auserwählte und heilige Geschlecht herabsteigen von den oberen Himmeln, und ihr Same wird dann bei den Söhnen der Menschen sein. Henoch empfing Bücher des Zorns und des Grimms, und Bücher der Verwirrung und Unruhe.
2. Niemals sollen sie Gnade erhalten, sagte der Herr der Geister.
3. Eine Wolke raffte mich dann auf und der Wind hob mich über die Oberfläche der Erde, und setzte mich an das Ende der Himmel.
4. Da sah ich ein anderes Gesicht, die Wohnung und den Ruheplatz der Heiligen. Da sahen meine Augen ihre Wohnung bei den Engeln und ihren Ruheplatz bei den Heiligen. Sie baten, flehten und beteten für die Söhne der Menschen, während Gerechtigkeit vor ihnen floß gleich Wasser, und Gnade gleich Tau über die Erde. Und so ist’s mit ihnen von Ewigkeit zu Ewigkeit.
5. Zu jener Zeit sahen meine Augen den Ort der Auserwählten, der Wahrheit, der Treue und der Gerechtigkeit.
6. Unzählbar wird die Anzahl der Heiligen und der Auserwählten sein in seiner Gegenwart von Ewigkeit zu Ewigkeit.
7. Ihre Wohnung sah ich unter den Flügeln des Herrn der Geister. Alle die Heiligen und Auserwählten sangen vor ihm, (welcher) der Erscheinung nach einer Flamme von Feuer gleich, ihr Mund war voll von Segnungen und ihre Lippen verherrlichten den Namen des Herrn der Geister, und Gerechtigkeit (wohnt) unaufhörlich vor ihm.
8. Dort wünschte ich zu bleiben und meine Seele sehnte sich nach dieser
Wohnung. Dort war mein Teil zuvor, denn so war es bestimmt worden über mich vor dem Herrn der Geister.
10. Diesen Platz betrachteten meine Augen lange. Ich pries und sagte: Gepriesen sei Er, gepriesen von dem Anfange bis in Ewigkeit. Im Anfange, ehe die Welt erschaffen war, und ohne Ende ist sein Wissen.
11. Was ist diese Welt! Von jedem vorhandenen Geschlecht sollen dich preisen diejenigen, welche nicht schlafen, sondern stehen vor deiner Herrlichkeit, dich preisen, verherrlichen, erheben und sagen: der heilige, heilige Herr der Geister erfüllt die ganze Welt der Geister.
12. Da sahen meine Augen alle, welche, ohne zu schlafen, vor ihm standen, ihn priesen und sagten: Gepriesen seist du und gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit bis Ewigkeit. Dann verwandelte sich mein Antlitz, bis ich unfähig wurde zu sehen.

Kap. 40

1. Nach diesem sah ich Tausende von Tausenden und Myriaden von Myriaden, und eine unendliche Zahl Volkes vor dem Herrn der Geister stehen.
2. Auch auf den vier Flügeln des Herrn der Geister, auf den vier Seiten nahm ich andere, außer denjenigen wahr, welche (vor ihm) standen. Auch ihre Namen weiß ich, dieweil der Engel, welcher bei mir ging, sie mir verkündigte, und mir jedes Geheimnis entdeckte.
3. Alsdann hörte ich die Stimmen derer auf den vier Seiten den Herrn der Herrlichkeit erheben.
4. Die erste Stimme pries den Herrn der Geister von Ewigkeit zu Ewigkeit.
5. Die zweite Stimme hörte ich preisen den Auserwählten und die Auserwählten, welche gemartert werden um des Herrn der Geister willen.
6. Die dritte Stimme hörte ich bitten und beten für diejenigen, welche auf Erden wohnen und anflehen den Namen des Herrn der Geister.
7. Die vierte Stimme hörte ich austreiben die bösen Engel und sie verhindern zu treten in die Gegenwart des Herrn der Geister, damit sie nicht Klagen erheben gegen die Bewohner der Erde.
8. Nach diesem ersuchte ich den Engel des Friedens, welcher mit mir ging, alles zu erklären, was verborgen war. Ich sagte zu ihm: Wer sind diese, (welche) ich gesehen habe auf den vier Seiten, und deren Worte ich gehört und aufgeschrieben habe? Er versetzte: Der erste ist der barmherzige, der geduldige, der heilige Michael.
9. Der zweite ist der, welcher (gesetzt) über jedes Leiden und jede Wunde der Menschensöhne, der heilige Raphael. Der dritte, welcher (gesetzt) über alles, was mächtig ist, ist Gabriel. Und der vierte, welcher (gesetzt) ist über Reue und die Hoffnung derjenigen, welche ewiges Leben erben werden, ist Phanuel. Dieses sind die vier Stimmen, welche ich zu jener Zeit hörte.

Kap. 41

1. Nach diesem sah ich die Geheimnisse der Himmel und des Himmelreiches je nach seinen Abteilungen und der Werke der Menschen, wie sie sie dort wägen und auf Waagen. Ich sah die Wohnungen der Auserwählten und die Wohnungen der Heiligen. Und dann sahen meine Augen alle die Sünder, welche verleugneten den Herrn der Herrlichkeit, und welche sie austrieben von dort, und hinwegschleppten, als sie (dort) standen, weil Strafe gegen sie von dem Herrn der Geister (früher) nicht ergangen war.
2. Da sahen meine Augen auch die Geheimnisse des Blitzes und des Donners, und die Geheimnisse der Winde, wie sie verteilt werden, wenn sie wehen über die Erde, die Geheimnisse der Winde, des Taues und der Wolken. Da nahm ich wahr die Stelle, von welcher sie ausströmten, und gesättigt wurden mit dem Staube der Erde.
3. Dann sah ich die verschlossenen Behältnisse, von welchen aus die Winde getrennt wurden, das Behältnis des Hagels, das Behältnis des Schnees, das Behältnis der Wolken, und die Wolke selbst, (welche) beständig über die Erde schwebte vor der Welt.
4. Ich sah auch die Behältnisse des Mondes, von wannen sie kamen, wohin sie liefen, ihre herrliche Rückkehr, und wie einer glänzender wurde als der andere, ihren prächtigen Lauf, ihren unveränderlichen Lauf, ihren getrennten und unverringerten Lauf, ihre Beobachtung einer gegenseitigen Treue nach einem Eide, bei welchem sie blieben, ihr Fortschreiten vor der Sonne und ihre Anhänglichkeit an ihren Pfad im Gehorsam gegen den Befehl des Herrn der Geister. Mächtig ist sein Name von Ewigkeit zu Ewigkeit.
5. Nach diesem wurde der Pfad des Mondes, der verborgene wie der sichtbare, eben sowohl als der Fortgang seines Pfades bei Tage und bei Nacht vollendet, während jeder, einer wie der andere, nach dem Herrn der Geister sah, erhebend und lobpreisend ohne Aufhören, sintemal Lobpreisen für sie Ruhe ist; aber in der glänzenden Sonne ist ein häufiges Wandeln zu Segen und zu Fluch.
6. Der Lauf des Mondpfades ist für die Gerechten Licht, aber für die Sünder ist er Finsternis, in dem Namen des Herrn der Geister, welcher schuf (eine Trennung) zwischen Licht und Finsternis, und trennte die Geister der Menschen, und stärkte die Geister der Gerechten selbst in dem Namen seiner Gerechtigkeit.
7. Und nicht kommt (ihnen) zuvor der Engel und nicht ist er begabt mit der Macht, (ihnen) zuvor zu kommen; denn der Richter sieht sie alle und richtet sie alle selbst in seiner Gegenwart.

Kap. 42

1. Die Weisheit fand keinen Platz, wo sie wohnen konnte; ihre Wohnung ist deshalb im Himmel.
2. Die Weisheit trat hervor, um zu wohnen unter den Söhnen der Menschen, doch sie erhielt keine Wohnung. Die Weisheit kehrte zurück an ihren Platz und setzte sich in die Mitte der Engel. Aber die Ungerechtigkeit trat hervor nach ihrer Rückkehr, welche wider Willen (eine Wohnung) fand, und wohnte unter ihnen, wie Regen in der Wüste und wie Tau in einem durstigen Lande.

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